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Periodical volume Nr. 13, 15.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

in der Loge sein Werk mit anhörte und auch dem Or 
chester Beifall spendete. In 'neuer Fassung wurde'zum 
ersten Male die Tondichtung „Komödianten" von Jul. 
Kopsch gespielt. Auch dieser Tonsetzer durfte sich vor 
einer begeisterten Zuhörerschaft am ^Schlüsse der Darbie 
tung verneigen. Otto Niedermayer spielte in glänzender 
Form auf dem Violoncello Variationen über ein Rokoko 
thema von Tschaikowski, vom Orchester gut begleitet. 
Den Schluß bildete die Wiedergabe der 5. Sinfonie C-Moll 
von,Beethoven, deren vollendete Darbietung Meister Kras- 
felt ünd seinem wackeren Orchester ebenfalls wohlverdiente 
Lorbeeren einbrachte. 
o Zum Gastspiel des staatlichen Schauspielhauses in 
Berlin, das Moniag, den 19. Januar, abends 7 Uhr, 
im hroßen Bühncnsaale des „Schloßparkes" in Steglitz 
mit einer Aufführung von Hebbels berühmtesten Drama 
„Maria Magdalene" beginnt, ist die Nachfrage nach Ein 
trittskarten so stark, daß mit einem ausverkauften Hause 
zu rechnen ist. Die „Kunststättc für Volksbildung" er 
sucht deshalb ihre Mitglieder, die für 3 M. cinschl. Klci- 
derablagegebühr sich den Genuß verschaffen ivollen, erste 
Kräfte unseres ehemal. Kgl. Schauspielhauses, wie Dr. 
Pohl, Hans. Mühlhofer, Hermann Böttcher, Werner Ra- 
sael, Paula Conrcid-Schlenther und Johanna Mundt zu be 
wundern, sich umgehend in den Besitz der Eintrittskarten 
zu setzen, die für die Mitglieder nur Taunusstr. 20 
(Geschäftsstelle), 11 —l und -1—6 verabfolgt werden. Für 
-Fremde sind Karten zu 4M. in der Buchhandlung von 
Kossakowski Nachf., Schmargcndorserstr., erhältlich. Schü 
lerkarten (Stehplatzi kosten je 1,50 M. und sind in beiden 
Verkaufsstellen noch vorrätig. 
o Tr« 3. künstlerisch-heiteren Kaffee-Nachmittag veran 
staltet die Konzertfängerin Frau Margarete Henke am 
Donnerstag, den 22. Januar nachm. 4 Uhr mit auserlese 
nem Programm im Vereinssaal des Rathauses, Eingang 
Lauterstraße. Vorverkauf: Musikalienhandlung Schwartz 
(Rheinschloß). Näheres ini Inseratenteil am Sonntag. 
o 42 Tote und 105 Verletzte haben, wie jetzt end 
gültig feststeht, die Unruhen vor dem Reichstagsgebände 
aul Dienstag als Opfer gefordert. 
o Bei den Uirrnhen vor dem Reichstagsgebände am 
Dienstag befand sich auch ein Friedenaucr Mitbürger, 
Herr M., der in Uniform (kurzer Flicgerpelz) zum Reichs 
tage gehen wollte, in der Gefahr, von den Demonstranten 
erschlagen zu werden. Er wurde von einer Rotte ange 
halten, nu> Waffen und nach Papieren untersucht und, 
als er gerade mit einem JÜRaunc sprach, von einem Bur 
schen mit einem großen ^tein derart hinterrücks auf den 
Kopf geschlagen, daß ihm der Unterkiefer zusammenklappte 
und einige Zähne herausschlugen. Die Mütze minderte den 
Schlag, fodaß HcrP M. bei Bewußtsein blieb, der nun 
schnell auf einen Sandkasten sprang, von dem aus er 
beschwichtigende Reden an die Umstehenden hielt. Ein 
Friedenaucr, der Zeuge des Vorfalls war. (am Kaiser- 
Friedrich-Denkmal) tvird gebeten, seine Adresse in unserer 
Geschäftsstelle für den Mißhandelten niederzulegen. 
v WvhNungscinbruch. Ein Dieb kletterte auf einen 
im Erdgeschoß des Hauses Sachsenwaldstr. 17 in Steg 
litz gelegenen Balkon und stieg durch Eindrücken des 
Fensters in das. Zimmer. Er entwendete Geld und Silber- 
fachen. Wahrscheinlich wurde er gestört, denn er ließ 
einen größeren Geldbetrag und Schmucksachen liegen. 
