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Periodical volume Nr. 86, 19.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Prof. Dr. Dütscheke: „Goethe und Karl August". Am 
Dienstag. den 20. April spricht Herr Oberlehrer Diehl 
über „Stellung des Christentums zu Staat und Politik". 
Beginn abends 8 Uhr im Gymnasium am Maybachplatz. 
Tie Namen. der Dozenten bieten eine Gewähr, dafür, 
daß dem glänzenden Anfang ein guter Fortgang folgst. 
o Tie Groß deutsche Freihritspartei (Ortsgruppe Frie 
denau) hielt am Mittwoch Abend sni „Prinz Handjery" 
eine gut besuchte Mitgliedcrpersammlung ab. Nach Er 
ledigung des geschäftlichen Teils wurden ver.chiedene An 
fragen von Mitgliedern und Freunden der Partei durch 
gesprochen und beantwortet. Bor allem, so führte der 
Vorsitzende, Herr Rüge, aus, hätte die junge Partei die 
Aufgabe, den immer noch träumenden Mittelstand, im 
weitesten Sinne, um ihre Fahne zu sammeln und aus 
seiner politischen Gleichgültigkeit aufzurütteln. Gesunde 
wirtschaftliche Verhältnisse müßten vor allem geschaffen 
werden, und cs sei heiligste Pflicht eines jeden Deutschen, 
daran mitzuarbeiten, nicht nur bei der Wahl durch den 
Stimmzettel, nein auch durch das Wirken eines jeden in 
seinem Berufe und Verkehrskreisc. Das Volk dürfe nicht 
zersplittert bleiben, sondern müsse geeinigt werden. Hier 
bei wies der Vorsitzende noch besonders auf die Grauen- 
gruppe hin, die reichlich Gelegenheit hätte, viel, Gutes 
im Stillen zu schassen, praktische soziale Arbeit. Dann 
wurde noch auf das Siedelungsprogramm der Partei hin 
gewiesen, ein Programm, das nicht die Siedelung als 
Mittel zur Erreichung politischer Zwecke betrachtet, son 
dern das dem Wunsche so vieler Deutschen entgegenkommen 
tvill, freie, unabhängige Staatsbürger auf eigener Scholle 
zu wissen. Gerade in der Arbeiterschaft ist.mancher, dem 
die Partei hier den Weg ebnen will. Nicht minderwertiger 
Boden, sondern vollwertiger für die Siedelung! Die 
nächste Mitgliederversammlung findet am 27. April im 
„Prinzen Handjery", Kirchstraße, Ecke Handjcrystraße, 
abends 8 Uhr, statt. Freunde der Partei sind herzlichst 
willkommen! Am 22. April, abends 7Vr Uhr, findet im 
Homuth-Gymnasium zu Friedenau eine öffentliche ViKks- 
persammlung der Großdeutschen Freiheitspartei statt, wo 
bei Herr E. Grosse über „Sozialisierung und die 
Wahrheit" sprechen wird. Eintritt 50 Pfg. 
o Das Frrcdcuaucr Schule,rorchester» unter der Lei 
tung von Herrn Tr. Böhme, veranstaltete am Sonn 
abend im Festsaalc des Reformrcalgymnasiums einen Mu 
sikabend, der bei dem schönen Verlauf, den er nahm, 
einen stärkeren Besuch verdient hätte. Eine mühevolles 
aber dankbare Arbeit hat der Dirigent übernommen, indem 
er musikausübende Schüler zu einem Orchester verband 
unH mif i hm nun die .Tonwerke übtz. die erst in dem .Zu 
sammenklang mehrerer Instrumente sich in ihrer ganzen 
Schönheit zeigen. Damit wird nicht nur dem Mitwir 
kenden Genuß verschafft, sondern auch dem Zuhörer Freude 
bereitet. Wir dürfen natürlich keinen allzu hohen Maßstab 
an ein Schülerorchestcr legen; wenn wir das auch tun, 
so müssen wir doch anerkennen, daß Herr Dr. Böhme 
seine Schar zu guten Leistungen herangebildet hat. Rhyth 
mus, Harmonie und Takt werden streng beachtet, es wird 
