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Periodical volume Nr. 7, 08.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Sonnabend, den 17. Januar, abtUk's 8—9^ Uhr eine 
kunstwissenschaftliche Vortragsreihe ,ooi. Ü Toppetstuusen 
über große ÄildniMüker verschiedener Jahrhunderte ya!- 
ten. Die Meister Eyck, Dürer, HoLeiii, Leonardo, Ra 
fael, Tizian, Rubens. Van -Dyck, Rembrandr. Hals, 
lasquez. Reynolds, Gainsbproügh sollen unter Boüfüh 
rung von Lichtbildern gewKKigt tvdrden. Besonderswer 
dient hervorgehoben zu ivecirLn. das, eine Feste vost 
Farbcnausnahrncn projiziert '«tzrden sollen, Hie der bei 
uns seit Jahren 'ehr geschähre Vortragende in den ver 
schiedensten Museen -gemacht Hai und die Gemälde in 
den Karbtn der Originale wiedergeben. Die Einlaßkarten 
sind 'in der Wohtthat'ichcn Dnchhandknng, Rhemstraße, 
erhältlich. 
o Der Bürgerbnnd Berlin-Fritvenau hielt gestern 
Abend im Saale des kirchlichen Gemeindehauses eine 
Mitgliederversammlung ab, an der auch zahlreiche Gäste 
teilnahmen. Der !. Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Rath- 
gen eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßungs 
ansprache, in der er u. a. mitteilte, daß zum Präsidenten 
des Reichsbürgerrats Staatsminister a. D. v. Loebell ge 
wählt wurde und daß in der Klage des Filmregisseurs 
Ostwald gegen den . früheren' Vorsitzenden Dr. Hennig 
auch die Beschwerde beim Landgericht zurückgewiesen wurde.. 
Es bleibt nun noch.die Schadensersatzklage, die hossentlich 
cbcnfallls abgewiesen wird. Sodann bat er zur Frage 
„Großbcrlin" die folgende Entschließung anzu 
nehmen: „Der Bürgerbund Friedenau richte: in berech 
tigtem Stolze auf die Erfolge der bisherigen Selbstver 
waltung Friedenaus an den Bürgerrat von .Groß-Berlin 
da? Ersuchen,, bei der preuß. Landeöverlammlung mit 
allen. Mitteln dahin zu wirken, daß in idem vorliegenden 
Gesetzentwürfe betr. Bildung der Stadt Groß-Berlin die 
Selbstverwaltung der. einzelnes: historisch entstandenen Ge 
meinden in möglichst weiten:. Umfange ' erhalten bleibe." 
Einstimmig wurde dieser Entschließung zugestimmt. Dar 
nach machte der Vorsitzende auf das vom Fricdenaucr 
Bürgerrat herausgegebene wirkungsvolle Wcrbeviata: auf 
merksam und bat die Gäste um Beitritt, zum Bürger- 
bund, indem er gleichzeitig ans bevorstehende Gefahren 
hinwies, die einen engen Zusammenschluß - des Bürger 
tums erforderlich machen, mit ihnen wirksam begegnen zu 
können. Sv manchem, der heute noch im Dusel dahin 
lebe. werde die Größe der Schmach des Friedensvertrages 
erst klar werden, wenn der Frieden ratifiziert sei. Was 
würde wohl der Recke Bismarck dazu sagen, wenn er noch 
übte, baß uns ein Stück deutschen Landes entrissen wer 
den solle, daß er als Morgcngabc dem neuen Rtiche dar 
brachte. Der Spruch des Dichters.- Was Du ererbt von 
deinen Vätern hast, erwirb cs, um es zu besitzen, gelte 
heute mehr denn je und solle das gcsamre Bürgertum 
zur Mitarbeit vereinen. Der Rechtsstehende, der Demo 
krat und auch der- Arbeiter, sofern er nicht einseitige 
Klassenherrschaft wolle, lei im Bürgerbunde, der unpoli 
tisch sei, willkommen, r,Wir wollen hier im Bürger- 
bunde ein einig Volk von Brüdern sein". Darnach.hielt 
Herr Prof. Görke eineistiLichtbildervorirag über: „Die 
Schönheit der deutschen Landschaft". In - den Einleitung 
wies der Vortragende aus die Vcrgnügungsl »nd Tanz- 
sucht unseres Volkes, aus die'-noch immer unsicheren, 
unsteten politischen und wirtsckjästttchcn Verhältnisse in 
unserem Vaterlande hin. AlltzS skst noch im Worden, es 
fehle der feste Halt, selbst dem Sichersten wanke und 
schwanke der Boden unter den Füßeü. Da wenden sich 
die Gedanken dem Vaterlande, der Heimar zu. Der Heil- 
trank .der uns helfen könne, müsse in der Natur er 
stehen. Und ein solcher Heiltränk sei die Hcimatliebe. 
