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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage z« Nr: 79 des „Friede»«»«; Uokal-Agzeiger" 
Sonntag, den 11. April 1820. 
Sitzung der Gemeindevertretung 
vom Donnerstag, den 8. April 1920. 
Tie 'SitzuNgStage der Gemeindevertretung 
werden wie bisher ans jeden 1. urcd 3. Donnerstag im 
Monat festgesetzt. 
Aenderung der Geschäftsordnung. 
Die Gemeindevertretung stimmt den vom Geschäfts 
ordnungsausschutz vorgeschlagenen Abänderungen über die 
Einberufung und Verlegung einer Sitzung zu. Die Be 
stimmungen lauten jetzt: „Die Sitzung mutz dann (wenn 
eine entsprechende Zahl Gemeindeverordneter sie bean 
tragt) innerhalb 5 Tagen nach Eingang des Antrages 
stattfinden." Im 8 2 wird zum Ausdruck gebracht, daß 
auch bei Verlegung einer Sitzung die Zustimmung des 
Gcmeiudevorstaudes erforderlich ist. 
Wahl der Ausschüsse. 
Es wird beschlossen, die Ausschüsse in der jetzigen 
Zusammensetzung toeitec bestehen zu lassen mit dem bis 
her üblichen Brauch, daß die Fraktionen die Mitglieder be 
stimmen. Bürgermeister Walger bringt hierzu ein 
Schreiben des G.-V. Endemann (wild) zur Verlesung, 
der daruni bittet, ihn in folgende Ausschüsse zu wählen: 
Beamtenaugelegenheits-, Bau-, Finanz-, KriegshilfS-, 
Gas- und Elektrizitäts-, Feuerlösch-, Wahl-, Wirtschafts-,, 
Kriegsküchen-, Lebensmittel-Bcschafsungs- und Verteilungs 
ausschutz (Zuruf G.-V. Thomsbcrger: Noch mehr? Heiter 
keit.) Bürgermeister Walger hält diese Wünsche für 
sehr reichlich, es dürste wohl kaum ein einzelnes Mitglied 
in so viel Ausschüssen sein. Er empfehle, dieses Schreiben 
dem Wahlausschuß zur weiteren Veranlassung zu über 
weisen. Damit ist man einverstanden. Desgleichen werden 
in den Berussbeirat verschiedene Personen zugewählt, u. a. 
Dr. Mauermann und Gewerberat Wauer. Zum Armen 
pfleger wird Gastwirt Klabe gewählt. 
Auf Antrag deS Schöffen EvcrS wird beschlossen, 
die in der Kriegs Hilfe tätigen Feststeller und Fest- 
stellerinncn im Kriegshilfsausschuß Sitz und Stimme zu 
geben, ähnlich wie es im Armenausschuß der Fall ist und 
aus der Gemeindevertretung nur 4 Mitglieder zu wählen. 
Aus der Gemeindevertretung werden gewählt die G.-V. 
Frau Korsch (Tnat.), Frau Laskus (D. Vp.), Nitz (Dem.) 
und Piniak (Soz.). / 
Bürgermeister Walgcr macht mit Bezug auf eine 
Mitteilung im Friedenauer Lokal-Anzeiger" über das De 
zernat der Vauverwaltung die Mitteilung, daß Herr 
Syndikus Sturm nicht Dezernent für das Bauwesen sei, 
sondern daß er selbst (Walgcr) das Dezernat für Hoch- 
und Tiefbau mit übernommen habe. Herr Syndikus 
Stur m habe lediglich die j u r i st i s ch e Bearbeitung der 
Baupolizei und der mit dem Bau- und Wohnungswesen 
zusammenhängenden Angelegenheiten übernommen. Mit 
den technischen «achen habe er nichts zu tun. 
Zu Beisitzer!» für daÄ Emigungsamt werden gewählt 
die Herren: Becker. Bchn, Earcs, Engler, Fabel, Finke, 
Kunow, Leinert, Mallin, Ritze, Potke, Zittler, Mactner, 
Kweirschnicr, Hase, Mendel, Klemme, Brinkmann, Pufft 
und Frau Schweizer. 
