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Periodical volume Nr. 59, 09.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Ar. 59 
Berl!u-SrledrLM, Iieustag. des 9 März 1829 
Lahrs. 27 
OrtsnackrickterZ 
(Nachdr. unsrer o-OriginolartUel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Tie Tätigkeit unseres Einigungsamtes erläutert 
der folgende Geschäftsbericht. (Stand vom 1. März 1920). 
Am 1. Februar d. Js. waren nach dem Tagebuch noch 
an unerledigten Anträgen vorhaben 3015, dazu Ge 
samtzugänge im Februar 455», zusammen: 3470 Anträge. 
In den Zugängen sind enthalten: 1 Schlichtungsantrag 
in einer Hypothekensache, 306 Anträge in Beschlustsachen, 
darunter 26 Anträge deS Wohnungsamtes auf Prüfung 
bezw. Zwangsfestseyung-des Mietspreises, sowie 148 An 
träge an die Schiedsstelle. Es wurden erledigt: a) Schlich-- 
tungsfachen keine, bl Beschlustsachen (6Sitzungen) durch 
schlüsse 40, durch Bergleiche 15, durch Zurücknahme 21, 
zusammen 76; e) Angelegenheiten der Schiedsstelle (31 
Sitzungen) durch Beschlüsse 394, durch Bergleiche 37, 
durch Zurücknahme 150, zusammen 581; insgesamt er 
ledigte Anträge 657. Es bleiben mithin noch zu erledigen 
2813 Anträge. Der Borsitzende des Einigungsamtes ist 
Herr Gemeindesyndikus Stur m. 
o Ern« Skratzendahnsahrt 50 Pfg.k Der 'Aussichts- 
rab der großen Berliner Straßenbahn hat mit nickst un 
beträchtlicher Stimmenmehrheit sich für die Einführung des 
50 Pfg.-Einheitstarifs vom 1. April ab entschieden. Das 
letzte Wort hat nun die Bcrbandsversammlung, die in etwa 
8 Tagen zusammentritt. 
o Eine 120 M illionen-Anleihe der Großen Der1in>ei: 
Strnßcnbachr. Der Aufsichtsrat der Großen Berliner 
Straßenbahn trat gestern (Montag) im DirektioirSgebäud« 
am Leipziger Platz zu einer mehrstündigen Sitzung zu 
sammen. Wie wir erfahren, wurde u. a. beschlossen, für 
die Erneuerung und den Ausbau des Unternchinens eine 
Anleihe in Höhe von 120 Millionen Mark auszuneb- 
men. Da der Verband Groß-Berlin außerdem den A:it, 
kauf der Dauerwälder, wofür der Fiskus die Raten bisher 
zinslos gestundet hat, durch eine Anleihe von 20 Millionen 
Mark decken will, werden vom Verband Groß-Berlin inis- 
gesamt 150 Millionen aus Anleihemitteln entnommen 
werden. 
o Ein« Neichsstakistik der Löhne und Gehälter. In 
Verbindung mit einer Erhebung über die Teuerungs- 
Verhältnisse soll in allernächster Zeit aus Reichskästen ein«! 
Lohnstatistik für Arbeiter und eine Gelmltsstatistik für 
Angestellte angefertigt werden. Die hierfür maßgeblichen 
Grundsätze sind in eingehenden Beratungen de^ beteilig 
ten Ministerien, statistischen Aemter, der Zcnkralarbeits- 
gemeinfchast der industriellen und gewerblichen Arbeit 
geber und Arbeitnehmer sowie bedeutender Arbeitgebers 
und Arbeitnehmerverbände sestgelegt worden. •> 
o Tic Reifeprüfung am Realgymnasium bestanden am 
Montag, den 8. März, die Oberprimaner: Adolf EohrS, 
Günther Dietze, Hans Dimzait, Fritz Falk. Erwin Köhler, 
Fritz Klingler, Gerhard Krüger, Horst Mickurel, Botho 
Müller, Lothar Petersen, Wilfried Schüler, Rudolf Tiebe. 
Bon der mündlichen Prüfung wurden befreit: Adolf Eohrs, 
Erwin Köbler, Gerhard Krüger, Horst Michael, Botho 
Müller. Willried Schüler. 
o Obemirusikmerster Lcbede, lange Jahre Dirigent der 
Kapelle des Eisenbahnregiments, ist am 6. März an 
Herzlähmung im 79. Lebenssahre in Steglitz gestorben. 
