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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage zrr Nr» 91 des „Friede««mer Lokal-M«zeiger" 
Vxrwtag. d»n 25 April l9L». 
Sitzung der Gemeindevertretung 
am Donnerstag, den 22. April 1920. 
Vergüt ungsbcihllfe für die inchitstänLrgen Angestellten. 
Namens ihrer Fraktionen erklären die G.-V. Alt^ 
m a n n (D. Vp.), B ii t h (Soz.), Leon Hardt (Dem.) 
ihr Einverständnis mit der Vorlage. Es sei auch über dre 
Beamtenwünsche gesprochen worden, die Berücksichtigung 
finden sollen. Doch w.ü'se hier eine gleichmäßige Rege 
lung in Groß-Berlin erfolgen. Ta die Beamten erst ihre 
Bierteljahrsgehälrcr erhalten haben, könne von einer drin 
genden Notlage im Augenblick nicht gesprochen norden. 
Ihre Wünsche werden aber Berücksichtigung finden. — ES 
wird folgendes beschlossen: Die Vergürungsbeihilfen t>n 
nichtständigen Angestellten (Kriegshilfskräfte) werden als 
Provisorium für den Monat April 1920 erhöht und zwar 
a) für Ledige unter 18 Jahren von 50 M. aus 140 M. 
monatlich, bl für Ledige icher 18 Jahre von 75 M. auf 
200 M. monatlich, c) für Verheiratete'von 90 M. auf 
215 M. monatlich, d) für jedes zu versorgende Kind 
bis zum vollendeten 16. Lebensjahr von 20. auf 80 M- 
monatlich. 
Arüeiterlohataris. 
Ohne Erörterung beschließt die Gemeindevertretung: 
Der Schiedsspruch des Gemeindlichen ZentralausschusseS 
vom 16. 4. 1920, beir. Arbeiterlohntarif wird unter der 
Bedingung angenommen, daß die Stadt Berlin diesen 
Schiedsspruch gleichfalls annimmt. 
'fr Gesamt Mehr 
bedarf beträgt rund 700 000 M. jährlich. 
Umgestaltung der Feuerwehr. 
Der von uns in Nr. 89 schon mitgeteilten Vorlage 
über die Umgestaltung der- Feuerwehr wird ohne Wider 
spruch zugestimmt. 
Ausbesserung elektrischer Lichtleitungen. 
, Die zur Erhöhung der Feiiersicherheit auf deni Grund 
stück Wilhelmstraße 7, vorgenommene gründliche Instand 
setzung der elektrischen Lichtleitungen wird nachträglich 
genehmigt und die entstandenen Kosten in .^>öhr von 946,10 
Mark werden bewilligt. 
Eine Errtlansungsstation in der 2. Grmeindeschule. 
Zur Bekämpfung und Beseitigung der Lüuseplagc soll 
in der 2. Gemcindeschnle in der Rheingaustraße im vor 
handenen Badcraiim im Dachgeschoß eine Kopf-Douchei- 
einrichtilng geschaffen werden. 
G.-V. Lüdecke (Dem.) fragt an, ob es denn in 
Friedenau foviele Läuse gäbe. Bürgermeister Walger: 
Leider gibt es jetzt mehr als früher.'(Schöffe v. Wrochem: 
Es sind lausige Zeiten). G.-B. Dr. Schultz (Dnat.): 
Er hoffe, daß es durch die Einrichtung endlich gelinge, 
der Lüuseplagc Herr zu werden. Die Schulpflcgcriii Frl. 
Stosch gehe jetzt auch in die Wohnungen und weise die 
Eltern zum sachgemäßen Verhalten an. G--V. Lauge 
(Dnat.) meint, in der 8. Gemeinde schule beseitige man 
die Entlausungsanstalt und hier wolle man sie neu schassen. 
Bürgermeister Walger: Das ist etwas ganz anderes. 
Tie erste Anstalt war für die zurückkohrenden .Krieger 
bestimmt. Hier aber handelt es sich hauptsächlich um die 
Behandlung der Schulkinder und Beseitigung der Kopf 
läuse. — Für die Einrichtung der Station werden 1700 
Mark bewilligt. 
