Path:

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Beilage zn Nr. YA des „^riedenauer Loral-Attzeigcr" 
Sonntag, den 14 März 1920. 
Ortsnacbricbten 
(Skachdr. unsrer »-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Tie Vorschriften über die polizeilichen An- und 
Abmeldungen werden vielfach nicht beachtet. Ter hiesige 
Amtsvorsteher hat nun einen Fragebogen hierüber zu 
sammengestellt, den wir unter „Amtliches abdrucken. 
Wir empfehlen, diese Bekanntmachung auszuschnciden und 
aufzubewahren. 
o Jahresjagdschebrc haben im Februar folgende Frie- 
denauer Jäger gelüst: Bayermann, landw. Lehrer; Krahl, 
Rittergutsbesitzer; Frunder, Kaufmann; Kruse, Oberförster 
a. D.; Franke, Rechnungsrat; Wilhelm, Optiker; Tastar- 
czyk, Schneidermeister: Buchspieß, Architekt. 
o Vortrag über Kleingartenbau. Wir möchten daraus 
Hinweisen, daß am künftigen Montag, den 15. März, 
abends 8 Uhr der 5. Vortrag über Kleingartenbau im 
Gymnasium Maybachplatz stattfindet. Ter Vortragende, 
Herr Richter, wird über „Obstbau", Sortenwahl, An- 
pflanzung, Pflege und Schnitt der Bäume und Sträucher 
usw. sprechen. 
o Ter Frieden-vertrag, den uns die feindlichen Mächte > 
in Versailles ausgezwungen haben, ist unerfüllbar durch * 
uns. Der Gedanke ist wohl Gemeingut eines jeden Teut 
schen geworden, aber er ist nicht die Folge eigenen Stu 
diums des Vertrages, sondern nur durch die wiederholten 
Aeußerungen der Presse; durch Redner aller Parteien und 
durch Unterhaltungen in engeren oder weiteren Kreisen 
veranlaßt. Wie wenige doch haben sich ein begründetes 
Urteil durch das Lesen des gesamten FriedenSvertragcS 
gebildet! Das ist auch mit großen Schwierigkeiten ver 
knüpft, denn er ist überaus unklar, weil er „ein Muster 
ist von endlosen Wiederholungen in stet-) neuen Formen, 
der Zerlegung einer Formel und ihres Wiederaufbaues zu 
einer von der ersten abweichenden Forderung. Fast bei 
jeder Frage sieht man den Widerstreit sich bekämpfender 
B nterefsen." Und doch ist gerade jetzt seine eingehende 
enntnis von größter Bedeutung für uns alle, jetzt, wo 
vielleicht eine Aussicht vorhanden ist, daß Aenderungen 
eintreten werden. Immer mehr Stimmen werden bei un 
seren Feirchcn laut, die eine Revision verlangen, tveil 
sie fürchten, sonst selbst mit inS Verderben gerissen zu 
werden. Da hat nun der Reichsbürgerrat ein äußerst 
verdienstvolles Werk getan, indem er in einer kleinen 
Druckschrift: „Der Friedensvertrag in 101 Forderungen" 
seinen wesentlichen Inhalt in übersichtlicher Weife und 
kürzester Form herausgegeben hat. Das etwa 30 kleine 
Seiten fassende Heftchen ist für jedermann zum Preffe 
von -10 Pfennig, für Mitglieder des Bürgerbundes un 
entgeltlich. in den Sprechstunden des BürgcrratS DicnS- 
tag und Sonnabend Nachm, von 5—6 Uhr, Donnerstag 
Morgen von 0—10 Uhr im Konfrrmandensaal II des 
kirchlichen Gemeindehauses Kaiserallec 76a, zu erhalten. 
Ein jeder, der eS sich bisher zugelegt hat. ist erfreut 
wenn man dieses Wort bei dieser Angelegenheit gebrauchen 
darf — über seinen Besitz, weil er dadurch mit einem 
sehr geringen Maß von Mühe rasch und sicher erfährt, 
was uns die Entente zugedacht hat. Wir fordern daher 
die Friedenaucr aus das Dringendste auf, die Gelegenheit 
zu crgreiscn, sich das Heftchen zu verschaffen. 
