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Periodical volume Nr. 65, 23.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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«um 76 Pfg. Die Reklamezeile kostet 
v*kWKs!Sfreve: Flyemftr. IS. 4— Mark. ®eUgnumm*r 16 W,. 
Berti»»--riedevau, «heiustraße 16. — Kernsvrecher: Amt Ptalzdur, 61L4. 
BerÜll-HrledeuaL, Dienstag, den 23 MSrz 1826 
Fahr« 27 
Ruhe uud Srdvsng sorge«. 
Wir schlossen unsere Betrachtungen über die politischen 
Vorgänge mit der Bemerkung, daß nur ruhiges, arbeitsames 
Vorwärtsschreiten Deutschland wieder emporzubringen vermag. 
Der militärische Putsch ist erledigt und nun ist es Aufgabe 
aller die Ordnung liebenden Elemente, dahin zu wirken, 
daß wir auch wieder zur Ruhe und Ordnung kommen. 
Hetzer und Putscher von links sind jetzt am Werke, um dies 
zu verhindern und um die Unruhe für sich auszunutzen. 
Höre niemand auf sie I Das Militär, das vielleicht in den 
Tagen der Kappregierung viele Gegner fand, ist jetzt fest 
in den Händen der Regierung und wird nur zur Aufrecht 
erhaltung der Ordnung verwendet. Auch die Einwohner 
wehren werden ihre Dienste zum Schutze der Bevölkerung 
vor Plünderen und Verbrechern weiter ausiiben. So achte 
jeder die zum Schutze der Einwohner eingesetzte Macht und 
gehe ruhig an die Arbeit. Eine Ueberspannung von links 
würde ebenso in das Gegenteil des Gewünschten umschlagen, 
wie es der Kappanschlag getan hat. Für den Bolschewismus 
ist das deutsche Volk nicht geschaffen. Darum wirke jeder, 
der es ehrlich mit unserm Daterlande meint, gegen ihn! 
Aufruf der Regierung Bauer! 
Die Reichsregierung Bauer erläßt folgenden Aufruf: 
„Berliner! Kapp und Lüttwitz davongejagt. Der Ober- 
reichSanwalt hat das Hochverratsverfahren 
gegen die Verführer bereils eingeleitet. Die verfassungs 
mäßige, vom Volkswillen bestellte und getragene Regierung 
Bauer ist wieder im vollen Besitz der Reichs 
gewalt. Alle in Berlin befindlichen Truppen der Reichs 
und Sicherheitswehr stehen fest hinter der Regierung. 
Der Generalstreik ist beendet. In ihrem sieg 
reichen Kampfe für die Demokratie hat sich die Arbeiter 
schaft einen untilgbaren Anspruch auf die Sicherstellung und 
Erweiterung ihrer wirtschaftlichen und politischen Rechte er 
worben. Die Sympathie der ganzen Welt war bei diesem 
Kampfe gegen die Militärdiktatur auf der Seite des deutschen 
Volkes. Am Donnerstag hat bereits de: französische 
Geschäftsträger de Marcilly die Reichsregierung zu ihrem 
Siege über Kapp und Ludendorff beglückwünscht. Am Frei 
tag hat der englische Geschäftsträger Lord Kilmarnock 
erklärt, daß die Gewährung von Lebensmitteln, Rohstoffen 
Die Briefe der Prinzessin. 
Don E. M. Oppenheim. 
15 (Nachdruck verboten.) 
Hollfelden stand der Sinn herzlich wenig nach der 
artigen Belustigungen. Aber er durfte Arnstorf natürlich 
nicht durch eine Ablechiung kranken, und so nahm er die 
Einladung mit bestem Danke au. 
„Also, Kopf hoch I" sagte der Oberstleutnant noch ein- 
mal "scherzend, als sie sich verabschiedeten. „Ich hoffe, 
daß zwischen uns von der leidigen Geschichte nicht mehr 
die Rede zu sein braucht, und daß Sie gegen Einbil 
dungen und solche Geschichten energisch zu Felde rücken. 
Ich bin froh, das; ich S:e morgen den ganzen Tag draußen 
bei uns habe, die Gesellschaft wird Ihnen guttun, wenn 
Sie jetzt auch blutwenig Lust haben, zu kommen." 
Als Heinz protestierte, wehrte er lachend ab. 
