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Periodical volume Nr. 71, 30.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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^uKerordenllicbe dringende 
Sitzung der Gemeindevertretung 
vom Freitag, den 20.,. b. Mts. 
Bürgermeister Walger eröffnet die Sitzung 8-/4 
00 J3J}.* E>er Bemerkung, das; in der letzten Sitzung am 
28. März einige Sachen vertagt wurden, über die heure 
verhandelt werden müsse. Er teilt mit, das; als entschnl- 
drgt Schöffe Pajche und G.-V. 5kamrowski fehlen. 
Auf die Tagesordnung wird als Eilsachp noch die Mahl 
des Gerichtsafsefsors Hänisch aus Friedenau zum stell 
vertretenden Vvnitzeuden des Mietseinigungsamtes gefetzt. 
G.-B. L ü decke (Dem.) fragt, ob Bürgermeister Wald 
ger nicht wisse, warum der G.-V. Konieezka so selten in 
den Sitzungen zu sehen sei. Bürgermeister Walger: Nein! 
G.-V. Dr. Anders (Dnat.) erklärt, daß Herr Konieezka 
z. Zt. sehr beschäftigt sei und durch öftere Reisen verhin 
dert sei, zu kommen. Das sei aber nicht dauernd, sondern 
nur vorübergehend. (G.-V. Konieezka findet sich übrigens 
Vs Stunde später ein). 
Erhöhung des« Gemefndcstcurrzu'ch'ageS von 259 auf 
35» v. H. 1 
Bürgermeister Walger führt ans, daß der Finanz 
ausschuß sich nochmals mit der Frage beschäftigt und 
beschlossen habe, der Gemeindevertretung zu empfehlen, 
die Erhöhung abzulehnen. Von denjenigen, die für die 
Vorlage sind, wurden im Ausschuß die Gründe wiederholt, 
die für die Erhöhung sprechen, inSbesoirdere habe die 
Erhöhung der Kreissteuer den Anlaß zu dein Antrage 
gegeben, wodurch die Gemeinde rund 500 000 M, neuer 
dings an den Kreis abzuführen habe, die man aus lausen 
den Mitteln nicht nehmen könne. Es müsse daran gedacht 
werden, mit. den Finanzen regelrecht zu wirtschaften und 
mit der Pumpwirtschaft aufzuhören. Die 6 Millionen- 
Anleihe habe n-an gemacht, um den Kriegshilfsfonds aus 
zukehren. Außer der Kreissteuer sei noch eine ungedeckte 
Summe vorhanden, die mau bei dieser Gelegenheit mit 
abräumen wollte. Durch die Erhöhung um 109 v. H. 
würde man 1 Million einbekommen. Mit der Einführung 
der RoichSfinauzreform erhalten die Länder und Städte 
bestimmte. Antci-e, die ihren bisherigen Steuereinnahinen 
gleichkommen sollen. Wie verlautet, soll der 31. März 
d. Js. hierfür der Stichtag sein und es würde ein Vorteil 
sein, wenn wir an diesem Tage das höhere Steuers oll, 
auszuweisen hätten. Um also künftig ausreichende Mittel 
zu besitzen, wäre es praktisch, die Erhöhung jetzt vorzu 
sehen. Von der Gegenseite wurde angeführt, daß wir 
noch gewi,se Reserven haben, um die Summe zu decken. 
Es wäre unbillig, nfoch im letzten Augenblick des ablausen 
den Jahres solche Summen von den Steuerzahlern zu for 
dern. Man sollte erst mal abwarten, wie sich die Dinge 
weiter abwickeln. Auch auf Groß-Berlin wurde hingewiesen 
und gesagt, daß eine gleichmäßige Belastung hier doch ein 
treten müsse, andererseits wurde gesagt, daß das, was 
wir haben, nicht Groß-Berlin .überlassen werden sollte. 
Erstens wisse man auch noch garnicht, ob Groß-Verlbn 
komme oder nicht. Wir würden mit unseren Reserven noch 
auskommen, es sei aber auch gut, daß wir uns nicht voll 
kommen auspowern. Der Finanzausschuß ist dann schließ 
lich zu dein Beschluß gekommen, die Erhöhung abzuleh 
nen. Tie 500 000 M. für den Kreis müßten nun aus 
änderten Mitteln genommen werden. Es bliebe da nichts 
anderes übrig, als sie ans der O-Millionen-Anleihe zu 
nehmen und im übrigen zu versuchen, aus den Reserven htts 
Voranschlages die übrigen Fehlbeträge noch auszubringen. 