ZuTcbrtften 
jgttt diese Rubrik übernehmen wir kein« fverantwortuMg.) 
Zmn Fall Konieezkak 
Liest denn Einsender die Zeitung? Dann müßte er 
doch von den stetig wachsenden Ausgaben des Hausbesitzers 
unterrichtet sein. Also die „neuen" Mieter, deren Ein 
nahmen so gestiegen sind, daß die Miete nur noch ein 
Zwanzigstel davon ausmacht, sind ungehalten darüber, 
daß der Wirt nickt mehr Heizung, Wasser. Treppende- 
leuchtung. Reparaturen für sie bezahlen will. Mit wel 
chem Recht fordern sie denn daS, ebensogut kann er ja 
auch noch ihr Mittagessen bezahlen. Die Miete wird nur 
für Benutzung der Raume bezahlt, der Wirt muß auch, 
trotzdem er Zinsen bezahlt, sein Haus selbst instand halten, 
ebensogut wie man seine Möbel, seine Anzüge nicht vom 
Verkäufer kostenlos ausgebessert erhält. Diese eigenartige 
Auffassung gilt auch nur den Wohnungen gegenüber, im 
Gegensatz zu allen anderen Lebensbedürfnissen. Der Ein 
sender spricht wie der Blinde von der Farbe, weiß er denn, 
daß z. B. Abgaben für die Kanalisation auf 6 Prozent, 
Versicherungen über 100 Proz., deSgl. Elektrizität, Müll 
abfuhr ins Unermeßliche, Gas, Koks auf 22 M. der Ztr. 
usw. gestiegen sind, vielleicht ist der „arme" Mieter im 
stande, dem „reichen" Wirt auch nur eine 5 proz. Ver 
zinsung seines Kapitals hcrauszurechnen. Was kann der 
Wirt dafür, daß Sie frieren, machen Sie die unerhörten 
Lohnforderungen und die unzweckmäßige Vewirtscizaftung 
dafür verantwortlich, aber nicht gedankenlos den Wirt. 
Lassen Sie sich nicht von skrupellosen Rechtsanwälten, die 
scheinbar Ihre Interessen im Auge haben, zu auSsichffs- 
tosen Prozessen verleiten, die denen zwar Geld einbringen, 
aber nickt dazu beitragen, ein gutes Einvernehmen zwischen 
Wirt und Mietern herzustellen. Legen Sie den Maßstab 
an die Miete immer im Vergleich zu den übrigen Sacken! 
Eäcilia Wirth, Eigentümerin, Ringstraße 37. 
Friedenau, — die Versuchsanstalt für Briefträger. 
Seitdem die überall gern gesehenen, pünktlich arbeiten 
den Briefträgerinnen ihr Amt' an die männlichen Kollegen 
haben abgeben müssen, ist die Briefbestellung in Frie 
denau — ich urteile nicht nur nach meinen eigenen Er 
fahrungen, sondern spreche auch im Namen anderer — 
geradezu lläglich geworden. Tie Ursache liegt in dem 
ständigen Wechsel der Briefträger. Seil Neujahr konnte 
ich schon etwa zwölf verschiedene Herren an meiner En 
treetür begrüßen, vom jungen Burschen angefangen bis 
zum alten ergrauten Beamten, alle paar Tage ein an 
derer Daß darunter die Bestellung leiden muß, ist selbst 
verständlich, denn erst dann, wenn der Bickefträger seinen 
Abtragebezirk gründlick- in allen Einzelheiten kennt, kann 
er rasch und sicher arbeiten. So aber erhält der Empfän 
ger seine erste Post anstatt um 8 Uhr erst zwischen 9 und 
10_ Uhr, für die vielen in Friedenau wohnenden Ge 
schäftsleute ein ganz unhaltbarer Zustand. Ich bestreite, 
daß festgestellte Nickteignung für den Bricfträgerberuf die 
Ursackee dieser Zustände ist, denn die Briefträger haben 
mir mehrfach erklärt, daß sie aus ihren bisherigen Be 
stellbezirken herauSgenominen und in andere versetzt wor 
den seien, und tatsächlich erscheinen nach Wochen und 
Monaten östcrS dieselben Leute, um sich wieder — für 
einige Tage! — aufs Neue einzuarbeiten. Gründlich 
und zielbewußte Maßnahmen seitens der oberen Beamten 
der Post sind notwendig, um endlich einmal Ordnung in 
den Friedenauer Briesbestcllbctrieb zu bringen. Schließ 
lich hat die Post nicht nur daS Recht der Portoerhebung, 
sondern auch die Pflicht der sorgfältigen und pünktlichen 
Ausführung der von ihr dafür übernommenen Arbeiten. 