rein, aufmerksam und mit Hingabe gespielt. „Träumerei" 
Von Schumann .(mit Orgelbeglcitung) wurde innig und 
stilvoll wiedergegeben. Auch Andante cantgbile von 
Tschaikowski und das Vorspiel zur Oper „Kunihild" von 
Kystler waren achtbare Leistungen. Auf eine künstlerische 
Stufe hat Herr Tr. Böhme ferner den Schülerchor 
gestellt, in welchem die Knabenstimmen mit ihrem metalli 
schen Klang sich mit den gereiften Stimmen der älteren 
Schüler harmonisch zusammenschließen. Tie Bässe sind 
allerdings etwas schwach. Schulung, Tongebung und Ausi- 
sprache sind anzuerkennen. Schön wurde' „Sturmbeschwö 
rung von Türrner, „Guten Abend" von Brahms und 
„Lauf Jäger" von Taubert gesungen. Tie Vortragssolge 
wies dann noch verschiedene Einzeldarvietungen auf. Frau 
Marg. Bö h m e-H e id cnreich sang mit ihrer weichen, 
gut gebildeten Sopranstimme zwei Balladen, sowie drei 
heitere Lieder, u. a. „Der Hosenmatz", ein reizendes Ton 
werk von Dr. Böhme. Herr Dr. Mau ermann sprach 
mit bekannter Meisterschaft drei Balladen, ferner Gedichte 
von Hans Sachs, Ehamisso und Erdmann Graeser. Wohl 
verdienten starken Beifall fanden auch die technisch saube 
ren, stilvollen und mit Empfindung vorgetragenen Dar 
bietungen des Violoncellisten Arnim Lieberm ann/Nicht 
zuletzt sind die Herren G u t t m a n n (Violine), Sal 
zer (Klavier) und Fetz (Violoncello) lobend hervorzu 
heben, die 2. u. 3. Satz a. d. Trio Nr. 5 von Beethoven 
in gutem Zusammenspiel zu Gehör brachten; vor allem 
der Klavierspieler war ausgezeichnet. Ms. 
o Unterricht in Stenographie. Der hiesige Steno- 
graphenvcrein Stolze-Schrey eröffnet am Freitag, den 
30. April, abends 8 Uhr, in der 2. Gemeindeschulc, hier. 
yerausbrlngen will!" sagte er klagend. „Eie müssen doch 
begreifen, daß ich stutzig werde. Sie wußten etwas von 
diesen Papieren, aber Sie sagen mir nicht, wie es damit 
zusammenhängt, woher Sie die Kenntnis davon haben. 
Und dann kommt dieser Doktor Dombrowski zu mir, macht 
mir ebenfalls geheimnisvolle Andeutungen, verweigert jede 
Antwort auf meine Fragen, wie er dazu kommt, und schickt 
mich nun zu dieser Gräfin Waldendorff. Was hat eine 
Gräfin mit meinem Bruder zu tun? Erkannte mit 
Choristinnen und solchen Mädchen umgehen, für die er 
nur eine Geldquelle war, aber nicht mit Gräfinnen. Nun, 
ich gehe zu ihr, und sie behandelt mich ebenfalls feindselig 
und benimmt sich — ja, ich muß sagen, ich habe an ihr 
manches auffällig gefunden. Sehen Sie, von allen Seiten 
bin ich auf Widerstand und Zurückhaltung gestoßen. Ich 
habe bis jetzt nichts gesagt, aber ich habe mir meine Ge 
danken gemacht, und ich sage Ihnen, ich kann gefährlich 
werden." 
Heinz blieb mitten auf der Straße stehen und sagte kalt: 
„Hören Sie, Herr Martens, ich finde keine Bezeichnung 
für Ihr Benehmen. Als Sie zu mir kamen, habe ich ge 
sehen, wie schwierig Ihre Lage war, und habe Ihrem 
Bestreben, das an Ihrem Bruder begangene Verbrechen 
aufzuklären, aufrichtige Teilnahme entgegengebracht. Ja, 
ich habe Ihnen meine Zeit geopfert und habe Sie zu diesem 
Rechtsanwalt begleitet — wie Sie sich wohl erinnern werden, 
auf Ihre Bitten — obwohl es mir sauer genug geworden 
ist. Anstatt mir dafür Dank zu wissen, kommen Sie mir 
nun mit offenen und versteckten Drohungen. Wen glauben 
Sie denn eigentlich vor sich zu haben?" 
