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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

o Soll mal» dl« Preis« im Schrufcilster arrtzeben? 
Schon seit vielen Jahren beschäftigt man sich in. der 
Kaufmannswrlt mit der Krage, ob man die im Cchau- 
fester ausgestellten Waren mit Preisen bezeichnen soll 
oder nicht. Dag man in dieser Hinsicht sehr geteilnr 
Meinung ist, zeigt ein Gang durch die Geschäftsstraßen: 
Viele Firmen lösen die Frage mit ja, andere mit nein. 
Die Gründe für die eine öder andere Entscheidung mögen 
verschiedener Art sein. Was sagt aber das , lausende 
Publikum dazu und wie sind die Erfolge? Zweifellos 
ist es nicht jedermanns Sache, dem ein ausgestellter 
Gegenstand gefällt, sich im Laden nach dem Preis zu 
erkundigen und dann wieder Abschied zu nehmen, teils, 
weil der Preis zu hoch ist, oder «veil man gerade nicht 
genügend Geld bei sich hat und was der Gründe mehr 
noch sind. Man kann auch nicht behaupten, daß die er 
betene Auskunft immer in freundlicher Weise erteilt wird, 
wodurch die - Frage noch peinlichere Empfindungen her 
vorruft. Anders ist es, wenn der Preis sogleich in der 
Auslage vor die Augen tritt. An hohe Preise ist man 
ja jetzt gewöhnt, aber eben deshalb gilt cs erst recht, 
sich selbst vor einem Ankauf zu beraten. Zudem hat 
man eine gewisse iBürgschast fester Preise, während man 
gegen Preisanszeichnnngen in Geheimschrift eine be 
stimmte Abneigung^ hegt, weil man glaubt, daß dann 
der Preis nach dem, äußeren Menschen berechnet wird. 
Daß soll ja auch in der Tat vorkommen. Dem Publikum 
wäre es also sicher sehr, angenehm, schon im Schaufenster 
über die' Preise unterrichtet zu werden. Wie sind denn 
nun die Erfolge? Das: betriebswissenschaftliche Institut 
der Handelshochschule in Mannheim hat nach dieser Rich 
tung hin sehr interessante Versuche angestellt, deren Er 
gebnisse weiteste Verbreitung verdienen. Die Versuche wur 
den in einem Mannheimer Konfektionshaus vorgenommen. 
Die statistische Methode geschah sehr sinnreich und gründ 
lich. Eine Woche lang wurden in dem einen Schaufenster 
Waren mit Preisangabe angestellt, in dem anderen ähn 
liche, aber gleichwertige Waren ohne Preisangabe. Zu 
nächst zeigte sich, daß das erste Schaufenster nach der 
Zahl der Besichtigenden 60 Prozent mehr beachtet wurde, 
als das andere, und sodann, daß von den Waren mit 
.Preisangabe 86 Prozent mehr verkauft wurden, als von 
den Waren ohne Preisangabe! Diese Unterschiede sprechen 
so eminent für die Preis-Auszcichnüng im Schaufenster, 
daß jeder Kaufmann, der dagegen handelt, dies nur 
zu seinem Schaden tut! 
LvlckrMen 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Tu iFriedenau, mein Paradies! 
Jetzt wird mir mies — 
wenn ich durch deine Straßen gehe 
und mir die Holzauktion besehe. 
Barbaren „boches". — Tie Franzosen haben dock 
wohl nicht so ganz unrecht! Denn mit Kultur hat daS 
Abholzen der wunderbaren Straßenbäüme nichts zu tun! 
