Path:
Periodical volume Nr. 13, 15.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

verserprev (JrttfelUtttlt* 
Wat?; SÄ” MirrttlffA Sttorag sSr S!s.Wedengs Md 
Haus gebracht 450 W«t. SrfcheiÄ tSglkch abeuüs. 
^ Fernsprecher: A«t Pfal^arg rirs. — Dr»«r «k> Verlag ooi> Lea Lchxltz, 
Zeitung) 
dev Frledemskr Lttstell wo ö-Sseberg 
Geschäftsstelle: Rheiustr. 15. 
Berlin^riedenau, Rheinstraße l». 
Anzeige» 
— nur für unbestimmte Tage - 
Preis'der 7,;espalteae« Zeile oder derr 
Raum 75 Pfg. Die Reklamezeil» kost. 
4.— Mark. Belegmruuner 10 Pfg. 
Kernsprecher: Amt PfalzLxrg tiM. 
Nr. IS 
Berlin Friedenau, Ionnrrrtag. den IS. Fanuar 1920 
Fahrg: 27 
RMtXi 
Orisifiadvidntti 
(Rachdr, unsrer o-Oriqinalarttkel nur mit Quellenangabe gestatt«) 
o Der Aueschuß der Landesversammlung über den 
Gesetzentwurf Grof>Berlin beschloß die Auslösung des 
Zweckverbandes. Für den Borsitz im Schiedsgericht wurde 
der Präsident des ObervcrwaltungsgerichtS bestimmt, nicht, 
wie vorgesehen >vnr, der Oberpräsidcnt der Provinz Bran 
denburg. Beifällig begrüßt wurde von allen Parteien 
ein Wahlvorschlag des Abg. Heilmaiiu (Soz0, daß aus 
je 7000 Stimmen ein Stadtverordneter gewählt sein soll. 
iUeberschießende Stimmen sind für jeden Wahlvorschlag 
für ganz Berlin zusammenzuzählen und darnach soll dann 
wiederum aus je 7000 Stimmen ein Stadtverordneten 
mandat entfallen. Auch ein Rest von mehr als die Hälfte 
von 7000 Stimmen soll noch für ein Stadtverordneten-- 
mandat berechtigen. Abgelehnt wurde ein unabhängiger 
Antrag, die Wahlzeit von 4 auf 2 Jahre herabzusetzen. 
o Pctrolcumvertciluug. Friedenau hat vom Kreise 
Teltow 2800 Liter Petroleum für den Monat Januar 
zur Verteilung an die hiesigen Einwohner erhalten. 
o Stadtschrst der Provinz Brandenburg, Berlin W. 10, 
Viktoriastraße 20. In dem vierten Kalendervierleljahr 
1919 wurden aus Groß-Berlin Anträge in Höhe von 
4 292 000 M. und aus den anderen Städten und Land 
gemeinden der Provinz Brandenburg Anträge in Höhe von 
475 600 M., zusammen 4 767 600 M. an die Stadtschast 
gestellt. Zur Bewilligung gelangten 4 160 600 M-, von 
denen aus Groß-Berlin 6 625 000 M. und aus die anderen 
Städte und Landgemeinden der Provinz 925 600 M-, 
zusammen 4 160 600 M., entfallen. Der Hyvothekeiibc- 
stand belief sich am 3l. Dezember 1919 aus 34 420 500 
Mark und verteilte sich auf 1055 Darlehen. 
o Tao Eiserne Kreuz. Dem Regierungsrat im Mi 
nisterium des Innern Th. Meyer (Taunusstr. 3) ist das 
Eiserne Kreuz 2. Klasse am weiß-schwarzen Bande ver 
liehen worden. 
v Fernsprechgehilsinnen gesucht. Wie uns das Fern 
sprechamt Wilmersdorf mitteilt, isr der Bedarf an Fern- 
fprechgehilfinnen noch nicht gedeckt. Meldungen von Be 
werberinnen sind an das Fernsprechamt, Psalzburger Str., 
zu richten. 
