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Periodical volume Nr. 87, 20.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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En5S >h iÄ Mark" bSfUS WlMe'.Wr Zeitung fürM..Friedenll» SÄ 
ins Haus gebracht Mark. Krschkint täglich abend». 
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Belegnummer 15 lpfg. 
ltaum 75 , 
4.— Mar 
Kr. 87 
Berlm-Friederrau, Zienstag, den 28. April 1920 
Fahrg. 27 
OrtsnacbHcbtetfi 
(Nächdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Grotz-Berlin. 
Der schriftliche Bericht des 17. Ausschusses der Lan- 
desversammluug über die Beratungen zum Entwürfe über 
die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin — so 
tautet jetzt die offizielle Bezeichnung für den Entwurf — 
ist nunmehr erschienen. Der Bericht, der zwei Bände 
von 300 Seiten umfaßt, ist vom Abg. Bonus .verfasst- 
utid gibt ein klares Bild der langwierigen Verhandlungen 
im Haupt- und Unterausschüsse, allein über 150 Anträge 
standen in den Ausschüssen während der viermonatigcu 
Beratung zur Besprechung. Eine Ueberstürzung bei der 
Schaffung der neuen Gemeinde wird zu verhängnisvollen 
finanziellen Folgen führen, da selbst die Mehrheit des 
Ausschusses anerkennen mußte, daß eine Klärung der 
finanziellen neuen Probleme erwünscht sei und man 
vorläufig nur experimentieren könne. Die Entschädigung 
der Restkrcise Teltviv, Osthavelland und Niederbarnim 
wird eine schwierige juristische Angelegenheit werden, sie 
tvird zweifellos von einem Schiedsgerichte entschieden wer 
den müssen. Die Regierung ist mit der getroffenen 
Regelung der neuen Polizeikosten uicbt einverstanden, 
weil sie den Staat zu stark belastet. Nach einem vber- 
flächlichen Schätzungsergcbnis wird die Berliner vsicher- 
heitspolizei 08 Millionen Mark, die Ordnnngs- und Kri 
minalpolizei 08 Millionten Mark erfordern, bisher betrug 
der polizeiliche Aufwand für Berlin 31 Millonen Mark. 
Die Regierung hat erklärt, daß der EiAwnrf 
nicht eher Gesetz werden könne, bis die Polizei- 
kosteufrage geklärt und für sie finanzielle Deckung ge 
sunden äst. Da das Reich 80 Prozent der Kosten für 
die Sicherheitspolizei trägt, so blieben für das neue Ber 
lin 88 Millionen Mark Polizeikosten, Hiervon würde Ber 
lin 30—35 Millionen Mark tragen, der Rest ist vom 
Staate aufzubringen. Auch die Neuregelung der L> ch u l- 
f ragen für das neue Berlin .bietet 'zahlreiche Schwie 
rigkeiten, die gegen eine Ueberstürzung sprechen. Das' 
Schulwesen der jetzigen Stadt Berlin wird durch die Neu 
regelung völlig zerschlagen, das Wirken der einheitlichen 
Schuldeputaiio'n hört auf. Eine neue Organisation wird 
die alten Einrichtungen ablösen, bisher ist aber nichts 
vorbereitet. Der Gedanke der Einheitsgemeinde hat sich 
in Schulfragen nicht durchführen lassen, der Schwerpunkt 
liegt bei den Bezirken. Die Regelung der Schulfragen, 
wie sie der Entwurf vorsieht, ist auf die Dauer unhalt 
bar, abgesehen davon, daß sie gegen das Schulunterhal-' 
tungsgesctz verstößt. Ein weiterer wunder Punkt der Vor 
lage ist die beschlossene neue Behandlung der Beamten. 
