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Periodical volume Nr. 16, 19.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 18 
Berllo-Fkledenau, Moutag, den 18. Januar 1820 
Fahr», n 
Ortsnacbricbttr 
(Kachbr, unsrer o-Origtnalartikel nur urit Quellenangabe gestattet.) 
Groß-Berlin. 
Jetzt erscheint auch die Provinz Brandenburg 
auf dem Plane zur Bekämpfung der Einheitsgemeind« 
Groß-Berlin. Ju einer Zuschrift an die Mitglieder der 
Preußischen Landesversammlung legt der Landesdirektor 
entschiedene Verwahrung gegen'die durch Nichts gebotene 
Zerschlagung des Provinzialverbandes ein, der dadurch 
von seiner 3»/* Mllionen umfassenden Einwohnerzahl und 
einem zuschlagsähigen Staatssteuersoll von 114 119648 
Mark auf den kümmerlichen Bestand von fast nur 2 
Millionen Einwohnern und 36 568 992 M. Staatssteuern 
herabsinken, also 44,32 v. H. an Bevölkerung und 67,98 
v. H. au Steuerkräft einbüßen würde. Der jetzt in der 
ganzen Provinz 30,2 M. betragende Steuerkopfsatz würde 
sich — bei 41,6 M. in den abzugebenden Teilen — als 
dann nur noch auf 12,6 M. belaufen! Damit würde die 
Restprovinz zur völligen Ohnmacht verurteilt, für die 
es in keiner noch so günstigen Auseinandersetzung «inen 
genügenden Ausgleich gebe. Ohne eine vollkommen 
leistungsfähige Provinz Brandenburg sei aber Berlin selbst 
aufs äußerste gefährdet. 
p Charlottenburg gegen die Einheitsgemeinde: für 
den Ausbau des Zweckverbandes. Zu den verschiedene!»! 
Denkschriften, die gegen die Einheitsgemeind« veröffentlicht 
worden sind, gesellt sich jetzt auch mit einer besonders 
beachtenswerten, ausführlichen Denkschrift der Char 
lottenburger Magistrat. Die Denkschrift betont ein 
leitend, daß aus gewissen gemeinsamen Arbeitsgebieten 
eine einheitlich Leitung in Groß-Berlin durchaus wün 
schenswert und notwendig sei, sie weist aber in einem! 
besonderen Kapitel unter Anführung von EinzeltatsacheN 
und Erfahrungen überzeugend nach, daß die Zentralisie- 
rung der Gas-, Wasser- und Stromerzeugung sowie der 
Abwässerbeseitigung sür ganz Groß-Berlin nicht zu einer 
Verbilligung, sondern zu einer Verteuerung führen 
würde. Bei der vorgeschlagenen Organisation des Gesetz 
entwurfs könne von einer Selbstverwaltung in den Be 
zirken nicht die Rede sein. Die Einheitsgemeinde bedrohe 
die Bürgerschaft Groß-Berlins mit einer bürokratischen 
Verwaltung unter einseitiger polnischer Leitung. Es gibt 
nur- einen Weg, um diesen Gefahren zu ' entgehe,»: 
Abkehr von dem Gedanken der EinheitSgemeinbe, 
grundsätzliche Aufrechterhaltung der Einzelgemeindcn und 
ilebertragung der notwendigen Gemeinschastsaufgaben an 
einen weiteren Kommunalverband. Dieser Kommunalver 
band wäre durch Ausbau des bestehenden Zweckverbandes 
unter Erweiterung seines Aufgabenkreises und Umgestal 
tung seiner Verfassung zu bilden. i 
o Durch den Slbbqu der Vorschulen ist die Einrichtung 
neuer Aufnahmeklassen notwendig geworden. Daher müssen 
neue Lehrer- und Lehrerinnenstellen geschaffen werden. 
Ferner sind solche neuen Stellen notwendig durch Teilung 
überfüllter Klassen und zahlreich vorhandene Ueberstunden. 
