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Periodical volume Nr. 62, 12.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(FrirdettlMvr 
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Nr. 83 
RerM'FrjedeW'N, Sonntag, Sen 14 MSrz IM 
Ti 
sein. 
Die bisherige Regisrnng gestürzt! 
Eine neue Regierung Kapp-Lüttwitz. 
Die gestrigen Miktaablcitter brachten schon Mit 
teilungen von einem bevorstehenden Umsturz. Die Sache 
war doch schon weiter vorgeschritten, als viele glaubten. 
In dieser Nacht fanden Verhandlungen zwischen der alten 
Regierung und den neuen Machthabern statt, die dazu 
führten, daß die Regierung, um Blutvergießen zu ver 
meiden, ihre Truppen überall zurückzog und ibre Aemter 
niederlegte. Gegen 5 Uhr früh verließen Ebert, Bauer 
und auch Noske im Automobil Berlin. Die unter dem 
Kommando Ehrhardt stehenden Toüeritzer Truppen, die 
2. Marinebrigade aus Wilhelmshaven, nierschierten heute 
morgen mit klingendem Spiel in Berlin ein und über 
nahmen überall die Sicherungen. 
Generallandschaftsdirektor Kapp und General 
v. Lültwitz übernahmen die Reichsgewalt und gaben 
das durch folgende Ankündigung bekannt: 
Tie bisherige Reichsregierung hat aufgehört zu 
Tip gesamte Staatsgewalt ist auf den Generale 
landschastsdirektor Kapp als Reichskanzler und preußi 
scher Ministerpräsident übergegangen. Zum militärischen 
Tberbefehlhaber und Reichswchrmiuister ist gleichzeitig 
vom Reichskanzler der General der Infanterie Freiherr 
v. Lüttwitz berufen worden. 
Eine neue Regierung der Ordnung, der Frei 
heit und der T a t wird gebildet tvcrden. 
Freiherr v. Lüttwitz. 
Tr. Kapp. 
Tie Nationalversammlung ist ausgelöst, die Neuwahlen 
sollen sofort vorgenommem werden/ In Berlin wehen 
üverall jchivarz-weiß-rote Fahnen. Sonst ist alles ruhig. 
Die Einwohnerwehren sind nicht aufgeboten. Wie verlautet, 
soll von sozialdemokratischer Seite ein Generalstreik prokla 
miert werden. 
UnZerMerrSe Vertretung der 
Gürsttgeureludeu 
Es ist darüber mit Recht geklagt worden, daß die Inter 
essen der zu Groß-Berlin gehörenden ländlichen Vorort- 
gemeinden durch die Kreise, denen sie angehören, nicht 
-genügend gewahrt werden. Die Vororte hatten zumeist 
weiter keine Verbindung mir den Kreisen, als daß sie ihnen 
gute Steuern zuführten. Darum erging auch hier oft 
der Ruf: Los vom Kreise und Selbständigkeit Friedenaus! 
Diese Mangel in der Vertretung der Vorortinteressen 
durch die Kreise führten auch zuin Zweckvcrband Groß- 
Berlin, der sich aber durch feine ganze Form und Anlage 
von vornherein a!S „unzweckmäßig" crivies. Daher die 
Bestrebungen zur Errichtung der Gcsamtgemcinde Groß- 
Berlin, daher aber vor allem auch der Zusammenschluß 
der Bvrongememoen des rcreises Teltow zur Berliner 
B o r o r t g e m e i n s'.ch a f t. 
Aber trotzdem ist die alte Abhängigkeit vom Kreise 
geblieben, trotzdem sind die Interessen der Borortgcmein- 
den eingeengt und cs ist kaum zu twffen. daß das besser 
wird, wenn wir die Einhcirsgcmcindc Groß-Berlin be 
kommen. Das Gegenteil dürste zutreffen. 
