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Periodical volume Nr. 87, 20.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Straße 82 „Zum Ostpreußen" (2—7). — Die GeschästS- 
stelle für Friedenau befindet sich Lei Frau Pfarrer. 
Liedtke, Kaiserallee 120III. Anmeldungen zur Abstim 
mung werden dort entgegen genommen und Auskünfte 
erteilt täglich in der Zeit nachm, von 3—5 Uhr. Schluß 
der Anmeldung ist der 30. Llpril. 
o Ein Doppel der Anschrift ins Postpaket legen. Die 
Vorschrift derPostordnung, daß in jedes zur Versendung 
mit der Post bestimmte Paket eine mit der äußeren Auf 
schrift genau übereinstimmende Anschrist des Empfängers 
hineinzulegen ist, wird von den Absendern immer noch 
nicht genügend beachtet. Diese Maßnahme bezweckt, die 
Zuführung der Pakete an die Empfänger auch in den 
Fällen sicher zu stellen, wo infolge des Verlustes der 
äußeren Aufschrift und der Postzeichcn während der Beför 
derung jeder Anhalt über den Absender und Empfänger 
fehlt. Es liegt somit in eigenstem Interesse des Publikums, 
die angeführte Bestimmung der Postordnung genau zu 
brachten; denn dadurch wird mancher Schaden verhütet 
' und viel Aerger und Verdruß erspart. 
o Das teckMsch.g Hilft werk. Die Ereignisse der letzten 
Wochen haben jedem einigermaßen menschlich Empfindcn- 
dendcn in anschaulichster Weise gezeigt, eine wie unabweis 
bar notwendige Einrichtung die „Technische Nothilfe" in 
unserer heutigen Zeit geworden ist. Vor uns liegt eine 
kleine Broschüre, betitelt: „Das technische Hilftwerk" die 
die Hauptstelle der Technischen Nothilfe anläßlich der Leiv- 
ziger Messe herausgebracht hat. So klein diese Schrift 
auch äußerlich erscheinen mag, enthält sic doch Tatsachen 
und — Taten. Zum ersten Mal erfährt die Oeffentlich- 
auf diese Weise in kurz gefaßter-Form näheres über die 
bisherige Entwickelung dieser jungen sozialen Organisa 
tion und ihre ig eleistcte Arbeit. Recht interessant ist das 
graphisch dargestellte Wachsen der Mitglicderzahl, das er 
kennen läßt, daß die Technische Nothilfe von einer Mit 
gliederzahl von 805 Nothelfern am 1. Oktober 1919 
auf eine solche von 44 450 am 1. März 1920 hochge 
schnellt war. Diese Zahl ist während des letzten General 
streiks sicher noch um ein ganz Bedeutendes weiter in die 
Höhe gegangen. 
o Neue erhöhte Bicrprcise. Don heule ab! In der 
gestrigen Monatsversammlung des „Vereins der Gast 
un d Schankwirte für Friedenau und ft in - 
gegend" wurde Mitteilung gemacht von den neuen Bier- 
preisen, die von heute ab gelten. Tie Brauereien haben 
den Bierprcis von 66 M. .auf 131 M. je Hekto, also, 
um 100 v. H. erhöht. Darnach mußten auch die Aus» 
schankpreise entsprechend erhöht werden. Der Mindestpreis 
für ein Liter helles Bier beträgt nun 2,80 M. im Lokal 
und 2,50 M. beim Verkauf außer dem Hause. Für 
kleine Gefäße gclt-u folgende Preise: 3 / 2 o -10 Psg., V 20 £5 
Pfennig, 6 /so 70 Pfennig, c / 20 8 0 Pfennig, 7 / 2r) 95 Psg., 
8 /m 1,10 M., V 20 1,25 M., »*>/*„ 1,40 M. Für echtes 
(Münchener Bier) soll der Mindestpreis künftig 4 M. 