Sein energischer Ton ließ Martens nun doch wesentlich 
bescheidener werden. Kleinlaut erwiderte er: 
„Ich habe Ihnen nicht gedroht, Herr Hollfelden. Aber 
Sie müssen sehen, wie schwer ich daran bin. Was denken 
Sie denn von diesen Papieren? Von diesem' Dsktor Dom 
browski? Und von dieser Gräfin?" 
Heinz zuckte -ie Achseln. 
Goßlerstraße 15 (neben dem Lyzeum), neue Unterrichts 
kurse für Anfänger, die von geprüften Lehrern der Kurz 
schrift und Praktikern in uneigennütziger Weise geleitet 
werden. Anmeldungen, die wegen Beschaffung der Lehr 
mittel rechtzeitig erbeten werden, sind an den ersten Vor 
sitzenden, Oberzollsekretär Heinrich Beykirch, hier, Lo- 
fevrestraße 10, zu richten. 
o Der Kartenverkauf zum 1. Bernhardis-Aoend, am 
20. April, 71/2 Uhr, Homuthstr. 4, findet bei Schwach., 
Rhcinstr. 60, nur noch bis morgen Nachmittag statt. An 
der Abendkasse sind zusammenliegende Plätze nur noch 
seltener vorzufinden. 
0 Keisn Ticbesgcsindel. Herr Eugen Becker, Bornstr. 10, 
schreibt uns mit Bezug auf unsere Mitteilung vom 16. 
d. Mts., daß nur seine Werkstatt in Frage käme, daß 
es s ich abckr in den .fraglichen Nächten nicht um Tiebes- 
gcsindel handelte, welches dort unterschlüpfte, sondern, 
daß er in „gehobener Stimmung" in Gemeinschaft einiger 
ihm bekannter Damen und Herren nach einer „feuchten 
Sitzung" als Abschluß eineü „Kaffeeklatsch" in seiner 
Werkstatt gegeben habe. Da es dabei sehr „lebhaft" zu 
ging, könnte wohl Von „Radaubrüdern" gesprochen wer 
den, aber nicht in der gegebenen Form. — Wir bemerken 
hierzu, daß uns seit langem Klagen zugehen über licht 
scheue Gestalten, die sich, vielleicht angelockt durch den 
Rummel, in der Gegend der Bornstraße herumtreiben. 
0 Als gefunden ist dem Fundbüro im Rathause gemel 
det loses Papiergeld, 1 Taschentuch, 1 Uhr, 1 Spazierstock, 
Milchkarten, und als zugelaufen ein Hund. 
Tereins-Nackrickten 
)( Dcutfchnationaler Volksvcrein, Schöneberg. Am Mitt 
woch, den 21. April 1920, Beginn unserer kostenlosen, wöchent 
lichen, stenographischen Uebungsabende in der Geschäftsstelle, 
Stübbenstr. 10 (Laden) mit anschließendem Vortrag um 9 Uhr, 
woran auch Nichtstenographen teilnehmen können. 
)( Fricdenauer Schnchgescllschaft. Die Schachabende sind 
künftig immer Dienstags (statt Montags) und Donnerstags Abend 
ab 8 Uhr im „Wiesbadener Hos" (am Schillerplatz). Gäste jeder 
zeit herzlichst willkommen. 
)( Oberschkesicr! Die Geschäftsstelle der Bezirksgruppe Gr- 
Berlin der heimatstreuen Oberschlrsicr befindet sich jetzt: Tnrlin 
SW. 11, Schöneberger Straße 9, 3 Tr. > Da die Bezirksgruppe 
bczw. die Ortsgruppen sämtliche Vorarbeiten für die Abstimmung 
erledigen, werden alle Landsleute, welche noch nicht bei Lnr 
Zentrale oder einer Ortsgruppe eingetragen sind, gebeten, ihre 
Adresse mitzuteilen. Ehrenpflicht eines jeden Abstimmungsbe 
rechtigten ist es, zur Abstimmung zu fahren und für die Erhaltung 
Oberschlesiens beim Deutschen Reiche zu stimmen, insbesondere 
freie Reise, Verpflegung und Unterkunft gewährt wird. 
)( Wilhelm Schmidt'scher gemischter Chor. Uebungsstunde: 
Montags XjS—7|10 Uhr im Restaurant „Hohenzollern", Hand- 
jerystr. 64. Stimmbegabte Damen und Herren sind willkommen. 