>G.-V. Maulbecker (b. k. Fr.) beinerlt, daß auch 
PH mmm mmm mmmmmmmmmammmmmammmmmmmmmmmmmmmmsmmomummmm 
M Briefe der Prtemiu. 
Bon E. PH. Oppenheim. 
20 (Nachdruck verboten.) 
„Jeden Abend, Liebste? Sind wir wirklich, seitdem 
wir in Berlin sind, mehr als zwei oder drei Abende zu 
Hause geblieben?" 
„Weiß ich nicht, Kindchen. Ich weiß nur, daß ich 
mich mebr als zwei oder drei Abende gelangweilt habe. 
Eigentlich habe ich auch keine Lust, ins Theater zu gehen. 
Höchstens in ein Variete. Wollen wir ins Eldorado- 
Theater, Margot?" ^ ^ 
„Ich weiß nicht recht, ob zwei Damen da allein 
hingehen können," erwiderte Margot. „Aber wenn du 
Lust hast, will ich nicht " 
Sie brach kurz ab. Ihre Augen hatten sich weit ge- 
öffnet, die Komtesse wußte nicht recht, ob es Furcht oder 
Ueberraschung war, was sich darin spiegelte. Jedenfalls 
war Margot sehr blaß geworden, und unverwandt sah 
sie ans einen Punkt. . _. 
Die Komtesse verlor ihre Zeit nicht mit Fragen. S,e 
ührte die Lorgnette an die Augen und sah sich um 
olgte der Richtung von Margots Blicken.. Gerade auf 
hren Tisch zu kam ein junger Mann, der kein Auge von 
hnen wandte. Er war sorgfältig und elegant gekleldeh 
ein blasses Gesicht mit dem energisch geschnittenen Mund 
.war klug und vertrauenerweckend. Ueber ferner ganzen 
Persönlichkeit lag jener Hauch von Vornehmheit, der sich 
sofort bemerkbar macht und seinem Träger die Zuvor 
kommenheit von Wirten und Kellnern sichert. Die Komtesse 
ließ ihre Lorgnette sinken und sah Margot lächelnd an. Der 
junge Mann gefiel ihr. , . . 
(Fr blieb ein paar Schritte vor ihnen stehen und lüftete 
höslj.v den Hi>t. Die Komtesse war ärgerlich, als sie sah, 
n ie kalt und abwetzend Margot nun aussah. Sie lehnte 
, s.ch ein tre.iL jo. u.ib war fest entschlossen, sofort emzu- 
andeve Gemeinden die Erhöhung nicht vorgenommen 
hätten, man würde damit also wohl nicht vereinzelt da 
stehen, aber andererseits würden dadurch einzelne Bürger 
gegenüber anderen Bürgern in Groß-Berlin ins Unrecht 
gesetzt. Es sei ja auch angekündigt worden, daß diejenigen 
Gemeinden, die jetzt nicht erhöhen, nachträglich herange 
zogen toerden sollen, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden. 
— Bürgermeister Walger erklärt, daß diese Ankündi 
gung e.ine persönliche Auffassung des Berliner Magistrats 
j oder des Oberbürgermeisters Wermnth sei. Man könne 
| die Gründe hier nachprüfen, wenn man sie aber nicht an 
erkenne, brauche man nicht danach zu handeln. — G.-B. 
Maulbecker frägt, ob wir denn auskommen würden 
auch ohne die Erhöhung. — Bürgermeister Walger er 
klärt, daß noch 2 Millionen Mark in kleine Posten ver 
zettelt wären. Nach der überreichten Ausstellung wären 
noch l sch Millionen Mark ungedeckt. Wenn die Erhöhung 
nicht eintritt, bleiben 1>/s Millionen Mark ungedeckt. Es 
fragt sich, ob lvir uns anspowern sollen. Tie Summe 
müßte ans der 6-Millionen-Anleihe mitgedeckt iverdvn. 
An und für sich sei es eine falsche Finanzhandlung, wenn 
man solche Summen, die aus laufenden Einnahmen ge 
deckt werden müssen, ans Anleihen decken wolle. — G.-B. 
