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Periodical volume Nr. 81, 13.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Bezugspreis 
mönS'iA SJT taS^tSä vllpattelWe mm WtSln.-gricUenoa nnö 
i.,ä Haus gebracht 2,- Mark. Erscheint LSgllch llÜLNdS. 
Fernsprecher: Amt Pfalzburg 2129. — Druck und Verlag von Leo Schultz, 
Z t i t tt tt ti) ««zeigen 
C7 — nur für unbestimmte Tage — 
Den Friedenauer Zrtstei! van SchZneüerg. | re |i b « 7 Jf fpa £ cne £ $ eiIe ob . e , c b , er « 
« w-ii U « ' s Raum 7o Pfg. Die Rellamezccke kostet 
Teschöstsstellel B^einstr. 15. 4.— Mark. Belegnummer 15 Pfg. 
Berlin.Friedenau, Nheinstraße 1ö. — Fernsprecher: Slmt Pfalzbnrg 2129. 
Berlin-Friedenau, Dienstag, den 13. April 1928 Fahrg. 27 
SK. 81 
>« 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Eine neue AufnaHms de^! Personenstandes zum 
Zwecke der geordneten Lebcnsmittelkarten-Vertcilung fin 
det am 15. April statt. Siehe Amtliches. 
o Auf dis Anmeldung! zur Fleisch,kuiidelilist: bis 
spätestens Mittwoch 0 Uhr wird nochmals aufmerksam ge 
macht. Spätere Anmeldung hat Nichtöelieferung mit Fleisch 
für diese Woche zur Folge. 
o Tie Nenewteilung der ReickKtagcwahstreife. Nach 
der neuen Wahlordnung für den Reichstag wird Groß- 
bcrlin in 7 Wahlkreise eingeteilt.« Friedenau gehört zum 
Wahlkreis Berlin 4, der mit 447 799 Einwohnern 4 Ab 
geordnete erhält. Zu diesem Wahlkreise gehören: Wil 
mersdorf, Friedenau, Schmargendorf, Grnnewald, 
Dahlem, Zehlendorf, Nikolassee, Wannsee, Klein-Glienicke, 
Pfaucniiisel, Gutsbezirk Potsdam-Forst, nördlicher Teil, 
Steglitz, Lichterfelde, Tempelhof, Mariendorf, Lankwitz, 
Marienfeldc, Lichtenrade, Buckow (westlich der Mariendorf- 
Lichtenradcr Chaussee). 
o Die Wöhmtngsbeschlagnahme zulässig. In einer 
Klage der Banhhgicne A.-G. Berlin gegen die Stadt 
Charlottenburg auf Untersagung der Wohnnngsbcschlag- 
nahinc hat die 9. Zivilkammer des Landgerichts III die 
Klägerin abgewiesen und der Stadt Charlottenburg 
das B e s ch l a g n a h m e r c ch t z u e r k a n n t. In der 
Begründung heißt es, daß die Stadtgemcinde ihr Recht 
und ihre Pflicht zur Wohnungsbcschlagnahmc ans gesetz 
lichen Bestimmungen der verfassungsmäßigen Organe der 
Staatsgewalt herleite. Ein Widerspruch gegen Artikel 115 
der Reichsverfassung komme nicht in Frage. Cs ist in Dieser 
.Sache inzwischen vom Regierungspräsidenten in Potsdam 
der Kompetenzkonflikt erhoben worden. 
o Zur Wahl ciinsÄ hauptamtlichen Jngcwdpflegers 
wird uns geschrieben: Sie brachten gestern eine Notiz 
aus Kreisen der Rechten der Gemeindevertretung. Dieses 
Eingesandt ist nach Ansicht von Kreisen der Mittelparteien 
ein verlegenes Gestammel über das Verhakten der Rcchs 
ten. Wenn behauptet wird, die Ausschreibung' ist nicht 
ausreichend gewesen, sv beweisen die eingegangenen Mel 
dungen zu diesem Posten (39) das Gegenteil. Es muß 
also wohl doch die Person die Hauptsache gewesen sein 
und nicht das Ergebnis der Ausschreibung. Ar. 
