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Periodical volume Nr. 73, 01.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

unserer Genier»de ist er seit Gründruig des Enngnngs- 
amtes als Vorsitzender einer Kammer tätig. 
o Jubiläum. Am Ostersonntag, den 4. April d. I.' 
sind 25 Jahre vergangen, seitdem der Bodennreister Eduard 
Kitzler, Rheinstr. 22 wohnhaft, der hiesigen freiwilli 
gen Feuerwehr als Mitglied beitrat und neben seinen: 
Berus seine ganze Kraft als Feuerwehrmann dem Dienste 
werktätiger Nächstenliebe widmete. Ter alte Herr mit 
dem weißen Vollbart, der noch heute als Feldwebel der 
Feuerwehr angehört, wird vielen Friedcnauer Bürgern 
bekannt sein. Wir wünschen dem Jubilar an seinem Ehren 
tage. daß es.ihm noch recht lange vergönnt sein möge, 
die ihm lieb gewordene Tätigkeit in körperlicher Rüstig 
keit fortsetzen zu können. 
o In der Kunstausstellung im Friedenaucr Rathaus, 
veranstaltet von der Ortsgruppe Friedenau ehemals feld 
grauer Künstler im Wirtschaftlichen Verband bildender 
Künstler, die am 4. April eröffnet wird, sind folgende 
Künstler vertreten: Maler: Paul Böhm, A. Borghard, 
A. Bussemann, Kurt Tittebrand, R- Ersricr, Alfred Fuchs, 
Fritz Gartz, Ernst Gentzel, G. Holstein, 0. Jaeger, W. 
Krain, A. Krause-Larus, G. Lebrecht, W. Lenz, 5k. E. 
Meyer, M. Makott, K. Möbius, A- Pfaehler v. Ottegraven, 
Rauters, B. Richter, B. Spranger, M. Saltzmann, M- 
Stoltze, L. Sandrock, Schilling, O- Spotaczyk, R. Tacke, 
W. Schäckel, F. Türcke, W. Wille, H. Willens, H. Zimmer- 
mann, Zwiener, Schalk; Bildhauer Fritz Arbeit, B. 
Butzke, I. Tarsow, G. Mißseldt, E. Schmidt-Kestner, G. 
Schliepstein, A. Bölkel; Radierer: K. E. Meyer, ,A. 
Pfaehler v. Ottegraven. 
'o Auslandspostkartcn nur 14:S Ztm. Die seit dem 
1. Oktober 1919 für den inneren deutschen Verkehr zuge 
lassenen nichtamtlichen, d. h. im Privatwege hergestellten 
Postkarten in der Größe der Paketkarten (15,7 zu 10,7 Ztm.) 
werden häufig in das Ausland verschickt. Da nach den 
Bestimmungen des Weltpostvcrtrages Postkarten im Aus 
landsverkehr die Abmessungen von 14:9 Ztm. nicht über 
schreiten dürfen, werden die größeren Karten von einigen 
Ländern als Briese angesehen und mit der entsprechenden 
Nachschußgebühr belegt. Bis zur Regelung der Frage 
durch den nächsten Weltpostkongreß wird zur Vermeidung 
von Nachteilen empfohlen, nach dem Auslande nur Karten 
in der Größe der amtlichen Postkarten zu verschicken. 
o Ter gelbe Postwagen kommt wieder! Die Reichs- 
postvcrwaltuug war wegen Mangels an Chromgelb wäh 
rend des Krieges und nach seinem Ende notgedrungen dazu 
übergegangen, die Postwagen feldgrau zu streichen. Tic 
neue Farbe hat sich indessen nicht bewährt, und nun hat 
sich die Postverwaltuug entschlossen, sobald wieder Chrom- 
geld in genügender Menge vorhanden sein wird, zu der 
altech Remalnna der Postwagen zurückzukehren. 
