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Periodical volume Nr. 85, 18.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Friedeirauer 
Warteiisrhe Seltvag fsirM.-Friedeas« M 
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velegnummer 15 Psg. 
Nr. 8S 
BerliN'Frkedeuav, Sonntag den 18. April 1888 
Fahrg. 21 
Die KunitMssteLung im Raihans. 
Die Kunst in mancherlei Gestalt verklärt die Sinne; 
sie trägt die Gedanken mi-5 engem Kreise täglicher Da 
seinsfragen heraus in das iveile Gefilde der Phantasie. 
In: Erleben der. Kunst kämmen wir zur Erkenntnis, 
blicken wir in eine neue Welt, wird uns seelische Lsfen- 
barnng. Alles Edle und Schöne iritt uns vor die Seele 
und ivir schauen: mit Erschütterung Wahrheiten, die auf 
den Tiefen des Lebens ruhen. Neben Liebe: Haß, neben 
Freude: Schmerz/ Zu dem Traumbild gesellt sich die 
Wirklichkeit. Mögen wir die Weisheiten der Dichter hören, 
mögen wir »ns, im Banne der Musik befinden oder uns 
dein Betrachten eines Werkes der bildenden Kunst hingeben: 
immer werden sich Stimmungen in uns regen, werden 
Empfindungen aus uns einstürmen. 
Man war lange von dem falschen Glauben befangen, 
daß die Kunst nur bestimmien, anserwählien Kreisen ge 
höre. Erst in den lehren Jahren ist man anderer Ansicht 
geworden und hat begonnen, das Kunstempfinden zu er 
kennen. das weiten Schichten des Volkes inncwohnt.. Mit 
Recht har man die Kunst als den Frendcnbringer in dunkler 
Zeit erkannt. Ueberall regen sich die Geister, die dem 
Volke die Kunst vermitielu wollen. In einen breiteren 
Rahmen als bisher werden die Kunstbcstrelmngcn gestellt. 
Hierhin gehören Kunstvereinigungen, Bolkshausgemccnden 
u. ä. Hierhin gehören auch die Bestrebungen, die dahin 
zielen, die bildende Kunst weiten Kreisen der Bevöl 
kerung nahe zu bringen. Von diesem Gesichtspunkte ans 
ist auch die K n n st a u s st c l i n it g zu bewerten, die gegcn- 
wwärtig im Bürgersaai unseres Rathauses stattfindet. 
lieber die Eröffnung der Ausstellung ist schon an 
dieser Stelle berichtet worden. 
Die Ausstellung ist gui .gegliedert. Bei allein Be 
streben, das Zusammengehörende auch zusammenzufassen, 
findet das Auge doch so viel Abwechselung an den ans 
gestellten Gegenständen, daß eine Ermüdung nicht eintritt. 
Dennoch ist bei der Reichhaltigkeit der Ausstellung zu 
cmpschlen, sich nicht mit nur einem Besuche zu begnügen, 
sondern sich die Werke ableilungsweise und in aller Muße 
anzuschauen. Der Genuß des Beschauers wird dadurch 
unbedingt gesteigert. 
Gleich beruh Eintritt fällt dem Besucher das große 
Bild Krains: „Schöpfung", aus. das zum Sinnen und 
Denken anregt. Nicht der 'Allvater Gott wird hier ver 
körpert: Krain hat vielmehr denk schöpferischen Geist, der 
in dein All schwebt, als Ausdruck des vollkommensten 
irdischen Wesens menschliche Gestalt gegeben, ohne damit 
den Menschen selbst darstellen zu wollen. Dafür sprechen 
der kahle, stark ausgeprägte Kopf, die grellen, starren 
Augen; es ist ein übernatürliches Wesen, das die Feuer- 
bälle in den Wcltenrauni schlendert, die, vom Ncbeldkimpf 
umhüllt, sich.im Rotieren zu Sonnen bilden, um welche 
sich, absplitternd, die Planeten drehen. Die Atmosphäre 
klärt sich nud ans dem Nebelschleier iritt das Blau des 
AelherS, die Luft. Diese Jdeenmatcrei finden wir in der 
Ausstellung nur noch bei den Illustratoren, zu denen ja 
auch Krain in erster Linie gehört. Oefrer sind Motive 
aus der Wirtlichkeit gewählt, die, je nach der Eigenart 
des Künstlers, zur Ausdrucksforni oder dekorativen Wir 
kung verwertet f ind. 
