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Periodical volume Nr. 74, 04.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

dem' Menschlichen Verbrauch zugeführt. Dann Nr eist als 
Kaffeesurrogat. Geröstet geivinnen die Körner das' täu 
schende Aussehen von sogen. Perlkaffee. Unter dieser irre 
führenden Bezeichnung werden sie auch dem Publikum zum 
Kauf angeboten, seltener unter dem Namen „Türkische 
Mokkabohnen". Sie geben zwar auch ein sehr starkes, 
nach Kaffee duftendes Gebräu ab, worauf viele reinfallen. 
Unvermischt und längere Zeit genossen, rufen sie im 
menschlichen Organismus Vergiftungserschcinungcn wach. 
Schon t«. Friedenszeiten wurde gemahlener Kaffee ge 
legentlich mit Lupinen durchsetzt. Ter Krieg mit der Ent 
blößung an allen Genußmitteln brachte die Lupine zu un 
verdienten Ehren. Doch ist sie leicht zu erkennen. Wäh 
rend echte Kaffeebohnen länglich sind mit durchlaufender 
Kechung und keine eigentliche Hülse haben, ist die Lupine 
rundlick), kurz gekerbt und zerfällt, beim Durchbeißen in 
eine äußere Schale und einen von der Röstung meist un 
berührt gebliebenen hellen Kern. Man lasse sich also 
von seinem Händler die Unvcrfälschlheit des echten oder 
für solchen ausgegebenen Kaffees garantieren. Lassen sich 
trotzdem Lupinen feststellen, dann weiß man ja, was das 
in Verbindung mit dem hohen Preis von 30—32 Mark 
das Mund Kaffee bedeutet, und veranlasse das weitere. 
Maximilian Maulbecker. 
o Briefpostbefördcrung nach Amerika im April. Im 
Monat April finden Postabgänge nach Amerika außer 
mit englischen Dampfern (etwa zweimal wöchentlich) noch 
mit folgenden Dampfern statt: 1. Dampfer „Fre 
derik VIII." nach Now-Jork, von Kopenhagen am 8. April, 
Postschluß in Hamburg (Auslandstclle) am 5. April mit 
tags und in Emmerich (Auslandstelle) am 4. Apritss 
2. Dampfer „Tomaso di Savoia" nach Rio de Janeiro 
usw., von Genna am 17. April, Postschluß in Frankfurt 
(Main), Auslandstelle, am 14. April; 3. Dampfer „Uni 
ted Staates" nach New Dort, von Kopenhagen am 22. 
April, Postschluß in Hamburg (Auslandstelle) am 19. April 
mittags und in Emmerich (Auslandstellc) am 18. April. 
Die Postschlüsse für die nächsten holländischen Dampfer 
nach Nord- und Südamerika können wegen des noch 
andauernden Arisstandes der Hafenarbeiter in Holland im 
voraus nicht angegeben werden. 
o Friicheuaucr Erfinder. (Zusammengestellt vom Pa 
tentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Gr. Frankfurter 
Straße 59.) Erwin Simon, Ringstr. 47, Bindsadenab- 
schncider mit auswechselbarer Klinge. — Richard Wens, 
Pichelsdorf b. Spandau, und Dr. Ing. Earl Birk, hier, 
Fregestraße 74, Vorrichtung zur Gewinnung von Tors, 
Ton und dcrgl. Angem. Patent. — Kreiselbau G. m. 
b. H., Berlin-Friedenau, Aushänguug von Geräten auf 
sich bewegenden oder erschütterten Gegenständen, insbe 
sondere Flugzeugen. Angem. Patent. — Dipl.-Jng. Lud 
wig Nagel, Kaiserallee 99-100, Kochtopf mit Heizmantel 
und eingebauten Hcizrippen. Gebrauchsmuster. — W. 
