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Periodical volume Nr. 58, 08.03.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berlill'Friedeaav, Montag, Den 8 März MV 
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Die Merubeiratswahlen an den höheren 
Schulen. 
1 Sozialdemokrat am Neformrealgymuasium gewählt. 
Größere Beachtung verdiente gestern nur die Wahl 
am R es o rm r e a l g y mnasitun, wo zwei Listen vor 
handen waren, eine christlich-unpolitische und eine so 
zialistische. Durch die rege Wahlarbeit war die Betei 
ligung auch eine verhältnismäßig hohe. Es übten von 
1619 eingetragenen Wählern 1297 oder 76 v. H. ihr 
Wahlrecht ans. 1291 Stimmen waren gültig, 6 ungül 
tig. Für die christlich-unpolitische Liste wurden 113.1 
Stimmen, für die sozialdemokratische 92 Stimmen ai- 
gegeben. Darnach erhielten von 20 Sitzen die Christlich 
unpolitischen 19 Sitze, die Sozialdemokraten nur ISiy; 
den letzteren Werkmeister Bernhard Göbcl. 
An den übrigen Schulen, >vv nur je eine unpolitisch- 
christliche Liste vorlag, war die Wahl nur Formsache, 
demnach die Wahlbeteiligung auch gering. Es wählten ain 
Gymnasium etwa 40 v. H.; einstimmig wurden die 
16 Kandidaten der unpolitisch-christlichen Liste mit 5l‘9 
Stimmen gewählt. Am Königin-Lu ise°Lyzeu in 
wählten von 1494 Wahlberechtigten 646 oder 45 v. H., 
1 Stimme war ungültig. — An den Privatschulen, über 
die uns die genauen Zahlen noch nicht vorliegen, war die 
Wahlbeteiligung die gleiche. Auch an diesen Schulen wurde 
nur die christlich-unpolitische Liste gewählt. 
O rrs n n rh ri cht n 
Machdr. unsrer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Gegkjn die Einheitsgemeinde GroßeBcrlin richtetet 
sich eine Protestversammlung, die gestern Vormittag iin 
Fcstsaale des Charlottenburger Rathauses stattfand und 
unter der Leitung des Charlottenburger Stadtverordnetpn- 
vorstehers Dr. Borchardt statt. Den Hauptvortrag hielt 
Stadttat Dr. Spicgel-Chaclottenburg. Nach ihm sprachen 
Redner aus den verschiedensten Vororten, u. a. auch der 
Geschäftsführer der Berliner Vorortgemeinschaft Gemeinde- 
syndikus Sturm (Friedenau). Einstimmig wurde eine 
Entschließung angenommen, in der gegen die Bil 
dung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin schärfster Widerp 
sprnch erhoben wird. Die Versammlung erklärt sich ctit» 
verstanden mit der Zusammenlegung kleiner lebensschwachvr 
Landgemeinden und Gutsbezirke zu einer leistungsfähigen 
Gemeinde. Unter grundsätzlicher Ausrechterhaltung der 
Einzclgemeinde wird die Uebertragung der notwendigen 
Gemcinschaftsausgaben an einen zu bildenden Kommunal 
verband gewünscht. Bei jeder anderen Lösung würde die 
vorbildliche Entwicklung von Groß-Berlin einen nicht 
wieder gut zu machenden Schaden erleide« und der Fort 
bestand der Provinz Brandenburg in Frage gestellt wer 
den. Es wurde ein Ausschuß gewählt, der mit der Preußi 
schen Landesversammlung in dieser Frage nochmals ver- 
handeln soll. Mitglied dieses Ausschusses wurde u. 'a., 
auch Gemcindesyndikus Sturm. 
o Gerichtliches! Vorgeben: gegen Saboteure der Er- 
nihrungstrirtschaft. Aus Grund eines Ersuchens des 
Reichswirtschastsministers hat der Justizminister die Beam- 
len der Staatsanwaltschaft angewiesen, gegen solche Per 
sonen energisch vorzugehen, welche Landwirte zur Nicht- 
abliescrung öffentlich bewirtschafteter Erzeugnisse auf 
wiegeln. In Zukunft hat also jeder, der Erzeuger von 
Getreide. Viehs Kartoffeln usw. auffordert, ihrer Liefen 
rungspslicht ,nicht nachzukommen eine Anklage gemäß 
8 410, 111 des Strafgesetzbuches und entsprechende Be 
strafung zu gewärtigen. 