oder doch? — Die Fricdenauer können jetzt ruhig die 
Straßen lustwandeln ohne in die Pfützen treten zu müssen: 
die bei cv. Rcgcnwcttcr unter den Bäumen entstanden sein 
sollten und um derentwillen die lästigen, sck-attenspen- 
deiiden, unästhetischen Bäume abrasiert wurden, die außer 
dem noch den Kohlrübenvorgärtcn mit Grabgittcrumfrie- 
digungen die Sonne wegnahmqn. Die „künstlerischen" 
Fassaden der Mietskasernen Rainen auch nicht recht zur 
Geltung, auch wurden in den drei in Frage kommenden 
Sommermonaten nachts die Siraßcnlainpen zu sehr ver 
dunkelt und so der Ruhm Friedenaus, die bcstbclcuchtcte 
Stadt um Mitternacht zu sein, in Frage gestellt. Also 
Gründe genug für die Nörgler und Besserwisser. Hoffent 
lich kommt die Eingemeindung bald, denn Brennholz er 
hält man ja doch nur zu Wucherpreisen trotz der vielen 
Straßenbäume, die noch unnötig den Straßenverkehr 
hemmen und den Autos der Schieber im Wege sind. 
E. Wendtlandt. 
Der Frau Gr. Mörktel 
möcht» ich «och entgegnen, daß die Gemeindevertretung 
GlS Arbeitgeber sich allerdings uni daS. Wohl und Wehe 
„Hier ist HollfeldenI sprach er in den Apparat,'und 
der Aergcr über die unwillkommene Srörung klang deutlich 
genug a«rs seiner Stimme. „Wer muß denn um Mitter 
nacht " 
• „Verzeihung,- hörte er eine Stimme sagen, die ihm 
-öllig fremd war. Herr Hollfelden, Rankestraße 79, nicht 
nähr?" 
„Ja doch, aber wer ist denn —" 
„Ich muß wegen der nächtlichen Störung tausendmal 
am Verzeihung bitten," tönte es zurück, „aber es handelt 
sich um eine ungeheuer wichtige Sache. Herr Martens wohnt 
.n Ihrem Haufe/ nicht wahr?" 
„Jawohl, eine Etage höher. Aber was habe ick denn 
nit Herrn Martens —" 
„Herr Martens hat leider kein Telephon. Ich bitte 
Sie herzlichst, Herrn Martens davon zu benachrichtigen, 
zaß er sofort in das „Soooy-Hotel" kommen muß. Herr 
Martens ist doch daheim?" 
„Ja, mein Himmel, wie soll ich denn das wissen? 
Herr Martens kommt allerdings selten vor zwei, drei Uhr 
aach Haus, es ist also anzutichmen, daß er noch nicht dä 
ist. Uebrigens finde ich —" 
„Wenn Sie ihm gütigst ein paar Worte aufschreiben 
wollten, nur, daß er unbedingt sofort nach seiner Heim» 
kehr ins „Soooy-Hotel" kommen müßte. Sie wurden 
Herrn Martens und mir einen unschätzbaren Dienst damit 
rrwelsen.. Sie könnten ja den Zettel in seine Tür stecken, 
wlls er nicht daheim sein sollte. Wirklich, cs ist ungeheuer 
wichtig, sonst hatte ich Sie nicht belästigt. Wollen Sie mir 
)en Gefallen tun?" 
„Meinetwegen," brummte Hollfelden ärgerlich. „Ich 
kann Ihnen allerdings nicht verhehlen, daß ich cs ein 
oißchen stark finde, jetzt um Mitternacht. Also was soll ich 
rufjchreiben?" 
„Daß Herr Marlens iin „Savoy-chcitcl" erwartet wird, 
and unjj er sofort kommen müßte. (5r wüßte schon, wer 
»hn erwartet." 
„Eine Daine?" fragte Hollfelden sarkastisch. 
„Nein !", klang es kurz zurück. „Ein Freund, sagte ich. 
Wolle» Sie mir versprechen, cs aufzuschreiben?" 
, , -'^öreu Sw mal," Hollfelden war nahe daran, den 
letzten Nest seiner Geduld zu verlieren. „Melnctrveaen 
will sich cs Ihnen versprechen. Wer sind Sie denn 
eigentlich?" 
,, „Vergessen Sie nicht. Sie haben es versprochen!» 
sernahm er statt einer Antwort aus seine Frage. 