Paul Richter (Unabh.) Meint, man könne es den 
Steuerzahlern nicht zumuten, daß sie jetzt noch nachträg 
lich einen vollen Stenerbetrag nachzahlen. Er halte das 
für die Schaltern der Steuerzahler für unerträglich. Eine 
solche Erhöhung Hütte früher geschehen müssen, aber nicht 
am Ende des Jahres. (Bürgermeister Walger: Ich bin 
immer dafür gewesen.) Der Herr Bürgermeister habe aber 
auch früher immer gesagt, eine Erhöhung sei nicht nötig. 
Man könnte ja wohl sagen, wenn .in den nördlichen Be 
zirken Groß-Berlins die höhere Steuer genommen werde, 
warum nickt auch hier (Zürns: In Zehlendorf 400 v. H.). 
G.-V. D r e g e r (D. Vp.) führt ans, daß jn miih.s- 
vollcr Arbeit und durch Sparsamkeit der früheren Ge 
meindevertretung die Reservefonds geschaffen wurden. Daß 
aber auch in mühevoller Arbeit sich viele unserer Ein 
wohner die Groschen zusammengespart hätten, um davon 
nun leben zu können und da könne man nicht die Schuld 
auf sich laben, diese noch stärker zu belasten. Das Bi ld 
der Zukunft werde ein anderes sein; eS werden sich (künftig 
die Verhältnisse verschieben. Man könne den schwachen 
Schultern die Belastung nicht zumuten. 
G.-V. Dr. Hasse (Soz.) bemerkt, die Unterhaltung 
beweise ihm, daß Groß-Berlin viel zu spät konnne. Es 
hätte früher kommen müssen. Die Verschiedenartigkeit der 
Steuererhebung wäre einer der wichtigsten Gründe für 
die Vereinheitlichung von Groß-Berlin. Es komme einer 
S t en a r d r ü ü e r e i gleich, wenn man sich weigere, das 
zu zahlen, was gezahlt werden müsse und was die nörd 
lichen und östlichen Orte auch zahlen (Sehr richtig links). 
Er habe gehört, daß alle die Gemeinden, die jetzt nickst 
zahlen wollen, nachzahlen müßten. Es müßte eine Strafe 
stattfinden für einen solchen Extratanz. (G.-B. Rich 
ter: Die Vorlage kommt zu spät). Das ist richtig. Darum 
haben wir aber doch nicht das Recht, nicht unsere Pflicht 
zu tun. Die Anleihe ist noch nicht genehmigt, wer weiß, 
ob üc genehmigt werde, wenn bekannt wird, daß daraus 
laufende Ausgaben gedeckt werden sollen. Die Zahlung 
der Kreissteuern ans der Anleihe würde sicherlich nicht 
genehmigt. Man setze sich, wenn man die .Vorlage aö- 
lkhne, der Gefahr ans, daß man nachher nicht wisse, 
woher die Beträge zu nehinen wären. Es wäre ihm an 
genehm, wenn er wüßte, tveiche sachlichen Gründe die Rechte 
vorbringen könnte. 
G.-B. T h 0 m S b e r g e r ■ (Dein.) betont, er hätte geie 
glaubt, daß die erneute Aussprache im Finanzausschuß 
greifen, wenn Margot ihn durch ihre Unliebenswürdigkeit, 
dke jungen Männern gegenüber oft erschreckend groß sein 
konnte, vertreiben sollte. Mein Himmel, wenn man sich 
so langweilte! Der junge Mann sah wirklich nett aus. 
„Ich bitte um Verzeihung," sagte er mit vor Erregung 
zitternder Stimme, „ich habe so sehr gewünscht. Sie irgendwo 
zu treffen, Fräulein von Wehringen." 
Margot zuckle zusammen. Dann stieg eine feine Röte 
in ihr blasses Gesicht, und sie warf mit einer Bewegung 
den Kopf zurück, die die Komtesse gut genug kannte. 
„Wie können Sie vermuten, daß ich so heiße?" fragte 
sie kalt. 
„Ihr Herr Vater, der Oberstleutnant Arnstorf, ist einer 
meiner besten Freunde," erwiderte er ernst. „Ich habe den 
gestrigen Tag in seinem Hause verlebt. Erst heute morgen 
bin ich nach Berlin . Aber ich bitte um Verzeihung 
— Sie befinden sich nicht wohl " 
Wirklich war Margot halb ohnmächtig zurückgesunken. 