Ingenieur Ernst Pollack, Friedenau. 
(Wir erhalten ferner laufend Klagen über angebrochene 
und bestohlene Pakete. Namentlich find aus LebcnS- 
mittelpaketcn wiederholt Eier und Fcttwaren gestohlen 
werden. Cchriftl.f 
Von, hiesige» Postrmck 
wird uns hierzu aus unsere Anfrage folgendes erividert: 
Die weiblichen Bestellkräfte haben zugunsten männ 
lichen Personals nach und nach zurückgezogen werden 
müssen. Ein Wechsel im Bestell--Personal wird im Inter 
esse einer geordneten Briefbcstellung nur dann vorge 
nommen, wenn es sich unbedingt nicht vernieiden läßt. 
Die Ursachen sind verschiedener Art: Versetzungen, Er 
krankungen. Entlassungen, Beurlaubungen. Vicrteljahrö- 
aushilfen, Dienstvcrsäumnisse usw. Seit dem 1. Januar 
d. IS. sind allein 129 Personen erkrankt und 74 Personen 
ausgeschieden oder entlassen worden. Ein neuer Wechsel 
tritt auch jedesmal beim Wiedereintritt in den Dienst 
oder bei Wiederbesctzung der erledigten Stellen ein. Bei 
Bedarf sind Arbeitslose vom öffentlichen Arbeitsnachweis 
der Gemeinde anzufordern. Ihre Unterbringung ist er 
forderlich, wenn sich keine Beanstandungen ergeben. Sagt 
ihnen indes die Beschäftigung nicht zu, oder erweisen sie 
sich als ungeeignet, so scheiden sie wieder ans. Das sind 
Schwierigkeiten, über die sich beim besten Willen und unter 
Benutzung aller auch bei anderen Postämtern gewonnenen 
Erfahrungen nicht hinwegkommen läßt. Bemerkt sei noch, 
daß insgesamt jetzt 527 Personen beim Postamt beschäftigt 
sind, und daß auch die Einführung des 8 Stundentages 
das Verfügungsrecht erheblich eingeschränkt hat. So sehr 
auch die Berechtigung der Beschwerde anerkannt wird, 
so ist doch das P, A. außerstande, eine Aenderung in den 
bestehenden Verhältnissen eintreten zu lassen. — Paket- 
verluste. Die Zahl der Verlustfälle und Beraubungen 
von Paketen ist im allgemeinen außerordentlich gestiegen. 
ES ist dies eine Erscheinung des Zeitgeistes, die sich auf 
allen Gebieten bemerkbar macht. Die Verlnsffälle sind 
hier nicht zahlreicher als bei anderen Postämtern. Die 
hiesigen Packkammerräume stehen dauernd unter Ueber- 
wachung von Aufsichtsbeamken und sind Tag und Nacht 
von einer Anzahl Personen besetzt, die sich gegenseitig 
beaufsichtigen und bei jeder verdächtigen Wahrnehmung 
sofort Meldung machen, um nicht selbst in Verdacht zu 
kommen. Unlautere Personen werden sofort entfernt. Wie 
jedoch durch Zeitungsmcldungen zur allgemeinen Kenntnis 
gebracht worden ist, sind ganze Eisenbahnwagenladungen 
von Postpaketen verschoben und dann beraubt, bei Eisen 
bahn-Unfällen Pakete verbrannt und gestohlen und von 
Bediensteten Sendungen vor der Auslieferung zur Post 
beraubt und entwendet worden. DaS sind Tatsachen, die 
mit in Berücksichtigung gezogen werden müssen. 
