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Periodical volume Nr. 76, 07.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 76 
Aerlin-Friedenall. Mittwoch de» 7 April 1920 
Sohrs. 27 
MaHbr, unsrer o-Qsiginalarsikel nur mit Quellenangabe geflnkltzl.h 
o Tie Frage der Anstellung eines hauptamtliche» 
JugendpflegerL- beschäftigt jetzt unsere Gemeindebehörden. 
Wie wir Horen, hatte der Jugendpflegeausschuß von 29 
Bewerbern die Herren Lehrer Kühn (Friedenaus, Leh 
rer Bauer (Spandau) und Rektor L.uckau (Königs- 
Wusterhausens zunächst in die engere Wahl gestellt und 
sich dann mit großer Mehrheit für die Wahl des Frie- 
denaner Lehrers Kühn entschlossen. Diesem Vorschlage 
soll aber der Gemeindevorstand in seiner Mehrheit nicht 
beigetrcten sein. Der Jugendpflegeausschuß hat jedoch 
auch in seiner zweiten Sitzung au seinem Vorschlage fest 
gehalten. Wir müssen dem Jügendpflegeausschuß, dem 
»sicht nur Gemeindeverordnete. sondern auch' solclM Per 
sonen angehören, die in der örtlichen Jugendpflege her 
vorragend tätig sind, die Sachverständigkejt jn erster Li 
nie zuerkennen. Herr Lehrer Kühn ist seit Jahren als 
Kreisjugendpfleger' tätig und besitzt als solcher das Ver 
trauen der Negierung. Er steht auch seit Jahren im 
Dienst der örtlichen Jugendpflege, war u. a. auch viele 
Jahre Oberturnwart des Friedenauer Männer-Tuvn-Ver- 
eins und har als solcher namentlich zum Aufschwung der 
Jugendabteilungen dieses Vereins beigetragen. Gegen seine 
sachliche Geeignetheit wird man also kaum Gründe an 
zuführen haben. Wenn im Gemeindevorstand Widerstand 
gegen seine Wahl aufgetreten ist, so dürften hierfür nur 
persönliche Gründe vorliegen und diese scheinen in 
der Tat vorhanden zu sein, wenn wir uns an frühere 
Vorgänge erinnern, an die auch einzelne Herren, die 
dem Gemeindevorstande angehören, beteiligt waren. 
o Der Untersnchnngsausschust unserer Gemeindrvrv- 
tretupg, der die Vorgänge im Orte während der Kappwoche 
feststellen soll, hat bereits mehrere Sitzungen abgehalten. 
Wie wir hören, sind bisher gegen 100 Zeugen zur Ver 
nehmung vorgemerkt. Es dürften also verschiedene Wochen 
vergehen, che das Ergebnis des Untersuchungsausschusses 
vorgelegt werden kann. 
o 2ö Millionen für den Wohnungsvcrband Groß». 
Berlin. Der Verbandsausschuß des Wohnungsvcrbandes 
Groß-Berlin hat beschlossen, von den Verbandsmitgliv- 
deien, von der im Rechnungsjahre 1919 aufzubringenden 
Umlage 20 Millionen M. als dritten Teilbetrag zu er- 
heben. Hiervon entfallen auf Berlin 10 837 000 M) 
Eharlotteuburg 1,805 000 M., Schöneberg 842 000 M., 
Neukölln 917 000 M., Wilmersdorf 690 000 M., Lichten- 
bcrg 420 000 M., Spandau 397 000 M., den Kreis Tel 
tow 2,223 000 M. und den Kreis Niederbarnim 1 819 000 
Mark. » 
o Tie Nachfordcrrmg von Kreisirmsaßsteuern. Das 
DbervcrwaltungSgericht hat in einer gegen den Teltower 
Kreisausschuß angestrengten Revisionsklage der Terrain- 
gesellschaft Berlin und Vororte eine bedeutungsvolle Ent 
scheidung über die Nachsorderung von KreiSurnsatzsteuern 
gefällt. Wegen des Verkaufs eines Grundstücks der (Aesekk- 
schaft in Teinpelhof hatte der KreisauSschuß nach zwei 
Jahren, als sich die Unrichtigkeit des zuerst angenomme 
nen .Kaufpreises und das Vorliegen eines Zwischenge- 
schüfts herausgestellt hatte, eine Nachveranlagung zur 
Kreisumsatzsteuer ergehen lassen. Hiergegen hatte die Ge 
sellschaft Verwaltungsstreitklagc erhoben, DaS OVG. hat 
die Klage dem Preußischen Verwaltungsblatt zufolge zu 
rückgewiesen mit der Begründung, daß die Nachforderung 
von indirekten Kreissteuern innerhalb der gesetzlich vor 
geschriebenen Frist von drei Jahren auch dann zulässig 
RonE. Kh. Spp«»h«im. 