Der Ergänzung eines Gemeindebeschlusses über Be 
willigung von 6000 M. für Herrichtung einer Zen 
tral h ei z u n g s a n l a g c in den Frühbeeten des Güter- 
gotzer Waldfriedhoss wurde zugestimmt. Es hrubelt 
sich nur um einen formalen Beschluß. 
Mit der v i e r t e I'j ä h r l i ch e n Auszahlung der 
Aufwandsentschädigungen an die Gemeindevcr- 
vrdneten und Bürgerdcputiertcn ist die Vertretung einver 
standen. G.-V. Leon Hardt (Dem.) bemerkt nur, daß 
verschiedentlich Fehler bei der Ausrechnung vorgekommen 
wären und er empfehle daher, für jede Sitzung eine Liste 
auszulegen, in die sich die Anwesenden einzutragen hätten. 
Aus Grund dieser Liste solle dann die Festsetzung der Ge 
bühren stattfinden. 
B."schafftiitgsbMilfe. Beschlossen wird, daß die am 
4. März d. I. bewilligte Wirtschaftsbeihilfe in voller Höhe 
auch denjenigen Kricgshilfskräftcn zu zahlen ist, die sich 
am Beschlußrage, dem 4. März 1920, in gekündigter 
Die Briefe äer Prmzmto. 
Von E. PH. Oppenheim. 
28 (Nachdruck verboten.) 
Er war aufgestanden und hatte begonnen, seinen Ueber» 
rock anzuziehen. Auch Hollseiden hatte sich aus seinem 
Schreivsesjel erhoben, aber er unterließ es, dem Besucher 
seine Hilfe anzubieten. Die unverhüllte Drohung in Dom- 
browskis letzten Worten beschäftigte alle seine Gedanken. 
Er zweifelte nicht, daß es diesem Manne Ernst sei mit 
dem, was er sagte, und wenn er auch sein Verhalten 
ihm gegenüber nicht bereuen konnte, zermarterte es doch 
fein Gehirn, um vielleicht noch im letzten Augenblick ein 
Auskunftsmittel zn finden, das jenen anderen Sinnes machen 
konnte. Und plötzlich kam ihm eine Eingebung, der er 
ohne viel Ueki'erlegung folgte. 
„Noch ein Wort, Herr Doktor! Wissen Sie etwas 
Näheres über die Person des Fräuleins von Wehringen?" 
'„Bis jetzt — nein!" 
„So lassen Sie mich Ihnen sagen, wer sie ist. Sie 
ist die Stieftochter des Oberstleutnants Arnstorf, ein Kind 
seiner Frau aus deren erster Ehe." 
Die Eröffnung schien in der Tat ihre Wirkung auf 
Dombrowski nicht zu versagen. Er war sichtlich betroffen, 
und mit einem Anflug von Unglauben wiederholte er: 
„Des Oberstleutnant Arnstorf, unseres Oberstleutnants ? 
Sind Sre dessen wirklich sicher?" 
„Verlassen Sie sich darauf! Und ich kann Ihnen noch 
mehr sagen. Fräulein Margot von Wehringen ist in dem» 
selben Pensionat erzogen worden, in dem sich die Komtefle 
Waldendorff längere Zeit zurBervollständigungihrerSprach- 
kenntnisse aufhielt. Dort hat sich das Freundschaftsver 
hältnis zwischen den beiden Damen angeknüpft, ein Ver 
hältnis, dessen besonderer Charakter schon dadurch bestimmt 
wird, daß die Komtesse um eine Reihe von Jahren älter 
ist als Fräulein Margot. Ich weiß diese Dinge aus dem 
eigenen Munde der Gräfin, und ich kann danach wohl 
annehmen, daß Sie sich über die Beziehungen der beiden 
Damen zueinander, in denen ganz und gar nichts Un 
gewöhnliches und Geheimnisvolles ist, nicht weiter den 
Kopf zerbrechen." 
Eigentlich wußte er kaum, weshalb er dem Polen das 
Stellung befanden oder zu diesem Zeitpunkt noch nicht 
21 Jahre alt waren. Angestellte, die am Stichtage noch 
nicht sechs Monate im Gemcindedienst sich befunden haben, 
ist für jeden Monat ihrer Beschäftigung ein Sechstel der 
Beihilfe zu gewähren. 