o Unseren Poslbezichern empfehlen wir, den „Frie- 
denauer Lokal-Anzeiger" für den Monat Februar schon 
jetzt zu bestellen, um eine Unterbrechung in der Zu 
stellung unseres Blattes zu vermeiden. Gleichzeitig raten 
wir wieder allen denjenigen Lesern, die dauernd über 
unpünktliche Zustellung unseres Blattes durch unsere 
Boten zu klagen haben, den „Friedenauer Lokal-Anzeiger" 
beim Postamt zu bestellen. 
o Sprechende Zahlen über die Zuckererzeugung. Unter 
Ausscheidung der in den abgetretenen Gebieten Posens und 
Westpreußens liegenden Rohzuckerfabriken niit etwa Ist- 
Millionen D.-Ztr. Erzeugung, jedoch unter Einrechnung 
der Fabriken derjenigen Teile der be'den genannten Pro 
vinzen. deren Staatszugehörigkeit noa; durch Abstimmung 
zu entscheiden ist, und unter Einschluß des Bezirkes Dan 
zig hat der „Verein der Deutschen Zuckerindustrie" durch 
seine Abteilling der Rohzuckcrfabriken unterm 3. Januar 
wieder die Ergebnisse seiner letzten Umsrage veröffent 
lichen lassen. Durch die '--"nq der Vergleichszahleil 
von 1918—19 wird diese s Ji. n„g über 1919—20 zu 
einen! Beweisstücke des Rückgang er Intensität unserer 
Bodenp.uoultion von solcher Eindringlichkeit , ver 
antwortlich:' 'enter unseres Wirtschaftsleben» unü die 
große Verbräm,, .::..sse nichts nachdrücklich genug daraus 
hingewiesen werden können, ^-tait 281, wie im Vorjahre, 
irniT »uffagn linwww——wbbi——i 
sind in der schon im Dezember zum großen Teil ab 
geschlossenen Kampagne 1919—20 nur noch 262 Fabriken 
in Betrieb gewesen. Die Rübenverarbeitung sank gegen 
1918—19 von 69,5 auf 49,8 Mill. D.-Ztr. bei einer 
Verringerung der Anbaufläche von 321067 auf 275 943 
Hektar. Die Ausbeute der Rüben stellte sich durchschnittlich 
auf 14,88 v. H. gegen 15,31 v. H. in 1918—19, so daß 
die Zuckererzeugung von 10,6 Mill. D.-Ztr. des Vorjahres 
auf nunmehr 7,4 Mill. D.-Ztr. herabgesunken ist. Die 
Saft- und Trockengutherstellung ist in diesen Zahlen uiv 
berücksichtigt. In die rechte Beleuchtung wird die Lage 
aber erst gerückt, wenn man bedenkt, daß in Deutsch 
land im Jahre 1914 die Zuckerrübenernte von einer 
Anbaufläche von 569 082 (1919: 275 923) Hektar rund 
170 Mill. D.-Ztr., in diesem Jahre dagegen nur einige 
80 Mill. D.-Ztr. und die gesamte Rohzuckererzeuguug 
damals erheblich mehr als das Doppelte der heutigen, 
18. Mill. D.-Ztr. betrug. Wenn in vorgedachtem Berichte 
weiter errechnet wird, daß die Verminderung des An 
baues gegen 1918—19 14,1 v. H., die der Rübenver- 
arbeitung aber 28,3 und die der Zuckererzeugung sogar 
30,2 betrügt, so liegt darin die Anklage gegen die Wirt- 
schaftsbehörden, daß sie sich den Rückgang deS Anbaues, 
aus den hinzuweisen die landwirtschaftlichen und die 
Tpezialuertretungen nicht müde geworden sind, nicht zu 
einer Mahnung gereichen ließen, durch Vorsorge in der 
Arbeiterfrage und für eine ausreichende Kohlenbcliefe-- 
rung der Fabriken wenigstens die restlose Verarbeitung 
der so knapp gewordenen Ernte sicherzustellen. 
