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Periodical volume Nr. 78, 09.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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«hri»strstz« 18. — Fernstnrchrrr ««t $f«4faafl SlW. 
Nr. 78 
Berlin-Wedenau, Freitag, den 8 April 1928 
Fahrg. 27 
ZiilMng cler GemeincleveNretung 
vom Donnerstag, den 8. April 1920. 
Ns KartsffLldLrsörgARg. 
Kein Wsfssulager im Rattans. — Gegen die Tichrr» 
I;?it von 10Ct> M. der Fernsprechteilnehmer. — Er- 
l)Lhnng der MqrktstandsgcLnyren. — Tie Anstellung der l 
Fcnertrchrlkrrte vertagt. — Tarlchn an Erwerbslose. — 
Lohnzuschüsse tnü die Arbeiter. — Uebernahme der Be 
erdigung: tosten für die Opfer der Kappwoche auf die Ge 
meinde. — Eine schwarz-rot-goldene Fahne für den Rat- 
hauSturnr. — Wertergcwährmrg freier Lenrmittel. 
Schöffe Friedet stellte in der gestrigen Sitzung 
der Gemeindevertretung eine reichlichere Kartoffel- 
Versorgung in Aussicht. Tie Schuld, daß hieran 
bisher Mangel war, lag nicht an der Ortsbehörde. Der 
Landrat habe aber nun je 4 Pfd. auf Abschnitte 14 und 
15 in Aussicht gestellt und auch aus dem polnischen Ge 
biete erwarte man Kartosselsendungen. Die Marga 
rine (als Kartoffclcrsatzi werde wohl kaum eintreffen. 
Aber es soll in nächster Zeit reichlicher Fett geben. Also, 
hoffen wir, lieber Leser! Bürgermeister Walger trat 
den Gerüchten, dass das Rathaus in Waffen starre, ent 
gegen, im Rathause befinde sich kein Gewehr, keine Hand 
granate. Die M a r k t st a n d s g e b ü h r e n sollen um 
s100 v. H. erhöht werden. Ein Antrag des Demokraten 
Wolfs, für einheimische Händler die Gebühr nur um 
50 v. H. zu erhöhen, fand keine Mehrheit. In der An-, 
stellnng von 8 F c u e r w e h r l e n t e u erblickte man den 
Versuch, noch liirz vor Groß-Berlin hier eine Berufswehr 
zu schaffen. Der Antrag wurde daher an den Fcncrlösch- 
nnd den Finanzausschuß zurückverwiesen. Den Erwerbs 
losen sollen von der Gemeinde beim Eintritt in eine Be 
schäftigung kleine Darlehen gegeben werden, damit sic 
über die ersten Wochen, in denen sie ohnx Lohn sind, 
hinwegkommen. Unsern Geineindearbejtern wurden Lohn- 
Anschüsse nach den neuen Vereinbarungen bewilligt. G.-V. 
Maulbcckcr fragte an, ob die Beerdigungskosten für 
die Opfer während der Kappwochc von der Gemeinde 
erstattet werde». Bürgermeister Walger erklärte, daß 
hierüber Besprechungen stattfinden. Die Anfrage des 
selben Gemeindcvcrordneten, ob die Gemeinde schon eine 
schwarz-rot-goldene Jahne besitze, mußte Bürger 
meister Walger verneinen; die vorhandenen Turmsahnen 
müßten aber wohl entsprechend abgeändert werden. Eine 
fast cinstündigc Aussprache fand über die Wciterge- 
Währung freier Lernmittel statt. Es traten da 
bei manche rednerischen Seiltänzcrkunststückchen zu Tage, 
bis man am Schlüsse plötzlich darüber einig war, daß ja 
ganz „selbstverständlich" die freien Lernmittel in der bis 
herigen Weise weitergewährt werden. Vorher allerdings 
wollte man das nur für 1019 gelten lassen und der 
Beschluß in voriger Sitzung, den Voranschlag von 1919 
vorläufig weiterzuführen, sollte ausgerechnet für die Lern 
mittelfreiheit keine Geltung haben. Zum Schluß gab es 
noch ein heiteres Frage- und Antwortspiel über die Vert 
eidigung der Beamten und des Herrn Bürgermeisters. 