v Ei» diebisches Dienstmädchen. Um aus großem Fuße 
leben zu können, bestahl ein Dienstmädchen ihre in der 
Flensburger Srr. 11 wohnende Herrschaft. Kleidungsstücke 
und Schmucksachen im Werte von 2000 M. nahm das 
Mädchen an sich, das sich einem Liebhaber gegenüber 
als Krankenschwester „von Schuppmann" ausgab und, um 
als wohlhaöeird zu erscheinen, Klavierunterricht »ahnt. 
o Als zugelaufen ist unserm Fundbüro im Rathaus 
ern Hund gemeldet. 
Verems 
i( Ortsgruppe Friedenau der Teutschen Demokratische,. 
Partei. Die Hauptversammlung ist morgen, Freitag den IN. d. 
Mls., abends 8 Uhr im „Rhcineck". U. a. Bericht des Geh. Rcg.- 
Rat Falkenberg über den Parreitag in Leipzig. 
)( Deutsch-Nationaler JuPndbund. Die Mitglieder der 
Theatergruppe werden gebeten, am Freitag, den 1(3. 1. 2", um 
6 Uhr im Rudellyzeum sich zu versammeln." 
)( Deutscher Demokratischer Jugendnercin Groß Berlin, Orte- 
gruppe Friedenau. Nächste Zusammenkunft am Sonnabend, den 
17. d. Mts., im Restaurant „Kaiscrburg", Kaiserallee 75 (Ecke 
Wilhelmstr.), Beginn: 7". Uhr. Die Mitglieder werden uni zahl 
reiches und pünktliches Erscheinen gebeten. Jugendliche Gäßc sind 
willkommen. 
)( Sport - Abteilung F. - W. des Männer - Turn - Vereine 
Friedenau E. V. Im fälligen Hockenvcrbandsspiel stehen sich am 
kommenden Sonntag, vorm. ^11 Uhr die ersten Mannschaften 
samleit auf sich gezogen. Es zvar zweifellos ein vorne,,mer 
Mann. Aber er hatte Mühe gehabt, noch einen Platz in 
einer Ecke zu finden. 
Reverend Parker sprach heut über den Text - ,Du 
sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst." Er leoto diese 
Worte nicht zum ersten Male seiner Predigt zugrunde 
Aber niemals hatte er geredet wie heut. 
Während er sonst wegen der Eleganz seines Vortrages 
bekannt war, ging heut ein erschütternder Zug durch 
das Ganze. Er schilderte einen ganz in Selbftfüwr ver 
sunkenen Menschen, dein das Geschick aller anderen ja 
selbst seiner nächsten Angehörigen völlig gleichgültig ist,'der 
sich nicht scheut, wem, es feinen Zwecken dienPüber Leiwen 
dahinzuschreiten. Er beschrieb seinen Zuhörern, wie solch 
einem Menschen zumute sein müsse, wenn seine Taren ans 
Licht gezogen würden, und warnte sic aufs eindring 
lichste vor jeder, auch der geringfügigsten Verletzung des 
herrlichen Gebotes Christi, da der erste Schritt nur zu oft 
weitere herbeiführe, und der Mensch so nach und »ach 
völlig der Verderbnis anheimfalle. 
Der Eindruck der Predigt war ein'großer. Bescmd-rs 
auch der Fremde in der Ecke schien tief ergriffe», denn 
er hatte sein Gesicht mit den Händen verhüllt. 
. Ö0 ?„ 2Il V CiI gesprochen war, machte der Geistliche 
eine kurze Pause und begann dann von neuem: 
„Meine lieben Freunde, cs muß sich unter euch noch 
eine große Anzahl Leute befinden, die sich des Reverend 
erinnern. Ihr nickt. Dann werdet ihr auch noch 
lm Gedächtnis haben, wie dieser mein Vorgänger vor 20 
Jahren in Dieter L. rnche te:nc einzige Tochter Helen 
Taylor einem Londoner Ingenieur Arnold Werner' ver 
mählte. •?»«;♦. m r:chni;: u , dein :t,'r:oe»buche, in dem 
diese Trauung verzeuhuel pand. ist vor iurzem das be 
treffende Llatt durch eins Person herausgeschnitten worden, 
die sich unter dem Leckmai id der vr-solgre,: Unschuld bei 
mir eingeschlichen hatte, und der ich blind vertrau'.-. Der 
Diebstahl wurde ertannt, als der Sohn Frau Feien 
^ eures alten Seelsorgers Taylor, ßch 
obigen Vereins und der Berliner Turnerschafi aus dem B.-s.-V.» 
