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Periodical volume Nr. 79, 11.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

As Neform-NcalghmnasiumS (Houluthstr.) statt. Mitwir 
kende sind Hermann Bo c t t cher von> staatl.' Schau 
spielhaus und Konzertsängerin Annie v. Ledebur (So 
pran). Die Vortragsfolge verzeichnet Orgelvortrag, Lieder 
zur Laute, Dichtungen, Lieder mit Klavierbegleitung.. 
Einlaßkarten von 1,10—4,60 M. sind in der Musikalien 
handlung von Schwartz, Rheinstr. 60, zu haben. 
o Ködert. Nach langer Pause, b'cdingt durch den 
Krieg, tritt der Fried enauer Gesangverein für- 
gemischten Chor wieder vor die Oeffentlichkeit, um 
von -seinem künstlerischen Streben auf dem Gebiete d.es 
Kunst- und Volksliedes Zeugnis abzulegen. Die Leitung 
des Vereins, der z. Zt. 1100 singende Mitglieder umfaßt, 
liegt jetzt in den bewährten Handelndes Lhceal-Gesang» 
lehrcrs Walter Schmidt. Das'Konzert findet am 
Donnerstag, den 20. April, abends 8 Uhr pünktlich in 
der -Aula des Königin-Luise-Lyzeums statt. Der Chor 
bietet in seinem Programm Werke der besten deutschen 
Meister, wie Mozart, Schubert, Schumann, Mendelssohn, 
Löwe lind Volkslieder, bearbeitet von Friedrich E. Koch- 
Friedenau, Georg Schumann und Siegfried Öchs-Berlin. 
Auch namhafte Solisten sind in Aussicht genommen. Cin- 
öaßkarten zum Preise von 3 M. sind zu 'haben 'bei 
Schwartz, Rheinstr. 60, Ebers, Rheinstr. 15, und Kossa- 
towsky Nächst, Schmargcndorferstr. 35. 
o Pfostcnscha» für Schäferhunde. Ter Schäferhund- 
Verein .München, Ortsgruppe Wannseebahn, hält pm 1'4, 4. 
1020 ,von 0 bis 6 Uhr im Restaurant Schloßpark in 
Stcglrtz, Schloßstr., eine Pfostenschau ab. Die Ortsgruppe 
hat sich zur Aufgabe gemacht, deutsche Schäferhunde als 
Wach- und Schutzhundc für Geschäfte und Wohnungen zu 
züchten und abzurichten. Hierzu stehen Fachmänner, die 
die Ausbildung überwachen, zur Verfügung. 
o Als gesunden ist dem Fundbüro im Nathause 
gemeldet ein Kinderhut, 2 Damenhüte. 
Vereins-Dacbricbten 
■)( Ein Bund entschiedener Schulresorrncr unter den Leh 
rern-nnd Lehrerinnen an deutschen.Volks- und Mittel 
schulen soll in engster Fühlungnahme zum Bund entschiede 
ner Schulreformer an den höheren Schulen gegründet werden. 
Es liegen bereits sehr zahlreiche Anmeldungen vor. Alle Lehrer 
und Lehrerinnen an Volks- und Mittelschulen, die sich zur 
„Idee des freien Bolksstaatcs und zum Geiste sozialer Ge» 
lucinschast" bekennen und das deutsche Schulwesen iin Sinne 
des Einhcitsschnlgcdankeus umgestalten wollen, werden gebeten, 
sofort ihre Adresse an Herrn Rektor S e i n i g, Charlotten- 
bürg, Schloßstr. 22, einzusenden. 
)( Kranenabend des Sozialdemokratischen Wahlvereins (S. 
B.D.). Montag, den 12. April '/.8Uhr in der Luisenschule Klasse I o. 
Genosse Rudbeck spricht über „die Ursachen unserer Wirtschäfts- und 
Finanznot." 