25 (Nachdruck verboten.) 
„Wie kommen Sie oarauf? — Ich bin keineswegs 
reich." 
„Das Leben, das Sie führen —" i 
„Sie vergessen, daß ich eigentlich eine Art Gesellschafts- 
dame der Gräfin Waldendorff ^bin." 
Er erinnert- sich der Adresse auf dem Brief, den er 
Margot ausgehändigt hatte. 
„Die Gräfin Waldendorff — ist das die Dame —'" 
„... mit der wir den Abend zusammen waren — ja. 
In, übrigen — cs ist doch ganz gleichgültig, ob ich arm 
oder reich bin. Wie ich auch leben mag, es kümmert 
keinen Menschen." 
„Sie sind nicht für eine abhängige Stellung geschaffen." 
Sie lachte leise. 
„In abhängiger Stellung ist jeder Mensch, nur bildet 
sich der eine mehr ein als der andere, frei und unabhängig 
zu fein. Außerdem, ich befinde mich aus freiem Willen in 
einer — abhängigen Stellung, Herr Hollfelden." 
Sie standen dicht voreinander. Er wär um ein Ge 
ringes größer als sie, und er neigte den Kopf ein wenig 
vor wie er ihr in die Augen sah. Sie schien ruhig und 
gelassen, aber ihre schmalen, feingeschnittenen Nasenflügel 
vibrierten leicht, und ihre Finger zuckten unruhig auf der 
Tischplatte. Das yeiße Feuer m feinen Augen lieh sie 
heimlich erzittern. 
„Aus freiem Willen!" wiederholte er. „Ja, man erträgt 
leicht das Schwerste, wenn man sich nur einzureden ver 
mag, daß man es aus freiem Willen auf sich genommen 
hat. Ich habe diesen Trost nicht. Was ich . getan habe, 
tat ich unter einem Zwang, der stärker war als mein — 
freier Wille. Fräulein Margot, es gibt ein besseres Las—" 
„Nicht für mich," unterbrach sie ihn rasch. „Herr Holl» 
selben, ich bitte Sie inständig, fügen Sie Ihrer eisten groß 
mütigen Tat eine zweite hinzu und verlassen Sie, mich, ehe. 
ist, wenn sie bei gehöriger Sorgfalt hätte vermieden 
werden können. Es ist auch zulässig, in der Steuerord- 
nuug zu bestin,nicn, daß die Steuer nach der Gesamt 
summe der Werte oder der Erwerbspreise von obligatori 
schen Rechtsgeschäften zu bemessen, sei, die dem Crlverbe 
des Eigentums vorangegangen find und die zufamMen- 
gewirkt lprbcn, um den Anspruch des Erwerbers auf 
Eigentumsübertragung herzustellen. Es ist ferner nicht 
erforderlich, daß diese Rechtsgeschäfte erst nach Inkraft 
treten der Steuerordnung abgeschlossen worden sind. 
