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Periodical volume Nr. 86, 19.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Frirdrnaurr Zeitung) 
WatteWe skttssg sSr M..Friedesso Süd 
SrfHeiLt täglich aSruds. 
Krrusprechrr: «mt lpsali»«r, »12». — Track und Bering v»n Leo Schultz. 
Bezugspreis 
Sei Abholung aus den Nebenstellen 
monatlich 1,60 Mark; durch Boten 
inS Haus gebracht 2,— Mark, 
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dev Kiederraver Lrtsttll dos 5chSAberg. bet 
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Berttn-Kriedenau. Rheinstraße U. — Fernsprecher: 
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aum 7b Pfg. Die Reklamezeile kostet 
4.— Mark. Belegnummer lö Psg. 
Amt Pfalzburg 212». 
Nr. 88 
Berttn-Frledeuau, Montag, den 19 April 1926 
Fahrg. 27 
Ortstiad)fid>t#n 
Hstachdr. unsrer o-Original»rtikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Kapitalertvagssteuer. Wir verweisen auf die Bekannt 
machung des Finanzamts unter „Amtliches" und bemerken 
dazu, daß die Kapitalertragssteucr von den am 1. d. Mts. 
fällig gewesenen Hypothekenzinsen, usw. bis Ende d. Mts. 
an die Gemeindesteuerkassen gezahlt sein muß. 
o Seife, Zigarren und Zigaretten für Kriegsbeschä 
digte. Wir machen auf die für Kriegsbeschädigte wichtige 
Bekanhttmachung besonders aufmerksam. 
o Der Shnidiküs des Kreises Teltow, Gerichtsassessor 
a. T. Hanls Br an m üller, ist am 16. d. Mts. nach 
längerem Krankenlager an den Folgen der Grippe ver- 
st o r b e n. 
o Sämtliche Silüermünzcn außer Kurs! gesetzt. Nach 
einer Verordnung des Reichsfinanzministeriums, die be 
reits die Zustimmung des Reichsrats und des von der 
Nationalversammlung gewählten Ausschusses gefunden hat, 
sind die Vs-Markstücke, 1-Markstücke, 3-Markstücke und 
5-Markstücke sowie die in Form von Denkmünzen gepräg 
ten 2-Markstücke einzuziehen; sie gelten nicht mehr als 
gesetzliches Zahlungsmittel. Bis zum 1. Januar 1921 
werden diese Münzen bei den Reichs- und Landeskassen,zn 
ihrem gesetzlichen Werte sowohl in.Zahlung genommen, als 
auch gegen Reichsbanknoten, Rcichskassenscheine und Dar- 
lehnSkassenscheine umgetauscht. Die Verordnung ist bereits 
in Kraft getreten. Durch diese Verordnung sind also sämt 
liche Silbermünzcn außer Kurs gesetzt. Der Ankauf durch 
die Reichsbank, Postanstalten und die anderen hierfür 
bestimmten Stellen zu dem zuletzt festgesetzten Preise findet 
zunächst lveitcr statt. 
o Ermittlung der Friedenauer Normalmieten. Der 
engere Ausschuß des Mietseinigungsamtes hat sich vor 
einigen Tagen mir der von dem Mietcrverein aufgestellten 
Tabelle für die iin Jahre 1914 ermittelten Mieten beschäf 
tigt. Nach längerer Aussprache kam man zu dem Resultat, 
noch weitere Ermittelungen anzustellen, insbesondere soll 
ten die Hausbesitzer eine Statistik zusammenstellen .und 
das Wohnungsamt allgemeine Ermittelungen auf Grund 
der Wohiiungsstatistik anstellen. Herr Konieczka schlug 
vor, die Mietsstempeltabellen der Eigentümer, einzufor 
dern und zwar von 1914 und 1910, um daraus den 
Normalwert dcr> Mieter zu ernritteln. Herr Assessor: 
Sturm wünschte eine solche Statistik vielleicht durch die 
Wirtschafts-Genossenschaft der Grundbesitzer westl. Gemein 
den zusammengestellt Zu, erhalten. Herr Konieczka er 
klärte sich bereit, diesem Wunsche gern zu entsprechen, 
um eine möglichst einwandsfrcie Nvrmalmiete 'feststellen 
zu können. 