für ein Liter betragen. Der Preis für die kleine Weiße 
wurde auf 1 M. festgesetzt. An diese Preisfestsetzung 
knüpfte sich eine rege Aussprache, in der sowohl das Vor 
gehen der Brauereien als auch das Verhalten des Vcr- 
bandsvorstandcs scharf kritisiert wurde. Die Gastwirte 
seien von den Brauereien glatt eingewickelt worden. Sic 
müssen die Unkosten, die den Brauereien der Flaschenbier- 
handel verursacht, mit aufbringen. Mchtig wäre es, wenn 
die Brauereien die Kosten für den Flaschenbierhandcl be 
sonders berechnen würden, für Abziehen, Material usw., 
dann müßten sie das Flaschenbier erheblich teurer berech 
nen und könnten das Faßbier vier billiger liefern. So 
aber bezahlen die Gastwirte höhere Faßbierprcise, nur 
damit die Grünkramhändlcr billiges Flaschenbier ver 
kaufen können. Herr Drey lick) bemerkte, daß eine 
Schlamperei im Verbände fei, man merke nichts mehr 
von seiner Arbeit. Der Verband hätte hier längst ein 
mal gegen die Brauereien einschreiten müssen. Herr 
Wan k e, meinte, daß der Verband hier auch nichts run 
könne. Tie Preisprüfungsstelle mache die Preise, und damit 
dem Arbeiter billiges Flaschenbier geliefert werden könne, 
werden die Preise in dieser Weise für die Gastwirte fest 
gesetzt. Herr Pascherat erklärte demgegenüber, wie 
kurzsichtig die Preisprüfungsstelle damit handele, denn 
wenn sie die Unkosten des Jlaschcnbicrhandels von den 
allgemeinen Unkosten für die Herstellung des Bieres ab 
rechne, könnte den Gastwirten das Bier erheblich billiger 
geliefert werden und diese könnten cs wiederum viel 
billiger ausschenken. Der Arbeiter hätte also viel größeren 
Vorteil, wenn der Flaschenbierhandcl der Brauereien nicht 
sein würde. Von Herrn Burmeister wurde auch be 
richtet, wie die Brauereien den Kundenschutz durchführen, 
auch wenn eine Brauerei mit der Vierlieferung im Rück 
stände bleibe. Auf eine Beschwerde an den Verband habe 
er noch keine Antwort erhalten. Vielfach wurde angeregt, 
mal eine Zeitlang nur echte Biere zu sichren, dann bliebe 
den hiesigen Brauereien nichts weiter übrig, als ihr Bier 
in den Rinnstein zu gießen. Denn, wie das Bier jetzt 
eingebraut sei, halte cs sich kaum 8 Tage lang. Schließ 
lich wurde einem Antrage Drchlich-Pasch erat ein 
stimmig zugestimmt: unter Mitteilung des Inhalts der 
Aussprache den Verbandsvorstand zu ersuchen, gegen 
das Vorgehen der Brauereien und namentlich 
gegen die Mitberechnung der Unkosten des Flaschenbier- 
Handels auf die aUgcmeiueu Herstellungskosten des Biere-s 
s ch ärfstc n Protest zu erheben und diesen Protest 
in allen Tageszeitungen mit eingehender Erläute 
rung veröffentlichen zu lassen.' — Ueber den 
weiteren Verlauf der Versammlung ist noch fol 
gendes zu berichten: Tie Versammlung wurde vom 
1. Vorsitzenden Kvll. Karl Gun dl ach eröffnet und ge 
leitet. Als neue Mitglieder wurden die Kollegen Walter- 
Schultz. Rheinstr. 39a, und Carl Dietrich, Mosclstr. 1, 
ansgenommcn. Ueber die Kassenprüfung berichtete Kvll. 
Slernbcrg. Fm 1. Vierteljahr betrug der Kassenbestand 
512,14 M., im 2. Vierteljahr 722,84 M. Zum Kclliccr- 
strcik wurde berichtet, daß dieser vorläufig noch weiter 
gehe. Die Gäste bedienen sich vielfach selbst, cs fei eine 
Freude, das zu beobachten. Der Vorsitzende machte ans 
den Dam cnkaffee aufmerksam, der am Donnerstag 
Nachmittag 4 Uhr. beim Kollegen Rodominskh, ViSmarck- 
straße 1. stattfindet. — Die nächste Vorstandssitzuug ist 
am 3. Mai beim Kollegen Baumgarth, Schmargendvrfcr 
Straße, die nächste Vereinsversammlung am 10. Mai beim 
Kollegen Schindler, Unter den Eichen 127. 
v Große Tagung der Brandcnbnrgischen HandlnngS- 
gehilfcnschnft. Eine Tagung, getragen von echtem Gc- 
mcinsamkeitsgefühl und unbedingtem Pflichtbewußtsein ge 
genüber der Gesamtheit des deutschen Volkes und allen 
seinen Berufsständen, war der 18. ordentliche Gautag 
des Gaues Brandenburg im Teutschnationalcn Handlungs- 
gehilfen-Verband (Gcwerkschast kaufmännischer Wngcstell- 
ten). Beschickt von Abgeordneten aus über 100 Einzelglie- 
dcrungen fand die genannte Tagung am 17. und' 18. 
