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Periodical volume Nr. 89, 22.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

o Zur Anstellung des hauptanltkichTN JugcildpflcgerL. 
Ter Jugcndpflegcausschuß hat sich in seiner letzten Sitzung 
abermals mit der Frage des hauptamtlichen Jugendpfle 
gers beschäftigt. Wie schon die Lehrerschaft Friedenaus 
und der Friedenauer Männerturnverein, so trat auch der 
Jugendpflegcausschuß wieder mit großer Mehrheit für die 
Wahl des Lehrers Kühn ein. Herr Schöffe v. W r o ch c nt 
teilte nun im Ausschuß mit, daß nach einer neuen Mi- 
nisterialverordnung bei Neuanstellungen in erster Linie 
aus den Grenzbezirketi.ausgewiesene Personen berücksich 
tigt werden müssen. Eine Neuausschrcibung der Stellv 
würde geraume Zeit in Anspruch nehmen, sodaß schließ 
lich Friedenau gerade in der -Sommerzeit ohne Jugend- 
pfleger sein würde. Er empfahl daher die vorläufige 
Anstellung des Herrn Kühn als hauptamtlichein Jugend 
pfleger. Tie dadurch sreiwcrdcnde Lehrcrstelle.soll dann 
ein Ausgewiesener erhalten. Ter Jngcndpflegeausschuß 
stimmte diesem Vorschlage zu. 
o Das Eiserne Kreuz 1. Klasse ist jetzt nachträglich 
auch noch Herrn Leutnant Siedschlag, Rönnebergstr. 8, 
verliehen worden. 
v Wegfall der Feindlontrolle über die Großfunkstellen. 
Mit dem 1). April ist die im Fricdensverrrag von 
Versailles vorgesehene Frist von 8 Monaten, innerhalb 
deren die drei Großfunkstellen Nauen, Eilvese und Königs- 
Wusterhausen unter der Konirvllc der Interalliierten Ma- 
rinc-Nebcrwachungskommissiou standen, abgelaufen. Die 
den Großfunkstellen auferlegten Beschränkungen hinsichtlich 
der Beförderung von Nachrichten über 'Angelegenheiten 
der Seemacht, des Heeres oder der Politik, die für Deutsch 
land und die mit Deutschland während des Krieges ver 
bünd er gewesenen Mächte von Belang sind, bestehen daher 
nicht mehr. Gleichzeitig ist die während jener Frist vor 
gesehene Ucbcrwachung der durch die erwähnten Groß 
funkstellen zu befördernden Handelstclegramme sowie die 
Festsetzung der zu benutzenden Wellenlängen durch die 
alliierten Regierungen weggefallen. 
o TrocklNschnitzrl sind beim Futtermittclvcrtcilcr Herrn 
E n g l e r, Handjerystr. 62, zu haben. 
obh Probcspjrrugungcn im Gruncwald. Auf einem 
vom Verband Groß-Berlin in der Nähe des Hundekehlen- 
secs zur Verfügung gestellten Gelände fanden am Mitt 
woch Nachmittag im Grunewald bemerkenswerte .Vorfüh 
rungen mit Sprengungen mit flüssiger Luft und einer 
verbesserten Vaumfüll- und -schneideinaschine statt. Der 
Leiter der Forstabtcilung des Zwcckverbandes, Syndikus 
Tr. Schumacher, begrüßte die trotz dem Regen zahlreich 
erschienenen Teilnehmer, darunter Vertreter der Landwirt- 
schastskammer und der Staatsforsten, Forstbeamte des 
Verbandes und Holzfachlcutc. Mit der Holzfällmaschine 
„Sektor", einem schweizerischen Erzeugnis, ist -schon vor 
zwei Jahren im Gruncwald gearbeitet worden. Inzwischen 
ist die von einem Benzinmotor betriebene Maschine erheb 
lich verbessert worden; sie leistet das Trcifachc wie 2 Ar-s 
beiter. Tie.Sprengung von Baumstubben wurde von der 
Sprenglust-G. m. b. H. (Berlin) mit Hilfe von flüssiger 
Lust durchgeführt. Auch hier stellt sich eine größere 
Wirtschaftlichkeit heraus, umsomehr als flüssige Luft be 
deutend billiger als andere Sprengstoffe ist und Nach 
zündungen ausgeschlossen sind. 
o Zup Reichrtagswahl. Mit dieser sllebcrschrift führen 
wir von heute ab bis zur Beendigung der Wahl eine neue 
Rubrik ein, die wir jeder Partei zu ihren Mitteilungen 
zur Verfügung stellen. 