o Ter Vorstand der DontschM demokratischen Partei, 
erläßt einen vom Vorsitzenden, Senator Dr. Petcrsen 
unterzeichneten Aufruf „An das deutsche Volk", in 
welchem u. a. betont wird, daß die Partei in der Zu 
sammenarbeit mit anderen Parteien ihre eigenen politi 
schen, sozialen Und kulturellen Ideen und Aufgaben fest 
hält, die folgende sind: „Politisch: Kein zentralisti 
sches, aber ein einheitliches Deutsches Reich mit demokra 
tischer Selbstverwaltung der Länder und .Stämme, die 
Durchführung der reinen Demokratie in der Verwaltung 
unter strengster Bekämpfung von Krippenjägerei und Kor 
ruption, Verminderung der Steuerlast durch äußerste 
Sparsamkeit in der Verwaltung. Die Erhaltung der 
Reichswehr und ihr Schutz gegen Verunglimpfung und 
Mißbrauch durch staatsfeindliche Elemente. Sozial: Ent 
faltung aller gesunden wirtschaftlichen Kräfte, Schutz aller 
■ 
anständigen Arbeit, Bekämpfung des Wuchers und des 
Schiebertnms — auch durch Abbau der Zwangswirtschaft, 
Ersatz der Erwerbslosenunterstützung durch eine gesunde 
und zweckmäßige Erwerbslosenversicherung, energische 
Durchführung des Siedlungsgcsetzes, Durchdringung der 
ganzen Wirtschaftspolitik mit dem sozialen Gedanken der 
Solidarität aller Volksgenossen und der Arbeit. Kultu 
rell: Schnelle und energische Durchführung des ver 
fassungsmäßigen Aufbaues des deutschen Bildnngswesens 
nach dem Grundsatz der Befreiung der Bildungsauslese 
von den Zufälligkeiten des Standes und der Wirtschaft- 
lickten Stellung. Achtung der religiösen Ueberzeugung: 
und der geistigen Freiheit. Erziehung des Volkes zur 
richtigen Wertung geistiger Arbeit als der Kraft der kul 
turellen, wirtschaftlichen und politischen Führung. — 
Tatkräftige und sachkundige Außenpolitik, die national 
und international gleich zuverlässig ist, den wahren Völ 
kerbund, der Deutschland nicht erdrosselt, sondern in seinem 
ganzen nationalen Verband einigt, der uns die Erfüllung 
unserer internationalen Verpflichtungen durch Gesundung 
und Festigung wie durch ' wirklichen Frieden mit allen 
Völkern ermöglichst, Revision des Friedens von Ver 
sailles und St. Gerüiazn, eine gegenseitig sich stützende 
Völkerordnung. Erhaltung und Stärkung alles bedrohten 
Deutschtums auch außerhalb des Reiches." 
v Erh'ülrsngsbcdürstige^ Knaben jeder Konfession aus 
höheren und Volksschulen finden kvährend der großen 
Ferien einen kräftigen und gesunden Landaufenthalt En 
Lehnin in der Mark. Für gute Verpflegung und Milch 
ist bestens gesorgt. Anmeldungen täglich von 6 bis 9.Uhr 
vorm, im Büro, Berlin W. 57, Großgörschenstr. 38, v. 
1 Treppe bis znm 24. April. 
o Tie Vottshochss.chule Groß-Berlin beginnt am 25. 4. 
bis 7. 5. 1920 ihre zweite Arbeitsperiode. Arbeitspläne 
Pläne und Hörerkarten, sind an den Arbeitsstätten, in 
der Buchhandlung der Freiheit, im Gewerkschaftshaus, in 
der Buchhandlung Vorwärts sowie in den wichtigsten Ar 
beiter- und Angestelltcnorganisationcn und bei den Ver 
trauensleuten in den Betrieben erhältlich. 
o Der WcrbmMschpß der Deutschen Volkspartei, Orts 
gruppe Friedenau, hatte am Mittwoch feine Mitglie 
der zu einer gift besuchten Sitzung vereinigt, in welcher 
der Vorsitzende über die Stellung: der Deutschen Volks 
partei zu den Wahlen referierte. Die Deutsche Volks 
partei wird durch die Haltung der Regierung immer mehr 
in die Opposition gedrängt, sic ist aber trotzdem bestrebt, 
mit allen denjenigen Volkskreisen zusammenzuarbeiten, die 
ernstlich, bei Unterordnung der Parteiinteresscn, an dem 
Wiederaufbau Deutschlands herantreten wollen; sie will 
alle Kräfte von rechts und links zu schaffender Arbeit 
auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet sammeln und 
tritt dabei für die Einrichtung einer Kammer der Arbeit 
ein, in welcher wirtschaftliche Fragen frei von partei 
politischem Fanatismus behandelt werden können. Des 
weiteren wurde beschlossen, die Geschäftsstelle der Partei, 
Handjerystr. 78 am Wilmersdorfcr Platz von Montag, 
den 19. d. Mts. ab werktäglich nachmittags von 5—6 Uhr 
zur Entgegennahme von Anmeldungen und Erteilung von 
Auskünften besonders geöffnet zu halten. Freunde der 
Parici können dort die „Grundsätze der Deutschen Volks- 
partci" kostenlos erhalten. 
