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Periodical volume Nr. 81, 13.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

sanimeiigeschlossen werden, der 'ebenfalls bcreitSin der Entstehung, 
begriffen ist. Die Sitzungen der hiesigen Ortsgruppe finden jeden 
2. und 3. Sonnabend, abends .8 Uhr, im Restaurant.Wiesbade 
ner Hos (Wiesbadener Straße .Ecke Homuthstr.) statt, diesmal 
allerdings die nächste, am Sonnabend, den 17.- April, 8 Uhr, im 
Restaurant Prinz Handjery (Handjerystraße Ecke Kinhstr.). Hier 
wohnhafte Schleswig-Holsteiner werden dringend gebeten, sich 
der Ortsgruppe anzuschließen, Gäste sind stets willkommen. Aus 
kunft erteilen Hauptmann a. D. Christoph von Krogh, Stubcn- 
rauchstraße 71, Gustav Burchardi, Dr< Phil., Kirchstr.1811. 
Scboneberg 
—A In der gestrigen Schöneberger Stadtvecordretrn- 
versamtnlmrg stand ein demokratischer Antrag zur Be 
ratung, den Arbeitern und Hilfskräften einmalig für den 
Monat April unter dem Borbehalt der späteren Ver 
rechnung 140 Mark den Jugendlichen, 200 Mark den 
Ledigen, 215 Mark den Verheirateten und 30 Mark für 
jedes Kind als Beihilfe zu gewähren. Von sozialdemo 
kratischer und Unabhängiger Seite waren gleichfalls Dring 
lichkeitsanträge gestellt mit den gleichen Forderungen. 
Stadtv. Zobel (Dem.) wies darauf hin, daß am 3b 
März die mit den Arbeitern und Hilfsarbeitern vcrejin- 
barten Tarife abgelaufen sind. Um von vornherein ein 
geschlossenes Vorgehen der Groß-Berliner Gemeinden zu 
erzielen, seien am 7. April die Vorsitzenden der Fraktjioneir 
aller Groß-Berliner Gemeinden im Berliner Rathaus zu 
sammengetreten und hätten eine vorläufige Regelung für 
April gemäß dem Antrage vorgeschlagen. Die Vertreter 
der Gewerkschaften hätten aber die Vorschläge als unzu 
länglich bezeichnet, worauf die.Entscheidung des Schieds 
gerichts anzurufen beschlossen worden sei. Die Arbeiter 
forderten einen Stundenlohn von 4,50 M.; das bedeute 
ein Jahreseinkommen von etwa 11500 Mark. Damit 
würden die Gehaltssätze der obersten städtischen Beamten 
erreicht. Eine Deckung hierfür sei nicht Vorhänden, denn 
die Gemeinden könnten seit dem 1. April d. Js. keine 
Erhöhung der Einkonimenstcuer beschließen. Die )üom 
Reiche zu zahlenden Zuschläge reichten aber nur zu einer 
Erhöhung des gegenwärtigen Stundenlohncs um 66Pfg. 
aus. Die Bürgerschaft werde sich also mit einer weiteren 
Erhöhung der bereits jetzt außerordentlichen hohen Preise 
für Gas, Wasser und Elektrizität abfinden müssen. Die 
Arbeiter führten den Nachweis für die Berechtigung ihrer 
Forderungen stets mit dem Hinweise auf die bedrängte 
Lage der kinderreichen Familien und beriefen sich auf das 
Statistische Amt, das für eine Familie mit 2 Kindern 
eine wöchentliche Ausgabe von 320 Mark errechnet habe. 