ö Unser Aprilscherz hat doch vielfach Leute nach dem 
Rathause gelockt, die sich die neuartige Schießvorrichtung 
und das Probeschießen anschauen wollten, obgleich wir 
Neugierige dringend gewarnt hatten. Zu denjenigen, die 
einen Aprilscherz mit froher Laune aufnehmen, gehören 
immer auch solche, die sich darüber ärgern und meinen, 
daß solche Scherze in dieser Zeit nicht angebracht wären. 
Nun jeder Scherz hat gewöhnlich auch eine gute Seite. 
Unsere Polizei wird ganz selbstverständlich auch 
weiter für den Schutz unseres Ortes und seiner Bürger 
auf dem Posten fein. Das Rathaus aber bedarf eines 
Schutzes durch Bomben- und Granatenwerfer nicht. Unsere 
Bürgerschaft wird ihr Haus selbst zu schützen wissen. 
o Tie Volkshochschule Friedenau hatte für Sonntag, 
den 21. März einen großen Un terh a ltun gs ab en ü 
in der Aula der 3. Gemeindeschule geplant, dein am 
Sonnabend, den 20. nachmittag unter dem Motto „Allerlei 
Kurzweil für kleine Leute" eine K i n d e r u n t o v h a l - 
tung vorangehen sollte. Infolge der politischen Unruhen 
mußten die beiden Veranstaltungen verschoben werden. Tie 
bereits verkauften Eintrittskarten (zum Sonntagsabend 
1,50 M-, für dcil Kindernachmittag 50 Pfg.) behalten ihre 
Gültigkeit. Neben musikalischen Genüssen (Chorlieder, Ein 
zelgesang, Lieder zur Laute) und Deklamationen werden 
Märchenbilder, lebende Bilder zu Liedern und ein Blumen 
reigen geboten. Das Versäumte wird in den Rahmen der 
großen Bolkshochschulwoche hineingestellt werden, die als 
Abschluß des Lehrjahres 1919—20 für Ende April ge 
plant ist. Sie soll durch das mit großer Spannung 
erwartete Konzert des Volkshöchfchulchores unter Leitung 
des Herrn Oberlehrers Dr. Wölffel eröffnet und mit 
dem Unterhaltungsabend abgeschlossen werden. Für die 
Woche selbst sind 8 Einzelvorträge der Herren Dozenten 
Dr. Anders, Dr. Bösing, Dicht, Dr. Dreyhaus, Dr. 
Tütschke, Dr. Just, Fräulein Reelsen und Dr. Riem ins 
Auge gefaßt. 
o Großdcutsche Freiheitspartet. Am Freitag, den 
26. d. Mts., fand im Festsaal des 4. Lyzeums in Wilmers 
dorf eine von den Ortsgruppen Berlin-Friedenau und 
Berlin-Wilmersdorf der Großdeutschen Freiheitspartei ge 
meinsam veranstaltete Volksversammlung statt, die sich 
regen Zuspruchs erfreuen durfte. Herr Regierungsrat 
E. Grosse sprach über das Thema „Bürgerkrieg oder Eini 
gung" und legte unter Bezugnahme auf das Programm 
der noch jungen Parsei, für die sich eben in weitesten 
Kreisen der Bevölkerung lebhaftes Interesse kundgibt, die 
Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller ordnuugs- und 
wahrhaft ihr deutsches Volk und Vaterland liebenden 
Volksgenossen aus den Kreisen her wirklich ehrlichen nnd 
schaffenden Arbeit dar, zu einem Zusammenschluß, den, 
im Gegensatz zu den hetzerischen Elementen der äußersten 
Rechten und äußersten Linken, einen wahrhaft gerechten 
sozialen Frieden zwischen Kapital und Arbeit anstreben. 
Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Wider 
hall in zahlreichen Anfragen, die in der sich anschließenden 
Diskussion aus der Mitte der Versammlung an ihn gericlp- 
tet wurden. Die erteilten Antworten lösten Lurchaus Be 
friedigung aus. Unser Mitbürger, Herr Professor Dr. Paul 
Förster, der bisher nicht der Großdeutschen Freiherts» 
Partei angehört, hob insbes/nderc hervor, daß nach seiner 
Auffassung die neue Partei lebhafte Beachtung verdiene 
und es sich jedenfalls empfehle, sich näher mit ihren 
Bestrebungen bekannt zu machen. 
o Eine stattlich: Zahl von Mitgliedern der. Jugend- 
vereinigung lan der 2. Gemeindeschnle (Mädchen)" hatte sich 
am Sonntag um ihren bisherigen Leiter Herrn Lehrer 
Wogsel geschart, um mit ihm einen letzten Ausflug 
zu machen. Sie wurde vom schönsten Frühlingswetter be 
günstigt und führte von Pichelswerder über Schildhorn, 
Kaiser-Wilhelmsturin an unserer malerischen Havel entlang 
nach Schlachtensee. Hier hatte die Wirtin des Schloß- 
restaurants eine freundliche Kaffeetafel hergerichtet an der 
sich alle, auch die inzwischen erschienenen Angehörigen 
der jungen Mädchen, nach dem tüchtigen Marsch erfrischten. 
Bei fröhlicher Unterhaltung, Gesang nnd Tanz verging 
der schöne Tag gar zu schnell. Der Mond sah- nur Men 
schenkinder, die sich am maiigen Märzabend von einander 
„auf Wiedersehen" zuriefen. F- P- , 
o Das geistlich: Oster-Konzcrt, das am Sonnabend, 
d'en 3. April, abends, in der Paul G erhard-Kirche 
in S ch ö n e b c r g stattfindet, weist ein außergewöhnlich 
schönes Programm auf. Herr Professor Arthur Egidi 
wird die C-moll-Fantasie für Orgel von Bach, sowie 
drei Choralvorspiele von Brahms und Präludium und 
Fuge „Jesus meine Zuversicht von Hugo Kaun spielen. 
Das Frauen-Terzett: Olga Fleck, Mary Hahn und 
Maria Fuchs (i. V.) wird u. a. alte österliche Volks 
lieder und alte lateinische Kirchengesänge a capella singen. 
Herr Kammermusiker Georg Kniestädt (Violine) wird eine 
Sonate von Händel nnd ein Adagio von Bruch spielen. 
Wir verfehlen nicht, nachdrücklichst auf diese schöne Oster- 
seier hinzuweisen. 
o Osterkonzert. Ter Männerchor Friedenau- 
Steglitz (M. d. A.-S.-B.) veranstaltet am 1. Feiertag, 
abends (! Uhr, im Festsaal des Reform-Realgymnasiums 
zu Friedenau, Homuthstr. 4, ein Konzert. Der unter 
Leitung des bewährten Chormeisters Huttendorf 
stehende stattliche Chor (70 Sänger) wird eine Reihe ge- 
gcdiegener Lieder zum Vortrag bringen. Ferner wirken 
init: Konzertsängerin Beate Zuller (Alt) a. Bern, Cello 
virtuosin Marie Schramm (Berlin), sowie Marianne 
Geyer (Steglitz), Lieder zur Laute. Die Flügelbegleitung 
hat Prof. Rob. Thiem (Berlin), übernommen. Das 
Programm ist also reichhaltig und verspricht durchweg 
künstlerische Darbietungen, weshalb der Besuch dieser Ver 
anstaltung nur bestcrrs empfohlen werden kann. Eintritt 
einschl. Liedertexte M. 2,50. 
o Unser Mitbürger, der bestens bekannte Konzekt- 
fänger Adolf Henke, der seinen Konzertabend in Gel 
meinschaft mit der blinden Pianistin Betty Gottlob und 
der auch hier vorteilhaft bekannten Geigerin Wan da 
Traube am 22. März im Meistersaal infolge der po 
litischen Unruhen ausfallen lassen mußte, gibt den Abend 
am Ostersonntag, den 4. April nach. 