Tie Beerdigung findet morgen (Mittwoch) vormittag 11 
Uhr auf dem Steglitzer Friedhofe statt. 
o Tie Dtrnribusneröiudung«n Zoo—Friedenau—Steg 
litz. Nack Schluß des Straßenbahnverkehrs tritt zwischen 
Zoologifcher Garten, Friedenau und Steglitz Omnibus 
vre Briefe der Prinzessin. 
Bon G. PH. Oppenheim. 
9 (Nachdruck verboten.) 
Ihre Verabredung wird Sie hoffentlich nicht hindern, 
sich frühzeitig schlafen zu legen, lieber junger Freund," 
sagte er zwi,chen Ernst und Scherz. „Ich glaube-beinahe, 
daß Sie sich in der letzten Zeit ein bißchen zw viel zu 
gemutet haben, in der Arbeit und viellercht auch n der 
Zerstreuung. Ein paar Nächte voll ordentlichen, gesunden 
Schlafes sind noch immer das beste Mittel gewesen, die 
gestörte Ordnung wieder herzustellen.- . f 
Er schüttelte ihm kräfttg die Hand, und Hamau folgte 
seinem Beispiel. Dr. Dombromski aber hatte sich erhoben 
und war an einen anderen Tisch getreten, noch ehe Holl- 
selben sich zu ihm hatte wenden können. So verlieh der 
junge Schriftsteller das Zimmer, ohne sich von dem Polen 
verabschiedet zu haben. . 
4. Kapitel. , ' 
Sobald sich die Tür hinter dem Fortgehenden ge- 
schloffen hatte, kehrte Dr. Dombrowski an den Tisch des 
Oberstleutnants zurück und nahm, ohne em Wort zu 
sprechen, seinen vorigen Platz wieder ein. 
P Für die Dauer einiger Minuten herrschte tiefes 
Sckweiaen zwischen den Dreien, dann wandte sich der 
Oberstleutnant mit tieferem Ernst, als es sonst seme Art 
war. an Dombrowski: . 
„Ich kann nicht verhehlen, lieber Doktor, daß Ihre 
Fragen und Bemerkungen bei unserm eben geführten Ge 
spräch mich ein wenig befremdet haben. Zuweilen hatte 
man beinahe versucht sein können, etwas Besonderes da- 
Besonderes? — Inwiefern > Herr Oberst 
leutnant^^ ^ nun , um es gerade herauszusagen, etwas 
wie einen Argwohn gegen unseren Freund öiollfelde». 
betrieb ein. Es ist die Linie 2, die in Abständen von 
4 bis 7 Minuten, den Bahnhof Zoo mit Friedenau-Steg-- 
litz verkir.det, sie trägt grüne Laternen und verkehrt 
vom Zoo von 11 Uhr nachts bis 1,35, von Friedenau-. 
Steglitz von 11,35 bis 2,21; von 12,13 bis 1,42 nacksts 
fahren besondere Wagen vom Zoo bis Kaiscrplatz, in der 
Gegenrichtung von 12,40 bis 2,09. Ein Teil der Wagen 
dieser Linie nimmt nach Theaterschluß aus dem Zentrum 
Fahrgäste nach dem Zoo mit. 
o Tie neuen hohen Btorpreise sind seit gestern in 
Kraft getreten. Zwischen den Gastivirte- und den Brauerei- 
verl-änden ist eine Vereinbarung dahin getroffen worben, 
daß diejenigen Gastwirte, die die^e Preise nicht iniuchalten, 
von der Bierbeliescrung ausgeschlossen werden. Hierdurch 
soll den Schleudergeschäften im Gastwirtsgewerbe entgegen 
getreten werden. Ebenso haben sich -die Brauereien ver 
pflichtet, an Privatpersonen kein Flaschenbier mehr zu 
liefern. Auch die Grünkram- und Kolonialwarenhändler 
müssen die vorgeschriebenen Flaschenbierpreise innehalten. 