Ausbau einer Bohnung ln Gütttgotz. 
Die Gemeindevertretung beschließt den Ausbau btt 
im Dachgeschoß der Blumeiiverkausshalle aus dem Fried 
hofsgelände in Gütergotz belegenen Gärtuerwohnung und 
-bewilligt die erforderlichen Mittel in Höhe von.2500 M. 
Instandsetzung einer Notwohnung. 
, Genehmigt wird die Instandsetzung der dem Polizel- 
wachtmcister Jacobs vom Wohnungsamt überwiesenen Not 
wohnung im Hause .Handserystraße 90 und die dafür ans 
1500 M. ermittelten Kosten werden bewilligt. 
Don E. Ph. Appenheim. 
40 Mxchdnr« »erbeten.; 
„Wie mären Sie auch sonst eines solchen Glucke- 
würdig!" sagle er niit einer Galanterie, die ihn sauer genug 
ankam. „Aber, wenn es erlaubt ist, danach zu fragen, 
was wollte dieser Rechtsanwalt denn eigentlich von Ihnen 
ersahren?" 
„Oh, alles Erdenkliche! Er war in feinen Fragen 
hundertmal neugieriger und unverschämter als der Kriminal 
kommissär, der doch wahrhaftig auch kein Blatt vor den 
Mund genommen hat. Als wenn ich in alle Geheimnisse 
dieses armen Afrikaners eingeweiht gewesen wäre! Die 
Leute müssen wirklich nie in ihrem Leben einen Verkehr 
mit jungen Mädchen gehabt haben, daß sie glauben können, 
man spräche dabei von nichts als von Geschäften und 
solchen langweiligen Sachen." 
„Run, es fällt doch wohl gelegentlich mal ein Wort 
darüber, lind Herr Martens stand Ihnen ja, wie ich ge 
hört habe, sehr nahe." 
„Ob, damit war es nicht gar so arg," erwiderte sie mit 
bcwunderunaswürdigem Freimut. „Er konnte ja zuweilen 
recht nett sein, aber zum Verlieben war er gewiß nicht. 
Im nüchternen Zustande war er sogar der geizigste und 
widerwärtigste Mensch, den inan sich denken kan», und er 
wurde erst erträglich, wenn er ein Glas über den Durft 
getrunken hatte. Dann freilich flogen die blauen Lappen 
imi- so nach allen Seiten. Aber sagen Sie doch aufrichtig, 
mein Herr, was Sie von mir wissen wollen. Wenn ich 
Ihnen irgendeine Auskunft geben kann, soll es gern ge 
schehen. Ihnen bin ich lieber gefällig, als diefeni ver 
trockneten Rechtsanwalt, der sich einer Dame gegenüber 
nicht einmal zu bcnehinen weiß." „ 
„Sie sind überaus liebenswürdig, mein Fräulein I Und 
da Sie mich so freundlich ermutige», ich möchte wissen, 
woher Otto Martens das Geld halte, mit dem er nach Ihrer 
eigenen Erllärung so freigebig uni sich warf." 
Die blonde Mieze zog bedauernd die runden Schultern 
in die Höhe. ., 
„Da fragen Sic allerdings mehr, als ich beantworten 
kann. Ich habe nicht die Gewohnheit, meine Bekannten 
„ach solchen Dingen auszuforschen. Aber er war, soviel 
ich weih, an einer Diainanienmine in Südasrika beteiligt. 
Daher wird also :vohl auch sein Vermögen stammen." 
„Hai er Ihnen von einer solchen Berriliaung erzählt?" 
„Gewiß, und mir nicht allein. Er pflegte bei jeder 
Gelegenheit damit zu renommieren." 
Aerrdpriplkg der Sruirdsätze für Vergebung vor. Liefe- 
rangen. 