Nehmen wir P ja e Y l e r von Ortcgrav e n , so 
finden wir bei ihm die Ausdruckstnnst in erster Linie ver 
treten. Oft ivird er hierbei aber auch von Augenblicks- 
stimmnngcn beeinflußt, so daß sicy Farbcnwirkung mit 
Ausdrucksforrn verbindet, beispielsweise bei seinem Bilde 
„Feierabend", wo sich die Töne der» Abcndhimmets mit 
denen der Plastit vermischen und die Gegensätze der Lichter 
und Schalten scharf hervortreten. Eine ähnliche Wirkung 
ist in seinem Bilde „Frühling" erzielt. Dagegen ist ganz 
Ausdruck sein Bild „Aengstliche Pferde". Tic Unruhe 
der Tiere tritt sprechend hervor, inan „sieht" geradezu, 
die Gefahr, die hinter den welligen Linien lauert und 
vor der die Tiere sich ängstiich zusammendrängen. Ebenso 
wirkt in seinem „Ocbsentreiber" die Kraft der Bewegung, 
der Zusammenschluß der Figuren. Auch sein Bild 
„Gespann" ist sehr eiudrucksvoU. Mit verblüffend ein- 
fach.:'. Mite,ui erzielt er" Stimmung und Wiedergabe der 
Flächen. Fast jedes Feld der weiten Landschaft erkennen 
wir iu dem Morgendnnst, während das kraftvoll vorwärts 
strebende Gespan',! der Landschaft die Bewegung gibt. 
Eindrücke wiederzugeben, Angeubliclsbilder festzuhalten 
ist die Kunst Moct.acrs, des Male.rs der leuchtenden 
Farben. Sri: Bild „B'iiincngartt'n" muß jedem Blnmcn- 
srewitde Entzücken bereiten. Ein Stück ans einem blühen 
den Sonttnergarcrn in seiner Pracht und Farüenjülle 
erfreut das -Auge.'. Daneben das helle, lichte Bild „Soin« 
mcrtag" in ruhigen, klaren Tönen und der bunte Herbst 
in seinem mrnniojachrn Farben spiel in dem Bild „Parr- 
winkrl". Völlig Äugc.rblicksbild ist sein „Felsiges User", 
das die Stimmung des abziehenden Gewitters wieder 
gibt. wo aus dunklen Wollen die plötzlich hervorbrechende 
Abendsonne grelle Schlaglichter ans die Felsen am User 
wiltt. 
Farbenwirlnugcn siiideu wir auch bei Schalk in 
seinen gelben Blumen und „schwarzen Häusern". Ebenso 
in seinem Herrrnporrrait, das vielleicht nicht nach jeder 
manns Geschmack ist. aber iu seiner mosaikartigen Farben 
gruppierung Farbensinn und Empfindung für klar geord 
nete Töne erbe»neu läßt. 
Tür ks. „Holsteinische Landschaft" wirkt äußerst de 
korativ in der wciieu Fläche, der Ruhe und Schlichtheit 
der Landschaft und der seinen Durcharbeitung der Ein 
zelheiten. Ein Bild von vornehmer Haltung und hoher 
nralerischxr Kultur. Von ihm. sehen ivir noch zwei kleinere 
stimmchngsvolle Bilder: Mühlg und Abend.Von Leb recht 
ist vor allem der „Arabische; Hengst" zu nennen, eipc 
saubere Malerei, stilvoll, auf breiter Fläche und schöner 
Linie aufgebaut. Auch sein heiteres Reiterstückchen „Auf 
und ab" zeigt schöne Töne. Nicht unerwähnt bleibe sein 
Soldatenselbstüildnis und das Rokkokkolust atmende Ge 
mälde „Adieu, ma. bella". — Fuchs ist mir in seinen 
Farben zu stark; auch die Technik hat etwas hartes. Für 
sein Fischerdorf, seine Baumblüte gehört ein eigener Ge 
schmack/— Willens hingegen gefällt durch zarte, lichte 
Farbentöne; sein Frühling im Weinberg und südsranzösi- 
sche Landschaft sind mild und doller Stimmung. — 
B.orghardt's Bilder: Hamburger Hasen, Gehöft am 
Abend, ForsthanS, sind wunderbar im Spiel der Far 
ben (namentlich der Hafen) und in der technischen Durch 
bildung. Schöne leuchtende Farben zeigt auch Me per 
in seinen Blumen. Wilkes Gemälde „Hansel und Gre- 
tcl", „Spätherbst" u. a. verdienen auch beachtet zu wer 
den. H ö p p ii c r läßt in seinen Landschaften tadellose 
Ausführung und natürliche Farbcnwirkung erkennen. So 
in seinen Stadtbildern, int Elbkahn, Sonnenuntergang 
und in dem örtliches Interesse .beanspruchendem Bilde 
vom Friedrich-Wilhelm-Platz. Von den Landschaftsmalern 
verdient Schäkel nicht an letzter Stelle genannt zu 
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Hausbesitzer! 
