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Periodical volume Nr. 72, 31.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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AerÜn-FkledesM, Mittwoch de» 31 Mrz 1929 
Sichrg. 27 
Iie Rot unserer Ferienkolonien. 
Ter PflegebetvieL in diesem Jahre in Frage grpellt. 
Ter Friedenauer Verein für Ferienkolo 
nien (Ge. V. ii. M. St.) hielt gestern im Vereinszimmer 
des Ratskellers die nur schwach besuchte Hauptversamm 
lung statt, die anstelle der am Ersckieinen verhinderten 
1. und 2. Vorsitzenden, der Herren Bürgermeister Walger 
und Exzellenz Wollmann, von Herrn Rektor S ck> i l d b e r g 
eröffnet und geleitet wurde. Aus seinen Mitteilungen, 
zu Beginn der Sitzung ging hervor, das; der diesfäh- 
rige Pslegebetricb, der in allen Teilen bereits gut vor 
bereitet sei, noch in Frage gestellt sei wegen des Brenn- 
stosfmangels. Es fehle dem Heim an Kohle zur Feuerung. 
Von Wolgast aus habe man eine Absage erhalten, auch 
in Zinnowitz konnte man keine Kohle erhalten. Schon 
im Vorjahre bestanden hierin Schwierigkeiten, man habe 
oitnrals frisches Holz aus dem Walde holen und zur 
Heizung der KochlMrde verwenden müssen. Es gehe un 
möglich an, den Pflegebetrieb zu beginnen, ehe das 
Feuerungsmaterial für die Küche sicher gestellt sei. Er 
forderte alle Anwesenden auf, sich zu überlegen, wie' 
man Kohlen beschafsen könnte. Frau Wetzell meinte, 
man müsse sich vor allem dahin bemühen, einen Kohleu- 
fchein zu beschaffen, dann würde man schon Kohlen er 
halten. Herr Schildberg bedauerte es sehr, daß diese 
Schwierigkeiten etwa den Pflcgebetrieb in Frage stellen 
könnten. Viele Kinder haben ungemein schwer unter der 
Unterernährung gelitten. Er habe kürzlich ein Heim be 
sucht. in welchem sich 4—5 Jahre alte Kinder befanden, 
die nur 11—14 Psd. (!) wogen. Auf einer Reise traf er 
in der Bahn eine Schwester mit einem 18 Monate alten 
Kinde, daß 8% Pfund wog. Wenn nun auch solche schweren 
Fälle in Friedenau nicht vorliegen, so sind doch auch 
hier zahlreiche Kinder vorhanden, die den Fericnausent-i 
halt dringend nötig haben. Schivierigkeiten bereite auch 
die Lebensmittelüberweisung. Klar müsse man 
sich auch darüber sein, daß die Kosten des Pflegcbetriebcs 
erheblich gestiegen sind. Man rechne in diesem Jahre niit 
180 M. je Kind. Im vorigen Jahre kamen auf jedes! 
Kind 125,30 M., 1918: 80 M-, 1917; 64 M. Eine Wohl- 
tätigkeitsveranstaltung konnte in diesem Jahre nicht statt 
finden, weil die hohen Saalunkosten kaum einen erheb 
lichen Gewinn ermöglicht hätten. Anerkennenswert sei 
es, daß die Mitgliederzahl trotz der politisckfvn Uanwal- 
Zungen nicht zurückgegangen sei. Wünschenswert sei es 
aber, daß jedes Mitglied seinen Beitrag freiwillig 
erhöhe, damit dem Verein die Mittel zur Deckung der 
hohen Kosten für den Pslegebetricb zur Verfügung stehen. 
Eine Haussammlung werde auch in diesem Jahre wieder 
stattfinden und er hoffe, daß die Zeichnungen auf den 
Listen nicht zu klein ausfallen. Herr Tirektor Thoms 
berger regte an, 'Erkundigungen über die Anbringung 
einer elektrischen Feuerungseinrichtung anzustellen. Tein 
soll stattgegeben werden. Herr Lehrer Vogel empfahl, 
die Bcitragsquittungen über 1 M. auf 2 M. auszuschrei 
ben. Herr Rektor "<S ch i l d b e r g erklärte, daß er das 
schon gemacht habe in Voraussicht der Genehmigung hier 
zu. Herr Oberlehrer H i l g e r erstattete den Bericht über 
die allgenieine Dereinstätigkeit, in tvelchem er auch die 
Schwierigkeiten darlegte, die mit dem Pflegebctrieb ver 
bunden waren. Tie Haussammlung ergab 2863,15 M.,' 
es haben außer der Hauptversammlung 10 Vorstands-, 
und drei Ausschußsitzungen stattgefunden. Nach langen. 