Altenkirch, Berlin, Gitschinerstr. 106a, und Otto Krebs, 
Hertelstraße 9, Vorrichtung zur Orientierung. Gebrauchs 
muster. — Kunibert Quandt, Kaiscrallee 83. Schlüssel- 
sicherung zur Verhinderung des Hcrausstoßens cine-5 inr 
Schloß steckenden Schlüssesl von außen. Gebrauchsmuster. 
o Die Vorschrift der Postordnung, in die Pakcto 
obenauf ein Doppel der A u f s ch r i s t zu legen, wird, 
wie die Erfahrung lehrt, nicht genügend beachtet. Zahl 
reiche Pakete, deren Aufschrift durch irgendwelche Zufälle 
während der Postbefürderung-verloren gegangen ist, kön 
nen dem Empfänger 'erst nach zeitraubenden Ermittlrmgen, 
vielfach überhaupt nicht zugeführt werden. Es empfiehlt 
sich deshalb Beachtung der Vorschrift. 
o Missionsstundc. Ostermontag, den 5. April, abends 
8 Uhr wird Missionsinspektor Pastor Zernick im Goßner- 
schen Missionshause, Handjerystraße 19—20, die monat 
liche Missionsstunde halten. 
o Volkstümlich: Vorträge im Botanischen Garten. Wie 
in den Vorjahren werdeir auch in diesem Sommer wieder 
von den Beamten des Bootanischen Gartens und Mu 
seums volkstümliche Vorträge über die verschiedensten Ge 
biete der Pflanzenkunde und Führungen durch die An 
lagen des Gartens nachmittags von V-6—7 Uhr oder 
von 6—7 Uhr veranstaltet werden, die jedem Liebhaber 
der Pflanzenwelt Anregung und Belehrung versprechn. 
Das nähere Programm und die Eintrittskarten sind jm 
Büro des Botanischen Museums, Dahlem, Königin-Luise 
straße 6—8, wochentags von 8hz—1 Uhr erhältlich, wer 
den auch von dort zugesandt; für die Führungen geben 
auch die Pförtner des Gartens Karten ans, 
o DaS 10. Sinfonie-Konzert im Deutschen Opernhause 
findet am Sonntag, .den 11. April, mittags 11 Uhr stack. 
o Tie Ortsgruppe Friedenau der Grostdeutschen Frei 
heitspartei veranstaltete am Mittwoch Abend jin Vereins- 
zimmer des „Prinzen Handjery" eine Mitgliederversamm 
lung, die vom Vorsitzenden, Herrn Rüge, eröffnet wurde. 
Herr Vollmer gab einen Bericht siber die Entwicklung 
der Partei, insbesondere der Ortsgruppe Friedenau. Er 
freulicherweise sei in den letzten Monaten auch in weiteren 
Kreisen der Bevölkerung ein lebhaftes Interesse an den 
Bestrebungen der jnngen Partei erwacht, wenn auch durch 
rege Werbearbeit der Gedanke noch weiter und weiter 
getragen werden müsse. Der Vorsitzende gab darauf für 
die zahlreich erschienenen Parteifreunde eine Uebersicht 
über die Hauptpunkte des Programms. Die Partei sei 
sozial und national und trete für ehrlichen Ausgleich 
zwischen Kapital und Arbeit ein. Die Vonnacht des Groß 
grundbesitzes und Großkapitals wolle sie einschränken, auf 
der anderen Seite aber das deutsche Volk von jedem ver 
derblichen Internationalismus befreien. Darauf ging der 
Redner näher auf die Ausgestaltung der Ortsgruppe Frie 
denau ein, und es wurde beschlossen, eine Frauengruppe 
zu bilden, deren vornehmste Aufgabe cs sein soll, durch 
praktische soziale Arbeit Zeugnis abzulegen für die ernsten 
Bestrebungen dieser Partei. Die Führung dieser Gruppe 
übernahm Fräulein L o o s e. Wie sich aus verschiedenen 
Anregungen und Anfragen ergab, wurden die Ausführun- 
gen der Redner mit Interesse aufgenommen. Zum Schluß 
wurde.darauf aufmerksam gemacht, daß von jetzt an regel- 
> mäßig alle 14 Tage Mittwochs eine Mitglicdervrrsainln- 
lung einberufen werden soll. 