o Tie Ausstellung feldgrauer Künstler erfreut sich 
eines sehr regen und starken Besuches, auch sind nennens 
werte Verkäufe abgeschlossen. Es empfiehlt sich jedenfalls 
für Interessenten, bei Zeiten ihre Ankäufe zu sichern, da 
die Ausstellung mit dem 26. April ihr Ende erreicht. 
Schulen und Vereine in Gruppen, Fabriken, erhalten unter 
fachmännischer Führung Eintrittskarten zu ermäßigten 
Preisen. Anmeldungen mit Angabe der Teilnehmer an 
das Bureau der Kunstausstellung im Rathause. 
o Im Postverkehr zwifchsn dem unbesetzten Deutsch 
land Md dem deutschn: Saargebiet sind die nachbezeichneten 
weiteren Erleichterungen mit sofortiger Wirkung einge 
treten: Das zulässige Höchstgewicht für Pakete ist von 
5 Kg. auf 20 Kg. erhöht worden.' Den Paketen ans 
Deutschland nach dem Saargebiet braucht eine Zollinhalts 
erklärung in deutscher Sprache nicht mehr beigefügt zu 
werden. Dagegen ist die genaueste Ausfüllung der Zoll 
inhaltserklärung in französischer Sprache erforderlich. Die 
französische Zollverwaltung führt Klage darüber, daß die 
Jnhaltsbezcichnung in den Zollinhaltserklärungen oft zu 
wünschen übrig lasse. Angaben wie „Lebensmittel" oder 
„Seife" genügen nicht; die Lebensmittel müssen einzeln 
bezeichnet und die Art der Seife muß genau angegeben 
iWMiawCTtaBMMnngiMMnawMBnanMiMBMMMawipiiii ■■■wiinrn „»> ■ 
Nie Miele der Prinzessin. 
»Von E. Ph. Oppenheim. 
89 (Nachdruck verboten.) 
Die Eilfertigkeit, mit der Herr Otto Martens diese Ein 
ladung annahm, ließ fast darauf schließen, daß er etwas 
Derartiges gehofft hatte. Heinz brach mit ihm auf und 
bestellte in der Weinstube ein ganz ausgiebiges Mittag 
essen. Die nächste Viertelstunde konnte denn auch von 
einem Gespräch zwischen ihnen nicht die Rede sein, denn 
Martens aß mit dem Appetit eines ausgehungerten Wolfes 
und ruhte nicht, bis er auch das letzte Speisekrümchep ver 
tilgt hatte. Dabei trank er zwei Flaschen Wein, mit dem 
angenehmen Bewußtsein, nichts bezahlen zu müssen. Als 
er fertig geworden war, lehnte er sich auf seinem Stuhl 
zurück und sagte mit einem kleinen Seufzer: 
„Ah, wer sich das tagtäglich leisten kann l Ein reizender 
Aufenthalt hier, nicht wahr?" 
„Es sitzt sich sehr nett hier," gab Heinz zu. „Aber wer 
ein vierteljährliches Einkommen von sechstausend Mark hat, 
kann sich in- Berlin noch Besseres leisten." 
„Ich werde es haben, und wenn ich jahrelang forschen 
müßte, sehen Siel — So ein Leben — das verlohnt sich 
doch noch." 
„Uevrigens," sagte Heinz, indem er mit seinem Messer 
spielte und es vermied, den anderen anzusehen, „Sie 
scheinen ganz zu vergessen, in welcher Weise Ihr Bruder 
ums Leben gekommen ist." 
Paul Martens riß die kleinen Augen, deren beständiges 
Blinzeln Heinz krank gemacht hatte, weit auf und starrte 
den anderen verdutzt an. 
