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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Faushalt di« Stenogramme "noch bis zutft 1'-. JiL durch 
zuführen und sie dann aufzuheben. Es würde dafür ein 
Betrag von 3600 M. in Frage kommen. — G.-V. Leon- 
Hardt (Dem.) spricht für sofortige Aufhebung der steno- 
graphischen Aufnahmen. Die Stenogramme seien doch 
»rur wertlose Makulatur, eine Roll,» haben sie noch nicht 
f iespielt. Wenn er bedenke, wie oft in den Kulturaus- 
chüssen bei iveit kleineren Summen gespart werde und daß 
»nan daran denke, die Lernmittelfreiheit, diese Errungen 
schaft, wieder einzuschränken, womöglich wieder aufzuheben, 
so verstehe er cs nicht, daß, man solche hohen Sunnnen für 
wertlose Makulatur ausgebe. — Schöffe v. Wrochem 
tD. Vp.) tritt dem entgegen, daß man in den Kulturaus- 
schüssen gespart hatte, man hätte z. B. für die Jugend 
pflege viel bewilligt. — G.-V. Dr. Anders (Dnat.) hält 
die Stenogramine für wertvoll und sehr nützlich und tritt 
kür die Beibehaltung bis 1. Juli ein. Es wäre gut, wenn 
die Aussprache über den Voranschlag im Hinblick auf Groß- 
Berlin noch zu Papier gebracht werde. — G.-L. Koniecz- 
ka (Rechtsblock, Hosp.) ist gegen die Stenogramme, durch 
die nicht allein Papier, sondern auch übermäßig viel Zeit 
»urd Kraft aufgewendet werde. Umfaßte doch das Stcuo- 
dramin über die außerordentliche Sitzung 150 Seiten. 
Welche Zeit und wieviel Papier erfordere das. Es werde 
Puch nicht bei den 3000 M. bleiben. G.-B. Dr. Anders 
(Dnat.) weist Herrn Konicczka darauf hin, wie wertvoll 
es für diesen doch war/ daß er die Aeußerungen deS Hbrrn 
Dr. Hasse im Stcnogrannn nachlesen kvnntc. Bis zum 
1. Juli solle man die Stenogramme noch durchführen. 
Dann sei er auch dafür, sie aufzuheben, so sehr hänge oc 
»licht an dein Lfinde, das er in die Welt gesetzt habe. (G.-B. 
Dettmer: Sie treuloser Vater! Heiterkeit.) — Der An 
trag auf Weiterführung der Stenogramme bis 1. Juli 
wird mit 25 Stimmen angenommen. Dagegen 
stimmten die Demokraten, Sozialdemokraten, die G.-V. 
Konieczka und Dr. Schultz. 
Lohnzulagen für die Arbeiter. 
Den Vereinbarungen der Arbeitgeber- und Arbeit- 
nehmerverbände aus Gewährung einer Lohnzulage an die 
Arbeiter von monatlich 140 M. an Jugendliche, 200 M. 
an Ledige, 250 M. an Verheiratete und 30 M. für jedes 
Kind, wird zugestimmt, mit der Maßgabe, daß der Be 
schluß in Kraft trete, sobald Berlin ihm beigetreten sei. 
Anfragen. > 
G.-V. Maulb ecker (b. k. Fr.) fragt an 1. ob die 
Fried citstiter Opfer der Unruhen auf Kosten der 
Gemeinde beerdigt wurden oder ob vielleicht die Kosten 
nachträglich erstattet werden; 2. wann die Kapp- 
Plakate vom Rathausc entfernt werden und 3. ob unsere 
Gemeinde eine schwarz-rot-goldene Fahne besitzt. 
(G.-V. Dettmer (Unabh.): Haben Sie solche Sehnsucht da- 
»lach?) Bürgermstr. Wglger antwortet zu 1, daß die Be 
erdigung nicht auf Kosten der Gemeinde stattgefunden habe, 
daß aber die Frage der Erstattung der Beerdigungskosten 
behandelt werde. Zn 2 wisse er wirklich nicht, vb noch 
solche Plakate am Rathause kleben; wenn das der Fall sei, 
werde er sie schleunigst entfernen lassen. In 3 die Frage 
nach einer schwarz-rot-goldenen Fahne müsse er ver 
neinen. (G.-V. Frau Tülle: Aber eine rote Fahne ist 
da.) Man habe s. Zt. für den Schmuck des Rathauses 
4 Fahnen angeschafft, eine Ortsfahne, eine branderp- 
burgische, eine preußische und eine deutsche: schwrnJ-weiß- 
rote Fahne. Man werde die Fahnen nun wohl recht 
zeitig ändern müssen. 
