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Periodical volume Nr. 68, 26.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Friedenauer 
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EeschästL^kÜL! ÄheinEk» 18. 4.— ©£'I*anain»i« IS Psg. 
VraCs*~ixi*h€*AU, Ythsirrstroh« 14. — Ferusprecher; Amt Pfalzburg 3l»S. . 
Ar. 88 
SkrliU'FrKdkwm. Freitag, vea 88. Wrz 1920 
Sehrs. 27 . 
Aufruf! 
Der von der Gemeindevertretung am 25. Mürz gewählte 
Ausschuß für die Avwohuerwehr 
hat seine Tätigkeit in der Untersuchung der Vor 
gänge in unserer Gemeinde in der kritischen Woche und 
über das Verhalten der Einwohnerwehr begonnen. Zur 
restlosen Aufklärung ist der Ausschuß auf die Mitwirkung 
aller Bevöikeruvgsschichteu angewiesen. Personen, die 
Tatsachen mitteilen oder über eigene Beobachtungen be 
richten können, die geeignet sind, zur restlosen Aufklärung 
der Vorgänge beizutragen, werden gebeten, hiervon schleunigst 
schriftlich unter Angabe von Namen und Wohnung an den 
Ausschuß zu Händen des Herrn Gemeindeschöfsen EverS, 
Ringstr. 35, kurze Mitteilung zu machen. 
Krvtoflonroaglült In Lautwitz. 
Gestern Nachmittag gegen i /. J 3 Uhr wurden Unsere Ein 
wohner durch einen lauten, donnerähnlichen Schlag, der dir 
Fenster erzittern machte, erschreckt. Wie sich bald darauf 
ergab, waren in der Munitionsfabrik von F. Gaebert in 
der Charlvtienstraße in Lankwitz große Mengen Munition 
und Pulver in die Luft geflogen. In der Fabrik sind z. Li- 
130 Arbeiter und Arbeiterinnen mit der Entladung von 
Geschossen beschäftigt. Der Sprengstoff, insbesondere Pikrin, 
wird in eine Grube geschüttet, die in der Nähe des Fabrik 
gebäudes liegt und die ständig unter Wasser gehalten wird. 
An der Grube erfolgte die Explosion, die von einer g-oßen 
Stichflamme begleitet war, und bald darauf flog das Dach 
der Fabrik, eingehüllt in eine gewaltige Rauchsäule, in die 
Lust. Der Luftdruck war so stark, daß fast in ganz Lankwitz 
die Fensterscheiben zersprangen und von zahlreicheA Häusern 
die Dächer abgedeckr wurden. Das neue RathauS und daS 
Realgymnasium sind stark beschädigt. Ein Glück war es, 
daß der Dorortzug gerade vorüber war. Gegen 30 Per- 
sonen wurden Verletzt, einige sehr schwer. Dagegen soll 
niemand getötet sein. Tie Feuerwehren aller Nachbarorte 
eilten sofort zur Hilfe, auch die Friedenauer Feuer 
wehr war bald nach dem Unglück zur Stelle. Die Ursache 
der Explosion steht noch nicht fest; eS ist noch zu er 
mitteln, ob Selbstentzündung oder Unvorsichtigkeit einrö 
Arbeiters vorliegt. 
Sitzung cier Gemeinäeverlretung 
v»m 23. März 1920. 
(Fortsetzung.) 
Bürgermeister Walger erklärt zunächst, baß auch er 
dem Ausschuß zustimme, weil die Einwohnerwehr selbst den 
Antrag auf Einsetzung eines solchen Autschusses gestellt 
hübe. Sonst hätte er einem solchen Antrage nicht stattgeben 
können, da ihm Befugnisse über die Wehr nicht zustünden. 
lHört, hört.) An Hand der Akten gibt er dann Einzelheiten 
über die Gründung der Wehr, ihre Führung und Zusammen- 
setzung. Dre hiesige Einwohnerwehr untersteht der Zentral 
stelle für Einwohnerwehren, die dem Ministerium der 
Innern angegliedert ist. Es ist bedauerlich, daß nicht mehr 
Sozialdemokraten in die Wehr hineinzubringen waren. 