o Der Untcrhaltnngcaüend der Volkshoch,schule gm 
Sonntag, den 18. April, war cm wohlgelungencr Auftakt 
zu der Friedenauer Volkshochschulwoche. Schon die Ein 
leitung des Abends, die Lieder des Mädchcnchors der 
3. Gemeindeschule, führte auf eine glanzvolle Höhe. Es 
ist geradezu erstaunlich, zu welch hoher künstlerischer 
Leistung, man möchte beinahe sagen Vollkommenheit der 
Leiter, Herr Walter Schmidt, die Kinderstimmen zu 
führen verstand. Zeigte der Chor „Die Güre Gottes" 
das solide Können der Kinder, so legten die vier Kinder 
lieber Zeugnis von überraschender Zungenfertigkeit ab. 
Gin (Nenuß war cs zu beobachten, mit welchem Eifer und 
mit welch innerer Lust die Kinder bei der Sache waren. 
Des Dozenten der Volkshochschule Herrn Oberlehrer Dr. 
Mauer man ns treffliche Vortragskunst ist wohlbekannt, 
und doch überraschte auss neue die packende Geivalt, mit 
der '-er den Hörer das Dichterwort miterleben läßt. Eine 
Glanzleistung war der Vortrag der „Zauberlehrling": man 
sals /förmlich die Besen rennen und laufen, man hörte die 
Wasser rauschen, man fühlte die Angst des Vorwitzigen. 
BLIttb in die Tiefen des Gemüts griff die erschütternde 
Darbietung des Gedichtes' „Der Geiger". Wahre Bei 
fallsstürme ifolgtcn den Liedern zur Laute, die Herr Ing. 
Toni,B o c g n e r zuni Besten gab. Eine prächtige Stimme, 
eine treffliche Vortragskunst, sei» sonniges, von singhaftcr 
Freude getragenes Wesen führte seine Lieder zu .durch 
schlagendem Erfolg, obwohl die Lame verschiedentlich und 
schließlich mit Erfolg Strcikversuchc machte. Es wird 
die Freunde der Volkshochschule freuen zu hören, daß 
Herr Boegucr als Dozent der Volkshochschule beigctretcn 
ist. Zu besonderem Dank ist die Volkshochschule der Kon- 
zertsängcrin Fräulein Julie M a ack verpflichtet, die trotz 
ihrer starken Erkältung nicht durch eine Absage in letzter 
Stunde in Verlegenheit bringen wollte und mit ihrer 
freundlichen Kunst erfreute, am Flüglel begleitet von Frl. 
C. Schröder, die zu Ansang des Abends sich schon 
durch meisterhaften Vortrag des Adagio Opus 13 von 
Beethoven trefflich eingeführt hatte. Den Zweck des 
Abends und das Ziel der Volkshochschule deutete Herr 
Pfarrer Förtsch in einer kurzen, sinnigen Ansprache: 
Frühlingslräste, deren herzerquickende Entfaltung wir 
gegenwärtig erleben, deren Allgewalt sich uns schon so 
oft häufig ofsenbart, schlummern im deutschen Volk in 
der Tiefe des Gemütes und des Geistes. Sie zu wecken, 
zu entfalten und wirksam zn machen, ist Aufgabe der 
Volkshochschule. Die Ansprache war ein kräftiger Aufruf 
zur Mitarbeit an der Lösung dieser Aufgabe. Ein ganz, 
besonderes Gepräge erhielt der Abend durch den von Frau 
Alice L i e p m a n n, der unermüdlichen, allen Hörern der 
Volkshochschule wohlbekannten Vorstandsdamc, eingeübten 
Darstellungen. In entzückenden Märchcnbildern traten 
Häusel und Grctcl, Aschenputtel, Schneeweißchen u. Rosen 
rot, Rotkäppchen, Schneewittchen und Dornröschen aller 
liebst in Erscheinung. Ein duftiges, flott und frisch - ge 
spieltes Blumcnspicl pries den hohen Wert der treuen 
Pflichterfüllung. Ten Höhepunkt bildeten zum Schluß des 
Abends vier lebende Bilder zu Liedern, die in ihrer 
rührenden Anmut die Zuschauer aufs tiefste bewegten. 
Es war ein Ausdruck der vollsten Befriedigung und ein 
wohlverdienter Dank, daß Frau Liepmami auf die Rampe 
gerufen, und mit einem Blumenstrauß geehrt wurde. Möge 
nun der von so großem Erfolg gekrönten Einleitung der 
Volkshochschulwoche ein ebensolcher Fortgang beschert sein. 