Die Komtesse ergriff ihre Hand und umfing sie mit festem 
Druck. Das junge Mädchen fand denn auch sogleich ihre 
Selbstbeherrschung wieder. 
„Woher wissen Sie, daß der Oberstleutnant Arnstorf 
mein Vater ist?" fragte sie. 
„Ich fand eine Photographie von Ihnen im Album 
Ihrer Schwester," erwiderte er ruhig. 
Sie hatte ihre Fassung wiedergefunden. Ein wenig 
neigte sie sich gegen ihn vor; und nachdem sie sich mit 
einem raschen Blick davon überzeugt hatte, daß die zunächst 
stehenden Tische unbesetzt waren, sagte sie leise: 
„Bitte, halten Sie mich nicht für unfreundlich, Herr 
Hollfelden. Ich weiß, daß ich Ihnen zu großem Dank 
verpflichtet bin, ich weiß auch, daß Sie das Recht haben, 
gewisse Erklärungen von mir zu fordern. Und doch bitte 
ich Sie von ganzem Herzen, zu gehen, mich nichts zu 
fragen — bitte ich Sie, mir zu glauben, wenn ich Ihnen 
versichere, daß nichts in der Welt so wenig wünschens 
wert ist, wie eine Bekanntschaft zwischen Ihnen und mir." 
, Heior wurde änlicher. , Sie sprach lo eindringlich, und 
alle ohne Ausnahme, davon überzeugt hätte, daß die Be 
willigung der Erhöhung notwendig sei. Ter Herr Bür 
germeister habe in unparteiischer Weise das Hin und Wider 
dargelegt. Man habe lange gezögert und wartete, ob man 
gezwungen wäre, die ungeheure Belastung unseren Frie- 
denauer Einwohnern auszupacken. Das beweise auch die 
bisherige Haltung seiner Fraktion; man habe immer wieder 
verslickt, an der Klippe vorbeizukommen. Ten Anstoß zu 
der Vorlage habe die Kreissteueverhöhung gegeben. Man 
konnte es nicht mehr verantworten, ohne Deckung weiter 
zu wirtschaften. Das sei mit einer ordentlichen Finanzge 
rung nicht in Einklang zu bringen. Man müsse sich sagen: 
Hie Rhodns, hie salta! Und wenn es auch ans eigene 
Portemonaie gehe. Was ist denn: alle haben hier die 
Mehrausgaben bewilligt, alle Parteien ohne Ausnahme. 
Als man die Beamtenbesoldungem beschloß, mußte sich doch 
jeder klar darüber sein, daß auch Deckung dafür geschaffen 
werden müsse und da könne man nun nicht aus partei 
politischer Taktik so tun, als wolle inan den Mit 
telstand schützen. (Große Unruhe rechts; Sehr rickftg 
links; G.-V. Anders: Ich verbitte mir diese Insinuation; 
G.-V. Altmann: Das machen Sie immer). Er bitte die 
100 Prozent zu bewilligen, seine Fraktion lehne es ab, 
das Pumpsystem mitzumachen. Ein ordnungsmäßiger Etat 
müsse auch ordnungsmäßig ausgeglichen werden. (Zn- 
stimmilng links). 
G.-V. Tr. Anders (Dnat.) weist die Vorwürfe gegen 
die Rechte zurück. Man suche nicht denjenigen hinterm 
Busch, der selbst dahinter stecke. Seine Fraktion habe sich 
gleichfalls schon lange mit der Frage beschäftigt und sie 
hätte sachliche Gründe genug für ihre Haltung. Die Be 
merkung, daß wir von Berlin bestrast werden müßten, 
zeige, wie töricht man handele, wenn man sich nach dem 
Anschluß an Berlin dränge, das uns wie Kinder behan 
deln soll. Tie 100 Prozent wären eine große Belastung 
für alle diejenigen Einwohner, die ihren Etat auch einge 
richtet haben. Nicht parteipolitische Gründe seien es,, b!e 
für sie maßgebend wären, sondern sehr große sachliche 
Gründe; sie hätten doch auch Grütze im Kops und Kickst 
Stroh, wie die Gegenseite vielleicht annehme. 
