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Periodical volume Nr. 130, 13.06.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Gefahr des Bolschewismus heißt es hoch heute bei der 
Regierung und den Mehrheitspartcten in unverständlicher 
Verblendung: Der Feind steht rechts! Die D.V. P. aber 
bleibt ihren Zielen getreu; sie erstrebt die Aufrechterhal 
tung der Einheit des Reiches und sieht ihre höchste Pflicht 
darin, dem Vaterlande zu dienen, wie sic cs auch in 
den letzten Wochen deutlich bewiesen Hat. Sie bekämpft 
eine Zerschlagung der Reichswehr, weil mit dieser die 
letzte.Stütze fiele, die die »Ordnung im Innern sichert. 
Sie wird alles tun, um den durch die Ereignisse seit dem 
9. November stark erschütterten Gedanken der Sraaisl- 
autoriiät wieder zu kräftigen. 
o Frirdcmaucr Kunstausstellung. Wir veröffentlichten 
anschließend an unsere Besprechung der Eröffnungsfeier 
der Ausstellung ehern, feldgr. Künstler iin Friedenauer 
Rathause eine uns eingesandte Aeußerung über die in 
der Ausstellung enthaltenen Kunstwerke. Wir weisen noch 
mals darauf hin, daß es sich dabei nicht um die Be 
sprechung eines Fachkritikers handelte, sondern nur um 
ein „Eingesandt". Die fachkritische Würdigung der Aus 
stellung wird, wie wir schon damals bemerkten, zu ge 
gebener Zeit von berufener Feder erfolgen. 
o DaS diesmalige Frühjahrsprsgramm der Hum 
boldt-Hochschule (Freie Volkshochschule Groß-Berlin) ent 
hält 200 Vortragsreihen aus allen Wissensgebieten. Be 
sondere Anteilnahme dürften die von der Kunstwissenschaft 
lichen Abteilung veranstalteten Führungen und Studien 
ausflüge, sowie die volkswirtschaftlichen, wirtschaftsgco- 
graphischen und technischen Wanderungen finden. Es sei 
auch hingewiesen auf eine Anzahl neuer Vorlesungen, die 
kulturelle, geschichtliche, rechts- und wirtschaftswisscnschafb- 
liche, sowie technische Fragen der Gegenwart erörtern. Das 
Verzeichnis ist in zahlreichen Buchhandlungen und Vereins- 
stellcn, sowie in den Theaterkassen von Herm. Tietz und 
im Kaufhaus des Westens erhältlich. Hauptbüro Berlin 
E. 2, Netie Friedlichste. 53-56, Ztr. 4690. 10—12. 1-3. 
o Eine Theatcrgcmcinde „Schloßpark" ist in Steg 
litz gegründet worden mit dem Ziel, durch Umbau des 
großen Schloßpark-Saales ein Theater für die südwest 
lichen Vororte zu schaffen. An der Theatergcmeindc sind 
aus allen westlichen Vororten Personen, die in der Volks- 
Lildungsbewegung stehen, beteiligt. Die Theatergemeinde 
soll die beiden Grundsätze: Untcrnehincrtheater und Volks 
bühne in sich vereinigen. Es wird eine besondere Künstler- 
gesellschaft angestellt werden. Tie Gesellschafter Haben 
die Theatergemcinde mit einem Betriebs- und Haftungsk- 
kapiial von 300 000 M. ins Leben gerufen. Zur Be 
streitung der sehr hohen Umbaukosten werden 150 Anteil 
scheine zu je 10 000 M. ausgegeben, die mit 5 v.c.H., 
jährlich verzinst werden und in Jahresraten zu 105 v.H. 
zurückzuzahlen find. Ter Betrieb selber soll sich aus 
den Einnahmen aufrechterhalten und zwar durch ein.aus 
gedehntes System der Mitgliedschaft. 
, o Ein armer, alter Kricgsveterair hat am letzten 
Dienstag, zwischen 12 und 12% Uhr, auf dem Wege vom 
Bäckermeister'Müller am Friedrich-Wilhtzlmss-Platz und 
durch die Wilhclmshöhcr Straße ein Paar neuangestrickte, 
graue Männersocken verloren und bittet den Finder, diese 
gegen Belohnung im Fundbüro des Rathauses abzugeben. 
v Enrbruchidicbstählc. Während der OsterfcicrtagG 
haben Einbrecher hier verschiedentlich Gastrollen gegeben. 