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Es kommt darauf an, unserseits eine Statistik der Miete E 
D von 1914 aufzustellen, nachdem bereits vom Mieterbund.eine E 
O solche vorliegt. Die» ist auch der besondere Wunsch des ^ 
O Herrn Vorsitzenden unseres hiesigen EinigungSamieS. Wir ^ 
d richten daher an alle Hausbesitzer (auch Nichtmitglieder) die ^ 
^ dringende Bitte, unverzüglich an einen der unterzeichneten ^ 
E Vorstandsmitglieder das Pacht- und MietverzeichuiS vom ^ 
^ Januar 1915 für das Kaleuderjahr 1S>4 abzugeb. u. zwar unt. ^ 
m Angabe der für jede Position in Betracht kommenden Zimmer- ^ 
^ zahl, des Stockwerkes, ob Vorder- oder Hinterhaus, sowie ~ 
^ ob Heizung und Warmwasscr vorhanden, oder ein« von ^ 
^ beiden und welches. Bei der Wichtigkeit dieser Statistik ist ~ 
^ cS unbedingt erforderlich, daß jeder Hausbesitzer sofort daS ^ 
^ Notige'veranlaßt. □ 
□ Zer HW- und GruMejlserverelu Bln.-Friedeliau. □ 
5 Dreger, 
U Rheinstr, 25. 
!=j Flauger. 
I- Kiichftc. 18. 
^ Neuster, 
Bornstr. 18. 
□ 
Brücker, 
Gchmargendorferftr. 19, ll. 
Kahl, Pelckmann, 
Odenwaldftr. 24. Evaftr. 5. 
Schulze, 
Xaunusstr. 15. 
Engelhardt, " 
Kaiferallee 120. □ 
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werden, wenngleich fein „Pflügender Bauer" nicht so recht, 
in Ton und in der Darstellung gctrosfen ist. H o l,- 
st c i n s Märkischer Wald ist von .besonderem Liebreiz. 
Auch Gen-zei bringt stimmungsvolle Motive in seinem 
Vorfrühling aus Sachsen und dein .französischen Dorf 
zur Darstellung. Ein moderner Maler ist ferner Spo-- 
taczpk, dessen Landschaften eine schöne Arbeit und 
tuiisllerischcs Empfinden verraten. K r a n s e - E a r ns' 
rote und weiße Rosen. Böhms Figuren, Rich 
ters kleines Aquarell Oase, und auch Lenz' kleines 
Bild „Sonnlag" werden bei Kunstfreunden Anklang finden. 
Bon S ch in id t-H ei b ach erwähnen wir Schloß mit 
Blnibuche und das im Vorsaal hängende „Fenster"; auch 
seine Porzellansigur ist reizend. Bei Garz finden wir 
starte Ansdrncksformcn. Seine „Hand" kann ein LcbenS- 
sckicksal erzählen, auch seine Köpfe sind charakteristisch. 
S ch ti ep stcins Blnmcntopf ist edel im Stil, vor allein 
aber gefüllt mir sein Fnldatal, das rassig, technisch flott 
und schön im To» ist. Sand rock, ein Künstler mit 
hohen malerischen Qualitäten, zeigt monumentale Motive 
in seiner Fabrik und i» seiner Vorortstation. Den Zug 
„hört" man geradezu heraufauchcn und stampfen. Sein 
Bild „Feierabend" bringt kraftvolle Töne in schöner Ge 
schlossenheit. Das Motiv der Fabrik hat auch Reuters 
gewählt und cs ist interessant. Beide zu vergleichen. 
Reuters legt sich ganz aas Ausdrucksform ohne sich an 
die Wirklichkeit zu halten. Das gleiche gilt von seiner 
Landschaft; er malt nicht das Modell, er stilisiert. Buhe, 
auch eiii moderner Mater, hat zwei gute Stücke: Fischer 
und Fischerin, ausgestellt, ferner einen Atclierblick ans 
die Slilbcnraiichstraße im Jahre 1907. Stvltzcs Still- 
lrbc:: sind noch in der älteren Art gemalt, der Hintergrund 
ist zu dunkel gehalten. S pan g ers Grablegung ist eine 
sehr seine, fleißige Arbeit, nur etwas zu dunkel im Ton. 