)( Der „Friedennuer Gesangverein für gemischten Chor" 
(Ehormeister: Gesanglehrer Walter Schmidt) übt jedenDiens- 
t a g im Gesangssaal der Königin-Luise-Schule. Aufnahme 
neuer Mitglieder im Uebungssaal; Herren besonders erwünscht. 
turnen, Spiet, Sport 
)( Männer-Turn-Verein Friedenau. Es turnen: Montag 
und Donnerstag 6V2— 8 Uhr: Knabenabteilung (6—14Jahre> 
Gymnasialturnhalle; 8—10 Uhr: Jünglingsabteilung (14—18 
Jahre), 1. Männer-Abteilung und Sportabteilung Gymnasial 
turnhalle. — Dienstag 8V2—10 Uhr: 2. Männer-(Alters)- 
Abreilung Gymnasial.urnhalle. — Dienstag und Freitag 
6—7: 1. Mädchenabteilnng (6—-9 Jahre) Turnhalle Goßler- 
straße 15; 6—8 Uhr: 3. Männer-Abteilung Turnhalle Homuth» 
straße; 7—3 Uhr: 2. Mädchenabteilung (10—13 Jahre) ftnd 
Frauenabteiiung Turnhalle Goßlerstraße; 8— 93/« Uhr: Damen- 
und Jugendabkeilung (13—16 Jahre) Turnhalle Goßlerstr. 
s Sz ftlplatz-Wertelag. Generalsekretär Diem sendet 
uns die Oefsenjlfiche Einladung zur zweiten.' 
Sitzung des vorbereitenden Ausschusses, die am Freitag, 
den 23. April, 6 Uhr nachmittags ftn Gencralsekrciariat 
des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Ber 
lin NW. 7, Szhadowstr. 8, stattfindet. Tagesordnung: 
Bericht über die Verhandlungen mit der Polizei, Bericht 
über die Arbeit des technischen Ausschusses, weitere ,Or- 
gauisationSsragen. 
Lerkn tind Tororte 
ZA Ein Wilmcrsdorfer Schulgebäude für die Sicher 
heitspolizei. Ter Magistrat Wilmersdorf hat Verhand 
lungen mit dem preußischen Landcsfiskus angeknüpft mit 
dem Ziele, eine Abteilung der Sicherheitspolizei i'm Wil 
mcrsdorfer Weichbilde unterrubringen, und sich bereit er 
klärt, die Hälfte der im Schulgebäude der Gemeindv- 
schule VII (Babelsberger Straße) vorhandenen Räume 
für die Zwecke der Sicherheitspolizei herzugeben. Ter 
Fiskus hat für die Benutzung des gemieteten Grund 
„ANes, was mit dem an Ihrem Bruder begangenen 
Verbrechen zusammenhängt, ist so rätselhaft, daß ich mir 
kein Urteil über irgend etwas zutraue," sagte er aus 
weichend. „Ich bin kein Kriminalist, und mir fehlt sowohl 
die Lust wie die Geduld, mich mit deranigen Dingen abzu 
geben. Sie werden sich in Zukunft an einen anderen um 
Rat wenden müssen, Herr Martens." 
Martens machte eine heftige Bewegung. 
,^ch werde gut tun. mich in Zukunft auf mich selbst 
zu verlassen," stieß er hervor. „Ich habe Vertrauen zu 
Ihnen gehabt, und selbst dieser Rechtsanwalt hat mir den 
Rat gegeben, mich an Ihren Beistand zu halten. Aber 
was soll mir Ihr Beistand nutzen, wenn Sie ihn mir nicht 
voll und ganz gewähren — gern, verstehen Sie? Wenn 
ich Eie zum Beispiel um einige Auskünfte bitten würde — 
über die Gräfin Waldendorff, die Sie ja kennen. Ist sie 
reich?" 
„Meines Wissens, ja," gab Heinz widerwillig zur Ant- 
wort. „Wer ich bitte Lne, mich mit weiteren Fragen zu 
verschonen. Wenden Sie sich an eine Auskunftei, wenn 
Sie etwas zu erfahren wünschen." 
Der Kleine zog den Kopf zwischen die eckigen Schultern. 
Sein Aussehen bekam etwas Heimtückisches. 
„Sie stellen sich zu meinen Gegnern," sagte er verbissen. 
Heinz sah ihn verächtlich an und lächelte spöttisch. 