Hier liegen die Wurzeln unserer'Kcaft. Man könne uns 
alles nehmen. Macht und Ehre, die HeiiNarliebe sei ein 
Gut, das uns niemand nehme» könne. In prächtigen 
Lichtbildern und natürlichen Färben führte er uns durch 
alte Striche der deutschen Heimat, ihre Schönheiten und 
iiRiinen Reize vor Augen führend und'-sic in pocskcreicher 
Rede erläuternd: Rach einem kurzen Flug a» Deutsch 
lands größten Strömen Weichsel und Rhein begann 
der Vortragende seine Reise am deutschen Meer, wir sahen 
prächtige Nord- und Ostscclandschafteu, besuchten die Mar 
schen, die Künstterkotonie Worbsivede, dann ging cs weiter 
über das norddeutsche Flachland durch Heideland. Radel- 
nnd Laubwälder, an Seen'und Teichen, über weite Felder 
und grüne Matten bis zum stillen Landhause des Vor 
tragenden. Hierauf folgten wir ihn: in die deutschen 
Mittelgebirge: Thüringer Wald, Harz, Erzgebirge. Riesen 
gebirge und zuletzt in die bayerischen Hochalpen. Ge 
spannt folgte Auge und Ohr den -Darbietungen und 
lauten Beifall spendeten die begeisterten Besucher den: Vor 
tragenden. Der Vorsitzende schloß mit Dankasivorlen an 
den Herrn Prof. Görke den Abend. 
o „Die deutsche» Kleinstädter". Dieses prächtige ^Lust 
spiel Zlotzebues aus der Biedermeierzeit bringt die „Freie 
fünde«,' Ultd Helens eigener Vater, der Reverend Taylor, 
har ste vollzogen. Sic ist übrigens ein prächtiges Weib, 
ihren beiden Kindern .zu»: Trutz noch -immer "schön — 
und so gm und vertrauensvoll. Es tut mir in der.Seele 
weh, daß ich sie sa täuschen n:uß. Wäre cs nicht um 
Leinet-' und natürlich aüch meinetwillen, ich brächte es 
nicht übers Herz! 
Morgen früh reist nach Schottland 
Deine getreue 
Cecily Warden, alias Ellen Hainilton. 
In diesem Augenblick klopfte es am die Tür. Cecily 
deckte schnell den Gries .zu und öffnete/ Der Kellner stand 
da und übergab ihr ein Txlegrvstlm, indem er hinzufügte: 
Lus Koblenz' 
«Warten «ie einen Augenblick," sagte Cecily auf 
englisch, sie offnere das Telegramm ünd> las. Es stand 
nicht;, darin als : 
„W.- gefesselt nach Laristan abgeführt." 
schneit fügte sie denstBrief noch die folgenden Worte 
hinzu: 
^legtamm. soeben erhalte». . Der anne Kerl tut 
mir leid." 
Dann schloß sie den.'Umschlag, übergab den Brief 
dem Kellner und sagte zu ihn: abermals au? englisch: 
- Pl'<muh j .unx Pos,. LesteHeg Sie den 
Herrschaften.-" 'der-z-n' w,.' an der Ta el saß, daß ich 
durchgeh: Ttieg'-eauNißuby!..,' avVern en rin.- Bringen Sie 
mir Morgen frvch uni sin:,' Uhr meine Rechnung. Ich fahre 
um diese Zeit ab." 
Dabei drückte sie' chin ein Geldstück in die Hand, 
während er mit iieser Verbeugniuz das Zimmer verließ. 
