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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Fleiß, aber der Hintergrund 511 schwarz. K. E. Meyer 
stellt schöne Blumcnstücke aus, auch D tolze's „Sommer- 
dlumcn" wirken vorzüglich. 
Gute Aquarelle sind zahlreich vertreten. Sehr hübsch 
ist das lteine Bild von Stolze: „Sommertag". 
Eine große Tafel, wie man sie tinicr Glas selten findet, 
ist Türk cs „Holsteinische Flachlandschaft" im EintrittS- 
salon. Der Natur getreulich abgelauscht und liebevoll durch 
geführt. Für Privaträume zu groß. Die Glasscheibe kostet 
heute sicher 800 Mark. 
Gottfried Fischer hat 14 Aquarelle aus Frank 
reich, Dittcbraud -1 aus Brügge ausgestellt. Sehr 
brave Arbeiten. Zw jener stellt 4 schöne, sauber durch 
geführte Bilder vornehmer Innenarchitektur, zum Teil 
farbig, aus. 
Bon Schwarz-Weiß-Blüttern nenne ich 10 Handzcich- 
nungcn von Fritz Arbeit, hübsche Landschäftsbilder, 
naturgetreu und flott durchgeführt. Eine größere Zeich 
nung stellt S ch ü t e l unter dem Titel „Mutter und Kind" 
auS. Figürlich und landschaftlich gleichwertig und har 
monisch in der Gesamtwirkung. Lenz zeigt hübsche Hand- 
zeichnungen in Schwarz-lvciß-Manier und sehr hübsche 
Exlibris-Entwürfe. 
Neben sehr viel anderen guten Sachen hängen auch 
einige Sezcssions- (futuristische, kubistische, fragmentische, 
sammclsurischc) Klexcveicn an den Wänden, die außerhalb 
meines Gesichtskreises sich befinden. Da staunt der Fach 
mann, und der Laie wundert sich. Es wäre besser, sie 
wären verhängt, damit man sie nicht sieht, wie cs beim 
Belagerungszustand der Fall ist. Das sollte aber niemand 
abhalten, diese Ausstellung zu besuchen. F taug er. 
(8aFdr, unsrer tz-Origlnalartikel nur mit Quellenangabe gestakket.) 
0 Nach Ostern! Im Sonnenschein der erste lag, 
der zweite war ein Regentag. Wenn man es vorher 
gewußt hätte, hätte man sich seine Zeit darnach ein 
teilen können. So hat vielleicht mancher den ersten Tag 
verpaßt und am zweiten sich gelangweilt. Wer sich aber 
ganz der Wettcrstimmung angepaßt hatte, der verlebte 
den ersten Tag draußen in der vom Frühling hübsch 
geputzten Natur und blieb am zlveiten Tage zu Hause oder 
ging ins Kino, in ein Cafö oder eine Gastwirtschaft, 
um über den trostlosen Tag hinwegzukommen. Denn un 
aufhörlich goß cs vom Himmel, ein Dauerregen war 
cs, der einem jede Festesfreude verleidete. Ter große Ver 
kehr, der am 1. Feiertage vorherrschend war, ebbte am 
zweiten sehr^ ab. Und die Besitzer von Gartenlokalen, 
die am 1. Tage kaum alle Gäste bedienen konnten und 
sich die braune Brühe, genannt Kaffee und sonstiges Ge 
bräu gut bezahlen ließen, machten am nächsten Tage 
saure Gesichter! Desto mehr freuten sich die Gastwirte 
im Orte. Wat dem een sin Uhl — — 
0 Ein Postkarten- und ein Bricfmarken-Automat ist 
vor unserm neuen Postgebäude jetzt aufgestellt worden. Hof 
fentlich geben diese Automaten nun auch Postwertzeichen 
her und find nicht, wie in diesen Tagen, „außer Betrieb."' 
0 Bergütrrtng aus Monatskarten. Tie Eisenbahnverwal 
tung zahlt auf Monatskarten wegen des Ausfalls sieben 
Einunddrcißigstel des gezahlten Betrages zurück. Tie 
„Boss. Ztg." gibt hierzu folgende Gebrauchsanweisung: 
man nehme den Preis der Monatskarte, dividiere ihn 
durch 31 und multipliziere den Quotienten mit 7. Bei 
spiel: eine Monatskarte Berlin-Friedenau kostest. 