„Weder zu Ihnen noch zu Ihren Gegnern, die zu 
kennen ich nicht die Ehre habe," sagte er. „Ich habe für 
Sie getan, was ich konnte, aber ich habe nicht Lust, mir 
Ihretwegen Unannehmlichkeiten zuzuziehen und mich oben- 
drein unverschämt von Ihnen behandeln zu lassen. Außer, 
dem — so lange ich glauben konnte, daß es Ihnen vor 
allem um die Entdeckung des Verbrechers zu tun sei, dem 
Ibr Bruder zum Opfer gefallen ist, konnte ich mich wohl 
dazu hergeben. Ihnen Beistand zu leisten. Aber ich denke 
nicht daran, Ihren Geldinteressen zu dienen. — Guten 
Morgen!" 
Er lüftete rin wenig den Hut und wandte sich 
stücks und der Gebälkde an die Stadt einen jährlichen 
Mietzins von 65 009 Mark zu zahlen. 
Zo „Rcurrv Untersuchungen über die Bildung und 
Einteilung der Gesteine" laritet das Thema des Licht- 
bildcr-Vortragcs, den Herr Prof. Tr. Belowsky am Mitt 
woch. den 21. Avril, abends 7V- Uhr im großen Hörsaal 
der Treptow-Sternwarte, hält. Mit dem großen Fernrohr; 
wird abends der Mond mit seinen Kratern und der in 
teressante Planet Mars beobachtet. Kleinere Fernrohrs 
stehen zur Beobachtung beliebiger Objekte kostenlos zur 
Verfügung. ■ 
Zut&rifies 
Mr diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Zur Wähl dcS hauptamtlichen Jugenjdpslegers. 
Wie ich mich als ein Anhänger der Mittclparteien 
(nicht in der Gemeindevertretung) zur Veröffentlichung 
des Stimmenverhältnisses stelle, ist für die Tatsache der 
Wahr bezw. der Ablehnung der Wahl gleichgültig. Das 
geht mich nichts an und ist eine Angelegenheit der 'Zeitung. 
Ich persönlich bin Gegner aller Geheimniskrämerei und 
halte cs als deutscher Mann mit einem freien offenes«; 
Wort. Zur Sache selbst möchte ich als Anhänger der 
Mittelparteien nur bemerken, daß die Angelegenheit die 
Oeffentlichkeit. und vor allen Dingen diejenigen Kreise, 
die sich ein Sachverständigenurteil erlauben können, mehr 
beschäftigt, als den Gegnern lieb sein kann. Ueber die; 
Geschlossenheit der „Rechten" kann man geteilter Mei 
nung sein. Die veröffentlichte Abstimmung gibt ein an 
deres Bild, da 3 Mitglieder dieser geschlossenen Parteien, 
die „Sachverständige" in der Jugendpflege sind, anders 
gestimmt haben. Das Ergebnis, nach den Angaben der 
Zeitung, wäre wohl ein anderes gewesen, wenn zu der 
„geschlossenen" Rechten nicht noch die äußerste Linie hin 
zugekommen wäre, die ja in vielen Fällen der ,,ge>- 
schlossenen Rechten" hinzugerechnet werden kann. Der 
Schlußsatz ist mir nicht recht erklärlich, ich weiß nützt, 
wo der Einsender hinzielen will. Jedenfalls habe ich kein 
Interesse dargn, mich mit einer „Vermutung" zu beschäf 
tigen, die ich nicht kenne. Ar. 
(Die von dem Einsender der Rechten gewählte Form 
des lateinischen Zitats läßt die Deutung zu, daß er 
es auf eine bestimmte Person beziehen möchte. We'nn 
das zutreffend sein sollte, würde er sich sehr im Irr 
tum befinden. Ueber diejenigen Personen, die uns — wir 
glauben: ohne daß sie cs wollten — über das Abstim-, 
mungsverhältnis unterrichteten, wahren wir selbstverständ 
lich das Redaktionsgeheimnis. Ter Versuch des „Hervor 
lockens" hat gar keinen Zweck. Dafür möchten wir das 
lateinische Zitat in seinem Wortlaut zurückgeben: Vestigia 
terrent! An den Speck gehen wir nicht! Schriftl.).- 
Berantw. Schriftleiter: Hermann Martinlus in Berlin-Friedenau. 
' Bei Betriebsstörung, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch 
auf Lieferung oder Nachlieferung des Lokak-Anzeigers oder auf 
Rückzahlung des Bezugspreises. 
Amtliches 
VekavsLmLchvch. 