Spttz-irLkN-Uedirngsplatz. 
In diesem Blatte ist neuerdings zunehmend über 
freche Diebstähle berichtet worden. Da dürfte denn viel 
leicht interessieren, zu erfahren, daß vor dem Tore des 
Kohlen- und Holzlagerplatzes des Herrn Mar Davidsohn 
in der Handjervstraße, an der Ausfahrt zum Güterbahnhof, 
sich geradezu ein Uebungsplatz für jugendliche Spitzbuben 
herausgebildet hat. Ein Trupp von Knaben und Mädchen, 
Sticke von wohl kaum viel mcbr als 6 Jahren, und Bengel 
bis zu wohl 12 Jahren, pflegen dort herumzulungern 
und nur darauf zu warten, daß mit Briketts oder möt 
Holz beladene Wagen den Lagerplatz verlassen. Sobald 
dies der Fall, laufen sie hinter dem betr. Wagen her, 
lassen einen von ihnen hinaufklettern und von oben Bri 
ketts oder Holz, selbst große Scheite heruntertverfen, mit 
denen dann die untenstehenden Komplizen eiligst davon 
laufen. Dieses bedauerliche, heutzutage tief bedenklickze, 
durchaus nicht als schelmischer Bubenstreich zu beläck>elndc 
Treiben hat Schreiber dieser Zeilen an Nachmittagen 
tviederholt mit eigenen Augen beobachtet, er war leider 
nicht imstande, einen der flinken Frechlinge zu fassen 
und zur Polizei zu bringen. Eine gehörige Tracht Prügel 
auf offener Straße, beim Ertappen in flagranti, und 
eine öffentliche Namhaftmachung und WohnunqSangäbe 
der Eltern, welche durch Entgegennahme des also durch 
ihre Sprößlinge gestohlenen Gutes sich moralisch mit 
deren Treiben und Ausbildung zum Spitzbuben einver 
standen erllären,' wäre unseres Erachtens die beste 
Maßnahme zum Selbstschutz aller Redlichem Mr. 
Großdenckschs Freihcitöpartei. 
Sie brachten am l. 3. eine der Wahrheit nicht ent 
sprechende Darstellung der Versammlung Großdeutsche 
Frciheitspartei in der Hohenzollern-Schule, Schöneberg. 
Man berichtete an Sie falsch! Ich stelle folgendes fest, 
wofür ick unparteiische Zeugen habe: 
1. Die sozialistische Rednerin (ich) versuchte nicht, 
eine „Riesen-Versammlung" tvtzurcden, sondern mein« 
sachlichen Ausführungen von meinem Parteistandpunkt aus, 
wobei ich die Gerechtigkeit betonte, um unser Volk zu 
einen, wurden von der bürgerlichen Mehrheit wiederholt 
vir Briefe der Prinzessin. 
Von E. PH. Oppeuheim. 
13 
(Nachdruck verboten.) 
„Ich weiß nicht. Nein doch, ich glaube es nicht." 
„In jedem Fall scheinen Eie doch der einzige gewesen 
zu sein, der die geheimnisvolle Unbekannte gesehen hat. 
Ob Sie klug gehandelt haben oder nicht, über den Besuch 
des Mädchens zu schweigen, wir wollen es nicht rrärckrn. 
