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Periodical volume Nr. 84, 16.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Frredermurr 
WiMelWe Zektüllg MBlg.'Frieüekaa llvd 
Erschsirrl töglich abends. 
Fernsprecher: Amt Pfalzburg SIL«. — Druck uud Verlag von Leo Schultz, 
Bezugspreis 
bei Abholung aus den Nebenstellen 
monatlich 1,80 Mark; durch Boten 
ins Haus gebracht 2,— Mark. 
3 ^ H tttt ft) «-Zeigen 
de» SritOenantr OrtittU Don MMttg. fej»*gipÄHÄfe“ 
Se,chilst-n-lle: «h-I-ftr. IS. • J.“»?i“ 9 nSS ’S ^ 
Berlin-Friedenan, Nheinstrafje lL. — Fernsprecher; Amt Pfalzburg 212«. 
Nr. 84 
's) 
Bellin-Frieüemm, Freitag Den 16 April 1926 
Fahrg. 27 
Sie Eröffnung der Frauenschnle. 
Wir haben bereits gestern über die feierliche Eröff 
nung der Frauenschnle an unserer Königin-Luise-Schule 
kurz berichtet. Herr Direktor Hanne mann führte in 
seiner einleitenden Ansprache u. a. etwa folgendes aus: 
Die Friedenauer Gemeindevertretung hat im verflossenen 
Jahre viel positive Arbeit geleistet und unter Aufwand 
erheblicher Mittel manches Neue geschaffen, was der ge 
samten Einwohnerschaft zum Vorteil gereicht. Namentlich 
in der Jugenderziehung und Jugendpflege ist viel ge 
schaffen Inorden. In der 2. Gemeindeschule haben wir 
einen Kindergarten und einen Kinderhort, in der 3. Ge- 
mcindeschule, eines der schönsten Volksschnlgebäude Deutsch 
lands, find zweckenfprcchende, schöne Räume für die Ju 
gendpflege geschaffen. Neben der Fortbildungsschule für 
Knaben ist dort auch die.Fortbildungsschule für Mädchen, 
in der junge Mädchen von 14—18 Jahren praktisch und 
theoretisch unterrichtet werden. Dein Gymnasium ist ein 
Nealprvgymnasium angegliedert worden und heute wird 
nun hier die Frauenschnle eröffnet. Er heißt dann 
alle Erschienenen herzlich willkommen unter Anführung 
der einzelnen Vertreter und dankt allen, die an der Errich 
tung der Frauenschnle mitgearbeitet, die den Plan geför 
dert und die Räume in so schöner, zweckentsprechender 
Weise hergerichtet haben. Es habe das alles doch mehr 
Arbeit gekostet, als ursprünglich angenommen wurde. 
Ueber den Lehrplan usw. wolle er heute keine Ausfüh 
rungen machen. Darüber wurde schon in einer Versamm 
lung und wurde auch in einer Druckschrift eingehend be 
richtet. Er wolle sich daher auf allgemeine Ausführungen 
beschränken. Die Frauenschnle bewerte er außerordentlich 
hoch. Schon bei dem Bau des Gebäudes des Lyzeums 
habe der Plan hierfür vorgelegen und wurden Räume 
dafür vorgesehen. Als das neue Gebilde der Frauenschnle 
geschaffen war, habe er alles, was damit im Zusammen 
hange stand, aufmerksam verfolgt. Der Erlaß des Mi 
nisters im Jahre 1917 brachte eine wesentliche Verbesse 
rung der Frauenschnle. Sie wurde dadurch mehr auf die 
praktische Wirksamkeit gestellt. Zu begrüßen ist es, daß 
die Freiheit der Wahl der Fächer wesentlich eingeschräntä 
wurde. Den Luxus einer zweijährigen Frauenschule kön 
nen wir uns bei der Geringfügigkeit der Berechtigungen 
für diese nicht leisten, es ist daher nur der einjährige Lehr 
plan eingeführt. Zn begrüßen ist die jetzt mögliche Frei 
heit bei der Ausgestaltung. Zu wünschen wäre, wenn die 
Behörde hier noch mehr Nachsicht übe, denn Nachsicht sei 
hier gleichbedeutend mit Weitsicht. Nur dadurch sei es mög 
lich, noch mehr Frauenschulen zu gründen. Wir haben 
zu viel Studienanstalten und zu wenig Frauenschulen. 