Es handelt sich um Spezialisten, die Türfüllungen heraus 
schneiden und auf diese Weise in die Räume gelangen. 
So schnitten sie aus der Tür im Hauptcingang zur Orts 
krankenkasse Rhcinstr. 9, die Türfüllung heraus und 
stahlen eine Nckord-Rechen-Maschinc im Werte von 4500 
Mark. In der gleichen Weise drangen sie in die Geschäfts 
räume der Firma Krause u. Evanschitzkh, Wiesbadener 
Straße 14. Hier entwendeten sie eine Schreibmaschine, 
Marke „Senta". Auch in den Geschäftsräumen der Firma 
Oden. Wiesbadener Straße 6 suchten sic nach Schreib- 
mafchinen, fanden aber keine und ciitivendeien nur.Stem 
pel« und Briefmarken. 
o Bei einem Einbruch in die Nathanaclkirche lvurden 
die großen Vorhänge an den inneren Türen, Decken und 
Teppiche im Werte von ungefähr 4000 M. gestohlen. 
o Für 40 000 Al. Seidenstoffe sind einem Geschäft 
in der Offenbacher Straße gestohlen worden. Es wurde 
ermittelt, daß der eigene Hausdiener an den Diebstählen 
beteiligt war. Ein Teil der gestohlenen Stoffe konnte 
«noch bei einem Produktenhündler in Steglitz beschlag 
nahmt werden. 
o Einer Bande von Stoffdicbcn, die namntlich Restcr- 
handlungcn heimsucht, ist unsere Kriminalpolizei auf die 
Er fühlte ein Verlangen, aufzuspringen und dem Menschen 
da an die Kehle zu fahren, aber er hätte nicht einmal die 
physische Kraft gehabt, dieser Versuchung nachzugeben, 
denn eine lähmende Schwere fesselte seine Glieder. 
„Nein, Sie waren nicht allein," fuhr Dombrowski nach 
einem gut berechneten Schweigen fort. „Und ich brauche 
Ihnen nicht erst zu sagen, in wessen Gesellschaft Sie sich 
befanden." 
Da endlich hatte sich der Gemarterte zu dem Bewußt 
sein aufgerafft, daß er sich dieser Mißhandlung nicht länger 
preisgeben dürfe, daß es eine Pflicht der Selbsterhaltung 
sei, sich dagegen zu wehren. Er richtete sich mit einem 
Ruck aus seiner zusammengesunkenen Haltung empor und 
wandte sein Gesicht voll dem Sprechenden zu. 
„Sie können nichts anderes gesehen haben, als daß ich 
eine Dame bis auf die Straße hinausgelcitete. Und wenn 
Ihnen damals Ihr Taktgefühl verbot, mich zu grüßen, so 
hätte es Ihnen, wie ich meine, jetzt auch verbieten sollen, 
Ihrer Wahrnehmung mir gegenüber Erwähnung zu tun." 
„Unter gewöhnlichen Umständen — gewiß! Aber Sie 
werden mir vielleicht zugeben, Herr Hollfeldcn, daß wir 
es hier mit außergewöhnlichen Umstünden zu tun haben." 
„Nicht, so weit die erwähnte Dame in Betracht kommt. 
Herr Doktor!" 
„Hm! Aber lassen wir sie einstweilen aus dem Spiel 
und bleiben wir bei Ihnen. Sie werden mir glauben, daß 
ich mir zunächst keinerlei besondere Gedanken machte. 
Wenn sich in jenem Augenblick überhaupt etwas in mir 
regte, war es höchstens ein Gefühl des Neides, gewiß ver 
zeihlich genug bei dein Anblick von so viel Liebreiz und 
Schönheit I" 
„Die Sie doch höchstens hatten vermuten können. 
Denn Sie befanden sich wach Ihrer*eigenen Erklärung auf 
der anderen Seite der Straße und — —" 
„Unb ich verfüge über ein ausgezeichnetes Sehver 
mögen. Noch auf die dreifache Entfernung hin' und bei 
noch viel schlechterer Beleuchtung würde ich ein Gesicht, 
das mich interessiert, bis in die kleinsten Einzelheiten er- 
kennen." 