Erchöhnslrig d-k Marktftandsgebührcn. 
G.-V. Wolfs (Dem.) bittet, die Gebühren so festzu 
setzen, daß bei den ortsangesessenen Händlern, die also hier 
ihre Steuern zahlen, die Gebühr nur um 30 v. H. erhöht 
werde. Nur bei den auswärtigen Händlern solle die Er 
höhung 100 v. H. betragen. Schöffe Friede! und auch 
Bürgermeister Walger meinen, daß das gesetzlich nicht 
zulässig sein werde. Man müsse bestimmte Sätze in die 
Marktordnung einschreiben. In änderen Orten will man 
die gleiche Erhöhung um IM v. H. vornehmen. Es wird 
deni Antrage des Gemeindevorstandes, die Gebühren all 
gemein um IM v. H. zu erhöhen, gegen die Stimmen der 
Demokraten angenommen. Darnach ist der Antrag der 
Demokraten, den hiesigen Händlern die Gebühr um 30 
v. H. zu ermäßigen, abgelehnt. 
Wistellrrng von Ftuerwchrleutcin. 
Der Gcmeindevorstand beantragt die Ansteftung von 
8 Feuerwehrleuten im Privatdienstverirage. 
G.-V. Buth (Soz.) spricht gegen den Antrag; er 
glaube, daß mit ihm' der Versuch gemacht werde, hier 
eine Berussfeuerwehr zu schaffen und das so kurz 
vor Groß-Berlin. ES sei ja immer erklärt worden, daß 
unsere Freiwillige Feuerwehr sich glänzend bewährt habe 
und Herr Stoltzenburg habe gesagt, daß er sich mit jeder 
Berufsivcchr durchaus messen könne. Beobachtungen und 
amtliche Prüfungen haben das ja auch voll bestätigt. 
Also, warum wolle man jetzt davon abgehen. Man 
solle erst abwarten, wie es mit der Angliederung von 
Groß-Berlin werde. Man könne dann noch immer Aen 
derungen vornehmen. — Bürgermeister Walger meint, 
Herr Buth gehe von falschen Voraussetzungen aus; cS 
bestehe nicht die Absicht, eine Berufsserierwehr zu schaffen 
(G.-B. Buth: Das ist aber der Anfang), 8 Mann (G^-V. 
Buth: Von 18). Tie Wehr besteht aus 50 Mann. (G.-V. 
Buth: Ich habe kaum mehr als 20 Mann bei einem 
Brande gesehen). Das ist ein wahrer Segen, daß nicht 
alle immer erscheinen. Tenn jeder Mann, der zum Alarm 
kommt, kostet der Gemeinde Geld. Zwischen den Straßen- 
arbeitcrn, die Feuerwehrleute sind, und den anderen be 
stehe eine gewisse Rivalität, weil die Feuerwehrleute ein 
paar Groschen mehr bekommen. Das habe zu Unzuträg- 
lichkeitcn geführt. Die jetzige Besetzung der Wache mit 
2 Kraftfahrern sei zu wenig. Herr Nickel z. B. sei egcnt- 
lich 24 Stunden beschäftigt.. Die Leute sollen Handwerker 
sein, um sie in der dienstfreien Zeit auszunutzen. In 
Lichterselde sei das ausgezeichnet organisiert. Die Feuer 
wache sei hier mit Werkstätten umgeben, in denen die 
Leute arbeiten. Wir haben hier eine Tischler- und eine 
Schlosferwerkstatt,, in der sie beschäftigt werden könnten. 