„Lassen Sie's gut sein, ich kann mich ganz gut in Sie 
hineindenken und weiß, wie es Ihnen jetzt zumute fein 
muß. Aber gerade deshalb müssen Sie kommen. Auf 
Wiedersehen also, lieber Freund I" 
7. Kapitel. 
Das „Sommerfest" des Oberstleutnants Arnstorf verlief 
in der Tat viel unterhaltlichcr, als fich's Heinz Hollfelden 
namentlich in seiner gegenwärtigen umdusienen Gemüts 
stimmung versprochen hatte. 
Die Mietoilla des Oberstleutnants m Schlachtenfee war 
zwar von jeder Aehnlichkeit mit einem fürstlichen Lust- 
fchlößchen weltenweit entfernt, und der Garten, den er so 
hochtrabend seinen Park zu neunen pflegte, hatte recht 
bescheidene Dimensionen: aber er war sehr liebevoll, ge- 
pflegt, mit blühenden Nosenstöcken und anderen duft- 
spendenden Kindern des Sommers reich besetzt und hatte 
in seinem Hintergründe einen nach allen Regeln der Kunst 
angelegten Tennisplatz aufzuweisen, der durch d'cke Hecke - 
Umpflanzung den Blicken neugieriger Lorubergehender ent 
Pogen wurde. 
Was es iu dieser Woche gibt. 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gr. Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot auf „Weizen". 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Butter: steht noch nicht fest. 
Kartoffeln: 2 Pf.md auf 12 a— b. Auf die übr'gen 
Abschnitte voraussichtlich 2C3 Gramm Margarine und 
500 Gramm Nährmittel nach Nummern der Aus 
weiskarte und zwar: Nr. 1—1000 bei Brückmann, Lau- 
terstraße 10; 1001—2000 bei Senter, Niedstr. 37; 
2001—3000 bei Klein, Saarstr. 6; 3001—4000 bei 
Niedeberger u. Sachse, Rheinstr. 38; 4001—5000 bei 
Herzog, Handjerystr. 49; 5001—6000 bei Klemens, 
Ortrudstr. 4; 6001—7000 bei Jablokoff, Sieglinde 
straße 1; 7001—8000 bei Jentsch, Mainauerstr. 11; 
8001—9000 bei Liepo, Efchenstr. 6; 9001—10000 bei 
Paters, Goßlerstr. 10; 10 001—11000 bei Buchwald, 
Wilhelmshöherstr. 24; 11001—12 000 bei Otto Meyer, 
Kaiserallee 83; 12001—13 000 bei Menzel, Odenwald- 
straße 18; 13 001—14 000 bei Baginski, Südwest 
korso 17; 14 001—Schluß bei Piechatzek, Schwalbacher- 
straße 6. 
Zucker: Vom 16. bis 31. März s /« Pfund. Ferner 
für Kinder im 1. Lebensjahre l 1 /, Pfund, im 2. Lebens 
jahre 1 Pfund und im 3 bis 7. Lebensjahre >/, Pfund 
Wim Monat. Reue Kundenliste liegt aus. 
KLAbzuholen: 23.-25. März 
Aut Groß-Berliner Lebensmittelkarte: 
Getreidemehl: 300 Gramm auf 9, Pfd. 76 Pfg. 
Marmelade oder Syrup: 250 Gramm auf 13, Pfd. 
Marmelade 3.70 Mk., 1 Pfd. Syrup 1.70 Mk. 
Auf Einfuhrzusatzkarte: , 
Cerealmehl: 250 Gramm ruf T 35, Pfund 70 Pfg. 
Aus Friedenauer Nährmittelkarte: 
Getr. Zwiebeln: 250 Gramm auf 5, Pfd. 3.20 Mk. 
Getr. Mohrrüben u. getr. Weißkohl: Je 250 
Gramm auf 6; Pfd Mohrrüben 2.40 Mk., Pfd. Weiß 
kohl 2.20 Mk. 
Holland. Salzschnittbohnen: 250 Gramm auf 7; 
Pfund 1.10 Mk. 
Erosen: 250 Grrmm auf 8; Pfd. 4.30 Mk. 
P v , s b o h n e n: 2o0 Gramm auf 9; Pfd. 3.60 Mk. 
Rote Rüben, Kohlrüben und Mohrrüben frci- 
bändiq Niedstr. 8, tägl. von 8—3 Uhr; Rote Rüben Pfd. 