„Ich — das vergessen?" fragte er verständnislos. 
„Wie meinen Sie das, Herr Hollfelden?* 
„Ich meine, daß doch möglicherweise zwischen dem ge 
heimnisvollen Einkommen Ihres Bruders und dem Mord 
ein gewisser Zusammenhang besteht." 
» »3a. wäre es möglich!" Martens lieb vor Erstaunen 
werden. Schriftliche Mitteilungen iin Verkehr mit dein 
Saargebiet sind fortan nicht nur auf die Anwendung der 
deutschen, englischen, französischen, italienischen oder spa 
nischen Sprache- beschränkt, sondern können in allen 
Sprachen und Mundarten in beliebigen Schriftzeichen 
erfolgen. 
o Eine neue Wanderkarte für den Grnnewald, bearbei 
tet vom Verbandsdirektor des Verbandes Groß-Berlin, 
ist soeben erschienen. Anlaß zur Anfertigung der Karte; 
gaben die zur Linderung der Arbeitslosigkeit als Not-> 
standsarbciten ausgeführten, nunmehr beendigten umfang 
reichen Wcgcbauten im Grnnewald, durch die eine Reihe 
neuer Wanderwege geschaffen und bereits vorhandene aus-' 
gestaltet und verbessert worden sind. Tic Karte wird in 
dem Verlage für heimatliche Kultur von Willy Holz, 
Berlin SW. 61, Großbeerenstraße 16, verlegt und ist 
durch alle Buch- und Landkartenhandlungen zu dem für 
heutige Verhältnisse äußerst geringen Preis vvn 1 M. 
einschließlich Teuernngszuschlag zu beziehen. 
vbh. Ter Vertretcrtag der Deutschen Volkspartci des 
Wahlkrcisverbandcs Berlin hat in seiner gestrigen Ver 
sammlung folgende Entschließung einstimmig angenommen: 
Tie Vertreter des Wahlkreisverbandes Berlin der Deut 
schen Vvlkspartei sprechen der Parteileitung Tank und 
Anerkennung ans, daß sic unter -Ablehnung des von 
Kapp und Genossen freventlich herbeigeführten Putsches 
durch vermittelnde Verhandlungen für eine Rückkehr zu 
verfassungsmäßigen Zuständen unter Vermeidung des Bür 
gerkrieges eingetreten sind. Ter Vertretertag der Deut 
schen Volkspartei des Wahlkreisverbandes Berlin erhebt 
einmütig Einspruch gegen den unerhörten Friedensbrnch, 
den Frankreich durch die völlig ungerechtfertigte Besetzung 
Frankfurts und anderer deutscher Städte begangen hat. 
Frankreich fühlt sich nicht bedroht, sondern verfolgt nur 
den Zweck, das deutsche Volk zu demütigen, den Raub 
veutscpen Landes vorzubereiten und die Auflösung des 
Teutschen Reiches herbeizuführen. Der Vertretcrtag der 
Teutschen Volkspartei fordert die Regierung auf, mit 
allen, auch den schärfsten Mitteln unser Vaterland vvr den 
räuberischen Ueberfällen eines rachsüchtigen und raubgie 
rigen Feindes zu schützen. 
v Tie außerordentliche Tagung der 7. preußischen Ge» 
«eralsynode wurde am Sonnabend in Berlin (Saalbau des 
Evang. Vereins junger Männer) von dem Vorsitzenden 
Generaldirektor Winckter-Merseburg eröffnet. Nach ge 
schäftlichen Mitteilungen nahm der Präsident des Evang. 
