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Periodical volume Nr. 80, 12.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Bezugspreis 
En ”i or 1Ä mJr Ä1£ WarleWe Zeitung für W..Fr!edeuau uud 
in * §auä «Ebrc-cht 2,—r Mark. ßrscheint täglich abends. 
Fernsprecher: Amt Pfalzburg 2129. — Druck und Verlag von Leo Schultz, 
Zeitung) „ „ 
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EeichliitSiteUel Nheinär» 1s. 4.— Mark. Belegnummer 15 Pfg. 
Berlin-Friedenau, Rhcinstrahe 15. — Fernsprecher: Amt Pfalzburg 2129. 
Nk. 80 
Berlin-Friedenau, Montag, den 12 April 1828 
Fahrg. 27 
OrtsnackricktM 
(Nachdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
Arbeitsstachwris und Erweröslosenfürsorge. 
Ich Reichsarbeitsministerium (Reichsamt für Arbeits 
vermittlung) fand vor einiger Zeit eine Besprechung mist 
den Groß-Berliner Gemeinden über das Arbeitsnachj- 
weis wesen und die E r w c rb s l o s e n f ü rso r ge 
stgtt. Ueber die Notwendigkeit der besseren Organisation 
dieser beiden wichtigen Gebiete in Großberlin bestand Ein 
mütigkeit. Von den Vertretern Schönebergs (Oberbür 
germeister Dom in Leus) und Friedenaus (Syndikus 
Stur m) wurde besonders bemängelt, daß es in Berlin 
an der unbedingt erforderlichen engen Zusammenfassung 
von Arbeitsnachweis und Erwerbslosenfürsorge und an 
der nötigen Dezentralisation fehlt. Diese Mängel wirken 
natürlich auch auf die Groß-Berliner Regelung, die auch 
sonst auf diesem Gebiete recht reformbedürftig ist. So 
stimmen z. B. der Bezirk der Erwerbslosenfürsorge Groß- 
Berlin und der des Verbandes Groß-Berliner Arbeits 
nachweise garnicht überein. Der Bezirk der Arbcitsnach- 
weisorgauisation für Groß-Berlin ist sogar durch die 
Preußische Verordnung vom 12. September 1919 über Ar 
beitsnachweise dahin festgelegt worden, daß er den Post 
bestellbezirk Berlin nebst Spandau und Copenick umfaßt. 
Das ergibt einen neuen Bezirk, der weder mit dem bis 
herigen Bezirk Groß-Berliner Arbeitsnachweise noch mit 
dem Bezirk der Erwerbslosenfürsorge übereinstimmt. Ueber 
solche geradezu unverständlichen Regelungen 
muß man besonders staunen, da zur Zeit doch die Sin» 
h'e i t s g e in e inde so dringend gefordert wird, um der 
artige Schwierigkeiten zu beseitigen. Wenn solche Schwie 
rigkeiten aber in völlig unnötiger Weise, man möchte fast 
sagen, künstlich, herbeigeführt werden, kann man sich auf 
sie nicht mit gutem Gewissen zur Begründung für die 
Forderung der Einheitsgemeinde berufen. Bei der Be'- 
sprechnug im Reichsarbeitsministerium wurde zur schleu 
nigen Besserung dieser uncrträgliclten Verhältnisse ein Aus 
schuß gewählt, dem auch u. a. Schöneberg und Frie 
denau angehören. Leider hat der Ausschuß bisher nicht 
'getagt, obwohl seine schleunige Einberufung durch das 
Reichsamt für Arbeitsvermittlung in Aussicht gestellt lvar. 
Inzwischen hat auf Anregung der Berliner Vorort 
gemeinschaft im Kreise der Vororte und zwar unter 
Beteiligung auch von Gemeinden des Kreises Nicdcrbar- 
nim, eine eingehende D eze r nen tenb esprechnng 
stattgefunden, deren Vorschläge sich kürzlich der Vorstand 
der Berliner Borortgcmcinschaft angeschlossen hat. Es 
sollen von den Vorortgemeindcn entsprechende Anträge 
an die zuständigen Stellen gerichtet werden, um einmal 
die Vertretung der Vororte in denr Groß-Berliner Ar- 
bcitsnachwcisverband und der Groß-Berliner Erwerbs!- 
losenfürsorge zu verbessern und sodann eine weitere Zu 
sammenfassung und Ausgestaltung dieser Verbände' her 
beizuführen. Da die Verbesserung und Vereinfachung drin 
gend erforderlich und ohne Schwierigkeiten möglich ist. 
kann inan nur wünschen, daß sie umgehend erfolgt und 
nicht etwa wieder, wie es bisher oft geschehen ist, im Hin 
blick auf das kommende Groß-Berlin vertagt wird. Was 
man sogleich bessern kann, sollte mau sofort tun. Es 
wäre für die Groß-Berliner Verhältnisse gut gewesen, 
lese M Priitzmit). 