6,30 M.; 6,30 M. : 31 — 0,203 225 M.; multipliziert 
mit 7 ergibt: 1,422 575 Mark. Nach dieser einfachen Rech 
nung werden an den Lösungsschaltern in verkehrsstillcn 
Stunden gegen Vorzeigung der März-Monatskarte diese 
Beträge zurückgezahlt; in Ermangelung des nötigen Klein 
geldes natürlich bis auf die zweite Dezimalstelle!'Wer seine! 
Karte schon abgegeben hat, wende sich schriftlich an das 
zuständige Eiscnbahnverkehrsamt. 
0 Häuser au Ausländer. Das Haus Offenbacher Str. 
Nr. 7 ist in den Besitz des Holländers .Stoutenbck in 
Bevervik übergegangen, der auch die Heiden Häuser Bam- 
berger Straße 32 und 33 in Schöneberg gekauft hat. 
0 Die verschwundene Brücke. Die allen Besuchern des 
Grunewalds wohlbekannte Holzbrücke am Gruncwaldsc 
tu umniitelbarer Nähe der ehemaligen Militärvadcanstalt, 
die die Verbindung zwischen beiden fl fern des Sees her 
stellte, ist über Nacht verschwunden. Sie ist aber nicht 
etwa in den Sumpf versunken, auch, haben nicht notleidende 
Holzsuchcr sic abgetragen, sondern, wie festgestellt wurde, 
hat das Ncichsverwertuugsamt (Abtlg. Kadettenanstalch 
die Brücke au einen Holzhändlcr verkauft, ohne daß Ss dicke 
Amtsstelle für nötig gefunden hätte, Leu Verband Groß- 
Berlin, als dem Besitzer des Waldes, davon in Kenntnis 
zu fetzen. Gewiß hätte der Berband Groß-Berlin zum 
Besten der erholungsuchenden Groß-Bcrliuer Bevölkerung 
die Holzbrückc gern gekauft. Ebenso ist auch die ehemalige 
Militärbadeanstalt mit ihren Holzbauten an einen Holz 
händler verkauft worden. Das Vergehen des Rcichsvcrwer- 
kungsamtes kann nicht anders als eine Ungeheuerlichkeit 
bezeichnet werden. Derartige, dem Allgemeinwohl dienende 
Einrichtungen sollte,: doch zunächst den öffentlichen Kör 
perschaften angeboten werden, che man sic zur geschäft 
lichen Äusbeutung an einen Händler — verschiebt. 
0 Tie „Nichitlrnten der Technischen Rothilfe". Die 
zuweilen die Frage aufgeworfen worden ist, auf Grund 
welcher Verordnung die Technische Nothilfe beim General 
streik eingesetzt worden ist, sei hiermit der wörtliche Aus 
zug aus den vom NeichSministerium des Innern durch 
Erlaß vom 4. 2. 20 IIE 300/11 für die Wirkungsweise 
her Technischen Nothilfe herausgegebcncu „Richtlinien" 
bekanntgegeben, nach denen sich das Eingreifen der Tech 
nischen Nothilfe zu vollziehen hat. Die betr. Stelle lautet: 
„Die Technische Nothilfe ist eine Arbeitsgemeinschaft, 
namentlich technisch vorgebildeter Arbeitskräfte, die sich 
bereit erklärt hat, zur Sicherung der inneren Ruhe und 
Ordming und des Wiederaufbaues des deutschen Wirt 
schaftslebens Notstandsarbciten dort zu verrichten, wo eS 
sich um die Aufrechterhaltung gefährdeter lebenswichtiger 
Betriebe handelt, sowie in Füllen der Not durch Höhere- 
Gewalt. z. B. Feuers- und Wassersnot, Eisenbahnunglücken 
usw. einzugreifen. Als lebenswichtige Betriebe sind 
namentlich anzusehen: Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerke, 
Eisenbahn-, Post-, Telcgraphenwerkstätten, Hüttenbetriebe, 
Bergwerke, .Landwirtschaft, Zuckerfabriken, Brennereien, 
Mühlen, Schlachthäuser, Erzeugungsstättcii künstlichen 
Düngers". 