Schließlich hat jeder von uns mal eine Dummheit uin 
eines schönen Mädchens willen gemacht, wir sind ja, dein 
Himmel sei Dank, keine Fischblüter. Ja, zum Kuckuck, wo ist 
d«nn der Mann, der sich da zu Ihrem Richter auswerfen 
dürste? Ich kann Sie gut genug versteheii: was ich nur 
nicht^erstede, ist. wie Sie sich deswegen so in törichte Ein- 
bildungen verrennen konnten. Ich^ finde, Sre haben sehr 
wenig Aussicht, gedenkt zu werden." 
Sollseiten lächelte gezwungen. 
Sie sagten selbst, daß wir Großstadtmenschen mehr 
oder" weniger S laven unffrer Neroen si -d," ".ernte er. 
Und an meinen Nerven hat die Geschachte gehong ge 
rissen. Geben Sie mir, bitte, noch ein Glas Wein, Herr 
Obefflleutnantf^n^ t>ie GHäfer mit dem Rest der Zweiten 
Flasche. Dann trat er auf Heinz zu und scg'e herzlich: 
Und nun lasten Sie die Einbildungen und Befürch 
tungen begraben sein, lieber Freund! Was Sre nur an 
vertraut haben, bleibt selbstverständlich unter uns. .ch werde 
keine Silbe davon verlauten lassen. Innern Sie sich 
daran, daß schließlich nicht Sie berufen sind, d.ese Moro. 
geschickte aufzuklären, und uberlassen Sie alles Weckers 
getrost unserer löblichen Polizei. Also, Prosit, lieber 
"^Die Gläser klangen zusammen, noch ehe Heinz jedoch 
das seine hatte an die Lippen führen können wäre es 
beinahe seiner Hand entfallen. Denn mck schrillem Klang 
war die Wohnungsglocke angeschlagen. r,in l" 
„Sehen Sie. wie weit ich m.t meinen Nerven^bml 
sagte Heinz, der in der Tat leichenblaß geworden war 
„Wenn der Briefträger klingelt, glaube 'A. ^d"mol. der 
Himmel stür<e ein. Entschuldigen Sie mich einen Aug 
blies. Herr Oberstleutvant r .. .... 
Er ging hinaus, um zu offnen Bor ihm w.f dem 
Trepprnfiur stand ein kleiner, ältlicher Mann nick ve 
knlffenen, nichtssagenden Gesichtszügen, die auch ausdrucks 
los und unverändert blieben, wenn er sprach. 
„Verzeihung," sagte er mit einer dünnen, cklanglosen 
Stimme, die Heinz merkwürdig bekannt vorkam, obwohl 
er bestimmt wußte, daß er den Fremden nie zuvor gesehen 
hatte. „Habe ich die Ehre, mit Herrn Hollfelden —?" 
„Jawohl," erwiderte Heinz kurz, die Kleidung des 
Fremden, die nicht elegant und nicht schäbig wgr, flüchtig 
musternd. „Das ist mein Name. Womit kann ich Ihne» 
dienen?" 
Der Fremde drehte wie in leich'er Verlegenheit scinen 
steifen, schwarzen Filzhut in den Handen. "Es war ihm 
offenbar peinlich, so zwischen Tür und Angel abgefertigt zu 
werden. 
„Mein Name ist Berger — Rechtsanwalt Berger," 
sagte er und hüstelte leicht. „Ich häl e recht ge n ein 
paar Worle mit Ihnen gesprochen. Sie kennen mich 
nicht — 
„Ich habe allerdings nicht dir Ehre . Aber bitte, 
treten Sie ein, Herr — Berger. Ich habe allerdings Be 
such, aber wenn es sich um etwas Wichtiges handelt —" 
Der Rechtsanwalt hüstelte wieder. 
„In der Tat, die Angelegenheit, b : e mich herführt, 
wenn Sie mir nur eine Viertelstunde opfern sonnten —" 
Und dann, nach einem sekundenlangen Zögern: 
„Sie werden sich vielte cht erinnern, ich telephonierte 
bei Ihnen an, in jener Nacht, als Hetr Martens —" 
„Ah! ja — für Sie habe ich allerdings eine Viertel 
stunde übrig. Hier hinein, wenn ich bitten dar,' l" 
6. Kapitel. 
„Verzeihung, aber ich weiß wirklich nicht, wenn ich 
störe —" 
Der Fremde, der sich als Rechtsanwalt Berger vor 
gestellt hatte, war wieder von der Schwelle d s Zinimrrs 
zurückgetreten, als er des Oberstleutnants ansichtig wurde. 