o Tie drstrhrnde Unsicherheit auf den Landstraßen und 
die in letzter Zeit wiederholt vorgekommenen Ueoersällei 
aus Posten haben die Ober-Postdirektion in Berlin ge 
zwungen, bis auf weiteres mit den in der Dunkelheit 
verkehrenden Posten, die ganz oder teilweife durch unbe 
baute Straßen fahren müssen, Wertsendungen nicht inehr 
zu befördern. Tie Bewohner iil den hiervon betroffenen 
f Vororten Berlins müssen daher mit einer verspäteten 
, Beförderung oder Zustellung jhrer Wertfendungen rechnen. 
> o Tie Einfuhr von Rahrungs- und Genußmittel t. 
j Für Ein- und Ausfuhrbewilligungen bedarf es der Zrs- 
j ziehung gewerbsmäßiger Vermittler nicl't, durch die die 
. Unkosten erheblich verteuert werden. Ohne besondere Be 
willigung ist. zurzeit die Einfuhr von Hülsenfrücksten 
(Erbsen einschließlich Peluschken, Bohnen einschließlich 
Ackerbvhnen und Linse») sowie aller Produkte und Llb- 
sälle derselben, - welche durch Vermahlen, Schälen oder 
Schroten gewonnen werden. Reis, Reisabsällcn sowie 
Mischungen von Reis und Reisabsällen mit anderen Er 
zeugnissen und Kakaobohnen (roh oder geröstet) gestattet. 
Für andere Lebensmittel ist Einfuhrantrag unter An 
gabe der Art und Menge der einzuführenden Waren, der 
Qualität, des Preises, der Zahlnngs- und Lieferungsbe 
dingungen, des Herkunftslandes, der Empfangsadresse und 
der Station, über die die Einfuhr erfolgen soll, bei jscn 
zuständigen Reichsstellcn zu beantragen. 
o Ernennung. Ter Bausekretär Alfred K i n d l e r in 
Friedenau ist zum Geheimen bautcchnifchen Revisor im 
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forste 
ernannt ivorden. 
o Bezirks wirtschuftsräte Und Handclskaminern. 
Zwischen dem Reichswirtschastsministerium und den Mit 
gliedern des Ausschusses für Volkswirtschaft des Reichsrats 
haben Erörterungen über die Bildung der Bezirkswihr- 
schastsräte stattgefunden, bei denen auch Uinsang und In 
halt eines vom Reiche zu erlassenden Rahmengesetzes für 
die Handelskammern eine Rolle gespielt haben. 
o Freigabe von Obsttvvin. Von der in Liquidation 
befindlichen Geschästsabteikung der Reichsstclle für Ge- 
müse und Obst ist der Absatz von Obstwein aller Arten 
ohne Festsetzung von Höchstpreisen freigegeben wordcn. 
Nur der Verkehr mit Heidclbcerwcin unterliegt noch ge 
wissen Beschränkungen. 
o Versorg»:,nz mit Heringen. Aus neuen mit Nor 
wegen abgeschlossenen Kaufkontrakten kamen die ersten 
Frischheringssendungcn zur Abladung. Tie heimischen 
Hochseefischereien sind durch den Streik der Kapitäne in 
den in Frage kommenden Seestädten und durch außer 
ordentlich starken Kohlenmangel sehr behindert. 
o Tic Anordnung über die Minderungsansprüche der 
Mieter bei verminderter Warmwasserlieferung durch den 
Hauswirt ist neu beschlossen worden. Sie umfaßt die Zeit 
vom 1. September 1919 bis 91. März 1920. l Die 
Anordnung ivird in den nächsten Tagen veröffentlicht 
werden. 
o Dezeichjnnng „Leihhaus". Ueber die Zulässig!keit 
der Bezeichnung „Leihhaus" in ösfentlichcnn Bekannt 
machungen hat sich kürzlich das Kammergcricht in einer 
bemerkenswerten Entscheidung ausgesprochen. Bekanntlich 
betreiben eine Reihe von Pfandleihern neben ihrem Psand- 
leihgewerbe noch ein reines Handelsgeschäft, indein sie 
u. a. Pclzwaren, Pianos, Fahrräder usw. aufkaufen und 
diese Waren unter der Firma bezw. Bezeichnung „Leih 
haus" wieder zum Verkauf stellen. Hierin erblickte die 
Die Briefe der Prinzessin. 