■ P^ Tas Ätnopubkikum organisiert sich! Unter dem' 
, Manien « „Bund der Lichtspielfreunde, einqctraq. Verein 
' KW-PfleK guter Lichtspielkunst in Mo.,Heckn unüBercin" 
•/ WMe Berlich W. 57, v - \ 
Kinopublikums ins Leben - gerufen worden. Der Bund 
will für seine Mitglieder billige Vorführungen von güten 
unterhaltenden und belehrenden Filmen in Lichitsptel-l 
theatern, im Heim und in Vereinen veranstalten, «er 
arrangiert Privat-Filmaufnahmen und vertritt die Rechte 
des Publik,uns gegen die andauernde Verteuerung und 
übermäßige Bestciicriing der Lichtlpielvorsührungen. In 
allen Orten des deutschen Sprachgebiets sollen Orts 
gruppen gebildet werden. 
0 Ein geistliches Or.qelkäuzcrt fand am Oster- 
Sonuabend in der Paul-Gerhard-Kirche in Schöucbcrg statt. 
Professor Arthur Egidi eröffnete cs mit der auf der 
tlaiigvolleu Orgel tief empfunden gespielten und mit künst 
lerischem Verständnis registrierten C-moll-Fantasie von 
Bach. Er spielte ferner drei Choralvorspicle von Brahms 
und zun, Schlüsse Präludium und Fuge „Jesus meine Zu 
versicht" von Hugo Kau,,. Das Fraueutcrzett von Olga 
Fleck (Sopran),'Mary Hahn (Mezzosopran) und Marie 
Fuchs (Alt) entzückte durch seine wunderbaren a-capella- 
Gesängc von Gasparo Sacchini und Luigi Bvrdcse in la 
teinischem Text. In vorzüglicher Tongebung, rein in der 
Aussprache und in glänzendem Vortrag vereinigten sich die 
schönen Stimmen zu harmonischem Drciklaug. Kammer 
musiker Georg Liniestädt (Geige) brachte die A-dur- 
Souatc von Händel und das Adag:o aus dem G-moll-Kou- 
-ert von Max Bruch innig, mit großem, schönem Ton sowie 
sauberster Technik und Bogcnsührung zu Gehör. 
0 Ein Ostcr-Äoirqcrt veranstaltete der „Mannerchor 
Friedenau-Steglitz" (M. d. V. 2l.-S.-B.) am 1. Feiertag 
,m Fcstsaale unseres Realgymnasiums. Unter der Leitung 
seines tüchtigen Chormeisters, Herrn Joh. Th. Hickeu- 
dorff, bot der etwa 70 Säuger starke Chor durchaus 
Gutes. Wenn mau bedenkt, daß cs sich hier zumeist um 
Männer handelt, die tagtäglich in Werkstätte und Fabrik 
ost schwere Arbeit zu verrichten haben, so muß man sich 
um so mehr über das gute Stimniaterial, das durch die 
sachgemäße Schulung des Chorleiters Schliff und Klang 
erhalten hat, herzlich freuen. Besonders schön sind die 
zweiten Bässe. Die ersten Teuöre sind etwas dünn, ein 
Mangel, unter dem ja die meisten Männerchöre zu leiden 
haben. Aber durch, weise Zurückhaltung der Bässe versteht 
es der Ehormeister, hier einen harmonischen Ausgleich zu 
schaffen. Die Aussprache könnte noch etwas besser sein; 
sonst aber müssen Tongebung, Bortrag und pünktliches 
Einsetzen gelobt werden. Prächtig saug der Chor iusbe- 
soudcrc den „Jäger aus Kurpfalz" von Othegravcn, „Tord 
Folison" von Urhmanil, das sozialistische Kampflied „Dem 
Lenz entgegen" von Uthmaun, die schlichte Volksweise „Drei 
Röslein" von Silchcr und das derb-humoristische „Meister 
und Gesell" von Zelter. Tie zahlreiche, dankbare Zuhörer- 
schar geizte nicht mit lautem, wohlverdientem Beifall. Fer 
ner Wurden die Besucher erfreut durch das technisch saubere 
sowie empfiudungsvolle Spiel der Cellistin Marie 
Schramm, durch den edlen Gesang der Sopranistin Beate 
Zurtcr und durch die heiteren Lieder zur Laute, die 
Marianne Geyer temperamentvoll, treffend in Mimik, 
Sprache und Vortrag, zum Besten gab. So wechselten Ernst 
und Scherz in bunter Reihe ab, und in den künstlerisch 
vollendeten Darbietungen wurde jedem Teilnehmer ein 
schöner Abend bereitet. M. 