Verharrdluirgsberichi. 
Bürgermeister Walger eröffne: die Sitzung 20 Min. 
nach 7 Uhr und führt zunächst den Gemeindeverordneten 
Wolfs in sein Anit ein, indem er folgendes ausführt: 
„Sie wissen, m. D. und H., daß ich am Schluß der 
letzten Sitzung Ihnen mitteilte, daß Fräulein Schütze aus 
geschieden' ist. An ihre Stelle ist Herr Oskar Wolfs ge 
treten, der als alter Fricdcnauer Geschäftsmann den meisten 
Aon E. P h. O p p c n h e i ni. 
27 ' (Nachdruck verboten.) 
„Angenommen, daß Sie recht hätten, was wäre damit 
für Ihre sonderbare Annahme bewiesen?" 
„Bewiesen — nichts! Und meine bisherige Auffassung 
würde überhaupt kaum eine Veränderung erfahren haben, 
wenn cs nicht gerade die Komtesse Walbendorsf gewesen 
wäre, als deren vertraute Freundin und Hausgenossin mit 
Ihre Besucherin präsentiert wurde." 
„Sie werden in der Tat immer rätselhafter. Herr Doktor 1 
Danach wäre es also im Grunde nicht Fräulein von Weh- 
rinaen, sondern die Komtesse, gegen die sich Ihr Argwohn 
richtet?" 
„Gestatten Sie mir eine Gegenfrage: Seit wann kennen 
Sie die Komtesse?" 
„Seit dcm heutigen Abend." 
„Das dachte ich mir wohl. Und es ist am Ende wenig 
wahrscheinlich, daß sie Sie schon in der ersten Stunde der 
Bekanntschaft über ihre Berhältnisse unterrichtet haben 
sollte." ' 
„Dazu lag allerdings keine Veranlassung vor. Aber 
wenn Ihre Andeutungen dahin zu verstehen sind, daß Sie 
die Dame für eine Abenteurerin oder dergleichen halten ' 
Dombrowski machte eine leicht abwehrende Geste. 
„Nichts liegt mir ferner al« das. Ich kann Ihnen iw 
Gegenteil verraten, daß die Komtesse einer der ältester 
und angesehensten süddeutschen Ädelsfamilien entstammt 
und daß sie ohne allen Zweifel ihren Lebensunterhalt au! 
durchaus legale Weise aus den eigenen Mitteln bestreitet 
In diesem Sinne ist gegen ihre Ehrenhaftigkeit sicherlick 
nicht das geringste einzuwenden." 
„Und in welchem anderen Sinne dürften Sie —?" 
„Sie werden entschuldigew, wenn ich nicht über Ding« 
rede, hinsichtlich deren ich keine volle Gewißheit habe. - 
v.." ' . ■■■■■' 
Was es irr der nächsten Wache Mt. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gr. Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot auf „Wasser". 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Butter: 20 Gramm = 68 Pfg. und 70 Gramm Margarine 
= 1,33 M., sowie 100 Gramm Margarine —1,90 M. 
auf S-onderabschnitt der Spcisefetlkarte. 
Kartoffeln: sieht noch nicht fest. 
Zucker: Vom 16. bis 30. April */« Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre 4Va Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und im 3. dis 7. Lebensjahre Vs Pfund, 
im Monat. 
Anzumelden vom 11.—13. April. (Abholung 20. bis 
22. 2lpril.) 
Slui Groß-Rerliner Lebensmittelkarte: 
Hülsen f rächte (Erbsen oder Bohnen): 125 Gr. aus 
17; 1 Pfund Erbsen 4,30 M., 1 Pfund Bohnen 3,50 M. 
Nudeln: 125 Gr. xeuf 18, Pfund 1,18 M. 
. Auf Friedenauer Nährmittelkarte: 
Getr. Zwiebeln, getr. Mohrrüben und gctr. 
Wei stkv hl: Je 250 Gr. auf 13; Pfund Zwiebeln 3,20M., 
Pfund Mohrrüben 2,40 M., Pfund Weißkohl 2,20 M. 