Von E. P h. O p P e n h e i m. 
29 (Nachdruck verboten.) 
Er hielt zögernd inne. Heinz deutete auf einen Stuhl 
und sagte höflich: 
„Bitte, nehmen Sie Platz, Herr Martens. Womit 
kann ich Ihnen dienen?" 
Der Fremde ließ sich auf den äußersten Rand des 
Stuhles nieder. 
„Otto Martens ist mein Bruder," sagte er erklärend. 
Ich" hielt mich zufällig in Europa auf, als ich die Nach 
richt von seinem schrecklichen Ende bekam. Wirklich, es 
war ein schwerer Schlag. Der arme Otto! Ich habe ge 
weint, wirtlich geweint, als ich es las. Ganz zufällig, daß 
ich es in einer Zeitung gelesen habe, ganz zufällig. Ein 
Berliner Blatt, das mir im Cast in Amsterdam in die 
Hände kam. Ich hätte sonst vielleicht gar nichts erfahren." 
Sein Wortschwall gab Hollfelden Zeit, sich von seiner 
Ueberraschung zu erholen. Ein Bruder des Toten! Das 
konnte ganz neue, ungeahnte Verwicklungen geben. Wie 
war es nur möglich, daß man von seiner Existenz so gar 
nichts gewußt hatte? 
„Sie sehen mich überrascht, Herr Martens," sagte er. 
.Ich"wußte in der Tat nicht " 
„Daß Otto einen Bruder hatte? Ja, ich kann es mir 
denken, er wird nicht viel von mir gesprochen haben. So 
großarlia, wie er hier gelebt hat, und ich bin nur ein 
einfacher Angestellter. Sehen Sie, ich sage es ganz offen. 
Ich bin nur ein Angestellter, augenblicklich sogar ein 
Stellenloser, und ich kann nicht leben wie mein Bruder, 
aroßariig wie ein Fürst. Sehen Sic, ich habe beinahe 
meine letzten Groschen ausgegeben, von Amsterdam hierher 
zu kommen, und habe nichts mitgebracht als den Anzug, 
den ich auf dem Leibe hatte. Deshalb" — er stockte wie in 
leichter Verlegenheit — „sehen Sie, deshalb' mußte ich 
sogar eincn Gesellschastsanzug von ihm anziehen, um Sie 
aussuchen zu rönnen." 
„Sir sind der einzige Angehörige des — des Herrn 
Otto Martens?" 
„Jawohl. Sehen Sie, unsere Eltern sind früh ge 
storben. Aridere Angehörige habe ich nie gekannt, bis aus 
wenn schon längst nach diesen Grundsätzen verfahren wor 
den wäre. 
v Die Anträge auf Zuweisung einer Wohnung, soweit 
die Vormerkung am 1. April 1920 abgelaufen ist, sind 
sofort zu erneuern. 
o 2 Pfo. Kartoffeln. Auf die Abschnitte 16 a—c 
gibt es 2 Pfund Kartoffeln. An Stelle der fehlenden 
Kartoffeln gibt es auf die' Abschnitte d u. e 300 Gramm 
Hiilscnfrüchte und auf f u. g 250 Gr. gctr. Weißkohl. 
(Siehe Amtliches). 
o Zur Wahl eines' hauptamtlichen JugendpflegcriZ 
wird uns aus Kreisen der Rechten unserer Gemeindever 
tretung geschrieben: Tie über das Abstimmungsergcbuis 
in Sachen des ^ugcndpflegers gebrachte Notiz ist un 
richtig. Es haben außer den genannten drei Mitglie 
dern der Rechten durchaus nicht alle anderen Mitglieder 
gegen Herrn Lehrer Kühlt gestimmt. An und für sich 
bedeutet.es seine bisher noch nicht geübte Praxis, über 
Verhandlungen in „geheimer" Sitzung öffentlich derart 
zu berichten, daß sogar das Stimmenverhältnis ange 
geben wurde. Da aber die Sache und noch dazu falsch 
berichtet worden ist, sei darauf hingewiesen ,daß das? 