Er sage das ohne Geringschätzung der Studienanstalten, 
sondern nur, um die Tatsache festzustellen. In der fetzi 
gen Zeit gelte cs besonders, die heranwachsenden Geschlech 
ter mit praktischen Kenntnissen mehr auszugestalten. 
Das sei auch notwendig bei den Frauenberufen. ES dürfe 
nicht bloß die geistige Bildung gefördert werden. Un 
sere Wirtschaftslage befindet sich in großer Not und 
die Not werde noch lange groß bleiben. Darum statte 
Man die Mädchen mit praktischen Kenntnissen aus. Da 
mit stütze man das Familienleben. Die Frau müsse der 
geistige Mittelpunkt der Fannlie sein, sie müsse die Le 
benslust schaffen, in der alle Familienglieder gedeihen. 
Dazu wolle die Frauenschnle beitragen; wir wollen die 
Marianaturen auf den Boden der Wirklichkeit stellen, die 
Magdanatnren seelisch reicher machen. Er begrüß,; es 
darum, daß die praktischen Fächer wie Nadelarbeit, Kochen, 
Waschen, Plätten, Gartenarbeit usw. Pflichtfächer sind. 
Die Mitte der Priizmii 
Von E. P H. Appenheim. 
83 (Nnchdrmk verboten.) 
„O Herr Doktor, sehe ich aus wie ein Mann, der 
sich einschüchtern oder abschrecken läßt, wenn es sich ge- 
wijsermaßeii um ein Geschäft handelt?" 
„Und möglicherweise um ein sehr großes Geschäft, ver 
gessen Sie das nicht! Aber ich will Sie jetzt nicht länger 
aufhalten. Vielleicht komme ich morgen, um mich nach 
dem Resultat Ihrer Bemühungen zu erkundigen. Unter 
allen Umständen werden Sie sehr bald wieder von mir 
hören." " Ä _ 
„Das ist sehr freundlich von Ihnen, Herr Doktor I Sie 
tun wahrhaftig ein gutes Werk, wenn Sie sich ein bißchen 
meiner annehmen. Und auf meine Diskretion, sehen 
Sie, auf meine Diskretion können Sie sich unbedingt ver 
lassen." 
„Das hoffe ich. — Auf Wiedersehen also!" 
Der Kleine begleitete ihn unter vielen Verbeugungen 
zur Tür, die er hinter ihm wieder auf das Sorgfältigste 
verriegelte und verschloß. Dann begab er sich in das ver 
schwenderisch, mit allen erdenklichen Toiletteartikeln aus 
gestattete Garderobenzimmer seines Bruders, das eher dem 
Llnkleiberaum einer raffinierten Lebedame als dem eines 
jungen Mannes glich, und bemühte sich unter reichlicher 
Verwendung von Parfüm seinen äußeren Menschen so ve» 
stechend zu gestalten, wie es ihm für den Besuch bei einer 
wirklichen Gräfin geboten schien. 
14. Kapitel. 
Heinz hatte eine schlechte Nacht gehabt. Spät erst 
war er heimgekommen, und noch lange, nachdem er sich 
aus sein Lagex gestreckt hatte, war ihm die Wohltat des 
Schlummers verjagt geblieben. Mit brennenden Augen 
vor sich bin in das Dunkel starrend, hatte er über sein 
Schicksal gegrübelt und darüber, wie er sich in seiner Lage 
War es in der nächsten Woche gibt. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gr. Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot auf „Erde". 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Butter: 20 Gramm — 75 Pfg. und 70 Gramm Schmalz 
— 2,80 M., sowie 180 Gr. Schmalz ^-7,20 M. auf 
Sondcrabschnitt der Speisefettkarte. 
Kartoffeln: 2 Pfund auf Abschnitte 17a u. b. Als 
Ersatz für die fehlenden Kartoffeln auf 17 c—e 200 Gr. 
Graupen und 200 Gr. Hülscufrüchte und auf Abschnitte 
f und g 250 Gramm getr. Weißkohl. Die Ersatzmittel 
/gibt cs bei denselben Händlern wie in dieser Woche. 
Zucker: Vom 16. bis 30. April ’/* Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre 4'/, Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und im 3. bis 7. Lebensjahre V» Pfund, 
im Monat. 
Abzuholen vom 20. bis 22. April. 
Auf Groß-Verliner Lebensmittelkarte: 
Hülsen fr üchte (Erbsen oder Bohnen): 125 Gr. auf 
17; 1 Pfund Erbsen 4,30 M., 1 Pfund Bohnen 3,50 M. 