OberkirchenratS D. Moeller das Wort zu einer Eröffnungs 
ansprache. Er wandte sich der Frage zu: Urwahl zur ge 
setzgebenden Kirchenversammlung oder nicht? Klargestellt 
sei, daß es sich dabei nicht um eine Frage der theologischen 
oder kirchenpolitischen Richtung handle. Nachdem die 
Kirchcnlcitung sich, besonders infolge der Provinzialsynoden, 
für eine Wahl auf Grund des Gemeindeprinzips entschieden 
habe, sei eine Neuwahl der Gemeindckvrpcrschaften nötig 
geworden. Uebcrgehend zu einer Würdigung der Reichs- 
Verfassung und der Verhandlungen mit der Staatsrcgierung 
betonte der Redner mit Dank, daß die 3 Minister mit 
taktvoller Zurückhaltung und bereitwilligem Entgegen 
kommen ihr auch für sic nicht leichtes Amt verwaltet haben. 
Nach dem Gedenken der Evangelischen in den abgetrennten 
Gebieten ,entwickelte der Redner das Nrbcitsprvgramm. 
ES 'folgten die Wahlen. Generaldirektor Wincklcr .wurde 
durch Zuruf aufs neue zum Vorsitzenden gewählt. Sv- 
dann wurde n. a. die Bildung je eines Ausschusses für 
Geschäftsordnung und Verfassung, Petitionen, Rcchnnngs- 
sachen und Innere Mission beschlossen. 
o Die Spenden der amerikanischen Quäker sind auch 
Friedcnaucr Volksschulkindern zugute gekommen. Jnsge- 
seinen Mund weit offen stehen, daß man zwei Reihen 
häßlicher, gelber Zähne sehen konnte. „Wie denken Sie 
sich das, Herr?" 
Heinz, spielte,noch immer mit dem Messer und sagte 
nachdenklich: 
„Ihr Bruder hat ein jährliches Einkommen von vier- 
undzwanzigtausend Mark gehabt. Das wären, zu fünf 
Prozent gerechnet, die Zinsen eines Vermögens von etwa 
einer halben Million. Ueber ein so großes Vermögen aber 
hätten sich doch irgendwelche Ausweise finden müssen, nicht 
wahr? Es hat sich nichts gefunden. Es ist also vermutlich 
auch kein Vermögen da gewesen. Von wem und für 
welche Dienste bekam nun Ihr Bruder all das Geld?" 
„Ja, das will ich doch gerade wissen," meinte Martens 
hlflos. Heinz machte eine ungeduldige Bewegung. 
„Natürlich wissen Sie es nicht. Es ließe sich doch 
aber der Fall denken, daß sein Einkommen nicht — nun, 
sagen wir, nicht ganz legal war. Daß er es unlauteren 
Manipulationen verdankte. Wie gesagt, das sind alles 
nur vage Vermutungen von mir, aber wir wollen einmal 
annehmen, daß es so wäre. Er befand sich vielleicht im 
Besitz von Papieren, die ihm das Geld verschafften. Nun 
könnte man zweierlei glauben: entweder ist er auf Ver- 
anlassung dessen ermordet worden, den er zur Zahlung 
so großer Summen veranlaßt oder vielleicht auch — ge- 
zwungen hat, oder von jemandem, der sich selbst in den 
Besitz seines Einkommens setzen wollte." 
Verständnislos sah ihn Martens an. 
„Ich kann das nicht so begreifen, sehen Sie," sagte 
er hilflos. „Ich kenne wohl die Verhältnisse hier zu wenig. 
Aber es mag wohl sehr scharfsinnig gedacht sein, was 
Sie da gesagt haben. Was raten Sie mir aber dann 
zu tun?" 
„Ich rate Ihnen nichts, als die Aufklärung des Ver 
brechens nach Möglichkeit zu fördern und im übrigen sehr 
vorsichtig zu sein," gab Heinz zur Antwort. „Aber ich 
glaube allerdings, daß Sie gut tun, sich diesen Rechts 
anwalt Berger einmal vorzunehmen.". 
samt haben über 35 000 Kinder in Groß-Berlin an den 
Gaben teilgenommen. 
o In der Eröfjnnrszsversammknng des Bundes hcinraH- 
trcucr Westprcußcin, die hier am Donnerstag tut Reform- 
realgymnasium stattgefunden hat, -sprach Pfarrer 
Schwochow, der dazu aufforderte, alles dafür einzu 
setzen. den Kreis Stuhm dem Deutschtum zu erhalten. Da 
mit Hütte man die Schlacht den Polen gegenüber gewonnen. 