0 Männer-Turir-Vereiir E. V. Leichtathletische (nv 
öffnungswcttkämpfc veranstaltete die Sport-Abteilung des 
obigen Vereins am 2. Osterscicrraq ans dem Gemeinde- 
spiel- und Sportplatz Offenbacherstraße. Folgende gute 
Leistungen wurden erzielt: 100 Metcr-Vorgabclausen: 1. 
E. Hübner (ly/ Meter Borg.), 2. W. Lauer (Mal), Zeit: 
12,2 Set. 60 Merer-Hürdeulaufen: 1. P. Ruhntc, 2. W- 
Kaapke, Zeit: 11 Setz 400 Meter-Vorgabelaufen: 1. P. 
Ruhiike «Mall, 2. W. Hübner (10 Meter Borg.), Zeit: 
60 Ser. 1500 Meter-Mallaufen: 1. P. Ullrich. 2. W. 
Lauer, Zeit: 5 Min. 8,1 Sek. 5000 Mcter-Mallaufcu: 
1. H. That, 2. W. Tuch-l, Zeit: 10 Min. 31,3 Sekt 
Hocksprung: 1. E. Hübner 1,62 Meter, 2. R. Walter 
1,52 Meter. Stabhochsprung: 1. E. Hübner 2,85 Mir., 2. 
P. Ruhirke 2,65 Mir. Diskuswerfen: 1. W. Berndt 28,50 
Meter, 2. R. Walther 27,75 Meter, 3. O. Neumann 26,40 
Meter. Am Eharsrcitag fand der Krciswaldlauf des 
Tunikrcises 3B. (Mark Brandenburg) start, bei welchem 
die Jugendmannschast obigen Vereins im Mannschafts 
wettbewerb den 4. Platz belegte. 
0 Ein übler Studentenulk. In der Freitag-Nacht 1,35 
früh, wurde dcr Feuermelder am Elektrizitätswerk bös- 
willigerwcise in Tätigkeit gesetzt. Die Ucbeltäter waren 
5 Studenten, die sich den „Ulk" machen wollten, un 
sere brave Feuerwehr herauszuklingeln. Zufällig befand 
sich nur diese Zeit der Polizciivachtmcistcr Brückner mit 
seinem Polizeihund aus dcr Straße. Mit Hilfe des' Hun 
des konnte er die 5 Unsugstifter festnehmen. Ohne de» 
Hund uiuc ihm diese Festnahme nicht möglich gewesen, 
weil die Verhafteten nicht übel Lust zeigten, gegen den 
Beamten, der sich außer Dienst befand, handgreiflich zu 
werden, um dann auszureißerr. Der Hund aber stellte 
alle Fünf und ließ keinen entwischen. 
VereinsDackrickren 
)( Ter Ortsverein Friedenau des Verbandes der mittleren 
Neicho-Post- und Tclegraphenbcamten hätt amMittwoch, d. 7. April 
in der Kaiserburg (Kaiserallee, Ecke Wilhelmstr.) seine diesjährige 
ordentliche Generalversammlung ab. Beginn 8 Uhr. Neuwahl 
des Vorstandes, Wahl der Vertreter zum Bezirkstag am 11..April. 
Zu dem Verhalten des Verbands- und Bezirks-Vorstandes in der 
Streikfrage ivird Stellung genommen werde». Auch erfolgt die 
Kartenaüsgabe für den heiteren Abend am 10. April in Dahlem, 
Restaur. Schilling. Da hervorragende Kräfte mitwirken u. a. 
Humorist Brau», ist die rechtzeitige Beschaffung von Eintrittskarten, 
die in beschränktem Umfange ausgegeben meroen, erforderlich. 
)( Oberschlesier! Vergeht morgen nicht die Versammlung 
im Reformrealgymnasium Homuthstr. Den Vortrag hält diesmal 
Herr Werkmeister Peter Kachel aus Oppeln. Mitglieder sowie 
Aichtmitglicder sind herzlich willkommen. 