„Ja doch, aber Ihr Name - 
ihrer Angestellten, letzteres .überwiegt ,ett Jahren, zn 
kümmern hat. Li« seil drei Monaren bewilligten Gehalrer 
K bereit» durch di« den keiner Seit« emgsmmmten 
i+erpveif« als viel zu niedrig erkannt, oder kann nnr 
die verebrts Einsenderin aufrechnen, wovon ein Beamter 
einen 1200 M.-Anzng, 850 M.-Lriefe!. 150 M.-Hemden 
usw bestreiten soll?" Wenn also nicht bald die Zeit kommen 
soll, daß die Beamten und Beamtinnen im AdamS- 
kostüm ihre Arbeit auf dem Rathaus verrichten sollen, 
ist eS die höchste Eisenbahn, daß cirdlich mal ordentliche 
Arbeit gemacht ivird, und sich die Bezahlung der Ange 
stellten nach den Lebenssührungspreiscn richten, die un 
gefähr das 20 fache des Friedenssatzes betragen, ü.ie 
Brennholzfrage müßte für sämtliche ^riedenauer 
Steuerzahler unter 15060 M. Einnahme derart seitens 
der Gemeindevertretung geregelt werden, daß es ersteren 
möglich ist, für ungefähr die Hälfte der )ept gefordericir 
Preise das nötige Quantum zu erhalten: und warum lagt 
sich dies nicht einrichten, ohne Zwischenhandel? 
' ' Ernst Wendtlandt. 
Vermischtes 
- DanzigS polnische Zukunft. Eine polnische Marmckommission 
hat in einer Besprechung mit Bettretem der polnischen Regieiung 
die Gründung einetz polnischen Hasen» auf der rechten Weichsel, 
feite beschloßen. Ter Fluß soll bis zu den Anl-mn kanatiperk 
werden. Lei dieser Gelegenheit sprach der Miiuslcr der openlilchen 
Arbeiten 5ieszior über das Verhältnis Tanzigs ^olen und 
versickerte, das; im Mai Danzig und die umliegenden Tistnkte 
polnisch sein würden. 2 . 
RtrftlUftf NaHrichtM 
Sonntag, den 20. Februar 1020. 
Kirche zum guten Hirten: Bonn. 10 Uhr: Pfarrer 
Lie. Dr. DibeliuS (Festgottesdienst zum IahreSsest des 
Evanqcl. Bundes). 11V« Uhr (Kdg.): Pfarrer Better. 
Abends 6 Uhr: Pfarrer Marquardt. 
Dienstag, den 2. März (Passionsgottesdienst) abends 
6 Uhr: Vikar Antonowitz. 
Alt-Schöncbcrgcr Paul-Gcrhardt-Kirche: Dorm. 10 U.: 
P. Delbrück. 12 Uhr (Kdgsi: P. Heist. 6 Uhr: P. Raack 
Nathanael-Kirchc: Vorm. 10 Uhr: P. Wagner. 11.30 
Uhr (Kdg.): P Wagner.. 6 Uhr: P. Buchholz. 
Katholische Marienkirche, Sckwalbacherstraße. 
Gottesdicnstordnung: An Sonn- und Feiertpgen um 7 
Uhr hl. Messe, um 10 Uhr Hochamt und Predigt. Abends 
8 Uhr Fastcnpredigt und Segen. An den Wochentagen 
hl. Messe um 7 Uhr. Freitags 8 Uhr Krcuzwcgandacht 
und Segen. _• 
— Um N ich es 
sinladmm zur 
Sitzitug der GeMmveimtieiucg 
am Donnerstag, den 4. R.ärz d. IS., nachm. 7 Uhr, 
m Sipungssaale des Rathauses Nach der Vorschrift uv 
3 >. Abs des § 106 der Landgemeindcol'dnung wird daraus 
Angewiesen, daß die Nirhterscheinenden sich den gesüßter 
Beschlüssen ' zu Unterwerken Hanen 
Tagesordnung: 
s) in üsfentlicher Sitzung: 
k. Mitteilungen 
2. Beschlußfassung zur Polizciverorbnung beir. die An 
legung von Vorgärten vorn 12. 12. 1908.. 
3. Erhöhung der Kindergelder für die Polizcibcanitcn 
und den Feucrwcbrfcldwcbcl. 