Das Zurdispositionsstellnugsrecht ist gestrichen, jeder Be 
amte hat sich den neuen Verhältnissen unterzuordnen, 
eine finanzielle Benachteiligung erfährt er durch die Neu 
ordnung nicht. Die leitenden Beamten der großen Vor 
orte müssen sich mit Bezirksamtsstellen begnügen. 
o Tie Verordnung über die Höchstmietcn wird unter 
„Amtliches" in dieser Nr. veröffentlicht. 
o Zum Landrat des Kreises Teltow soll' — nach der 
„Magdeburgischcn Tageszeitung" — der sozialdemokra 
tische Stadtverordnete, Postsekretär Weinert in Magde 
burg bestellt werden. 
o TaL Gesetz über die Grundschule ist gestern von 
der Nationalversammlung angenommen worden. Darnach 
kommen die Vorschulen allgemein in Fortfall. In Frie 
denau ist mit dem Abbau der Vorschulen bereits am 1. Ok 
tober v. Js. begonnen worden. 
o Ausländischer Weißkohl und Mohrrübe» werden im 
Gemcindeverkauf Nicdstr. 8, täglich von 8—3 Uhr ver 
kauft. 
o Das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande wurde 
dem Rcchuuugsrat Cohrs, hier, Bismarckstr. 0, verliehen. 
v Ter Besuch der Kunstausstellung im Nathausc ist 
ein äußerst reger, es konnten an einigen Tagen der vorigen 
Woche mehrere Hundert Personen dort gezählt werden. 
Ein Beweis, wie notwendig eine solche Veranstaltung in 
unserem Friedenau einmal war. Das Interesse wächst von 
Tag zu Tag, es ist daher dringend zu empfehlen, daß. 
alle diejenigen, die noch nicht dort waren, ihren Besuch 
bald ausführen, da am 26. April me Ausstellung "leider 
geschlossen wird. Es ist Ehrenpflicht jedes Friedeuauer 
Bürgers, die Kunstausstellung im Nathausc besucht zu 
haben. 
obh Für die künstlerische Ausgestaltung des Wilmcrs- 
dorfer Ehrensriedhoscs, dessen Belegung mit 110 im Kriege 
gefallenen und in Wilmersdorf bestatteten Kriegern jetzt 
abgeschlossen ist, wird vom Magistrat Wilmersdorf unter 
den ln Wilmersdorf ansässigen Künstlern ein öffentlicher 
Wettbewerb ausgeschrieben. Es sollen 5000 M. für Preise 
und 1000 Mark zum Ankauf von weiteren Entwürfen 
ausgesetzt werden. Die Entwürfe sind bis zum 1. Juli 
d. Js. beim Wilmersdorfer Hochbauamt einzureichen. 
obh JubiläUmsdcukschrist der Große» Bcrl. Straßen 
bahn. Im nächsten Jahre kann die Große Bert. Straßen 
bahn, die im Jahre 1871 unter dem Namen Große Ber 
liner Pferde-Eisenbahn-Aktiengesellschaft gegründet wurde, 
auf ihr 50 jähriges Bestehen zurückblicken. Wie wir er 
fahren, wird aus diesein Anlaß die Herausgabe einer 
Denkschrift geplant, in der die Entwicklung des Unterneh 
mens unter dem Pferdebetrieb, die Einführung des elek 
trischen Betriebes und der Uebergang der Aktiengesellschaft 
in die öffentliche Verwaltung des Verbandes geschildert 
werden sollen. 
o Westpreutzvn der südliche» Vororte, Steglitz, Lalil- 
witz, Friedenau, Lichterfelde, Gruuewald, Wannsee, 
Schlachtensee: Marieuselde, Mariendorf, Tempelhof lver- 
dcn dringend gebeten, sofort ihren Antrag auf Eintragung 
in die Liste der abstimmungsberechtigten Westpreußcn zu 
stellen. Nur wenn dieser Antrag vorschriftsmäßig ge 
stellt ist, haben abstimmungsberechtigte Westpreußen auch 
das Recht zur Mstiiiimung und zur freien Fahrt, .und 
zwar muß dieser Antrag bis spätestens 1. 5. gestellt sein. 
Mitglieder des Vorstandes und Vertrauensleute der Be 
zirksgruppe südliche Vororte des Vereins heimattreucv 
deutscher Westpreußen, Schloß Bellevue, sind in der Woche 
vom 19.—24. April abends von 6 bis 9 Uhr im Restau 
rant Kaisereiche, Rheinstr. 54, anwesend, um diesen An 
trag entgegenzuuehmcn und jede Auskunft zu erteilen. 