o Tie Lichtspieltheater sind morgen, am Karfreitag, 
sämtlich geschlossen. Die Spielpläne für die Fest 
tage iverdcn im Anzeigenteil der gm Sonnabend erschei 
nenden Nr. unserer Zeitung bekannt gegeben. 
o Totgefahren. An der Ecke der Schloß- und Schöne- 
bergcr Straße wurde am Dienstag der 11jährige Schüler 
Erwin Loßmann, Rheinstr. 41, von einem W-Wagen 
totgefahren. Er war mit anderen Kindern damit be 
schäftigt, Gesichtsmasken, die ein Dienstmädchen gus dem 
Fenster warf, aufzufangen. Dabei lief er vor den in 
voller Fahrt befindlichen W.-Wagcn und wurde etwa 20 
Meter weit geschleift. Ein Schädelbruch hatte den so 
fortigen Tod des Knaben zur Folge. 
o Als gesundem ist unserm Fundbüro im Rathause eine 
Lebensmittelkartentasche mit Inhalt gemeldet. 
Versms 
X Deutsche Volköpartei Ortsgruppe Friedenau. Der Vortrag 
des früheren Vorsitzenden der Friedcnsdelcgation Freiherrn v. Lersncr 
über seine Tätigkeit in Versailles, welcher der Unruhen wegen am 
15. März ausfallen mußte, findet nun bestimmt am 8. April d. Js. 
abends 8 Uhr in der Aula der Königin Luisen-Schule Goßlerstr. 13,15 
statt. Eintritt 1,00 M. Bereits gelöste Eintrittskarten behalten 
ihre Gültigkeit. 
st „Friedenaucr Pfadfindcrabteilung. (7. Abtlg. 2. Zug.) 
Am 5. April findet eine Tagessahrt nach Potsdam statt. Antreten 
de: Pfadfinder 7" Uhr am Wannseebahnhof Friedenau. Kosten der 
Fahrt 1.50—2 Mk. Esten ist mitzubringen, das nicht abgekocht 
wird. Rückkehr zwischen 7 und 8 Uhr. Am Mittwoch, den 7. April 
ist unser erster Spielnachmittag auf dem Spielplatz an der Offenbacher 
Straße. Antreten vor der Gemeindeschule um 6 Uhr. Das Er 
scheinen sämtlicher Pfadfinder wird erwartet. 
X Bund für Böge!schütz, Ortsgruppe Groß-Berlin. Haupt 
Versammlung am Mittwoch, den 7. April, abends 7 Uhr im Bankett- 
saale des „Rheingold", Potsdamer-Straße 3. U. a. Vortrag des 
Ingenieur Hermann Hähncl (Stuttgart) über: „Urkunde der Natur" 
mit kincmatographischen Vorführungen nach eigenen Naturauf 
nahmen. 
)( Tie Arbeitsgruppe Friedenau des Teutschen-Dcrnokratitchcn 
Jngendverein Groß-Berlin veranstaltet am 9. April 1920 im 
Schützensaal des „Schloßpark-Restaurants," Steglitz, Schloß Str. 48 
ihren ersten bunten Abend mit Tanz. Karten zum Preise von 8,65 M 
sind im Büro des Jugcndvereins, Berlin Köthenerstr. 35 und im 
Handarbeitsgeschäft, Rheinstr. 6 beim Mitgliede Frau Maria 
Landsberg zu haben. 