■)( Deutsche Volkspartci. Ter Ncichssrancnausschuß ver 
anstaltet am 15. und 16. April eine Reichsfrauentagung in 
Berlin. Donnerstag, den 15. April, abends 8 Uhr, im Hotel 
Prinz Albrecht, Prinz Albrechtstraße 9: Bcgrüßungsabcnd. Frei 
tag, den 16. April, Sitzung im Meistersaal, Köthener Str. 38. 
Tagesordnung: Vormittags 10—1 Uhr: 1. Die politische Lage. 
Fr. Mcnde, M. d. R. 2. Agitations- und Organisationsfragcn. 
Fr. Garnich, M. d. R. 3. Aussprache. Nachmittags 3—6 Uhr: 
1. Haussraucnorganisation. Fr. Mühsam. 2. Die Frau in der 
Gemeinde. Fr, Drechsler, Hannover. 3. Aussprache. In An 
betracht der großen Wichtigkeit der Fraucntagiing bitten wir 
um recht zahlreiches Erscheinen sowohl von offiziellen Ver 
treterinnen der einzelnen Wahlkreise und von Partcibeamtinncn 
als auch der Parteimitglieder im Lande und aus Groß-Berlin, 
Als Ausweis dient Mitgliedskarte. 
- )f Deutsch-nationaler Jugrndbund, Friedenau. Der für den 
25. März vorgesehene 2. Untcrhaltungsabcnd des D. N. I. findet 
nunmehr endgültig am Mittwoch, den 21. April, in der Aula 
des Reform-Realgymnasiums, Homuthstr., um st-8 Uhr statt. Die 
bereits gelösten Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Der 
Abeilh verspricht ein 'reichhaltiges Programm. Klassische Musik, 
Solotänze, Lieder zur Laute, Rezitationen und andere Dar 
bietungen werden den Besuchern auch diesmal wieder einige 
genußreiche Stunden bereiten. Im Mittelpunkt des Abends steht 
das Drama „Josef Heydcrich" von Theodor Körner. Karten 
zu 2.20, 1.65 und 1.10 Mk. sind der 'großen Nachfrage wegen 
schon jetzt zu haben bei Kossakowsky, Schmargcndorser Str., 
und für Mitglieder auch bei Heubaum, Wiesbadener Str. 86, 
von V a 7 bis 7 Uhr abends. > 
)( Wilhelm Schmidt'scher gemischter Chor. Uebungsstunde: 
Montags l /j8—Vs^O Uhr im Restaurant „Hohenzollern", Hand- 
jcrystr. 64. Stimmbcgabte Damen und Herren sind willkommen. 
)( MLnncr-Turn-Vercin Friedenau. Es turnen: Montag 
und Donnerstag 6i/ 2 —8 Uhr: Knabeuabteilung (6—14Jahre) 
Ghmnasialturnhalle; 8—10 Uhr: Jünglingsabteilung (14—18 
Jahre), 1, Männcr-Abteilung und Sportabteilung Gymnasial 
turnhalle, — Dienstag 8>/r—10 Uhr: 2. Männer-(Alters)- 
Abteilung Gymnasialturnhalle. — Dienstag und Freitag 
6—7: 1. Mädchenabteilung (6—9 Jahre) Turnhalle Goßlcr- 
stratze 15; 6—8 Uhr: 3. Männer-Abteilung Turnhalle Homuth- 
straßc; 7—8 Uhr: 2. Mädchenabteilung (10—13 Jahre) und 
Frauenabteilung Turnhalle Goßlerstraße; 8— 9»/* Uhr: Damen- 
und Jugendabteilung (13—16 Jahre) Turnhalle Goßlerstr. 