2 Kraftfa.hxcr seien hier zn wenig. Wir müßten noch 
4 haben, dann ivären eS 6. Mit 8 BerüfSfeuerwehr- 
lenten schafft man noch keine Bernfswehr. G.-V. Dett- 
m c r (llnabh.) hält den Argwohn» daß man kurz vor 
Groß-Berlin noch eine Berufswehr schassen wolle, für 
berechtigt. Es sei auffällig, daß man mit den Vorschlä 
gen gerade in diesem Augenblick komme. Die Vorschläge 
werden außerdem gemacht, ohne daß man die Leute 
gefragt hätte; die Feuerwehrleute seien mit der vorge 
schlagenen Regelung garnicht einverstanden, sondern be 
trachten sie als eine Maßregelung. Er beantrage Zurück- 
Verweisung an den Ausschuß. — Bürgermeister Wal- 
ger betont die immer hervorgehobene Schlagfertigkeit 
dec Wehr, das habe er auch im Lehrerverciushaus bei 
einer Zusammenkunft mit Brandmeister Reichel erklärt. 
Ihm sei erklärt worden, daß die Feuerwehrleute mit 
der Regelung einverstanden wären. Wenn das jetzt be 
stritten iverdr, sei er selbst für Zurückverweisung an den 
Ausschuß. — G.-V. Buth (Soz.) äußert nochmals seine 
Bedenken; er glaube doch, daß man eine Bernfswehp 
schaffen wolle. Zu den 8 Mann kommen dann wieder 
8 und schließlich brauch« man auch einen Leiter. Bei 
der Anstellung des Assessors Sturm wurde es s. Zt. 
erzählte, denn Dombrowski hatte ja mit keiner Silbe an 
gedeutet, daß ihm die Beziehungen der Kvnitcffe zu ihrer 
Freundin oder Gesellschafterin geheimnisvoll erschienen. 
Um die schmalen Lippen des Doktors zuckte es denn auch 
flüchtig wie ein sarkastisches Lächeln. 
„Ich danke Ihnen für die Aufklärung. Es ist ja mög 
lich, daß meine weiteren Nachforschungen dadurch erleich 
tert werden." 
„Ihre weiteren Nachforschungen? Sie haben die Ab- 
sicht, Fräulein von Wehringen zu behelligen, auch jetzt noch 
nicht aufgegeben, jetzt, nachdem ich Ihnen gesagt habe, 
wer sie ist?" 
„Es war mir überaus interessant, und. wie ich gern 
zugebe, auch einigermaßen überraschend, von ihren ver- 
wandtschaftlichen Beziehungen zu unserm verehrten Oberst 
leutnant zu hören. Aber ich kann nicht einsehen, inwie-- 
fern an meiner Auffassung der Sachlage dadurch irgend 
etwas geändert werden sollte. Davon, daß der Oberst 
leutnant selbst nichts mit der Sache zu schaffen hat, bin 
ich fest überzeugt. Und ich gedenke ihn darum auch mit 
allen unnützen Fragen zu verschonen. Es gibt für mich, 
wie ich hoffe, wohl auch andere Wege, um zur Erkenntnis 
der Wahrheit zu gelangen." 
„So tun Sie meinetwegen, was Ihnen beliebt," sagte 
Hollselden, unfähig, sich länger zu beherrschen. „Aber ver 
gessen Sie gefälligst nicht, daß die junge Dame, von der 
wir sprechen, in mir einen Beschützer hat, der niemandem 
gestatten wird, ihr zu nahe zu treten. In gewissen Dingen, 
Herr Doktor Dombrowski, verstehe ich keinen Spaß." 
„Halten Sie es wirklich für möglich, mich durch 
Drohungen einzuschüchtern?" fragte Dombrowski, schon 
halb zum Gehen gewendet, lächelnd. „Natürlich werden 
wir von diesem Abend an in einem gewissen Sinne Wider- 
acher sein. Und ich gebe mich nicht der geringsten Tau chung 
mrüber hin, daß ich taktisch keine größere Ungeschick ichkeit 
,atte begehen können als die, Ihnen so offen meine Karten 
zu zeigen. Aber ich bin ja kein Polizist, und das wissen 
schaftliche Interesse steht mir höher als das kriminalistische. 
Ich hindere Sie also ebensowenig, die, junge Dame aus 
drücklich vor mir zu warnen, als ich Sie hindern würde, 
die Reise um die Welt anzutreten^ zu der ich.Zhnen vorhin 
in der besten Absicht geraten habe. 