G.-V. Sarrazin (Christl. Vp.) wßfiAW besseren 
Druck der Vorlagen. 
G.-V. Wolff (Dem.) fragt an, wie weit die Frage 
der Gewährung freier Schulbücher sei. In 4 Tagen be 
ginne^ die Schule, ln den Händlerkreisen bestehe völlige! 
Unsicherheit, sie wissen nicht, ob sie die Bücher beschaffen 
sollen oder nicht. Wenn die Schule jetzt die Bücher nicht 
besorge, werden die Kinder bis Pfingsten ohne Schulbücher» 
sein. Bürgermeister Walger meint, daß die Frage jetzt ^ 
vom Finanzausschuß geprüft werde. Vorläufig müßten 
die jEltern selbst die Bücher beschaffen. Man wisse noch 
nicht, welche Summen man jeder Schule zuweisen könne. 
Die G.-V. Frl. S ch i p f m a n n (Soz.), L e o n h a r d t 
(Dem.), Richter (Unabh.), Dr. Hasse (Soz.) treten 
dieser Auffassung des Bürgermeisters entgegen. Man habe 
in der vorigen Sitzung beschlossen, daß der Voranschlag 
1019 vorläufig weiter gehen solle und dazu gehöre auch 
die Gewährung freier Lernmittel. Schöffe v. Wroch»m 
'(D Vp.) meint, daß nür ker alte Haushaltsplan,- nicht 
abM die späteren neueren Beschlüsse fortgesetzt werden 
sollen. Dem widerspricht G.-V. Thtzmsberger (Dem.), 
der sagt, daß dann auch nup die früheren Beamtenge», 
hälter gezahlt werden dürfen. Bürgermeister Walger 
erklärt, daß es bei den Gehältern etwas anderes sei, da, 
für diese Verträge bestehen. G.-V. Richter (Unabh.) 
bemerkt, man solle doch nicht solche»»; Formelkram vor-, 
bringen, .um eine unbequeme Sache loS zu werd«». Er 
holte das für eine faule--Ausrede/ G.-D. Dr. Haffe 
(Soz.) beantragt, denjenigen, die. sieb Bücher besch»fft 
haben, sie nachträglich zu bezahlen. G-V. Dr. Anders 
(Dnatp .erwähnt, kijj pädagogische Gründe gegUl die 
Lernmittelfreiheit fprächen. (G.-V. P. Richter: Die wider 
legt sind). Friedenau stehe hier ganz allein, man habe 
die Tragweite des damaligen Beschlusses nicht übersehen. 
D»e Kosten seien doch ungeheure. Man müsse sich wohl 
überlegen, ob nian die Lernmittelfreiheit so weiter durcii- 
sühren wolle. G.-V. M a u t b e ck e r (b. f: Fr.) bemerkt, 
daß Friedenau längst nicht mehr allein dastehe. Es hab«r 
andere Vorortgcmcindcn für diesen Zweck ebenfaM sckrpn 
hohe Smnmen bereit gestellt. Tie Vorgänge hkbr kremiern 
ihn an die Springprozession, man mache 2 Schritte vor 
und 1 zurück. Schösse Schildberg (Dem.) fikhrt aus, 
daß die Erfahrung mit der Lernmittelfreiheit gezeigt 
habe, datz dies die segen-rcickffte Einrichtung fei. Der 
Zeichen- .und Handarbeitsunterricht, wäre dadurch über 
haupt nur durchführbar gewesen. Wollte man die Lern 
mittelfreiheit jetzt aufheben, würde das verhängnisvoll 
für die Volksschule sein. Wenn Herr Dr. Anders die 
t?kfabrung hätte, würde seine Meinung wohl eine andere 
sein. Die Angelegenheit hätte eigentlich etwas schneller 
im Ausschuß behandelt werden können; aber er wolle 
hierüber niemandem einen Vorwurf machen. Es gehe 
nün aber nicht anders, als, daß mau die Lernmittelfrefi 
heit bis zuin 1. Juli so wie bisher kveiter behalte. Er 
wisse svust richt, wie er sich weiter Verhalten solle. In 
der Meinung, daß die Sache wie bisher weiter gehe, habe.' 
er schon die nötigen Anordnungen getroffen. Daß die 
Lernmittelfreiheit glatt aufhören solle, daran habe doch 
niemand gedacht. Er. beantrage zu beschließen: Die Ge 
währung freier L»«ri»nittel rocrdc im bisherigen Umfange 
weiter geführt bis zum 1. Juli (Zuruf rechts: Und woraus 
wird gezahlt?) Schöffe Schildberg:. „Aus den 100 Pro 
zent, die Sic in voriger Sitzung abgelehnt haben!" G.-D. 
