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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Mage z« Nr: 85 des „Friedens««; Lokal-Anzeiger" 
Sonntag, den 18. April 1926. 
am 
WML «Th«i «^CüilinfllitcliW nur mit OuellenangaL« geßaftLtj 
v Die Kuktstfirtts für Volksbildung in Friedenau teilt 
mff: Eitrige Eintrittskarten zur Vorstellung von „Alt- 
Heidelberg" durch die Freie Bühne jm Steglitzer Schloß 
park sind .für unsere Mitglieder (in diesem Falle nur 
S t solche) noch von 4—6 .Uhr in der Geschäftsstelle, 
aunnsstr. 20,' erhältlich. — Karten zum „Frühlingsfest" 
ent Sonnabend, den 24. April, ab ö Uhr, im Etablisse 
ment ,,Nheingau", Bingerstr. 1—3 (am Bahnhof Schmar 
gendorf) können täglich 4—6 Uhr, in der Geschäftsstelle 
für je 1 M. gelöst werden. Kaffeetafel, Konzert- und an 
dere Vorträge, sowie Tanz. Für.die Jugend Spiele im 
Freien. 
o Preisausschreiben „Erziehung zur Menschlichkeit". 
Der Verein deutscher Freimaurer hat einen .Preis von 
Tausend Mark ausgesetzt für die beste Arbeit über „Er 
ziehung zur Menschlichkeit". Um was cs sich bei der 
Lösung dieser Aufgabe handelt, ist in einer dem Ans 
schreiben beigegebcnen „Erläuterung" gesagt. Die Schrift 
soll mindestens 4 Druckbogen im Satz der „Erläuterung" 
umfassen, aber nicht über den Umfang von 6 Bogen 
hinausgehen, damit ihre raschere und weitere Verbreitung 
möglich vleibr. Die Niederschrift ist, unter Beifügung 
eines mit ihrem Kennwort bezeichneten verschlossenen Um 
schlags, der eine genaue Angabe der Auschrist deS Ver 
fassers enthält, bis zuin 1. Oktober 1920 an das Sekretariat 
deS Arbeitsamtes de-» Vereins deutscher Freimaurer in 
Leipzig, Fichtestraße 43, einzusenden. Bei dieser Stelle 
sind chuch Abdrucke dieses Preisausschreibens und der „Er 
läuterung" unentgeltlich zu erhalten. Preisrichter sind 
die Herren: Prof. Dr. Nikolai Hartmann zu Marburg, 
t rof. Dr. Johannes Verwegen zn Bonn, Pros. Dr. 
iedrich Bischofs zn Leipzig, Stadtschulrat Dr. Artur 
Buchenau zu Berlin-Neukölln, Prof. Dp. Henrich Seedorf 
Zu Bremen, Stadtschulrat Konrad Weiß zu Nürnberg. 
Die preisgekrönte Schrift wird Eigentum deS Vereins 
deutscher Freimaurer, der ihre Veröffentlichung unver 
züglich. betreiben wird. Alle Einnahmen, die der Verein 
ans dem Verlagsvertrage erzielt, fallen dein Verfasser zu. 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Percurtworümg.) 
Unsere Ttraßendäume. 