»NU'F^meüietwegen! Sie beneideten Mich; also und 
Machtm s. ^ übrigen keine besonderen Gedanken. Das 
Spur gekommen. Es handelt sich um 6 Mann, die mit 
verteilten Rollen arbeiten. Zwei Mann stehen gewöhnlich 
„Schmiere", die andern gehen einzeln- in das Geschäft. 
Während nun einige Diebe die Verkäufer fesseln, lassen 
die andern Stoffballen unter- ihren Mänteln verschwinden. 
Gewöhnlich bemerkt der Geschäftsmann den Verlust erst 
später. Am Sonnabend sielen nun einem Kriminalwachi- 
meistcr an der Straßenbahnhaltestelle Rheinstraße, Ecke 
Ringstraße, einige Männer mit solchen Stoffballen auf. 
Er griff zu und hatte einen von den Spitzbuben gefaßt, 
während die andern schleunigst flüchteten. Der Ergriffene 
ist ein Ernst Kositzkt aus der Norwcgerstraße in Berlin. 
Seine Beute im Werte von 2000 M. konnte ihm abge 
nommen und dem Eigentümer Gerlach, Kaiserallee 103, 
iciebcr zugestellt werde«. Wahrscheinlich kommt auch der 
Diebstahl tu dem Restergcschäft vou Kuhrt tu der Rhein 
straße auf Kouto dieser Bande. 
Vereins-Nackrickten 
X Teutsche demokratische Partei, Ortsgruppe Friedenau. 
Jeden Freitag, 8 Uhr, zwangloses Beisammensein im Restaurant 
„Käiserbnrg" (Inh. Klopsch), Käiserallce 75. 
)( Volkshochschul-Fraucnchor. Jeden Freitag 8—10 Uhr 
Ucbungssrunden. 
)( Bercin der Papierhändler Ortsgruppe Friedenau. Unsere 
nächste Monatsversammlung findet am morgigen Freitag, d. 9. April, 
8 Uhr abends im Brandenburger Hof, Rönnebergstr. Ecke Kaiser- 
allee, statt. Pünktliches Erscheinen erwünscht. 
)( Steichsbnud der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer, 
.Hinterbliebenen und Grfangcncn-Abtlg., Ortsgruppe Friedenau. 
.Morgen, Freitag, den 9. April, abends 8 Uhr im Restaurant 
.Kaiscreiche" Mitgliederversammlung. Ta eine sehr wichtige Tages 
ordnung vorliegt, wird um zahlreiches und pünktliches Erscheinen 
gebeten, speziell die Hinterbliebenen machen wir darauf aufmerksam. 
Für die Kriegsbeschädigten findet eine Zigarren - und Zigaretten- 
vertcilung statt. Neuaufnahmen am Eingang dcS Saales. Heute 
Abend 8 Uhr Vorstandssitzung. 
)( U.S.P.D. Eine öffentliche Versammlung veranstaltet die 
hiesige Ortsgruppe der U.S.P.D. morgen Freitag, den 9. April, 
abrnds 8 Uhr in der Aula des Rcformrealgymnasium. Dr. Kurt 
Rjosenfcld spricht über die politische Lage. 
)( Mitteilungen der ,Kunststücke für Volksbildung" in 
Friedenau. Der Klubabend am 9. April fällt in Rücklicht auf daS 
verflossene nahe Osterfest und die augenblickliche ernste politische 
Lage aus. Dafür findet Sonnabend den 24. April in den Räumen 
des Etablissements „Rheingau", Bingerstr. 4 von nachm. 5 Uhr ab 
ein „Frühlingsfcst" für Familien und deren Angehörige mit Konzert, 
Spiel und Tanz stait. Zur Aufführung von Lcssüigs „Nathan der 
Weise" durch das staatl. Schauspielhaus am 19. April im Schloß- 
park-Thcatcrsaal sind Eintrittskarten nicht mehr erhältlich. 
)( Vereinigung selbst. Schneidermeister veranstaltet am 
Sonnabend, d. 10. April, im oberen Saale des „Hohciizollcrn" 
ein Kostümfest, bestehend in Tanz, Aufführungen, Vorträge, Ver 
losung usw. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, können hieran 
teilnehmen. Beginn 6 Uhr. 