v .Unser« Lichtspieltheater haben zu den Osterfeier tagen 
hübsche unterhaltsame Spielpläne aufgestellt. Die Ko 
libri-Lichtspiele führen das chinesische Abenteuer 
des Joe Tcebs „Der heulende Wolf" vor und ferner 
den Bruno Kastnersilm „Ter Weltmeister". — In den 
Krosnen licht spie len sehen wir Henny Porten in 
dem entzückenden Film „Monika Vogelfang". — Die 
Rheinschloß-Lichtspiele bringen nun den 8'und 
letzten Teil des großen Filmwerks „Die Herrin der Welt", 
betitelt „Die Rache der Maud Jergufson" vor. — Im 
H o h e n z o l l e r n t h e a t e r fesselt das romantische Filni- 
chonspiel „Die Erbin des Grafen von Monte Christo" 
ne Zuschauer, während ein lustiger Wanda Treumann- 
Film recht kitzeliche Szenen darbietet. — Die Rhein eck- 
Lichjtspiele haben neben dem Film „Die feindlichen 
Reporter" das ergreifende Drama „Die Schreckensnacht' 
im Irrenhaus" auf dem Spielplan. — Jm Bios<on- 
Theater sehen wir Eva May im „Eine Frauenbeichte" 
und außerdem „Die Tochter des Schmugglers". — Die 
Rüdes he im er Lichtspiele lassen es sich angelegen 
sein, nicht nur den Erwachsenen alles das zu bieten, 
wovon Berlin spricht, sondern sie erfreuen auch unsere 
Jugend mit. schönen Darbietungen; am 1. Feiertage sindi 
' für diese Humoresken und Filmspiele vorgesehen, am' 
2. Feiertag in einer Sonderjugendvorstellung der Riesen- 
monumentalsilm „Das Brillantenschiff" aus dem Aben- 
teurcrzyklus „Die Spinne". — In den Sportpalast- 
Lich,t.sPielen fesselt der große Film: „Er selbst sein 
Gott, vom Altar bis in den Tod". — Die C a szln o - 
Lichtspiele werden die Besucher mit dem Filmroman 
„Marchesa d'Armiani" in Spannung gehalten, desgleichen 
durch den Tetcktivfclm „Der Würger der Welt". — Im 
Florakino sehen wir das Sensationsdrama „Das 
Auge des Buddha", sowie das köstliche Lustspiel „Ein 
vergnügter Sonntag!" — Tie Albrechts hoflicht- 
spiele führen den Asta Nielsen-Film „Graf Sylvains 
Rache" vor. Jm Kabarett wird ein besonders abwechs 
lungsreiches Programm geboten. 
o Jm Restaurant und Cafe „Rheineck" werden den 
Besuchern an den Festtagen auserlesene geistige und leib 
liche Genüsse dargeboten. Näheres darüber enthält die 
Beilage, die dieser Zeitung beigefügt ist. 
o Festnahme von Einbrechern. Ein Bodencinbrecher. 
der in der Gegend des Südwestkorso hauste, wurde am 
Dienstag nachm. 5»/ 2 Uhr durch den Polizeiwachtmeister 
Meyer festgenommen, als der Einbrecher mit seiner Beute, 
die er auf einem Handwagen hatte, davonfahren wollte. 
Desgleichen nahm der Polizciwachtmcistcr Meyer am Mirt- 
woch früh kurz vor 5 Uhr an der Kaiserciche einen zweiten 
Einbrecher mit seiner Beute fest, der als Boden- u. Keller- 
einbrecher entlarvt und hinter Schloß und Riegel ge 
bracht wurde. 
o Einbruch ins Florakino. In der Nacht znm Don 
nerstag wurde durch Einbruch aus dem Florakino die Vor- 
sührungsmaschine, ein Ernemauu-Apparat, mir sämtlichen 
Zubehör gestohlen. Dem Besitzer ist durch den Dieb 
stahl ein Schaden bou über 10 000 M. zugefügt. Er 
setzt für die Wiedcrcrbringung eine Belohnung von 1000 
Mark aus. 
berlin nnd Vororte 
§o Zehlendorf erhebt 400 v. H. Die Gemeindevertre 
tung von Zehlendorf hat in ihrer letzten Sitzung einem 
Antrag des Gemeindcvorstandcs zustimtnen müssen, den 
Geineindrsteuerzuschlag von 270 auf 400 v. H. zu erhöhen.: 
Mein Deutschland. 
So muß ich dich nun wiederfinde». 
So ganz bis in die Wurzeln krank. 
Und krank sind auch die änß'rcn Rinden, 
Mein Deutschland! Zitterst du nicht bang? 
Wo ist das Mark, das deinen Nucken 
Dereinst so kraftvoll aufrecht hielt? 
Noch brauchst Nicht machtlos du zu knicken, 
' Solang' das letzte nicht verspielt. 