„Sie dürfen unbesorgt sein," erwiderte Hollselden ver- 
anch so hingestellt, ,«3 wenn das nicht so schlimm wäre: 
nun habe ma,n noch einen weiteren Assessor angestellt. 
Es ziehe das immer weitere Kreise. G.-B. Dettmer 
(Unabh.) bemerkt, daß die Feuerwehrleute einen Brief 
eingeschickt hätten, in welchem sie Widerspruch erhoben 
haben, gegen die 'Anstellung der Feuerwehrleute. Auf 
diesen Brief haben sie bis heute noch keine Antwort er 
halten (Unruhe). Falls die Vorlage angenommen wer 
den sollte, so schrieben die freiwilligen Mitglieder, ver 
zichten sie überhaupt'auf den Wachdienst. Bürgermeister 
W a l g e r .erwidert, daß der Brief eingegangen sei, in 
ihm haben die Feuerwehrleute mit Streik gedroht (Un- 
rulle. Oho!) Nach diesem Briefe habe sich Obcrbrand- 
meister Stoltzenburg mit den Leuten in Verbindung ge 
setzt und habe mit ihnen ein Einvernehmen erzielt. Da,rnm> 
sei das Schreiben auch nicht beantwortet worden, das 
man damit als erledigt ansah. (Stimme aus dem Zn- 
hörererraum: Alles falsch!) Bürgermeister Walgcr er 
sucht die Zuhörer, Aeußerungen zn unterlassen, er lasse 
sonst räumen. Wenn Feuerwehrleute unter den Zuschauern 
wären, mögen sie zu ihm kommen und es ihm sagen. 
(Heiterkeit links). G.-V. ThomSberger (Dem.) hält es 
für nötig, die Vorlage auch dem Finanzausschuß zu 
überweisen. G.-V. Paul Richter: Sehr richtig!) damit nicht 
noch 73 000 M. kurz vor Toresschluß ausgegeben werden. 
Denn wenn man erst einmal A gesagt habe, müsse man 
auch B sagen. Nachdem man wisse, daß die Gemeinde 
mit Defizit arbeite, habe man die' Pflicht, alle solche 
Fragen im Finanzausschuß eingehend zu prüfen. — ES 
wird die Z n r ü ck v erwe i sun g der Vorlage an den 
Feuerlösch- und den Finanzausschuß beschlossen. 
Gewährung von Darlehen. 
Die Erwerbslosenunterstützung wird eingestellt mit 
dem Tage der Arbeitsaufnahme: In vielen Fällen er 
halten dann die betreffenden Personen erst nach Ablauf 
eines längeren Zeitabschnittes Lohn oder Gehalt; ins 
besondere in fcstbesoldeten Stellen als Kaufleute, Pro 
visionsreisende, Bankangestellte und dcrgl. Nicht immer 
ist cs möglich, von einem verständigen Chef einen Vor 
schuß auf das künftige Gchalt^schou beim 'Dienstantritt 
zu erhalten, um den notwendigsten Lebensunterhalt zu 
bestreiten. In Fällen, wo eine längere Erwerbslosig 
keit vorangegangen ist und dicrch diese alle Mittel und 
Hilfsquellen erschöpft sind, stehen solche Personen vor 
der bittersten Not und diese gestattet cs ihnen meistens 
nicht, die Stellung zu halten; sie werden wieder erwerbs-- 
los und fallen erneut der Fürsorge zur Last. Die Ge 
meinde will nun -hier eingreifen und Darlehen gewähren, 
die sich in der Höhe der bisher gezahlten Erwerbs- 
losenuttterstützung halten und in Teilbeträgen zurückge 
zahlt werden sollen. In allen Fällen soll Sicherheits 
leistung verlangt werden. Die Betchllignng soll der Er- 
werbslosenfürsorgeauSschuß beschließen. Für diese Tar- 
lehengcwährung werden 1000 M. angefordert. — G.-V. 