Als am nächsten Morgen die Familie.. Werner das 
arühftückszimme: beltat und sich nach RUß Atari) Douglas 
Bühne Berlitz-Sreglitz "am Sonnabend, den l0. d. Mts., 
ahends 7 Uhr, im kleinen Bühnensaal des „Schloßpark", 
Steglitz, Schloßsrr. 48, zur Aufführung. Es wird da 
raus ausmerksan: gemacht, daß Mitglieder des „Volks- 
bühnen-Verbandes- südwestlicher Vororte", also auch öw 
der ..Kunststätte für Volksbildung". Friedenau. Vorzugs- 
-artc'n zu ermäßigten Eintrittspreisen erhalten. (Nähere 
siehe Anzeige!.. 
o Dasi Kirchentonzert am ick. ha: einen Rein- 
Überschuß von ItiüO M. zu Gunsten des Kirchenglockcn. 
fp:chs cingebruchr. 
v Fricdenaucr Gesangverein jür gemischten Eher. 
Am tt. Jnnuar fand nach langer Ruhezeit, veranlaß, 
durch den Krieg, wieder die 1. Uebungsstunde des „Frü 
denauer Gesangvereins für gemischten Chor" (gcgr. 1898 
statt; die Chorleitnng Uegt von jetzt ab in den Händen 
von Herrn Gesanglehrer Walter Schmidt. Der Verein, 
aer seine gefängliche Tätigkeit mit 80 Mitgliedern wiedcc 
beginnt, übt fortan jeden Dienstag von 8—10 im Ge 
sangsaal des' Königin-Luise-Lyzcums, Goßlcrstr. 13-1 
Der verlängerten Ferien wegen findet die nächste Dicns- 
-agsprobe in: Evangel. Gemeindehaus, Eingang Goßler- 
straße, statt. Der Verein beabsichtigt die Pflege des 
Volksliedes und des klassischen und modernen Kunstliedes, 
dev: sich später das Sludinm von Orchcsterwerten an 
schließen wird. 
. ! o Friedonauer Erfinder. (Palcntschau, zusammenge- 
stellet vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, 
Gr. Frantfurrerstr. 59.) Viktor .Zieren, Saarstraße v. 
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o Ein dnrchgehktwes Schrmmelgefpnm» vbr einem 
Landauer gefährdete'henie Bormittag gegen I I. Ui-,r das 
Publikum an: Bahnhof Wilmersdorf-Friedenau. Der 0ß|‘t 
Wirt. Sche r c i ks>--Varziuer Str. 1, bemerkte das von 
der Prinzrcgentensftaße her anstürmende Gespann und 
warf-, sich lurz ent'chtossei: den Pferden entgegen. die 
er auch-zum Stehen brachte. Ein- Bravo dem -ministen 
Pcänn. - 
V emns-llad>rid>ten 
Bolkshoihschul-Ftalletichsr. Jeden Freitag 7>, Uhr 
Uebungsstunden. 
kerlm unci X^oroNe 
ZA Wilmersdorf. Zn Beginn der gestrigen Wilmers 
dorfer Stadtverordnetenversammlung gedachte der Stadst 
verordnctcnvvrsteher in warmherzigen Worten des verstor 
benen Stadtverordneten (üehl, des bisherigen Führer,' 
der demokratischen Fraktion. Nach Einführung des wieder 
gewählten unbesoldeten. Stadtrats Heeucmann und deu 
Stadtv. Goede (Den:., trat die Dersaminttlng in die. 
Neuwahl des Vorstandes, ein. Nahezu einstimmig wurden 
die bisherigen Vcttreter wiedergewählt. Wegen der iu 
der Aula der Hindcnburg-O.herrealschule, den: Sitzungs 
saal der Schdtuerordnetenpersainnsimig, herrschenden.KAre 
beantraglen'nack) Erledigung der Wahlen die bürgerlichen 
Stadtverordneten eine Verkürzung der längeren Tages 
ordnung, da. jcs zur längeren Beratung zu nngernüilich 
sei. Einer Vertagung der Titzirng widersprachen die Ver 
treter der Linken, da es am nächsten Mittwoch infolge 
der-woch oefteheicheii Ferien auch nicht wärmer sein werve 
und man sich . in den Wohnungen'dach schon an Kälte 
gewöhnt habe. Die Versammlung entschied sich , hierauf 
für die Verkürzung der Tagesordnung,..so. daß der Haupt- 
tzegenstand, der Anfrage der Stadtverordneten Dr. Leidig 
(Freie Vg., .und. Gen- .über .den .Gesetzepupurf„ 
Berlin tzdr Vertagung verfiel. Mir Mänteln und Pelzest 
angctans.ragten die Stadtverorüneien weiter und erledigten 
die kleineren Punkte der Tagesordnung. 