20 Pfg., Kohlrüben 25 Pfg., Mohrrüben 27 Pfg. 
und Krediten nur möglich wäre, wenn im Innern Deutsch 
lands verfassungsmäßige Zustände herrschen 
und wenn Ruhe uud O-dnung weder von rechts noch von 
links gefährdet würden. Am Sonntag hat der ameri 
kanische Geschäftsträger dieselbe Erklärung abgegeben. 
Die Reichsregierung und der Reichspräsident haben die 
Geschäfte im vollen Umfange wieder aufgenommen. Nieder 
mit der Diktatur, hoch die Demokratie. Die Reichscegie- 
rung. Bauer." 
^ Leider hat diese Kundgebung noch nicht den gewünschten 
Erfolg gehabt. Die Straßenbahnen und mehrere große Be 
triebe streiken wcfter. Auch die Berliner Zeitungen konnten 
noch nicht erscheinen. Ebenso wird an verschiedenen Post 
ämtern weiter gestreikt. 
Die Strclflßge im Reiche. 
Von der Technischen Nothilfe wird uns berichtet: 
Während in einer Reihe von deutschen Stadien infolge 
der polnischen Vorgänge die Streiklage noch ungeklärt 
ist, so vor allem im Westteil Sachsens (Leipzig. Chemnitz), 
Thüringens und in einem Teil Westfalens mit 
dem Mittelpunkt Elberfeld, ist festzustellen, daß in 
zahlreichen Großstädten die Noistandsarbetten in den lebens 
wichtigen Betrieben von der Arbeiterschaft selbst 
verrichtet werden, sodaß dort ein Eingreifen der Technischen 
Nothilfe sich bislang erübrigte. 
Hierunter sind zu nennen: Hamburg, Bremen, Stettin, 
j Königsberg, Magdeburg, Cassel, Dresden, Kattowitz, Stutt- 
■ gart, Esten und Cöln. . 
j Eingesetzt werden mußte dieTechnischeRothilfe 
j dagegen im Reiche in folgenden Städten: sin Braunschweig 
und Breslau zur Aufrechterhaltung fast aller lebenswichtiger 
Betriebe, in Halle im Elektrizitätswerk, in Bernburg desgl., 
in Stolp zur Aufrechterhaltung des Gas-, Wasser-, Kanali- 
sations- und Dampsmühleubctriebes, in Altdamm für Lebeus- 
mitieltransporte. 
In besonders zahlreichen Betrieben mußte die Rothilse, 
wie in Berlin selbst, sv auch in der näheren Umgebung 
Berlins eingesetzt werden; so wurde sie in Küstrin im Gas 
werk eingeseift, so hält sie in Landsbe^g, Arnswaloe, Cottbus, 
Prenzlau, Potsdam, Wittenberg die lebenswichtigen Betriebe 
aufrecht. 
| Ergänzend ist hierzu noch zu berichten, daß inzwischen 
in einer Reihe deulscher Großstädte, wie Dresden, 
^Stuttgart, München und Königsberg, die 
Arbeit voll wieder aufgenommen wurde. In Breslau 
Zu allerlei Ergötzlichkeiten für jugendliche Gemüter und 
namentlich zu ungestörtem Flirt war "der Arnstorfsche Garten 
also ebensowohl geschaffen wie der allerschönste englische 
Park, und wenn dem jungen Schriftsteller auch der Sinn 
sehr wenig nach derartigen Dingen gestanden hatte, als er 
in früher Morgenstunde die kurze Fahrt auf der Wannsee 
bahn zurückgelegt hatte, so begannen doch der nie ver 
sagende Zauber" der Natur und die Gesellschaft sorglos 
fröhlicher, jugendlicher Menschenkinder bald ihre wohltätig 
belebende und erheiternde Wirkung auf ihn zu üben. 
Die Zahl der geladenen Gäste war nicht groß, und 
sie setzte sich ausschließlich aus den jüngeren Familien 
mitgliedern der benachbarten Villenbesitzer zusammen. Aber 
es waren ein paar recht hübsche junge Mädchen darunter, 
deren Munterkeit etwas unwiderstehlich Ansteckendes hatte. 