Platz in Schmargendorf lau der Gasanstalt) gegenüber. — Tic 
Nichthockeyspieler treffen sich um O Uhr am Untergrundbahnhol 
RüdeShcimer Platz zur Fahrt nach Dahlem-Dorf, um gemeinsam 
mit der Sport-Abteilung des Turn- und.SpoN-VereinS Schoncderg 
einen Uebungswaldlauf auSzuttagcn. —.Das Turnen beginnt am 
Montag, den IS. d. Mts.. Abends '/.KUHr in der Turnhalle 
Maybachplatz. . . . „ 
)( Die Deutsche Weltwirtschaftliche Gesellschaft, C. B-, ver 
anstaltet am Montag. 19. 1. 20, wiederum einen Vortragsabend. 
Das Thema lautet: „Weltwirtschaft und Kriegführung". Referent: 
Sc. Erz. GencralleuMant Tr. Groencr, Korreferent: Tr. Tteßcn 
mit anschließender Besprechung. ES werden mich Lichtbilder vor 
geführt. Bei der Bedeutung des von ersten Sachkennern behandelten 
aktuellen Themas verspricht der Abend sehr interessant zu werden. 
Der Eintritt ist für jedermann (Herren und Damen) src.. Ein 
ladungskarten sind durch die Geschäftsstelle (Berlin-Frredenau, 
Wilhelmshöhcrftr. 3) zu haben. ^ ,, , 
)( Oesterrcichisch-Deutschcr Volksbund pür Berlin und Nordoft- 
Deutschiand. Im Spätherbst des vorigen Jahres haben zu Weimar 
und Leipzig Vertreter-Besprechungen stattgefunden, die von Körper 
schaften aus ganz Deutschland beschickt waren. Das Ergebnis der 
Beratung warbie Gründung eines „Oesterreichisch-Deutschen Reichs 
bundes" Aufgabe der Organisation!soll es sein, das allgemeine 
Verständnis für die deutsche Einheit zu verliefen. Auf der Grundlage 
seiner Vorarbeit und int Gefüge des Rcichsbundes wird nun von einer 
Anzahl gleichgerichteter Körperschaften der „Oesterrcichisch-Dcutsche 
Volksbund für Berlin und das nordöstliche Deutschland" ms Leben 
gerufen. Die Mitgliedschaft steht ohne Unterschied der Partei- 
politischen Gesinnung Männer und Frauen offen. Montag, den 
19. Januar, abends pünktlich 7'/, Uhr, hält der Oestereichtsch-Deutsche 
Volksbund" im Oberlichtsaal der Philharmonie eine öffentliche 
Versammlung ab. 
Aul Meisten 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Ehrenfriedhof. 
Von den Entivürsen, die in dem Wettbewerb für de» 
Ehrenfriedhof im Rarhaussaal ausgestellt waren, ist ein 
Entwurf, durch seine ungünstige Aufstellung leider wenig 
beachtet wordep. DaS ist um so bedauerlicher, als m. E. 
gerade dieser Entwurf eine außerordentlich glückliche Lö-i 
sung brachte, die nicht allein auf die gegenwärtigen Ber-- 
hälinissc, sondern auch aus die Zukunft Rücksicht nahm, 
lind als er mir den tatsächlichen Raninverhältnissen und 
den Wünschen der Angehörigen am besten übereinstimmte. 
Ich meine den Entwurf Nr. 34 mit dem Kennwort: „Den 
schlafenden Kriegern die Ehre." Der Entwurf sieht in 
der Mille einer die Kapelle abdeckenden Wand einen kleinen 
offenen Temvcl vor, über den, umrahmt von einem Lor 
beer- und Eicbenzwcig die Widmung: „Zu Ehren der im 
Weltkriege gefallenen Krieger 1914/18" steht. Gekrönt 
wird der Ausbau durch einen die Flügel hängen lassen 
den Adler. Die Wand selbst ist rechts und links von je 
einem ovalen Fenster durchbrachen, das einen Durchblick gd 
stattet ii. dessen Umrahmung das Eis. Kreuz umschließt. 