X Der Bund deutscher Republikaner, vor wenigen Wochen ins 
Leben gerufen, hat während des Kapp'schen Monarchistenputsches die 
Probe auf die Notwendigkei: seiner Existens ablegen können. Er 
hat erfolgreich eingegriffen, um den Führern des Putsches klar zu 
machen, welch ungeheures Unglück ihr Beginnen über unser Vater 
bringe, und daß nur schleunigster Rücktritt Kapps noch schlimmeres 
Unheil verhüten könne. Als eine seiner Aufgaben betrachtete es 
dieser Bund, die in unserem Volke klaffenden Partei- und Klassen 
gegensätze auszugleichen. Arbeiter und Bürger zusammenzuführen, 
auf daß sie beim Ausbau eines soliden republikanischen StaatSwesens 
als Brüder einig zusammenstehen. „Das Gemeinwohl aller muß 
oberstes Gesetz sein," mit diesem Wahlspruch steht der Bund über 
den Parteien. Meldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle 
Berlin W. 86, Gerttiirerstr. 20. 
)( Der Lawn-Tennis-Club des Westens Schwarz-Grün zu 
Wilmersdorf wählte in seiner diesjährigen Hauptversammlung 
folgenden Vorstand für 1920: Professor Klatt, 1. Vorsitzender, 
Hosrat Knauff, 2. Vorsitzender, Oberlehrer Lassahn, Schristwarß 
E. Werth, Kassenwart. Ferner wurde beschlossen, vom 4. Ap.il 
ab wieder täglich auf den alten Plätzen in Wilmersdorf, Geisen- 
heimer- Ecke Krcuznachersttaße zu spielen; auch sollen, wie bisher, 
Bälle und Balljungen vom Klub gestellt werden. Klubsadresse: 
Oberlehrer Lastahn, Steglitz, Flemmingstr. 5. 
LulMrLktM T 
(Für diese Rubrik übernehmen wir kerne Verantwortung.) 
Äartosfclversorgurig. 
Einen eigentlich erst am 1. April fälligen Scherz 
leistet sich Herr Händler Damköhler, Schwalbachcrstr.,. 
in-der Nummer vom 31. März ihres Blattes. Er zeigt 
an, daß er seinen Kartosfelvcrkauf ausgibt. Jetzt erst? 
Sämtliche Händlers-Friedenaus haben schon seit'ca. 14 
Tagen den Verkauf von Kartoffeln eingestellt. Schlimm- 
genug, Laß eS so ist. Laß man sich aber als Ersatz „ver 
äppeln" lassen muß, ist reichlich boshaft. In aller Hoch- 
achtung als getreuer Abonnent M. Rocdelins, Südwest- 
korso,'15. T 1 
(Herr Dammtöhlcr hat tatsächlich und freiwillig den 
Verkauf eingestellt, bei- den anderen Händlern geschieht eS 
unfreiwillig, mangels Ware! Schriftt.) 
Ein Mahnruf an die evang. Eltern! 
Aus Zehlendorf kommt eine merkwürdige Nachricht. 
Dort hat nämlich der Eltcrnbeirat der 1. Gcmeindcschulc 
in seiner ersten Sitzung folgenden Beschluß gefaßt: „Lurhee- 
und die Reformation ist xiur im Rcligronsunterricht zu) 
behandeln und vom Geschichtsunterricht ^rusznschließeii." 
Als ichp as las, faßte ich mich an den Kopf und fragte 
mich: „Soll das tatsächlich wahr sein, kann- ein solcher 
Beschluß wirklich an einer cv. Schule gefaßt worden sein?" 
Aber es steht schwarz auf weiß, also ttruß es doch wohl 
den Tatsachen entsprechen. Luther nnd die Reformation 
soll vom Geschichtsunterricht ausgeschlossen werden!^ Was 
verstehen denn eigentlich die Eltern der 1. Gem.-Schnlc 
irr Z. unter „Geschichte"? Müßte denn dann nicht folge 
richtig der 30 jährige Krieg ebenfalls aus dein Geschichts 
unterricht verschwinden? Wie will man denn die Ge 
schichte der Nachreformationszeit verstehen, die doch aus 
Luther nnd die Reformation aufgebaut ist? Ohne Luther 
nnd fern Werk ist Geschichte überhaupt, nicht denkbar. 