Vsrlin und Vororte 
§o Eitl Sternbildcr-Vicrtel in Neukölln. Der Neu 
köllner Magistrat J;at beschlossen, den jetzt zu:n Teil in 
der Ausführung begriffenen neuen Straßen in den Stadt 
teilen zwischen Köllnjsche Allee und Kaiser Friedrichstraße 
und zwischen Dammweg und Gcmarkungsgrenzc die Be 
zeichnung von 'Sternbildern beizulegen. Die im Ausbau 
befindliche Straße 12 erhält den Namen Siriusstraße, 
Straße 13 Telphmstraße, Straße 17 Sternen-Allee, 
Straße 18 Marsstraßc, Siraße 22 Jupitcrstraßc usw. Tie 
Plätze 8, 9 und 10 sollen mit Souueuplatz, Sternen- und 
Komctenplatz bezeichnet werde». 
Gerichtliches 
(:) Das Äammcrgcricht über die Spartakusunruhen. 
Der 5. Zivilsenat des Kainmergerichts hat in einer gegen 
den Massistrat Berlin gerichteten Klage auf Schadenersatz 
auf Grund des preußischen Tumiiltschadengesetzes vom 
11. März 1850 eine bemerkenswerte Entscheidung gefällt. 
Die Wirtschafterin einer Kantine im Baukeuviertcl Berlins 
lviirdc während des Kartoffelschälens in der Kantine am 
11. März 1919 während der bekannten Spartakusunruhen 
durch eine anscheinend verirrte Gewehrkugel am Becken 
schwer verletzt und verlangte fristgerecht von der Stadt 
Berlin.Schmerzensgeld und Schadenersatz. Sie klagte zu 
nächst die ärztlichen Kosten und einen Kostenvorschuß von 
600 M. für einen dreißigtägigen Kuraufenthalt ein. Nach 
dem das Landgericht Berlin 1 den Antrag zurückgewiesen 
hatte, hat ihn das Kammergcricht den Bläticru für Rechts 
war ohne Zweifel das Angemessenste und Nichtigste, was 
Sie tun konnten. Und ich begreife, offen gestanden, nicht 
recht, weshalb Sie cinerti einem so alltäglichen Bor- 
koinmnis nun nachträglich dies lebhafte Interesse zu 
wenden." 
Dombrowski lächelte. 
„Wirklich? — Sie begreifen es nicht?-» Das ist aller 
dings mehr Harmlosigkeit, als ich vermuten konnte. Was 
glauben Sie denn, daß ein anderer an meiner Stelle getan 
haben würde, nachdem er die Zeitungsberichte über die 
Entdeckung des Berbrechens und über — über Ihre Aus 
sagen gelesen?" 
„Nun?" 
»Ich muß es Ihnen also erst sagen? — Nun, er 
würde ohne Zweifel zur Polizei gegangen sein, um zu 
deponieren, daß Ihr Bericht über die Erlebnisse jener 
Nacht in einem wesentlichen Punkte nicht — nun, sagen 
wir, nicht ganz vollständig gewesen sei. Denn Sie haben 
meines Wissens der Kriminalbehörde gegenüber nichts 
davon erwähnt, daß Sie die Hausbewohner erst alar 
mierten, nachdem Sie eine gewisse junge Dame auf die 
Straße hinausgeleitet hatten." 
„Wenn ich es nicht getan habe, werde ich vermutlich 
keinen Anlaß dazu gesehen haben. Als ich die Dame 
hinaus geleitete, hatte ich selbstverständlich noch keine- 
Ahnung von dein an Martens verübten Verbrechen. Und 
meine — meine privaten Angelegenheiten haben doch, wie 
ich denke, mit diesem Kriminalsall nicht das mindeste zu 
schaffen." > 
'-/»So ungefähr dachte auch ich, als ich, meinen staats-- 
bürgerlichen Bedenken zum Trotz, darauf verzichtete, Ihre 
unvollständige Aussage aufGrund meiner persönlichen Wahr- 4 
nehmungen zu berichtigen. Ich nahm an, daß Sie irgendeine 
Ursache delikater Natur hätten, den - hm — abendlichen 
Besuch nicht bekannt werden zu lassen. Und ich beruhigte 
mich bei dieser Annahme um so leichter, als man doch nicht 
ohne den triftigsten Anlaß darauf verfällt, ein schönes und 
elegantes junges Mädchen nzit einem im höchsten Maße 
brutalen und abscheulichen Verbrechen in Verbindung zu 
bringen." 
, 'stid nun?1 
pflege zufolge durch Urteil vom 7. Januar b. Js. (U. 5. 