)( Frauenausschuß Dtsch. Volksp., Ortsgr. Friedenau. Die 
Sitzung des Frauenausschusses findet nicht am <1 4. 20, son 
dern am Mittwoch, den 7. 4. 20 in einem Klassenzimmer der Kö- 
nigin-Lujsc-Schule, abends 8 Uhr »statt. Auf Wunsch findet eine 
politische Aussprache statt, nach dcr die Kaiidüatinneiisrage be 
sprochen werden soll. Die Mitglieder werden gebeten, recht zahl 
reich zu erscheinen. Es wird schon jetzt daraus hingewicsen, das; 
am 18. 4. ein Teeabend des Frauenausschusses im Gesellschafts 
zimmer des Ratskellers stattfindet. 
)( Deutsche Volksp., Wahlkreis-Frauenausschuß. Donnerstag, 
den 8. April, 5—8 Uhr, Wilhelmsgymnajinm, Vellevuestr. 15. 
FrancnbcrusSfragcn. 1. Frau CH. Mühsam: Der Berns dcr Haus 
frau. 2. Frl. Anna Rose Bube: Die Frau in Handel und Ge 
werbe. 3. Referrntin noch unbestimmt: Der Beruf dcr Ange 
stellten. Karten an der Abendkasse. 
)( Der ReichssraucnauSschuß der Deutsch. Bolkspartei ladet 
alle Frauen dcr Partei girr Reichsfrauentaguiig am.18. April, 
morgens 10 Uhr, im Meistersaal, Köthenerstr. 38, eich Näheres 
wich^L bekannt gxgebE. :M. 
)( An alle Westpreußc»! Ai» Donnerstag, bei, »8. April, 
abends 8 Uhr, findet die Eröffnungsverfammlung deS Bundes 
heimattreucr Westpreußen, Bezirk südliche Vororte, statt und 
zwar in dcr Aula deS ReformrealgymnafiumS in Friedenau, Ho- 
muthstraße. Alle Westprcußen, insbesondere die Abstimmnngs- 
bcrcchtigtcn, werden üufS dringendste gebeten, zu erscheinen. Ins 
besondere werden die Abstimmungsberechtigten gebeten, möglichst 
eine Legitimation niitzubringcn, denn zu ihrer Bequemlichkeit 
sollen die vorgeschriebenen Beglaubigungen dcr Anträge auf Aus 
nahme in die Abstimmungslifte durch einen in der Versammlung 
anwesenden Beamten sogleich au Ort und Stelle'ausgeführt wer 
den, wodurch den Abstimmungsberechtigten der Gang zur Po 
lizei, sowie die Abscndnng dcr Anträgs erspart wird. Gäste will 
kommen. , 
)( Dcr Verein dcr Westpreutzcn hält zur Vorbereitung zwei 
große Versammlungen ab, bei denen zugleich die betreffenden. 
Anträge auf Aufnahme in die 'Abstimmungsliste durch einen an 
wesenden - Beamten aufgenommen und beglaubigt werden. Die 
Versammlungen finden statt: 1. am Freitag, den 0. April, 
abends 8 Uhr, in der Aula dcr Hohcnzollcrnschnle, Bclzigerstr. 48 
bis 53, Ecke Eiscirachcrstr. Es werden sprechen Gehciinrat Ncuen- 
fcld und Dr. Oettingcr. Diese Versammlung ist bestimmt für 
Berlin, 2. Schöucbcrg und Umgegend. 2. am D 0 n 11 c r S t n g, 
den 8, April, abends 8 Uhr in Berlin-Friedenau im Realgym 
nasium in der Homuthstraße. Diese Versammlung ist bestimmt 
für Friedenait und die sämtlichen südwestlichen Vororte. 
> Märrncr-Tmm-Bcrein 6. B. (Deutsche Turnerschast). Obtw. 
Am Freitag, den 0. April, abends 8 Uhr, findet in der Turnhalle 
deS Gymnasiums ein gemeinsames Turnen dcr Mäiinerabtcilungeir 
statt. Da es sich um Vorbereitnngcw für bas am 28. April statt 
findende Schauturnen handelt, sind die Mitglieder verpflichtet, 
recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 
2taTd>rift$n 
Bür diese Rubrik übernehmen wir keine Äxtantchyr-Inug-) 
Hausverkäufc an Ausländer! 