Tie Gastwirte haben hierfür das Faßpfand auf sich neh 
men müssen. Uin der Berschiedenartigkeit im Gastwirte- 
gewerbe Rechnung zu tragen, sind 3 Klassen festgelegt 
fetzt »vordem Zur Klasse 1 gehören alle etnsach-en Gast 
wirtschaften ohne Kellnerbedienung, zur Klasse 2 alle sogen, 
bürgerlichen Familien-Restaurants mit Kellnerbedienung 
(hierzu gehören in Friedenau die Wirtschaften: Kaiser 
eiche, Hohenzollern, Ratskeller, Prinz Handjery, Kaiser- 
burg usw.), zu Klasse 3 alle größeren Kaffeehäuser und 
Vergnügungsstätten. In Klasse I muß für den Liter 
Lager- und Süßbier 1,60 M., in Klasse II 2,40 M-, in 
Klasse III 3 M. gefordert werden. Beim Verkauf außer 
dein Hause sind sür den Liter 1,50 M- zu fordern. Die 
kleine Weiße muß inr Lokal 60 Pfg., außer dem Hause 
50 Pfg., die große Weiße im Lokal 1,10 M., außer dem 
Hause 1 M- kosten. Der Preis für- Flaschenbier beträgt 
50 Psg. je Flasche. Ferner hat der hiesige Verein der 
Gast- und Schankwirte gestern beschlossen, ein Liter sogcn. 
„echtcs" Bier (Münchener, Kulmbachcr usw.) im Lokal nicht 
unter 3 M. zu verkaufen. Für den Verkauf von echtem 
Bier außer dem Hause tvurde kein Preis festgesetzt. 
Die Einzelausschankpreise sind den Litcrpreisen ent 
sprechend festzusetzen, sodaß z. D. °/ra Lkr.' in einfachen 
Lokalen 60 Pfg., in besseren Letalen 75 Psg., Vio 
Liter in einfachen Lokalen 75 Psg., in besseren Lokalen 
1 Mark kosten. Zur lleberwachung dieser Preisbestiän- 
mungen wurde vom hiesigen Gastwirteverein ein Arm 
schutz eingesetzt, dem angehören die Kollegen Schmidt, 
Pflug, RodomiinSky, Horn und Wanke. 
o Ludwig Wülürer, der in diesen Tagen in Steglitz, 
Schöneberg und anderen Bororten, am Donnerstag hier 
im Resormrealgymnasium (Homuthstraße) spielt und überall 
begeistert cnrpsangen wurde, hat sich auf Einladung der 
Kunstgemeinde bereit erklärt, am kommeirücn Sonn 
tag, dem 14. Mürz, abends um 7(4 Uhr in dem wunder 
schönen Saal deS neuen Rathauses in Schüneberg 
nochmals vorzutragen und so den vielen Hunderten, die 
vor ausverkaustem Hause umkehren mußten, Gelegenheit zu 
geben, ihn zu hören. Er hat eine ganz neue Vortrags- 
solge zusammengestellt, so bringt er von Altmeister Goethe 
„Ter Gott und die Bajadere" und „Prometheus", von 
Schiller „Die Bürgschaft" und die Posa-Szenen aus „Don 
Carlos" und Andersens feinstes Märchen „Die Glocke". 
Dem Künstler und seiner Kunst brauchen wir Worte, 
der Empfehlung nicht mit auf den Weg geben, es seit 
aber hervorgehoben, daß auch den Augen der Besuchers 
etwas ganz besonderes geboten wird, denn das neue Rat 
haus in Sckchneberg und besonders die mit wertvollen 
„Ich erinnere mich nicht, derartiges geäußert zu 
haben. Aber es würde mich allerdings kaum sonderlich in 
Erstaunen setzen, einem solchen Argwohn bei anderen zu 
begegnen." 
„Das läuft im Grunde so ziemlich auf dasselbe 
hinaus. Und ich gestehe, daß es mich sehr peinlich berührt 
Ein Mann wie Hollselden sollte doch wahrlich gegen jeden 
Verdacht geschützt sein." 
„Wenn er es in diesem Fall nicht ist, so darf er 
niemanden dafür verantwortlich machen als sich selbst. . . 
„Wie soll ich das verstehen?- 
„Sie »erden mir zugeben, daß sein Benehmen in jener 
RRcht ein recht sonderbares gewesen ist, von den Sonder 
barkeiten seines späteren Benehmens ganz zu schweigen. 
Es ist eine merkwürdige Reihe von Zufälligkeiten, die da 
ihr Spiel mit ihm getrieben haben. Kriminalisten aber 
haben nun einmal die üble Gewohnheit, solchen Zufällige 
ketten, namentlich wenn sie sich in rascher Folge häufen, 
ein stark ausgeprägtes Mißtrauen entgegenzubringen." 