Dem 2. Vortrag am Dienstag: Oberlehrer Die hl 
„Stellung des Christentums zn Staat und Politik" folgen 
am Donnerstag, den 22., Prof. Dr. Riem „Das Leben 
im Weltall" (mit Lichtbildern) und am Freitag, den 23., 
Dr. Büsing „Philosophie und Kunst". Die Vorträge 
finden im Gymnasium am Maybachplatz abends 8 Uhr statt. 
o Ter 1. Richard Berstchardrs-Wemd, der am 
Dienstag, den 20. April im Jcstsaal des Rcsorm- 
Realgymnasiums stattfand, hatte nur einen schwachen Be- 
such auszuweisen, obwohl Künstler von Ruf als Mitwir 
kende auf dem Vortragszeitel standen. Unter den Besuchern 
bemerkten wir u. a. Herrn Bürgermeister Walger und 
Gemahlin, sowie die Gemeindcvcrordnctcn Herren Hanne- 
mann, Dr. Anders und Lconhardt. Zum Vortrag ge 
langten ausschließlich Gedichte und Lieder unseres Mit 
bürgers Richard Beruhardis-Bolfras. Der ausgezeichneten 
Vortragskunst Hermann Boettchers war es zu danken, 
daß die Gedichte und auch die Lieder zur Laute in 
eindrucksvoller Weise wiedergegeben wurden. Manches Ge 
dicht kam erst dadurch zur Geltung. Der erstere Teil 
der Vortragsfolge umfaßte kleine, anschauliche.Stimmungs 
bilder aus der Natur, gewissermaßen Eindrucksbilder, die 
der Dichter in poetischer Malerei festgehalten hat. Am 
besten gefielen hiervon wohl „Feierabend", „Vollmond 
zauber" imd „Rauhreif". Auch das „Graugcspcnst", das 
die schleichende Sorge lebendig veranschaulicht, sand 
reichen Beifall. Besser aber noch waren die Gedichte im 
zweiten Teil: „Der Emden Grab", und vor allem die 
treffende Charakterbilder darstellenden Gedichte „Der 
Schleichhändler" und „Erntesegen 1916". Bon den Lie 
dern zur Laute nennen wir das heitere „Verliebt"; hier 
war Boettcher in feinem Fahrwasser; seine Mimik und Dar- 
stellungsrunst war einzig. Veranlaßt durch stürmischen 
Beifall sang er dieses Lied noch einmal. Den gesanglichen 
Teil der Vortragsfolgc bestritt sonst Annic v. Ledebur. 
Sie fand sich mit den Liedern, die ihr nicht (immer 
lagen, gut ab. Ihre schöne, glockenreine hohe Sopran 
stimme entzückte die Zuhörer, auch ihre Vortragsart er 
freute. Am besten gefiel sic in den Liedern „Vollmond 
zauber" und „Abschiedsgruß". Von Herrn Willy I a e g e r 
wurde sie anpassend begleitet. Das Orgelspicl zn Beginn 
des Abends klappte nicht; angeblich war die Orgel nicht 
in Ordnung. Am Schluß des Abends führte die kleine 
Spitzentänzcrin Regina Bickel allerliebste Tänze vor, in 
denen man die kleine Künstlerin um so mehr bewundern 
mußte, als die Musikbegleitung sehr zu wünschen übrigließ. 
— Von den zum Bernhardis-Abcnd ausgegebenen Zetteln 
„Licder-Vortragsfolge" sind nur .eine beschränkte 'Anzahl 
ausgegeben worden. Äie Musikalienhandlung Schkvapx, 
Rhcinstr. 60, gibt solche noch zum Preise von 40 Psg. 
je Stück ab. 
o Das Sinfonickonzert der Orchester-Vereinigung des 
Westens ani Sonntag, abends V-8 Uhr, im Rcalgyin- 
nasium Homuthstraßc, wird voraussichtlich ausverkauft 
werden, da nur no-ch eine kleine Anzahl numerierter' 
Karten in den im Sonntagsblatt vom 18. d. Mts. bekannt 
gemachten Geschäften vorrätig ist. Im Büro Rhcinstr. 24 
sind gleichfalls noch Karten zu haben. 
o AIS zugrlpufln ist der Fundstelle im Rathaus 
ein Hund, und als gesunden pin Kneifer gemeldet. 
Zur Reichstagswabl. 