v Abermalige Erhöhung der Preise für Schuhrepara 
turen! Wie uns aus den Kreisen der hiesigen Schuh 
macher mitgeteilt wird, sind die Preise für Leder be 
deutend gestiegen. Infolgedessen wären die Schuhmacher 
genötigt, die Preise für ihre Arbeiten vom 15. d. Mts. 
ab um 20 v. H. zu erhöhen. 
o Draht- oder Funkweg. Nachdem das inländische 
Funknetz weiter ausgebaut worden ist, soll in größerem 
Ilmfange von diesen Anlagen Gebrauch gemacht werden. 
Fortan behalt sich daher die Reichs-Telegraphenverwaill 
tum, für die Abwickelung des telegraphischen Verkehrs 
im allgemeinen freie Wahl hinsichtlich des zu benutzen 
den Weges (Draht- oder Funkweg) vor. Befürchtet jedoch 
der Absender ein Mithören des Telegramms durch Un 
befugte, was bei der Eigenart der drahtlosen Telegraphie 
nicht durchweg ausgeschlossen ist, und wünscht er daher 
ausdrücklich die Drahtbeförderung, so hat er im Tele- 
grammaufgabcformular an der für die Wegangabe vor 
gesehenen Stelle den gebührenfreien Vermerk „Draht" 
niederzuschreiben. DaS gleiche gilt für den Telegramm 
verkehr mit den europäischen Ländern, soweit die Gebühren 
auf dem Draht- und Funkweg gleich sind. 
o Oberflächliche Gesetzcsmacherei. In der Dezeniber- 
Nummer der „Allgemeinen Steuerrundschau", Monats 
schrift sür Steuerangelegenheiten und Wirtschaftsfragen, 
herausgegeben vom Deutschen Steuerschristen-eVrlag, Ro 
bert Ackienbach, München NW. 2, Agnesstr. 6, hat eine 
unserer ersten Autoritäten auf dem Gebiete des Steuer- 
rechts, der Stznatspräsident deS Reichsfiuanzhofs, Wirkt. 
Geheimer Oberregierungsrat Dr. jur. G. Strutz, Mün 
chen, einen hochbedeutsamen Artikel veröffentlicht. Strutz 
führt in diesem Aufsatz aus, daß beim Vermögenszn- 
wachsabgabegesctz, beim Kriegsabgabegesctz und beim Fi- 
nanzgesetz die Gesetze anders veröffentlicht lvordcn sind, 
wie sic in der Nationalversammlung beschlossen wurden. 
Schlagender als so kann nicht nachgewiesen werden, daß' 
unsere Steuervorlagen ohne jede gründliche Durchberatung 
und Durchprüfung zu Stande gekommen sind. Dieselbe 
Zeitschrift enthält weiter eine faßliche Abhandlung von 
Dr. Blum über die neue Erbschafts- und Schenkung^ 
steuer, und Beitrüge über andere Steuerfragen. 
o Ueber Miete und Mieteinigungsamt veröffentlicht 
Gerichtsassessor Hermann Biesenthal, Vorsitzender einer 
Kammer im Mietseinigungsamt Steglitz, eine Schrift, 
die Tagesfragen und Anregungen zu dem alltäglichen 
Thema enthält. In drei Teilen: Vom Verfahren vor 
dem M. E. A., Von der Rechtsfindung durch das M. E. A. 
und Von der Fortentwicklung des. M. E. A. gibt der Ver 
fasser beachtenswerte Winke. Besonders die Beantwortung 
der Frage: Ist die jetzt herrschende Praxis der Mictbci- 
rcchnung für die Zukunft durchführbar? dürfte sür viele 
lehrreich sein. Die Schrift ist bei Rich. Auerbachs Nachf. 
in Steglitz, Albrechtstr. 10, erschienen. Preis 1,20 M. 
v Ungerechtfertigte Preisausschläge im Buchhandel. 