Verhandlungen mit der Gemeinde Zinnowitz konnte iw 
Heim die elektrische Lichtanlage endlich geschaffen werden.. 
Ueber den Pslegebetricb berichtete Herr Rektor Schild-; 
b e r g. Außer den Kohlenschwierigkeiten bestanden Schwie 
rigkeiten durch Erkrankungen des Personals. Hervorragend 
war hierbei die Hilfe von Frl. Thomsberger, die dev 
Die Briefe der Prinzessin. 
Von». MH. Sppenhsirn 
2t (Nachdruck verboten.) 
„Sie können uns die Antwort auf eine Fraoe geben, 
die uns soeben beschäftigtes sagte die Komtesse. »-'Wir 
mußten nicht recht, ob es für zwei Damen, deren eine über 
die mittleren Jahre hinaus ist. möglich ist, in das Eldorado- 
Theater zu gehen?" 
Heinz sah von einer zur anderen. _ 
„Darf ich fragen," sagte er lächelnd, „wer die Dame 
ist, die über die mittleren Jahre hinaus ist?" 
Die Komtesse lachte leise und liebenswürdig und sah 
ibn mit einem Blick an. dessen Wirksamkeit sie kannte. 
Sie konnte einem Mann noch immer gefährlich werden, 
obwohl sie^mch^ischwerd^n Freunde sein, Herr Hollfelden," 
sagte" sie. „Ein Mann, der in der erregtesten Stimmung 
noch fähig ist, Komplimente zu machen, ist nach meinem 
Herzen Ein wenig Galanterie tut auch uns alten Frauen 
mobl Und es ist die erste Schmeichelei, die ich seit vielen 
Minuten gehört habe. W™,Sie keine SE: M°rg° 
ist nicht so schrecklich unfreundlich, wie Sie Ihnen jetzt 
scheinen mag, und ich werde keinesfalls gestatten, daß sie 
STfortS«. Und nun muffen Sf-m-Ine Frage denn,- 
»orten. Können Margot unk» ich diese schreckliche Tat 
begehen, allein das Eldorado-Theater zu besuchen i 
„Keinesfalls," erwiderte er ernsthaft, „wenn em Mann 
bei der Hand ist. der Sie so schrecklich gern Lahm begleiten 
möchte, wie ich." . . 
Die Komtesse klatschte m die Hände. 
„Hörst »u, Margot?" rief sie. . .. 
»2Ä höre," sagte da» junge Mädchen ernst und rulna. 
Leiterin und dem Hauspersonal wacker zur Hand ging. 
Tank zollte er auch der neuen Leiterin Frl. Griesbach 
nnd den Kindertanten Frl. Praßer, Frl. Kamicth und Frl. 
Wonneberger. Ebenso dankte er Frau Krüger, für ihre Ar 
beit im Verein. Tie Erfolge waren im allgemeinen gut; 
aber es empfiehlt sich doch, Mädchen im Alter von 13,. 
14 Jahren nicht mehr mitzunehmen,- hier reiche doch 
die Verpflegung nicht aus. Auch den Kassenbericht er-- 
stattete Herr S.childberg. Die Gesamteinnahmen be-c 
trugen 34 299,l6 M., die Ausgabe 35 737,10 M., fodaß, 
6421,96 M. als Bestand verblieben. Ter Pslegebetricb! 
hat rund 28 000 M. gekostet. Tie elektrische Lichtanlage 
erforderte einen Betrag von 7635 M. Tie Mitgliederzahl 
ist mit 823 die gleiche wie im Vorjahre geblieben. Nach 
dem Herr Nechn.°Nat Richter üb. die Kassenprüfling be 
richtet und dem Kassensührcr Anerkennung und Dank aus 
gesprochen hatte, tvurde dem Kassensührer und dem Gcsam-t- 
vorstande Entlastung erteilt. Zum 2. Vorsitzenden wurde 
Exzellenz Wvllinauii wiedergewählt, ebenso erfolgte die 
Wiederwahl von Frau Wetzell und Herrn Rektor Schild- 
berg in das Kuratorium. In den Ausschuß wurden wieder- 
bezw. sieugewäshlt die Herren Geißler, Dr, Htzinecker, Sachs, 
Leo Schultz, Dr. Rexilius, Thomsberger, Iran Prof. 