Don E. Ph. Oppenheint»' 
g (Nachdruck verboten.) 
„Pardon, lieber Doktor! Es will mir im Gegenteil 
scheinen, als ob man da noch vor manchem ungelöste« 
Rätsel stände. Man hat ein paar klein» Mädchen all 
dem Eldorado-Theater vernommen und hat von ihnen 
erfahren, daß Martens den letzten Abend und die letzte 
Nacht seines Lebens in ihrer Gesellschaft zugebracht habe. 
Es hat sich ferner ein Droschkenkutscher gemeldet, der ihn 
aus der London Bar. wo er fi* »on der ausdauerndsten 
seiner schönen Begleiterinnen verabschiedet, nach der Ranke- 
straße gefahren hat, und man weiß aus der gbaubwurdtgen 
Bekundung dieses biederen Mannes, daß Martens, der 
ihm nicht mur dem Aussehen, sondern auch dem Namen 
nach genau bekannt war, ohne Begleitung nach Hause zm 
rückgekehrt ist. Ueber den Dingen aber, die sich nach 
seinem Eintritt in das Haus zugetragen, liegt ein undurch- 
- " B Ä M ©un n t t el L *in das nur die Wahrnehmungen des 
Herrn Hollfelden etwas wie einen schwachen Lichtschimmer 
"^Dombrowski hatte nicht aufgeblickt, während er das 
sagte und es war auch nichts Anzügliches im Ton seiner 
K gewesen. Dessenungeachtet fuhr der junge Schrift- 
' steiler beinahe ungestüm auf. miahor u n tu 
Meine Wahrnehmungen? wiederholte er. „Jcg 
wüßte in der Tat nicht, inwiefern sie danach angetan waren, 
den Hergang der verbrecherischen Tat aufzuklaren. 
Der Oberstleutnant legte ihm wie beschwichNgend die 
,^°^Natürüch sind sie nicht danach angetan." stimmte er 
zu denn da Sie ja ohne Zweifel der Polizei und dem 
Untersuchungsrichter alle diese Wahrnehmungen mitgeteilt 
haben, ^tte es ja in solchem Fall den Herren bereis ge 
lingen müssen, den Schleier zu lüsten. Aber was S^e 
erlebt haben, macht die Sache nur geheimnisvoller. Sic. 
sitzen um Mitternacht in Ibrein Zimmer, als ein Unbe 
kannter, ein Mensch, der sich beharrlich weigert, seine« 
Namen zu nennen, die Unverschämtheit besitzt. Sie an den 
Fernsprecher zu rufen, zu keinem anderen Bweck, als um 
Ihnen eine dringliche Botschaft aufzutragen a» jemanden, 
der Ihnen ebenfalls nicht weiter als dem Rainen und der 
äußeren Erscheinung nach bekannt ist. Denn Sie unter 
hielten doch keinerlei Beziehungen zu diesem Martens, nicht 
wahr?" 
„Nicht die geringsten," bestätigte Hollfelden mit merk 
würdig heiserer Summe. „Ich mag ihm etwa ein dutzend 
mal auf der Treppe begegnet sein, und wir hatten uns 
gegrüßt, wie es unter Leuten Brauch ist, die im nämlichen 
Hause wohnen. Im übrigen war mir der Mann nicht 
nur gleichgültig, sondern beinahe widerwärtig." 
„Natürlich, da Ihnen ja seine Lebensgewohnheiten 
nicht unbekannt geblieben waren. Sie empfingen also jene 
sonderbare Botschaft am Telephon, die Botschaft, daß 
Martens um drei Uhr früh zur Erledigung einer wichtigen 
Angelegenheit im Savoy-Hotel erwartet werde, und Sie 
waren liebenswürdig genug, den unter den obwaltenden 
Umständen mindestens ungewöhnlichen Auftrag zu über 
nehmen." 