Vie Briefe der Prinzessin. 
18 (Nachdruck verboten.ß 
Tie Klrlne nickte zustimmend und bemühte sich tapsrr, 
ihre ersichtlich noch keineswegs behobene Betrübnis hinter 
einem liebenswürdigen Lächeln zu verbergen. Sie ahnte 
wohl kaum, um wieviel schwerer ihr Partner kämpfen inußre, 
tine Unbefangenheit und eine Fröhlichkeit zu erheuch ln, 
von denen er in Wahrheit so weit entfernt war. In der 
Tat verlebte Hollfclden die nächsten Stunden wie in 
einem dumpfen Traum. Weder die strahlende Bläue des 
Sommerhimmels und der süße Duft der Blumen, noch die 
lackenden jungen Menschengesichter um ihn her vermochten 
'ihn aus dem Bann zu lösen, der alle seine Sinne um- 
fanaen hielt. Wohl bemühte er sich, in den ausgelassenen 
Ton der Unterhaltung einzustimmen, und zuweilen konnte 
es fast den Anschein gewinnen, als ob er der Fröhlichste 
unter den Fröhlichen sei. Aber ein aufmerksamer Beob 
achter würde doch leicht wahrgenommen haben, wie mühsam 
mrounaen diese krampfhafte Lustigkeit war, und wie wenig 
Anteil in Wahrheit seine Gedanken an all diesem munteren 
^öic Dämmerung hereinbrach, begannen sich die 
Gatte zu verabschieden, und auch für Hemz Hollfeldcn 
wäre es nun wohl eigentlich an der Zeit gewesen, sich zu 
emvkeblen Aber er konnte nicht gehen, bevor er mrt dem 
Oberstleutnant über seine Entdeckung gesprochen hatte, 
und bis zu diesem Augenblick hatte sich ihm keirze Gelegen 
heit zu ungestörtem Alleinsein mit dem Hausherrn ge- 
6 ° te siun aber kam Arnstorf selbst ahnungslos seinen 
Wünschen entgegen. Als er dem letzten der aufbrechenden 
Paare bis zur Gartenpforte das Gelest gegeben,. "andde 
fick der Oberstleutnant zu dem im Gesprächs mrt Edith 
Gegriffenen jungen Schriftsteller und leg e ,ym freund- 
jchastlich vertraulich die^Handj aus oie Schulter. 
Was es In der nLchfterr Woche gibt. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gr. Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot am „Hafer". 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Butter: 20 Gr.-68 Pf. und 70 Gr Margarine -1,33 M. 
sowie 55 Gr. Margarine (1,05 M.) auf Sonderabschnitt 
der Speisefettkarte 
Kartoffeln: steht noch nicht fest. 
Zucker: Vom 1. bis 15. April Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre l 1 /, Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund uab im 8. bis 7. Lebensjahre »/• Pfund 
im Monat. Neue Kundenliste liegt aus. 
Anzumelden: 27.—30. März 
, Auf Groß-Berliner Lebensmittelkarter 
Graupen: 125 Gr. auf 10; Pfd. 71 Pf. 
H a f e r f l o ck e n : 125 Gr. auf 1 l; Pfdi 92 Pf. 
Marmelade: 250 Gr. »uf 14; Pfd. 3.70 M. 
Nudeln: 125 Er. auf 15; Pfd. 1.18 M. 
Bohnen: 125 Gr. auf 16; Pfd. 3,50 M. 
Auf Friedenauer Nährmittelkarte: 
Getr. Zwiebeln, getr. Mohrrüben u. getr. 
Weißkohl: Je 250 Gr. auf 10; Pfd. Zwiebeln 3.20 M.. 
Pfd. Mohrrüben 2.40 M., Pfd. Weißkohl 2,20 M. ; 
Holländ. Salzschnittbohnen: 250 Gr. auf 11 
Pfund 1.10 Mk. 