Statt nun auch einen Unterschied in der Entlohnung 
zwischen Ledigen und Verheirateten und kinderreichen Fa 
milien zu machen, verlangten sowohl die Arbeiter wie 
die Beamten für alle die gleiche Entlohnung, weil die 
gleiche Arbeitsleistung vorliege. Mit großer Schärfe be 
tonte Antragsteller, daß die Stadtverordneten endlich, den 
Mut haben sollten, den Arbeitern und Angestellten zu er 
klären, daß das bevölkerungspolitische Prinzip, d. h. die 
Rücksicht auf den Familienstand im Vordergrund zu stehen 
habe. Seien cs hoch gerade die kinderreichen Familien, 
welche die Milch- und Jleischkarten nicht verwenden, weil 
sie Brot für ihre Kinder beschaffen müssen. Bereits die 
gegenwärtig gezahlten Löhne der Arbeiter übersteigen die 
Gehälter der unteren und vieler mittleren Beamten. Durch 
den Schiedsspruch werde das Verhältnis noch mehr zn 
ungunsten der Beamten verschoben werden. Es sei deshalb 
erforderlich, daß der Magistrat unverzüglich auch eine 
Erhöhung der Bezüge der Bca.mtcn vornehme, aber 
unter Berücksichtigung des Familienstandes. In der stun 
denlangen Erörterung begründeten die Stadtverordneten 
Erditnann (Soz.) und Wilberg (S. Soz.) die Dring 
lichkeitsanträge und baten, den Arbeitern und Hilfskräften 
mit Rücksicht auf die Notlage sofort eine Abschlagszahlung 
zu gewähren. Den bevölkerungspolitischen Gründen.zeigten 
sich beide Redner gleichfalls nickst abgeneigt. Stadtrat Dr. 
Muthesins stimmte namens des" Magistrats den An 
trägen zu und betonte, daß die Gemcindebeamten die 
gleichen Gehälter erhalten würden wie die Beamten des 
Reiches und Staates. Stadtv. Block (Neue Fraktion^ er 
klärte, daß seine Partei nicht um die Bcamtensrcundlich- 
keit buhlen werde; den gegenwärtigen Arbeiterfragen stehe 
sie freundlich und wohlwollend gegenüber. Schließlich wur 
den die Anträge mit großer Me heben angenommen. Ferner 
beschloß die Versammlung, dzm Arbeitern, die zur Zeit 
des Generalstreiks mit Arbeiten auf städtischen Baustellen 
bcschüstigt ivurden, ein Drittel des nachgewiesenen 
L o h n a n s s a l l s von Tag und Stunde der Arbeits 
einstellung bis längstens zuin Sonnabend, den 20. März 
einschließlich, zu erstatten. Zugestimmt wurde der wei 
teren Erhöhung der Kurkosten im Krankenhause. Mit.der 
13. Kapitel. 
Cs war um die vierte Nachmittagsstunde des nämlicher 
Tages, als Doktor Gregor Dombrowski abermals das neuer 
dings zu so zweifelhafter Berühmtheit gelangte Haus ir 
der Rankestraße betrat. Aber fein Besuch konnte diesmw 
unmöglich dem jungen Schriftsteller gelten, der sich, wi< 
er wissen mußte, um diese Zeit immer im Klub aufhielt 
Und in der Tat schritt er an Hollfeldens Wohnungstür in 
ersten Stockwerk vorüber, ohne stehen zu bleiben, uni 
erst in der darüber gelegenen Etage drückte er auf der 
Knopf der elektrischen Klingelleitung. Eine halbe Minut, 
später wurde die Tür von drinnen geöffnet, und ein häß 
liches Männergeficht lugte heraus. 
»Zu wem wünschen Sie, mein Herr?" v 
|1 „Zu Herrn Martens." 
„Wenn Sie den Martens meinen, der bis vor einiger 
Wochen hier gewohnt hat " 
»Nein, nicht ihn, denn ich weiß, da^ er nicht mehi 
unter den Lebenden weilt. Aber man sagte mir, daß di, 
von ihm innegehabten Zimmer seit heute von einen 
Bruder, Herrn Paul Martens, bewohnt würden." 
„Ganz recht I Wenn es der ist, den Sie zu sprechet 
wünschen — er steht vor Ihnen." 
„Mein Name ist Dombrowski — Doktor Dombrowski 
Wollen Sie mir eine Biertelstunde schenken. Herr Martens?' 