(Diese Rubrik stellen wir jeder Partei zu kurzen Mitteilungen 
zur Verfügung.) 
r Deutsch; Polio Partei. In dem Wahlaufruf der Partei 
heißt es, daß am Ende der durch die Revolution hervor 
gerufenen Volkszerrüttung der Bolschewismus und roter 
Terror stehe. Das sei daS Ergebnis der Politik, die mit 
der Vernichtung der Staatsautorität durch die November 
revolution begann und aus der die heutigen Mehrheits 
parteien den Weg zur Ordnung.und zum Aufstieg nicht 
gefunden haben. „Neue Wege müssen bcfchritten werden, 
wenn wir zur Gesundung kommen wollen. Nicht die Dik 
tatur oder Vormundschaft .einzelner Klassen, noch die for 
male Demokratie parlamentarischer Parteiherrschaft kann 
Neichssrelidigkeit wecken." Lebenserfahrung und sachliche 
Tüchtigkeit sollen die politische Tätigkeit in einer Kammer 
der Arbeit, die nicht' nur als vorberatendes und begut 
achtendes Organ, sondern als bcrufsständische Ergänzung 
des politischen Parlaments gedacht ist, vertiefen. 
r Ter Vorstand der Teutschen.Demokratischen Partei 
wendet sich an seine Anhänger mit der Bitte, ihm einen 
Beirrag für die Rcichsgcschäftsstelle zum Wahlfonds zu 
zuführen. Sämtliche Kassen der Teutschen Bank und der 
Nationalbank für Deutschland nehmen Einzahlungen hier 
für unter der Bezeichnung „Demokratischer Wahlschatz" 
enigegen. Auch können Beiträge unter der Bezeichnung 
„Demokratischer Wahlschatz" auf Postscheckkonto Nr. 36 108, 
Berlin NW. 7, zugunsten der Teutschen Demokratischen 
Partei eingezahlt werden. — Die Hiesige O r tsgruvpc 
erbittet Anmeldung von Mitgliedern an Herrn Kaufinann 
Kunze, Mainaucrstr. 5;.Beiträge zur Wahl nehmen dieser 
sowie der Schatzmeister Herr Obersckrcrär Klauert, Rhein- 
gaustraße 21, und die Friedenauer Maut entgegen. 
r S. P.D. Eine Funktionärkonfcrcnz der Berliner 
Mehrheitssozialdemokraten sprach sich -gestern im Sinne 
eines Referats von Dr. Koelitz, eines Angehörigen der 
bisherigen Opposition, aus. Dieser erklärte, cS gebe nur 
eine Wahlparole: Weg mit der Koalition und Schaffung 
einer Arbeitcrmehrheit und Arbciterregierung. Mit den 
Unabhängigen müsse ein Zusammenwirken erzielt werden. 
Eine- weitere Resolution bezeichnet die Entpolitisierung der 
Reichswehr als undurchführbar. Die Regierung müsse die 
auf dem Boden der Republik ,und Verfassung stehenden 
militärischen Organisationen anerkennen und ihre Mit 
glieder vor Maßregelungen und^Schikanen schützen. 
Verelns-Hacbricbten 
) Bereits der Papirrhändler Krlrbrnau. Morgen, Freitag, 
den. 23. April, abends 8 Uhr-, im /„Brandenburger Hof", Rönnc- 
bcrgstraßc, Ecke .Kaiserallce, Versammlung. Zahlreiches Er 
scheinen erwünscht. 
)( Friedenauer Gesangverein sijx gemischten Chor (Chor- 
meister: Lyzcal-Gesaiiglchrer Walter Schmidt). Donnerstag, de» 
22. April, im Gesangsaal des Luisen-Lyzeums Tameuprobe, 
Sonnabend, den £4. April, Herrenprobe, abends 8—10 Uhr. 
)( Pfadfinder-Abt. 33. Freitag, den 23. April, 1. und 
2- Zug 4—6 Uhr Psadfindcrjrcunde im GemeinÄeüans. 
K Dic.,QrtSgrvppe Friedenau des Allgem. dtsch. Sprach 
vereins hat die nächste Mitgliederversammlung auf Sonnabend, 
den 24, April, abends 7','r. Uhr, nach dem Wirtshaus „Wies 
badener Hof", Wiesbadener-, Ecke Hoyiuchstraße, angesetzt /und 
ladet hierzu auch Freunde und Gönner ein. Neben geschäftlichen 
Beratungen ist auch für Unterhaltung, besonders für unsere' 
Hausfrauen, denen rin Vortrag gewidmet ist, bestens gesorgt 
Es wird u. a. über „Das Deutsch ,dcr Speisekarte und des Koch 
buchs" gesprochen werben. Gäste sind, wie stets, gern gesehen. 