o Zur Reichstagswähl. Alls Kreisen der Teutschen de 
mokratischen Partei wird uns geschrieben: Ter Wahlkampf 
hat begonnen, als erste politische Pgrtei sind die Teut 
schen Demokraten mit ihrem Wahlaufruf auf dem Kampffeld 
erschienen. Jetzt gilt für jeden, der den Wiederaufbau 
unseres Volkes ans volkstümlicher Grundlage will, nur 
ein Wort: Hinein in die Organisation der Deutschen demo 
kratischen Partei! Anmeldungen für die hiesige Ortsgruppe 
nimmt entgegen Herr Kaufmann Kunze, Mainanerstr. 5. 
o Der 16. Kunstgc meinde-Abend im Steglitzer Ly 
zeum war ein Ehrcnabend für Clemens Sch mal st ich, 
der ja so eng mit der Kunstgemeinde verwachsen ist, daß 
man sich schier kaum einen Abend ohne ihn denken kann. 
An diesem Abend war es das 100. Mal seiner Mitwir 
kung. stlnd so war es klar, daß ihm lebhafte Huldi 
gungen von 'seinen treuen Anhängern und begeisterten 
Freunden dargebracht wurden, die darin noch einen sicht 
baren Ausdruck fanden, daß ihm- Nom Leiter der Kunst 
gemeinde, Herrn Teschner, eine prächtige Blumenspende 
überreicht wurde. Der anerkannte Künstler ließ aber auch 
Ivieder sein Können und seine Fertigkeiten in hellem Lichte 
erstrahlen. Drei eigene Werke: Madrigal, Neigen aus 
dem Märchenspiel „Peterchens Mondfahrt" und Serenade 
spielte er zum ersten Male vor einer großen Zuhörer-» 
schuft. Melodie, Harmonie, Rhythmus, sind in leuchten 
der Schönheit in diesem Tonwerke verwebt. Man erkennt 
ans ihnen, daß Schinalstich die Kunst nicht Beschäftigung, 
sondern Bedürfnis ist, daß er die Musik nicht macht, son 
dern erlebt. Er besitzt die Kraft der Erfindung, schöpft 
ans dem nie versiegenden Brunnen der Phantasie und läßt 
die Poesie in ihren schönsten Farben schillern. Aber er 
beherrscht auch die Formen und, was ebenso wichtig ist, 
er hält es mit dem Goethe'schcn Wort: „Das echte, wahr 
haft große Talent findet sein höchstes Glück in der Aus 
führung". Und so spielte er seine Werke nicht nur mist 
Virtuosität, er spielte.sie ans der Seele und sandte damit 
Licht in die Herzen. Wie er als Schassender und Solist 
verehrt wird, so bewundert man ihn auch als feinsinnigen 
Begleiter, der Zartgefühl und Anpassungsgabe erkennen 
läßt. Es war daher von dem Beifall, der den übrigen 
ausübenden Künstlern des Abends zuteil wurde, ein gut 
Teil auch für ihn bestimmt. ,Von den ferneren Mitwir 
kenden sei zunächst die Kammersängerin Elisabeth van 
End crt genannt, die der Kunstgemeinde ja längst keine 
Unbekannte mehr ist und mit ihrem entzückenden Sopran 
zwei Arien aus „Figaros Hochzeit" von Mozart und vier 
Lieder von Schumann in glänzendem Vortrag sang. Der 
Geiger Georg Kn i e st äd t spielte gleichfalls mit Meister 
schaft, Hingabe und schönem, reinem Ton Romanze A-moll 
von Max Bruch, den 2. Satz aus dein D-molk-Konzert 
von Wieniawski, Scherzo von Dittendorf und den lichten 
Elfenreigen von Schmalstich. Ferner vereinigte er sich 
mit Leberecht Goedecke zu einer seltenen musikalischen 
Darbietung: Violine und Kontrabaß, im Konzert vonVottc- 
sini. Auch diesem Künstler, der zu seinem umfangreichen 
Instrument die passende Figur besitzt und bei der Hitze 
im Saal a,uch reichlich schwitzte (was lebhafte Heiterkeit 
hervorrief) erfreute durch ein ausgezeichnetes, uainent- 
lich in der Technik vollendetes Spiel, das den Zuhörern 
auch den Kontrabaß als Soloinstrument nahe brachte. 