turnen, Spiel, Sport 
s Frühjahrs fest im Stadiän. Die Einleitung deS 
großen diesjährigen Stadion-Frühjahrsfestes bildet das 
am 1.1. April um 3Vs Uhr beginnende Sportfest des 
Deutschen Reichsausschusses. Einleitende Wettkämpfe sind 
die Radrennen, später ein Fußballspiel der beiden Mann 
schaften Nord—West. Dazwischen ist der Start zuin^Friih- 
jahrswaldlauf des Verbandes Brandenb. Athletik-Vereine, 
der in diesem Jahre zum 16. Male veranstaltet wird. An 
diesem nehmen ca. 2000 Läufer teil. Zum erstenmal 
werden auch die Damenabteilungen Mitwirken. Während 
die Rennmannschaften aller Vereine um die Siegespalme 
ringen, werden die Schaumannschaftcn die gesamte Strecke 
bis zum Stadionsee absolvieren und zum Ausgang im 
Stadion zurückkehren. Diese ganze Veranstaltung mit den 
großen Läuferscharen, mit den Radfahrern und Fuß- 
ballspielern, wird einen wundervollen sportlichen Anblick 
bieten. Eintrittspreise 5 und 2 Mark. 
Scköneberg 
—o SWuätg der Stadtverordneten am Montag, dem 
12. Llpril 1920, nachmittags 6 Uhr. Tagesordnung: 
1. Bericht des .Petitionsausschusses tiber die Petitionen 
Nr. 75/19 des Zeichenlehrers John um Gewährung xiner 
Entschuldungs- und Teuerungszulage. Nr. 84/10 des 'Ar- 
beiter-Radsahrer-Bundes „Solidarität" uin Ueberlassnng 
einer Turnhalle bezw. Gewährung eines Zuschusses zur 
Deckung der Reparaturkosteu für Saalräder. Nr. 1/20 
des Beamtenausschusses um Befassung mit seiner nur teil 
weise erledigten Petition betr. Besetzung der Girokassen- 
rcndantenstelle mit ^inenr hiesigen Beamten und Prolest 
, gegen Ausführungen des Bürgermeisters über den Be- 
awenausschuß und die Bcanitenschaft. Nr. 5/20 des 
Schönebergcr Tor- und, Fußballklubs „Sportlust 1904" 
um Gewährung einer Beihilfe. Nr. 8/20 der Oberlehrer in 
Frau Grciner äun Anrechnung von Dienstzeit. Nr. 9/20 
des Vereins der Lehrerinnen an den höheren Mädchen 
schulen um Erhöhung der Teuerungszulagen für die Privat 
schullehrerinnen'/ 2. Beschlußfassung über die Vorlage des 
Magistrats betr^ Abschluß einer Versicherung gegen Berufs- 
unsall zugunsten der Assistenzärzte des -Krankenhauses bei 
der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-Akt.-Gcs. 
3. Desgl. betr. Erhöhung der Sätze für Benutzung der 
Pcndeläpparate und Badeeinrichtungen des Krankenhauses. 
4. Desgl. betr.'Erhöhung der Pflegegeldsätze für die in 
Privatpflegc untergebrachten Kostpflegekinder. 5. Desgl. 
betr. Offenlegung der Personalakten. 6. Desgl. betr. Be 
willigung von 7300 M. zur Beschaffung von Schränken 
für den Ärbeiter-Unterkunstsraum im Stadtpark. 7. Kennt 
nisnahme von dem Bescheid des Brandenburgischen Pro- 
vinzial-Landtages ans den Einspruch der Stadtv. Bau-, 
manu und Gen. gegen die Wahl der Abgeordneten zum 
Brandenburgischen Provinzial-Landtag. 8. Desgl. von der 
Vorlage des.Magistrats betr. die Versicherung der städl. 
Gebäude nebst Inventarien gegen Feuerschäden. 9. Be 
schlußfassung über die Vorlage des Magistrats betr. Er 
höhung der Kur- und Verpfleguugskostcn des Kranken 
hauses vom 1. Mai d. I. ab. 10. Desgl. über den Antrag 
der Stadtv. Frau Vöhm und Gen. betr. Erhebung von 
Vorstellungen seitens deS Magistrats bei der Regierung 
.über die im Ruhrgebiet zusammengezogenen Truppen usw. 