Rechts >:. links enthält die Wand die Namcntaseln der Ge 
fallenen. Die Rückseite der in Tuffstein gedachten Wand wird 
mit Trauerweiden bekleidet, unter denen Bänke stehen, sodaß 
also bei einer späteren Parkgestaltung diese Wand nicht 
störend empfunden wird. Die Vorderseite ist ferner mit 
rankenden Rosen bekleidet. Tic Grabhügel will der Künst 
ler erhalten und gleichmäßig mit Efeu und roten Rosen 
bepflanzen. Zu beiden Seiten soll der Ehrenfriedhof nur 
durch niedrige Steinpfeiler, die mir Ketten veröiinden 
sind, tiilgcsriedigr werden. Der Eckpfeiler soll mit 
einem Stahlhelm geschmückt werden, wie die beiden oberen 
Ecken der Wand. Nach vorn zu soll der Friedhof offen 
bleiben. Diese Anlage würde unserem Ehrenfriedhof eine 
einfache würdige Gestalt geben und auch den tatsächlichen 
Raumvcrhältnissen entsprechen. Ohne eine vollständige Ab- 
schließiing herbeizuführen, würde er doch eine in sich 
abgeschlossene Anlage darstellen. Der den Ehrenfriedhof 
Besuchende hat zunächst den Blick auf die Gräberrcihen. 
Der Blick wird durch die abschließende Wand, die gleich 
zeitig nach Abriß der Kapelle die Häuserreihen verdeckt, 
gesammelt. Der offene Tempel und die Durchblicke in 
der Wand beleben den Abschluß und verhindern es, daß 
dieser als eine starre Wand empfunden werden könnte. 
Die Einsäuinung des Ehrcnfricdhoss mit hohen lebenden 
Hecken und großen Bäumen, Pappeln usw. würde den 
verhältnismäßig kleinen Raum zusammendrücken, ganz ab 
gesehen davon, daß die Hecke und die Bäninc erst nach 
vielen Jahren, wenn von der jetzigen Generation niemand 
mehr lebt, erst die Gestalt erhalten, die in den Einwürfen 
so schön und bestechend dargestellt wurde. Eine hohe 
Hecke wird außerdem später nuten kahl. So begrüße 
ich cs, daß hier ein Gärtner, (der Hersteller des Ent 
wurfes ist. wie ich erfuhr, Herr Landschaftsgärtner Rud. 
Bicrow, Taunusstr. 30), der dock) gerade für Anwendung 
von Abschlüssen in lebenden Pflanzen sein müßte, daraus 
an mich wegen einer Abschrift des Trauzengniffes wandle, 
das er braucht, um die Legitimität jener Ehe nachzu 
weisen und einen verruchten Vetter seines Vaters zu cnt- 
larven, der die Familie Werner einer großen Erbschaft 
halber von Bombay bis hierher verfolgt hat. Er hat 
ihnen in Indien das Haus über dem Kopfe anstecken lassen, 
hat den Later in Persien in die Gefangenschaft eines 
räuberischen Stammes gebracht und das alles um des 
elenden Mammons willen. Aber seine schwarzen Pläne 
werden ihm nicht gelingen. Schon beginnt das Netz, mit 
dem der Elende seine Opfer umsponnen hakte, zu zer 
reißen. Den Diebstahl der Heiratsurkunde soll er vergebens 
begangen haben, denn ihr, meine Freunde, werdet seine 
Folgen vereiteln. Alle von euch, die jenem feierliche i Akt 
beigewohnt haben, wo der Later sein einziges Kind dem 
fremden Manne antraute, bitte ich, stet) jetzt mit mir in 
die Sakristei zu begeben und dort feierlich durch ihre linier- 
schrift zu bezeugen, was vor zwanzig Jahren geschehen 
, ist, und was ein Verbrecher vergebens mit Dunkel zu 
bedecken versucht hat." 
Eine gewaltige Erregung bemächtigte sich der Zu 
hörerschaft. Wohl ein Viertel der Versammlung dr.ttlgte 
unter Führung des (geistliche» der Sakristei zu, während 
die übrigen sich vor der .Kirche iin Schatten der Eichen ver 
sammelten, uni den Abschluß des seltenen Ereignisses ab 
zuwarten. 
Nur ein Manu blieb in dem weiten Kirchenschiff- zurück, 
der Fremde. Es war ihm, als trüge er das Kains 
zeichen an der Stirn, und als müsse jeder in ihm den 
Elenden erkennen, über den soeben dort von der Kanzel 
herab der Stab gebrochen worden war. 