April 1920 im großen Sitzungssaale des -chcmalig.en 
preußischen Herrenhauses zu Berlin statt. Ter umsang 
reiche Jahresbericht des Gaues für das Jahr 1919 zeigte 
die gewaltige Fülle der Arbeit, die von den beruft- und 
ehrenamtlichen Mitarbeitern des Verbandes geleistet wor 
den ist. Aufwärts geht der Wag der deutschnationalcn 
Handlungsgehilfen-Bewcgung in Berlin und der Provinz 
Brandenburg im Besonderen. Einstimmig wurden nach 
kurzer Aussprache Beschlüsse über folgende Angelegenheit 
gefaßt. Zum Ausbau- der Organisation und der Er 
reichung einer besonderen Arbcitsmöglichkeit verschiede.' 
ner Aenderungen der Gansatzung und Teilung des Kreises 
Niederlausitz in zwei Kreise. Nach einem Referat des So- 
zialpoljtikcrs Herrn Rillcr, Berlin, .wurde einstimmig eine 
Entschließung gefaßt, in der die Absichten der Negierung — 
— die Angestelltcnvcrsichörung mit der allgemeinen Inva 
lidenversicherung zu verschmelzen — abgelehnt wird. Da 
rauf nahm der Gewerkschaftsbeamtc Feger das Wort zu 
Ausführungen über Zweck und Ziel der nationalen kauf 
männischen Jugendbewegung. Gegenüber den auf die Ju 
gend zersetzend einwirkenden Kräften wird cs die Pflicht 
des deutschnaitonalen Handlungsgehilfen sein, die in den 
kaufmänniscben Beruf eintretenden jungen Leute zu 'tüch 
tigen deutschen Kaufleuten heranzubilden und ihnen Bolks- 
bewußtscin und Persönlichkcitswerte anzuerziehen. Der 
zweite Referent, Herr Richter, Berlin, schilderte die Ent 
wicklung der kaufmännischen Tarifbeweguiig und die in 
ihr maßgebend gewordene Einwirkung des deutfchnationalcn 
Handlungsgehilfen-Verbandes. 
o Schachwett kämpf Wilmersdorf—Steglitz. Mittwoch, 
den 21. April, abends 8 Uhr findet ein Wettkampf zwischen 
der Schachverciuigung Wilmersdorf und dem Schachvcrcin 
Schallopp-Stcglitz im Heim der ersteren, Palast-Casö, 
Augustastr. 6—6, vereinbarungsgemäß an mindestens 20 
Brettern statt. Die im September vorigen Jahres ge 
gründete, nunmehr 68 Mitglieder zählende S.-V. Wil 
mersdorf hat erst kürzlich im Simultankampf gegen den 
Weltmeister Dr. Laster gezeigt, daß sich unter ihr recht 
achtbare Kämpen besiudcn. Immerhin aber dürfte sie 
gegen S.-V. Schallvpp, der in den 11 Jahren seines Be 
stehens nicht untätig geblieben war und ebenfalls ei»« 
Reihe von zuverlässige» Klassenspickcrn ausweist, einen 
schwcrcci Stand haben. Jedenfalls dürften sich interessante 
Kämpfe abwickeln. Schachfrcunde haben freien Zcurctt. 
o Als gesunden sind der Fundstelle im Rathanse ge- 
meldct 2 silberne Stetten und eine Handtasche mit 'Inhalt. 
Vereins-NackricktLN 
)( Haus» und Grundbesitzer-Verein in Bcrlin-Fric-rnan. 
Monats-Versammlung Freitag, den 21. April, abends 8 Uhr, 
im oberen Säble des „Hohenzollern", Vcrlin-Friedcnan, Hand- 
jcrystraße 64. U.' a.: Höchstmielcverordnung. a) Grundmiete, 
b) Mietznschläge, c) Reparaturzuschläge. Vortragender: Herr 
Schramm. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die 
Mitglieder gebeten, recht zahlreich und pünktlich um 8 Uhr 
'zic erscheinen, da die Sitzung der Polizcistuiiiör wegen früh 
zeitig geschlossen werden muß. 