7550/19) anerkannt, weil die Voraussetzungen dcZ § 1 
des Tumultschadengesetzes vorliegen. In der Begründung 
heißt cs: „Der Einwand der Stadt Berlin, daß auf die 
Spartakistcnunruhcu die Bestimmungen dcS Tumult- 
schadenSgesctzcs überhaupt nicht anwendbar seien, weit sic 
den Charakter einer Kriegsführung zwischen zwei um die 
Regierungsgcwalt ringenden Parteien gehabt hätten und 
nicht als Zusammenrottungen und Zusammenkäufe im 
Sinne des 8 1 Tumultschadensgesetzr's anzusehen seien, 
ist unzutreffend. ES erscheint unbedenklich, anzunehmen, 
daß die Angriffe der Spartakisten bei den Berliner Un 
ruhen im März 1919 ungesetzliche Angriffe und die zur 
Unterdrückung der Unruhen getroffenen Maßregeln gesetz 
liche Maßregeln waren, Tie Angriffe richteten sich gegen 
die aus der Revolution hervorgcgangcne Regierung, welche' 
in einer allgemein rechtlich anerkannten Weise die Staats- 
und Reichsgewalt ausübt. Nach alledem sind die ma 
teriellen Voraussetzungen des § 1 des Tuinultschadensgc- 
setzcs hier als gegeben und die von der Antragsgegnerin 
(Stadt Berlin) dagegen erhobenen ^Einwände als un 
begründet zu erachten." 
Lerantw, Schriftleiter: Herm, MiartiniuS in Friedenau. 
Bei Betriebsstörung, Sckcik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch 
auf Lieferung .oder Nachlieferung des Lokal-Anzeigers oder auf 
Rückzahlung des Bezugspreises. 
Bekanntmachung 
Wir haben die in Aussicht gestellte Menge Schweinefleisch 
-ür die laufende Woche nicht voll erhalten. An Stelle der 
fehlenden Menge gelangt Corncd-Becf zur Ausgabe. Berlin- 
Friedenau, den 8. April 1920. Der Gemcindcvorstand. I. V. 
Friede!. 
Vekauirtrnachurrg. 
Betrifft Beschäftigung Erwerbsloser, Eiiischeidung über Ange 
messenheit der Löhne. 
Werden dem Arbeitsamt von einem Arbeitgeber offene Stel 
len gemeldet, so ist es im Hinblick ans die Unterbringung Erwerbs 
loser, die Aufgabe des Arbeitsamtes, zu prüfen, ob für die in 
Aussicht gestellte Entlohnung ein Tarisnbkvmmen maßgebend ist. 
Zutreffendenfalls wird daS Arbeitsamt bei vorkomiticuden Schwie 
rigkeiten den Versuch niachcn müssen, die Einhaltung des Ab- 
lommcils herbeizuführen. Hierbei vertrete ich den Standpunkt, 
daß die Lohnsätze eines Tarisvertrages unter allen Umständen als 
angemessen anzusehen sind. Ein Erwerbsloser dars also nie eine 
Beschäftigung aus dem Grunde ablehnen, weil die ihm gebotene 
Entlohnung zu niedrig ist, falls diese ans einem Tarifabkommen 
süßt. Andererseits wird die Arbeit an ider betreffenden Stelle 
auch zu keinem niedrigeren als dem tariflichen Lohn anzunehmen 
sein, da gemäß 8 1 und 2 der Verovdnung über Tarisvcrträgej 
vorn 28. Dezember 1918 (RGB. S. 1450) Arbeitsverträge in 
sofern unwirksam wären. Dabei macht es keinen Unterschied, ob 
die tarifliche Bindung für die betreffenden -Arbeitsstellen durch 
Vertrag herbeigeführt ist (§ 1 a. a. O.) .oder durch behördliche 
Anordnung (’§ 2). Wo dagegen ein Tarifabkommen nicht gilt, 
entscheidet die Gemeinde (Fürsorgeausschnß) nach pflichtmüßigcm 
Ermessen, ob der versprochene Lohn als angemessen und orts 
üblich im Sinne des 8 8 Abs. U über Lrwerbsloscnfürsorge anzu 
sehen ist. Es ist hierbei davon auszugehen, daß Per Erwerbslose 
nach Wortlaut und Sinn dieser Bestimmung nur dann zur 
Ablehnung der Arbeit berechtigt ist, wenn. der gebotene Lohn 
außer Verhältnis zu dem im Orte üblichen DurchschnittSlohn steht 
und den Kosten der Lebenshaltung nicht entspricht. Tariflöhne, 
die zlvar für de» in Frage kommenden nicht, wohl aber für an 
dere Betriebe gleicher Art maßgebend sind, können zur Beurtei 
lung des gebotenen Lohnes wohl verwertet werden, sind aber 
nicht ohne weiteres nun auch die allein angemessenen für die an 
gebotene Arbeit. Dies ist vielmehr von Fall zu Fall zu ent- 
fchciden. Berlin, best,'25. Januar 1920. Der Reichsarbeitsminister. 