o Neue Wauderwcge im Gruiicwald. Mit dem im 
Jahre 1915 vollzogenen Uebergang eines Teils der 
Staatsforsten rund um Berlin in das Eigentum des 
Verbandes Groß-Berlin wurde du hiccrvon betroffenen 
Waldflächeu teilweise eine andere Aufgabe als früher 
zugewiesen, denn die Wälder, die bisher in der Haupt 
sache staatliche Erwerbsuntcrnehmungen waren, sollen 
fortan in erster Linie der Großstadtbevölkerung als Er 
holungsstätte dienen. Infolge der Kriegsverhältnisse konn 
ten leider die hierzu erforderlichen Arbeiten nicht durchgc- 
führt werden. Erst die nach Beendigung deS Krieges auf 
tretende Notwendigkeit, Beschäftigung für Erwerbslose zu 
schaffen, bor lvillkommenc Gelegenheit zu durchgreifenden 
Maßnahmen. So entstanden im Grnncwald eine große 
Anzahl recht bemerkenswerter Ausführungen, die für die 
Erschließung dieses beliebten Ausslugsgebietes von Be 
deutung sind. Es sei hingewiesen auf die Chaussee Heer 
straße—Gendarmeriehaus, die von dem Knie der Heer 
straße zur Havelchaussee hinunterführt und durch die eine 
wesentliche Verbesserung der bisherigen Verbindung xr- 
zielt wird. Es sei ferner verwiesen auf die große An 
zahl neu entstandener Wanderwege, die die landschaftlich 
reizvollsten Teile des Grunewalds — wie z. B. das präch 
tige Waldgelände zwischen Schildhorn und Kaiser-Wih- 
hclm-Turm mit seinem prächtigen Ausblicken auf die 
Havel — dem Wanderer leicht zugänglich machen. Bei 
fall werden auch die beiden Zugangswege zum Freibad 
Wannsee finden, die zur Aufnahme des dort auftretenden 
Masscuperkehrs bestimmt sind. Sportfreunden bietet sich 
auf verschiedenen Sport- und Spielplätzen, sowie im Win 
ter auf einer großen Anzahl neu angelegter Rodelbahnen 
ein reiches Feld der Betätigung. Die Nokstandsarbeitcn 
sind nun im großen und ganzen beendet. Die Berliner 
werden in der nächsten Zeit reichlich Gelegenheit haben, 
die hierdurch geschaffenen Verbesserungen aus eigener 
Anschaining kennen zu lernen, umsomehr, als infolge der 
hohen Tarife der Fernbahnen Viele sich darauf werden 
beschränken müssen, ihre Erholungszeit in der näheren 
Umgebung Groß-Berlins zu verbringen. Es ist daher sehr 
zu begrüßen, daß gerade jetzt beim Beginn des Som 
mers die von uns schon erwähnte vom Verbandsirektor 
des Verbandes Groß-Berlin Hierausgegebene Wander 
karte des Gruncwaldcs erschienen ist, aus der in klarer 
und übersichtlicher Weise die durch die Notstandsarbeiten 
geschaffenen Neuanlagcn dargestellt sind. Die im Ver 
lage von Willi Holz, Berlin SW. 61, Grvßbeercnstr. 16, 
erschienene, mit begleitendem Text versehene .und ge- 
schmackvoll ausgestattete Karte ist durch alle Buch- und 
Landkartenhandlungen zu dem äußerst geringen Preis von 
1 M. einschließlich Teuerungszuschlag 'zu beziehen. 
o Tas Gewitter, das gestern Nachmittag gegen 4 Uhr 
herauskam und sich bis gegen 8 Uhr ausdehnte, lvar von 
anhaltendem strömenden Regen begleitet. Auch die bis 
dahin warme Temperatur sank und nach den Beobachtungen 
der Wetterwarten ist damit zu rechnen, daß cs noch weiter 
hin kühl und regnerisch bleiben wird. 