4. Erhöhung der Vergütung für Dienstleistungen bei 
Sitzungen. 
5. Vorlage bctr. Gewährung lfd. Lohn- bezw. Ver» 
gntungsbeihilfen an die Gcmcindearbcitcr und die 
nicht ständigen Bürohilfskräfte. 
6. Vorlage bctr. Maßnahmen - zur Verhütung von Un 
glücksfällen am Friedrich-Dilhclmplatz. 
7. Bewilligung von Mitteln zur Verstärkung des Vor 
anschlages IX für 1919. 
8. Neufestsetzung der im § 7 der Stromlieserungsbedin- 
gungen für Tarif v 1 festgesetzren Preise., ^^\ 
Keine Answort. In steigender Ungeduld fragte er 
noch ein paarmal, da wurde abgeläutet. Wütend hängte 
er den Hörer an und wandte sich ins Zimmer zurück. 
Natürlich war er allein. Cr hatte kein Geräusch ge 
hört, lautlos mußte sie sich aus dem Zimmer geschlichen 
haben. Die Tür stand noch ein wenig offen, der. Raum 
war von dem zarten, diskreten Duft ihres Parfüms er 
füllt, aber sie war fort. 
Er ging auf den dunklen Treppenstur hinaus und 
lauschte. Kein Laut. Leise rief er nach ihr, keine Antwort. 
Da ging er voll Ingrimm hinein und warf die'Tür heftig 
hinter sich zu, ohne Rücksicht auf den Schlaf der übrigen 
Hausbewohner. 
Ein paarmal ging er im Zffnmer auf und ab, bis sich 
seine erregten Nervenein wenig beruhigt.hakten. Dann 
trat er an den Schreibtisch und starrte auf seine Pajrjere, 
die von ihrer Hand so lieblos behandelt worden waren. 
Hier am Schreibtisch war er am stärksten, jener feine, 
süße Dust, der seine Sinne, schmeichelnd umfing. . Und mit 
einer hastigen Bewegüng schloß er das Fenster, damit das 
Parfüm nicht entweichen konnte. , - 
Dann setzte er sich nieder, um sein Versprechen ein 
zulösen und dic Doisehaft für Herrn Martens aufzuschreiben. 
Seine Hand ziiterle dabei noch immer vor Erregung, so 
stark hatte das Zusammcntrcsfcn mit der schoucn Unbe- 
kannten auf ihn gewirkt. Seine Gedanken abzulenken, griff 
er noch einer Zigarette und entzündete sie, während er 
sich, den Zettel in der Tasche, auf den Weg nach den« 
oberen Stockwerk machte. 
Oben war cs dunkel und still. Cr zog die Glocke, 
abcr/vie er es nicht anders erwartet hatte, rührte und 
regte sich drinnen nichts. Wohl zehn Minuten lang stand 
er an der verschlossenen Tür — lauschend. Und er hätte mit 
dcr Vcyuchung zu kailipfcn, sich mit seinem eigenen Schlüssel 
Eingäng zu verschaffen. Sicherlich öffnete er die Tür, wie 
Martens Schlüssel die seine geöffnet hatte, und dann 
konnte er sich selbst überzeugen, ob sie da war und was 
sie da drinnen. machte. Aber er erinnerte sich noch zur 
rechten Zeit, wie gefährlich ein solches Tun aewesen wäre. 
Er kannte ja Martens kaum, und wenn der "Mann unver 
mutet heimkam. ihn.drinnen, überraschte, zum Kuckuck, da 
hätte eine angenehme Situation geben können. An, Ende 
hatte die Unbekannte eine Liebschaft mit diasem Martens 
und hatte, von Eifersucht getrieben, seine Briese durchsuchen 
wollen, was wußte er! Und was ging cs ihn schließlich an 
Er tat wirklich gut, einen Strich unter das Erlebnis zu 
machen. Aber schön war das Madel gervclcfl. 
9. Erhöhung der im k 5 der Stromlieferungebedingnngen 
ausgeführten Betrags. r , . , 
10 Erhöhung der Kaunonölützr für Elrktr-.zttateabnehMkr. 
11. Bewilligung von Mitteln für Beschaffung von 
Ereltrizitätszählern. . 