o Die Anstellung von 6 Feuerwehrleuten im Wege 
des Privatdienstvertrages bringt der Gemeindevorstand in 
Vorschlag. Bisher wurden die zur ständigen Besetzung der 
Feuerwache erforderlichen Mannschaften aus der Arbeiter 
schaft der Straßenreinigungs- und Tiefbauverwaltung ent 
nommen. Das hat aber im Laufe der Zeit zu Schwierig 
keiten geführt, unter der die Schlagfertigkeit der Feuer 
wehr zu leiden hat. Bei Erkrankungen, Beurlaubungen 
war Nicht immer der notwendige Ersatz zur Stelle, hie 
Gemeinde kann auch nicht mehr die Auswahl der Ar 
beiter so vornehmen, daß sie sie aus ihre Brauchbarkeit 
al? Feuerwehrleute vorher prüft, weil sie die Arbeiter vom 
Arbeitsnachweis nehmen muß. Nach den Vorschlägen des 
Obcrbrandmeisters Stoltzenburg soll nun ein fester Stamm 
für unsere Feuerwehr geschaffen werden, der bestehen soll 
aus 2 Obcrfeuerwehrniännern, 4 Kraftfahrern und 2 
Feuerwehrmännern. Fünf Mann können aus dem vor 
handenen Mannschastsbestande entnommen werden, 3 sind 
neu anzustellen. Zu diesem festen MamlschastsLeshanLie 
treten abwechselnd aus der Arbeiterschaft 6 Feuerwehr 
leute hinzu, um so die Feuerwache mit der notwendigen 
Mannschastszahl* zu besetzen. 
o Erhöhung der Marktstandgeldcr. Der Gemeindevor 
stand empfiehlt nach dem Vorschlage des Marktausschus 
ses den bisher gesetzlich zulässigen Höchstbekrag des Markt- 
standgeldes von 20 Pfg. um 100 v. H. auf 40 Pfg. zu 
erhöhen. Für diese Erhöhung ist die Genehmigung der 8be- 
gierung erforderlich. 
o Der Anschluß unseres Postamtes an das Straßen» 
bahmrctz wird jetzt herbeigeführt. Die Arbeiten zpr Der- 
legung des Gleises, in der Schmargendorfer Straße vom 
g ntdrich-Mlhelmi-Platz aus, haben " begonnen. Die 
ckimargcrüiorser Straße ist daher bis aus weiteres für 
Fuhrwerke gesperrt. 
o Die Lrikettpreise abermals um 2,30 M. erhöht! 
Infolge der wiederum erhöhten Erzeugungspreise für 
Braunkohlenbriketts sieht sich der Kohlenverband Groß- 
Berlin genötigt, im Ausmaß dieser Erhöhung die Preise 
für Braunkohlenbriketts ab 3. April um 2,30 M. je Ztr. 
zu erhöhen. Der Preis für Küchen- und Ofenbrand beträgt 
demnach bei Selbstabholung ab Lager 14,80 M. je Ztr., 
bei Lieferung frei Erdgeschoß oder Keller 15,80 M. je 
Zentner. — Die Kohlenstclle Groß-Berlin fordert alle 
Inhaber von Kohkenkarten auf, die für den Kohlenbezug 
nicht mehr gültigen Abschnitte selbst abzutrennen und in 
eigenen Gewahrsam zu nehmen, nicht aber dem Kohlen- 
Händler zu übergeben. Der Händler darf diese Abschnitte 
jetzt nicht mehr abnehmen. 
v 1 Mk. daÄ Volksküchrir?ss«!n. Mit Rücksicht auf die 
allgemeine Steigerung aller Lebensmittel hat unsere Volks 
küche den Preis für eine Porsion von 80 Pfg auf 1 Mk. 
erhöht. Unbemittelte, wie Rentenempfänger, Kriegsbeschä- 
digte usw. erhalten auf schriftlichen Antrag das Essen für 
60 Pfg. 
o Keine Sommerzeit! Die ReichSregierung will auch 
in diesem Jahre von der Wiedereinführung der Sommer- 
die Komtesse zurückkehrt. Vergesfttr.Sie jene Nacht. Er 
innern Sie sich nur daran, edel gehandelt zu haben, an 
nichts anderes." 
„Zu spät," erwiderte er. „Ich kann nicht." 
„Sie find ein Mann, und Sie sagen das?" 
„Eben weil ich ein Mann — und Sie das find, was 
Sie sind." 
Sie errötete. Weiter beugte sie sich über den Tisch 
zurück. 
„Sie dürfen nicht so reden," sagte sie. „Sie wissen nicht, 
was Sie sagen — und — wer ich bin. Still! Ich glaube, 
ich höre die Komtesse." 