Der Gemeindevorstand empfiehlt darnach die Schaffung 
von drei neuen Lehrer- und zwei rvissensch erlichen Lehi- 
rerinnenstellen. 
o GaSkokS für Zentralheizung. In der Sitzung der 
Gemeindevertretung vom 20. November d. Js. hat der 
G.-B. Konieczka den Antrag gestellt, die Gasanstalten 
Groß-Berlins zu ersuchen, ab 1. April d. Js. ihre Koks- 
erzeugung in erster Linie den Hauswirte-Organisationen 
zur Verfügung zu stellen. Dieser Antrag wurde s. Zt. 
dem Bauauss-^iiß überwiesen, der nun der Gemeindever 
tretung empn-. ‘ ’-rvt Antrage folgende Fassung zu geben: 
„An den Magistrat Berlin und den Kreisausschuß des 
Kreises Teltow als Beisitzer der früheren Englischen Gas 
anstalt ist folgender Antrag zu stellen: Die Gasanstalten 
werden ersucht, vom 1. April 1920 an ihre Kokserzeu 
gung in gleicher Weise wie dies bisher den Händler-Orga 
nisationen gegenüber erfolgt ist, in Zukunft auch den ge 
nossenschaftlichen Hauswirte-Organisationen zur Verfügung 
zu stellen, um eine gleichmäßige Belieferung der Häuser 
mit Zentralheizung zu gewährleisten." 
o Für die Weihnachtsbescherung der Friedcnauer 
Kriegerwaisen usw. hatte unsere Gemeindevertretung 5000 
Mark bewilligt in der Annahme, daß hierzu 250 Kin 
der in Betracht kommen. Es sind aber insgesamt 380> 
Kinder beschert worden, sodaß sich die Kosten um 2540 
Mark erhöht haben. ) 
o Pferdemitsteritng. Wir machen alle Pferdebesitzer 
auf die heutige Bekanntmachung betr. Pferdemusterung 
morgen (Dienstag) in Lichterfelde aufmerksam. 
<o PersonenftandSaufnIahme. Wir weisen auf die Be 
kanntmachung im amtlichen Teil betreffend die Personen 
standsausnahme für das Steuerjahr 1920 noch besonders 
hin. Die Herren Hausbesißer bezw. Verwalter haben die 
Wohnungslisten an die Mieter auszuteilen und bis zum 
24. d. Mts. wieder einzusammeln, dabei auf richtige Aus 
füllung sowie unterschriftliche Vollziehung der Wohnungs 
listen zu achten. Vom 26. d. Mts. vormittags ab sind 
die Listen durch die Hausbesitzer pp. zur Abholung, bereit 
zu halten. 
o CS wird wieder gebuddelt! In der Odenwaldstraße 
will die Postverwaltung demnächst Kabelleitungen verlegen. 
Bei dieser Gelegenheit will unsere Gemeindeverwaltung 
gleichzeitig das noch erforderliche Kanalisationsrohr in der 
Odenwald st raße zwischen Stubenrauch- und Blanken 
bergstraße legen lassen. Ferner müssen die. vor 17 Jahren 
verlegten Tonrohre in der Goßleritraße erneuert 
werden, weil sie so stark durch die Faserwurzeln der 
Straßenbäume verwachsen sind, daß eine Reinigung nicht 
mehr möglich ist. Das gleiche gilt für ein Tonrohr von 
25 Meter in der F eurig straße. Die Kosten der Ar 
beiten sind auf 130 000 M. veranschlagt. 
o Der Schriftsteller Ernst Kreowski, der in Frie 
denau (Kreuznacherstr. 5) wohnte, ist nach schwerem Leiden 
am Mittwoch im ^eiskrankenhaus zu Britz gestorben. Ge 
boren 1859 in Nossitten, als Sohn eines Gärtners, war 
er anfangs in masurischen Dörfern als Lehrer tätig, 
wanderte dann mit Dickterzielen vor Augen nach Süd 
deutschland, stand in den achtiger Jahren im Dtünchen 
als ein Literaturkämpfer im Kreise der Modernen und 
schrieb soziale Gedichte, die nach und nach in drei Bänden 
erschienen und in der sozialdemokratischen Arbeiterschast 
viel Beifall fanden. Kreowski war zeitweilig an großen 
deutschen Familienblättern tätig, vor allem aber hat er 
als Kunstkritiker an Arbeiterzeitungen gewirkt, zuletzt 
anderthalb Jahrzehnte lang am .^Vorwärts." Von seiner 
starken Musikkennerschast zeugt ein weithin anerkanntes 
Buch: „Richard Wagner in der Karrikatur", zu dem 
Eduard Fuchs die Bilder beisteuerte, Kreowski ist ein 
unermüdlicher Schaffer und streitbarer Kämpfer gewesen, 
der Gutes gewollt und gewirkt hat, aber er ist fast nie 
die rauhe Lebenssorge an seiner Seite losgeworden. 