Bethge, Frau Prof. Kamieth, Frau Joachim, Frau Wetzell, 
Frl. Friedemann, Frl. Hesse und als Stcllvertreltcrin 
für Frl. Friedemann Frau Müller. Kasseuprüscr wurden 
wieder die Herren Richter und Borck. Unter „Verschiede 
nes" regte Frau Wetzell an, mit den Quäkern in Ver 
bindung zu treten, .um Lebensmittel und Wäsche usiv. zu 
erhalten; ferner sprach sie über das Bettnässen und die 
Läuseplage. Es müsse hiergegen mit aller Strenge vor 
gegangen werden. Herr Rektor Schildberg schloß mit 
der Bitte, für den Verein rege zu werben, daiuit ihm! 
reichliche Geldmittel zusließen, die Verfammlung gegen! 
Vs 11 Uhr. 
Hußerordentlicbe dringende 
Sitjiing der Gemeindevertretung 
vom Freitag, den 26. b. Mts. 
(Schluß.) 
Der Aclrdermis des 8 22 der Einkommenstcwrrordmru g 
wird zugestimmt. Die Gemeinde komnrt dadurch gegen 
über den Steuerzahlern in eine bessere Rechtslage, indem 
die Steuerpslicht auch dann eintritt, wenn die Veran 
lagung nicht zugestellt sein sollte. 
Tie Lieferung des BrerruftofftiedarfS für 1929 wird 
den bisherigen Lieferanten W. F. Mierfch u. Sohn und 
Enlst Vlanck übertragen. 
Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Einigungs 
amtes wird Gerichtsassessor Hänisch gewählt. 
Dark an GemcHrdebaurat Altmcnm. 
Bürgernieister Walger führt etwa folgendes ans: 
ES ist heute die letzte Sitzung in diesem Gcschästsjahrv, 
nnt dem Herr Vaurat Altmann aus dem GScmeinbcbicnft 
ausscheidet. Nach 14 jähriger Tätigkeit scheidet er in 
seiner Eigenschaft als Gemeindebaurat aus dem Amte nnd 
ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, um ihm ein 
herzliches Adee zuziirusen mit dem Wunsch, daß cs ihm 
weiter im Leben gut gehen möge. Friedenau hat ihm hu 
danken, daß eS durch ihn zu schönen und guten Bauten 
gekommcri ist. Er hat das Gcmeindebauwesen auf eine 
hohe Stufe gehoben. Zu danken ist ihm auch für die 
jenige Tätigkeit, die nicht öffentlich hervortrat, für seine 
Arbeit in der Baupolizei und für die große Last, die 
er während des Krieges in der Wohlfahrtspflege ans sich 
genommen hat. Wir haben in den 14 Jahren einen Bau 
rat gehabt, ivie wir ihn.uns nur wünschen konnten. Wenn 
wir mit ihm nun auch ferner noch in der Gemeindever 
tretung zusammenbleiben, so wollen wir uns darüber 
Die Komtesse verzog ihr Gesicht zu einer kleinen 
Grimasse. 
„Du bist in einer unmöglichen Laune, Herzchen," sagte 
sie. „Immerhin, ich entscheide mich für da» Eldorado- 
Theater und für die Begleitung des Herrn Hollfelden, 
wenn er es wirklich ernst gemeint hat." 
„Ich versichere Sie," sagte er eilig, „daß Sie mir die 
größte Freude bereiten würden, dürfte ich Ihnen meine 
Dienste zur Verfügung stellen." 
Die Komtesse nickte ihm noch einmal freundlich zu 
und stand auf. 