Höchst mangelhaft ist vor allem die Vertretung der 
den Landkreisen angehörenden Vororte in den bestehenden 
Groß-Berliner Verbänden. Vielsact) tvcrden die Ge 
meinden in dem Ausschuß des betreffenden Verbandes 
nur durch den Lande at vertreten, so z. B. beim 
Wo Hnungsver bände. Es ist aber klar, daß dieser 
die sachlichen Interessen der Vororte nicht genügend wahr 
nehmen kann, weil beiin Kreise die Verwaltung, um 
deren Regelung es sich handelt, gar nicht besteht. Es ist 
selbstverständlich, daß der Vertreter des Kreises von den 
Einzelheiten der erheblichen Schwierigkeiten im Wohnungs 
amt und im Einignngsamt nichts wissen kann, weil 
er sie nicht aus der Praxis, sondern höchstens ans einigen 
Beschwerden kennen gelernt hat. In den Verbänden Groß- 
Berlins, denen nicht die ganzen Kreise Teltow und Nieder- 
barniin, sondern nur eine Reihe ihrer Gemeinden 
als solche angehören, ist die Vertretung durch den Landrat 
noch weniger gerechtfertigt. Wo aber in diesen Verbänden 
eine Vertretung der Gemeinden selbst vorgesehen ist, ist 
diese meist ungenügend. Wenn es sich, >vie z. B. in dem 
Verband Groß-Berliner Ar b e i t s n a chw e i s e weniger 
um die Zusammenfassung der Gemeinden als um die 
der selbständigen Arbeitsitachweise handelt, kann man die 
Vertretung mcftt lediglich nach der Größe der Gemeinden 
bemessen. Es ist deshalb unzureichend, wenn nur j e 
eine Gemeinde ans dem Kreise Teltow und N'eder- 
barnim im Ausschuß Groß-Berliuer Arbeitsnachweise dw 
anderen Gemeinden vertritt. Bei dem Ausschuß Groß- 
Berliner Arbeitsnachweise liegt die Sache besonders un 
günstig. weil hier als Organ überhaupt nur der Ausschuß 
vorgesehen ist, in dem die Gemeinden des Kreises Teltow 
z. B. durch die Gemeinde Treptow vertreten werden sollen, 
die Mi t w ir k u n g der übrigen Gemeinden aber, weil 
eine Verbandsversammlung nicht vorgesehen ist, über 
haupt fehlt. Früher wurden nun vernünftiger Leise 
wenigstens die größeren Landgemeinden zu den Sitzungen 
des Ausschusses Groß-Berliner Arbeitsnachweise mir er.U- 
geladen. Seitdem aber insbesondere der Vertreter F r ie 
den aus (Syndikus Sturm) sich kürzlich an den Er 
örterungen über den Entwurf einer Satzung für das Pro- 
vinftalamt Groß-Berlin beteiligt hatte, und seine Aus 
führungen auch durch einen entsprechenden Beschluß des 
Ausschusses gebilligt werden rvaren, wurde plötzlich mit 
. der erwähnten Uebung gebrochen, und lediglich die 
Gemeinde Treptow zu weiteren Ausschußsitzungen ringe-' 
laden. Den Vertretern anderer Gemeinden aber wurde 
auf Befragen die Zulassung verweigert. 'Der Antrag 
Friedenaus und anderer Gemeinden, ■ bic frühere 
Uehrmg wieder aufzunehmen oder die Satzung 'zu ändern, 
wurde abgelehnt. Demgemäß ist natürlich auch ' die 
Beteiligung der Vororte in der inzwischen bd- 
schlossenen Satzung für das Provinzialamt Groß-Berliner 
Arbeitsnachweise — jetzt Landesarbeitsamt Groß-Berlin 
genannt — ausgefallen. Tic Satzung des Provinzial 
amts für Arbeitsnachweise Groß-Berlin behandelt übrigens 
näher ein Artikel von Syndikus St ur m in der Zeitschrift 
„Ter Arbeitsnachweis in Deutschland" Heft 10 vom 
20. Februar 1920. — Wie wir chckren, wird sich mit der 
Groß Berliner Organisation des Arbeitsnachweiswesens 
und der Erwerbsloscnsürsorge sowie der Vertretung der 
Landgemeinden demnächst eine Tezernentenbesprcchung der 
Mitglieder der Berliner V o r o r r g e m e i n s ch a s t im 
Kreise Teltow beschäftigen, zu der auch 'Vertreter der 
Niederbarnimer Landgemeinden hinzugezogen werden. 
Mit Rücksicht auf die außerordentlichen geldlichen 
Lasten, die den Vororten im Wege des Laftcnausgleichs 
ans der Erw er b s lo fcn f ü r s or g e zufallen, ist die 
eingehende Behandlung dieser Frage durch die Vororte 
von außerordentlicher Bedeutung. 