Ms. 
o "Der Unterhaltungsabend der Volkshochschule Frie 
denau am Sonntag Abend war ein durchschlagender Er 
folg. Die fast bis aus den letzten Platz besetzte Aula der 
3. Gemeindeschule bot einen stimmungsvollen Rahmen zu 
den reichen Gaben der sinnst und der Gcmütstiefe. Die 
hervorragenden Leistungen verdienen es, in einem weiteren 
Bericht ausführlich besprochen zu werden. Der Unter- 
haltungsabcnd leitete glänzend die damit beginnende Fric- 
denauer Volkshochschule ein. Heute Montag, findet dir 
erste Dortrag im Gymnasium am Mahbächplatz statt, Herr 
ele der Prinzessin. 
Bon E. Hh. Appenheim. 
85 (Nachdruck verboten.) 
„Aber begreifen Sie denn nicht, daß Sie reden müssen!" 
schrie er halb von Sinnen. „Was geht mich die Polizei 
an, dis soll sehen, wie sie sich hilft. Ich will nur die 
Papiere und will das Geld. Ich bin ein armer Teufel, 
sehen Sie, ich will leben, wie mein Bruder gelebt hat, und 
da ich sein Erbe bin, gehören die Papiere mir. Ich will 
Sie Ihnen verkaufen, aber sagen Sie mir, was diese Papiere 
eigentlich sind und wo ich Sie suchen kann." 
„Ich habe Ihnen gesagt, was ich zu sagen hatte, daß 
mein Mandant noch immer Käufer für die Papiere ist, und 
daß dieselben vermutlich noch immer zu finden sind. Außer 
dem vermag ich Ihnen nur noch den Rat zu geben, Herrn 
Hollfelden um seinen Beistand zu bitten, ich zweifle nicht, 
daß Ihnen derselbe wesentlich zum Erfolg verhelfen wird." 
„Warum gerade mein Beistand?" fragte Heinz scharf 
und sah den Rechtsanwalt drohend an. 2er aber zuckte 
nicht mit der Wimper. _ ,. 
„Ich halte Sie für einen klugen Kopf, Herr Hollfelden, 
und zudem sind Sie tiefer in die Angelegenheit eingeweiht 
als irgendein anderer," sagte er. „Ich würde Herrn Martens 
glücklich schätzen, sollte es ihm gelingen. Sie zu seinem 
Beistand zu gewinnen." 
Heinz wandte sich mit einem Achselzucken ab. 
„Es ist nicht meine Angelegenheit," sagte er kalt. „Und 
ich habe keine Lust, mich in derartige, anscheinend recht 
schmutzige Geldgeschichten einzulassen." 
„Sie sollten es nicht so nennen," widersprach der Rechts- 
anwalt. „Wäre Herr Martens erfolgreich, würde er sicher- 
sich auch der Gerechtigkeit eine Genugtuung bereiten." 
„Wie meinen Sie das?" 
„Ich meine, daß Herr Martens vermutlich auch von 
der Entdeckung des Mörders nicht mehr weit sein wird, 
wenn er den Besitzer der Papiere ermittelt hat, wenn er 
die Papiere und die Gegenpartei kennt." 
Da faßte Heinz Martens am Arm. 
„Ich habe keine Lust, mich hier noch länger aufzuhalten," 
sagte er rauh. „Ich wüßte auch nicht, inwiefern es Ihnen 
von Nutzen sein könnte." 
Martens ließ sich denn auch von ihm fortziehen. Aber 
che er das Zimmer verließ, wandte er sich noch einmal 
nach dem Rechtsanwalt um und zischte, indem er die 
Fäuste ballte: 
„Aber ich werde Sie zuin Reden bringen, wenn ich 
diese Papiere nicht finde, verlassen Sie sich daraus I Und 
wenn es mit Gewalt fein sollte." 