o Dr. Paul Rohrbach wird heute den 3. Lehrgang 
der Volkshochschule Friedenau eröffnen mit einer 
Vortragsreihe über das Thema „Deutschlands Zukunft in 
der auswärtigen Politik." Am Dienstag, den 20. Jan., 
abends 8 Uhr, beginnt Herr F. Leon Hardt seine Vor- 
tragsreihe „Einige Kapitel aus der praktischen Mathema 
tik, die jeder auch ohne Vorkenntnisse verstehen und nützen 
kann." Durch ein Versehen enthält die im Anzeigenteil 
erschienene Uebersicht über den Lehrgang eine unverständ 
liche Notiz. Die Lichtbildervorträge des Herrn Dr. An 
ders: „Wanderfahrten durchs deutsche Land", am Freitag 
Abend haben natürlich nichts mit Oper 5III zu tun. 
Es sei noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß 
die am Montag, den 26. Januar beginnende Vortrags 
reihe des Herrn Dr. Just über Fortpflanzung mit Vor 
führungen von Lichtbildern und Demonstrationen ver 
bunden ist. Herr Studienrat Dr. Häußler, dessen Lehr 
gang „Einführung in die Staatsbürgerkunde 3. Teil an: 
Dienstag, den 17. Febr. beginnt, wird am Dienstag, 
den 27. Jan. 3 nnd 10. Febr. die 3 krankheitshalber 
verschobenen Vorträge aus dem 2. Teil nachholen. 
o Der 10. Krmstgemeinde-Abend, der wegen der 
Heizungsschwierigkeiten vom 9. Januar verlegt werden 
mußte, findet nun am kommenden Freitag um ?V2:1lhr 
im Lyzeum I zu Steglitz (Rothenburgstraße 18) statt und 
weist eine Vortragsfolge vo größter Reichhaltigkeit auf. 
Vier alte Bekannte mit Namen von allerbestem Klang, 
liebe, immer gern gesehene Gäste der Kunstgemeinde, wer 
den wir begrüßen können. Lillan von G r an feit,'die 
hervorragende Sopranistin der Staatsoper, wird Lieder 
und Arien singen, der Kammervirtuos an der gleichen 
Oper Hendrik de Vries, neben Professor Prill wohl 
unser bedeutendster Flötenspieler, wird uns durch einige 
seiner herrlichen Flötensolis erfreuen, und Hermann 
Boettcher, der allbeliebte Meistersprecher, wird ernste 
und heitere Dichtungen vortragen. Kapellmeister Clemens 
Schmal stich hat die Begleitung übernommen. Die für 
den 9. Januar gelösten Karten gelten für den 23. Ja 
nuar, weitere Karten sind in der Geschäftsstelle (Steg 
litz, Schloßstraße 93, Buchhandlung Max Teschner) zu 
haben. , , 
o Die Ortsgruppe Friedenau der Deutschen Demo 
kratischen Partei hielt letzten Freitag im „Rheineck" (in 
beiden Sälen) die Hauptversammlung ab, die gut besucht 
war und vom Vorsitzenden, Herrn Geh. Regierungsrat 
Vogt um V«9 Uhr eröffnet wurde. Nachdem er die Er 
schienenen begrüßt hatte, erteilte er Herrn Geh. Reg.-Rat 
Falkenberg das Wort zu seinem Bericht über den 
Parteitag in Leipzig. Eingehend behandelte der Redner 
die verschiedenen Verhandlungsgegenstände des Parteitages, 
sie in der Form seines Vortrages klar veranschaulichend. 