jFüv diese Rubrik übernehnren wir keine Berantworiung. 
klüser' Ledeusmittela ml 
scheinr iinler ieiiiem glücklichen Stern' geboren zu sein: 
denn die Herrlichkeit, mit der es seine vielgepriesene Lanf- 
erkunbigte,' erzuur sic zu ihrer Ucberrasämng,. daß die 
Dame nach Cmp.'.rng eines aus Koblenz nach gestern abend 
an sie cmgeirchfenei: Tctegranuns' schon in srhiier Ttvrgen- 
stunde abgereist sei und sich ihnen bestens entpsehlen lasse. 
Besonders Frau Helen bedauerte dies, da sie auf die Gesell 
schaft ihrer neuen Betauuteii während der Fahrt gerechnet 
hatte. Als sie »ui: den Fahrplau-in Angenfchein nahiueu 
um die Stunde ihrer eigenen U»reife zu begiiiinie», cn 
deckten sie,.daß zu so früher stunde gar teilt, Zug «ach 
. dem Rhein. abging, und daß die Daine, - wie sich durch 
Befragen des .m . weis ergabst, mir dein,.Kanaldä:npfct 
dach.England gefapren fei. Das erschien ihnen nach der 
Uylerhallnp.g des gestrigen Abends so rätstlhasi, daß sie 
den Keliger, .der die Tarne behie,hii halte, ,u:ribnlich ny: 
Auskunft er,Ulmen. Rachden: sie ibu:D>urch'oin augen-cgeichs 
Douceur die Zunge gelöst hätr-.n, erfuhren sie denn auch 
von ihm, daß die L.»ne nach dcunCinpfang des Tele 
gramms noch einen . eiligen Brief . nach einen: an d 
Mosel gelegenen Schloß abgesstidel habe. ckich-.oer Kellner', 
die von allen wie aus einest: Annde an -istu gerichlo.. 
angstvolle Frage, ob der Raine Schloß Mosethepst- ,p.e-- 
lautet habe, bejahte, brach Frau Helen mit ei:icinSck-.e^.nst 
schrei ^ohnmächtig zusanuner:. Ä.e sic mleder .prmastne, 
lag sic' in wilden Frelerphaniasien. Dsr heroeiuerusenp 
Arzt machte ein bedenkliches Gif.cht. erklärte, die Dame ist. 
untransportabel und stellte ein Kraitienlä-ger von ächt d,s 
vierzehn Tagen in Aussicht; das,sle natürlich irneinem 
Kranker:burisc verbringen müsse. Da. der Hotelbesitzer sich 
dieser Forderung unbedingt, anschloß, mußte ihr josorl. 
Fvlgp gegebtsi.werden. 
Diz boföebj.Gllchmister warciz zunächst völlig ratlos. 
Am U-bstcu .-wäre Ewald unverzüglich hinter fder rätsel. 