Die Gemeindevertretung beschließt: „In Abänderung 
der Grundsätze voni 13. Oktober 1908 betr. die Ver 
dingung und Vergebung von Leistungen uird Lieferungen 
wird der ain 8. Mai 1919 von der Gemeindevertretung 
gefaßte Beschluß auch für das Rechnungsjahr 1920 als 
bindend angesehen mit der sinngemäßen Auslegung, daß 
hinsichtlich der dem Gemeindeban rar zugestandenen Be 
fugnisse innerhalb der zuständigen Ausschüsse, über Summen 
bis 5000 M. selbständige Entscheidung treffen zu dürfen, 
insofern eine weitere Aenderung eintritt als hierfür der 
Dezernent des Hochbauamtes, Bürgermeister W a l g e r, 
zuständig wird". 
Man kommt nun zu den Tringlichleitsantrigen. 
Schöffe Schildberg (Dem.) bitter, einen Betrag 
von 50000 M. bereitzustellen, um tuberkulöse und kuber- 
kuloseverdächtige Kinder in der Schweiz und in anderen 
Gegenden unterzubringen. Durch die Untersuchungen sind 
50 tuberkulöse Kinder, 142 tuberkuloseverdächtige Kinder 
und 160 stark unterernährte Kinder festgestellt worden. Es 
ist uns angedoleii worden, 15 Kinder nach der Schweiz 
zu bringen. Tie 50 Kinder, die an Tuberkulose, leiden, 
sollen Hi Jahr hinausgeschickt werden. Die Unkosten je 
eines Kindes würden rund 1000 M. betragen. Er bitte 
daher, die 50000 M. bereitzustellen. Auf eine Ansiage 
des G.-B. G i e f e (Soz.) über die Auswahl der Kinder, 
erwidert Schöffe S ch i l d b e r g , daß die Kinder von den 
Schulärzten und von den Fürsorgeärzten ausgewählt und 
eingehend untersucht worden wären. Die Aerzte kamen 
dann zusammen und haben mm auch noch einmal gemein-- 
sam die Feststellungen gemacht. — Die 50000 M.'werden 
bewilligt. 
Auslösung der Eiirwohiccrwehr. 
Bürgermeister W a l g e r berichtet, daß nach einem 
Schreiben der Einwohnerwehr für die AbwicklilngSgeschäfte 
zur Auflösung der Wehr unbedingt die Tätigkeit von drei 
Herren nolwendig sei, die von der Gemeinde zu bezahlen 
sind. Es müssen die Waffen und Ausrüftungsgegenstände 
eingezogen und ordnungsmäßig abgeliefert worden. In 
Frage kommen der Kassenverwalter .Hartmann, der 1580 
Mark erhält, der Waffenmeister Vogel, der 990 Mark be 
kommt und die Ordonnanz Blenk mit 900 M., zusammen 
8420 M. G -V. Tr. H a s s e (Soz.) erklärt, daß er eine 
Anfrage gestellt habe über die Tätigkeit des Untersuchungs 
ausschusses, die hierbei gleich erledigr werden 'könnte. In 
der Bevölkerung sei vielfach die Meinung vorhanden, daß 
die Sache verschleppt iverde. In der Fraktion habe er 
irohl von Zeit zu Zeit etwas von den Vertretern im Aus 
schüsse gehört, er wisse, daß der Ausschuß arbeite und 
durch die Zeugenvernehmung viel Zeit tu Anspruch ge- 
noinmen werde; trotzdem bitte er den leitenden Schöffen, 
etwas über die Tätigkeit des Ausschusses bekannt zu 
geben, damit die Oeffcntlichkrit erfährt, daß der Ausschuß 
arbeitet, mit Energie dahiuterhcr ist und daß etwas ge 
schieht. (Bürgermeister Walger: Das gehört doch jetzt 
nicht hier her.) Er möchte vorschlagen, die Abwicklungs- 
geschäfte vorläufig noch auszusetzen. Bürgermeister 
Walger bittet, sich zunächst mir dem Arrlrage zu be 
schäftigen. G.-V. Maulbeckrr (Soz.) empfiehlt, im 
Hinblick aus die Vorgänge in Wilmersdorf init der Ab 
gabe der Waffen sehr vorsichtig zu sein. Bürgermeister 
Walger bemerkt, daß Herr Maulüeckcr alZ alter Soldat 
(Zuruf des G.-B. Dettmer) doch wisse, daß solche ölbtvick- 
liinaSgeschäfte lange Zeit beanspruchen. Daß die Waffen 
nichr in falsche Hände kommen, sei doch selbstverständlich; 
wir fordern ja auch keine Waffen mehr an. G.-V. 