Vor einiger Zeit erhob sich an dieser Stelle ein schüch 
terner Protest gegen die Art und Weise, wie in Friedenau 
die Pflege der Straßenbauine gehaudhabt wird. Mau 
müßte erwarten, daß. daraufhin von allen Seiten dem 
Beschwerdeführer nachdrückliche Zustimmung zu Teil wer 
den würde, indessen, die Bürger Friedenaus sind wohl 
immer noch von früheren Zeiten her gewohnt, über be 
hördliche Maßregeln nicht nachzudenken, sondern sie kritik 
los als gut und'unabwendbar hinzunehmen. Dazukommt, 
daß von den vielen, die sich als Naturfreunde gebärden, 
kaum einer diesen Namen verdient, denn wer die Natur 
lieb hat, kann unmöglich ruhig mit ansehen, wie der 
schönste Schmuck unseres Ortes von Unsachverständiaen 
verwüstet wird. Der Baum im Straßenbilde ist ein Ka 
pitel, über das sich Bücher schreiben lassen; wir haben in 
Friedenau überall gleichmäßige Reihenbepflanzung, und 
darauf möchte ich deshalb hier allein eingehen. Wenn 
man gesunde, junge Bäume im richtigen Abstande von 
einander pflanzt, lvozu eine Gcnreindeverwaltung doch 
eigentlich imstande sein müßte, so werden sich von selbst 
gesunde Zustände einstellen; spätere Mühe und Kosten wer 
den dann gering sein. Stehen die Bäume nun aber ein 
mal zu dicht, so ist es das Natürliche, daß man einen um 
den anderen herausnimmt und so Luft und Licht schafft. 
Unter Umständen kann man auch den einzelnen Baum 
etwas auslichten (nicht stutzen!). Was geschieht aber bei 
uns? Kaum sind die Bäume so weit, daß man seine Freude 
an ihnen hat, so kommt die Gemeindeverwaltung und ver 
stümmelt sie in brutalster Weise, indem sie die starken Aeste 
stumpf absägt, so daß die Bäume alsbald als geschändete 
Krüppel und zu unheilbarem Siechtum verdammt dastehen. 
Der brave Bürger denkt seufzend, das muß so sein, oder 
aber er denkt gar nichts und hat nur so die dumpfe Emp 
findung, daß die Straße vorher hübscher war. Ich sage 
aber, das muß nicht sein! Gewiß wollen wir unsere 
Straßen hell und luftig haben, aber das läßt sich, wie 
oben ausgeführt, auf andere Weise erreichen, als daß 
wir unsere Straßen in Alleen ruppiger Besenstiele ver 
wandeln. Man sehe sich nur die Lauterstraße an, da ist 
der Jammer ant größten. Eon solch einem Eingriff erholt 
sich ein Baum niemals wieder. Es heißt, nach ein paar 
Jahren ist eine neue Krone gewachsen — ja aber was für 
eine Krone! eine Krone voll krüppelhafter Ansätze und 
Knoten, und der Baum wird unweigerlich krank, wie man 
das jetzt in der Wiesbadener Straße sehen rann, wo man 
es augenblicklich für gut befindet, die blühenden Rüstern 
abzuholzen. Und selbst der Gedanke, daß der arme Baum 
schließlich tvieder grün wird, tröstet uns nicht darüber, 
daß wir zwei Jahre lang den Anblick armseliger Strünke 
ertragen müssen. Ganz toll sieht eS in der Kaiserallec 
aus. Hier hat man unsere schönste Straße aus falscher 
Sparsamkeit' niit Platanenstummeln bepflanzt, deren arm 
seliger Anblick die ganze Straße schändet. Wie schön 
wäre cs gewesen, hier junge gesunde Bäume heranwachsen 
zu sehen! Und wen das alles nicht berührt, den sollte 
doch der Gedanke an das weggeworfene Geld der Steuer 
zahler aufrütteln. Darum, Friedenauer, besinnt Euch in 
letzter Stunde! Soli auch dieser Ruf Angehört verhallen? 
S. 
Der Kohlenschwindel blüht! 