Dr. Anders (Dnat.) erklärt, daß er auch für die freien 
Lernmittel im Zeichen- und Handarbeitsunterricht sei. 
Er erwähnt dann noch die Besprechungen im FinanzauS- 
fchuß. G.-B. Leon Hardt (Dem.) betont nochmals die 
Gültigkeit des Beschlusses über die Weiterführuug des 
Voranschlages. Bürgcrnieister W a l g e r meint, man hätte 
aneinander vorbei gesprochn. Der alte Beschluß Leite 
natürlich, nux die Beschlüsse im Finanzausschuß gelten 
nicht. G.-V. Hanncmann (D. Vp.) erklärt seinen 
Standpunkt für völlige Lernmittelfreiheit an allen Schu 
len. ES werde das der Kosten wegen an den höheren 
Schulen nicht durchführbar sein; aber er müsse auch für 
seine Schule in diesem Jahre xincn erheblich höheren 
Betrag als sonst für diesen Zweck anfordern. (Hört, hör.!) 
G.-V. Thomsberger (Dem.) meint, man müsse einen 
Unterschied machen zwischen dem b»stehenden Beschluß und 
cheu Verhandlungen im Fina«zcSusschuß. Was im Fi 
nanzausschuß beschlossen sei, gelte noch nicht. Aber der 
alte Beschluß -bestehe im selben Umfange weiter. Einen 
besonderen Beschluß brauche man garnicht fassen. — 
Darin stimmte man nun plötzlich aUgiünein ein und 
Bürgermeister Walgcr erklärte, daff nie Gewährung 
freier Lernmittel tu demselben iHifange wie bisher 
.tu eit er bestehe! Der Antrag des G.-B. Dr.-Haffe, 
'.denjenigen, die Lernmittel schon selbst beschafft hab«», die 
Kosten wieder zu erstatten, wurde den Schulleitern übe-r- 
,kästen. 
Tie kereidiguNg. 
’ , G.-V. Piniak (Soz.) fragt an, warum die Beamten 
lischt schon vor dem 13. März vereidigt word«r wären und 
•Vlpb das jetztZallgemein geschehen sei. Bürgermeister Wal- 
iger erklärt, die Vereidigung geschah solange nicht, weil 
/sie die Behörde nicht aregeordnet hatte. Ms die Anord 
nung kam, wurde die Vereidigung sofort ausgefichrt. G.-V. 
Pfiiiak (Soz.): Wer hat die V»reidigung angeordnet? 
Zuruf: Kapp.) Bürgermeister Walger: Der Minister 
es Innern. G.zV. Leon Hardt (Dem.): Ist der Herr 
der sich von früh bis spät hatte quälen müssen und ihrer 
Tante selig trotzdem noch für drei Monate die Miete 
schuldig gewesen war, als fein freudloses Dasein endete. 
Auch heute, zweiTage nachscineriiächllichenUntcrredung 
mit Doinbrowsti, erhob sich Heinz zu gewohnt früher Stunde 
von seinem Lager. Sein Kops schmerzte ihn wie fast tag 
täglich in der letzten Zeit, und er fühlte eine schwere 
Mattigkeit in den Gliedern. Während früher der Vor 
mittag die seiner Arbeit günstigst« Zeit gewesen war, fühlte 
er sich heute unlustig und unfähig.zum Schaffen, und er 
legte sich nach dem Frühstück sogleich wieder aus die Otto 
mane in seinem Arbeitszimmer, mit dem festen Vorhaben, 
ausschließlich au die Novelle zu denken, an deren Entwurf 
er arbeitete. 