o Vor der Volksabstimmung in Ostpreußen. Die Volks 
abstimmung steht bevor. Abstimmungsberechtigt 'ist jede 
Person, die das 20. Lebensjahr vollendet hat und in 
der Zone, in der die Volksabstimmung stattfindet, ge 
boren ist. Es stimmen folgende .Kreise ab: Allcnsteiu- 
Stadt und Land, Johannisburg, Lötzen. Lhck, Oletzko, 
Ortelsburg, Osterode, Rössel, Sensburg, ferner Teile von 
Neidenburg. Wer an der Volksabstimmung teilnimmt, gc- 
gebrancht einen Geburtsschein, verheiratete Frauen außer 
dem die Heiratsurkunde: Personen, die vor 1874 geboren 
sind, benötigen einen Taufschein, verheiratete Frauen 
außerdem den Trauschein. Für die Reise ist ein .Paß 
mit Lichtbild erforderlich. Es ist empfehlenswert, alle 
Papiere vor der Abreise auf ihre Richtigkeit prüfen zu 
lassen^ da die alliierte Kommission jeden zurückweist, der 
nicht im Besitze ordnungsgemäßer Ausweise ist. Für 
Großberliu ist der Bund heimattreucr Ostpreußen die 
berufene Organisation zirr Erfassung aller ostpreußischen 
Abstimmungsberechtigten. Er ermöglicht Unbemittelten 
freie Eisenbahn-Hin- und Rückfahrt und soll bei Lohnaus 
fall den gehabten Verlust entschädigen. Der Kinderfürsorge 
während der Abstimniung tvird volle Aufmerksamkeit ge- 
widmct. Die hiesigen Abstimmungsberechtigten wenden sich 
zweckmäßig an nachstehende Stellen: Kaufmann Franz 
Schitorr, Gr.-L i ch t e r f e l d e, Margarctenstr. 9 (8—8); 
Restaurant Grund, Schöncber g, Goltzstr. 30 (2—5); 
Geh. Sekr. Günther, E h a r l o t t e n b u r g, Kaiser Friede.- 
Nie Briefe der Prinzessin. 
Von E. PH. Oppenheim. 
86 (Nachdruck verboten.) 
„Sie bleiben wieder Sieger, Herr Hainberg," sagte er 
gut gelaunt. „Ich würde kein Spiel mit Ihnen wagen, 
wenn Sie mir nicht eine große Vorgabe geben." 
Hollfelden wartete, bis eine kurze Pause in dem Spiel 
eintrat. Dann neigte er sich zu dem Oberstleutnant herab 
und flüsterte ihm zu: 
„Ich hätte gern eine kurze Unterredung unter vier 
Augen mit Ihnen, Herr Oberstleutnant. Würden Sie wohl 
die Güte haben, irgendwo eine Flasche Wein mit mir zu 
trinken?" 
Der Oberstleutnant wiegte zweifelnd den Kopf. 
„Wird kaum gehen, lieber Freund," sagte er bedauernd. 
„Ich habe mich mit Herbert Klein zu einer Partie Schach 
verabredet — er wird jeden Augenblick kommen." 
„Es wäre mir aber außerordentlich angenehm," be- 
harrte Heinz. „Ließe es sich nicht irgendwie machen, Herr 
Oberstleutnant?" 
Arnstorf sah auf seine Uhr. 
„Ich muß jedenfalls auf Klein warten." sagte er. 
„Aber ich werde sehen, daß ich in einer halben Stunde 
frei bin. Genügt Ihnen das?" 
„Ich bin Ihnen sehr dankbar," erwiderteHeinz. „Darf 
ich Sie bei Frederich erwarten, Herr Oberstleutnant?" 
„In einer halben Stunde — ja, lieber Freund. — 
Bravo, Hainberg — das ist eine Stellung l Darauf machen 
Sie wenigstens zwanzig Bälle." 
Heinz suchte das altberühmte Restaurant in der Pots 
damer Straße auf und setzte sich oben in der ersten Etage, 
wo sich um diese Zeit niemand befand, bei einer Flasche 
Rüdesheimer nieder. Die verabredete halbe Stunde war 
kaum um, als der Oberstleutnant erschien. 
„Sie werden unschwer erraten, um was es sich handelt," 
nahm Heins ernjt das Wort, nachdem der Kellner eine 
zweite Flasche Wein und ein zweites Glas vor ihnen 
niedergesetzt und sich zurückgezogen hatte. „Ich bedarf 
dringend Ihres Rates, Herr Oberstleutnant. Was ich 
Ihnen heute mitzuteilen habe, wird Sie gewiß sehr über 
raschen. Vor allem — Doktor Dombrowski hat sich in 
die Angelegenheit eingemischt." 
Arnstorf setzte das Glas, das er eben hatte zum Munde 
führen wollen, mit einer heftigen Bewegung auf den Tisch 
zurück. 
„Dombrowski!" sagte er scharf. „Was geht'es ihn an?" 