Bisher war es nur mit verhältnismäßig größeren 
Schtvierigkeiten verbunden, die Nichtigkeit der geliefer 
ten Kohlen (Briketts) nachzuprüfen, weil bei Halbsteincn 
und bei großen Formaten div. Stärke nur das Wiegen 
eilte Kontrolle möglich machte. Jetzt ist dies ctivas leich 
ter geworden. Die Gruben haben bekannt gemacht, daß 
jedes Brikett jetzt V* Kg. wiegt. ES muß mit allen Mit 
teln dahin gestrebt werden, daß diese Tatsache jedem be- 
kaurit ttnrd, denn nur so ist es möglich, endlich einmal 
dahin zn kommen, daß Jedermann für sein richtiges 
und teures Geld auch sein richtiges Quantum an Kohlen 
erhält. Wissen erst einmal die Händler, daß Jedermann 
in der Lage ist, durch einfaches Zählen der Kohlen eine 
Kontrolle auszuüben, dann werden sie sich wohl endlich 
hüten, Nebengeschäfte durch Unredlichkeit zu machen. Zur 
Charakteristik möchte ich folgenden Fall zur öffentlichen 
Kenntnis bringen. Ich erhielt von meinem Kohlenhändler 
in der vorigen Woche 2 Ztr. Kohlen, auf welche ich schon 
seit Monaten wartete. Nun hatte der liebe Mann zu 
nächst mit der Lieferung der Kohlen noch gewar 
tet. bis nach, .dem« ersten-April die höheren Preise fest-' 
gelegt waren. Er lieferte mir also die Kohlen, di« hr 
schon im März zn dem billigeren Preise geliefert erhal 
ten hatte, zu dem höheren Preise. Na warum soll er sich 
denn dies bequeme Geschäft entgehen lassen, die Kunden 
sind ja froh, wenn sie überhaupt Kohlen bekommen, nach 
dem Preise darf schon niemand mehr fragen. Jetzt kommt 
aber das Originelle der Geschichte. Während ich auf 2 <Stv. 
M6 üftffdl Kohlet» erhalten habe, konnte mein Nachbar 
nur 175 Stück feststellen. Dagegen hatte eine andere 
Dame, die sich die Kohlen aus seinem Geschäft abgeholt 
hatte, auf einen Ctr. lOO Stück erhalten. Jeder Kom 
mentar hierzu wäre überflüssig, aber anregen möchte ich 
doch einmal, ob es nicht möglich wäre, daß unsere Ge- 
meinde-Berwaltung unter den Bekanntmachungen einmal 
eine Nachricht bringen könnte, daß auf einen Ctr. Briketts 
100 Stück geliefert werden müssen. Tatsächlich wiegt ein» 
Kohle 495 Gr. Also müssen auf einen Ctr. mindestenE 
100 Stück entfallen, wenn man 5 Gr. auf Bruch ab» 
rechnen würde. ES wird endlich einmal Zeit, diesem EDSfJ* 
stände ein Ende zu machen und dann ohne Erbarmen 
jeden Händler zur Anzeige zu bringen, der sich durch 
Mindergewicht einen nicht unerheblichen Nebenverdienst ver 
schafft, damit deinselben dad Landwerl gelegt wird. 
L. 
‘ ; r ins- . ) 
Ter bedrängte HausdostK. 
Zu Len Einge>andts des Herrn Konieczka und dey 
Frau Cäcilie Cohn erlaube ich mir auf einen Punkt hin 
zuweisen, welchen diese Einsender völlig außer Acht lassen. 