Puffbohne ii: 250 Gr. auf 14; Pfund 4,60 M. 
M a rmelade: 250 Gr. auf Abschnitt 15; Pfd. 3,70 M. 
2 Büchsen 51 o n d c n s m i 1 ch an werdende Mütter. 
von Ihnen bekannt sein dürfte. Ich . freue mich, Herr 
Wolfs, Sie hier begrüßen zu können. Ich heiße Sie herz 
lich willkommen und verpflichte Sic zur treuen und ge- 
wissenhasten Führung Ihres Amtes." 
Bürgermeister Walger verpflichtet den G.-V. Wolfs 
durch durch Handschlag und macht dann folgende 
Mitteilungen. 
Entschuldigt sind Schöffe Pasche, die G.-B. Luders 
und Giesc. 
Der Direktor der Königin Luise-Schule lädt die Ge- 
meiudcvcrtretuilg zur Eröffnung der Fra neu schule am 
Donnerstag, den 15. d. Mts.) vorm. 10 Uhr, ein. 
Eine Eingabe des M i e t e r b u n d e s betr. Neu 
ordnung der Vergebung von Wohnungen wird zur Kenntnis 
genommen und dem Wohnnngsnusschuß zur Beratung über 
wiesen. 
Die Besichtigung der Räume der Gesellschaft .Hausrat, 
die auf Freitag angesetzt war, wird erst am Dienstag, den 
13. ib. MtS., nachm. 3 Uhr, stattfinden. 
Im Orte find die wildesten Gerüchte in Umlauf über 
große Lager von Waffen und Handgranaten im 
Rathaus. Er erkläre hierzu: in, ganzen Ra thau sc 
befindet sich keine Waffe! (G.-V. Dettmer: Wo sind 
sie denn geblieben?) Ebenso ist das, was in dem Artikel 
des „Fr. Lok.-Anz." vom 1. April steht, ans der Lust ge 
griffen; es sollte das ja ein Aprilscherz sein. 
Der Friedhüfsansschnß ha: beschlossen, die Aschen 
kammern an den Seiten öffnen zu lassen, weil große Nach 
frage bestehe nach solchen offenen Kammern. Sie sollen 
zum Preise von 300 M. und 250 M. abgegeben werden. 
Die Gemeindevertretung nimmt hiervon genehmigend 
Kenntnis. 
Als Eilsachen kommt noch auf die Tagesordnung die 
Frage der Wetterführung der stenographischen Berichte, 
sowie die Bewilligung einer Lohnzulage an die Arbeiter. 
Schöffe Friedet (Soz.) teil: dann mit, daß der 
B o l t S k ü ch e n a u s s ch n ß beschlossen habe, das Essen von 
80 Pfg. auf 1 M. zu erhöhen mit Rücksicht auf die Ver 
teuerung der Nahrungsmittel. Gleichzeitig kommt er dann 
aus .die Kartofselversorguug zu sprechen, die in letzter 
Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist, daß die Komtesse seit 
geraumer Zeit für gewisse hochstehende Personen einen 
Gegenstand besonderen Mißtrauens bildet, und daß man 
es für notwendig hält, sie auf das schärfste zu über 
wachen." 
„Ich verstehe nicht. Ist sie vielleicht eine politische 
Agentin?" 
Dombrowski zog die Schultern kn die Höhe. 
„Sie fragen mehr, als ich zu beantworten vermöchte 
Aber was sie auch sein mag, sicher ist jedenfalls, daß sie 
sich nicht lediglich zu ihrem Vergnügen hier in Berlin 
aufhält, und daß sie nicht ohne den allertriftigsten Grund 
ein Leben führt, wie es wieder ihrer gesellschaftlichen Stellung, 
noch ihren Vermögensverhältnissen entspricht." 
„Sie kennen, wie es scheint, die Lebensführung der 
Dame ziemlich genau. Also müssen Sie doch wohl Ursache 
haben, sich besonders für sie zu interessieren." 
„Nein, es sind rein zufällige Umstände, die mich dar 
über unterrichtet baben. Denn bis zu dem heutigen Abend 
hatte ich eine solche Ursache nicht." 