Die Gcmeindcocrtrctung Friedenau hat einen Beschluß ge 
faßt, zu dem ich, da ich der Sitzung nicht beiwohnen konnte, eine 
öffentliche Erklärung abgebe, die an Klarheit nichts zu wünschen 
übrig lassen soll. Der Beschluß soll einen moralischen Druck ans 
die Hauswirte ausüben, dahin, Hausvcrkänse an Ausländer zu 
unterlassen, um eine Verschuldung an daö Ausland zu verhindern, 
zum mindesten soll ei» Rückkanssrecht festgelegt werde». «Dcr An 
trag, recht oberflächlich durchdacht und undurchführbar, verdient 
cs, näher beleuchtet zu werden. 
Zuerst einige Feststellungen: Die Regierung setzt alle Helfet 
in Bewegung, um AuslandSkrcdite zu er backen, um das wirtschaft 
liche Lebe» z» erbalten. Fabrikanten biete» in alle» Zeitungen 
alle mögliche» Artikel und Ware» dem Auslande an, um Geld zu 
verdienen, alle Kapitalistenkrcise verkaufen Aktien deutscher Fir 
men usw. a» Ausländer, Kaufleute nützen die verringerte Produk 
tion aus und nehmen für ihre Waren Preise, die in keinem Ver 
hältnis zu den Herstellungskosten stehen, die Landwirtschaft, die 
Lebeiismittclnot ausnützend, erhält z. B. für Obst, dessen Wachs 
tum wenig mehr Kosten verursacht, den zehnfachen Preis, die 
arbeitende Bevölkerung streckt, um politische Ziele zu erreichen 
und sperrt selbst die Gas-und Wasserwerke, die Lebcnsmittclzufuhr, 
wodurch die Kranken in Krankenhäusern in Lebensgefahr tvmiueu. 
Es steht also die Tatsache fest, daß alle'Berusskreisc, Beamte, Ar- 
beitcr und politische Parteien Iveuig Rücksicht auf die Gcsamtvolls- 
wirtsthaft nehmen, wenn es gilt, ihre Interessen zu vertreten. 
Ist dies immer moralisch, national! Und tm Interesse der Volkswirt 
schaft? Nun soll nach Dr. Hasse ausgerechnet der Hauswirt eine 
besonders gute Moral zeigen und im angeblichen Interesse des 
Ganzen sich aufopfern, d. h. nach seiner Pleite durch Subhastion 
sich aus dem Hause treiben lasse», wahrscheinlich aus folgenden 
Gründen: weil vor dem Kriege infolge dcr Ilcbcrproduktimi von 
Häusern die Wohnungen unter dem normalen Wert vermietet wer 
den mußten, weil er vor und zu lBegiun deS Krieges monalclauß 
umsonst wohnen lassen mußte, auch oft noch den Umzug bezahlte, 
weil er in den ersten Jahren des Krieges Mietsnachlässe freiwillig 
und erzwungen gewährte, weil er während des 'Krieges unter eine 
Ausnahmegesctzgebung gestellt wurde, Ivie kein anderes Gewerk«:, 
weil die Tätigkeit der Mictseinigungsämtcr so gerecht und weise 
war, daß überwiegend dcr Hauswirt allein die stetig steigen 
den Kosten zu tragen hatte, weit er sicht, daß er für Koks 22 mal 
soviel bezahlen muß, wie im Frieden/ für sonstige Arbeiten 10 bis 
15 mal soviel, weil er sicht, dgß dcr Herr WohlsahrtSmiuistcr trotz 
dcr Gutachten der Handwerkskammern, die einen Reparatur- 
zuschlag von ca. 80 Prozent für gerecht halten und trotz der 
nachgewiesenen ca. 40 Proz. Mehrkosten für Steuern, Wasser, 
Licht, Parlier, Müllabfuhr, Glasversicherung, also zus. 70 Proz. 
nur insgesamt 20 Prozent Mietssteigernng bcwUligcn will, weit 
er sieht, wie Gewerbetreibende reich werden, wie T«e- 
amtc vielfache Gehaltserhöhungen und Teuerungszulagen, Haud- 
«verker und Ülrbciter 5—10 fache» Lohn erhalten, aber sich weigern, 
jede noch so begrüiidcic Mietscrhöhung hinziinchiiien. Diese Tat- 
sachci: sind iveuig geeignet, moralische Gefühle zu stärken, im 
Gegenteil, sie müssen jedes Empfinden dafür restlos töten. 1913 
sind in Groß-Berlin Grundstücke im Werte über 280 Millionen 
Mar! zwangsweise versteigert, gewiß ein Zeichen der schlcchicn 
Lage des Hausbesitzcs und seines Kampfes um die Existenz. 