In einer'seit beinahe vier Jahrzehnten ausgeübten Tätig 
keit bei Rechtsanwälten und Notar habe ich in den aller» 
meisten Fällen gefunden, daß die Erwerber von Miets- 
häusern mit einem so lächerlich geringen Kapital an den 
Kauf eines Hauses herangehen, daß neben der meist gering 
fügigen Anzahlung ■ schon die Zahlung der Umsatzsteuern 
Schwierigkeiten bereitete. Wenn nun ein so wenig Be 
mittelter Mietsausfälle hat, so ist naturgemäß die Zahlung 
der Hypothekenzinje» in Frage gestellt und die Zwangs 
versteigerung ist da. Ebenso selbstverständlich ist es, daß 
so wenig bemittelte „Eigentümer" sich vor jeder Reparatur 
scheuen und dadurch den Schaden so hoch anwachsen lassen, 
daß er 'später das Zehn- und Zwanzigfache kostet. Di« 
Folge davon ist das Schlagwort „der bedrängte Haus 
besitz". Zum allergrößten Teil haben die Erwerber vor» 
Hansgrundstücken' keine, Ahnung von einer rationellen Be 
wirtschaftung eines Hauses. Herr Kvnieczka sagt, daß 
der Grtindbesitz ein Gewerbe ist; diesen Standpunkt vertret» 
ich auch, wenn ich auch selber Mieter bin. Wer aber ei» 
Gewerbe ausüben loilt, muß sich aber vorher die Kenntniss« 
zur Ausübung des Gewerbes aneignen; dies wäre vor 
liegend erst einmal die Verwaltung eines Wohnhauses 
auf ein bis zwei Jahre führen. Wer dann troch Luft zum 
Erwerb eines Wohnhauses hat uttd ein angemessenes Ka 
pital, der wird auch immer noch seine Rechnung finden. Mir 
selbst sind die ungeheuren Mehrkosten der Bewirtschaftung 
von Häusern aus eigener Wissenschaft sehr getrau bekannt, 
da ich selber die Rcchnungsgeschäfte für verschiedene Grurrd- 
stücke — darunter auch ein Hans mit Zentralheizung, 
Fahrstuhl iifit). — im Dienst zu erledigen habe. Die nicht 
wegzuleugnend« schwierige Lage vieler Hausbesitzer ist, 
kurz gesagt; auf folgende Ursachen zurückzuführe«: 
mangclttdes Betriebskapital, nicht rechtzeitige Ausführung 
kleinerer Arbeiten utrd ntangelnde Sachkenntnis in der Be 
wirtschaftung eines Hauses. F. Leonhardt. 
(Um Verwechselungen zu vermeiderr, bemerken wir, dag 
der Einsender nicht der Genreindevervrdnet« Leouhardt ist. 
Schriftl.) 
Daß die jetzig«» Schüchprrise 
nicht intmer auf die Verteuerung des Material zurtök» 
zuführen sind, möge folgender Vorfall beweisen. Bor etwU 
.LwHxMer drei Monaten wurden mir von einemr^hießd» 
"gen Schuhmacher ein Paar Halbschuhe zum Preis« von 
90 M. zum Kaufe angeboten. Da ich seinerzeit stellnngS^ 
los war, konnte ich mir eine Anschaffung von, solchem 
Werte nicht leisten. Ich erfuhr nun, daß dieselben Schuh» 
noch vorhanden und käuflich zu erwerben seien. Aus 
meine daraufhin erfolgte Anfrage erhielt ich von dev 
Mutter des Schuhmachermeisters «den Bescheid, baß bi» 
Schuhe jetzt 160 M. kosteten; über den Verkauf müsse 
sie aber erst die Erlaubnis von ihrem Sohne einhole«. 
Als ich mir nchch zwei Tagen endgültigen Bescheid hole« 
wollte, wurde mir die prompte Antwort zuteil: »,Die 
Schuhe können Sie noch haben, jedoch kosten sie jetzck 
200 M., Sie brauchen sie aber nicht zu nehmen, wen« 
sie Ihnen zu teuer sind, nächste Woche kosten sie noch 
mehr." In den 90 M. wird sicher ein gnter Verdienst 
des Schuhmachers schon berechnet gewesen sein, somit 
Po» G. Ph. Appenheim. 
84 (Nachdruck verboten.) 
„Ah! So können Sie mir vielleicht auch sagen, was 
der Herr eigentlich ist?" 
Heinz zuckte die Achseln und erwiderte mit un 
motivierter Schroffheit: 
„Nein, Herr Martens. Meines Wissens ist er Privat- 
gelehrter, aber er scheint ja nach Ihrer Erzählung auch 
Kriminalist im Nebenberuf zu sein." Er erhob sich. „Wie 
er dazu kam, Sie zu der Gräfin Waldendorff zu schicken, 
begreife ich übrigens wirklich nicht. Die Dame vermag 
Ihnen sicherlich in dieser Sache keine Aufklärungen zu 
geben." 
Martens riß seine Augen weit auf. 