)( Frühlingsfcst drr Demokraten". Die Nachfrage nach Ein 
trittskarten zu der am Dienstag, den 4. Mai, abends 6 Uhr, im 
„Aibrcchtshos", Steglitz, stattfindenden, mit Gesang verbundenen 
Festabend hat rege eingesetzt. Der Verkauf der KarPU findet 
von dieser Woche an auch in den Papiergeschäften Dou Oskar 
Wolfs, Rheinstr. 10 und 52, und Ebers, Rheinstr .15, statt. 
Namhafte Künstler haben ihr Erscheinen bereits zugesagt. 
VermiTcbtßS 
• Sch au rrnfi man sein. Eine köstliche Geschichte erzählt dir 
Cri de Paris. Als im Frühjahr 1013 Paris in großer Gefahr war. 
trachtete dort jedermann danach, seine Reichtümer in Sicherheit zu 
bringen. So wollte auch ein.Aillcnbcsitzcr seine Flucht in die 
Provinz bewerkstelligen, aber natürlich auch alle seine Kostbarkeiten 
cnitnehmen, darunter große VronzestawerNn, Gemälde, Bücher, 
Silbcrgeräte usw. Er ging zum Bahnhof und erkundigte sich hier 
nach den Frachtverhältnifscn usw, Hörle aber zu seinem Erstaunen, 
daß die Absendung ganz ungewiß sei, die Sache könne monatelang 
dauern, auch übernchnie man mir £0 Kilogramm im Höchstmaß 
nnd lehne außerdem jede Garantie ab. Monsieur war sehr beirübl, 
seine Schätz? wollte und konnte er unmöglich im Sliche lassen. Da 
kanr er plötzlich aus einen sehr schlauen Gedanken. Ec brachie seine 
Kostbarkeiten auf das Versatzamt, crhi-lt für die Pfänder mehrere 
tausend Franken, die er zinstragend anlegte, aber zugleich ousb die 
Mitteilung, daß er für vielleicht lange Zeit nicht an die Einlösung 
der Pfänder dcccken dürfe, da alles nnd jedes — wie der gute Mann 
zufällig vorher schon erfahren hatte — nach dem Süden wandere. 
,,Und coann geht die Wanderung tos?" frug er. „Sofortl" Monsieur 
ivar durchaus nicht niedergeschmettert, im Gegenteil, seine Schätze 
waren nunmehr durchaus gesichert, wurden säuberlich eingepaar, 
ohne daß dies ihm selbst Mühe kostete, sodann ersparte er auch noch 
die Frachtspeseu und erhielt endlich Zinsen für den Bjandtictrag. 
Als er in diesem Sommer sich wieder im FoUgesitz seines Eigen 
tums befand, hat er das Geheimnis einem Reporter verraten und 
war höchst stolz auf seine Schlauheit. 
Berantw. Schriftleiter: Hermann Martlnius in Berlin-Friedenau. 
Bei Berrcevssrornng, Streik usw. har der Bezieher tcinen Ampruch 
ans Lieferung .oder Nachlieferung des Lotal-AnzeigerS oder auf 
Rückzahlung des Bezugspreises. 
Amtliches 
Nachtrag zur ^Tagesordnung der 
Sitzung Der Gemernirevertretung 
am Donnerstag, den 22. April d. I.» nachniittags 7 Uhr, 
iin Sitzungssaale des Rathauses. Nach der Vorschrift im 3. Absatz 
des § t06 der Landgemeinde-Ordnung wird darauf hingewiesen, 
daß die Nichterscheiucndcn sich den gefaßten Beschlüssen zu 
unterwerfen haben. 
Tagesordnung: 
a) in öffentlicher Sitzung: 
l la Erhöhung der Bergütnngsbeihilfe für die nichtständigen 
Angestellten. 
l lb Annahme eines Arbeiter-Lohntarifs. 
Ile Regelung des DienstbctriebaS der Feccernehr. 
11d Bewilligung von Mitteln für die Ausbesserung der elektri 
schen Lichtleitungen aus dein Grundstück Wilhclmstr. 7. 
Ile Einrichtung einer Entlausungsstation in der 2. Gemeinde- 
schule. 
1 lf Ausbau einer Wohnung im Obergeschoß der Blumcn-Ver-, 
kniifshalle in Gütcrgotz. 
l lg Instandsetzung einer Notwohnung - 
11h Aenderung der Grundsätze für die Verdinßunq und Ver 
gebung von Leistungen und Lieferungen für die Gemeinde. 