Puffbohnen: 250 Gr. auf 12; Pfd. 4,60 M. 
Falls Anlaß zum Mißtrauen ist, werden wir versuchen, die 
Wehr sofort auf breitere demokratische Grundlage zu stellen. 
(Aha ) Wir haben die Wehr mit Mitteln ausgestattet, weil 
sie Polizeidienste hier tat. Wenn Offiziere vorbeigehende 
Truppen grüßten, so taten sie nichts anderes als f. Zt. die 
Arbeiter, die Automobilen mit roten Fahnen zujubelten. 
(Unruhe) ES waren Treibereien gegen die Einwohner 
wehren im Gange, und es ist bedauerlich, daß durch diese 
Treibereien viele der Herren ausgetreten sind. Die Wehr 
besteht noch. Nach dem Staatsstreich des Herrn Kapp (Zu- 
rufe: Herrn?) war am Montag morgen an der Bornstrabe 
eine größere Menschenmenge zusammengelaufen, hatte 
Wagen umgeworfen, Autoreifen zerschnitten, Wagen auf 
Waffen untersucht und es sollen dabei Zivilpersonen 
auch goldene Uhren abhanden gekommen sein. (Lachen, 
Ruf: die üblichen goldenen Uhren) Wer die Offiziere 
der Wur1bmgk«mpagnie nach dem Rheineck gerufen hat, 
wiff« er nicht; darüber würde ihm nichts gemeldet. 
Einige dieser Offiziere sind dabei in Bedrängnis ge 
kommen. E« fei zur Einwohnerwehr gegangen als die 
Hilferufe kamen und habe gebeten, schreiten Eie nicht ein, 
dazu habe die Wehr nicht den Beruf/ Einig« Offiziere hat 
die Meng« wieder losgelassen, zwei mußten in ein HauS 
flüchten. Einer der Offiziere hat die Truppen her 
beigeholt, die nach Steglitz marschiert sind. Eine Pa 
trouille der Einwohnerwehr ist hinter den Truppen m«r- 
schiert, ohne Auftrag zu haben, hinterher zu mar 
schieren (Zurufe). An der Grenze hat diese Abteilung Halt 
gemacht und di« zurückkehrende Truppe hat da»n auf Steg 
litzer Gebiet das unselige Blutbad «ng»richtrt Er w,lle 
daS nicht verteidigen, sondern nur zur Steuer der Wahrheit 
mitteilen, daß auf Steglitzer Gebiet die Schüsse fielen. Die 
Truppe ist dann abmarschiert und hot die Toten und 
Verwunderen liegen lassen (Zurufe: Dabei haben 
Frauen in die Hände geklatscht!) Von;der Einwohnerwehr 
Die Kleine va yat nun lange genug oes Vergnügen 
Ihrer Gesellschaft genossen. Lassen Sie »iich airen Mann 
nun auch ein bißchen davon profitieren. Ich habe in 
aller Stille ein Fläschchen Rauenihaler drüoen in der 
Gartenlaube deponiert, und weil Sie doch wohl wissen, 
daß der Wein ein gefährlicher Widersacher ist, werden 
Sie mich hoffentlich nicht mit ihm allein lassen. Für das 
Weterhexchen da gibt es, wie ich meine, drinnen im Hause 
jetzt allerlei zu schaffen." 
Edith, die ihre alle Munterkeit schon feit langem zu 
rückgewonnen hatte, stiminte lachend zu, und der Oberst 
leutnant nahm den Arm seines jungen Gastes, um mit 
ibm der in der Tiefe des Gariens gelegenen Laube zuzu 
schreiten. 
„Es hat Ihnen im Verlauf dieses langen Tages 
rechtschaffen heiß gemacht, das Mädel, nicht wahr?" 
fragte er sichtlich gut gelaunt, „stier und da fühlte ich 
mich in einer Anwandlung von Mitleid wirtlich versucht. 
Sie von ihr zu befreien." 