Nudeln: 125 Gr. «ruf 18, Pfund 1,18 M. 
Auf Friedenauer Nährniittelkarte: 
Getr. Zwiebeln, getr. Mohrrüben und getr. 
W c iß ko hl: Je 250 Gr. auf 13; Pfund Zwiebeln 3,20M., 
Pfund Mohrrüben 2,40 M., Pfund Weißkohl 2.20 M. 
Puffbohnen: 250 Gr. auf 14; Pfund 4,60 M. 
Marmelade: 250 Gr. auf Abschnitt 15; Pfd. 3,70 M. 
Aus lands mar m e la d e: Für Familien bis zwei Per 
sonen 1 GlaS, mit 3—4 Personen 2 Glas, mit 5—6 
Personen 3 Glas, mit 7—8 Personen 4 Glas usw., 
je Glas, etwa 1 Pfund, 3,50 Mark; Abstempelung der 
Nr. -6 ibcr Ausweiskarte. Zu erhalten in folgenden Ge 
schäften 1—1500 Gem.-Verk. I, Feurigste., 1501—3000 
Grünthal, Nheinstr. 9, 3001—4500 Zicmkc, Rheinstr. 49 
4501—6000 Gemeindeverkaufsstclle II, Goßlerstr. 6001 
bis '7500 Fischhalle, Lautcrftr. 22, 7001—9000 Gaege, 
Friedrich-Wilhekm-Platz 1, 9001—10500 Ehrhardt, Sieg 
lindestraße 4, 10 501—12 OM Kern, Südwestkorso 14, 
12 001—13 500 Treuholz, Bornstr. 27, 13 501—Schluß, 
Kyuast, Hertelstr. 10. 
Als praktische Fächer sind dann noch Maschinenschreiben 
und Kurzschrift eingeführt mit Rücksicht auf die hiesigen 
besonderen Verhältnisse. Aber es solle bei allcnc nicht das 
Gemeinschaftsleben leiden. Neben dem gesunden Wirk 
lichkeitssinn solle auch ein gesunder Idealismus gepflegt 
werden. Er begrüßt dann die anwesende Vorkämpferin 
der Frauenschule, Frau Sprengel, und dankt ihr für 
ihr der Schule gestiftetes Buch Aber die Lehrpläne der 
Schule. Hauptsache sei aber doch, daß die rechten Lehr 
kräfte gefunden werden, denn die Persönlichkeit sei das 
A und O des Erfolges. Diese Persönlichkeiten habe man 
hier gefunden. Er nennt die Lehrer und Lehrerinnen, die 
an der Schule wirken werden .und wendet sich dann sin 
die Frauenschülcrinnen, sie zu Fleiß und Pflichteifer er 
munternd, wobei er den Wahrspruch der Königin Luise, der 
zum Wahrspruch der Anstalt geworden ist, hervorhebt: 
Es kann nur gut werden durch die Guten. Jeder müsse 
den anderen helfen, denn einer sei auf den anderen ^an 
gewiesen. Tie Schülerinnen sollen cs als ihre Pflicht 
betrachten, sich als gute Staatsbürgerinnen vorzubereiten, 
sie sollen aber auch nicht vergessen, daß Gott der Seele 
Flügel verliehen hat, auf daß sie sich erheben kann über 
alles Erdenleid und alle Erdenschwere. Möge Gottes 
Segen auf der Lehrer und der Schülerinnen Arbeit ruhen 
zum Heile der Schule und unseres Volkes. 
vernunftgemäß verhalten mußte. In ihm lehnte sich nach 
gerade etwas auf gegen das Uebermaß von Widerwärtig 
keiten, das ihm aufgebürdet worden war, die Reaktion 
kam gegen die krankhaften Einbildungen und Befürch- 
tungen, in die er sich bisher gleichsam eingesponnen hatte. 
Er sagte sich endlich, daß sein Verschweigen eines Um 
standes, der seiner innersten Ueberzeugung nach mit dem 
Mord doch nichts zu tun hatte, kein Verbrechen gewesen 
sei, und daß er sich von diesen Selbstoorwürfen und quälen 
den Zweifeln freimachen mußte, wollte er sich nicht wirklich 
in beständigen innerlichen Kämpfen aufreiben. Die äußeren 
Unannehmlichkeiten, die seiner noch harren mochten, waren 
am Ende zu ertragen, wenn er sie kaltblütig hinnahm und 
nicht noch künstlich vergrößerte. 