Die bezüglichen Vorgänge und Allen können wahrend der 
Dienststundcn iin Amtsziinincr eingesehen werden. 
Der Gcmcindcvorstchcr. W a l g e r, Bürgermeister. 
Bekanntmachung 
Auslandskohl und Mohrrüben gelangen ans fcr:it 
Gemciildegrundslück Nicdstraßc 8 täglich in der Zeit von 8—3 
Uhr zum Verkauf. Berlin-Friedenau, den 17. April 1020. De: 
Gcmeindcvorstand. ,J. B.: Friedet. 
Bekanntmachung. 
Ans Grund der Anordnung des Ministers für Vollswohl- 
fahrt» bctr. Einführung einer H ö ch st g r c n z c für M i e t z i n S- 
st ei gerungen vom 9. Dezember 1910 (Preußische Gesetz 
sammlung 1019 S. 187 ff.) nnd des Beschlusses des Verbands- 
ansschusscs des Wohiiinigsverbandcs Groß-Berlin vom 10. Fe 
bruar 1920 sowie^ des Beschlusses des vom Bezirksausschns; Pols- 
dani gewählten Sachverständigenansschusscs vom 7. -April 1920 
wird für den Bezirk des Wohnungsvcrbaivdes Groß-Berlin fol 
gendes für die Zeit bis zum 30. September 1920 angeordnet:. 
piere zu finden. Uebrigens ist- da noch ein Umstand, den 
ich Ihnen erwähnen muß." Und er erzählte ihm, was er 
über die Persönlichkeit Otto Martens' und über sein rätsel 
haftes Einkommen erfahren hatte. 
Der Oberstleutnant schüttelte den Kopf. 
„Die Geschichte ist so verworren, daß kein Mensch sich 
ein klares Bild davon machen kann," sagte er. „Dieser 
Herr Otto Martens scheint doch aber wirklich ein mauvais 
sujet in der schlimmsten Bedeutung des Wortes gewesen zu 
sein. Seine Geschäfte scheinen wie seine Lebensführung 
von der schmutzigsten Art gewesen zu sein. 
„Das ist auch meine Meinung. Aber es kann uns am 
Ende gleichgültig sein. Für uns kommt nur in Betracht, 
daß nun, außer der Polizei, die ja wohl auch nicht ganz 
und gar untätig sein wird, zwei Leute da sind, die an der 
Aufklärung des Verbrechens mit einem bestimmten oder 
unbestimmten Verdacht gegen mich und Ihre Tochter 
arbeiten, Dombrowski, dem es um die Feststellung der 
Person des Mörders, und Martens, dem es um das Geld 
seines Bruders und um die Papiere zu tun ist." 
Der Oberstleutnant neigte sich vor und sah Heinz in 
, die Augen. 
i „Lieber Freund," fragte er eindringlich und in tiefstem 
Ernst, „haben Sie selbst keinen Verdacht, wer der Mörder 
gewesen sein könnte?" 
„Nein I" erklärte Heinz bestimmt. Arnstorf aber fragte 
weiter, seine Stimme bis zu einem kaum hörbaren Flüstern 
senkend: 
-„Sind Sie noch immer davon überzeugt, daß meine 
Tochter nichts, gar nichts damit zu tun hat?" 1 - 
„Davon bin ich felsenfest überzeugt!" erwiderte Heinz 
rasch, und man hörte es dem Klang der Worte an, daß 
sie aus dem Herzen kamen. Der Oberstleutnant atmete tief 
auf, wie einer, dem eine große Erleichterung geworden ist, 
und lehnte sich in seinen Stuhl zurück. Er sah jetzt viel 
ruhiger aus. 
„SelbstversiÄyjdlich hege auch ich diese feste Ueber 
zeugung," erwiderte er. „Aber wir dürsen.uns nicht vpr« 
hehlen, daß andere mit ri.uzer Berechtigung zweifeln 
könnten. Und es würde dein Ruf meiner Tochter gefährlich 
genug sein, wenn cs öffentlich bekannt würde, daß sie in 
der Nacht in Martens Wohnung gewesen ist, wenn sie 
auch mit seinem Tode nichts zu schaffen hat. Sollte es je 
doch irgend jemandem gelingen, die ganze gcheininisvolle 
und verworrene Angelegenheit aufzuklären, so wäre ein 
solches öffentliches Bekanntwerden des törichten Schrittes, 
den meine Tochter da aus mir unbekannten Gründen getan 
hat, ganz unvermeidlich." 