Erst als Parker mit seinem Gefolge die Sakristei ver 
lassen hatte und draußen vor dem Tor der Kirche das 
Gemurmel der wartenden Menschenmenge vollst ver 
stummt war. näherte Kurt von Vorn sich dem Air- ,nng 
und verließ den Raum, wo er der Verkündigung einer 
Schande beigewohnt harte. 
Der Kirchendiener, der soeben die Tür verschließen 
verzichtete, im Interesse der besseren Einftigung 
Anlage in das Gesamtbild des Friedhofes ode 
Parkes. 
Verantw. Schriftleiter: Herm. Marttnius üi 
Amtliches 
der kleinen 
r tpätercn 
Friedenau. 
Zuwachssteuevordnuirg der Gemeinde Verlnr-Friedcnau^ 
Nach ß 59 des ZuwachssteucrgesetzeS vom 14. Fe 
bruar 1911 und den Bestimmungen des Koininunalad- 
gabcngcsetzes vom 14. Juli 1893 wird aus Grund des 
Beschlusses der GemcindeveZtrelung vom 20. November 
1919 für die Gemeinde Berlin-Friedenau folgende Steuer- 
ordnung erlassen. § 1. Zu dem Anteil an dem Ertrage 
der Zuwachssteuer, welcher der Gemeinde gemäß 8 58 
des Zuwachssteuergesetzes vom 14. Februar 1911 zufließt, 
wird für die Rechnung der Gemeinde ein Zuschlag von 
100 vom Hundert erhoben, jedoch sind auf 'Antrag des 
Veräußerers vom VeräußerungsPreis diejenigen Beträge in 
Abzug zu bringen, welche der Veräußerer als Verluste, 
die die Einkünfte des Grundstücks im Laufe des Wclrlrieges 
bis zum Beginn des Waffenstillstandes verringcri haben, 
nachweisen kann. 8 -■ Diese Stcnerordnung tritt mit dem 
Tage, der der Veröffentlichung im hiesigen Amtsblatt 
folgt, in Kraft. Berlin-Fricdenan, den 27. November 1919. 
Der Gemcindevorstand. gez. Unterschriften. Genehmigt 
durch Beschluß vom 9. Dezember 1919, dem der Herr 
Regierungspräsident am 18. Dezember 1919 zugestimmt 
hat. Berlin, den 21. Dezember 1919. Der KrciSaus- 
schuß des Kreises Teltow. Im Aufträge: gez. Borgmann. 
Veröffentlicht. Berlin-Friedenau, den 14. Januar 1920. 
Der Gemeinde-vorstand. 
Verordnung 
über Kleinhandelshöchstpreise für frisches Fleisch, Gemäß 
8 10 der Bekanntmachung des Bundesrats über Fleisch- 
versorgung vom 27. März 1915 (R.G. Bl. S. 199 in 
bindung mir 8 l£ der Bekanntmachung über die Errich 
tung von Preisprüsuiigsstellcii und die Versorgungsrege- 
lung vom 25. September 1915 (R.G. Bl. S. 607 und 
vom 4. November 1915 (R.G. Bl. S. 728 wird mir 
Zustimmung des Vorsitzenden der Staatlichen Verteilungs 
stelle für Groß-Berlin für den Kreis Telrow folgendes 
bestimmt: 8 1. Der Preis für Rindfleisch darf bei Ab 
gabe an den Verbraucher die nachstehend bezeichneten 
Betrüge sc Psd. nicht übersteigen: Lende < Filet. mit 
Knochcnbeilage 4,40 M.: Roastbeef mir Angewachsenen 
Knochen 4,30 M.: Keule und Bug mit Knochenbeilagc 
4,30 M.; Kamm, Brust, Querrippe und Schwanz mir 
eingewachsenen Knochen 3,80 M.: Dünnung und Hesse 
mit .Knochenbeilage 3,40 M.; Hackfleisch 4,00 M.: Knochen 
(ohne Kopsknochen. die nicht als Beilage verkauft werden 
0,50 M.; Kopfknochen 0,30 M. 8 -■ Der Preis für Kalb 
fleisch darf bei Abgabe an den Verbraucher die nach 
stehend bezeichneten Beträge je Psd. nicht übersteige»; 
Rücken und Keule mir Haxe, Brustspitze ohne Hals, ohne 
Nachbrnst und ohne Dünnung, auch Schnitzel mit Knochen- 
beilage 3,90 M.: die übrigen Teile mit Knochenbeilage 
3,50 M. § 3. Der Preis für Hammelsleisck darf bei 
Abgabe an den Verbraucher die nachstehend bezcichnebeft 
Beträge je Psd. nicht übersteigen: Keule, Rücken, dicke 
Rippe 5,10 MP Dünnung, Hals und Vorderbein 4,65 M. 