hasttzn Lauden her nach.ÄbbcoiÜs gereist. Aber er konnte 
unmognch die schwerkranke Mutter und, seine jugendliche 
Hckwester alleist läffen. Nach-langer Beratpng befchloffen 
bahn begann, niinnrt immer inehr ab, und wird :>: cm 
schmähliches Dunkel hinübergleiten, wenn es ilsn: rncht 
gelingt, die yicr und da hemmend dazwischentretenden 
Trabanten gebührend in Schach zu hallen! Erst wars^das 
Kartoffel-Rätsel, das bis heute ungelöst und immer großer 
und schwieriger wird, ja leichter und kleiner die Abgabe- 
portionen dieses Voltsnahrungsmittels werden. Dann tarn 
dir Brotfragc, die in eine ständige Preisfrage übergegangen 
ist; weiter die jetzt eingestellten Blarmeladcir-Ileberraschun- 
gen, oft mit Deckblatreirrlage, die uns ständig in freudige 
Aufregung hielten! Alles dieses war nicht nur Belastungs- 
stoff für der: stets miauendem und knurrenden Magen, 
sondern auch zeitweise! Entlastungsstoss für die im Hirn 
angejammelte wütende Energie zur Behebung der Undank 
barkeit der jetzt so wenig wachsen lassenden Alllnuttcr 
Nätnr nnd den noch rocniger davon uns gebenden Ernäh 
rungsminister im Deutschen Reich. Nun tonnn: aber noch 
ein Verwandlungsstück hinzu, das den Höhepunkt der 
Lcistungsfähigkeii erreicht! Haferflocken von: Hafer (Avcna 
L- Gattung aus der Familie der Gramineen, sind eine 
so köstliche Nach- auch Vorspeise, wenn sie - nicht als 
Pferdefuttcr gelten soll. Der Herr Lehrer in der Schul 
zeit muß ^rch wohl doch geirrt haben, als er Hafer zu 
den Körnerfrüchten zählte: denn hier ist er uns als Hüt- 
scnjruchr präsentiert worden. Tatsächlich sitzen die Hülsen 
oder Schalen noch in so unglaublicher Menge so innig 
und fest daran, daß cs einem leid tun kann, ein solch 
zärtliches und festes Verhältnis mit roher Hand gemalt 
sam und zeitraubend lösen zu müssen! Wenn etwas da 
den Schmerz über die wehmütige Llrbeir und das in 
fadenscheinigem Papier svrtgoworsenc. sancrerworvene Geld. 
dafür lindern kann, fo ist es die Tatsache, daß schon 
viele andere Mitleidcr in der Kriegsküchr die viel zu 
hohe Einschäpuug ihrer Magenkrast weidlich bespuckr. 
heroische Entschlüsse gesnßr und dem gewissenlosen Lie 
feranten .solchen Futterstoffes in contumaciam, ins reni- 
lisch'grinsende Antlitz- gespieen habent! Uebrigens taun 
bcp Kriegsküchen-Namc. ruhig fortbestehen bleiben, denn 
es wird wohl auch da noch inanchmal Krieg mit vorge 
setzten Speisen zu führen sei Ni Also Haustratten, seid 
gewappnet mir Ltuirl uno Sieb! 
Richard Bernhardis-Bolfras. 
Weder ausreichsnde ckdi»drrmchrvn§, noch Brotaufstrich. 
Auf KinderkakteN würden früher außer Haserflocken 
und Gries, die z. Zi. in einer minderwertigen, z:w Be 
reitung dcrlKindcruähktüig 'durchaus ungenügenden Onals- 
tät zur Verteilung gelängen, auch'Reis und Keks ausge 
geben. Sei: etwa 3 Monaten'gibt es jedock' Keks überhaupt 
nicht mehr, da die Gemeinde seit dieser Zeit keine Liefe 
rungen m:ehr erhalten' haben will. Reis aber nur nocki 
'für Kriegsiuvaliden. Man ist daher gezwungen, zu 
Schiebcrpreifcn „hintenherum" das Rynge für die Kleinen 
zu beschaffen. Hierbei niüßte man ^ich beruhigen, wenn 
da.ö überall der Fäll wäre. Da aber z B. an Keks in 
Berlin kein Mangel ist. Jo dräsiar sich doch die Frage ans, 
ob unftper Verwaltung keind Schuch an diesen Verhältnissen 
beizmnessen ist. Ich bitt der Meinung, daß unsere Gr 
meindcs-Verivalning alles :un sollte; um znm mindesten die 
Versm'gungZmöglichkeltcn zu schaffen, wie Tic in Berlin 
bestehen, zumal, iven.i es sich um unsere liehen Kleinen 
handelt. Daß seit inehr denn 3 Wochen weder Marmelade 
Noch Kunsthonig verteilt morden ist, fer nur nebenbei er 
wähnt. Wahrscheinlich wird hiermit gewartet, bis dir 
hcjit-n Preise welche die noch unlängst geforderten Sckileich- 
handölspreise für dier? Waren bei weitem übertreffen, 
in Kraft getreten sind. H. S. 