12. Erlaß einer Gebührenordnung für di« Unterbringung 
Fricdenauer Kinder auf dem Lande. 
13. Festsetzung der Vergütung der Hilfskraft für den Kin 
dergarten. _ 
14. Erhöhung der Kosten für daS Mittagessen dcr Schuh- 
kinder cknd fi'ir die Hapshattnngsschule. 
15. Erhöhung des Schulgeldes. 
16. Bereitstellung von Mitteln für die Verwaltung und 
Ausgabe freier Lernmittel. 
17. Eine Schadensersatzangelegenhcit. 
18. Bewilligung einer einmaligen Beihilfe für Instand 
setzung der Boote der Schülerrudervcrcine. 
39- Beitritt der Gemeinde zum Giroverband der kommu 
nalen Verbände der Vrovinz Brandenburg, 
b) in geheimer Sitzung: 
20. Personalangelegenheiten. 
Die bezüglichen Vorgänge und Alten können trah'rend 
der Dienststunden im Amtszimmer eingesehen werden. 
Berlin-Friedenau, den 27. Februar 1920. 
Der Gemeindevorsteher. Mälzer, Bürgermeister. 
Bekanntmachung •• 
Nährmittel für Kranke. Um in der Zutei- 
lung der Sonderbewttligungen für Kranke keine Stockun 
gen eintreten zn lassen, werden die Inhaber ärztlicher 
Zeugnisse ersucht, bei Mlauf der Bewilligungen bis züm 
31. März d. Js. eventuelle Anträge auf Verlängerung 
möglichst schon bei Beginn des MonatS, also vom. 1. 
März 1920 ab, beim Genreindevorsrande, Abi. für ttrckn- 
kenernährung einzureichen, Gleichzeitig ivird darckus hin 
gewiesen, daß die Anträge, besonders Name und Woh- 
nun'g, möglichst deutlich zu schreiben sind, da dies zur 
schnellen Erledigung der vielen Gesuche unbedingt erfor 
derlich ist. Berlin-^riedcnan, den 28. Februar 1920. Dcr 
Gemeindcvorstand. I. V. Friede!. 
Bekanntmachung. 
In der Zeit vom 28. Februar bis 2. März gelangen 
folgende Lebensmittel zur Anmeldung: Ans Groß-Ber- 
liner Lebensmittelkarte: 127» Gr. Haferflocken und 127, 
Gramm Nudeln ans Abschnitt 8, 1 Psd. Haserslockcn — 92 
Psg., 1 Psd. Nudeln — 1,18 M., 270 Gramm Marmelade 
ans Abschnitt 12. 1 Psd. — 3,70 2.7. Auf Einsiihrzusatz- 
Iarte: je 250 Gramm Ecrcalmehl ans die Abschnitte,Z 27 
und K28, 1 Psd. — 70 Psg. Auf Bcrlin-Friedena:pcr 
Nährmittclkartc: 125 Gr. gctr. Mohrrüben ans Abschnitts, 
1 Psd. — 2,40 M. Mholung vom 9.—11. März. Berlin- 
Friedenau, den 27. Februar 1920. Ter Gcincin.dcvorstand. 
I. B. Friede!. 
Bekanntmachung. 
Vertilgung dcr Mücken. Der Herr Landrat des 
Kreises Teltow hat angeregt, der Bekämpfung der Mücken 
plage auch in diesem Jahre besondere Aufmerksamkeit zu 
zuwenden. Im Interesse der Volksgesundheit ist es un 
bedingt notwendig, die überwinternden Mückenweibchen, 
durch welche die Gefahr des Uebcriragens der Malaria 
auf gesunde Personen gegeben ist, gründlich zu vertilgen. 