Der Rechtsanwalt zuckte nur die Achseln, während er 
die dünne, kleine Gestalt des Herrn Paul Martens mit 
einem spöttischen Blicke maß, und dann vertiefte er sich in 
ein umfangreiches Aktenbündel, ohne seinen Besuchern noch 
weitere Beachtung zu schenken. 
16. Kapitel. 
Eine gute Weile gingen Hollfelden und Martens 
schweigend nebeneinander her. Martens starrte wie in 
angestrengtem Nachdenken vor sich hin, die Stirn in un 
mutige Falten gezogen, die dünnen Lippen zusammen 
gekniffen. Heinz streifte ihn mit einem Seitenblick; und 
er empfand die Möglichkeit, in der Gesellschaft dieses 
Menschen gesehen zu werden, wie eine Beleidigung. 
„Ich habe Ihnen den Gefallen getan und habe Sie 
zu dem Rechtsanwalt begleitet," brach er das Schweigen, 
in der Absicht, ihn auf gute Art loszuwerden. „Ob es 
Ihnen viel genutzt hat " 
Martens wandte ihm sein Gesicht zu und sagte heftig: 
„Es hat mir nicht genutzt, Herr Hollfelden. Dieser 
Rechtsanwalt ist wie alle anderen. Ich komme mir hier 
wie verraten und verkauft vor, sehen Sie. Ich komme 
den Leuten offen und vertrauensvoll entgegen, vertrauens 
voller, wie ein kluger Geschäftsmann fein soll, und ich 
stoße überall auf Zurückhaltung.„Ms geheimnisvolles 
Schweigen, auf Feindseligkeit. Gut, aber man soll sich vor 
mir in acht nehmen. Ich bin ein harmloser Mensch, sehe» 
Sie, aber wenn man mir die Existenzmöglichkeit abschneiden 
will, die sich mir da geboten hat, kann ich gefährlich 
werden, ganz rücksichtslos, wissen Sie. Ich will nieman 
dem Schaden tun, aber ich will leben, gut leben. Ich will 
Ihnen keinen Borwurf machen, Herr Hollfelden, aber Sie 
haben damit angefangen." 
Heinz nahm eine hochmütige Miene an. 
„Womit, Herr Martens?" sagte er kühl. Aber der 
Kleine ließ sich nicht einschüchtern. 
„Mit dem Geheimnisvollen, sehen Sie. Ich bin zu Ihnen 
gekommen, habe Ihnen meine Lage offen dargelegt und 
Sie um Ihren Beistand gebeten. Gut, Sie haben mir 
Ihren Beistand zugesagt. Aber, ich bin ein harmloser 
Mensch, und ich mache mir doch auch meine Gedanken. 
S i e waren der erste, der mir von Papieren gesprochen 
hat, die mein Bruder möglicherweise besessen haben sollte 
und die ihm sein Einkommen verschafften. Ich habe das 
nicht so recht begriffen damals, nicht, wissen-Sie, was das 
für Papiere gewesen sein sollten. Wenn es Aktien oder 
derartiges war, hätte ich doch irgendwelche Aufzeichnungen 
darüber bei meinem Bruder finden müssen. Nun geht aus 
dem, was dieser Rechtsanwalt gesagt hat, klar hervor, daß 
mein Bruder wirklich irgendwelche geheimnisvollen Papiere 
besessen hat. Wie konnten Sie das wissen? Oder besser, 
wie konnten Sie es vermllten?" 
Heinz schalt sich einen Narren, daß er diesem Menschen 
gegenüber eine solche Vermutung hatte äußern können. 
Denn woraus er sie geschöpft, durfte er ihm ja doch nicht 
verraten, und er sah ein,,daß er Martens gegenüber da 
durch in eine peinliche Laae kam. Es blieb ihm nur der 
allerdings sehr bequeme Weg, sich einfach abweisend und 
beleidigt zu stellen. 
„Ich begreife nicht, wie Sie dazu kommen, mir der- 
artige Vorhaltungen zu machen," sagte er schroff. „Aber 
ich bedauere nun lebhaft, mich überhaupt auf ein gemein- 
sames Handeln mit Ihnen eingelassen zu haben." 
Der Kleine wurde bleich vor Wut. 
„Ja, sehen Sie, auch Sie schlagen sofort einen feind 
seligen Ton gegen,mich an. wenn ich etsas aus Ihnen
        
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