Ebenso gut müßte dann auch die Zeit der Päpste aus dem 
Geschichtsunterricht ausgemerzt werden. Was würde dann 
aber aus der Geschichte des ganzen Mittelalters werden? 
Also, 'was sich der Elter,rbeirat bei diesem Beschluß gedacht 
hat, ist wir nicht recht klar. Aber dieser Beschluß hat noch 
eine andere Seite. Ein solcher Antrag kann meines Er 
achtens nur an einer Simultanschule gefaßt werden, wo 
die Andersgläubigen an Luther Anstoß nehmen können, 
an einer cv. Schule wäre das doch ganz iimnöglich. Was 
ist die notwendige Schlußfolgerung aus diesem Vorgang? 
Doch nur- die, „dafür cirrzutreteu, daß es unbedingt er 
forderlich ist, cvang. Schulen, rein evang. Schulen zu 
schaffen". Darum, Ihr cv. Eltern, laßt Euch den Z. 
Antrag zur Warnung dienen, schließt Euch zusammen, 
tretet dafür ein, daß wir nur ev. Schulen bekommen, au 
denen es den Lehrern rttrbenommcu ist, ungehindert und 
ohne Einschränkung, im Geschichtsunterricht und in allen 
Lehrfächern, wo cs angängig ist, voir Luther und seiner 
Schöpfung zu erzählen und unseren Kindern die große Be 
deutung dieser Zeit tief in die,Herzen zu sinken. Ihr 
evang. Eltern, laßt Euch dieses köstliche Gut nicht rauben, 
seid ans der Hut und sorgt dafür, daß uns in Friedenau 
| 'nicht ähnliches passiert. I. K. 
Berlin und Vororte 
FA Ter gestrigen Wilmcrsdorfer Stadtverordneten- 
vcrsamurluNg lag ein Antrag der Stadtv. Jonas (Dem.) 
und Genossen zur Beschlußfassung vor, durch den der Ma 
gistrat ersucht wurde, aus die Regierung in dem Sinne 
einzuwirken, daß auf gesetzlichem Wege dein Ankauf von 
Grundstücken durch Ausländer entgegengetreten 
wird. Stadtv. Jonas begründete den Antrag mit dem 
Hinweis, daß wertvolle Grundstücke für ein paar Lappen 
von den .Ausländern angekauft ioordeu seien. Die In 
dustrie habe sich gegen eine Ucberscndung durch Ausgäbest 
von Vorzugsaktien, die Stimmenmehrheit besitzen, erfolgt 
reich zrr wehren versucht; auch der Hausbesitz müsse ent 
schieden gegen den Ankauf durch Ausländer Front machen. 
Stadtv. Dr. Holz (Soz.) stimmte namens seiner Frak 
tion dem Antrage zrr und nahm dabei Veranlassung, auf 
den Stadtrat Spliesgarth hinzuweisen, der sein Hans am 
Kaiserplatz, Ecke Tübinger Straße an einen Dänen ver 
kauft habe. Er richtete an die Freie Vereinigung die 
Anfrage, ob ein Stadtrat, der einen Teil dcö deutschen 
Volksvermögerrs dem deutschen Volke entfremdet habe, noch 
weiter Stadrrat einer deutschen Stadt sein könne. Sfadiv. 
Bus ch (Fr. Vg.) erklärte, sich um das private Interesse ein 
zelner Stadträtc nicht zu kümmern und verurteilte den Ver 
kauf an das. Ausland. Dem Antrage stimmte hierauf die 
Versammlung zu. — Zur Verbilligung der Milch für Min 
derbemittelte wurde ein Betrag von 150 000 Mark zur 
Verfügung gestellt, um den Milchprcis'auf 1,20 Mark zu 
senken. Die Prüfung der Bedürftigkeit wurde u. a. auch 
auf die Lungenfürsorge ausgedehnt. Ferner wurde ein 
stimmig beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, die vor 
handenen Kohleirmcngeir den Schülern zu überlassen, bevor 
Kinos, Ball- und Nachtlokale versorgt würden. 