„Eine Liebenswürdigkeit, die in der Tat wohl nicht 
jeder gehabt haben würde," warf Dombrowski in seiner 
müden Weise ein, während sein gelbes Gesicht undurch 
dringlich blieb wie zuvor. „Zumal da die Ausführung mit 
so erheblichen Unbequemlichkeiten verknüpft war." 
„Gewiß," fuhr der Oberstleutnant fort. „Eine Un 
bequemlichkeit muß es immerhin genannt werden, wenn 
man zu nachtschlafender Zeit mit derartigen Dingen be 
helligt wird. An und für sich bedeutet es freilich keine 
übergroße Strapaze, ein paar Worte auf einen Zettel zu 
werfen und ein Stockwerk höher zu steigen, um diesen 
Zettel in die Türritze zu schieben." 
„Sie vergesien, Herr Oberstleutnant, daß Herr Holl 
felden die moralische Verpflichtung fühlte, seine Liebens 
würdigkeit noch viel weiter zu treiben. Er begnügte sich 
picht, die übernommene Mission in der erbetenen Weise 
Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs E, V., 
Berlin-Schönebcrg, eine unrichtige Angabe im.Sinn? des 
8 4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb und 
ging nach erfolgloser Verwarnung hiergegen vor. Das 
Kammergericht hat sich nun dieser Auffassung angeschlos 
sen und in seinem Urteil zum Ausdruck gebraßt, daß 
die Bezeichnung „Leihhaus" geeignet sei, den Anschein 
eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen. Das 
Publikum nehme an. daß es sich bei den unter dieser Be 
zeichnung zum Verkauf angebotenen Waren uni verfallene 
Pfänder handelt, und daß es ans diesem Grunde die 
Waren zu besonders billigen Preisen erstehen könnet. Es 
stelle somit eine Irreführung des Publikums dar, wenn 
die unter dieser Bezeichnung zum Verkauf angeborenen 
Gegenstände mit deut Psandleihgewerbe in gar keinem 
Zusammenhang gestanden haben. 
o Das Gksiurdhdtsbad im eigenen Helm. Von ärzt 
licher Seite wird uns geschrieben: Als Gesnndheitsbad 
im, eigenen Heim, das gleichzeitig ein L u f t- und L i ch 
bad ist, bezeichnet der bekannte Schweizer Narnrheilarzt 
Professor Wallis die täglich vormittags nach denn Uus- 
stehen und abends vor dem Schlafengehen vorzunehmenden 
Abwaschungen deS Oberkörpers in einem etwas warmen 
Raume, am besten in der Küche, im Schlafziminsr oder 
im Badezimmer, dessen Fenster nach Möglichkeit so geöff- 
nct werden können, daß sich der Körper während der Ab-' 
Waschungen auch gleichzeitig an frische Luft gewöhnt und 
^as Wass r. das man vorher jedesmal mit etiva 1 Eßlöffel 
milden Essigs »et njjft bat. unter der Einwirkung «rischer 
Luft seine wohltuende Wirkung auf den menschlichen ‘ 
und besonders auf die Poren der Haut ausüben kann s- ie 
Widerstandskraft wie auch vor allem die Ltärknng oer 
Nerven wird ferner dadurch noch wesentlich erhöht. daß 
man den Oberkörper nach jedesmaliger Waschung nur 
leicht abtrocknet und ihn dann etwa noch 5 bis lO'QJi* 
nuten von selbst in der Zimmerluft nachlrocknen läßr. 
Was bei diesen .Körperwaschungen von Lust und Licht 
gesagt worden ist, gilt auch für das Schlafen. Man ver 
meide es, ein Schlafzimmer durch überflüssige Gardinen 
und Vorhänge zu verdunkeln und durch geschlossene Fenster 
eine gesundheitswidrige Luft zu erzeugen, vielmehr hal:e 
man stets einen Teil der Gardinen und Vorhänge sowie 
auch einen Teil des Fensters in einem Schlafzimmer vor 
und während des Schlafens geöffnet, da dies im In 
teresse eines gefunden Schlafes liegt. Nach mannigfacDn. 