Wo seid ihr deutschen alten Recken? 
Wo ist der alte deutsche Geist? 
' Müßt ihr vor andern euch verstecken? 
Wißt ihr denn nicht, was Treue heißt? 
Wenn inan auch an den Wurzeln rüttelt, 
Nur wütig in die Welt geschaut. — 
Hast die Schmarotzer abgeschüttelt. 
Kannst wieder werden aufgebaut! 
W. v. Mülverstedt, Hertelstraße ß. 
beweist baS so deutlich wie die-Tatsache--baß die orthodoxe Geist 
lichkeit Großrußlands ihren Flieden mit der Räterepublik gcichlofstn 
hat. Der höchste Geistliche der griechisch-katholischen Kirche, der 
Moskauer Patriarch Tichon hat die Autorität der Sowjets end 
gültig und osfiziel anerkannt. Jnfolgedesien arbeitet die russische 
Geistlichkeit nach einem neuen Programm, das die Popularisierung 
der Maßnahmen der Rüteregierung unter den Volksmassen und 
den Kampf gegen die ollen Ueberlieferungen anstrebt. 
* Eine alte Junggeselleustcuer in England. Eine Jung 
gesellensteuer, wie man sie in einigen Staaten, z. B. Bulgarien 
schon eingeführt hat, und in andern, z. B. Frankreich, rioch einführen 
will oder doch einführen wollte, hat es schon lange vor unserer 
Zeit in England einmal gegeben. Es war dies zur Zeit Wilhelms Hl. 
von Oranien und der Königin Anna. Der eigentliche Anlaß zur 
Erhebung dieser Steuer ist nicht bekannt, Kur weiß man, daß jeder, 
der über 25 Jahre alt und bis dabin noch nicht verheiratet war, 
eine Abgabe zahlen muhe, deren Höhe z. B. für einen Herzog auf 
240 Mark jährlich festgesetzt war, welche Stimme damals allerdings 
einen wohl zehnfach höheren Wert hatte als hegte. „Gewöhnliche" 
Sterbliche zahlten je nach ihrem Stande weniger, aber selbst die 
Jünglinge der unrrrstcn Klassen ivarcn nicht ausgeschlossen, sie 
mußten 1 Schilling fürs ganze Jahr zahlen. Jm Jahre 1875 fand 
eine and erwecke Regelung der Abgaben statt, doch ist merkwürdiger- 
weise im Laufe der Zeck die ganze Junggescllcnsteuer in Vergessen 
heit geraten. 
- Die Stimmen der Vö ker. Ter berühmte Anthropologe Sir 
Duncan Gibb hat eine interessante Abhandlung über die Stimmen 
der verschiedenen Völker geschrieben. Danach besitzen in Europa 
die germanischen Volksstämme die mächtigste Stimme, werden aber 
darin von den Tataren noch weck übcrtroffen. Deren Stimme ist 
die lauteste und kräftigste aller Völker der Erde. Die anderen 
europäischen Völker besitzen im Durchschnitt Helle, sonore Stimmen. 
Die Stimme der Chinesen und Japaner ist von austastend geringer 
Stärke, und auch von geringerem Umfang, dazu mehr kläglich im 
Ton. In Tibet und der Mongolei klingt die Stimme blechern, ist 
aber stark und laut. In Indien und Birma ist die Stimme weich 
wie eine deutsche Frauenstimme, klingt aber beim lauten Sprechen 
schrill. Die Stimme der afrikanischen Neger hält die Mitte zwischen 
derjenigen der Chinesen und der Tartarcn, kvmnck aber jedoch in 
einer Menge Variationen vor und kann ebenso mild und harmonisch 
wie rauh und heiser klingen. Am liebsten brüllen und kreischen 
sie. Eine gesangliche Anlage fehlt den Ncgerstimmen meist gänzlich. 
Vereins-Nacbriditen 
)( Friedenauec Gesangverein für gemischte» Chor, Chor- 
meister: Lyzeal-Gesanglchrer WaltcrSchmidt übt jeden Dienstag 
von 8—10 Uhr im Gesangssaal der Königin-Luisc-Schule. >m 
vollzähliges Erscheinen wird dringend gebeten. 