11. Desgl. über die Vorlage des Vkagistrats betr. Annahme 
einer Gebührenordnung für Arbeits- und Hilfeleistungen 
und für Stellung von Sicherhcitswachrn durch die städl. 
Feuerwehr. 12. Desgl. betr. Bewilligung von 29 244,50 
Mark für die durch den Umbau eines Automobil-Krankcu- 
kraftwagcns entstandenen Kosten. 13. Desgl. betr. Ab 
schluß eines-»Vertrages über den Austausch von Gelände 
in Steruberg. 14. Desgl. betr. Neuregelung der GehaltS- 
festfetzung und der Pfltchtstuudenzahl für die weiblichen 
Lehrkräfte für die Zeit vom 1. April bis 30. September 
d. Js. 15. Desgl. betr. den Austausch von Lastkraftwagen. 
16. Desgl. über den Antrag der Stadtv. Fritzsch und Gen. 
betr. Zahlung des Lohnes für die Zeit des Generalstreiks 
vom 13. bis 20. März 1920. 17. Desgl. über die Vorlage 
des Magistrats betr. Erstattung von einem Teil des in 
folge - des Generalstreiks eingerrctenen Lohnausfallcs an 
diejenigen Arbeiter, die zur Zeit der nationalen Arbeits- 
rnhe mit Arbeiten für städtische Unternehmungen be 
schäftigt wurden. 18. Desgl. betr. Abänderung der Vor 
schriften über die Gewährung von Reisekostenenischädi- 
gungcu bei Dienstreisen usw. 19. Desgl. betr. Einführung 
einer neuen Hundcsteucrordnung. 20. Desgl. betr. Be 
willigung von 2 700 000 M. für die Herstellung des Spiel 
platzes am Priesterweg. 21. Desgl. betr. Bewilligung von 
25 500 M. für Ncgulicruugsarbciten auf dem Spielplatz 
in der Rubcusstraßc. 22.—40. Desgl. betr. Nachbewilli- 
gnngen. 41. Bericht des Haushaltungsausschusses über 
den die Festsetzung des Schulgeldes für Ausländer, Er 
höhung der Aufnahmegebühr und Behandlung von Frei- 
schulanträgcn betreffenden Teil der Vorlage des Magistrats 
über die Erhöhung des Schulgeldes für die städtischen höh. 
Lehranstalten, 42. Kenntnisnahme von der Vorlage des 
Magistrats betr. Abstandnahme von der Ausschreibung 
der Stelle der 2. Laborantin am bakteriologischen Nnter- 
suchungsamt des Krankenhauses. 
—bh 2,7 Millionen für dr.fit Spielplatz auf dem 
Südgclääde. Der von der Stadt S chön eb er g .schon 
vor dem Kriege m Aussicht genonnnene große Spielplatz 
am Priesterweg auf dem städtischen Südgelände soll jetzt 
ausgeführt werden. Infolge der Teuerung betragen die 
Mittel hierfür 2,7 Millionen M. 
—bh SchMeöcrg und das — Ruhrgribiet. Zu welch 
absonderlichen Verirrungen nnd Seitenjprüngcn die Be 
tonung reiner Parteipolitik in der Gemeindeverwaltung 
führen kann, beweist folgender Antrag, den die Unab 
hängige Fraktion der Schönebcrger Stadtverordnetenver 
sammlung zur nächsten Sitzung eingebracht hat nnd der 
auf Tinge hinweist, mit denen die Gemeinde Schöneberg 
doch ivirklich nicht das mindeste zu tun hat: „Die Stadt 
verordnetenversammlung wolle beschließen: Bei der außer 
ordentlich gefahrdrohenden Lage in Rheinland-Westfalen, 
insonderheit im Ruhrgebiet, wird der Magistrat ersucht, 
unverzüglich hei der Regierung dahin vorstellig zu werden, 
daß die in großer Stärke zusammengezogenen Truppen 
— die entgegen den Bielefelder Vereinbarungen bereits 
über die festgesetzte neutrale Linie vorgerückt sind — zu 
rückgeführt werden und mit den Arbejtcrgcmeinschasten 
in entgegenkommender Weise jeder Verhandlungsweg bc- 
schritten wird, ha andernfalls unschätzbarer Verlust an 
Menschenleben und für unser Wirtschaftsleben sicheves 
Verderben unabwendbar ist." 