Deitmer (Unabh.) erscheint es außerordentlich gefähr 
lich, die Ab toi cllu ngsg e sch ä fr e in die Hände der Herren 
der Einwohnerwehr zu legen. Die Gemeindeverwaltung 
müsse daS tun unb die Akten in ihre Obhut nehmen. Man 
„Und wenn ich Ihnen nun auf Grund zuverlässigster' 
Informationen versichern kann, daß daran kein wahres 
Wort gewesen ist, daß er vielmehr vor neun oder zehn 
Monaten Südafrika als ein bettelarmer Mann verließ?" 
„Dann würde das eben nur ein Beweis mehr dafür 
fein, daß er ein Aufschneider war," versetzte die Choristin 
gleichmütig. „Ich habe ihn nie für etwas anderes ge- 
halten." 
Die Art ihrer Antworten gab Hollfelden jedenfalls die 
bcrubigende Gewißheit, daß durch seine Fragen keinerlei 
schmerzliche Empfindungen in ihrem Herzen wachgerufen 
wurden, und jo trug er kein Bedenken, in seinem Jn- 
quisitoriui» fortzufahren. 
„Wie ich aus den Zeitungen erfahren habe, waren Sie 
mein Fräulein, eines der letzten inenschlichen Wesen, in, 
deren Gesellschaft sich Marrens vor seiner Ermordung be 
funden. Ist Ihnen dabei etwas Besonderes an ihm auf 
gefallen ? Sprach er vielleicht davon, daß er sich von einer 
Gefahr bedroht fühle?" 
Die blonde Mieze schüttelle den Kopf. 
„Keine Silbe! Er war im Gegenteil sehr vergnüg! 
und schickte mich schließlich aus der London Var nach 
Hause, weil er, wie er sagte, in dieser Nacht möglicherweise 
noch ein großes Geschäft zu erledigen haben würde." 
„Tat er das? Davon haben Sie doch meines Wissens 
bei Ihrer Vernehmung nichts erwähnt." 
„Es ist mir erst später wieder eingefallen. Wenn der 
Afrikaner über die erste Flasche Sekt hinaus war, schwatzte 
er so viel, daß man eben nicht viel Gewicht legte auf das, 
was er sagte. Und bei dem Verhör war ich vollends so 
verwirrt nnd eingeschüchtert, daß ich mich im Moment 
auf gar nichts mehr besinnen konnte." 
„Und ist Ihnen nachher vielleicht noch etwas anderes 
eingefallen als diese Bemerkung des Martens über ein in 
Aussicht stehendes Geschäft?" 
„Nein!" sagte sie etwas zögernd. Und noch einer 
kleinen Pause fügte sie, offenbar von dem Wunsche geleitet, 
sich dem hübschen, jungen Manne recht gefällig zu zeigen, 
hinzu: 
„Wenigstens nichts, was nach meiner Meinung mit 
seiner Ermorderung in irgendeinem Zusammenhange stehen 
könnte." 
Es war ein -deutlicher Wink, daß sie noch weiter be 
fragt zu sein wünschte, und Hollselden zauderte natürlich 
nicht, diesen Wink zu bef«lgen. 
„Es war also doch noch etwas? Bitte, sagen Sie er 
mir! Ich werde Ihnen für Ihre Alisrichtigkeit von Herzen 
dankbar kein." 
habe Mit dieser militärischen Abwicklung traurige Erfah- 
ruugeu gemacht.' Bürger-meister Walger: Wir sind hier 
für nicht zuständig. (Zuruf: Aber zum Zahlen.) G.-V. 