„Aber angenommen selbst,- es wäre etwas Berechtigtes 
in dem, was Sie da sagen, ein Verdacht gegen Hollselden 
könnte schon deshalb nicht aufkommen, weil für die An 
nahme seiner Beteiligung an dem Verbrechen auch nicht 
der leiseste Schatten eines Beweggrundes ins Feld geführt 
werden könnte. Dieser Martens war ihm nicht mehr und 
nicht weniger als ein gleichgültiger Fremder. Er kannte 
ihn nur von siüchtigen Begegnungen auf der Treppe her. 
Sie härten es ja soeben aus seinem eigenen Munde." 
„So sagte er, ja. Und er sagte auch, daß ihm der 
Mann höchst widerwärtig gewesen sei." 
Der Lberstleutnant laa;clte. 
„Und weil er ihm ebenso widerwärtig war, wie er es 
wahrscheinlich auch Ihnen und mir gewesen sein würde, 
darum finden Sie es nun am Ende ganz natürlich, daß 
er ihn umgebracht habe." 
„Neiy. Ich betone» daß ich bis zu diesem Augenblick 
für meine Pees«» keinen »erdacht gegen Herrn Hollselden 
ausgesprochen habe. Aber wenn ich sonsiige Gründe für 
eine» solchen Verdacht hätte, würde es mich kaum beirren. 
Fresken geschmückte BrandenburghaUe sind eine sehr 
beachtenswerte Sehenswürdigkeit, der rechte Rahmen für 
des Meisters große Kunst. Karten in der Geschäftsstelle, 
Hauptstraße 26, und bei Max- Teschner, Schloßstr. 93. 
o Im 14. Kutrstgemcinde-Apend am letzten Freitag 
im Steglitzer Lyzesim hörten die wieder in großer Zahl 
anwesenden Besucher zwei hier bisher nicht belang 
Künstler: Inge Thorsen von der Hamburger Oper und 
Ludwig Hardt. Eine Sängerin mit seltener Gabe er 
freute da Ohr und Herz. Das war die Stimme des 
Waldvögeleins, das frohgemut in den lachenden Morgen 
hineinjubiliert, die Lerche, die im Tirillieren zur Sonne 
ansteigt. Ausgezeichnet gebildet ist die von Natur schon 
sichöne Stimme, die in reizenden Koloraturen, im Wohl 
lauten Ziergesang, ungekünstelt in süßen, lieblichen Tönen 
erklingt. Di.es besonders in der hierfür wie geschaffenen 
Eavatine der Rosine aus dem „Barbier von .Sevilla". 
Aber auch im Liedergesang bot sie Vorzügliches durch 
innigen, an Lebhaftigkeit und Schwung, wie andererseits 
an Zartheit und Herzlichkeit nichts einbüßendem Vor 
trag, Strauß und Reger fanden in ihr eine gute Inter 
pretin. So durste Inge Thorsen lauten Beisall der be 
geisterten Zuhörer entgegennehmen. Begleitet wurde sie 
in zartanpassender Weise von Kurt Johnen. Ludwig 
Hardt sprach zunächst Gedichte von Liliencron. Tie 
köstlichen derbkvnnschen AugenblickSbildcr des „jungen" 
Liliencron trug der auch darstellerisch hervorragende Künst 
ler ebenso wirkungsvoll vor wie die Verse des älteren 
TichterS, namentlich sein auf dem Totenbett verfaßtes 
„Begräbnis". Dann kam Klaus Groth in niederdeutscher 
Mundart zu Worte. Die sinnigen, gemütvollen Verse 
wurden durch Ludwig Hardt meisterhaft wiedergegeben. 
Den Schluß machte der plattdeutsche Humor in der hübschen 
Fabel der Gebrüder Glimm vom Wettlauf zwischen ,T>as 
un Swinegel". Rauschender Beifall dankte auch diesem 
Künstler. Ms. 
o Eine Kundgebung zur Erneuerung der öffentlichen 
Verwaltung veranstalteten am Donnerstag, den 4. d. Mts. 
zu Berlin im ehemaligen Herrenhause der Teutsche Ver 
band Technisch Wissenschaftlicher Vereine, der Deutsche 
Volkswirtschaftliche Verband, der Mitteleuropäische Ver 
band Akademischer Ingenieur-Vereine, der Reichsausschuß! 