Sie schloß halb die Augen und neigte den Kopf 
lauschend ein wenig vor. Die Lampe streute zitternde Lichter 
über ihr Haar, und es ging wieder jener feine, süße Blumen 
duft von ihr aus, der die Sinne so weich und schmei 
chelnd umfing. Ihre Schönheit, ihre Nähe brachten Heinz 
halb von Sinnen. Er riß sie in seine Arme, und, unsinnige 
Worte stainmelnd, bedeckte er ihr Gesicht, ihr Haar, ihren 
weißen Hals mit seinen brennenden Küssen. Willenlos hin 
gegeben lag sie an seiner Brust, mit geschlossenen Augen 
und stürmisch pochendem Herzen. Als er seinen Mund 
fest auf ihre weichen Lippen preßte, empfand er beseligt, 
wie sie den Druck zurückgab, und wie innig sie sich an ihn 
schmiegte. Wie lange er sie in seinen Armen gehalten, 
wußte er nicht. Jedes Gefühl für Zeit und Ort waren ihm 
verloren gegangen. Er wußte nur, daß sie sich plötzlich, 
wie aus einem wirren Traum erwachend, von ihm lossiß, 
daß sie aus dem Zimmer flüchtete, und daß an ihrer Stelle 
die Komtesse Waldendorff vor ihm stand. Sie lachte leise, 
als sie in sein verstörtes Antlitz sah. 
„Sie sind-ein bißchen rajch und gewaltsam in Ihren 
Liebesgeschichten, Herr Hollfelden, finden Sie nicht?" meinte 
sie, und er wurde nicht klug daraus, ob sie wirklich un 
willig war. „Sehen Sie, und nun hat sie Sie allein gelassen." 
„Ich war wahnsinnig," murmelte Heinz. Er wär» 
am liebsten da»sugestürzt. r * 
Ader die Gräfin trat ruhig an die Teemaschine und 
füllte zwei Gläser. 
zeit Abstand nehmen. Als Grund gegen die Einführung 
der Sommerzeit wird angeführt, daß vom 15. März ab 
inr besetzten rheinischen Gebiet die mit der mittel 
europäischen Zeit übereinstimmende westeuropäische Som 
merzeit eingeführt worden ist, so daß gegenwärtig rechts' 
und links des Rheins Zeitgleichheit besteht. Diese würde 
wieder durchbrochen werden, wenn Deutschland die mittel 
europäische Sommerzeit einführte, da nicht darauf zu 
rechnen ist, daß die Besatzungsmächte mit der Einfüh 
rung der deutschen Sommerzeit im besetzten Gebiet ein 
verstanden sein würden. Die großen Nachteile, die aus 
einer Zeitdifferenz längs der Nheinlinie erwachsen würden, 
sprechen entscheidend dafür, schon aus diesem Grunde 
von der Einführung der Sommerzeit in diesem Jahre 
abzusehen. 
o Teuerungszulage und Tarifvertrag. Ueber die viel 
fach strittige Frage, ob nach Abschluß eines Tarifvertrags 
noch besondere Teuerungszulagen gewährt werden sollen, 
hat ein vom Reichsarbeitsministerium einberufener Schlich- 
tungsauSschuß einen Schiedsspruch gefällt, der sich aus 
dep Standpunkt stellt, daß Verträge, wenn sie abgeschlossen 
sind, gehalten werden müssen, und nur dann gegen den 
Willen der Parteien geändert werden können, wenn eine 
beim Vertragsabschluß nicht vorauszusehende vollständige 
Umwälzung der Verhältnisse eingetreten ist. 
o Erböhte Löhne und Sonntagsruhe im Frisörge» 
teetS«. Die Berliner Frisörgehilfeu sind in eine Lohn 
bewegung eingetreten. Der von ihnen zum 1. April 
gekündigte Lohntarif bildet gegenwärtig den Gegenstand 
neuer Verhandlungen zwischen den Gehilfenverbändcn und 
der Interessengemeinschaft der Frisöre Groß-Berlins, die 
die Vereinigung aller Arbeitgeber darstellt. Ob es zu 
der angedrohten Arbeitseinstellung (seitens der Gehilfen 
kommen wird, hängt bon dem Ausgang der Verhand 
lungen ab. Die Arbeitgeber erkennen an, daß der bisherige 
Wochenlohn der Gehilfen, der sich im Durchschnitt auf 
90 M. beläuft, im Hinblick auf die teure Lebenshaltung 
gänzlich unzulänglich ist, und man hofft auch, bei einigem 
Entgegenkommen aus beiden Seiten eine Einigung in 
der Lohnfrage zu erzielen. Andererseits höben sich die 
Frisörgeschäfte gezwungen gesehen, vom 1. April ab ein» 
wesentliche Erhöhung ihrer Preise für die Bedienung dcS 
Publikums vorzunehmen, die nicht nur durch die Mehr 
forderungen deö Personals notwendig geworden ist, sondern 
auch bedingt wird durch die dauernd steigenden Preise 
aller Betriebs-Bedarfssgegenstände. Gegenstand der Ver 
handlungen zwischen den beiden Gruppen bildet ferner 
u. a. die Frage der völligen Sonntagsruhe. 