Diesen Martens wollte er sobald als möglich ab 
schütteln, aber doch seinerseits die Versuche nicht aufgeben, 
die Wahrheit zu ergründen. Nur daß er sich den Ge- 
danken an diese Mordgeschichte, der Tätigkeit dafür nicht 
so ausschließlich hingeben wollte wie bisher. Seine Auf 
klärungsarbeiten sollten das werden, was sie unbeschadet 
seiner literarischen Tätigkeit sein durften: eine Neben- 
beschäftigung, die er um seiner Seelenruhe willen trieb. 
Mit diesen Vorsätzen schlief er endlich ein, und als er 
mit der PUnklichkeit eines Menschen, der gewohnt ist. sich 
stets zur gleichen Stunde zu erheben, am frühen Morgen 
erwachte, als ihn statt der Dunkelheit der Nacht die lichte 
Helle des Sommermorgens umgab, fühlte er voll Befrie 
digung, daß die Bilder aus der Mordnacht und die folgen- 
den Szenen wirklich schon etwas von ihrem Schrecken für 
ihn eingebüßt hatten. Er frühstückte zum ersten Male 
wieder mit leidlichem Appetit und vermochte sich sogar 
ernstlich mit seiner Arbeit zu beschäftigen, bis ihm gegen 
zehn Uhr Martens gemeldet wurde. Er trug offensichtlich 
wieder einen Anzug seines Bruders, dessen Eleganz sein 
Aussehen wahrhaftig nicht sympathischer machte. 
Heinz empfing ihn kühlund reserviert. 
Darf ich bitten, einen Augenblick Platz zu nehmen," 
sagte er, und Martens, der bereits eine unverschämte Der- 
traulichkeit angenommen hatte, ließ sich behaglich nieder. 
Herr Bürgermeister Walgcr bezeichnet den heuti 
gen ^.ag als einen Markstein in der Entwicklung der An 
stalt. Als Vertreter des Patronats begrüße er die neue 
Einrichtung auf das allerherzlichste. Er berichtet dann, 
wie bereits vor Jahren ein Oberlyzeum geschaffen werden 
sollte, daß damals abgelehnt wurde. Er glaube, daß 
diejenigen, die damals .mit -wehmütigem Gefühl die Ab 
lehnung empfanden, heute ausgesöhnt sein werden. ''Wir 
haben doch anders denken gelernt. Tie Ereignisse der 
letzten Zeit haben gezeigt, daß wir der Jugend weniger 
mit Wissenschaft den Kopf voll Machen sollen, als daß» 
sie sich im Sport usw. den Körper stähle zum Kampfe 
fürs Leben. Man müsse die Jugend mehr für das prak 
tische Leben bilden und sie befähigen, die Ereignisse an 
ders' anzusehen. Das gelte nicht nur für Männer, son 
dern auch für die Frauen. Tie wirtschaftlichen Verhält 
nisse führen dazu, daß die Frauen mehr als.früher den 
Haushalt selbst führen müssen, auch wenn sie nnvcr- 
hciratet bleiben und erwerbstätig sind. Es würde ein 
Mangel sein, der nicht wieder gut zu machen sei, wenn 
niaii sie ohne praktische Kenntnisse ins Leben hinein 
treibe. Es sei daher notwendig, alle Mädchen hauswirt- 
schasclich praktisch zu bilden und er sehj! schon den Zeit 
punkt, wo wir nicht nur au den höheren, sondern guch 
an den Volksschulen die Frauenschulen haben. Er 
betont, daß die Gemeindevertretung für die Jugend stets 
eine offene Hand gehabt habe iN.d findet anerkennende, 
lobende Worte für das Kollegium der Königin-Lnise-Schnle 
und Herrn Direktor Hanneinann, der in weitestem Maße 
das Vertrauen nicht nur seiner Schülerinnen, sonder» auch 
der Bürgerschaft genieße. Das werde ihm auch künftig 
beschieden sein. Er spricht die Hoffnung aus, daß der 
Erfolg der Frauenschule ein Beispiel sein werde für an 
dere Gemeinden und übergibt dann die Räumlichkeiten 
Herrn Direktor Hannemann in Fürsorge. Ferner ver 
liest er die Genehmigung des Ministers zur Errichtung 
der Frauenschnle und schließt mit dem Wunsche, daß 
die Schule blühen und gedeihen möge zum Segen des 
Volkes. . 