Aber so sehr er auch dagegen ankämpfte, beharrlich 
kehrte die Erinnerung an Margot von Wchrmgen und 
an das Gespräch mit Doinbrowsti wieder. Er hatte noch 
nicht den Mut gefunden, feinen Besuch bei den beiden 
Damen zu wiederholen, tonnte er sich doch nicht klar dar 
über werden, wie er sein Verhalten gegen sie einzu 
richten hatte. Er wußte, daß sein Fernbleiben ein schwerer 
Verstoß hegen die gute Sitte war, war er doch Margot 
sowohl wie der (Bröfiw eine Erklärung schuldig. Und ob 
wohl er sich einen jammeroollen Feigling schalt, der die 
Entscheidung so lange wie möglich hinausschob, weil er 
sich vor ihr fürchtete, vermochte er sich Doch nicht zu raschem 
und entschlossenem Handelii aufzuraffen. 
Plötzlich sprang er überrascht auf und lauschte. Kein 
Zweifel, über ihm, in der Wohnung Otto Martens', ging 
jemand umher, und er unterschied jetzt auch den Klang 
zweier Stimmen. Hatte die Polizei eine Entdcüurrg ge 
macht, die sie zu neuerlicher Visitation der Räume des 
Toten veranlaßte? In den ersten Tagen nach betn Morde 
hatte cs ja nicht an Besuchen da oben gefehlt; seit einiger ' 
Zeit aber war cs still geworden, und es war,.«r natürlich, 
daß Hollfelden, der beständig von einer heimlichen Angst 
und Unruhe erfüllt war, diese neuerliche Nachschau mit den 
Drohungen Dombrowstir in Zufamine-nhang brachte. 
Er konnte natürlich kein Wort von dem verstehen, 
was droben gesprochen wurde, aber er vernahm, daß 
nach Ablauf von zehn Minuten sich jemand aus der 
Wohirung entfernte, während die fortdauernden Geräusche ' 
venicten,-daß ein anderer darin äuriicküebliebcn war. 
Heinz hörte, daß die Auswerterin im Flur aus und ab 
ging, und er ries sie herein. 
„Haben Sie gesehen, wer d" oben —" er machte eine 
Geste nach der Decke hin — „in der Wohnung gewesen ist, 
Frau Frnfrcke?" 
..FreiUcht hab iä's jefehn, Herr Hollfelden. Ern er von 
die Polizei und een.Herr." 
„So, so! Wenn Eie das wissen, können Sie mir viel 
leicht auch sagen, wie der Herr ungefähr ausgeseheii 
Hst?" 
Es war ihm die seltsame Vermutung gekommen, daß 
es Doinbrowsti gewesen sein könne, den die Auswärterin 
-gesehen halte. Aber die Schilderung, die sie von dem 
Aussehen.des Mannes entwarf, belehrte ihn eines anderen. 
„Ick war zuerfcht janz erschrocken, Herr Hollfelden, 
denn wie ick so durch die Tür sehe. denke ich) der leibhaftige 
Herr Martens kommt die Treppe ruff. Natierlicht war cr's 
nich, aber wirklich ne koloffalls Aehnlichtkcit. Schc-en ivar 
er nich, aber scheen war ja der Herr Mariens ooch nich. 
Und ufjjercgt schien er zu sind, nich zu knapp. Wie er an 
gezogen war? Ja nu, ick hab' eejentlich nich so dadrusf 
jcachtct, clejant sah er nich ans, aber ooch nich jrade 
'schäbig." 
Heinz wusste genug und schickte sie unter einem Vor 
wand wieder hinaus. Er lächelte jetzt selbst über seine 
Befürchtungen in bezug auf Dombrowski. Darüber, daß 
der Pole seine Nachforschungen ' nicht in Verbindung mit 
der Polizeff sondern ganz- aus eigene Hand'unternehmen 
würde, glaubte er doch ziemlich sicher zu sein. Dem Um 
stand/ daß der Fremde Achiilichkeit mit Martens gehabt 
statte, legte er keine Bedeutung kei, Martens hatte eines 
von jenen alltäglichen Eesichteni gehabt, wie man sie auf 
der Straße zu Hunderten sieht. Und die lebhafte Ein 
bildungskraft der Frau Friesickc mochte überdies die Aehn- 
fichkcit -loch größer gemacht haben, als sie in Wirklich 
keit war. 
Eine halbe Stunde später aber, als er sich eben zw 
eincui kurzen Spaziergang fertig gemacht hatte, bekam er 
einen überreichenden Besuch. 