XirchUchs MHrtchrerü " 
Karfreitag, den 2. April 1920. 
Kirche zum guten Hirten: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer 
Kleine, abends 6 Uhr: Pfarrer Vetter. 
Im Gemeindehaussaal: Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Mar 
quardt. Abends 6 Uhr: Pfarrer Focrtsch. 
Berantw Schriftleiter: Herrn Martin inS in Friedenau 
Bei Betriebsstörung, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch 
aus Lieferung oder Nachlieferung des Lokal-Anzeigers oder aus 
Rückzahlung deL Bezugspreises. 
zur AüLsühruuL des Gesetzes über CieuerriFHsich! 
türm 3. Farnmr 1980. 
(Reichs-Gesetzblatt Seite 45) vom 24. Februar 1920. 
Wer Vermögen oder Einkommen, das zu einer öffentlichen 
Abgabe hätte veranlagt werden müssen, bisher nicht angegeben 
hat, und deswegen verwirkte Strafen wegen StenerzuwiderharQ- 
lung sowie Verfall des verschwiegenen Vermögens gemäß dem 
Gesetze über Steuernachsicht abwenden will, wird aufgefordert, 
das bisher nicht angegebene Vermögen und^ Einkommen 
spätestens bis zum 13. April 1888 
eine,» Finanzamte anzugeben. Dabei sind Vor- und Zuname- 
Stand, Beruf oder Gewerbe nebst Wohnort und Wohnung oder 
Firma nnd Sitz genau zu bezeichnen. Die Angabe befreit den 
Steuerpflichtigen von jeder Strafe wegen Steucrzuwidcrhandlun- 
gcn, die sich ans das nachträglich angegebene Vermögen oder 
Einkommen beziehen. Nachforderungen von Abgaben für die 
Zeit vor dem 1. April 1915 sind ausgeschlossen. 
Vermögen, das bei der Veranlagung zur- Kriegsabgabe vom 
VcrmögcnszuwachS oder zuntz Reichsnotckpfer vorsätzlich verschwie 
gen ist, verfällt kraft Gesetzes dem Reich. Unrichtige Angaben, 
die sich etwa noch in de: Steuererklärung zur Kriegsabgabe vom 
Vcrnrögcnszuwachse finden, müssen daher unverzüglich und jeden 
falls so zeitig berichtigt werden, daß die Angabe noch bei her 
Veranlagung, zu der Steuer berücksichtigt werden kann. 
Berlin, den 24. Februar 1920. 
Ter Reichsministcr der Finanzen. 
. gcz. Erz b c rg er. 
Die obige Bekanntmachung bringe ich mit dein Bemerken 
rn Erinnerung, daß die Angaben von den in den Gemeinden 
B c r I. n -F r i c d c » au, Bcrlin-Lichtcrfcldc, Berlin-Tteglitz und 
Zeylendorf wohnhaften Steuerpflichtigen zweckmäßig bei dem un 
terzeichneten rl-cnylizamt zu machen -,ind. Die Angaben können 
mit der- Steuererklärung oder als Nachtrag hierzu'innerhalb der 
— bis zum 15. April 1929 — eingereicht werden. 
Berlin-Steglitz, den 30. März 1920 
Das Finanzamt in Zerlin-Steglitz. 
Bckarrrrtrnachrmr? 
Der Händler Dammköhlcr, Schwalbacher Str. 1, albt mit' 
dem 31. Marz den Kartofselverkauf auf. Die Versorgung der 
Kundschaft desselben mit Kartoffeln wird bis-^uf weiteres dem 
Händler Gicw, Goßlerstr. 10. übertragen. Berlin-Friedenau, den 
1. April. Ter Gemeinde-Vorstand. ' I. V.:' Friedet.
        
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