Der kleine, häßliche Mensch fixierte ihn noch ein paa, 
Sekunden lang, ehe er sich entschloß, ihm den Zutritt ir 
die Wohnung freizugeben. Offenbar fühlte er sich in bei 
Behausung seines ermordeten Bruders nicht so recht siche, 
und hatte sich vorgesetzt, etwaigen Besuchern gegenübei 
sehr auf seiner Hut zu sein. Während er den anderer 
durch eine einladende Geste bedeutete, in das Wohnzimniei 
einzutreten und ihm dann dahin folgte, war er immei 
darauf bedacht, einen Abstand von mehreren Schriller 
zwischen sich und ihm zu lassen, und auch der Ton, ir 
welchem er fragte, womit er dienen könne, ließ sein angst 
licheö Mißtrauen ziemlich hörbar durchklingen. 
Erhöhung der Pflegegekdsätze für die in Privatpftegennker- 
gebrachten Ko st Pflegekinder der Stadt von 42 auf 
90 Mark monatlich für Kinder im 1. Lebensjahre, von 
39 auf 80 .Mark im 2. Lebensjahre, auf 70 Mark im 3. 
und 4. Lebensjahre, auf 60 Mark im 5. und 6. und auf 
50 Mark vom 7. bis 14. Lebensjahre zeigte sich die Ver 
sammlung gleichfalls einverstanden. Eine Magistratsvor- 
lage auf vorläufige Herabsetzung der P flicht stunde n- 
zahil der Lehrerinnen um ein Zehntel gegenüber der 
Lehrer, womit gleichzeitig eine um ein Zehntel geringere 
Besoldung mit verbunden ist, wurde nach eingehender Er 
örterung über die Leistungsfähigkeit der Lehrerinnen ab 
gelehnt. 
—o Wartung an das steuerzählende Publikum. Ein 
Schwindler hat in der Stadt Berlin-Schönebergj 
unter der Maske eines städtischen Vollziehungsbeamten 
widerrechtlich Steuern eingezogen und sich angeeignet. Zur 
Verhütung weiterer Fälle wird darauf hingewiesen, daß 
die mit der Einziehung von Steuern beauftragten städt. 
Bollziehungsbcamtcn bei Erledigung ihrer Aufträge ein 
Dienstschild, das in der Mitte den preußischen Adler ent 
hält und mit einer Umschrift versehen ist, die auf die 
Dienststellung des Vorzeigenden hinweist, vorzeigen müssen. 
Außerdem müssen sich die Vollziehungsbcamten bei Vor 
nahme der Zwangsvollstreckung noch durch einen von der 
zuständigen Steuerkasse, der Vollstreckungsbehörde, aus 
gestellten Pfändungsbefehl ausweisen. Es wird dringend 
empfohlen, sich vor der Zahlung von Steuern, über welche 
von Vollziehungsbeamten eine besondere Quittung nach 
vorgeschriebenem Vordruck anzufertigen ist, das Dienst- 
schiÜ» und auch den Pfändungsbefehl stets vorzeigen zu 
lassen. ! 
Berlin und Vororte 
MH'. Ablehnung des Untersuchungsäusschusses in 
terselde. Die Lichtcrfcldcr Gemeindevertretung hat in ihrer 
außerordentlichen Sitzung den von der sozialdemokrati 
schen und der demokratischen Fraktion eingebrachten An 
trag auf Einsetzung eines Ausschusses zur Untersuchung 
der Beteiligung von Gemcindebeamten und Lehrern an 
dem Kapp-Putsch, nach längerer lebhafter Aussprache, in 
der auch Bürgermeister Brohm erklärte, daß sich der Ge- 
meindevorstand nicht an einer etwaigen Untersuchung be 
teiligen werde, da sich das Verfahren vermutlich auch 
gegen Mitglieder des Gemeiiidevorstaiides richten solle, 
mit 23 gegen 21 Stimmen abgelehnt. 
Curnen, Spiel, Sport 
s Gi» Schauturnen veranstaltet der M ä n n e r -T u r 
Vcrein Friedenau" am Freitag, dem 23. April, 
abends 7 Uhr, in der Turnhalle des Reform-Realghns- 
nafiums (Homuthstr.). Die Veranstaltung beginnt mit 
einem Aufmarsch, dem eine Ehrung der Mitglieder, die 
dem Verein angehören, folgt. An die Freiübungen schließt 
sich dann das Geräteturnen in 2 Gruppen. Hierauf folgen 
Sondervorsührungcn: Licderreigcn, Taktturnen an I Bar 
ren, Stabriegc, Eilbotcnlänfe und Spiele. Mit einem 
Schlußlicdc wird die Veranstaltung beendet. Zur Deckung 
der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 1 Mark erhoben. 