Die von den Gcmeindctajscn bei Einzahlung der Kapiial- 
crtragsstcuer auszustellenden Quittungen sind von den Sreuer- 
pflichtigen aufzubewahren, damit sie bei einer Nachprüfung vor 
gelegt werden können. 
Berlin-Steglitz, den 17. April 1920. 
Finanzamt (Stalssteverami) m Berlin-Steglitz. 
Seitz, Regicruiigsrat. 
BrloKntmachung. 
Die Gcwerbcsteuerrotle für das Stcuerjahr 1920 liegt in 
unserem Stcuerbüro: Rathaus, Niedstraße 1—3, 3 Treppen, Zim 
mer Nr. 79, in der Zeit vom 26. April bis 3. Mai 1920, während 
der Dienstzeit werktäglich von 9 bis 1 Uhr zur Einsichtnahme 
öffentlich aus. Die Einsichtnahme ist nur den Gewerbetreibenden 
der Gemeinde Berlin-Friedenau, die sich durch Vorzeigung der 
Gewerbesteuerzuschrift oder in anderer Weise cxhörig ausweisen, 
gestattet. BcrlinFriedenau, den 17. April 1920. Der Gemeinde- 
vorstand. Walger. 
Seraruttmachirns. 
In der Zeit vom 20. bis 22. April gelangen folgende 
Lebensmittel zur Ausgabe: Ans Groß-Berliner Lebeiismitteli- 
farte: 125 Gramm Hülsenfrüchte (Erbsen oder Bosnien) auf Ab 
schnitt 17 t 1 Pfund Erbsen kostet 4,30 Ml- 1 Pfund Bohnen 3,50 
Mark. 125 Gramm Nudeln ans Abschnitt 18, 1 Pfund kostet 
1,18 M. Auf Berlin-Friedenauer Nährmittclkarle: je 250 
Gramm getr. Zwiebeln, getr. Mohrrüben und getr. Weißkohl 
auf Abschnitt 13, 1 Pfund getr. Zwiebeln kostet 3,20 M., 1 Pfd. 
getr. Mohrrüben 2,40 M,, 1 Pfund getr. Weißkohl 2,20 Mark, 
.Gehen. Da segle hinter ihm eine ruhige, gleichmütige 
Stimme: ' 
„Guten Morgen, Herr Hollfelden!" 
Dr. Dombrowski stand vor ihm, abwechselnd ihn und 
Martens fixierend, der nicht wußte, was er tun sollte. 
„Guten Morgen!" erwiderte Heinz kalt den Gruß des 
Polen. „Ich habe dis Absicht, in den Ktub -u gehen und 
zu frühstücken. Sie begleite» mich, Herr Doller — ?" 
Dombrowski schüttelte mit der Miene des Bedauerns 
den Kopf. 
„Ich habe eine dringende Verabredung in der Stadt," 
sagte er. „Aber ich will Sie nicht aushalten, Herr Holl- 
jctben. — Herr Martens, vielleicht machen Sie mir das 
Vergnügen, mich ein Stück Weges zu begleiten?" 
Heinz biß sich ans die Unterlippe. Ohne Martens zu 
beachten, verabschiedete er sich kurz und tühl von dein 
Polen und rief eine vorbeifahrende Droschke an, sich nach 
den: Klubhaus fahren zu lassen. ' 
Cr fand den „Tisch des Oberstleutnants" unbesetzt, 
und der zu seiner Bedienung her beigeeilte Klubdiciiec 
sagte, seinen suchenden Blick richtig deutend: 
„Der Herr Oberstleutnant befindet sich im Dillard- 
zimmer." 
Heinz dankte kurz und ging in das Billardzimmer hin 
über, aus dem ihm der Klang von Stimmen und das 
Geräusch der aneinander schlagenden Bälle entgegentönte. 
Arnstorf saß an einem der grün üdeisponncnen 
Marmcrtischchcn, den Gang des Spiels mit seinem ge 
wohnten väterlich wohlwollenden Lächeln verfolgend, jeden 
guten Stoß durch Beifallklatschen belohnend "oder auch 
einen erfolglosen Spieler aufmunternd. Er begrüßte Heinz, 
der sich neben seinen Stuhl stellte, durch einen herzlichen 
Händedruck, ohne seine Aufmerksamkeit von dem Spiel zu 
wenden. 
WottsetzE folgt.) 
zum
        
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