„Und seit dem heutigen Abend?" 
„Hat sich die Sachlage für mich freilich geändert. Der 
Fall Martens hat mit dem heutigen Abend aufgehört, für 
mich nur das oberflächliche Interesse einer gewöhnlichen 
Mordgeschichte zu haben." 
„Ihre Ideenverbindungen, Herr Doktor, sind mir so 
unverständlich, daß ich Sie alles Ernstes bitten möchte, 
mir endlich zu sagen, was Sie eigentlich mit dem allem 
beabsichtigen." 
„Mein Himmel, das liegt doch wohl klar zutage. Ich 
beabsichtige, den Mörder des Otto Martens zu ermitteln 
und ihn, wenn es mir zweckmäßig erscheint, seinen Richtern 
zu überliefern." 
, In einem Ton, der seine. Empfindungen für den Be 
sucher kaum noch verbarg, sayte^HMeldKN: 
,,Im Klub hielt man Sie bisher für einen Privat- 
gelehrten» nicht für einen Privatdetektiv. Herr Doktyr?" 
Zeit mit Recht den Unmut der Bevölkerung erregt habe. 
Das liege aber nicht an einem Mangel in der Verwaltung, 
sondern an Dingen, die ganz wo anders' liegen. Man 
habe hier nichts unterlassen, um die Kartoffeln, die der 
Gemeinde rechtlich zustehen, zu erhalten. Mau habe ge 
schrieben, telegraphiert und sei auch persönlich vorstellig 
geworden. Was irgend zu machen war, sei geschehen. Er 
habe heute mit dem Landrat gesprochen und die Zusage 
erhalten, daß wir jetzt etwas reichlicher mit Kartoffeln 
bedacht werden sollen. Tic Abschnitte 14 und 15 sollen 
mit je 4 Pfund Kartoffeln beliefert werden, so daß jeder, 
wenn die 51artoffeln eintreffen, noch 8 Pfund bekomme. 
Weiter seien dann auch noch Kartoffeln aus dem polnischen 
Gebiet in Aussicht gestellt. Er wolle hoffen, daß die Zu 
sagen, die ihm Herr von Rheinbaben gemacht habe, auch 
eingehalten werden. Aber cs ivnrdc ihm auch die Mit 
teilung gemacht, daß die Schwierigkeiten nicht nur bei 
uns vorhanden wären, sondern genau so in aichcrcn Ge 
meinden. Tie Margarine, die es als Kartosfclersatz 
geben sollte, ist noch nicht eingetroffen; es sei auch ganz 
unbestimmt, ob sie noch eintreffen werde. Es stehen aber 
in den nächsten Wochen reichlichere Fetimcngeii in Aus 
sicht, so daß die fehlende Margarine nicht vermißt werden 
wird, insbesondere auch, als die jetzt zur Verteilung kom 
mende Margarine fetthaltiger sein soll. 
Bürgermeister W a l g e r bemerkt, wir ivollcn hoffen, 
daß alles das in Erfüllung gehen lverdc. 
Zu Unterzeichnern der Vcrhandluiigsschrift werben die 
G.-D. Piniak und Hugo Richter bestellt. 
Gegen die Erhöhung der Fernsprechgebühren. 
Hierzu liegt folgender Antrag der Demokratischen 
Fraktion vor: 
Die Gemeindevertretung Bcrliii-F-ricdcnau erhebt bei 
der Reichsregicrung Einspruch gegen die übermäßige Er 
höhung der Fernsprechgebühren, da diese den erwerbs- 
täiigen Mittelstand, besonders die Gewerbetreibenden und 
freien Berufe, schwer trifft, zum Teil sogar in der Existenz 
bedroht. 