£uTcbrlften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Zur iKartofsclliefcrüng. 
Soeben lese ich, daß endlich einmal ein Friedcnaucr 
Steuerzahler „aufmuckt" und sich die Kartoffclliefcrung 
oder vielmehr Nichtlieferung nicht mehr gefallen lassen 
will. Ob unser Beamtenhecr an der Geschichte schuld ist, 
das zu beurteilen, überlasse ich- Berufenen. Jedenfalls 
sind wir armen Bürger die Leidtragenden. Tie scgcns- 
volle Einrichtung der „einstweiligen Verfügungen", die 
fiskalischen Strafen, 'die über Privatpersonen bei Nicht- 
innehaltnng all der niedlichen kleinen Nadelstiche, genannt 
polizeiliche Vorschriften verhängt werden, sind eben nur 
für Privatpersonen da, der Magistrat ist unfehlbar und 
unantastbar. Wir zahlen Steuern für Straßenbeleuch> 
tung, meistens kann man sie aber vor Dunkelheit nicht 
sehen. Bei uns fragt kein Mensch darnach, wo mir z.B. 
die Kohle» hernehmen zur Belreizung der Häuser, ivir 
werden einfach ver. . urteilt, tvas nie» wir aber, wenn 
wie die uns zukommenden Kartoffeln nichr bekommen? 
Wir wischen uns den Mund -ab, aber satt werden wir 
davon nicht. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach, wäre 
es viel richtiger, schon jetzt die Kohlen zu rationieren für 
Heiz- und Beleuchtungszweckc und die Warmwasfervera 
sorgnng einfach zu inhibieren. Wieviel Prozesse würden 
„Was mich zu Ihnen führt, Herr Martens, ist lediglich 
mein Interesse an der Aufklärung des Verbrechens, deni 
Ihr unglücklicher Bruder zum Opfer siel." 
„Ah, Sie haben ihn also gekannt?" 
„Nein. Meine Teilnahme für ihn datiert erst seit dem 
Bekanntwerden seines seltsamen Todes." 
„So sind Sie vielleicht von der Polizei?" 
„Nicht eigentlich. Ich bin ein Privatmann ohne Amt 
und, wenn Sie wollen, ohne bestimmten Beruf. Aber ich 
habe mir dis Aufgabe gestellt, den Urhebern wie den 
Tätern dieses Berbrechens auf die Spur zu kommen. Unk 
ich hoffe, auf Ihre Unterstützung rechnen zu dürfen." 
„Selbstverständlich I Das heißt — ich müßte doch 
wob! erst wissen, wie Sie dazu kommen " 
»Meine Motive könnten Ihnen eigentlich gleichgültig 
sein. — Nehmen Sie an, ich täte es aus einer Art von 
Wahrheitsfanatismus oder aus besonderer Aorliebe für 
die Ergründung anscheinend unergründlicher Geheimnisse. 
Für Sie ist das wesentliche doch wohl nur, daß dabei 
jedes materielle Interesse auf meiner Seite vollständig aus 
geschlossen ist. und daß ich für meine freiwillige Tätigkeit 
keinerlei Entschädigung verlange, gleichviel, ob sie von 
Erfolg gekrönt sein wird oder nicht." 
Diese Erklärung und die ruhige, selbstbewußte Sicher 
heit in dem Auftreten des Fremden verfehlten ihre Wirkung 
auf Paul Martens nicht. Noch einmal ließen seine blin 
zelnden Augen einen raschen, forschenden Blick über die 
Erscheinung des Doktors hingleiten, dann entschloß er sich, 
ihm einen Stuhl anzubieten. 
„Wollen Sie also gefälligst Platz nehmen, mein Herr? / 
Es ist übrigens merkwürdig, daß Sie von meinem Hiersein 
wissen. Woher haben Sie denn erfahren, daß ich meines 
Bruders Wohnung bezogen habe?" 