Dettmer: An die Gemeinde sirrd die Waffen abzuliefern. 
Bürgermeister Walger: Wir haben dazu kein Recht. G.-B. 
Piniak (Soz.): Wir wir gehört haben, sind die Waffen 
zum größten Teil schon abgeliefert worden. G.--T. 
Maulbecker (Doz.): Man körmlc die Gemeinde für 
die Waffen haftbar machen, wenn sie nicht ordnungsgemäß 
abgeliefert werden. G.-B- Leonhardt (Dem.): Da die 
Zentralstelle aufgelöst ist, können die Waffen dorthin nicht 
abgeliefert werden. Es ist auch nicht möglich, sie ari 
den Gemeindevorstand abzuliefern. Immerhin liegr in 
der Anregung des Herrn Dettmer ein gesunder Gedanke. 
Den iwch bestehenden Einwohnerwehrausschuß mit der 
Cache zu beauftragen, wird nicht so einfach sein, weil die 
Einwohnerwehr dies ablehnen würde. Aber wir können 
die Kontrolle des EinwohnerwehrausschufseS fordern und 
davon die Bewilligung der Mittel abhängig machen. Er 
wendet sich dann zn den Ausführungen des Herrn Dr. 
Hasse, erklärt, daß der Untersuchungsausschuß sehr an 
strengend gearbeitet habe, oft bis zur Grenze der phy 
sischen Kraft seiner Mitglieder. Da liabe der Ausschuß 
die Vorwürfe des Herrn Dr. Hasse nicht verdient. Es 
gelinge nichr iinmer, die Auskünfte so zu bekommen, wie 
man sie haben müsse. Man tue aber alles, um di» Vor 
fälle aufzuklären. Der Ausschuß trage aber auch eine 
Verantwortung und so könne er nicht eher etwas berichterr, 
ehe er nicht völlige Aufklärung habe. Bürgermeister W a l- 
g e r bemerkt, daß auch die letzteren Ausführungen des 
Herrn Leonhardt nicht hierher gehörten. Er glaube, daß 
die Einwohnerwehr gegen die Kontrolle nichts einzuwenden 
haben werde. Er habe sich nur dagegen verwahrt, daß 
die Gemeinde es mache, das könne sie nicht, sie sei nicht 
zuständig dazu. G.-B. Dettmer (Unabh.) stellt fest, 
daß die Gemeinde nur das Recht zum Zahlen luibe (Bürger 
meister Walger: Sehr richtig). Damit charakterisiert sich 
die ganze Sache. Wenn mir das Recht zum zahlen haben, 
müssen ivir auch das Recht zum überwachen haben. — 
Mit dem Zusatzantrag des G.-B. Leonhardt: die Kosten 
zu bewilligen unter der Bedingung, daß die Einwohner 
wehr mit der Kontrolle durch die 4 Mtglieder deS Aus 
schusses einverstanden ist, werden die 8420 M. bereit 
gestellt. 
Krnderspcisuug durch, die amerikamschen Quäker. 
Schösse S ch i l o b e r g berichtet, daß die in Berliu 
schon eingeführte Kinderspeisung durch die amerikanische 
Mission nun auch die Vororte bekommen. Zunächst sollten 
hier 900 Kinder gespeist werden, nachträglich sei die Zahl 
aus 1425 erhöht worden. Für das Abholen, Zurichten 
der Speisen usw. werden etwa 2000 M. Kosten erforder 
lich. Auch einer Versickerung wolle man näher treten, 
so daß er bitte, den Betrag von 5000 M. bereit zu stellen. 
Vielleicht könne man die Kosten noch herabmindern durch 
Erhebung eines Beitrages von 25 Pfg. von den Eltern der 
Kinder. G.-V. Lüdecke (Dem.) bemerkt, er habe gehört, 
daß bei dem Aussuchen der Kinder nichr gleichmäßig ver 
fahren worden sei. In einer -Schule, der des Herrn Hanne« 
mann, soll eine Lehrerin die Kinder.ausgewählt haben. 