8 4. Der Preis für Schweinefleisch beziv. Schweinefett 
darf bei Abgabe an den Verbraucher die nachstehend be 
zeichneten Beträge je Pfo. nicht übersteigen: Liesen und 
Rückcnfctt, Schinken ohne Bein, Kamm, Schuft, Rippe 
speer. Bauch, Blatt, Querrippe, Backe 3,60 M.; Tick 
bein, Spitzbein und Kops ohne Backe werden als Knochen- 
beilage dem knochenfreien Fleisch und den: Fett bis zu 
ein Fünftel der eingekauften Fleifchmenge zugewogen. Der 
Verkauf von gehacktem Schweinefleisch rein oder' mir an 
derem Fleisch vermischt, ist verboten. § 5. Leere Röhren- 
teilc der Knochen dürfen als Siippenknochcn oder Bei 
lage zum Fleisch nicht verkauft werden. 8 6. Die vor 
stehend genannten Preise gelten auch für koschere Ware. 
8 7. Werden Mengen unter 1 Psd. abgegeben, so gellen 
die genannten Preise entsprechend mit der Maßgabe, daß 
Bruchteile von Pfennigen aus volle Pfennige nach oben 
abgerundet werden dürfen. 8 >8- Die Höcbstpreissestsctzun- 
gen dieser Verordnung beziehen sich nichr auf die Verab 
folgung zubereiteter Flcischwaren in Gaß- v.nd Schank- 
ivirtschaftcn, Spcisewirtschasren, Fremdenheime!! und 
Speiseanstalten (Pensionaten und Kantinen. 8 9. Wer 
gegeiF die Besrimninngen dieser Verordnung verstößt, wird 
gemäß 8.6 des Gesetzes betreffend Höchstpreise vom 
4. Anglist 1914 in der Fassung der Bekanntmachung 
vom 14. Dezember 1914 (R.G.Bl. S. 516, in Ver- 
bindniig mit den Belanntmachungen vom 21. Januar 1915 
wollte, sah dem Mau», der vorher so selbstbeivußt einge 
treten war, verwundert »ach, als er jetzt scheu an der 
Kirchcnwand entlang und in, Schalten der Eichen davon 
schlich, wie ein Dieb, der auf der Tat ertappt zu werden 
fürchtet. Ob der Mann etwa mit dem Diebstahl beim 
Reverend Parker im Zusammenhang stand? Er wollte dem 
doch darüber berichten! 
Francis Parker saß beim Breaksast und ließ es sich 
schmecken. Er war wohl mit sich zufrieden. Nur eins 
paßte ihm nicht recht. Er hatte an Ewald Werner ge- 
schrieben, der noch immer in Edinburgh steckte, und ihn 
für Sonnabend abend und Sonntag eingeladen. Der 
Vorgang in der Kirche sollte eine Ueberraschung für ihn 
sein. Ohm war er ausgeblieben und hatte auch keine 
Nachricht von sich gegeben. 
2lls jetzt der Kirchendiener mit seinem Bericht sich bei 
ihm einstellte, lachst er ihn zckerst aus und glaubte, cs 
handle sich um Ewald, der jeden Augenblick eintreten 
werde. ^Ti? Persoiienbeschreibung ließ ihn aber schnell 
feinest Irr:um erkennen, lind als nun obenein Ewald 
ankam, der von einem Ausflug erst am frühen Morgen in 
Edinburoi, wieder eingetroffen war und der Einladung 
daher nichr eher hatte Folge eben war es außer 
Zweifel, daß er und der Mann i . .r Fe zwei ganz 
verschiedene Personen seien. 
Die in bezug auf den letzteren gegebene Beschreibung 
paßte nun aber so genau mit der überein, die Ewald durch 
Oberst von Leppel in bezug auf den Hauptmann erhalten 
hatte, daß er keinen Augenblick daran zweifelte, es könne 
sich hier nur um Kurt von Born handeln. Und als er 
nun den ganzen für ihn so überraschenden Vorgang in 
der Kirche erfuhr, für den er seineni Freunde so sehr zu 
Danke verpflichtet war, gab er zugleich mit diesem seiner 
Genugtuung über die göttliche Schickung Ausdruck, die den 
Uebeltäter gerade zu dieser Stunde hierhergeführt hatte, 
lüorrtetzung lolgl.)
        
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