ivahrsckinnlich infolge der nicht ausreichenden Ausschrei- 
biiugsbedingungcn sehr magere Ergebnis der Bewerbun 
gen die Gedanken nahelegte, die Ausschreibung zu wieder-, 
holen. Bon diesen Erwägungen hat sich die Mehrheit 
für diesen Beschluß leiten lassen. Die Person des vor- 
aesickilaaenen Bewerbers kam erst in zweiter Linie in 
Betracht. 
o Einrichtung von RealgymnasiaMassen am Frig- 
denaurr Gymnasium. Ter Minister für Volksbildung, 
Kunst und Wissenschaft hat nunmehr genehmigt, daß von 
Ostern d. Js. an mit dem Friedenauer Gymnasium ein 
Realgymnasium alten Stils verbunden werde. Es wird 
daher zu Beginn des neuen Schuljahrs die Untertertia 
des Realgymnasiums eröffnet ^verden und gleichzeitig eine 
zweite Osterscxta. Anmeldungen für beide Klassen iver- 
den noch entgegengenommen. 
o Minderungsansprüche der Mieter. Unter Bezug 
nahme auf den Berhandlungsbericht über die letzte Sitzung 
des Haus- und Grundoesitzervereius weist das Eini- 
gnugsamt darauf hin, daß die den Mietern auf Grund 
der allgemeinen Anordnung das Eiuiguugsamt vom 
5. März 1920 zustehenden Minderungsausprüche nach den 
Bestimmungen der Sammelheizungsverordnung als verein 
barte Bcstiiniiluugen des Mietvertrages gelten und daß 
infolgedessen die Mieter insoweit zur Minderung der Ver 
tragsmiete berechtigt sind, auch wenn in dem Miet 
vertrag Abzüge vvn der Miete ausgeschlossen sind. Die 
Sammclhcizuugsverorduuug schließt außerdem ausdrück 
lich abweichende Vereinbarungen aus. Deshalb kann auf 
die nach der allgemeinen Anordnung zulässige Minderung 
auch vom Vermieter kein Räumungsanspruch gestützt wer 
den. Die im Bericht erwähnte Aeußerung des Herrn 
Michaelis, daß ein Vorsitzender mit der allgemeinen An 
ordnung des Einigungsaintes über die Minderung „nicht 
zurecht kam", beruht auf einem Mißverständnis. In der 
Sitzung, die Herr Michaelis offenbar im Auge hat, wurde 
versucht, anstelle der Gewährung des Zuschlages für den 
Vermieter auf der einen und der gleichzeitigen Feststellung 
des Miuderungsanspruches des Mieters guf der anderen 
Seite den um die Minderung gekürzten Zuschkagsbctrag 
durch einen einzigen Bruchteil der Mehrkosten ( 7 /, 0 ) aus 
zudrücken. Da sich bei der Verschiedenheit der Fälle hier 
für aber keine einheitliche Formel finden läßt und zur Er 
rechnung dieses Bruchteiles in jedem Falle erst der tat 
sächliche Zuschlag und dann die Minderung ziffernmäßig 
ansgerechnet und sodann in einem Bruchanteil von den 
Mehrkosten umgerechnet werden müßten, wird dieses Ver 
fahren nur in wenigen Fällen geübt werden können. Es 
wird also regelmäßig wie bisher "im Beschluß festgestellt 
werden, welchen Zuschlag der Mieter zu zahlen hat und 
dabei wird ihm die Minderung nach Maßgabe der allge- 
. meinen Anordnung vom 5. März vorbehalten werden. 
o' Das Eiserne Kreuz 1. Klasse ist dem Realgymna- 
siallehrer, Herrn Emil & o ch, Odenwaldstr. 23, für her 
vorragende Verdienste im Felde nachträglich verliehen 
worden. 
o Nicht rauchmr! In einem Aufruf wendet sich der 
Amtsvorsteher von Grunewald-Forst an die Waldbesucher: 
„Mit Beginn deS Frühjahres nimmt der Äusflugsver- 
kehr wieder in beträchtlichem Umfange zu. An alle, 
Grnnetvaldbesucher wird die dringende Bitte gerichtet, zur 
Erhaltung des Waldbestaiides das Verbot des Rauchens 
tut Walde zu beachten, sich dem Walde nicht mit nuver- 
wahrtein Feuer zu nähern oder ihn mit brennender Zi 
garre oder Zigarette zu betreten. Durch die in der wär 
meren Jahreszeit zunehmende Trockenheit ist die Brand 
gefahr im Walde ganz bedeutend erhöht. 