OrtsnadiHcfeteft 
Pkachdkj unsrer o-Originalarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Tic -nächste Sitzung unserer Gemeindevertretung 
sindet am 18. März d. Js., nachm. 7 Uhr im Sitzungs 
saale des Rathauses statt. Tie Tagesordnung finden un 
sere Leser unter „Amtliches". 
o Richt Margarine, sondern 70 Gramm Schmalz zum 
Preise vou 2,30 M. gibt cs in der nächsten Woche: außer 
dem 180 Gramm Schmalz zu 0,06 M. auf Sonderabschnitt 
der,Cpeisefetikarte und die übliche Buterranon von 20 
Gramm zu 08 Pfg. 
o Vollmilchtartcir. Tic Milchkarten für Kinder tvcr 
den wie bisher durch die Brotkoinnsissare ausgegeben. Tie 
Kranken? arten sind, soweit nicht bereits zugestellt, aus 
dem Rathaüse abzuholen an den in der Bekanntmachung 
(siehe „Amtliches") festgesetzten Tagen. 
o Neue Gemeindesteuern. Ter Steneraussclnrß unserer 
Gemeinde befaßte sich in seiner gestrigen Sitzung zu 
nächst mit der Frage der Einkommensteuereinschätznng für 
1920. Man beschloß bei der Steuerfestsetzung die Einfüh 
rung dcs Jahres 1919 zu Grunde zu legen, Ncueinschatzun- 
gcn also nicht vorzunehmen. Man beriet dann Iveiter über 
die Erhebung von Sondersteuern, um hierdurch die er- 
höhten Aufwendungen der Gemeinde zu decken. Der Vor 
schlag, eine Katzen st euer zu erheben, fand keine Zu- 
'tiinmuug. Dagegen nahm man den Vorschlag der Er 
hebung einer M usi linst rum euren st euer (ausKla- 
viere, Geigen, Grammophone usw.) an, desgleichen einer 
M i e ts lux us steue r, von der diejenigen betroffen wer 
den sollen, die eine über ihre Bedürfnisse hinausgehende 
große Wohnung bewohnen. 
o Zur Sicherung der Häusern, inen in den CärUIen- 
gärten, sind diese jetzt mit einem soliden Stacheldraht- 
zaun umgeben worden. Einmal will man hierdurch den 
Diebstählen an Baumaterial entgegentreten, die dauernd 
statlgcfurcden haben, dann aber auch Unglücksfällen vor 
beugen. welche durch die tiefliegenden Mauerreste und die 
schwache Beleuchtung der Straßen herbeigeführt werden 
könnten. 
v Zur Beschleunigung der Abfertigung an den Paket 
schaltern kaum das Publikum selbst wesentlich dadurch 
beitragen, daß es die Paketkarten in Höhe der Freigebühr 
mit Freimarken beklebt. Ter Tarif für Postpakete ist 
durch die neuere Gesetzgebung so vereinfacht, daß Zweifel 
über die Höhe der Gebühren in der Regel nicht auf 
kommen können. Bei größeren Postanstalten bestehen für 
vom Absender im voraus freigemachte Pakete, besondere 
Annahmestellen, wo die Auslieferung sclwell vonstatten 
geht. Es liegt daher im eigenen Vorteil der Absender, 
wenn sie vor der Auflieferung der Pakete auf den.Paket 
karten (sie Freigebühr in Freimarken verrechnen. 
o Eine neue Postkartenart. Die Handelskammer zu 
Berlin hat dem Rcichspostminrsterium ein Muster für 
eine neue Art von Postkarten unterbreitet und deren Ein- 
siGrung ■ befürwortet. Tiefe Postkarte in dem neuerdings 
zugelassenen vergrößerten Format intspricht deü schon 
öfters geäußerten Wünschen, daß die untere Hälftsi 
der Auschristseite der Postkarte für schriftlickie Mittei 
lungen benutzt werden darf, während die obere Hälfte 
für die Anschrist, die etwaigen postalischen Vermerke, für 
das Auskleben der Freimarke freizubleiben hat. 