—o Für die Vorarbeiten zu den Reichstags wählen for 
dert der Schönebcrger Magistrat einen Betrag von 100 000 
Mark von der Stadtverordnetenversammlung an. 
o— Lohirbeihilfcn für die shrdtischM Arbeiter. Die 
demokratischen Stadtverordneten ersuchen, die Lohnbei 
hilfen für die städtischen Arbeiter vorbehaltlich späte 
rer Berechnung um folgende Sätze einmalig im Monat 
April zu erhöhen und sofort zur Auszahlung zu bringen: 
für Jugendliche 90 M., für Ledige 125 M., für Ver 
heiratete 125 M., für Kinder 30 M. 
Berlin and Vororte 
Zo Steglitz. Eine Begrüßungsfeier für die heimgc- 
kehrtcn 'Steglitzer Kriegsgefangenen findet am Dienstag, 
den 13. April, in den Gesamträumen des Schloßpark 
statt. Eine große Zahl künstlerischer Darbietungen wird, 
die Heimgekehrten erfreuen. Tie .Ansprache hält .Schöffe 
Jürgens. 
Abtzolrungen ant) StratzeabSume. 
Von I. Siesmaher, Direktor und Architekt für 
Gartenbau. 
Tie Erregung, ivelche durch die Abholzung !>er 
Straßenbäume entstanden ist, ist eine ganz natürliche, 
bedingt durch das allseitige Interesse zu Nutz und From 
men unserer Stadt.' Ueberdies ist bei Abholzungen in 
öffentlichen Straßen und Parks der Entrüstungssturm- 
stets der gleiche, hie Allgemeinheit die fachlichen Er 
wägungen und Gründe sowie die Schwierigkeit bei der 
Straßenbepflanzung zu wenig kennt, iveShalb im engsten 
Mahnten diese^Ausführungen zur Aufklärung bienen mögen. 
Für die Niederlcgung der Bäume waren die Verösfeut- 
lichungen in Nr. 45 und 47 als bekannt vorausgesetzt. 
vornehmlich die unrichtige Sortenwahl und die . den Bäu-^ 
men anhaftenden schlechten Eigenschaften maßgebend. 
Wenn früher von weniger knochiger Seite zu einer Zeit 
-Baumgattungen gewählt und^r eng gepflanzt wurden, 
als Friedenau noch ein kleiner. Vorort war, anders heute 
mitten im Kranze westlicher Großstädte als empvrblühende 
Gemeinde, so fehlte eben die'langjährige Beobachtung, wick 
die reiche Erfahrung und Kenntnisse neuzeitlicher ^>traßcn- 
baumbepflanzcn. Der- Rüster wird von Blattläusen sehr 
heimgesucht, die einen nicht unbedeutenden Laubabfall be 
wirken, auch wird der Samenabfall durch seine großen 
Meügen zur Plage der Anwohner und Passanten. Beiden 
Mängeln läßt sich jedoch vorbeugen» wenn die Bäume 
öfter in richtigem Schnitt gehalten werden und gut in 
Ernährung stehen. Dir Kastanie, gerMne 'Roßkastanie, 
die hier so viel angepflanzt ist, gehört uicht mehr ins 
Innere der Städte. Ihr frühzeitiger Knospenschnppen- 
abfall, dann der Blüten, Blütcnstiele, kleinen Früchte und 
zuletzt der reifen Frucht, die die Jugend zum Gaudium 
anlockt, der meist zum Unfug ausartet, sind , von Uebel, 
außerdem ihr frühzeitiger Laubabsall. Unter einer Ka 
stanie findet man fast fortgesetzt Schmutz. Die häufige 
Reinigung der Straßen stellt aber sehr hohe Ansprüche 
an den Gemeindegeldbentel und dieser Umstand ist ernst 
licher Berücksichtigung wert. Gefüllt blühende Kastanien 
werden noch gepflanzt, da sie tvcuige Früchte bringen. 