, Er hatte gehört, wie oben die Wohnungstllr ging, und 
gleich darauf läutete es bei ihm. Voller Aufregung kam 
ibie Haushälterin, ein% Karte m den Fingerspitze». 
»Na. wal habe ick jesagt," meinte sie triumphierend. 
Bürgermeister Walger auch vereidigt worden? Bürger 
meister Walgev: Ja. (Zuruf des Schössen v. Wrochem: 
Wollen Sir auch noch wissen, wer ihn vereidigt hat?) G.-V. 
Leon har dt: Ich habe die Frage gestellt, weit Herr 
Bürgermeister Walgcr gesagt hatte, daß er noch nicht ver 
eidigt sei. und sich daraus berufen hat. Die Kritik des 
rechten Nachbars des Herrn Bürgermeisters war darnach 
ganz ungehörig. 
Nach Verlesung und Genehmigung der Niederschrift 
ioird daraus die öffentliche Sitzung gegen V,10 Uhr ge 
schlossen. 
Es folgt eine geheime Sitzung. 
(Nachdr. unsrer o-Originalartilcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ter neue Teltowcr Kreiskalender, Jahrgang 1920, 
Verlag von Rob. Rohde, Berlin W. 35, Lützoivstr. 87, 
Preis 1,25 Mark nebst 25 Pfennig Zuschlag, ist soeben 
mit erheblicher -Verspätung erschienen. Dafür ist der Jn- 
lalt um so reichhaltiger und gediegener. Pfarrer Klein 
(Lichtenrade) schrieb das von echt christlicher Nächsten- 
liebe getragene Geleitwort für 1920: „Alle Eure Sorge 
werfet ans Ihn", sowie eine Studie „Das Leben einer 
Dorfgemeinde von ihrer Geburt bis zu ihrem Tode, in 
Einzelbildern". Ein Stimmungsbild aus der Natur cnt- 
wirst Wilhelm Thimm iu dem Aufsatze „Märkischer Vor 
frühling". Dr. Richard Lenz, der Leiter des Statistiichen 
Amtes des Kreises Teltow, 'bringt eingehende bildliche 
und tabellarische Darstellungen über „Dpe Landwirtschaft 
int Kreise Teltow nach Betriebsgröße» und Anbauslächen". 
Hervorragende Sachkenntnis verrät Ernst Bonscls (Mah 
low) in seinem Aufsatz: „Die Wirtschaft deS Kreises Tel 
tow nach dem Kriege", in dem er reiches Tatsachenmaterial 
an dem geistigen Auge des Lesers vorbeiziehen läßt und 
schließlich dem Gefühl der Beruhigung Ansdruck ver 
leiht: „daß sich die Spannkraft des Deutschen Volkes 
nicht herabziehen läßt, und daß cs ivohl auch dieses 
„schwärzeste Jahr" überstehen wird, ohne zu Grunde zu 
gehen" Es sei noch aufmerksam gemacht auf einen „Or:s- 
sührcr des Kreises Teltow", eine für jeden Kreisvewoh- 
ner wichtige Zusammenstellung sämtlicher Orischasleu. in 
der erschöpfende zuverlässige Auskunft gegeben ioird über 
ihre Einwohnerzahl, ihren Flächeninhalt, ihre Vcr- 
kehrsvcrhältnisse und Kreiseinrichiungen. 
o Des Fricdknaucr Schülerorchester hat seinen großen 
Unterhaltungsabcnd ans den 17. April verlegen müssen. 
Tie bereits verausgabten Karlen behalten ihre Gültigkeit. 
Die Vortragssolge wird an Reichhaltigkeit kaum einer 
anderen nachstehen. Frail Dr. Böhme luirb fingen; 
„Deutschland" von Helm und t, „Er ist gekommen" von 
Franz, „Mein Herz, tu dich aus" von Seide! mrb Arie 
aus „Boheme" von Pucini. Der bekannte Ecllist L le 
be rm an n wird die .„Romanze" von Svcndsen, „Spa 
nischen Tanz" von Popper, „Lied an den Abendstern" 
von Richard Wagner und „Scherzo" von van Gocns 
zu Gehör bringen. Herr Dr. M an ermann wird vor 
aussichtlich rentieren, und zwar: Herders „Edward", 
Hebbels „Heidrknabcn" und „Der Woywode" (Die Lancr'i, 
ukrainische Ballade von Mickicwicz in einem ernsten, „Ter 
Koch dem Kranich" von Hans Sachs, „Die Uhr- 
reparatur" von Otto Lukas nno „Der Hauslehrer" von 
Erdmann Graeser in einem heitern Teil. Der Chor 
fingt „Sturmbeschwörung" von Dnrrner, „Guten Meud, 
gute Nacht" von Brahms, „Der Bauer und die Tauben" 
und „Der Jäger", beide von Tanbert. Das Orchestin.- 
gibt dem Abend sein besonderes Gepräge. Da größte. 