Aber auch mit der Kritik hielt er nicht zurück. Seine 
Ausführungen, die die scharfen Gedankengänge des Boc- 
tragenden jedem einprägten, die sein weitschauendes Ver 
ständnis für die Not unserer Zeit, für die klaren, nackte» 
Tatsachen und die Anforderungen an jeden Einzelnen zun: 
Aufbau de? Reiches und im Wirken für die Zukunft er 
kennen ließen, wurden mit lautem Beifall bedachjt. Er 
betonte darin auch, wie notwendig der Wiedereintritt der 
Demokraten in die Regierung war, zur Festigung der 
Regierung und zur Aufrechterhaltung der staatlichen Macht 
und des Ansehens der Regierung. Diese Ausführungen 
wurden vom Vorsitzenden noch stark unterstrichen mit Hin 
weis auf die Vorgänge vor dem Reichstage am Diens 
tag. Die Demokraten haben durch ihre Teilnahine a» 
der Regierung Deutschland vor dem Bolschewismus ge- 
rettet; denn eine Regierung aus Sozialdemokraten und 
Zentrum hätte sich unmöglich halten können. Und so sei 
eS eine Schmach, daß in der Weise gegen die Partei 
gearbeitet werde. Der Vorsitzende erstattete darauf den 
Jahresbericht, in dem er über den Mitgliederstand, die 
Tätigkeit des Ortsvereins, des Vorstandes tind der Einzel- 
gruppen kurze Mitteilungen machte. Die Ortsgruppe ver 
füge jetzt, nachdem die November-Demokraten dahin ge 
gangen wären, wohin sie gehörter., über einen guten 
festen Stamm. Nachdem Herr Kuntze über die Kassen 
verhältnisse berichtet und Herr Thomsberger einen 
Zwei Cesiameim. 
Roman von F. S t» lz e. 
82 (Nachdruck verboten.) 
»Ich habe nichts anderes von Ihnen erwartet, junger 
Mann," entgegnere völlig ruhig der Hauptmann. »Genau 
dieselben Beschuldigungen wurden gestern von dem Reverend 
Parker öffentlich in der Kirche von Abbeville gegen mich 
erhoben, Beschuldigungen, die er natürlich zum Teil nur 
von Ihnen batte. Oder wollen Sie das leugnen?" 
Es fällt mir nicht im Traume ein. Warum find Sie 
ihnen denn nicht sofort entgegengetreten, wenn Sie es 
konnten?" 
Ich werde Ihnen m:t einer anderen Frage antworten. 
Warum bin ich denn wohl überhaupt nach Abbeville ge- 
kommen, da doch das Blatt aus dem Kirchenbuche beseitigt 
ist allerdings für Herrn Parker wie für mich ein 
Rätsel" 
Nun, Sie hätten sich nur im Gasthof zu erkundigen 
brauchen, um seine Lösung zu finden. Ich hatte dort 
gleich nach meiner Ankunft Nachfrage nach den Namen der 
Leute gehalten, die mindestens schon feit zwanzig Jahren 
in Abbeville wohnen. Berftehen Sie nun?" 
Nein I" 
"So hören Sie! Ich hatte in Erfahrung gebracht — 
auf "welche Weise ist gleichgültig — daß eine schottische 
Dame das Blatt aus dem Kirchenbuche entfernt habe, das 
die Legitimität der Ehe Ihrer Eltern beweist. Ich war 
nach Abbeville gereist, um Zeugen für die Legitrnutat aus- 
findigen nwchen.^ ^ ^ Zulage in der Kirche 
so ruhig über sich ergehen lassen?" , 
' Was wollen Sie? Ich dachte allerdings einen Augen- 
blick daran, mich zu erkennen zu geben, rann aber sagte 
ich mir. es fei ja fo gleichgültig, was diese Leute in Abbe- 
vllle von wir dächten» Wichtig le^nur^daL der LmeL «v 
reicht würde, um dessentwillen ich nach Schottland gereist 
war. Und oas war dem Reverend Parker in einem Grade 
gelungen wie es mir niemals möglich gewesen wäre. Jedes 
Eingreifen von meiner Seite hätte hier nur störend wirken 
können. Ja, wenn ich gewußt hätte, daß Sie zugegen 
waren! Aber ich bemerkte nichts von Ihrer Anwesenheit, 
und so hielt ich es denn für das beste, still, wie ich ge- 
kommen war, auch wieder zu verschwinden." 