Obstlbäumc in das Stadtinnere zu pflanzen, selbst 
wenn sie hier und da bei guter Pflege gedeihen 'sollten, 
ist ein Phantom, schon aus vorangeführten Gründen. 
Wie viel Obst sollte wohl die Gemeinde erhalten .«hS* 
wie sollten die Bäume aussehen bei den andauernder 
Diebstählen, die erfolgen würden; man müßte ans jeden 
Obstbaum einen Schutzmann als Wächter setzeir. In der 
Siedlung an der Stadtweichbildgrcnzc ist das etwas an 
deres, hier gedeiht der Obstbaum ilnd ist mit Lebensbe 
dürfnis. Die Wallnuß, Jnglans regia, zu pflanzen, wäre 
den Fehler wiederholen, sie gedeiht nur in freier Lage, 
wo Oedland und Wald ist, und verträgt Nachöaren 
schlecht. 
Die Zahl erstklassiger Jn n'c^r st a d t b n u m e für 
mittlere und schmale ^Straßen ist eng begrenzt, für freia 
Lagen und breite Straßen mit Kiesbankett, wo sich die 
Lebensbedingilngen ändern, wächst die Sortenzahl. Für 
jeden Platz sind iixuc Studien zu inachen und die Bäume 
zu wählen, die in der betreffenden Stadt am besten ge 
deihen. Der springende Punkt aber ist die Widerstands 
fähigkeit der Bäume trotz geschlossener Bauweise und Ze- 
menttrotöir. Staub, Ruß und Rauch, welch letzterer die 
schwefeliche Säure mit sich führt, sind die größten Feinde 
des Pflanzenwuchses, durch sie werden die Bäume. weniger 
widerstandsfähig und sind im Kainpfe gegen Schädlinge, 
Ungeziefer und Pilze (Läufe, Spinnen, Raupen, Blatl- 
und Holzkrankhciten) von vornherein geschwächt und diesen 
nicht gewachsen. Die Platane gehört in jeder Be 
ziehung für breite Straßen mit Kiesbankett obenan, na 
türlich muß man sie pfleglich unterhalten,.wie alle Straßcn- 
bäumc. Sie verträgt Oianch, Ruß, Staub, läßt sich leicht 
schneiden in beliebige Form, kein anderer Stadtbaunü 
hat so gute Eigeilschafteu. Sic hat aber auch ihre Nach 
teile, sie wird spät grün. entwickelt an der Unterseite der 
Blüten einen weißest Filz, der Augen und Luftröhre an 
greifen^ soll. Hicwohl fast zwei DrittqhiMllcr Allecbäume 
in Paris mir.Platanen bepflanzt sinch hat man nicht 
bemerkt, daß die Einivohiicr daran krank sind. Frei Von 
jedem Fehler ist allerdings kein Alleebaum. In weitercur 
Abstand folgt die europäische Silberlinde,"Tilia tomentosa, 
weniger alba die amerikanische mit hängendem Wuchs, 
die zu Verwechselungen führt. Auch Tilia intermedia 
(vulg.), die Zwischenlinde, .verdient genannt zu werden 
'(w-äre „Unter den Linden" in Berlin vorteilhaft zu 
verwenden), im Gegensatz zur Sommerlinde platyphyllos, 
die mit Vorsicht zu pflanzen .ist. Illmus compestriS, der 
Rüster, lute Montana und americana sind in Ausfallstraßen 
mit Kiesbankctt trotzdem gut zu verwenden, die beiden letz 
teren haben aber die vorerwähnten Mängel. Acer plata- 
noides, der Spitzahorn und seine Abarten Schwedleri und 