„Das meine ich auch. Und wir können nichts tun. es 
zu verhindern, so lange wir nicht wissen, was Ihre Tochter 
zu diesem Schritt veranlaßt hat. Herr Oberstleutnant, ich 
richte eine große, eine herzliche Bicle an Sie: gehen Sic 
zu Ihrer Tochter und befragen Sie sie! Ihnen darf und 
wird Sie die Auskunft nicht schuldig bleiben." 
Arnstorf antwortete nicht sogleich. Er bedeckte dar 
Gesicht mit der Hand, so daß Heinz, der voll bangender 
Erwartung seiner Entscheidung harrte, den Ausdruck'seiner 
Züge nicht erkennen tonnte. Aber als er dann sprach 
bereiteten seine Worte Hollfeldcn eine schmerzliche Eni- 
täuschung. 
„Es würde nicht von Nutzen sein, glauben Sie es mir/ 
sagte er. „Ich will Ihnen gestehen, oah ich selbst berect- 
mchr als einmal diesen Schritt bei mir erwogen habe 
Aber ich bin immer wieder davon abgekommen. Ich kennc 
meine Stieftochter,'kenne ihre Festigkeit Und ihren unbeug 
samen Willen. Ich kann Ihnen nicht sagen, was zu den 
Zerwürfnis zwischen Margot und mir geführt hat; abei 
ich kann Ihnen so viel verraten, baß sie sich von mir har 
und ungerecht behandelt glaubt, und sie würde in meinen 
Besuch und in meinen Fragen nur Bevormundung uni 
neuerlichen Zwang sehen. Glauben Sie mir, lieber junger 
Freund, ich wäre, der letzte, dem sie sich anvertraute." 
Heinz senkte niedergeschlagen den Kopf. 
„Dann weiß ich mir nicht zu helfen," sagte er. „Dar 
war meine letzte —" - 
Er verstummte jäh. und seine Augen warep rvft ir 
großer Nebenaschung weil geöffnet. Starr war sein Vice 
auf ein Paar geheftet, das der Kellner eben unter vieler 
Verbeug',«gen hereinführte, und er griff unwillkürlich nach 
der Hand des Obcrsrlentnants. 
„Sehen Siel" flüsterte er. „Sehen Sie — dort!" 
17. Kapitel. 
Arnstorf wandte den Blick in der Richiung, die ihir 
Hvliseldrn bezeichnet hatte. Das Paar, dem Hollfelden! 
, Aufmerksamkeit galt, war in der Tat auffallend genug 
auffallend durch feine Verschiedenheit. Der Biann war kleir 
und mager, mit einem uichtssagcnden Burcaultatciigefich 
und schon ergrautem Haar. Er war anständig, -aber alt 
modisch und einfach gef; ibet, sein Spazierstock aus gelben 
Rohr mit dem rauben Kugelniss schien einer langst ver 
gessenen 'Mode anzugehören. Die junge Lance dagegen 
die ihren Arm vercra stich in den seinen geschoben hatt, 
und aus d.cc hübschen, schwarz i.mtwmolteic Augen fee 
umhersah, war so a. stallend und so clegartt getl-cüct, wi« 
es nur Damen „vorn Tocatcn: oder '.ueoräfenton innen de: 
Halbwelt bei normi'stäglichen Spaziergängen zu sein psiegen 
Ein Hut von wahrhaft ungeheuerlichenDimenscone» wiegt« 
sich auf ihrem hellgelben Haar, deffeir Färbung sichcriul 
weit mehr einem geschickten Friseur als der Natur zuzu 
schreiben war, und unter oeuc graziös gerefften 'Nock lau 
ein Streifen des grell gefärbten seidenen Iupons und cir 
koketter Halbschuh zum Vorschein. 
Arnstorf wechselte mit Hollfeldcn einen Verständnis- 
volle» Blick. 
„Wie kommt er in die Gesellschaft ?" meinte der Oberst- 
lcutnacct leise. Sie brauchten nicht zu befürchten, von dcir 
eigenartigen Lärchen gesehen oder gehört zcc werden, denr 
Heinz hatte ihren Tisch vorsorglich in einer versteckten Eckc 
gewählt. 
" „Man kann in der Tat nicht gut'im Zrveifel darübec 
sein, welcher Menscheutlasse man sie zuzuzählen hat," er 
widerte Heinz ebenso leise. „Aber mir ist doch,' als hätte 
ich sie schon irgendwo gesehen — —(Forts, folgt-)
        
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