„Kennen Sie die Gräfin etwa auch?" fragte er ver 
wundert. 
„Flüchtig, ja," sagte Heinz nachlässig, indem er langsam 
gur Tür ging. „Sie haben ja übrigens aus ihrem eigenen 
Munde gehört, daß sie nichts von dem Gelde Ihres Bruders 
gewußt hat. Ich begreife auch nicht, woher sie davon 
wissen sollte. Wollen wir nun aufbrechen?" 
Sie nahmen sich eine Droschke und fuhren zur Fran 
zösischen Straße hinunter. Das Haus, vor dem der Kutscher 
hielt, zeigte schon von außen die Kennzeichen ehrwürdigen 
Alters. Die Treppe war dunkel und winklig, mit ausge 
tretenen, knarrenden Stufen, und da kein Pförtner sie hatte 
zurechtweisen können, mußte Heinz in jeder Etage bei dem 
Lichte eines Zündhölzchens die Rqmensschilder lesen. Es 
waren größtenteils Zimmervermieterinnen, die hier ihr 
Heim aufgeschlagen hatten, und es kostete einige Mühe, all 
die zahllosen Visitenkarten durchzustudieren, die an den zu 
meist offenen Türen befestigt waren. Erst im vierten Stock 
fanden sie ein Porzellanschild mit der Aufschrift „M. Berger, 
Rechtsanwalt, Sprechstunden von acht bis zwölf und drei 
hi» sechs." 
Heinz drückte auf den Knopf der Klingel, und gleich 
darauf fleckte ein magerer, bartloser, junger Mensch, den 
die hinter das Ohr geschobene Feder als Schreiber kenn 
zeichnete, den Kopf zur Tür heraus. 
... »Zu wem wünschen Sie?" fragte er mürrisch, die 
“-»mberf mit per dreisten Ungeniertheit solcher Leute 
. -* • • , ' , 
wünschen Herrn Rechtsanwalt Berger zu sprechen.- 
erwiderte Heinz kurz. „Der Herr Rechtsanwalt ist anr 
wesend?" 
Der Schreiber öffnete die Tür vollends und bedeutete 
ihnen, einzutreten. 
„Der Herr Rechtsanwalt ist da,- erwidert« er dabei 
auf die Frage Hollfeldens. „Bitte, gehen Sie da hinein." 
Er führte sie durch eine dürftig ausgestattete Kanzlei 
und pochte an eine Tür, um sie auf ein kurzes „Herein!" 
von drinnen zu öffnen. 
„Da find zwei Herren, die Sie sprechen möchten," 
meldete er und ließ die beiden eintreten. 
Berger erhob sich von dem Schreibstuhl vor dem mit 
Papieren aller Art bedeckten Schreibtisch, als er Hollfelden 
erkannte. Auch dies Zimmer zeigte eine ziemlich schäbige, 
altväterische Einrichtung, die vortrefflich zu der Gestalt des 
Rechtsanwalts paßte. 
„Guten Morgen, Herr Rechtsanwalt!" begrüßte ihn 
Heinz. „Sie werden sich meiner gewiß erinnern?" 
Berger machte eine halbe Verbeugung und ließ den 
Blick seiner kalten, von unzähligen Runzeln und Furchen 
umgebenen Augen auf Martens ruhen, während er er 
widerte : 
„Gewiß erinnere ich mich, Herr Hollfelden. Darf ich 
fragen, wer der Herr " * 
„Dies ist Herr Paul Martens, ein Bruder des ver 
storbenen Otto Martens, Ihres Mandanten." 
Der Rechtsanwalt verzog feine dünnen Lippen zu 
einem kleinen Lächeln. 
„Herr Otto Martens war nicht mein Mandaiit, Herr 
Hollfelden," sagte er gelassen. „Ihre Bezeichnung trifft 
durchaus nicht zu. 
Heinz zuckte ungeduldig mit den Achseln. 
„Jedenfalls standen Sie mit ihm in geschäftlicher Ver 
bindung," sagte er. 