o ErwerbSlosrnunterstützung und Mindestlohn. Tie Ge- 
meindcn sind vom Wohlfahrtsfninistcrium in Ausführung 
der neuen Reichsverordniyvg über Erwerbslosenfürsorge 
darauf hingewiesen worden, daß sie die Pflicht haben, die 
Arbeitsvermittlung für die Erwerbslosen durchzuführen 
und'daß eine Unterstützung nur den unverschuldet Erwerbs 
losen, also niemals dann gezahlt werden soll, wenn ge 
eignete Arbeit vermittelt wird. Bezüglich der Annahme 
von Arbeit zu dem in einem Kollektivabkommcn fest 
gesetzten Mindestlohn hat das Ministerium folgende Ent- 
sckreidung getroffen: Arbeit zu dem in einem Kdllektiv- 
abkommen festgesetzten Mindestlohn muß angenommen wer 
den, da die A-ollektivabkommen auf einer Vereinbarung 
zwischen Arbeitgeber und ArbeÜMHE biMhen, der Min 
destlohn also auch von den Arbeitnehmern für angemessen 
Rßunden worden ist. Anderseits kornmen Personen, die 
in Untersuchungs- und ^ Srrafhaft genonunen sind, für die 
Erwerbslosenunterstlitznng nicht in Frage, da bei ihnen 
die Möglichkeit einer Arbeitsaufnahme.nicht vorliegt, ^ Es 
können daher auch, den Angehörigen solcher Personen die 
Familienzuschüsse der ErweröSlofenfürsorge nicht, gewährt 
werden. 
o Herr Privatschullehrer FUKnrr hat an die hie- . 
sige Gemeindevertretung eine Eingabe in seiner mehrfach 
in unserer» Blatte erwähnten, eigenen Angelegenheit gerich 
tet, in der er zum Schluß beantragt: 1. Die monatliche 
Teuerungszulage für seine Lehrkräfte auf 80 M.; 2. die 
erneute Zubilligung eines Zuschusses, von dem sogleich 
zwei Drittel für Gehaltserhöhung der Lehrkräfte verwandt 
werden sollen. 3. Tie Bewilligung der von ihm für 
Schulklassen und Lehrerwohnungen bereits gemieteten 
Räume im Schulhause. Nicdstr. 251. Er tritt in seiner 
Eingabe insbesondere für die Erhaltung -der Prioatvor- 
sclmlen ein und wird in diesem'Punkte'von der Lyzcal- 
dircktorin Frau E. Rudel unterstützt. Ferner -hat- Herr 
Fliedner cu:e besondere Eingabe an die Nationalver-, ■ 
sammlung und an den Vorsitzenden des Reich-sschulaus-- 
schusses betr. der privaten Vorschulen gerichtet. Wir wer 
den auf diese Eingaben noch näher zurückkommen. 
o Um dem Mangel au Kleingeld abzuhelfen, hat die 
Handelskammer zu Berlin bei der Reiche-regierung 
die, schleunige verwehrte Prägung von 5, 10 und .50 
Pfennigstücken beantragt, ferner die Beseitigung des Be 
darfs an 1 und 2 Pfennigmünzen durch eine gesetzliche Be 
stimmung, wonach Endbeträge von Zahlungen von >1 und 
12 Pfennig auf die nächstvorhergehenden vollen zehn Psen-. 
nige, von 3, 4, 0 und 7 Pfennig auf 5 Pfennig, und 
von 8 und 9 Pfennigen auf die nächstfolgenden vollen 
10 Pfennige ab- bczlv. aufzurunden sind. 
o Praktische Werbearbeit für die Stadtkinder auf dem 
Lande. Ti? Unterbringung unterernährter Großstadttinder 
aus dem Lande hat i'm Gegensatz zum ersten Jahre dieser 
Arbeit, 1917, in letztcr-Zeit immer größere Schwierigkeiten 
gemacht. Tic Gründe hierfür sind bekannt: die politische 
Umwälzung, die daraus ent; bringende Abneigung per 
ländliche» Bevölkerung gegen die Großstadt, die wachsen 
den Schwicrigteitcn in der landwirtschaftlichen Erzeugung 
und zum Teil auch schlechte Erfahrungen mit den hinaus- 
gesandten Großstadttinder». Ta aber die Erholungsbe 
dürftigkeit und Unterernährung der Stadtkinder in diesem 
Jähre noch gestiegen ist, muß es Aufgäbe aller beteiligten 
Kreise sein, die Zahl der auf dem Lande unterzubringenden 
Kinder swiedcr zu erhöhen. Auf welche Weise dies trotz 
al.en Schwierigleite» zu erreichen ist, dafür gibt Gemeinde- 
Obersekretär B o r ck»F r i c d c n a n sehr beachtenswerte, 
ans eigener praktischer Werbearbeit beruhende Fingerzeige 
in einem warmherzigen, von Liebe zur Sache und zu den 
Kindern getragenen Aufsatz.im Preußischen Berwaltungs- 
blatt. Er kommt zu dem Ergebnis, daß ans Grund emsiger, 
unermüdlicher Werby-Kleiiiarbeit durch geeignete Wecbe- 
kräfte der Anteil der Landbevölkerung an der Unterbrin 
gung der Stadtkinder auf dem Lande wieder gehoben wer 
den kann. „Wir müssep ihnen zeigen, wie groß die Not 
und wie dringend nötig die Hilfe ist, indem wir uns auf 
machen und selbst hinausgehen zu einem jeden von ihnen, 
um ihm persönlich das Elend unserer Kinder zu schildern 
und 'zu bitten, daß jeder sich eines Kindes erbarmen möge." 