Erfahrungen des Pros. Wallis werden Kinder und vor 
allem Erwachsene beiderlei Geschlechts, die diese Vorschrift 
beachten, sich dauernd widerstandsfähig machen und vor 
Krankheiten aller Art schützen. 
o Ausstellung ehemals frldgraner Künstler. Die Ge 
meindevertretung hat den ehemals feldgr. Künstlern Frie-' 
denans in zuvorkommendster Weise den Festsaal des 'Rat 
hauses mit seinen Nebenränmen für ihre Ausstellung zur- 
Verfügung gestellt. Die Ausstellung findet vom 
28. März bis 24. April statt. 
o Einen Elternabend veranstaltet die 2. Gemeinde 
schule am Sonnabend, den 19. März, 7Vs UhrMbeiids, 
im Fcstsaale der 9. Gemcindeschule, Offcnbacher Straße. 
Die Festordnung, die znm, Eintritt berechtigt, kostet 50 
Pfennig und weist Sprechvortrügc und Chorgesänge. auf, 
ferner Ansprache de? Rektors. 
o Die Volkshochschule Fricdclnau hält am Donnerstag, 
den 1l. März, abends 8 Uhr, iin Gymnasium am May 
bachplatz eine Mitglieder-, Dozenten- und Hörcrversainin-. 
lung. Nei Abschluß deS 9. Lehrganges ist es unbedingt 
nötig, über die l^rjahrungen des abgeschlossenen und über 
auszuführen, sondern er opferte sogar seine Nachtruhe, um 
die Heimkehr des ihm fremden und widerwärtigen Mensche« 
abzuwarten, lediglich aus Besorgnis, daß Martens den für 
ihn so wichtigen Zettel in seinem vermutlich angeheiterten 
Zustande übersehen könnte. Habe ich da nicht recht, wenn 
ich sage, daß nicht jeder solche Gefälligkeit an den Tag 
gelegt haben würde?" 
Arnstorf schwieg ein paar Sekunden lang und sah den 
Sprechenden mit eigentümlich forschendem Blick an, wie 
wenn er durch irgend etwas in seinen Worten stutzig ge 
macht worden wäre. Da aber Dombrowski fortfuhr, feine 
nervösen Finger zu betrachten und im übrigen eher gelang 
weilt als interessiert aussah, sprach er, ohne auf den Ein 
wurf zu erwidern, in seinem vorigen Tone weiter: 
„Sie gingen also nach Verlauf einiger Stunden noch 
mals hinauf, lieber Hollfelden, um sich zu überzeugen, ob 
Martens inzwischen nach Hause gekommen sei. Und da 
fanden Sie denn den Toten in seinem Blute. Unmittelbar 
vor der Tür seiner Wohnung war er das Opfer eines Mord 
gesellen geworden." 
„Eines Mordgesellen, der nach aller Wahrscheinlichkeit 
zuvor in dieser Wohnung gewesen war," fügte Dombrowski 
hinzu. „Es bleibt kaum eine andere Annahme übrig, den« 
der Zettel des Herrn Hollfelden wurde, weil von der En- 
treetür entfernt, im Innern der Wohnung gefunden. ' Nur 
ein Eintretender oder Hinausgehender konnte ihn auf solche 
Weise verschleppt haben, es wäre denn, daß irgendwelche 
übernatürlichen Mächte ihre Hand im Spiele gehabt hätten." 
Der Oberstleutnant wollte antworten, aber er wurde 
durch den Umstand daran verhindert, daß Hollfelden, nach- 
dem er einen Blick auf seine Taschenuhr geworfen, plötzlich 
ausstand und in hastigen Worten erklärte, durch eine Ver 
abredung zum Aufbruch gezwungen zu sein. Seine Blöße 
und seine nervöse Unlmhe hätten in diesem Moment auch 
einem oberflächlichen Beobachter in die Augen fallen müsstn, 
und es war etwas wie herzliche, fast väterliche Befor. i.is 
in dem Blick, den der Oberstleutnant auf seinem Gesicht 
ruhen ließ. 
. jßfiflefc'iari Milf
        
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