der Akademischen Derufsstände, der Reichsbund Deutscher 
Technik und der Reichsverband-hfN Deutschen Presse. Der 
Vorsitzende des Dcutsck)en Dolkswirtschastlichen Verbandes, 
Tr. Rudolf Schneidep, (Reichsvcrband der Deutschen In 
dustrie) begrüßte im Namen der einladenden Verband« 
die Erschienenen, insbesondere auch die zahlreichen Ver- 
'trcter der Ministerien und sonstigen Behörden und wies 
aus die zentrale Bedeutung der Verwaltungsreform sür 
den Wiederaufbau Deutschlands hin. Nach Berichten von 
Dr. Heinzig, Geh. Ober-Postrat Professor Dr. Strecker, 
Dr. Neubronner, Dr.-Jng. Siedler, Professor Dr. H.E. 
Krueger u. a. sowie einer Erklärung des Assessors von 
Harnack im Namen des Preußischen Kultusministers wurde 
das grundsätzliche Einverständnis der Versammlung ^init 
folgenden Richtlinien festgestellt: „1. Der deutsche Beamt« 
soll charakterfest und unbestechlich, berufS- und berank 
wortungSfreudig sein und nur das Wohl der Allgemeinheit 
im Auge haben. Er soll sür seinen Beruf auf die voll- 
kommendste Weise vor- - und ausgebildet werden. 2. Die 
Vorbildung für den höheren Verwaltungsdienst wrrd durch 
eiit abgeschlosienes Hochschulstudium, verbunden mit prak 
tischer Tängkeit, die Ausbildung durch einen mehrjährigen 
Vorbereitungsdienst gewonnen. Für den Eintritt in die 
höhere allgemeine Verwaltung sind alle Studienfächep, 
deren Gegenstand sür die Verwaltuna von Bet> t >Ia 
Daß, wie Sie sagen, auch nicht der Schatten eines Motivs 
vorhanden zu sein scheint. Was wissen wir denn schließlich 
von dem Innenleben selbst unserer besten Freunde? Wir 
würden oft genug bestürzt sein, wenn sich uns offenbarte, 
in wie gewaltigen Irrtümern wir uns bei ihrer Beurtei 
lung bewegten." 
Arnftorf strich seinen grauen Schnurrbart. 
„Für die Mehrzahl der Menschen mag das vielleicht 
zutreffen," sagte er, „aber gerade für unseren-Freund Holl- 
felden möchte ich es nicht gelten lassen. Er ist kein Ge 
heimniskrämer, Leute vvn seinem Temperament pflegen im 
Gegenteil ihr Herz nur zu leicht auf der Zunge zu tragen.- 
„Was doch wohl nicht auslchließt, daß auch sie ihre Ge 
heimnisse haben können. Gerade nnt Leuten, bei denen 
wir am wenigsten darauf gefaßt waren, erleben wir zu 
weilen die wunderbaisteu Dinge. — Ein Leben ohne Fehl 
und Makel, ohne Torheiten oder gelegentliche Verstöße 
gegen Ge etz und Recht ist ein Luxus, den sich am Ende 
doch nur sehr wenige Sterbliche leisten können." 
Der Oberstleutnant fixierte ihn mit einem sehr ernsten 
Blick. 
„Sie halten den Mann, von dem wir reden, also in der 
Tat eines gemeinen Verbi echens fähig?" 
„Meine Worte waren nicht lediglich auf Herrn Holl- 
felden gemünzt, sondern ich sprach ganz allgemein. Täuschen 
wir uns doch nicht über uns selbst, verehrter Herr Oberst 
leutnant. Gewiß sind wir alle durchaus beiechtigt, uns 
für ehrenwerte Männer und Gentlemen zu hallen. Und 
doch, ist auch nur einer von uns ganz sicher, daß er 
nicht unter dem Zwang irgendwelcher Umstände etwas tun 
könnte, was die öffentliche Meinung oder der Buchstaben 
des Gesetzes als ein Verbrechen bezeichnen würden? Nur 
ein Pharisäer könnte diese Frage verneinen. Und wenn 
wir sogar unserer selbst so wenig sicher sind, wie könnten 
wir da irgendwelche Bürgschaft für einen anderen über 
nehmen. von dessen Juneniebeu wir nichts oder jo gut wie 
Nichts wissen?" ^ - - - 
Lortsetzuug folgt.)
        
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