Auf Beschluß des Vereins der Berliner Buchhändler 
wird vom 5. Dezember 1919 ab im Berliner Sor 
timentsbuchhandel statt des bisherigen, vom Reichswirt'- 
schaftsministerium genehmigten Teucrungszuschlages von 
10 Prozent ein solcher von 20 Prozent erhoben. Die 
Berechtigung zu diesem Aufschlage hat der Berliner Buch 
händlerverein trotz Aufforderung dem Reichswirtschaftsmi 
nisterium nicht nachweisen können. Das Reichswirtschafts 
ministerium hat daher den Buchhändler-Börsenverein in 
Leipzig aufgefordert, den Berliner Buchhändlerverein zu 
einer Aufhebung seines Beschlusses zu veranlassen. Die 
Buchhändler, welche gleichwohl einen Teuerungszuschlag 
von 20 Prozent erheben, haben demnach ein Verfahren 
wegen übermäßiger Preissteigerung und gegebenenfalls ge 
mäß 8 15 der Preistreibereioerordnung die Beschlagnahme 
ihrer gesamten Bestände wegen Wuchers zu gewärtigen. 
o Der Ortsver-in Bln -Friedenau des Verbandes mitt 
lerer Reichs-, Post- und Tclegraphen-Veamten hielt am 
9. d. Mts. im Restaurant „Kaiserburg" eine geschäftliche 
Sitzung ab, die sehr gut besucht war. Der eingegangene 
Schriftwechsel über die Personal- und Besoldungsreform 
wurden durch den 2. Vorsitzenden, Herrn P o s k e, be 
kanntgegeben und führte zu einer lebhaften Aussprache. 
Gleichzeitig drückte die Versammlung ihr lebhaftes Miß 
fallen darüber aus, daß die Regierung den Beamten 
nur eine Teuerungszulage von 50 Prozent bewilligt habe. 
Bei aller Rücksicht auf die schwierige Lage des Reiches 
Wurde bei der stetig wachsenden Teuerung aller Lebens 
mittel und Gebrauchsartikel eine sofortige Erhöhung der 
Teuerungszulage gefordert. In einem Vortrage wies der 
Schriftführer, Herr Macke prang, auf den 3. Lehr 
gang 1919—20 der Volkshochschule Bln.-Friedenau (Volks 
hochschule des Südwestens) hin und forderte die Mit 
glieder zur regen Beteiligung auf. Prospekte über den 
Lehrgang wurden von Herrn Mackeprang an alle Anwesen 
den verteilt. Zum Schluß wies der 2. Vorsitzende, Herr 
Poske, auf den, am Sonnabend, den 17. d. Mts./ im 
„Hohenzollern" stattfindenden Familienabend hin. 
o Das 6. Volkstümliche Siufoniekonzert des Or 
chesters des Deutschen Opernhauses brachte eine besonders 
reizvolle Darbietung in der Wiedergabe der Romantischen 
Suite, genannt „Deutsche Wandervögel" von unserem 
Friedenauer Mitbürger Prof. Friedr. E. Koch, dem Ton 
dichter der Oper „Die Hügelmühle". Das wunderbare 
Tongernälde offenbart besonders in dem Satz Sonnenunter 
gang intime Reize, die das Orchester in so glänzender. 
Weise zu verbildlichen wußte, daß — obwohl vor Be 
endigung der Darbierung eines Tonwerkes Beifall nicht 
üblich ist — spontan ein brausendes Händeklatschen ein 
setzte. Aber auch der letzte Satz mit seiner Wucht und 
Kraft, denl fröhlichen Ausklang und lieblichem Schalmeien 
klange steigerte die Begeisterung der Zuhörer. Der jubelnde 
Beifall kam nicht zuletzt dem Tonsctzer zu Gute, der 
uü.'- ‘HK* tavm mmmmmma—mmmmsmm* i1——■ — — > mmmmmam «. • « 
Zwei Le5iamenle. 