Wären nicht die KriegSuotgefetzc noch in Kraft, so würden jetzt 
noch viel mehr Häuser zur Subhastion kommen. Müde des anf- 
rcibcndcn Kampfes und dcr per?. Anfeindungen, ohne Aussicht 
auf Erholung, brutal entrechtet und seiner Rechte beraubt von 
einem Minister, der sich sozial nennt, bleibt dein finanziell 
schwächeren Hauswirt nur der schleunige Verkauf, ganz gleich 
mi wen, um seine Existenz zu retten. Sich und seiner Faniilia 
die Existenz zu erhalten, kann nie unmoralisch genannt werden. 
Bon erheblichem Gewinn, das zeigen die Hausverkanfspreiser 
ist leine stkede, ja vielfach werdest die jObjekte unter dem Erwerbs- 
Preise losgeschlagen. Dcr Hauswirt wird und kann die an 
dauernden Steigerungen der Hausunierhaltnngskosten nicht mehr 
aus seiner Tasche zahlen. Auch er macht das Recht für sich geltend, 
zu streiken, d. h. durch Verkauf seines Hauses seine Last los zu 
werden. Herr Dr. Hasse und seine Getreuen scheinen auch nicht 
zu rvlsscn, daß 05 Lrozent dcr HauSivirte dem kleinen Mittel 
stände angehören, daß alte Rentner, Handwerker und sonstige 
Gewerbetreibenden ihre oft sauer erarbeiteten oder erspar.».'» 
Gelder in Häusern angelegt haben, daß sic nicht Hausbesitzer, son 
dern Hausverwalter für die Hhpothekeiiglüubigcr sind. Eö scheint, 
daß Dr. Hasse nur den bisherigen Zustand aufrecht zu erhalten 
wünscht, iveil der Hauswirt bisher ein geduldiges Drangsalrej 
rungsobjctt war. Und nun das R ü ck k a u fs re ch t. Die HauS- 
lvirte verzichten dankend darauf, es geltend zu machen, sie sind 
glücklich, das lästige, sie ruinierende Hausobjctt los zu sein. Sie 
überlassen es den moralisch Entrüsteten, die Häuser zu übernehmen 
und einige Jahre Hauswirt zu spiele». Was meine Tätigkeit» 
oder die dcr Hauswirtegenossenschaft betrifft, so erkläre ich, Daß 
ich cs als meine Hauptaufgabe betrachte, dem notleidenden Haus 
wirt zu helfen, da dcr Herr Wohlfahrtsminister es mit der Moral 
für vereinbar hält, den Hauswirt zu ruinieren. Ich habe das Ver 
trauen der Hauswirte, dies ist für mich "maßgebend lind die Lln- 
sicht meiner Gegner muß solange unbeachtet bleiben, bis sic selbst 
die Moral wieder finden uiiö auch dem Hauswirt gerecht zu werden 
sich bemühen. Der Hauswirt wird sich seines Eigentums solange 
entäußern, bis gerechte ZusKinde eintreten. Er läßt sich das in 
dcr Bcrfassniig festgelegte Recht nicht nehnrcn, über seiner: Besitz 
so zu verfügen, wie cs ihm gefällte Eine Konzession will rch 
Dr. Hasse aber machen, nämlich vorzugsweise i h in «takt an Aus 
länder Häuser zu verkaufen; aber ick) fürchte, diesen moralischen 
Mut, sich für das Allgemciniickercsse zu ruihicrert, hat weder er 
noch seine Gcfolgnianncn. Es ist schö.r und 'kostet nichts, sich auf 
Kosten anderer zu entrüsten.« «Schließlich möchte ich nicht uner 
wähnt lassen, daß cs m. E. absolut nicht feststeht, ob der Hans- 
verkauf »an Ausländer zu bedauer.» ist, denn chnrch den Verkauf 
ziehen wir.fremdes Geld ins Land, steigern die Nachfrage nach 
deutschcm Gelde und heben dadurch die Valuta. Der Staat und!
        
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