Der Friedauauer Ehrenfriedhof. 
Di; JalrrrZlVt'Udp ist vielleicht der Z<'itpnuli. der uns 
an: tzjndl'ingfichstrn im Laufe des Lebens wiederkehrend 
zun: Bcwichtsci.it gebrackp wird, Zahlrerche.Ansordernttgen 
des ppaley Lebens, treten zu Neujahr an uns Heran. Der 
seelisch zicfer Empfindende wird.aber beim Abschluß eines 
verjlgsstneu Jahres auch zu innerer Einlehr und. einen 
Rückblick auf seil: vergangenes Leüen 'Ledrangt, und da ist 
cs heute, wohl vor allem das tiefe'Weh u:n des Vater 
landes Schmach und der heftige Schnurz um den Verlust 
der tesiren (Tüten in unserem Verzweiflnngslamps, die mit 
vermehrtet Stärke in unserem Herzen brennen. Wen will 
cs dp wundern, daß unter solchen Umständen in unserer 
kleinen Gemeinde die Früge nach der. tünstlerischen Aus 
gestaltung des Fricdenaucr Ehrensriedhofr das öffentliche 
Interesse besonders stark in Anspruch niingn'? Es scheint 
ja dstdnrch eine Möglichkeit geboren zu. sein, den ge 
fallenen Helden wcnigsitns eine äußere dauernde Än- 
crkennung zuteil werden zu lassen. Demgegenüber ver 
steht es sich wohl von selbst, daß nur ein solcher Ent-- 
wurs als gelungert bezeichnet werden darf. der neben den: 
rein künstlerischen Gesrchtspuntk diesem seelischen Gefühl 
die beiden Geschwister, ein schleuniges Telegramm und einen 
ausführlichen Bttef' dfi Oberst von Leppel Zu senden und 
hn zu bitten, womöglich einen halben Tag zu ihnen nach 
Lremerhaven za einer gemeinsamen Beratung zu kommen. 
Schon wenige Stunden nach Absendung des Tele 
gramms kam die Antwort. Der Oberst versprach, sofort 
ür eine Aertretuna zu sorgen und spätestens am dritten 
Lage in Lremerhaven einzutreffen, hoffentlich auf mehrere 
Lage. 
Während die Geschwister ungeduldig seiner Ankunft 
harrten, stieg das Fieber Frau Helens noch immer. In 
chren Phantasien schuldigte sie sich an, ihren Mann oer- 
eaten-iind in die Hände seiner Feinde geliefert zu haben, 
ioie sph -ihn von diesen aufs surchtbarsle gefoltert, un: von 
chm zu erpressen, wo er die Dokumente verborgen hoben 
konnte. Und. in der Ta: man die^Mögiichkeit solcher iÖo r 
gonge auch nutz: zu beslreilen. Als endlich am dritten 
Tage, der Obenst. nitraf, war Frau Helens Zustand so be« 
üenilich, daß h maid feine völlig trostlose Schwester nicht 
mit dem ihr ooch immerhin noch. reinsrn Herrn allein 
4p lassen wagte. Erst als am i:L :cn '' ' de acht des 
Fiebers sich braen und Frau S: ,, /S >. e.ltt.lski wieder 
erkannte, konnte Ewald daran-denket:» die Spur von Miß 
Man) Douglas falls dies ihr richtiger Name war — 
wieder aufzuilchvim: 
Das schien besonders Oberst von Leppel dringend 
nötig. Denn da ft genau wichle.'MiäHauptmaim von Born 
die Legitimität der Werne:>chen Kinder b<:ei:s in Frage 
zu stellen gejucht hatte, und da die Schottin offenbar 
mit s:chioß Moielhorst in Verbindung stand, argmö'n'tc 
er hier finstere Pläne. Es wurde daher beschlossen, daß 
Ewald sofort nach Abbeoille aufbrechen, Frau Holen' aber 
baldmöglichst nebst Alice nach Eiwkamp noers'edesn sollte. 
(F,:1s»tziu:g folgt.)
        
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