Aber rücksichtslos schob ihn Heinz, der vor Aufregung 
fiebert-, durch die Tür. die er hinter sich zuzog. 
„Bitte, Sie stören gar nicht," sagte er brüsk. „Darf ich 
die Herren bekannt machen, Herr Oberstleutnant Arnstorf 
— Herr Rechtsanwalt Berger, nicht wahr? Herr Oberst 
leutnant, des ist der Herr, der ln jener Rächt bei mir 
«»telephonierte." ' , 
„Ah l" Arnstorf trat Überrascht einen Schritt näher. „In 
der Tat?" 
Der De'ucher wand sich förmlich vor Verlegenheit. 
„Ja, allerdings, und icv war gekommen, weil — kurz, 
ich hätte gern mit Herrn Hollfelden gesprochen. Aber wenn 
ich etwa ungelegen konime, ich kann ja noch einmal vor 
sprechen, später vielleicht —" 
„Bitte, Eie kominen gar nickt ungelegen. Im Gegen 
teil, Sie können nicht ahnen, wie erwünscht mir Ihr Be- 
such i t. Ich habe das lebhafteste Verlangen nach einer 
Austlärung getragen. Bckie, legen Sie ab." 
Der Neck tsanwalt spielte fortwährend mit seinem Hut, 
das machte Heinz nervös. Fast mit Gewalt nahm er ihm 
die Ko, foedeciuug ab und l-gtc sie auf einen Stuhl. 
„Wollen Sw gefälligst tpiu 0 nehmen I Der Herr Oberst 
leutnant ist von allem gettau unterricht t. Was Sie mir 
zu sagen haben, können Sie ruhig auch in der Gegenwart 
des Herrn sagen." 
Er wollte einen Zeugen haben für die Unterredung 
mit diesem Manne, der durchaus feinen vertrauener 
weck nde» Eindruck machte. Na ürlich ahnte er nicht, was 
der Beacher eign» li h von ihni wollte, warum er über 
haupt gnade zu ihm gekommen wa.. Aber irgendeine Auf- 
k.ärung mußte er doch wohl geben können. Und dann 
hacke Heinz noch eine bestimmte Veranlassung, die Gegen 
wart Arustorfs zu wünschen. In seiner krankhaft über» 
refften Stimmung glaubte er, daß auch dem Oberstleut 
nant gegenüber ein Verdacht auf chm ruhen könnte, und 
er host e, daß durch die S uesoge des Rechtsanwalts dieser 
Verdacht behoten raati.n konnte. 
Dem Oberstleutnant war die Sach« unangenehm. Er 
konnte unschwer erkennen, daß diesen Rechtsanwalt fline 
Eegenu acl im höchsten Maße störte, und es war seiner 
voruehnccn Natur enlgcgen, sich aufzudrängen. 
„Ter Herr wür.scht Sie gewiß unter vier Augen zu 
sprechen, Holl.eldcil," sagte er. „lleberdies habe ich noch 
eine dringende Verabredung. Wenn Sie in einer Stunde 
ins Eafs tommen wollen, wird es mich ,ehr freuen." 
. Heinz gav sich nur widerstrebend zufrieden. 
„Natürlich, wenn erie eine Verabredung haben, will 
ich Sie nicht zu ückhalte». In einer Stunde also rechnen 
Sie bestimmt auf mein Kominen, Herr Oberstleutnant! 
Und herzlichsten Dank für alles!" 
Er geleitete ihn hinaus und wechselte auf der Treppe 
»och ei» paar Worte mit ihm. Al» er wieder ins Zimmer 
kam. war er kalt und selbstsicher. 
(KMsetzutzg
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.