)( Beim Flü'hkiugSfest der Llunststättc für Volksbildung, 
das am Sonnabend, den 24. April, in dem schönen Sommcrlotal 
„Rheingau", Ecke Binger- und Mecklenburgische Straße, -nahe 
Schmargendorser Bahiibof, stattfindet und bereits nachm, o Uhr 
beginnt, werden u. a. Vorträge des Rezitators(Fran', Norwann- 
Friedenau und der Violinvirtuosin Dolores Maatz-Fricüenau, 
auch eigene Dichtungen der als Gäste anwesenden Verfasser. 
Camilla Bennthsow und Eduard Oskar Püttmann, beide in 
Steglitz ansässig, zu Gehör gebracht. Ilm der Jugend Gelegenheit 
zn geben, mit ihren Angehörigen und Freunden dem FrühlingS- 
jcst der Kunststätta beizuwolme», sind die Mitglieder der 7. 
und 9 .Abt. des Pfadsindcrkorps, die vornehmlich ans Frie- 
denaucr» und Schönebergcrik'bestehen, eingeladen werden,/als 
Gäste teilzunehmen. Sie werden durch Vortrage ihrer frischen 
Wanderlieder dazu beitragen, die Stimmung zn beleben. Bei 
günstiger Witternirg sollen Spiele im Freien stattfinden. Von 
7 Uhr ab Tanz. Eintrittskarten für Erivachsene je l M. von 
4—6 Uhr Taunussiraste 20. 
Berlin und Vororte 
g?l Die uinberrchjtigte Waffpnäüqäbe in Wilmersdorf. 
Tic Wilmersdorfer S t a d t v e r o r d n c t c n v c r s ei >m ni- 
lung beschäftigte sich gestern mit einer vom Magistrat 
vorgeschlagenen erhöhten Besteuerung von Kinothcatern 
und Lustbarkeiten sowie Heraufsetznng der Hundesteuer 
auf 100 Mark. Diese Neuregelung soll der Stadt eine 
Verdoppelung der bisherigen Einnahwcn an.- diesen 
Steuerarten bringen, rechnet doch der Magistrat nii. einem 
jährlichen Ertrage aus der Lustbarkcitssteuer mit 400 000 
Mark und aus der Hundesteuer mit 300 000 Mark. In 
erster und zweiter Lesung wurde die Vorlage angenommen. 
Zur Unterbringung der .grünen Polizei in Wilmersdorf 
soll die in der Babelsberger Straße gelegene Gemeinde- 
schule VII zum größeren Teile an den Landcssiskus für 
65 000 Mark vorläufig vermietet werden. Weiter stand 
eine Anfrage der Stadtverordneten Kampfer (Soz.) und 
Genossen zur Besprechung: „Was gedenkt der Magistrat 
zu tuu, um zu verhindern, daß Waffen und Mu 
nition der zur Auslösung gelaugten hiesigen Einwohner 
wehr in unbefugte Hände gelangen?" Stadrv. Kampfer 
(Soz.) teilte mit, daß ein Teil der Waffen, aus 'dem 
Depot in der Schaperstraße von Soldaten abgeholt wor 
den sei. Auf Vorstellungen einer aus Stadträten und Mit 
gliedern des Wehrberatungsausschnsses zusammengesetzten 
Abordnung habe der diensttuende Leutnant P. jede Rede 
und Antwort verweigert, auch die Quittung über die 
Wasfenabgabe- an Truppen nicht zur Verfügung gestellt. 
Einer vom Bürgermeister Peters einbcruscnen Konferenz 
der Mitglieder des Wehrberatungsausschusses wurde gleich 
falls von den Führern der Einwohnerwehr die verlangte 
Auskunft nicht gegeben, auch die Quittung nicht vorgelegt. 