Herr Direktor Hannemann dankt für die ihm 
gezollten freundlichen Worte und führt darauf die Ge- 
werbelehrerinncn Frl. Griebel (hauptsächlich Kochunter- 
richt und Haushaltsunterricht) und Frl. Hülsen (Schnei 
dern usw.) in ihre Aemter ein. Darauf' folgt der Rund 
gang. 
Der .Nadelarbeitsraum mit seinen blanken Tischen 
und seinen' Nähmaschinen (Friedensware) ist ein schöner 
heller Raum; geschmackvoll und heimisch ausgestattet ist 
der Aufenthaltsraum, zugleich Eßzimmer mit einem kleinen 
Nebenraum für Geschirr usw. Die glänzend eingerichtete 
große Küche löste helle Freude bei den am Rundgang teil 
nehmenden Hausfrauen aus. Praktisch, zweckentsprechend 
eingerichtet und gut ausgestattet ist auch die im Keller 
liegende Waschküche mit zwei eingemauerten Waschkesseln, 
mit Zinkwaschwannen und Zinkzober», sowie die Plätt- 
und Rollstube, der große Vorratsraum und die Garderobe 
für die Schülerinnen. Die hauswirtschaftlichen Einrich- 
lnngsgegenstände in Küche, Wasch- und Plättraum, die 
Herde usw. jinb von der ^Friedenauer Firma Erich N e ic 
geliefert. Der Dachgarten"ist" unter der Leitung des Herrn 
Garteninspektors Stabe zu einem Obst- und Gemüse 
garten angelegt tvordcn. Aehulichen Zwecken soll auch 
der dein Kindergarten angegliederte Garten dienen, in 
welchem sich die Frauenschülerinncn mit den Kindern, 
bei Gemüsebau, Blumenpflege usw. betätigen sollen. Auch 
im Kindergarten selbst, den ja Frl. Ott hier schon ein- 
.,Sehen Sie. ich bin pünktlich," sagte er, "während er 
sich bemühte, die Knöpfe seiner hellgelben Glacehandschuhe 
zu schließen. „Ich möchte keine Minute in dieser An 
gelegenheit verlieren, wissen Sie." 
Heinz hatte unbekümmert um ihn ein paar Sätze an 
seinem Manuskript weiter geschrieben und sagte nun, 
während er die Blätter zusammenlegte: 
„Es ist mir sehr angenehm, daß Sie pünktlich sind, 
Herr Martens. Ich möchte ebenfalls so wenig wie inöglich 
Zeit verlieren, denn ich bin gerade jetzt außerordentlich be 
schäftigt. Ich werde deshalb auch bedauern müssen, mich 
Ihnen nicht allzuoft zur Verfügung stellen zu können." 
Martens ließ den Blick seiner blinzelnden Augen j.m- 
hcrwandern. 
„Oh," sagte er, während er mit dem sicherlich ebenfalls 
aus dem Besitz seines Bruders stammenden Spazierstöckchen 
spielte, „rvas das betrifft, so werde ich Sie gewiß nicht 
über Gebühr belästigen. Ich habe hier mehr Freunde und 
mehr Beistand gefunden, als ich dachte, sehen Sie." 
Heinz gab seinem Stuhl eine Drehung, so daß er dem 
Besucher in das Gesicht sehen konnte. 
„Mehr Freunde?" fragte er. ein wenig unruhig. „Darf 
ich wissen —?" 
„Warum nicht? Ich brauche kein Geheimnis daraus 
zu machen.' Es war ohnedies meine Absicht, es Ihnen zu 
erzählen. Sie können es vielleicht noch besser beurteilen 
wie ich." 
Und er erzählte ihm in weitschweifiger Ausführlichkeit 
von dem Besuch Dombrowskis und von seiner Unterredung 
mit der Gräfin Waldendorff. Heinz hörte aufmerksam zu. 
verriet aber mit keiner Miene, was dabei in seinem Innern 
vorging. 
„Kennen Sie vielleicht diesen Herrn Dombrowski?" 
fragte Martens endlich. 
„Jawohl, gewiß," erwiderte Heinz und betrachtete feine 
fwohlgepflegten Fingernägel. „Wir find in demselben Klub 
zusammen." 
Lortfetzung folg«.)
        
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