Roman von F. Stolze. 
30 (Nachdruck verboten.) 
Je länger er las, um so mehr verfinsterte sich sein Ge- 
sicht. Als er aber zu der Nachschrift gelangte, schwoll ihm 
.die Zornader auf der Stirn. Wütend knüllte er das Papier 
»zusammen, schleuderte es von sich und begann erregt im 
'Zimmer aus- und abzugehen. Nach und nach beruhigte 
!er sich etwas, hob den Brief wieder auf, glättete ihn auf 
der Tischplatte und las ihn nochmals sorgfältig durch. Als 
er zu Ende war, schlug er sich mit der Hand vor die Stirn 
und brach in ein sardonisches Lachen aus. Welch ein 
Narr war er gewesen, sich einzubilden, daß er aus diesem 
Weibe sein blindes, gehorsames Werkzeug machen könne! 
Und er durfte sich nicht einmal beklagen. Hatte sie ,hm 
nicht ohne weiteres als Mittel zum Zweck vorgeschlagen, 
daß sie sich verheiraten wollten, und hatte er nicht io aut 
wie zugestimmt? Damals freilich hatte er Alice noch nicht 
aesehen und die Leidenschaft für Eecily ersüllte ihn ganz. 
Fetzt aber, wo sie ihm die Pistole auf die Brust setzte und 
ihn endgültig von Alice trennen wollte, haßte er sie fast. 
Es kam ihm vor. als wäre sie das einzige Hindernis 
«einer Derbindung mit diesem ihm neu ausgehenden Stern, 
und er beschloß, alles mögliche zu tun. um die erzwungene 
Heirat zu vereiteln. Er mußte Zeit gewinnen.. Er mußte 
Eecily oder Ellen oder wie, zum Teufel, sie Helgen mochte, 
klarzumachen suchen, daß es ein Fehler wäre, jetzt schon 
die Ehe zu schließen und — ia, das war das Richtige — 
jetzt schon seine Karten aufzudecken. Er wollte versuchen, 
sich irgendein Verdienst - was für eins, wurde sich schon 
finden — um die Familie Werner zu erwerben, ihr nahe. 
zutreten, sich ihr unentbehrlich zu machen. Er wurde schon 
verstehen, den Achim aus dem Sattel zu heben, der nicht 
einmal Reserveleutnant war und sich ganz auf die Land« 
wirtschaft geworfen hatte, während er, Kurt, noch immer 
das Muster eines vornehmen und eleganten Edelmannes 
war. 
Wie aber sollte er Eecily vorerst fern halten? Sie 
war imstande, ihm in Moselhorst selbst auf den Hals zu 
kommen! Halt — das war das Richtige! Sie mußte ihn 
verreist glauben, oder noch besser, er mußte sofort ver 
reisen. Er würde ihr nach Koblenz schreiben, daß er aus 
irgendeinem Grunde dazu gezwungen sei, plötzlich zu ver 
reise u Er mußte es nur sehr eilig machen, ihr ein Ren. 
dezvous irgendwo, z. B. in Meran, angeben und ihr 
dahin Geld anweisen, um sie dann dort sitzen zu lassen. 
Oder noch besser, er konnte sogar eine eilige Konferenz mit 
Jennings in Brindisi vorschützen. Dann würde sie in 
Meran ungeduldig auf ihn warten und, wenn er nicht 
käme. ihn in Brmdisi anfsuchen, wo natürlich keine Spur 
von ihm zu entdecken war. Statt seiner — ja, das war 
ein Gedanke — würde sie Jennings dort finöeil. De» 
würde er wirklich dorthin bestellen imö war dann die un 
bequemen Personen beide los! 