Friedenau, das 191.9 bei der Unterbringung der Kin 
der wohl am Besten abschnitt, hat mit dieser Werbe- und 
Aufklärungsarbeit die' besten Erfahrungen gemacht. Ter 
Aufnahmekreis der Gemeinde ist ein Landkreis in Mecklen 
burg. Ucbcrstürzte Arbeit uud Mißgriffe bei der Aus 
wallt der Kinder hatten 1917 die größte Mißstimmung und 
Abneigung der Landbevölkerung heraufbeschworen, so daß 
die Aussichten für 1918 ganz trostlos waren. Man rech 
nete mit nur wenigen Stellen. Dennoch konnten 1918 
gegen 400 Kinder untergebracht werden, urrd die Zahl 
stieg 1919 sogar auf fast 500 — etwa der fünfte Teil 
aller .Friedenau er Volksschnlkinder. Diesen über 
raschenden Erfolg verdankt Friedenau seinem Wecbesystem! 
Im Frühjahr gingen geeignete Personen hinaus und 
zogen von Ort zu O r t, v o n H aus zu H aus, um 
dort draußen Liebe und Erbarmen zu wecken und die Men 
schen von der Großstadtnot zu überzeugen. 
o Ter Krieger- und Landwehr-Verein, Berlin-Fric- 
drnan hielt am Sonnabend, den 0. d. Mts., im Vereuis- 
zimmer des Ratskellers seine MonatSvcrsammlung ab. 
Kam. Vorsitzender Evers erinnerte in seiner Eröffnungs 
ansprache an das schimpfliche, nun aufgegebene Aus- 
kicfernngsverlangen der Entente, das gescheitert sc! an 
dem einigen Zusammenstehen unseres: Volkes »sie an einer 
stählernen Mauer. Und wären damals Einigkeit und Ent- 
schlossenheit gewesen, wohl nie wäre es zu dem Schmach- 
frieden gekommen, unter dem wir jetzr seufzen. Nach 
Absingen unseres Nationalliedes gedachte Kam. Führer 
des Ablebens des Vorsitzenden des Kreiskriegerverbandes 
Teltow, Rechnungsrat Schliep er, in dem der Verband 
ein treues eifriges Mitglied verloren hat. An. der Be- 
eerdigung am 17. Februar in Wilmersdorf nahmen. 35 
Vereine mit ihren Fahnen teil, auch der hiesige Verein 
war vertreten. Es erfolgte nun die Aufnahme von sechs 
neuen Mitgliedern. Hieran schloß sich die feierliche Ucber- 
reichnng der Ehrennadeln für 25 jähr. Vereinszugehörig- 
keit an die Mitglieder, welche in den letzten Jahren auf 
diese Zeit zurückblicken konnten. In den Kriegsjahren ist 
eine Beschaffung der Nadeln nicht möglich gewesen. Es 
sind dies die Kameraden: Baumgarth, Cares, Loose, Naß. 
Panzer, Topolinstt, Geie, Schlefeldt, Kuhn, Pliesener, 
Seiffert, Linke, Lorenz, Miermeister. Sols, Thons, Prnß, 
Wvlschke; inzwischen bechvrbcn sind die^Kam. Koch und 
Marschner. Hieran abschließend ergriff Kam. Dr. Benthin 
das Wort zu sinnigen Betrachtungen über die deutsche
        
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