Der Rechtsanwalt nickte. „In der Tat, ich hatte ein 
Geschäft mit ihm, das wir sicherlich zum Abschluß gebracht 
hätten, wäre Herr Otto Martens nur wenige Stunden 
länger am Leben geblieben." 
„Jawohl. Sie werden nach unserer letzten Unterredung 
unseren Besuch natürlich finden." 
Wieder zuckte ein leicht sarkastisches Lächeln um den 
Mund des Rechtsanwalts. Aber mit einer höflichen Hand 
bewegung deutete er auf zwei Stühle. 
„Bitte, wenn die Herren gefälligst Platz nehmen rpollenl". 
sagte er. „Darf ich wissen, womit.1chJM'st»Äene«j.kann?" 
z Rur Hejnz fetzte sich. Paul Martens, der voller U«. 
gedulS daraus gewartet zu haben schien, bls er zum 88«* 
kommen würde, platzte auf die Frage des RechtsanwaNe 
sofort heraus: 
„Ich wünsche z« wiffen, Herr Rechtsanwalt, wo hm 
Geld meines Bruders geblieben ist. Er hatte ein grotze» 
Einkommen, sehen Sie. Aus seinen Aufzeichnungen wisse» 
wir es und feine Lebensführung bestätigtes. Jedes Viertel- 
jähr bekam er sechstausend Mark, das find vierundzwanztz- 
tausend im Jahr, Herr Rechtsanwalt." 
Berger sah ihn an, das linke Auge halb zugekniffen: 
Auf seinem kalte», ausdruckslosen Gesicht spiegelte sich nicht» 
von der Erregung, die bei Paul Martens deutlich genug 
zutage trat. 
„Bierundzwanzigtausendl" wiederholte er nachdenklich. 
„Das ist in der Tat sehr viel, mehr jedenfalls, als ich 
glaubt habe. Wirklich, ich hatte keine Ahnung, datz «o ß» 
viel fein könnte." 
„Ich bin fein Erbe," erklärte Paul Martens fiebernd, 
„der einzige Hinterbliebene: Herr Hollfelden kann Ihn«» 
das bestätigen. Ich habe mich ausgewiesen." 
Der Rechtsanwalt betrachtete ihn noch immer nach 
denklich. 
„Haben Sie eine Ahnung, Herr Martens," fragte tc; 
„woher Ihr Bruder das große Einkommen hatte?" 
„Aber das wollen wir doch gerade wiffen," sagte 
Martens erregt. „Deswegen find wir doch hier. Sie 
müffen uns etwas darüber sagen können." 
Berger zog wie erstaunt die Augenbrauen hoch. 
„Ich?" meinte er verwundert. „Woher soll ich dar 
wissen? Ich bin nicht der Bertraute Ihres Bruders gewesen. 
Wir hatten ein Geschäft miteinander, das nicht zum Ab 
schluß gebracht werden konnte, das ist alles. Ich weiß sehr 
wenig von seinen Angelegenheiten. Ich bedauere, Ihne« 
da wirklich von sehr geringem Nutzen sein zu können." 
„Sie müffen etwas wissen," beharrte Martens i» ver 
bissener Wut. „Sie müssen uns sagen, was Sie wissen." 
„Ihr Bruder war ein bemerkenswert fähiger Kopf, Herr 
Martens." entgegnete Berger* gelassen. „Ist Ihnen den» 
nicht der Gedanke gekominen, daß er das Geld für irgend 
welche Dienste empfing, die er irgend jemandem leistete, 
kurz, daß es eine Art Salär war 7" 
„Keinesfalls. Otto hat nach allem, was ich hier über 
ihn erfahren habe, nicht dar geringste getan, sehen Sie. 
Richt» getan, als sich amüsiert und sein Geld verschwendet.? 
„Nichts, als sich amüsiöMstnd sein Äqld verschwer" ' " 
wiederholte der Rechtsanwalt langsam. 
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