„Ich war gar nicht in der Kirche, sondern kam erst 
später an. Welches Interesse konnten Sie aber, nach 
allem, was Sie gegen preinen Vater und unsere ganze 
Familie ins Werk gesetzt hatten, daran haben, die Gültig, 
keit dieser Ehe nachzuweisen? Hatten Sie nicht vielmehr 
alles getan, den Glauben daran zu erschüttern?" 
„Sehen Sie sich vor, junger Mann, daß Sie nicht 
vorschnell urteilen. Fast will es mir jetzt scheinen, als 
wären Sie es, der dem Reverend Parker all die Un 
geheuerlichkeiten zutrug, die er in der Kirche auf mich 
häufte, und als wären Sie es, von dem ich deshalb 
Rechenschaft zu fordern hätte.- 
Ewald sah Kurt erstaunt an und rief: 
„Sie wollen also leugnen, daß Sie der eigentliche 
Urheber des Gerüchts von der Illegitimität der Verbindung 
meiner Eltern waren und daß Sie den Leutnant a. D. 
Iennings als Ihren Geheimagenten in London, später in 
Bombay und zuletzt m Persien besoldeten, um uns zu 
überwachen und das Duplikat des zweiten Testamentes 
Ihres Schwiegervaters in Ihre Hände zu bekommen?" 
„Gewiß leugne ich und fordere Sie auf, auch nur die 
Spur eines Beweises für Ihre Behauptungen beizubringen." 
„Dann bestreiten Sie wohl auch, unmittelbar nach dem 
Tode Ihres Schwiegervaters Ihren Verwalter Bergmann 
gedungen zu haben, aus der Amtsstube des Oberst von 
Leppel das dort deponierte zweit« Testament zu ent 
wenden ?" 
Der Hauptmann lachte laut auf. 
Sie Md wirklich von einer beneidenswerten Leicht- 
gläubrgkeit. Daß Bergmann, dieser Kerl, der meinen 
Schwiegervater und mich bestohlen hat, wo er konnte, auch 
das Testament entwendete, bezweifle ich nicht nur nicht, 
sondern ich weiß es aus bester Quelle: er hat es mir von 
Amerika aus durch eine Zwischenperson zum Kauf an 
geboten, und zwar sür eine horrende Summe, mit der 
Drohung, es an andere Interessenten zu verkaufen, wenn 
ich ablehnte." 
„Und Sie haben natürlich zugegriffen!" 
„Ich habe gar nicht auf das Anerbieten geantwortet. 
Ich hatte andere Pläne." 
„So, andere Pläne! Und welche wohl, wenn ich 
fragen darf?" 
„Ich erwartete, daß er Ihnen bei Ihrer bevorstehenden 
Ankunft das Testament verkaufen werde, cund beabsichtigte, 
Ihnen lebhaft dazu zu raten. Ich wollte mich Ihnen 
dabei als Vermittler anbieten, wodurch der Preis jeden 
falls auf ein Minimum herabgedrückt worden wäre. Aber 
es kam anders." 
Ewald saß dem Hauptmann völlig verständnislos gegen 
über und brach in die Worte aus: 
„Aber, mein Gott, was kam denn anders? Und was 
wollten Sie mU alledem erreichen?" 
„Bergmann fand einen anderen Käufer für seine Ware, 
nämlich den Lord Hamilton in Schottland und seine 
Schwester Miß Ellen Hamilton. Die junge Dame, die ich 
unter dem Namen Cecily Warden vor mehr als einem 
Jahre in Parts kennen lernte, hatte sich in den Kopf 
gesetzt, mich zu heirate-:. Sie behauptete, ein Heirats 
versprechen von mir erhalten zu haben, was mkr natür 
lich bei dem mehr als bedenklichen Ruf der jungen Dame 
nie in den Sinn gekommen war. Sie und ihr Bruder 
kauften das gestohlene Testament aus doppelten Gründen : 
einmal, um mich zu der Ehe zu zwingen, und dann, weil 
fi« nach englischen Begriffen nur wenig bemittelt waren 
und mich als den alleinigen Erben ei:.sangen wollten." 
Fortsetzung folg:.)
        
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