G.-V. Butshi (Soz.) stimmt darin überein, daß die 
Vorlage härte früher kommen können. Aber es sei auch 
notwendig, aus der Pumpwirtschast herauszukommen. Tie 
Rechtsparteien lauern nach einem Ausspruche schon da 
rauf. daß das deutsche Volk durch Pumpwirtschaft sich ab 
wirtschafte. Mache man doch kein x für ein n. Rein 
sachliche Gründe hätte die Rechte nicht. 
G.-V. R i ch t e r (Unabh.) bemerkt, Herr Thomsberger 
sagte, man hätte..die Gehaltserhöhungen bewilligt und 
nicht an die Deckung gedacht (G.-V. Thomsberger: Das 
habe ich nicht gesagt). Nun der Sinn seiner Rede war 
aber so. Wie sei es denn gewesen. Es tvtirde immer er 
klärt, das Ist der Steuer sei viel günstiger als das 
Soll. Er sei immer dafür gewesen, denselben Steuersatz 
wiie Berlin auch hier zic erheben. Aber daß man jetzt im 
letzten Augenblick mit der Erhöhung komme, könne er 
nicht verantworten, wo viele die Steuer so schon gestundet 
erhalten haben. 
G.-V. Thomsberger (Dem.) erklärt zu der Be 
merkung des G.-V. Dr. Anders, (daß sie auch kein Stroh 
im Kopfe hätten), daß er seine Gegner immer hoch bin- 
ickätze und niemand siir dümmer halte, als er selbst sei. 
We..n die Rechtsparteien nicht den vollständig negierenden 
Standpunkt einnehmen würden, sondern vielleicht nur 
50 v. H. bewilligen tvollten, so würde er es verstehen 
und sagen, darüber ließe sich reden. Auch seine Fraktion 
wolle keinen Steuerzahler unnütz belasten, aber der ab 
soluten Notwcmdigkeit könne sie sich nicht verschließen. 
der Blick, mit dem sie ihn ansah, war so beredt, daß er 
später nicht mehr zu sagen vermochte, wie seine Antwort 
ausgefallen wäre, wenn man ihn hätte zu einer Antwort 
kommen lassen. Aber ehe er etwas hatte sagen können, 
meinte die Komtesse, mit einem bezeichnenden Blick auf 
den Kellner, dcr herbeigekonimen war und sich in un 
mittelbarer Nähe zu schassen machte: 
„Findest du nicht, liebe Margot, daß der Ort für 
Intime Gespräche nicht recht geeignet ist? Und willst du 
mich nicht mit dciiiem Freunde bekannt machen?" 
Heinz, der schon gefürchtet hatte, daß er wirklich 
würde gehen müssen, wandte sich sofort an die Komtesse, 
die er bisher kaum beachtet hatte. Sie lächelte ihm liebens 
würdig zu, und er fand, daß die höchstens dreißigjährige 
Frau ein angenehmes, kluges Gesicht hatte. Margot zögerte 
einen Augenblick, man merkte es ihr an, daß sie von dem. 
Eingreifen der Komtesse keineswegs angenehm berührt »war. 
Aber sie fügte sich in das nun Unvermeidliche. 
„Gern,'liebe HermineI Herr Hollfelden, von dem ich 
dir bereits sprach." 
Die Komtesse zog ein wenig die Brauen hoch. Aber 
die Liebenswürdigkeit ihres Wesens blieb unverändert. 
„Gewiß, ich erinnere mich," sagte sie freundlich. „Ueber- 
dies habe ich Ihren Namen als den eines bekannten 
Romanschriftstellers oft nennen hören, Herr Hollfelden. 
Wollen Sie nicht Ihren Kaffee bei uns einnehmen?" 
„Ich fürchte: wir halten Herrn Hollfelden auf," sagte 
Margot rasch. „Und denkst du an die Zeit, Hermine?" 
Aber Heinz hatte sich schon einen Stuhl an den Tisch 
gezogen, gab dem herbeieilenden Kellner seinen Hut und 
bestellte Kaffee. Er war nun jetzt entschlossen, unter allen 
Umständen zu bleiben. 
„Wenn Sie also freundlichst gestatten, sagte er mit 
einer leichten Verneigung, und auf die nochmalige freund 
liche Aufforderung der Komtesse Hermine Waldcndorss« 
i»nw er tick» 
(Fy^setz'Mg folgt.) 
1. Nr.
        
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