Die einzige Malerin in der Ausstellung, die als Kranken- 
pflcgerin im Felde war, Frau EiSner-Marquardt, 
zeigt Bildnisse der Ukrainer, Landschaften u. a. Sehr 
charakteristisch ist vor allem ihr Alter .Schäfer. Von 
Krain neniicn wir noch einen Blick ans die Schreber 
gärten an der Laubacher Straße, sowie ein geschmackvolles 
Slillebcn (Uhr). Mit ihm kvniincn wir zu den G r a - 
p l, ikc r n und Illustratoren. Krain ist hier wiederholt 
vertreten mit sozialen und Grosistadtmotiven; die ausge 
stellten Arbeiten find sämtlich in der „Bert. Jtl. Ztg." 
veröffentlicht worden. Auch Pfaelzcr von Otte- 
g raven ist hier mit ähnliche» Motiven vertreten. Im 
Exlibris ist Lenz sehr nichtig. Buchschmuck, Illustrationen 
zeigen Spanger, Höppner, MeyerF Reuters. 3luch die 
Steindrucke, Radierungen usw. von Funke, Krause, Holstein, 
Schäkel. Meyer, Main, HöpWex. jverdtzy. dszn Kunst 
freunde Beachtung abgewinnen. 'Hier finden wir axich ein 
kleines Bild „Marine" von S a l z m a n n, einem Neffen 
des bekannten Marinemalers, sowie die ausgezeichneten 
Darstellungen des Innenarchitekten Zwiener, während 
an,-der gegenüberliegenden linken Wand die farbenfreu 
digen Aquarelle vo» Diticbrand und Gottfried 
Fcfcher, die eine flüssige Technik erkennen lassen, 'Ans- 
mcrksainkeit pcrdicncn. 
'Ehe wir nun zu den Plastiken übergehen, wollen wie 
nicht verfchten, die vorircfsliche» Bleistiftzeichnungen von 
Arbeit, mit peinlicher Genauigkeit ausgeführte Nalne- 
stndicn, hervorzuheben. Sie haben ihre» Platz im Eck- 
raum neben der Bühne. 
Hier befinden sich auch die Plastiken von Feuer- 
hahn, köstliche Grotesken. Prächtig ist besonders der 
Narr und die Großstadtpflanze, echt Taucntzientpp. Ein 
strenges Stilgefühl in Maß und Form offenbart S cki l i e p - 
stein in seinen Ehristusfiguren und der großen weiblichen 
Grabfignr. V ö l l e l s Porzellansigur: Mädchen, vor allem 
sein Bildniskopf sind recht lebendig und sprechend. B n !; l c 
zeigt inchrcrc Plastiken, von denen besonders die Briiniien- 
figurcn Pfaun und Nymphe in der Bewegung großartig 
sind. Bon ihm ist auch die Büste unseres BürgermcisteeS 
Walger im Vorsaal. Tchmid l-Kcftn ers Holzbildnisse 
sind gute, stilvolle Arbeiten, ebenso seine Bronzen „Paris" 
und „Unsere Kuh". Möbius, dessen Speerwerfer für 
das Stadion angekauft ist, zeigt die ans schönen Linien 
gearbeiteten Bronzen „Sieger" und „Negerin". G a r - 
vcns Grete Wicscnthal ist schön in der Haltung, in Linie, 
Form und Bewegung. Auch D a r s o w s Acscnder 9ieh- 
bock sei erwähnt. Bon den neuerdings aufgestellten Bronzen 
von M a u s k e gefallen mir besonders die Statuen „Moses" 
und „Trunkener Silen". 
Das wäre in großen Zügen ein Ueberblick über unsere. 
Kunstausstellung, die in ihrer Vielseitigkeit jedem Kunst 
freunde Freude bereiten muß. Sic ist nur noch bis zum 
20. Llprik geöffnet. Wer sie also noch nichc gesehen yac, 
beeile sich! M. S. 
OrtsnaebrickteK 
(MaWr, «nfrrr p-Orlginalarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
EinsL Getrcrbepartci. 
ZustunmöiifHtütz von Handwerk, Handel und Gewerbe 
zur Aufstellung eigener RekckMagstandidatcn. 