Jeder Stimmberechtigte muß sich bis zum 1. Mai beim 
Bezirksvorstand gemeldet haben. 
o Wie die Kohchn verschoben werden! Eine Frau König, 
die als Hilfsbeamtin auf der Kohlenstelle des Charkotten- 
bnrger Magistrats beschäftigt war, entwendete die ihr 
zur Entwertung übergegebenen Kohlenkartcn und verkaufte 
sie an Bekannte, die damit wiederum einen schwunghaften 
Handel trieben. Hauptabnehmer waren Kohlenhändler, 
die dadurch die Kohlen zu Wucherpreisen hintenrum ver 
kauften. Nach den bisherigen Feststellungen sollen in den 
letzten drei Monaten auf diese Weise 25 000 Zentner Koh 
len verschoben worden sei». 
o Diebstahl. Ein D a m «e n f a h r r a d mit Trag-Stän- 
der wurde am Montag, den 12. April Vvr der Front 
des Friedcnaucr Rathauses, in der Zeit von 3 A12—Vsl 
Uhr gest>,) hlen. Das Rad war schon alt und verrostet, 
hatte nur Vollgummireifen und das Hintere Schutzblech 
war mit Draht zusammengeflickt. Es hat nur Wert für 
die Eigentümerin. Wiedcrbringer erhält 50 M. Beloh 
nung Ringstr. 221. 
0 Wäschestücke und Kleider im Werte von 22 000 M. 
wurden einem Beamten in der Mommsenstraße 9 gestoh 
len. Als Täter sind der Arbeiter Bischofs und der Kran- 
kcnpslegcr Bläsing ermittelt. Bischofs hatte ein Liebes 
verhältnis mit dem Dienstmädchen und wahrend dieses mit 
ihm ausging, erbrach Bläsing mit seiner „Braut" die 
Wohnung und verübte den Diebstahl. 
0 AtS gcfiMdcn ist unserer Fundstelle im Nathans 
1 Portemonnaie mit Inhalt gemeldet. 
Vei-eins-NÄckrickiren 
)( Großdeutschc Freiheitspartei. Die nächste Mitgliederver- 
samimuiig der Ortsgruppe Berlin-Friedenau jinöct morgen, Mitt 
woch, den 14. April, abends 8 Uhr, im Bereinszimmer des „Prin 
zen Handjery", Handjerysrr., Ecke Kirchstr., statt. Um Einführung 
neuer Freunde wird freundlichst gebeten. Leitung der Gcschästs- 
stelle W. Rüge, Albestr. 17. l 
)( Handel- und Gcwerbevercin zu Friedenau. Monatsver 
sammlung ain Freitag, den 1«>. April 1920, abends 8 Uhr, im 
Restaurant „Kaiserciche", Rheinstr. 54. „Die schwere Belastung 
des Handel- und Gcwerbestandes durch die neue Steuerreform" 
Res.: Dr. Heinzig, Syndikus drr Berliner Handwerkskammer. 
„Stellungnahme zum Wirtschaftsvcrband von Groß-Berlin". Res.: 
Stadtv. Rudolf Patzle, Schöneberg. Wahl eines 3. Bocstgenden. 