Nachfrage nc«l) den Karten vorhanden nnb der Festsaal 
in der Homnthstraßr fast ausverkauft ist, empfiehlt es 
sich, so bald wie möglich in der Musikafienhanblnng 
von Schwarz, Rheinstraße, Eintritrskarteii zu verlangen. 
o Loka Bach, die anmutige jugendliche Tänzerin, 
deren Bekanntschaft uns die „Kunftstälte f. L." jüngst 
vermittelte, gibt Mittwoch, den 14. April, abends 7V_> Uhr, 
int Klindworth-Scharwenka-Taal, Lützowstr. 78, einen 
eigenen Tanzabend. Karten bei Bote u. Bock, Wertheim, 
sowie an der Abendkasse. Den vielen Freunden, die Lola 
Bach auch in Friedenau gewonnen bezw. sich ertanzt har, 
wird hier Gelegenheit gegeben, die vielversprechende Künst 
lern in ihren verschiedenartigsten modernen Tanzschöpsim- 
gen in einer den Abend füllenden Vortragsfolge zu sehen. 
..Von ivejcn die Aehnlichtkcit. Cr heeßt nämlich ooch 
Martens." 
nichts als der Name „Paul Martens" stand. ' * 
„Das ist der Herr, der —?" 
»Der vorhin nach oben jegangen is — jawoll. Er 
mechte Ihnen sprechen." 
„Führen Sie den Herrn herein!" gebot Heinz hastig, 
„und sorgen Sie dafür, daß wir nicht gestölt werden " 
. In lebhafter Erregung ging er auf und ab, veraebens 
grübelnd, in welches Verhältnis er diesen Paul Martens 
mit dem Toten zu bringen hatte. Dann wurde zaghaft 
an die Tür gepocht, und auf sein „Herein!" schob sich eine 
kleme, zierliche Gestalt über die Schwelle. 
Der erste Eindruck, den wir von einem Menschen 
empfangen, pflegt für gewöhnlich unser Verhalten ihm 
gegenüber auf lange Zeit zu bestiminen, uns eine be- 
.stimmte Vorstellung von der Persönlichkeit des anderen zu 
'geben, die sich schwer wieder abschütteln läßt. Heinz Holl- 
feldcn fand diesen Besucher auf den ersten Blick höchst 
'unsympathisch. Seine nichtssagenden Gesichtszüoe zeiqten 
swirklich eine auffallende Aehnlichkeit mit denen Otto Mar 
tens, nur daß ihnen ein paar unangenehme Linien uni die 
schmalen Lippen ein abstoßendes Gepräge gaben. Paul 
Martens blinzelte fortwährend mit den Augen, deren Blicke 
unruhig im Ziinmer umhergingen, und er hatte, wie viele 
Menschen, die stets befürchten, unwillkommen zu fein und 
sich daher in ständiger Verlegenheit befinden, die unan- 
genehme Angewohnheit, seinen Hut in den Händen zu 
drehen. 
Noch eine Wahrnehmung machte Heinz, während sie 
sich Augenblicke lang schweigend musterten. Paul Marterw 
trug äußerst.elegante Besuchstoilette, aber es schien, als 
seien die Kleidungsstücke für jemanden verfertigt, der über 
weit größere Körperfülle verfügte als dieser junge Mann. 
dessen Alter Heinz auf höchstens sechsundzwanzig oder 
siebcnundzwanzig Jahre schätzte. Selbst der sehr modernr 
hohe Stehkragen war ihm viel zu weit, und das gab 
seinem Aussehen etwas grotesk Komisches. 
„Ich bitte um Verzeihung wegen der Störung," fagü 
der Besucher endlich. „Mein Name ist Martens — Puul 
Martens. Ich bin nicht sicher, ob Sie wissen —" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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