In der gestrigen MonatSversammlung des Hau d et 
il nd Gcwcrbevereins zu Friedenau machte 
Herr Stadiveizordiicter Rudolf Patzkc (Schöncbcrg) Mit 
teilung von der Begründung eines „Wirtschaftsverbau- . 
des von Groß-Berlin", dem bereits viele Bereinignngcn 
von Handwerk, Handel und Gewerbe in 17 Groß-Berliner 
Orten bcigetrcten sind. Ter Wirtschaflsverband, der alle: 
dings, wie der Redner bekannte, bisher noch keine Satzun 
gen und noch kein Programm habe, bezwecke den Znsam- 
menschluß der gen. Kreise, um durch einen starken Ver 
band die Interessen von Handwerk und Gewerbe ivirl- 
sam vertreten zu können. Tic erste Aufgabe soll die 
Aufstellung eigener Kandidaten bei der toinnien- 
dcn R e ijchö t a g s w ah l sein. Er meinte, die Sach 
lage wäre doch die, daß viele Angehörige des .Handirerts 
und des Handel- und Gcwcrbcstandes nicht wüßten, wie 
sie politisch wählen sollen, denn keine politische Partei, 
habe bisher ihre Interessen in der gehörigen Weise wahr 
genommen. Demgegenüber betonte Herr Direktor T b v m s- 
bergcr, daß die Gewerbetreibenden durch die Ausstel 
lung eigener .Kandidaten die Partei-Zersplitterung nur 
noch vergrößern. Richtiger wäre es, wenn sie in den po 
litischen Parteien ihren Einfluß geltend machen würden. 
Eineyl Zusainmenschliiß auf wirtschaftlicher Grundlage i 
könne man nur zustiiiiinen, aber man müsse doch erst 
wissen, wohin dce Verband ziele, müsse seine Satzungen 
und sein Programm kennet!. Darum beantragte er Ver 
tagung des Antrages ans . Anschluß an den Wirtschaft/' 
verband von Groß-Berlin bis zur nächsten Versammlung. 
Es wurde von ihm und pnch anderen Rednern, u. a. 
Herrn Tr. Full, noch über die WeltlvirtschaftSlage, die' 
Valntäfraqe, die plötzlichen Preisstürze usw. gesprochen. 
Herr Müller meinte, man solle doch im Bund der 
Hiandel- und Gciverbctrcibeiiden die Ziele verfechten, die 
der WirtsckinftSverband wolle, warum iviedcr ein neuer 
jBerband? Die Herren Treu holz, Eggert und 
Z l c m k c empfahlen den Anschluß, auch Herr L a >r g e, 
der aber auch mir einer.Vertagung um 14 Tage einver 
standen war. Es sei in der Tat doch so, daß heute mancher; 
Gewerbetreibende nicht lvisse, wo er politisch hiirgehörc.' 
Herr Treu holz bemcükte, daß inan hier Tn Friedenau 
mit der Gemeindevertretung zufrieden sei. Für die Vcr- 
rognng sprachen die Herren Buch he im er und Röder. 
Der Antrag auf Vertagung um 14 Tage wurde ab- 
g e l-c h » t, dagegen der Antrag auf sofortigen A n s ck^ l n ß 
an den Wirtschaftsvcrband gegen eine starke Minderheit, 
und vielen Stiinmencnihaltungcn mit einer geringen 
Mehrheit angenommen. — Ueber deU sonstigen Ver 
lauf der Versammlung sei folgendes mitgeteilt. Der 2. Vor 
sitzende, Herr Gcricke eröffnete die Versammlung gegen 
(49 Uhr und teilte n. a- eine Einladung des Herrn 
Geineindeschöffcn Schildberg mit zu einem Lichtbilder 
vortrag des. Herrn Dr. Moede über: „Psychologische 
Eignungsprüfung im Dienste der Berufsberatung" am 
Freitag, dein 90. April, 8 Uhr, im Neformrealghiiinnsiuni. 
Die Äerhandlungsschrift, von Herrn Lange verlesen, wurde 
ohne Urinspruch gcnehinigk. Nachdem» dann 7 neue Mit 
glieder aufgenommen wKren., hielt Herr Dr. He in zig, 
Schidikus der BcrlineOPMstweMsttMükkvH^eineii Vortrag 
über: „Die schwere Belastung des Handel- und Gewerbe- 
standes durch'die neuctt.StMWWiM^'ckDer Redner gab 
ein' sehr anschauliches, uverfiMliches Bild von der neuen
        
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