)l „„rühlingoscst der Demokraten". Dein dringenden 
Wunsche der Mitglieder nachkommend, veranstaltet der Fraucu- 
bund der Deutschen demokratischen Partei, Ortsgruppe Frie 
denau, am Dienstag, den 4. Mai, abends nm> 6 Uhr, im Kasino 
saal de-s Albrechtshofs in Steglitz eine Festlichkeit. Künstlerische 
Darbietungen und Unterhaltungen in reichster rlbwcchslung; auch 
der Tanz kommt zu seinem Recht. Es ist diesmal ein 600 Per 
sonen fassender Saal genommen worden, da sich die bei der 
Fülle der Erschienenen beim letzten Fest gewählten Räumlichkeiten 
als zu klein erwiesen haben. Eintrittskarten — auch sür Gäste — 
'zum Preise vonl 3 M. — zuzüglich 0,05 M. LnstbarkeitSstener — 
sind vorerst bei Frau Thoms'bcrger, Saarstraße 15, erhältlich. 
Es wird gebeten, sich diesmal frühzeitig mit Karten zu versehen. 
i)( Schleswig-Holsteinische Ortsgruppe Friedenau. Am Sonn 
abend, dem 3. April ist iir Friedenau feine Schleswig-Holsteinische 
Ortsgruppe 'von Herrn Hauptmann Chr. von Krogh und Dr. 
phil. Gustav Bnrchardi gegründet worden. Weitere Ortsgruppen 
in Schöncberg, Wilmersdorf, Steglitz usw. siud beabsichtigt, sie 
alle sollen zu einem großen Schleswig-Holsteinischen Bunde zu- 
„Ach, ich weiß nicht, Herr Hollfelden, Sie haben mich 
ganz verwirrt und ängstlich gemacht," erwiderte Martens. 
„Ich habe gedacht, das Geld könne mit dem Mord gar 
nichts zu tun haben. Wissen Sie, mit solchen Sachen 
habe ich nicht gern etwas zu schaffen. Wenn Sie Ihre 
Güte so weit treiben wollten, mich vielleicht zu dem Rechts 
anwalt zu begleiten —" 
Heinz zögerte. Er hatte das nicht erwartet und nicht 
gewünscht. So sehr er sich nach Aufklärung und nach 
der Kenntnis der Wahrheit sehnte, wollte er doch nicht 
noch weiter in die Angelegenheit hineingezogen weiden. 
Bor allen Dingen war ihm dieser Paul Martens im 
höchsten Grade zuwider, der für nichts anderes Interesse 
hatte als für das Geld seines ermordeten Bruders. 
Aber er entschied sich dann zur Erleichterung des Herrn 
Martens doch dafür, ihm seine Begleitung zuzusagen. Er 
erwog bei sich, daß es am Ende besser war, er behielt 
diesen Burschen, der bei aller an den Tag gelegten 
Stupidität ganz gerieben schien, in den Augen, um ihn, 
wenn es not tat, von diesem oder jenem zurückzuhalten. 
„Ich will also mit Ihnen gehen, habe aber zu meinem 
Bedauern heute keine Stunde mehr frei," sagte er. „Der 
Rechtsanwalt hat von zwölf bis drei Uhr keine Sprech 
stunde, und Sie sehen, daß es bereits zwölf Uhr ist. Ueber 
, meinen Nachmittag aber ist bereits verfügt. Wir werden 
den Gang also auf morgen verschieben müssen." 
„Ich will Sie gewiß nicht' drängen. Ihre Liebens- 
Würdigkeit ist ohnedies groß genug," versicherte ihm Mar 
tens. „Aber sehen Sie, ich habe hier wirklich keinen 
Menschen sonst, an den ich mich halten könnte, und da 
ich die Verhältnisse so gar nicht kenne, hätte ich ohne Sic 
nicht gewußt, was ich hätte beginnen sollen." 
Sie verabredeten die Stunde, zu der Martens Holl 
felden aus seiner Wohnung abholen sollte, und voll Er- 
leichterung, daß er der Gesellschaft des widerwärtigen 
Patrons wenigstens für heute ledig war; schlug Heinz-den j 
Heimweg ein. — "
        
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