)( Deutscher Offiziers-Bund (Ortsgruppe Friedenau). Ter in 
Mitteilung Nr. 4 für den 11. April angekündigte dritte Gescllschafts- 
abend fällt wegen der Ungunst der augenblicklichen allgemeinen Lage 
aus. Mitteilung ,Nr. 5 geht den Mitgliedern etwa Ende dieser 
Woche zu. 
Kirchliche Nachrichten. 
Kirche zum guten Hirten: Sonntag, den 4. April 
(1. Osterfeiertag): Vorm. 10 U'hrr Ps. Focrtsch- Vor,». 41%., 
Uhr: Ps. Foertsch, KindcrgotieSd. Abends 6 Uhr: Pfarrer 
Kleine. Montag, den 5. April (2. Osterfciexrag): Vorm. 
10 Uhr: Ps. Marquardt. Abends 6 Uhr: Pf. Vetter. 
Alt-Schöncbergcr Paul Gerhardt-Kirche: Soninag: 10 
Uhr: P. Heist. 6 Uhr: Vik. Jcntz. 12 Uhr: P. Delbrück,' 
Kgd. Montag: 10 Uhr: P. Delbrück. 6 Uhr: P. Wagner. 
Nathanaelkirche: Sonntag: 10 Uhr: P. Becker. 6 Uhr: 
P. Wagner. Montag: 10 Uhr: ,P. Buchhölz. 6 Ushfr:, 
P. Becker. 
Kath. Marienkirche: 1. Osierfeiertag: 6 Uhr Aussetzung 
des Ällerheiligsten in dem Hl. Grab, %7 Uhr: Aufer-« 
stehungsfeier, 7 Uhr hl. Messe, 10 Uhr Hochamt mit Vre- 
digt, abends D Uhr Osterandächt. 2.'Osterseiertag: Rlm 
7 Uhr hl. Messe, um 10 Uhr Hochamt mit Predigt, abends 
7 Uhr Andacht. Am loeißcn Sonntag: uni 9% Uhr Erst- 
kommnnionfeier. 
Geschäftliches 
ff Die Täirz-Ävänzchen des Tanzlehrers Georg Kin 
der finden wieder im Flora-Park jn Mahlow statt; crst,- 
malig am 2. Osterfeiertag. Wer also am Osterfeste das! 
Tanzbein schwingen will, mache einen Ausflug nach dem 
schön gelegenen Mahlow. * 
Vermischtes 
j Rache ist süh. 
Als General Grant zum Präsidenten der Vereinigten 
Staaten von Nordamerika gewählt wurde, beschlossen 
einige Familien, die vis dahin in der Gesellschaft Washing 
tons den "Ton angaben, den Präsidenten und seine 
Freunde aus ihrem Umgang auszuschließen. Die Ursache 
für diese 'Verbannung soll die Tatsache gewesen sein, daß 
der Präsident früher Loygerber war und noch von vielen 
gesehen worden war. wie er seinen Handwagen durch die 
Straßen von St. Louis schob. Eine dieser fanatischen 
Stützen der Gesellschaft gab ein glänzendes Fest, zu wel 
chem keiner der Neuangekommenen eingeladen war. Die 
Hausfrau bemerkte einem der geladenen Gesandten: 
„Wir müssen Handelsleute »rnd Arbeiter als unsere Gesetz 
geber anerkennen, aber wir sind nicht verpsiichtet, mit 
ihnen zu verlehren." Diese Bemerkung wurde natürlich 
fleißig kolportiert. Einige Tage später erschien ein Extra- 
blatt, das die Nanlen aller amerikanischen Gäste der 
Gesellschaft, mit Nandbemerkiliigei, verziert, ausführte. 
„Mrs. A.: Tochter Zeines Grobschmieds, Mrs. B.: Enkelin 
eines Jockeys, Mc. 'E. erwarb sein Bermügen durch Betrug 
der Sioux-Indianer, usw- 
/ Schlagfertig. 
Der Dichter Belleiinann stand beim König Gustav ITT. 