Heinz neigte sich ein wenig über den Tisch vor und 
flüsterte: 
„Er sah mich in jener Nacht mit Ihrer Tochter aus 
dem Haus gehen, Herr Oberstleutnant." 
Arnstorf erbleichte. Aber er bewahrte seine Haltung. 
„Und — ? Was berechtigt ihn, diese Beobachtung in 
einen Zusammenhang mit der Martens-Affäre zu bringen, 
sich daraufhin eingehender um die Angelegenheit zu be 
kümmern, als es für ihn notwendig wäre?" 
„Nichts, Herr Oberftlentnant, als seine eigenen Kom 
binationen und Vermutungen. Er hat mich aufgesucht und 
mir unumwunden erklärt, daß er nicht frei von einem 
Verdacht gegen Ihre Tochter und — gegen mich ist. Und 
angeblich ist dieser Verdacht erst stark in ihm geworden, 
als er Ihre Tochter in der Gesellschaft der Gräfin Walden- 
dorff sah." 
„Aber ich begreife nicht —, die Gräfin Waldendorfi 
ist doch eine durchaus achtbare Dame, und was kann 
Dombrowski " 
„Ich begriff es ebenfalls nicht, aber unser lieber Klub 
genosse machte mir allerlei Andeutungen, die mich in 
äußerstes Erstaunen versetzten. Er kannte die Gräfin Wal- 
dendorff bereits — von einem gelegentlichen Zusammen 
treffen in Ostende, und er gab vor, zu wissen, daß die 
Dame augenblicklich Gegenstand lebhaften Interesses und, 
wenn ich ihn recht verstanden habe, lebhaften Mißtrauens 
einiger hochstehender Persönlichkeiten ist. Woher er das 
tn-ifc oenittc er mir nicht mitzuteilen. Genua, daß auch 
er offenbar von Mißtrauen gegen die Gräfin erfüllt ist 
und dieses Mißtrauen ohne weiteres auf ihre Begleiterin 
übertragen hat." 
,Urlauben Sie, lieber Freund, aber die Logik ist mir 
nicht ganz klar. Wenn hochstehende Persönlichkeiten Miß 
trauen gegen die Gräfin Waldendorfi hegen, so kann es 
meines Erachtens doch nur aus politischen Gründen sein. 
Und der Gedanke, den Mord an Otto Martens mit Politik 
zu verquicken, will mir geradezu absurd erscheinen." 
Heinz zuckte die Achseln. 
„Ich habe niemals mehr als oberflächliches Interesse 
für politische Dinge gehabt, und ich habe deshalb darüber 
kein Urteil," erwiderte er. „Aber auch mir will es aller 
dings scheinen, als habe man die Motive für diesen Mord 
auf einem ganz anderen als auf politischem Gebiete zu 
suchen. Wie es auch immer sei, jedenfalls ist Dombrowski 
fest entschlossen, seine Kräfte an die Aufklärung des Ver 
brechens zu setzen, und es ist unter diesen Umständen recht 
fatal, daß der Zufall ihn in jener Nacht durch meine 
Straße führen muhte. Nicht für mich, Herr Oberstleutnant, 
ich habe nachgerade eingesehen, daß ich für mich nichts 
zu fürchten habe. Aber Sie wißen wohl, für wen." 
Der Oberstleutnant gab keine Antwort. Aber nach 
einem kurzen, drückenden Schweigen sagte er: 
„Ich habe in "einer Zeitungsnotiz davon gelesen, daß 
ein Bruder des Ermordeten aufgetaucht sein soll. Wissen 
Sie etwas Näheres darüber?" 
Heinz nickte. 
„Ich wollte Ihnen auch davon sprechen," sagte er. 
„Io, es ist ein Bruder des Ermordeten gekommen, ein 
unsympathischer, habgieriger Geselle. Er hat mich aufge 
sucht und mich um meinen Beistand ersucht, und ich war 
töricht genug, mit ihm zu diefem Rechtsanwalt Berger zu 
gehen, dessen Rolle in der traurigen Angelegenheit Sie ja 
kennen. Er sprach Martens von den mysteriösen Papieren, 
die er mir damals abkaufen wollte," er lachte rauh, „und 
der Bursche, dem es lediglich darum zu tun ist, Geld und 
wieder Geld zu gewinnen- seht nun daraus tzus. die Pa-
        
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