O.-M. Haftsteinann erklärt, daß es sich hier wohl 
nur um ein Mißverständnis handeln könne. Tie Kinder 
werden ärztlich untersucht und der Arzt entscheidet, welches 
Kind irntercrnährt, sehr unterernährt usw. sei. Die Lehre« 
rrrinen helfen wohl durch ihre Kenntnis der Kinder dein 
Schularzt bei der Auswahl, die für den Arzt keine leichte 
Aufgabe sei. Er glaube, daß kamn alle wirklich bedürftigen 
Kinder herankommen. Man werde sich aus die sehr unter 
ernährten beschränken müssen, weiter werde es kamn 
reichen. Schöffe Schildberg macht nun näbere An 
gaben über die Einteilung der vom Sckjularji 
ten Kinder in 4 Klassen, die mit Buchstaben bezeichnet 
„Mein Himmel, tmc lebhaft Sie sich ftir oie Sach« 
interessieren I Arbeiten wie neben Ihrer Schriftstellerei »iel- 
leicht auch für die Polizei?" 
Lächelnd beschwichtigte Heinz ihr Bedenken. 
„Mein Interesse an einer Aufklärung über die Ver 
hältnisse des Herrn Martens ist rein persönlicher Natur," 
versicherte er. „Und Sie brauchen nicht zu fürchten, daß 
Sie durch mich in Ungclegenhciten kommen könnten." 
„Ich glaube es Ihnen auf Ihr ehrliches Gesicht hin. 
Aber was ich Ihnen jetzt sagen will, ist nichts als eine 
bloße Vermutung. Ich betone ausdrücklich, daß ich nicht 
den kleinsten greifbaren Beweis dafür habe." 
„Und was ist cs?" drängte Hollfelden in wachsender 
Spannung. 
„Ich »ermute, daß Martens eine Frau hatte." 
Auf nichts war Heinz weniger vorbereitet gewesen, 
als auf eine solche Eröffnung. Und er machte kein Hehl 
aus seinem ungläubigen Erstaunen. 
„Sie meinen, er sei verheiratet gewesen? Und seine 
Frau sei noch am Leben?" 
„Ja, das glaube ich," erklärte die Choristin ziemlich 
bestimmt. Und eine Frau pflegt sich in solchen Dingen 
nur selten zu täuschen." 
„Allen Respekt vor Ihrem Scharfsinn, niein Fräulein, 
aber ich möchte doch annehmen, daß Sie sich da in einem 
Irrtum befinden. Martens war mein Nachbar, und ich 
kann Ihnen auf das Bestimmteste versichern, daß er ix 
jeder Hinsicht das Leben eines Junggesellen führte." 
Mit einem fast mitleidigen Lächeln, das ohne Zweifel 
seiner Naivität galt, wandte die Choristin ihm ihr ae- 
schminktes Gesicht zu. 
Aber das weiß doch niemand besser als ich," sagte sie. 
„Wenn er verheiratet war, und es ist meine Ueberzeugung, 
daß er es gewesen ist, so hatte er jedenfalls seine Gründe, 
hier ein Geheimnis daraus zu machen." 
„Und möchten Sie mir nicht verraten, wie Sie hinter 
dies Geheimnis kamen?" 
„Oh, das läßt sich nicht so sagen. Ein Weib errat 
dergleichen ans tausend kleinen Anzeichen, die einem Manne 
wahrscheinlich entgehen würde». Eines davon war, daß 
Martens an jedem Sonnabend verreiste, um den Sonntag 
über von Berlin sortzublcibcn. Und ich weiß, das; er mir 
über den Griind dieser regelmäßigen Abivesenhcit nicht die 
Wahrheit gesagt hat. Zwei oder dreimal erhielt ich den 
unwiderleglichen Beweis dafür, daß er mich belog." 
„War das der bcdeuisamste Ihrer Anhaltspunkte, mein 
Fräulein?" 
„O tickn, mir daß ich. wie gesagt, über manche anderen 
nicht gut sprechen kann. Doch ja, ciivas kann ich JhnW,
        
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