Ich ersuche daher die Einwohnerschaft, insbesondere die 
Hausbesitzer, auch in diesem Frühjahr an die Vertilgung 
der überwinternden Mückenwcibchen zu denken. Am zweck 
mäßigsten erfolgt sie durch die Ausräucherung odc: das 
Abflammen der Keller, Schuppen, Ställe usw. in den 
Monaten Februar und März. Beim Ausräuchern mache ich 
daraus aufmerksam, daß, Nachdem das Räuchern einige 
Stunden bei geschlossenen Fenstern und Türen erfolgt ist. 
die auf de:ü Boden'liegenden und zum Teil nur betäubten 
Mücken zusammen gelehrt und verbrannt werden müssen. 
2lls besonders wirtsames Naucherpulver wird, soweit jetzt 
erhältlich, eine Mischung aus 2 Teilen gepulvertem 
spanischen Pfeffer, 1 Teil Dalmatiner Insektenpulver, 
1 Teil gepulverter Baldrianswurzel, 1 Teil gepulvertem 
Kalisalpeter empfohlen. Bcrlin-Friedenau, den 25. Febr. 
il920. Der Amt^vorftcher. Walger. 
Erging in'seine 22 obn nn g hinunter. Aber cr ver-' 
mochte es nicht über sich, sich einfach zur Ruhe zu legen. 
Nervös ging er im Zinnnrr auf unb ab, ruochte einen 
srnchttoscii Versuch, seine Papiere aus dem Schreibtisch zu 
ordlicn, rcküchte eine Zigarette nach dcr andere:'« und 
wußte nicht, was cr tun sollte. Schließlich nahm cr sich vor, 
auf Marlens' Heimkehr zu warten und mit ihm über den 
„Besuch", den er da gehabt hatte, zureden. Er öffnete die 
Wohnungstür zu einem schmalen Spalt, ließ auch die 
Zinimcrtür offen und setzte sich in einen bequemen Sessel, 
in der feste» Absicht, auf alle Fälle mach zu bleiben. 
Aber cr hatte einen zu bequemen Sessel gewählt. Eine 
Vierteistunde später schlief er fest und traunrlos. 
2. Kapitel. 
Hollfelden fuhr empor und starrte schlaftrunken und 
verwirrt um sich. Das elektrische Licht brannte noch, die 
Zigarette, die cr brennend neben sich auf den Tisch gelegt 
hatre, war zu einem 5)äufchen Asche geworden und hatte 
eine dunkelbraune Stelle in die Tischplatte acbranut, das 
Feuer im Kamin war erloschen. Ueber zwei^Dinge w«rrde 
er sich sofort klar, erstens, daß ihn fror, und zweitens, daß 
er sich fürchtete. 
Qr war nicht furchtsam. Wie jeder Mensch, war auch 
er in seinem Leben oftmals in schwierige und gefährliche 
Lagen gekommen, aber cr erinnerte sich nicht, sich je.ge 
fürchtet zu haben. Und doch gestau.d er sied, daß ihn in 
diesen ersten Minuten nach dem Erwacken -eine retstjhast- 
Furcht crsüllie. Er starrrc ans die lwv snew Tür.' n'.it 
einem seltsamen, uncrklärliehcn Gefühl der^Ermarlunn 
irgend ctwas.Schrecklichen. Er glaubte a'uck «vahrzunchmeiq 
daß die Wohnungstür sich bewegte, natürlich nur eine 
Einbildung seiner überreizten Nerven. Er sühl:c seine Stiin, 
sie war brennend heiß. 
Was, zum Kuckuck, war das mit ihm! Hefng lvrang er 
empor. Es war still, totenstill um ihn her, kein Laut oben 
oder unten. Er luchte sich zu erinnern, was ihn cioenttick 
aufgeweckt hatte, aber vergebens. Er wußte nur bestimmt, 
daß irgend etwas gewesen war. aber was?! Er lauschte 
hinaus. Aber nichts war zu hören. Und wie crouf die 
offene Tür starrte, erinnerte cr sich erst, daß er selbst sie 
ja offen aelaffcn hatte, um die Heinirebr Martens abzu- 
warten. Mit eiyem leisen Lachen, das seine Furcht vcr. 
spotten sollte, aber nicht allzu natürlich ausfiel, schenlte cr 
sich ein Glas Wein ein und leerte cs auf einen Zug. 
(Fortsetzung folgt.-
        
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