Veröffentlicht. Berlin, den 12. Mürz 1920. Der Vorsitzende des 
Demobilmachungsausschusses deS Kreises Teltow. v. Achenbach. 
Veröffentlicht. Berlin-Friedenau, den 29. März 1920. Der Gc- 
meindcvorstaiid. Walgcr . 
Beklwutmachrrng. 
betreffend Auslegung neuer Fleischkniidenlistcn. 1. Die bisherigen 
Knndenlistcn in den hiesigen Fleischereien verlieren nach Ablauf 
der jetzigen Flcischkartcnperiode — am 11. Avril d. Js. — ihre 
Gültigkeit. 2. In der Zeit vom'. 12.—14. lAvril d. Js. können sich 
die Haushalte bei demjenigen Flcischcrmcister, von dem sic ihr 
Fleisch weiter beziehen wolle», in die neue Kundenliste eiiitracun 
lassen. Zn diesem Zweck hat der Karteninhaber oder.der Hanshal- 
tungSvorstnnd seine oder die Karten seines Haushalts (Voll- s,ii:5 
Kindersleischkartcn) dem Fleischer vorzulegen, letzterer hat die 
„Nun glaube ich allerdings einen solchen triftigen An 
laß zu haben." 
„Herr Doktor!" 
„Wie beliebt? Wollten Sie mir etwas sagen?" 
„Ich nehme an, daß Sie sich der Bedeutung und der 
Tragweite Ihrer Worte nicht im mindesten bewußt sind. 
Denn im anderen Fall wäre unsere Unterredung mit diesem 
Augenblick zu Ende." 
„Das würde ich lebhaft bedauern, allerdings mehr 
Ihretwegen als um meinetwillen. Denn es geschah keines 
wegs in meinem eigenen Interesse, daß ich diese Unter 
redung suchte." 
„Vielleicht hatten Sie die srsundliche Absicht, mich zu 
warnen?" 
„Wenn ich eine solche Absicht gehabt hätte, würde ich 
dafür doch wohl kaum etwas anderes verdienen als Ihren 
Dank." 
„Aber das alles ist doch heller Wahnsinn. — Was, iyn 
des Himmels willen, konnte Sie mit einem so ungeheuer 
lichen Verdacht gegen die junge Dame erfüllen?" 
„Mein Verdacht datiert seit dem Augenblick, da ich 
die junge Dame wiedersah." 
Hollfclden fühlte mit Schrecken, wie die kalte, er 
barmungslose Beharrlichkeit dieses unheimlichen Menschen 
seine Widerstandskraft stückweise zerbrach, noch aber gab er 
es nicht auf, die begonnene Komödie weiter zu spielen. 
. „Sie hätten sie wiedergesehen?" fragte er mit er 
heucheltem Unglauben. „Und wann, wenn ich fragen 
darf, wäre das geschehen?" 
„An dem heutigen Abend. — Sie selbst waren ja 
zugegen, als ich ihr vorgestellt wurde." 
„Und wenn ich Ihnen nun versicherte, daß Sie sich im 
Irrtum befinden, daß Fräulein von Wehringen nicht die 
Dchne ist, mit der Sie mich in jener Nacht gesehen?" 
„Dann würde ich die Unaufrichtigkeit bedauern, mit 
der Sie meine gute Absicht lohnen. Denn ich irre mich nie 
mals bei dem Wiedererkennen eines menschlichen Antlitzes. 
Und ich bin meiner Sache niemals sicherer gewesen, als 
gerade in diesem Fall." 
Sekundenlanges Schweigen. Dann hatte Hvllfelden 
einen Entschluß gefaßt. (Fortsetzung folgt.)
        
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