Die Uebermütigste und Ausgelassenste von allen freilich war 
das siebzehujäyrige Töchterchen des Gastgebers selbst. Und 
man hätte beinahe glauben können, Fräulein Edith sei von 
ihrem Vater mit der besonderen Aufgabe betraut worden, 
die Sorge für Heinz Hollfeldens Erheiterung auf sich zu 
nehmen. Dom Augenblick seines Eintreffens an hatte sie 
sich nämlich ausschfteßlich ihm gewidmet und ihn mit der 
liebenswürdigen Drvlerie ihres frischen, ungekünstelten 
Wesens buchstäblich nicht eine Minute lang dazu kommen 
lassen, eigenen Gedanken nachzuhängen. 
Mit ihrem in rosigster Gesundheit strahlenden Ge- 
sichtchen, ihrer zierlichen, geschmeidigen Figur und ihrem 
glockenhellen Lachen hätte sie fürwahr auch den verhär 
tetsten Griesgram zur Fröhlichkeit bekehren können. Und 
Heinz Hollfelden war doch am Ende ein junger Mann, 
der gegen weibliche Anmut und weiblichen. Liebreiz nicht 
lange unempfindlich bleiben konnte. Sein schönheitsfreu- 
diges, künstlerisch geschulres Auge erfreute sich an der un 
gewollten Grazie in’ Edirhs lebhaften Bewegungen, wenn 
sie seine Partnerin im Tennisspiel war, und ihr munteres 
Geplauder, das bei aller kindlichen Harmlosigkeit doch 
> niemals die Klugheit uttd Wohlerzogenheit der jungen 
' Dame aus den besseren Ständen vermissen ließ, scheuchte 
sieghaft alle dunklen Gedanken und SÄhdn aus feinem 
Hirn. 
Die Stunden gingen nii Eilige oayin. Man Mette, 
tollte und lachte nach Herzenslust. Uud bei dein ziemlich 
opulenten Frühstück, das gegen Mittag den Oberstleut 
nant mit seinen jungen Gäste» vereinte, gab es die 
lustigste Unterhaltung und die vergnügtesten Gesichter. 
Nach dem Essen drängte es zwar die junge Welt so 
gleich wieder ins Freie hinaus, aber man hatte wenig 
Neigung, in der Hitze sogleich aufs neue mit dem Spiel 
zu beginnen, und zog es vor, sich, zumeist paarweise, hierhin 
und dorthin zu zerstreuen, um sich der noch amüsanteren 
Beschäftigung des Courmachens und Tändelns hinzugeben. 
Wieder hatte Edith auf den jungen Schriftsteller Be 
schlag gelegt, und er hatte sich sehr "bereitwillig zu ihren: 
Gefangenen machen lassen. Schon am Vormittag hatte 
sie ihm erzählt, daß sie eine sehr eifrige Amateurphoto 
graphin sei, und da er selbst sich eine Zeitlang mit ziem 
lichem Eifer auf diesem Gebiet bemüht hatte, brachte er 
dem, was sie ihm da jetzt aufs neue über ihre erstaun 
lichen Leistungen erzäblte, ein nicht bloß aus Galanterie 
erheucheltes Interesse entgegen. 
Als er den Wunsch aussprach, einige von ihren licht 
bildnersichen Kunstwerken zu sehen, war sie sogleich bereit, 
seinem Verlaugen zu willfahren. 
„Ich habe schon ein riesengroßes Album voller Bilder," 
sagte sie. „Aber ich möchte nicht, daß die andern es auch 
zu Gesicht bekommen. Der eine oder der andere ist immer 
geneigt. seinen.Mitz an solchen dilettantischen Erzeugnissen 
zu üben. Uiiv .< kann das sehr schlecht verlragen. Wenn 
Sie also meine Bilder betrachten wollen, müssen Sie schon 
die Freundlichkeit haben, nsich in mein Zimmer zu be 
gleiten." 
Das war eine Bedingung, der sich Hollfelden gern 
fügte. Und sie hatten es nicht weit, denn Ediths Zimmer 
lag im unteren Stockwerk der Billa, ein echtes und rechtes 
Mädchenstübchen mit lichter Tapete, weißen Möbeln und 
Vorhängen und zartgeblümten Poisterüberzügen. Geschäftig 
chleppte sie das große Album herbei, von dem sie ihm ge- 
prochen. und indem sie sich' neben ihn stellte, begann sie, 
eicht über jein^Schuiter geneigt, ihm die nötiges Er- 
l Bildern zu geben, (Forts, sojgt
        
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