„Sie sind gerade zur rechten Zeit gekommen, mich vor 
völliger Verzweiflung zu bewahren, Herr Hollfelden," sagte 
sie lächelnd. „Ich will Ihnen ein Geständnis machen, das 
Sie beglücken muß: wir Frauen können die Gesellschaft von 
Männern nicht länger als auf höchstens drei Wochen 
entbehren. Und da ich sie schon feit Monaten entbehren 
muß, können Sie unschwer das traurige meines Zustandes 
erkennen. Hier," fügte sie hinzu und nestelte eine Börse 
aus Goldgeflecht von ihrem Gürtel los, „wenn Sie fo 
freundlich fein wollen und den Kaffee für uns bezahlen? 
Vielleicht sind Sie später so liebenswürdig und besorgen 
uns auch einen Wagen und die Billetts. Margot und ich 
machen uns inzwischen in der Garderobe fertig, am Aus 
gang des Cafes können wir uns treffen." 
Heinz erhob sich ebenfalls. 
„Der Wagen wird bereit fein, und ich werde sofort 
telephonisch eine Loge im Eldorado-Theater bestellen," sagte 
er. „Es wird da ein neues Ballett gegeben, das sich alle 
Welt ansieht." - , , 
Er bediente sich zur Bezahlung de» Kaffees natürlich 
nicht ihr« wohlgefüllten Börse, die er in seiner Tasche ver- 
««chrte. Aber «1s er de» Kellner abgefertigt hatte, sah er, 
daß die beiden einen Brief auf der Tijchplatte hatten 
freuen. In seiner amtlichen Eigenschaft aber scheidet er 
jetzt aus und für seine amtliche Tätigkeit wollen wir ihm 
den Dank nnssprcchen und hoffen, daß es ihm beschützen 
sein möge noch allerlei in seinem Berufe zu leisten. (Bravo.) 
— Bürgermeister Walger drückt Baurat Altmaun die Hand. 
Dieser dankt. 
G.-V. Frl. Schipfmann wünscht zu wissen, wie es 
mit der Vertretung .eines Ausschußmitgliedes sei. Nach 
längeren Ausführungen einigt man sich dahin, daß, wenn 
sich ein Mitglied in einem Ausschüsse vertreten lassen 
wolle, dies von dcni Fraktionsvorsitzenden oder -Schrish- 
sührer bis 2 Uhr mittags dem Personalbüro mitzuteilen sei. 
Freie Lernmittel. 
G.-V. Leosthardt (Dem.) fragt an, wie cs mit 
der Weitergewährung freier Lernmittel stünde. Es seien 
ihm Mitteilungen gcivvrden, nach denen diese in Frage 
stehen sollte. Er würde das sehr bedauern, denn Friei 
tzeuan könne darauf stolz sein, daß es als erste rund 
einzige Gemeinde bisher die Lernmittelfreiheit eingeführt 
habe. (Zustimmung). Bürgermeister Walger sagt, daßj 
die Sache im Finanzausschuß beraten werde. Man könne 
sich bei der Voranschlagsberatung darüber entscheiden, wie 
man die Lernnlittelsreihcit weiter durchführen wolle, wel 
chen Betrag mau dafür zu bewilligen bereit sei. 
Wucher. 
Anfrage des G.-V. Konieczka (NechtSblock): Was 
gedenkt der Gemcindeoorstand gegen diejenigen Gewerbe 
treibenden zu unternehmen, die ' anläßlich der Unruhen 
Niit Lebensmitteln gewuchert haben? Der Fragesteller er 
läutert noch, daß z. B. für Heringe 5 M. gefordert wur 
den, daß auch für Eier und andere Waren hohe Preise! 
gefordert worden sind. Diese Leute müßten rücksichtslos 
an den Pranger gestellt iverden. Der Bürgermeister müßte 
eine Bekanntmachung erlassen, daß er den Leuten an den 
Kragen gehen werde. Schöffe Friedet äußert sich über 
verschiedene Preisverhältnisse nnd auch darüber, daß man 
ihm oft Mitteilung von Wuchergeschäften mache. Wenn 
er dann aber bitte, ihm Namen und Adressen zu ueuuen 
und Beweise zu bringen, zoppcn die Leute zurück. Auch 
Bürgermeister Walger erklärt, daß das Publikum selbst 
schuldig sei, weil es nicht mit TeMMk'Namen hervor 
treten wolle. G.-V. Lüders (Dem.) meint, es müßten 
Volksgerichte gcschasseu Iverden, die solche Wucherer ab 
urteilen. G.-V. Maulbecker (b. k. Fr.) erwähnt, wie 
er einen Wucherer mit Schrippen veranlaßt habe, 100 
Mark in die Armenkasse zu zahlen. 