Reichenbachi gehören auch hierher, ebenso der Bergahorn, 
und eine Pariatät davon, atropurpurca, mit linkerseits 
dunkelroten Blättern. Der Eschenahorn, Acer negund» 
californicum, ist sehr anspruchslos und gut wachsend, 
jedoch schwer im-Schnitt zu halten. Aesculus rubjcuuda 
(carnea), die rotblühciidc Kastanie, ist schc-n, hat aber 
die schlechten Eigenschaften der Roßkastanie. Die Weiße'sch« 
Fraximis americana ist raschwachscnd und großblättrig,' 
für Mittelboden geeignet, während excelsior, die gemeine 
Esche, in feuchtcnl und sterilen Boden gedeiht. Päppeln sind 
keine zu pflanzen, dagegen Buchen uicd Eicheß in freier 
Lage, die im Grunewald vorzüglich gedeihen? Tic rote 
Eiche, Querus rubra, ist schön {in Park, aus/der Straße 
aber sehr ungleich im Wuchs. . - / I < 
Für mittlere Straßen sei die Kugesgl^zie, Robinicr 
Psd., Ac. Bessoniana und inonophylla,^'^ einblättrige 
mir schlankem Wuchs und lockerer Kroitt. Kcuannt. Sie 
sollte mehr Verwendung finden, da..sie^lMen Schatten 
abgibt und Straßen und Häuier nicht'vsdunkelt. Auch 
Nobinia Psd. Acacia angustifolia, schinalbmttrig, mit zier 
licher Belaubung für schmale Straß«!,.^stei empfehlens 
wert, wie die Akazien ihrer AuspruchLlosigkeii wegen 
Beachtung verdienen. Vor allem ist auch hier der Weiß 
dorn, Crataegus, in den verschiedenstini Formen und Far 
ben am Platze, von denen „Pauls neuer Scharlach" der 
dunkelroteste und schönste aller gefielt blühenden ist. 
Ferner der Kugelahorn, Acer plataiwides globosum, der 
regelmäßig dichte Baumkronen bildch und fast keines 
Schneidens bedarf. Bei Sandboden und hcchcm Grund- 
wafserstand koinmt der eine oder -ndcre Straßenbaunt 
noch hinzu, doch bei großer Gewisenhaftigkeit sind es 
nur wenige und leider werden in d"eser Hinsicht heute pst 
noch Fehler begangen, die sich in päteren Jahren bitter 
rächen. - 
Der Beschluß zur Niederlcguig der Bäume, der nach 
eingehender, reiflicher Prüfung cler in Frage kommen 
den Gründe von der Gemeindevctretung und dem Fach 
ausschuß gefaßt worden ist, gesrah in richtiger Erkennt 
nis der tatsächlichen Verhältnisse ob die Fällungen heute 
oder spater vorzunehmen warsi, erscheint dabei neben 
sächlich. So schtoeren Herzens man sich dazu entschied, 
so sicher werden die Vorteile pätestens im 3. Jahre zu 
Tage treten. Wenn ein Bekpiel gegeben werden soll, 
sei an die großen Auslichtutzen im Tiergarten in den 
90 er Jahren, die ser verstorkne Tiergartendirektor Geit» 
ner trotz- einer Flut von 5nseindungew und Protesten 
glücklicherweise durchsetzte,. einnert. Der schlagende Er- 
folg wär ein wahres Aufblüen Und Gedeihen des ganzen 
Baum- und Pflanzcnbestandk wie der Siafeiifläcken, außer^ 
dem wurde durch die gleickeitige Beseitigung vieler Ge-
        
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