„Ich hätte auf der ganzen Welt keine angenehmere 
Gesellschaft finden können, als es mir die Ihres Töchter» 
chens gewesen ist, Herr Oberstleutnant." versicherte Holl- 
felden oufrichlig. „Cie dürfen wahrhaftig stolz sein auf 
einen solchen Besitz." 
„Ra, na I" wehrte Arnstorf lächelnd ab. „Vorläufig 
ist sie noch ein rechter Sausewind und Hans Dampf in 
allen Gaffen, und was für ein Wein sich aus dem unge 
bärdigen Most entwickeln wird, müssen wir erst abwarten. 
Heute aber schien sie mir für S.e in der Tat die ge 
eignetste Gesellschaft. Und es freut mich aufrich.ig, wenn 
ich mich darin nicht getäuscht habe." • 
Sie nahmen an dem runden. Tischchen der grün um 
sponnenen Laube Platz, und der Oberstleutnant füllte die 
dereilstehenden Römer nist dem goldbell funkelnden Wein. 
Just in diesem Augenblick begann inl den Püschen hinter 
ihnen eine Rachtigall mit schluchzenden Tönen ihren welchen, 
und anderen wurden sie geborgen. Am Nachmittag kam 
ferner eine stärkere Truppe nach dem Lauterplatz, gab Schreck 
schüsse ab und entfern:» sich wieder. (Zurufe: Auch nach 
dem Friedr.-Wilh.-Platz.) Am Dienstag Abend 1 / 2 11 Uhr 
kam eine Kolonne aus Ateglitz nach dem Lauterplatz und 
hierbei ging ein Maschinengewehr los. Ein Mann, der sich 
in der Ringstraße auf dem Heimweg befand, kam, als der 
Ruf: Straße frei! erscholl, näher, um zu sehen, was los ist, 
dabei »urde er unglücklicherweise von einer der verirrten 
Kugeln xelrsffin. Die Führer der Truppen hatten eS nicht 
für notwendig gehalten, sich mit mir in Verbindung zu 
fi tzen. Früher war eS anders, da wurde dem Chef der Po 
lizei Mitteilung gemacht, wenn eine Truppe kam. Vielleicht 
hielt man dar jetzt bei dem Belagerungszustände nicht für 
nötig. Er spricht über das angeblich provozierende Auftreten 
der Wehr, einen Einfluß auf die Wehr habe man nicht. 
(Zuruf des G.-V. Buth : Wir können die Mittel verweigern.) 
Das können Eie, aber S:e müssen dann auch die Folgen 
tragen. (Zuruf: Stimmungsmache). Es h«t mancher in 
diesen Tagem ein Wort gesprochen, das auch Stimmungs 
mache war. (Sehr richlig rechts.) Man hat scharfe Worte 
gesprochen über Leute, die auf dem Felde der Ehre geblu 
tet haben und har sie beschimpft. (Unruhe. Zurufe; Haben 
nur Ossiziere geblutet?) War es richtig, daß man aufforderte, 
diese mrt Maschinengewehren zusammen zu schießen? (Zu 
rufe). Nun hat man darüber gesprochen, daß an 4 Stellen 
am Nathause die Echmirakel der Rebellen-Regierung klebien. 
Er habe nun «Ach am 9 u 1>. November a»f dem Stand 
punkt gestanden. daß er als Leiter der Verwaltung nur die Ge 
schäfte auszuführen hat e, was sonst geschähe in der Politik gehe 
ihn nichts an. So handcl'.e er auch, als am 10. Noo. der 
Arbeiterrat zu ihm kam. Man sage ja auch nicht, daß 
Aufrufe des Spartakusbundes und der Streikleitung ange 
klebt wurden (DaS sind Folgen davon, links). Er stehe auf 
dem Standpunkte, laß ankleben und lesen wer will! Dem 
Ausschuß in der beantrRgten Form stimme er zu; in dem 
Antrage sei aber er nicht erwähnt, er wisse richt, ob man 
ohne weiteres annehme, daß er mit in diesen Ausschuß 
komme. Er schließe, indem er die aufopfernde Tätigkeit der 
Einwohnerwehr anerkenne und der Wehr für ihre Tätigkeit 
den Dank ausspreche. (Große Unruhe, Zurufe links und 
aus dem Publikum: Das Bedauern für die Opfer drückt er 
nicht aus, aber tun Dank der Wehr spricht er aus). Bürger 
meister W a l g e r : Nachdem mir da« Wort vorweg ge 
nommen würden ist. kann ich nicht mehr darauf eingehen. 