Don teil) ui eben in hoher Gunst und niltzte diese auch nach 
Kräften aus. Kein Wunder daher, daß er sich bald die 
Ungnade des Monarchen zuzog, der ihm den Eintritt in 
den königlichen Palast streng verbot. Dagegen inußte 
-veiiermaiin nach wie vor für den König in seiner eigenen 
Wohnung arbeiten. Eines Tages erfnyr Bellerniann, daß 
der König am nächsten Tage an seiueui Hanse porüber- 
reiten werds, und beschloß, sich durch einen lustigen Streich 
me Gnade ,drs Königs wiederzttgewinnsn. Er ließ au 
Vas Haus, in dem er Wohnte, eine Leiter stellen, und als 
Gustav 111. vorüberlitt, sah er ans dieser Leiter Beller- 
manns Barbier stehen. Der Dichter selbst hatre den Stopf 
aum Fenster hinausgestreckl und ließ sich auf diese unge- 
wohnliche Welse rasieren. „Was soll denn das heißen r" 
sragle der König erstaunt. „Ja. Majestät," versetzte Beller- 
manu, „mein Barbier ist bei mir in Ungnade gefallen und 
darf . mein Haus nicht niehr betreten, leider kann ich ihn 
aber nicht entbehren. und- da muß ich mich so rasieren 
lassen. Der König verstand de» Wink und nahm den 
Dichter wieder in Gnaden aus. 
* Bolschewismus und Geistlichkeit. ES ist durchaus falsch, 
anzunehmen, der Bolschewismus werde von ihnen heraus degenerieren 
und zusammenbrechen. Seck er nach außen hin siegreich Ist, befestigt 
er seine Stellung auch in Jnnerrußland immer entschiedener. Sticht, 
h '. ", V ‘ "As v- .'i ..., 1? - - . • -/.•: -. 
Serantw, Schriftleiter: Hern» Martiniuö in Friedenau«. 
Hierzu eine Beilage. 
Bei Betriebsstörung, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch 
auf Lieferung oder Nachlieferung des Lokal-Anzeigers oder auf 
Rückzahlung des Bezugspreises, 
Amtliches 
Einladung zu? 
Atzung der Gemrwdedertreiuus 
«am Donnerstag, den 8. April d I., 'nachmittags 7 Uhr, 
im Sitzungssaalc des Rathauses. Nach der Vorschrift im 3. Asbsatz 
des ß 106 der Landgemeinde-Ordnung wird darauf hingewiesen, 
daß die Nichterscheinenden sich den gefaßten Beschlüssen zu 
unterwerfen haben. 
Tagesordnung: 
a) in öffentlicher Sitzung: 
1. Einführung eines neu eintretenden Gemeindeverordnctcn. 
2. Mitteilungen. 
3. Antrag der deutsch-demokratischen Fraktion, betr. Einspruch 
gegen die übermäßige Erhöhung der Fernsprechgebühren. 
4. Dcsgl. betr. Regelung dcl Zuständigkeit für die Angclcgen- 
. hecken des Kindergartens. 
6. Festsetzung der orocntlichen Sitznngstage der Gemeinldcvero 
iretnng für 1920. 
.6. Aenderung der ,Geschäftsordnung für .die Gcineindevcr- 
tretnng. 
7. Wahl der Mitglieder der Ausschüsse und Kominission^i. 
8. Wahl mehrerer Beisitzer für das Einignngsamt. 
9. Ergänzung eines Gemeindebcschlusses. ' 
10. Regelung der Auszahlung der Auswandsentschäidignng. 
11. Angelegenheit, betr. Gewährung einer einmaligen B.'- 
schassungsbeihilfe. 
12. Erhöhung der Marktstandsgcbührcn. 
13. Vorlage betr. Anstellung von Feuerwehrleute». 
14. Regelung der Gewährung von Darlehen. 
b) in geheimer Sitzung: 
15. PIrsonalangelegenheiten. 
Die bezüglichen Vorgänge und Akten können während der 
Dicnststnnden im Amtszimmer eingesehen werden. 
Berlin-Friedenau, den 3. April 1920. 
Der Gemeindevorsteher. W alg cr, Bürgermeister. 
BeklMntmachung. 
Lieferanten, Unternehmer usw., welche Forderungen an die 
hiesige Amts- und Gemeindeverwaltung haben, werden des be 
vorstehenden Jahresabschlusses wegen ersucht, noch auSstelst-nds 
Rechnungen sofort in doppelter Ausfertigung einzureichen. 
Etwaige Bestellzettel sind den Rechnungen beizufügen. Berlin- 
Friedenau, den 27. > März 1920. Der - Gemeinde-Vorstand« 
B. 4 l g x r, Bürgermeister,
        
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