„Ich habe gewisse Verbindungen mit der Polizei, die 
mich, über alles unterrichtet, was auf diese Angelegenheit 
Bezug hat. Aber ich sage Ihnen das im strengsten Ver 
trauen, denn cs könnte mir sehr hinderlich werden, wenn 
andere Kenntnis davon Erhielten. Sie selbst hegen, wie ich 
dadurch ättsl der Welt geschafft und wieviel weniger Men 
schen brauchten den nächsten Winter zu frieren. 
, Cäcilia Wirth. 
' Entgegnung zum Fälle Äonieczka. 
Wenn Herr Konicczka verhindert war, meine Aus 
führungen in der Gemcindevertretersitzung über den Häu 
serverkauf an Ausländer zu hören, obwohl ich ihm die 
selben vorher angekündigt und er sein Erscheinen zuge 
sagt hatte, so hätte er zum mindesten erst den steno 
graphischen Bericht abwarten sollen, ehe er mir ant 
wortete. Er hätte dann unmöglich so an allem was ich 
gesagt habe, vorbei argumentieren können. Da er mich 
durch seine Ausführungen vom 6. 4. hier öffentlich an 
gegriffen hat und diese Angelegenheit zur Zeit in der 
Gemeindevertretung nicht wieder angeschnitten werden kann, 
muß ich ihn hiermit öffentlich auffordern, im Berichte 
nachzulesen, daß ich die Nöte der Hausbesitzer ausdrück 
lich anerkannt habe, aber das Gemeinwohl auch dann höher 
stelle, wenn ich persönlich darunter zu leiden habe, — 
eine Auffassung, die Herrn Konieczka so fremd zu sein 
scheint, daß er an meinem „Ruin" nur insoweit Inter 
esse nimmt, als ich damit einem seiner Mitglieder aus 
der Patsche helfen soll, oder er wenigstens seine billige'»! 
Witze darüber reißen kann. Was den üblichen Svott 
des Interessenten über Oberflächlichkeit und Nichtvcrstän- 
digkeit eines Kritikers anlangt, so möchte ich cs den 
Lesern überlassen, zu behaupten, wieweit Herr Konicczka 
hier Behauptungen wieder besseres Wissen aufgestellt hat. 
Aus persönlichen Verhandlungen betreffs Beitritt zu seiner 
Genossenschaft zwecks gemeinschaftlichen Koksbezuges weiß 
Herr K. ganz genau, daß ich Vicht nur als.volkswirt 
schaftlicher Hochschullehrer theoretischer Spezialist über 
Wohnungsfragen bin, sondern als Verwalter eines Haus- 
besitzes von Familienangehörigen genau über die Lago 
des Hausbcsitzcs orientiert, ja auch an dessen Kriegs- 
verlustcn beteiligt bin. Wenn er den Lesern dieses Blattes 
dies vorzuenthalten, und den entgegengesetzten Eindruck 
zu erwecken versucht, um sie hinwegzutrösten über eine 
Notiz in der gleichen Nummer, dcrzufolge abermals ein 
Friedcnaucr Haus in ausländischen Besitz übergegangen 
ist, so übersteigt m. E- die Sucht des Interessenten,« 
durch Poltern über längst bekannte, nicht zur Diskussion 
stehende Fragen vom Streitpunkt abzulenken, aufs gröb 
lichste das für einen anständigen Politiker zulässige Maß. 
Dr. Hasse. 
Vcrantw. Schriftleiter: Hermann Martinius in Berlin-Friedenau. 
Bei Betriebsstörung, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch 
auf Lieferung .oder Nachlieferung des Lokal-Anzeigers oder aus 
Rückzahlung des Bezugspreises. 
Bekanntmachung. 