o Tie geschlossenen Schalter! Wir erhalten die Mit 
teilung, daß die Abfertigung der Besucher auf dem hie 
sigen 'Postainte wieder .einmal sehr zu wünschen übrig 
läßt. Heute morgen .standen vor zwei Schaltern lange 
Schlangen von solchen Personen, die Postanweisungen aüf- 
zu liefern hatten. Als ein Herr sich über die unzu^ 
reichende Abfertigung beschwerte, wurde er liach einem 
3. Schalter verwiesen. Der Beamte gn diesem Schalter 
war mir dem Zählen von Gcldrollen beschäftigt und er 
klärte, als er um die Entgegennahme der Postanweisung 
ersucht wurde: Ja, wenn Sie warten ivollcn, bis ich 
fertig bin! 
o Gummiabsätze für bcinamputicrte Kriegsbeschädigte. 
Beinamputierten Kriegsbeschädigten werden Gummiabsätze 
-für Stiefel zum Selbstkostenpreis abgegeben. Die Anträge 
hierauf sind an die zuständige Versorgungsstelle (bisheri 
ges Bezirkskommando) zu richten. 
o Volks'hausgcmcinde Berlin-Friedenau. Im Sitzungs- 
saalc unserer Geineindcvertretnng fand am Sonnabend 
Abend bei gutem Besuch die Gründungsversammlung der 
„Bolkshausgemciiide Berlüi-Friedenau" statt. Sie wurde 
von Herrn Gemeindcverordncten T h o m s b c r g c r ge 
leitet' der in seiner Eröffnungsansprache hervorhob, daß 
es sich bei der Volkshausgcmeinde um die Betonung des 
Gemeinschaftsgcdankens, der Gemeinschafts-Idee, handele. 
Es sollen durch sie die Kräfte ausgeglichen, die Gegen 
sätze überbrückt werden, ans daß man durch gegenseiti 
ges Kennenlernen zu einem Ziele miteinander und zu ein 
ander komme. Es wurde daun sofort in die Satzungs- 
bcratung eingetreten, die schnell vonstatten ging.' Ten 
von einem Unterausschuß eingehend vorbereiteten Satzun 
gen wurde im Allgemeinen zugestimmt. Ter an den Teut 
schen' Volkshausbund abzuführende Beitrag wurde auf 
2 M. je Mitglied festgesetzt. Der MindestmitgliedSockstrag 
zur Volkshausgcmcindc betrügt 5 M. Entgegen dem Vor 
tuen Onkel, der in Südafrika lebte, und der nun auch 
ange tot ist. Alles, was der arme Otto besaß, gehört 
rir." 
„Wenn Sie der einzige Hinterbliebene sind, gewiß." 
„Jawohl, jawohl. Ich war auf der Polizei, und man 
at mir die Sachen meines Bruders freigegeben. Ich bin 
hon vor ein paar Tagen gekommen, und ich habe bis 
:tzt im Hotei wohnen müssen. Mein letztes Geld ist braus» 
caarigen. Ictzt wohne ich natürlich oben, es ist noch für 
in Vierteljahr bezahlt, teuer genug, wirklich. Finden Sie 
jcht? — Sechshundert Mark — für vier Zimmer." 
„Die Wohnung war möbliert vermietet, soviel ich weiß. 
>a ist cs für Berliner Verhältnisse nicht zu teuer." 
„Ja, sehen Sie, nicht einmal die Möbel gehören mir. 
sts "auf ein paar Stück, die mein Bruder gekauft hat — 
>ner genug, wirklich. Ich habe noch die Rechnungen ge- 
mbcii, dem Himmel sei Dank, quittierte Rechnungen, 
awohl" — 
Es war klar, daß er noch nicht bei dem eigentlichen 
swcck feines Besuches angelangt war, und er wußte 
ffenbar nicht recht, wie er damit herauskommen sollte. 