G.-B. Lübecks (Dem.): Der Herr Bürgermeister 
meinte, ob wir eS für selbstverständlich halten, daß er mit 
in den Ausschuß eintrete. Ich hatte eS für notwendig, daß 
er stch in dieser Frage möglichst tm Hintergründe hält (Zu 
stimmung). G.-V Paul Richter (Unabh.) wendet sich 
gegen die Auffassung des Bürgermeisters, alS habe er s. Z. 
den Aufruf zur Bildung der Einwohnerwehr ryitunterzeichnet. 
Es handelte stch lediglich um die Unterschrift einer Verfügung. 
Diese Unterschriften waren der Verwaltung damals aufge 
zwungen. (Sehr richtig links.) 
Schöffe P a a s ch e (Soz) erklärt, daß der Arbeilerrat 
s. Zt. von dem RebellenGeneral Lüttwitz (G.-V. Altmann: 
Roste) zur Unterschrift der Bekanntmachung gezwungen 
wurde. Man sagte dem Arbeiterrat, wenn er nicht unter 
schreibe. werde er sehen, was ihm passiere. (Unruhe) Der 
Herr Bürge, Meister sagie, er hätte keinen Einfluß auf die 
Wehr aehabt. iZurnf links: Dies Kind, kein Engel ist'so 
schwermütigen Gesang, und Arnstorf erklärte diese mull- 
kalt che Gr.,nsunter>,<>lümg für eine llsberrafchung, die er 
nur für die bevorzugten unrcr feinen Gasten in Bereit 
schaft habe. 
Hoilfeldcn machte wohl einen schwachen Versuch, auf 
seinen scherzhaften Tan einzugehen, aber er fühlte sich nicht 
mehr start genug, das so lange geübte Versteckspük noch 
weiter fortpisetzen, und nachdem sie die Gläser zum ersten 
Male hatten zusaminenllingen lassen, sagte er mit mutigem 
Entschluß: 
„Sie dürfen mir nicht zürnen, Herr Oberstleutnant, 
wenn ich Ihnen Ihre gute Laune durch eine recht ernst 
hafte Miiteilung verderbe. Sie erinnern sich ohne Zweifel, 
daß ich Ihnen von einer jungen Dame gesprochen, die ich 
an jenem unglückseligeil Abend in meinem Zinuner über 
raschte, und die mir nachher auf der Treppe —" 
Arnstorf machte eine abwehrende Geste. 
„Schon wieder diese schöne Unbekannte, die Sie, rwe 
es scheint, völlig aus dem Gleichgewicht gebracht hat! Ich 
glaube wahrhufiig, daß Sie ihr mehr Interesse zuwenden, 
als sie verdient. Frauenzimmer dieses Schlages —" 
„Halt, Herr Oberstleutnant!" fiel ihm der junge Schrift- 
steller hastig ins Wort. „Hären Sie mich, bitte, erst zu 
Ende! — Seit heute weiß ich nämlich, wer diese junge 
Dame gewesen ist." 
Arnstorf; Gesicht hatte plötzlich einen Ausdruck leb- 
haften Interesses angenommen. 
„Was Sie sagen! Seit heute? Mit einer solchen 
Neuigkeit sind Sie von Berlin herausg^k^nnuen, und Eie 
haben sie mir bis zu diesem Augen lick untersch'ngrn?" 
„Ich war noch ohne jede Ahnung, als ich die Fahrt 
nach Schloüsten'ee antrat. Erst hier in Ihrem Huuje habe 
ich es.erfahren." 
(Fsrtfetzuu,„felgt.)
        
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