Zum Zwecke einer geordneten Leöensmittclkartcn-Ver piliing 
findet am 15. April 1029 eine neue /A ufna h m c des Per 
sonenstandes statt. Die Herren Hausbesitzer bezw. deren 
Stellvertretern werden deshalb besondere Hauslisten für jci.eit 
Haushalt durch die Herren Brotkoimniffarc rechtzeitig zugestellt 
werden. Es wird dringend gebeten, die Haushaltungsliften den 
Herren Haiishaltungsvorsteher» sofort zuzustellen und nach 
Wiedereinsammlung den zuständigen Brottomniissivnen im Lause 
des 18. 4. 20 unterschrieben zurückzugeben. F» die Hanshal 
tungliste l Formular A) sind sämtliche hier ständig wohnenden 
Mitglieder dcS Haushalts cinschl. Dienstpersonal und Aftermietcr 
aufzunehmen. Gewerbetreibende, die hier nicht wohnhaft sind, 
sondern nur ihren Geschäftsbetrieb hier haben, sind nicht in die 
Liste mit aufzunehmen. In Fällen, in denen der HaushaltnngS- 
vorstaiid vorübergehend abwesend ist, sind die erforderlichen Ein 
tragungen von den Hausbesitzern bezw. deren Stellvertretern zn 
machen. Mit diesen Formularen geht den Hausbesitzern eine 
Nachwcisnng (Muster C> zu, welche vor jedesmaligem Empfang 
von Lebensmittelkarten in den Spalte» 1, 2 und 3 ansznsüllen 
und den Herren Brotkoinmissarcn zur Eintragung der auszugeben 
den Lebensmittelkarten vorzulegen ist. Bei der weitere» Dör- 
teilung der Lebensmittelkarten an die Mieter haben diese ü.si.r 
den Empfang in der dafür vorgesehenen Spalte zn quittiere». 
Die Vorlage dieser Nachweisung bat in Zukunft bei jedesmaligem 
Empfang von Karten zu erfolge». Die sorgiältige und cemiisen- 
Itarif Ausjüllnng der Liften wirb allen Beteiligte,, zur ftreiigfte» 
Pslichi geniaän: nnrirhiige Angabe» werden ftraireäiNicki ver- 
«o.gl- Berlin-Frieden.ni, den !!. April 1020. ?i-r Gemeinde, 
vorstand. I. B. Friedet. 
Bekanntmachung 
Die Lnngenscnche unter den Kühen der Dr. Weiler'schen Kur 
anstalt in Charlottenbiirg, Nußbauinallee 38, ist erloschen. Ber 
lin-Friedenau, den 8. April 1020. Der Anitsvotsteher. Walger. 
gehört habe, keinerlei Bermlitungen in be.zng ans die 
Person oder die Beweggründe des Mörders?" 
„Wie sollte ich, da ich doch nicht die leiseste Ahnung 
habe, wie mein Bruder hier gelebt hat und imt wem er 
verkehrte. Sie aber, mein Herr, haben Sie vielleicht schon 
einen Verdacht?" 
„Nein, wenigstens keinen, über den ich bereits reden 
dürfte. Immerhin glaube ich mit meinen Nachforfchnngen 
schon erheblich weiter zu sein als die Herren von der 
Polizei. Bielleicht, wenn ich Ihrer Mitwirkung sicher sein 
darf, werden wir die Wahrheit schneller ergründen, als es 
bei der Ergebnislosigkeit der amtlichen Recherchen möglich 
scheint." 
„Das wäre ja sehr erfreulich. Aber ich weis; wirtlich 
nicht, inwiefern ich Ihnen sollte behilflich sei» können. Ich 
bin erst vor kurzem aus Südafrika nach Europa zurück 
gekehrt und habe mich dann in Amftertzam ausgehalten, 
bis ich ganz zufällig in einer Zeitung von der Ermordung 
meines Bruders las. Die Verhältnisse, unter denen er hier 
gelebt hat, und die hiesigen Verhältnisse überhaupt sind 
mir also vollständig fremd." 
Dombrowski nickte wie jemand, dem man von längst 
bekannten Dingen spricht. 
„Gerade, daß Sie hier niemanden kennen und von 
niemandem gekannt sind, wird uns nach meinem Dafür 
halten zustatten kommen," sagte er. „Man hat Ihnen den 
Nachlaß Ihres Bruders ausgeliefert, nicht wahr? Auch 
feine hier vorgefundene und von der Polizei beschlag 
nahmte Korrespondenz?" 
„Ja, man hat mir alles übergeben, weil itzan der 
Meinung ist, daß es sich nur um gleichgültige Briese han 
delt, die für die Nachforschungen nach dem Mörder ohne 
Belang sind." 
„Und Sie haben diese Korrespondenz bereits durch 
gesehen ?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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