>einz verspürte in seiner Gesellschaft geradezu ein körper- 
c! es Unbehagen, vnd er wünschte lebhaft, diese Unter- 
edung möchte ihr Ende recht bald erreicht haben. Aber 
s interessierte ihn auf der anderen-Seite doch lebhaft, 
!on seinem Bruder etwas Näheres über Otto Martens zu 
rfahren. und er sagte deshalb: 
„Sie bemerkten, daß Sie aus Amsterdam kamen. Sie 
,aben dauernd da gelebt—?" . 
Mein, o nein. Ich habe in Südafrika gelebt, bin bei 
iner Minen-Gesellschaft angestellt gewesen, — Diamanten, 
nisten Sie. 'Die Gesellschaft ist während des Krieges sozus 
agen in die Luft geflogen, und ich war stellenlos. Es war 
mmöglich, unter den Verhältnissen jetzt da drüben seinen 
Lebensunterhalt zu gewinnen. Da bin ich nach Amsterdam 
wfahren, Sie wissen, da sind die größten Diamantenf 
Schleifereien, und ich hatte dort schon meine Geschäfts 
Verbindungen, ich glaubte, dort etwas Paffendes zu finden. 
Es ging nicht mehr in Südafrika, sehen Sie." 
, Run, Ihr Bruder scheint dort doch sein Gluck gemacht 
;u haben," bemerkte Heinz. Aber er war überrascht von 
3er Wirkung seiner Worte. Paul Martens schnellte sormlrch 
»ns seinem Sitz, herum und sagte lebhaft : v 
„Ich sage Ihnen, zwei Tage, bevor er nach England 
fuhr, hat er seinen letzten Cent ausgegeben. Nichts hat er 
gehabt, rein gar nichts. Er hat den Burenkrieg mitgemacht, 
wissen Sie, aber er ist davongelaufen, wie er gesehen hat, 
daß die Sache doch aussichtslos war. Zu mir ist er ge 
kommen und hat vor mir gejammert und gebettelt, ich 
sollte ihm Geld leihen, er müsse sonst verhungern. Ich 
habe ihm die Ueberfahrt bezahlt nach Europa — nach 
London, er wollte durchaus nach London. Zwei Wochen 
später habe ich schon aus Berlin einen Brief bekommen, 
die Hälfte des Geldes, das ich ihm geliehen habe, hat er 
mir zurückgeschickt. Die Hälfte, Herr Hollfelden, und ich 
habe seit der Zeit nichts mehr von ihm gehört. Keine Zeile, 
kein Lebenszeichen. Nicht einmal, wo er wohnt, habe ich 
gewußt. Und ich habe mich quälen müssen drüben, 
während er hier —I — Oh, der — der —" 
Heinz wehrte durch eine rasche Handbewegung-ab. 
„Vergessen Sie nicht, daß Ihr Bruder tot ist!" sagte 
er kalt. Und Herr Paul Martens verschluckte das Wort, 
das ihm schon auf der Zunge gelegen hatte. 
„Ja, aber sehen Sie, was für ein Bruder er war! 
Er wußte, daß es mir schlecht ging. Er mußte es wissen. 
Und er hat mir nur die Hälfte von dem zurückgezahlt, 
was ich ihm geliehen hatte, während er hier eine Wohnung 
hatte, die im Jahre zweitausendvierhundcrt Mark kostete, 
während er lebte wie ein Fürst. Kann man das glauben, 
Herr? Er schickt mir das Geld und schreibt mir, daß es 
ein Vorschuß seines Prinzipals sei, er hätte eine Stellung 
gesunden, hundertundachtzig Mark im Monat. Davon 
werde ihm nun der Vorschuß in Raten abgezogen. Haben 
Sie so etwas gehört! Hundertundachtzig Mark, und hat 
eine Wohnung, die allein zweihundert kostet. Dreihundert 
habe ich ihm geliehen, hundertundfünfzig habe ich zurück 
bekommen, keinen Pfennig mehr. Und schreibt mir keine 
Zeile mehr. Freilich, er wußte wohl, daß ich sofort her 
überkommen würde, wenn ich das hörte, das mit der 
\ Wohnung von zweitausendvierhundcrt Mark. Und zahlt 
niir nicht einmal zurück, was er von mir geliehen hat! 
Nicht einmal das!" 
Heinz kämpfte mit Anstrengung seinen Ekel und seinen 
Widerwillen nieber. 
„Sie werden ihn ja jedenfalls jetzig hwitlwn.. 
Martes laste er und bemühte sich.
        
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