G.-V. Thvmsbcrgcr (Dem.) begründet diesen An 
trag Nild bemerkt, daß durch diese neuen Gebühren, nament 
lich durch die verlangte Kaution von 1000 M., die Bürger 
schaft, vor allem die Gelvcrbetrcibenden und die freien 
Berufe, die ihre Einnahmen nicht so steigern konnten, wie 
mancher andere, schwer belastet werden. Vielleicht werde 
die 'Dache durch die Aenderung im Finanzministcrinm noch 
geändert, aber es schade auch nichts, wenn man jetzt schon 
Einspruch erhebe. Denn vorgebaut sei besser als nach 
getan. — G.-V. Dr. Hasse (Soz.) spricht gegen den An 
trag. Es wundere ih>t, daß dieser Antrag gerade von den 
Demokraten komme, die in der Privatwirtschaft stets dafür 
eintreten, die Preise den Weltmarktspreisen anzupassen 
(Baurat Altmann: Sehr richtig). Was man von der 
Privatwirtschaft verlange, müsse man auch den öffent 
lichen Kassen zubilligen. Vielleicht könne man ihm aber 
sagen, wie anders eine Schädigung der öfefntlichen Kassen 
zu verhindern wäre. — G.-V. Westp h alcn (T. Bp.) 
meint, so bedauerlich die Tariferhöhung sei, so könne man 
sich doch den Gründen nicht verschließen, die die Postver 
waltung bestimmt haben, die Erhöhung vorzunehmen. Das 
Defizit betrage trotzdem noch fast 1 Milliarde. Auf irgend 
eine Weise müsse man doch daS Defizit aus der Welt 
schaffen. — G.-D. Thvmsberger (Dem.) bemerkt, daß 
die Ausführungen der Vorredner nicht das treffen, was 
seine Fraktion mit dem Antrage bezwecke. Es handele sich 
in der Hauptsache um die geforderte .Kaution von 1000 M., 
die zu stellen gerade den kleineren Gewerbetreibenden und 
den freien Berufen schwer falle und drückend und erdrosselnd 
Aber der Pole zeigte sich nicht im mindesten gekränkt. 
„Und warum sollte ein Detektiv, der seinen Beruf nui 
aus Liebhaberei betreibt, nicht ebensowohl den Namen 
eines Gelehrten verdienen wie jeder andere Forscher? 
Gibt es eine wichtigere und tiefgründigere Wissenschaft alr 
die Wissenschaft, die sich mit dem Studium der Menschen 
seele beschäftigt? Und ihr kann man, wie ich denke, auch 
auf andere Weise dienen, als damit, daß man in Biblio 
theken herumstöbert, um aus neunundneunzig schon ge 
schriebenen Büchern ein hundertstes zusammenzuflicken." 
„Ueber die Auffassung Ihres Lebeusberufes und über 
Ihre besonderen Liebhabereien möchte ich jetzt nicht mi> 
Ihnen diskutieren. Was mich interessiert, sind lediglich di« 
Gründe, die Sie bestimmen, gerade diesem Fall Ihr« 
Ausmerksamkcit zu widmen. Er scheint mir nämlich durch 
aus nicht danach angetan, dem Psychologen eine nennens 
werte Ausbeute zu liefern." 
„Sie verzeihen, wenn ich darüber anderer Ansicht bin 
Ich kann Ihnen sogar versichern, daß mich nie eine Auf 
gabe stärker gereizt hat als die, deren Lösung ich mir 
hier vorgesetzt habe." 
„Trotz der moralischen Qualitäten des Ermordeten) 
Nach allem, was bis jetzt über ihn bekannt geworden ist 
will es mir für meine Person beinahe scheinen, als ol 
der, der ihn beseitigte, der menschlichen Gesellschaft eine» 
größeren Dienst erwiesen hat als der, den es eine würdig« 
Aufgabe dünkt, als freiwilliger Handlanger der Polizs 
nach seinem Mörder zu fahnden." 
„Sie mißverstehen meine Beweggründe. Außerdeir 
gehen unsere Ansichten prinzipiell auseinander. Denn ick 
bin im Gegensatz zu Ihnen der Ueberzeugung, daß jeder 
der sich im Interesse der Wahrheit bemüht, damit zu- 
S leich der menschlichen Gesellschaft dient. Aber ich bin gleich 
hnen der Meinung, daß wir das Motiv meiner Handlung» 
weise auf sich beruhen lassen können. Genug, daß Si, 
jetzt über meine Ansichten unterrichtet sind. Sie betuchte» 
mich deswegen, wie ich hoffe, nicht als
        
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