Auch ein zweites Mal mürben Wasfen abgeholt. Tw 
Verweigerung der Auskunft fei auf Anordnung der Zen 
tralstelle Berlin erfolgt und nach persönlicher Besprechung 
dortselbst mit deni Hauptmann Hecht sei eine Einigung er 
zielt. Ein dritter Versuch, den Rest der Waffen aus dem 
Depot der Einwohnerwehr zu holen, sei au der Mannhaf- 
hastigkeit der Wachleute gescheitert, die mit Schic ß e n 
auf die Truppen gedroht hätten. Die Wassen-- 
ycrschiebung sei jedenfalls für eine Tiktarnr der Emwoh- 
nerwehr-Ossiziere bestimmt. Bürgermeister Peters er 
klärte die geschilderten Vorgänge für richtig und gab dw 
zweimalige Waffenabgabe an einen Truppenteil der Reichs 
wehr zn. Ter Magistrat habe, .um sein Rocht zn finde:,, 
sich schließlich an den Minister des Innern gewendet. Es 
sei die scharfe Verordnung ergangen, daß eine Waflrn- 
abgabe nicht mehr erfolgen dürfe. Tie Möglichkeit liege 
vor, die Waffen an die grüne Polizei abzugeben. Nach 
Besprechung der Anfrage wurde ein deinolrati'cher Antrag, 
dafür zn sorgen, daß die verschobenen Waffen wieder dem 
Magistrat zur Verfügung gestellt werden, ans die Tages 
ordnung der nächsten Sitzung gesetzt. 
LufrdrMsL- 
ßÄ» diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Wozu ist das Wohnungsamt da? 
Mit meinem vor kurzem aus der Gefangenschaft l'eim- 
gekehrten Gatten und 2 Jungen habe ich eine 2-Zinnncr- 
Lvohnung iiinc. Im März wurde mein Mann bei den 
Revolten erschossen. Da ich schwer lnngen- und ncrven,- 
leidend bin, schickte mich der Arzt, um meinem Knaben 
die Mutter und Ernährerin zu eryalten. ans längere Zeit 
aufs Land. Nach Rücffprache mir dem Dezernenten des 
Wohnungsamtes, erhielt ich die Genehmigung, l Zimmer 
mit Küche und Bad möbl. zu vermieten, das andere Zim 
mer zurückzubehalten, da ich beruflich häufiger einige 
Tage in Friedenau mcile. Ich vermietete die Räumlich 
keiten an eine deutsche Flüchtlingssamilie für ein halbes 
Jahr, machte auf Anraten des MietscinigirngsamtcS einen 
Kontrakt, uni die Wohnung im Oktober wieder frei haben 
zn können und reichte diesen dem W.-A. ein. Nach 3 Wochen 
macht nun dos W.-A. den Mietern alle erdenklichen Schmie;- 
rigkeitcn, sofortige Räumung wurde verlangt, der Kon 
trakt sei gar nicht bindend, und das W.-A. schickte «Bet 
Werber auf die Wohnung. Alles in meiner Abwesenheit. 
Schließlich wurde der Flüchtlingsfamilie erlaubt, 3 Mo 
nate dort zu wohnen. Mir hat man von alledem 'vom 
W.-A. noch keine Silbe »mitgeteilt! Ich frage nun: Hat 
das Wohnungsamt denn nichts anderes zu mit. als Flücht 
linge auf die Straße zu setzen und Menschen, die so schwer 
vom Schicksal getroffen sind, heimzusuchen? Gibt es in 
den großen Wohnungen und Villen Niemand, der über 
flüssige Zimmer hat oder einige Monate verreist, ohne 
Zuniner abzugeben? Sind solche Schikanen wirklich nötig? 
Fra>l Carla Kley. Schrritstellerin^ 
3- Zt. Hildesheim, Jmmengarten l \~H. 
Berantw. Schriftleiter: Hermann MartiuiuS in Berlin-Friedenau 
'Bei Betriebsstörung, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch 
apf Lieferung -der Nachlieferung des Lotgl-Anzergers oder «üf 
Rückzahlung des Bezugspreises, 
Amtliches 
Bekanntmachung. 
Der Preis für 1 PfundsSpeisekartosseln dcr Ernte Iota 
gleichviel, ob inländischen' oder ausländischen Ursorunas 
Verbrauch für die Zeit vom 26. April >1920 ab benimmt ii„d 
dar, im Kleinhandel 40 Pfennig nicht übersteigen. B-'lin-^ric- 
dcuau, den 22. April 1920. Der Geineindevorstai-). I. P.: Fricdel 
Bekmrnturachung 
Auslandskohl iiiid .M ol, rrü b cn gelangen auf dein 
Gemeiiidegriindslück Nicbstraße 8 täglich in der flttt von 8-3 
Uhr zum «erkauf. Berlin-Friedenaii, den 17 April 19°o Der 
Gemkindevorstand. .Zo Friedet,' H ^ v
        
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