G.-V. Lauge (Dnat.) fragt an, ob die Gemeinde»- 
verordneten nicht ivie die früheren, Ausweise erhalten könn 
ten. Man hätte ihn in voriger Woche nicht ins Rathaus 
lassen wollen. G.-V. Lüdecke (Dein.) meint, daß jeder 
Bürger ins Rathaus hinein kommen müsse, ohne Ausweis. 
Bürgermeister Walger erklärt sich bereit, jedem, der 
es wünsche, einen Ausweis zuzustellen. 
Nackchcm die Vcrhandlungsschrift verlesen und geneh 
migt ist, wird die Sitzung gegen ValO Uhr geschlossen. 
itfsKtjsir. atifttr o-Drislinafattüri nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Tie Kartosfesverscrgnng Friedenaus ist noch immer 
nicht geregelt. Für diese Woche sind den Einwohnern 4 Psd. 
Kartoffeln in Aussicht gestellt, während viele Haushal 
tungen noch nicht einmal die 2 Psd. der vorigen Woche 
erhalten konnten, weil sie der Händler selbst noch nicht 
besitzt. Wozu die Ankündigungen, wenn nichts geliefert 
werden kann? Man täusche doch nicht die Bevölkerung 
durch Zusage von Lieferungen, die nicht erfüllt rverdeu 
können. * 
o Aufhebung der Osterklassen? Nach der „Voss. Ztg." 
haben die Dezernenten für das Schulwesen Groß-Berlins 
sich in einer gemeinsamen Sitzung dahin ausgesprochen, 
liegen lassen, dessen Briefmarke nicht abgestempelt war. 
Unwillkürlich las er die Adresse, als er das Schreiben 
aufnahm, um es den beiden Frauen zu überbringen. Es 
war an „Frau Gräfin Maria Waldendorff, auf Schloß 
Buchberg (Post Oberbayern)" gerichtet. 
In der Garderobe ließen die Komtesse und Margot sich 
die Mäntel umlegen. 
„Das also ist Herr Hollfelden," sagte die Komtesse 
dann, während sie vor einem Spiegel ihre Frisur ordnete. 
»Ja I Ich wünschte, du hättest ihn gehen lassen," er 
widerte Margot, und ein leichtes Zittern überflog ihre 
schlanke Gestalt. 
Die Komtesse lachte leise. 
„Weshalb?" fragte sie. „Ich finde, er ist ein sehr 
angenehmer junger Mann. Und wer kann wissen, ob er 
uns nicht noch nützlich fein kaun?" 
Margot machte eine ungestüme Bewegung. 
„Vergißt du, wie sehr ich ihm schon zu Dank ver- 
pflichtet bin?" sagte sie heftig. 
Die Komtesse machie eine beschwichtigende Bewegung 
und deutete mit einer unmerklichen Kopfbeweauna auf die 
Garderobiere, die neugierig lauschte. ü J ’ 
„(Eben, weil ich es nicht vergesse, dursten wir ihn nicht 
fortschicken," sagte sie. „Es hätte sich nicht mit den Pflichten 
gegen die Dankbarkeit vertragen." 
Margot zuckte die Achseln und senkte müde den Kopf. 
„Wenn du wüßtest, warum ich ihn habe fortschicken 
wollen I" murmelte sie leise, so leise, daß die Komtesse es 
nicht verstand. Fragend sah sie das junge Mädchen an. 
aber Margot sagte nur: 
„Du hast mich diesmal nicht recht verstanden, Liebe. 
Aber es ist ja nun nichts mehr daran zu ändern. Komm!" 
Und Arm in Arm »erließen sie die Eardevsbe, 
G-»tsetzu«, fokgi.)
        
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