o Das Zölkkoat der Lehrerin aufgehoben. Das Unter 
richtsministerium hat alle bisherigen Erlasse, wonach Leh 
rerinnen im Falle der Verheiratung nicht weiter beschäf 
tigt werden dürfen, aufgehoben. Fortan darf in die Berufss- 
urkunden der Lehrerinnen kein Vorbehalt mehr aufgenoiw- 
men werden, daß im Falle ihrer Verheiratung ihre An- 
stcllungssähigkeit erlischt. 
o Tie Kunstausstellung im Bürgerfestsaal unser,PS 
Rathauses wurde an den Osterfeiertagen von 250 zahlen 
den Personen besucht. Die Ausstellung ist täglich von 
10—7 Uhr bis zum 26. April geöffnet. 
o Eltevnbeiratöversammlung der Schulreformer. Uns 
wird geschrieben: Die Mitglieder der Elternbeiräte befin 
den sich häufig in völliger Unklarheit über die Aufgaben 
der neuen Körperschaften. Da von vielen Seiten an ihn 
dre Anfrage gerichtet wurde, hat sich der Bund entschiedv- 
tier Schulresormer entschlossen, zu einer öffentllchcn Ver 
sammlung aller Elternbeiratsmitglieder sämtlicher Schu- 
„Nehmen Siel" oat sie liebenswürdig und reichte rtfm 
das Glas. „Der Tee wird Sie beruhigen. Oder muß ich 
mich auch vor Ihnen fürchten?" 
Sie lächelte ihn schalkhaft an. Er nahm behutsam 
ihre Hand und küßte sie. 
„Sie sind eine gütige und vortreffliche Frau, gnädige 
Frau Gräfin," sagte er dankbar. Sie drohte ihm lächelnd 
mit den Fingern. 
„Ich glaube, man muß sich vor Ihnen in acht nehmen, 
Herr Hollfelden!" scherzte sie. „Von Margot bekommen 
Sie nun freilich heute abend nichts mehr zu sehen. Kommen 
Sie zu einer besseren Stunde wieder, Herr Hollfelden." 
Er verstand den Wink und verabschiedete sich. 
11. Kapitel. 
Den kurzen Weg bis zu seiner Wohnung hatte Holl 
felden in dem halb schlafwandlerischen Zustande eines 
Menschen zurückgelegt, dessen Nerven in der natürlichen 
Reaktion gegen ein Uebermaß von Erregungen ihren 
Dienst zu versagen beginnen. In der Tat hatte dieser 
Abend mit seinen neuen Offenbarungen und mit dem 
durch sie bedingten jähen Wechsel der Stimmungen an 
seine Widerstandskraft Anforderungen gestellt, denen wohl 
auch ein Stärkerer kaum gewachsen gewesen wäre, und er 
hatte im Augenblick keinen anderen Gedanken, kein anderes 
Verlangen als die Sehnsucht nach Ruhe und Schlaf. 
Um so peinlicher'war seine Ueberraschung, als er sich 
in dein nämlichen Moment, da er den Schlüssel in das 
Haustürschloß steckte, von einer wohlbekannten, matten 
Stimme mit seinem Namen angeredet hörte. 
„Sie hatten mir zwvr ein Wiedersehen im Klub in 
Aussicht gestellt, Herr Hollfelden," sagte Dr. Dombrowski, 
der mit leichten Lüften des Hutes an seine Seite getreten 
war, „da Sie es aber, wie ich sehe, vorziehen, daheim-tzu 
bleiben, darf ich vielleicht um die Erlaubnis bitten, in 
Ihrer Wohnung noch eine Viertelstunde mit 
verplaudern."
        
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