Leon Hardt (Dem.) bittet, die Bedingungen dahin zn 
ändern, daß nicht in „allen Fällen", sondern „möglichst" 
in allen Fällen Sicherheit verlangt werde. Es sei für 
viele schwer, diese Sicherheit zn stellen. Er bittet dann 
ferner, um den wüsten Gerüchten über die Erwerbs^ 
loseufürsorge entgegenzutreten, durch einen längeren Ar 
tikel die Bevölkerung über die ErwcrbSlosenfürsorge zn 
unterrichten. Bürgermeister Walgcr will der Anregung 
folgen. Bezgl. der Summetz wurde hervorgehoben, daß 
die Darlehen ja gleich wieder einkommen. Hohe Beträge 
seien daher nicht nötig. Mit dem Zusatzantrage Leon- 
harot, oaß „möglichst" Sicherheit zu leisten sei, wer 
den hie 1000 M. zur Gewährung von Darlehen bewilligt. 
Fortsetzung der stenographischen Aufnahmen. 
Bürgermeister W a l g e r berichtet, daß die steno- 
graphiscl>cn Ausnahmen in dem Jahr 6919 Mark ge 
kostet haben. Inzwischen seien die Preise noch höher ge 
worden. Man müsse mindestens mit einem Betrage vor» 
120M M. im Jahre rechnen. Wenn auch die Mehrheit 
im Ausschuß der Ansicht war, daß die Stenogramme 
praktisch und nützlich wären, so erschien doch allen die 
Summe dafür allzu hoch. Man habe sich nun dahin ge 
einigt, mit Rücksicht ans die wichtigen Verhandlungen zum 
ächtlich. „Es bedarf keiner Warnung, unv ich vcnre nicht 
entfernt an eine Flucht. Fräulein von Wshringen und 
ich, wir werden beide jederzeit bereit sein, die Verant 
wortung für unsere Handlungen zu tragen." 
„Dombrowski verneigte sich leicht und ging zur Tür. 
„Ich habe niemals an Ihrem persönlichen Mute ge 
zweifelt, Herr Hollselden I Gute Nacht denn, und verzeihen 
vie, daß ich Sie um einen Teil Ihres Schlummers ge 
bracht habe. Bitte, bemühen Sie sich nicht! Ich finde 
ven Weg schon allein, und ich werde mir das Haustor 
von dem Pförtner öffnen lassen, falls es bereits geschloffen 
sein sollte." 
Die Tür siel hinter ihm ins Schloß, und regungslos 
rauschte Heinz Hollselden auf seinen sich rasch entfernenden 
reichten Schritt. 
12. Kapitel. 
Heinz Hollselden war ein Frühaufsteher, zum Leid- 
vesen der Frau Vabette Friesicke, der es oblag, in den 
Morgenstunden die Wohnung in Ordnung zu bringen und 
ver er bei ihren Reinigungsarbeiten beständig im Wege 
war. Sie hatte ihm schon wiederholt erklärt, daß ihrer 
unmaßgeblichen Meinung nach ein ordentlicher Christen 
mensch am Bormittag ins Bureau gehöre, und sie ver 
mochte es nicht zu begreifen, daß er kein Bureau hatte. 
„Ja, entschuldigen Se man, Herr Hollselden, aber 
vat machen Se denn eijentlich?" 
„Ich schreibe Romane, Frau Friesicke." 
„Je I Mens mit der Hand?" 
„Freilich!" hatte er lachend erwidert und ihr "die 
stattliche Anzahl Bücher gezeigt, die seiner Feder ent 
stammten. Kritisch hatte sie den Kopf geschüttelt. 
„Det jeden Se man uff, Herr Hollselden I Se haben's 
doch nich nötig. Und wat meine Tante selig is, bei der 
hat ooch fo'n junger Mann jewohnt, der nischt wie jc- 
schrieben hat, na, und zuletzt hat er die Ialoppierende 
gekricht und is jeschtorben." 
Als aber Heinz ihr erklärt hatte, daß er es doch 
.nötig hätte" und ausschließlich von dem reichen Ertrag 
seines Schaffens lebte, hatte sie die Augen weit aufgeriffen 
und war kopfschüttelnd hinausgegangen. Es mußte also 
doch wohl ein gewiffer Unterschied sein zwischen Herrn 
Hollselden und dein armen, jchwindjüchtiüen Schreiber.
        
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