Was aver konnte er für die Familie Werner tun? 
Zwei Möglichkeiten waren vorbanden. Einmal, er konnte 
als Befreier Arnold Werners auftreten. Das wäre gewiß 
sehr edelmülig erschienen. Aber es war auch sehr riskant. 
Zweilens mar da die Schwierigkeit wegen der von Eecily 
geraubten Heiratsurkunde. Aber sollte deren Mangel nicht 
zu ersetzen sein? Es war etwas über zwanzig Jahre seit 
dem Abschluß der Ehe. Sollte in Abbeville niemand inehr 
leben, der zugegen gewesen war. als der atte Revereno 
Tavlvr in der Kirche seine einzige Tcchrer mit Werner ver 
mal Iw'? Das war im höchsten Grade unwahrscheinttäi. 
Es winde ihm also voraussichtlich leicht werden, die 
tat der Ehe nach englischem Gesetz nachzuweisen. 
Er :e also wirklich verreisen, nach Abbeville. Gelang 
irni. do.l alles, so würde es besonders auf die Frauen 
großen Eindruck machen, obwohl es ohne das zweite 
T-Ztament für die Erbfolge ganz gleichgültig war. Er 
würd« dadurch bei Mutter und Tochter eine,, Stein im 
Brett erhalten, und wenn es ihm gelang, Alices Hand m 
gewinnen, war immer »och Zeit," Arikold Werner aus 
seiner Haft zu befreien. A a i brauchte ja nur die jährliche 
Gebühr nicht an Nur Ali Khan auszuzahlen! 
Uebrigens war auch die Gefahr, baß man das zweite 
Testament, wenn es wirklich zum Vorschein kam, gegen 
ihn zur Anwendung bringen würde, gar nicht so groß, 
falls es ihm nur gelang, sich als bester Frelliid der 
Weriierschen Familie und als uneigennützig aufzuspielen. 
Er m"ßte Vben Jennings und Ellen Hamilton ganz von 
sich bs -ütteln. Dazu war es vor allen Dingen nötig, de» 
Brie, an Eecily oder vielmehr Ellen zu schreiben.' Doch 
»ein. Es war besser, nicht zu schreiben, sondern zu tele 
graphieren. Sie hatte glücklicherweise, seit er sie in sc.n 
Vertrauen gezogen hatte, keinen Pries von ihm in Händen. 
Er durste ihr von jetzt ab nur telegraphieren oder in 
Maschinenschrift schreiben, und das immer nur unter dem 
Kosenamen, den sie ihm gegeben. 
So telegraphierte er ihr denn nach Koblenz und bestell!« 
sie nach Meran, während er angeblich nach Brindisi reiste, 
in Wirklichkeit aber den Weg nach Edinburgh einschlug. 
17. Kapitel. 
Die Glocken von Abbeville läuteten zum Dormittags- 
gottcsdienst. In langen Zügen pilgerten die Bewohner 
des Ortes über das breite, von der milden Herbstsou.,e 
durchleuchtete Wiesental der altertünilichen, im Schatten 
mächtiger Eichen daliegenden Kirche zu. Alt und jung 
folgte dein mahnenden Rufe der Glocken, und nur weil 
Krankheit ans Bett fesselte, blieb dem Gotteshause fern. 
Denn Reverend Parker war ein sehr beliebter Kanzelrediier, 
ii zu hören selbst vornehme Leute aus Edinburgh nach 
A -Wville kamen. 
_ j war denn das gotische Schiff der Kirche dicht gefüllt 
u ii .liier andächtig int milden Lichte der bunten Fenster 
des Geistlichen harrenden Menge, während die Klänge der 
Orgel und der Gemeindegesang den Raum erfüllt»»^ 
, Roch ganz, kurz opjl.Jkohm-J»-*-‘ 
etwas geräulck»"'«
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.