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Periodical volume Nr. 89, 22.04.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berttü-Friedenav, Freitag ve» 27 Februar 1920 
Fabrg. 27 
Was es in der nächster» Woche gidl 
(Nachdr. unsrer o-Qriginalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Disziplinargewalt im künftigen: Groß-Barlin. 
Eine für die höheren Beamten Groß-Berlins bedeutungs 
volle Aenderung hat der Gesetzentwurf Groß-Berlin in der 
ersten Lesung erfahren. Nach der Regierungsvorlage sollte 
die Disziplinargewalt über die Mitglieder der Bezirks 
ämter, die BczirkSstadträte, dem Oberbürgermeister von 
Groß-Berlin zustehen. Der 17. Ausschuß der Landen-! 
Versammlung hat den § 22 dahin geändert, daß die ge- 
wählten Mitglieder der Bezirksämter der Disziplinargewalt 
der Beznksbürgermeistcr unterstehen. 
oA Viehzählung. Auf Grund der bestehenden Verord 
nungen findet am 1. März d. Js. wiederum eine -.Vieh 
zählung statt, die sich nach der Bekanntmachung des 
Reichswirtschaftsministers in Preußen auf Pserdc, Rind 
vieh, Schafe, Schweine, Ziegen und Federvieh (Gänse, 
Enten, Hühner) erstreckt. Von einer Zählung der Ka 
ninchen ist diesmal abgesehen. 
o Erhöhung der Hundesteuer? Die Großberliner Ge 
meinden wollen gemeinsam für eine Erhühun der Hunde 
steuer aus 60 M. für den ersten und 100 M. für jeden 
weiteren Hund eintreten. 
o Der Gesetzentwurf öder die Grundfthulen und die 
Aufhebung der Vorschulen ist gestern vom Reichhrat an 
genommen worden. Hauptüestimmung ist danach, daß die 
Volksschule in den vier untersten Jahrgängen 
die für alle gemeinsame Grundschule ist, auf der sich 
das mittlere und höhere Schulwesen aufzubauen hat. Aus 
drücklich wird in den Ausschußbeschlüssen festgesetzt, daß 
die Volksschule „zugleich" die ausreichende Vorbildung 
für den unmittelbaren Eintritt in eine mittlere oder 
höhere Lehranstalt geben soll. 
o Zur Abgabe einer Steuererklärung ist nach einer 
Mitteilung des Präsidenten Tr. Holtzt derjenige verpflichtet, 
der einen Vermügenszuwachs von mindestens 6000 M. 
aufzuweisen hat. Wer keinen Vcrmögenszuwachs von 
Mindestens 6000 M. auszuweisen hat, ist zur Abgabe 
einer Steuerklärung nach 8 22 Abs. 2 des Gesetzes und 
ß 6 Abs. 1 der Misführungsbestimmungen nur und erst 
dann verpflichtet, wenn er dazu vom Besitzsteucramte unter 
Beifügung eines Vordrucks und Bestimmung einer min 
destens 14 Tage zu bemessendcn Frist besonders auf 
gefordert wird. Allerdings soll nach ß 3 Abs. 2 und 
8 6 Abs. 1 der Ausfüh.rungsbestimmungen eine solche be 
sondere Aufforderung an solchen ergehen, der ein Ver- 
nlögen von mehr als 50 000 M. besitzt. Aber die bloße 
Ue Versendung eines Steuererklärungsformulars ohne 
Fristbestinimung ist als eine besondere Aufforderung nicht 
anzusehen und verpflichtet daher nicht zur Abgabe einer 
Steuererklärung innerhalb der öffentlich bekannt gemachten 
Frist, sofern nicht ein Vermügenszuwachs von 6000 M- 
oder mehr vorliegt. 
o TaÄ aktive und passive Wahlrecht für tie Clteew. 
beiratswahlen steht nach einer neueren Verfügung des 
Kultusministers Haenisch auch den Stiefeltern zu. 
o Reue Höchstpreise kür Kaffee-Ersatzmittel. Der Rol- 
stofsverteilungsstclle der Kaffee-Erscitz-Jndustrie, Berlin, ist 
vom Reichswirt,chaftSniinisterium die Preisbestimmung für 
nicht aus Getreide oder Malz bestehende Kaffee-Ersatz 
mittel, also für gemahlene Kafsee-Ersatzmittel, Feigen 
kaffee, Mischsabrikate und Kaffee-Essenzen übertragen wor 
den. Die Rohstoffvertcilungsstelle hat mit Ermächtigung, 
des Reichswirtschaftsministeriums mit Wirkung vom 20. 
Die Briefe der Prinzcfflit. 
Don E. PH. Oppenheim. 
(Nachdruck ) 
1. Kapitel. 
In dem halbdunklen Zimmer, das nur von dem in 
Kamin flackernden Feuer ein unsicheres, mattes und dock 
warmes und lebendiges Licht empfing, standen sie sick 
gegenüber und starrten sich schweigend an. Sie lehnte ar 
der Brüstung des offenen Fensters, durch das man du 
Häuser auf der anderen Seite der Straße und einer 
schmalen Streifen des Nachthimmels mit wenigen mat> 
blinkenden Sternen sah, und stützte sich auf die Platt, 
des Schreibtisches — seines Schreibtisches. Er stund nocr 
immer in der offenen Ziminertür, einen Ueberrock übei 
dem Arm, die brennende Zigarette zwischen den Lippen 
den Zylinder, auf dessen glänzender Seide sich das Kamm- 
feuer spiegelte, auf dem Kopf, den Schlüssel, der ihm ge 
öffnet hatte, am kleinen Finger der Rechten. Noch wcn 
kein Wort zwischen ihnen gefallen. Die unerwartete Gegen 
wart des anderen hatte jeden von ihnen zu sehr überrascht 
Der Mann fand zuerst seine Geistesgegenwart unk 
Ileberlegung wieder. Er warf seinen Mantel über di, 
Lehne eines Stuhles, schloß die Tür hinter sich und dreht» 
dann erst das elektrische Licht an. Die plötzliche Helligkei 
blendete ihn, für einen Moment mußte er die Auger 
schließen. Dann sahen sie sich an. 
Die Frau am Fenster neigte sich ein wenig vor. Ir 
ihren Augen spiegelte sich sowohl Ueberraschung wie Furcht 
Er sah, wie heftig ihr Atem ging. Dann sprach sie — 
und ihre Stimme hatte nach dem langen Schweigen et 
was Körperliches, Greifbares. 
„Wer sind Sie ?" fragte sie. »Wie kommen Sie hiev 
her? — Was wollen Sie hier?" 
Er zuckte die Achseln. 
»Sonderbar!" sagte er und.lächelte, ein bißchen per 
Brot: 1600 Gramm und 300 Gr. Kleingebäck oder 
- 1900 Gramm Großbrot. 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Butter: 20 Grammes Pfg., Margarine 70 Gr. 1,33M., 
sowie auf die 2 Abschnitte Q32 der Einsuhrzusatzkarte 
60 Grannn Schmalz, 2,02 M. 
Kartoffeln: 2 Psd. auf '10a—b. Auf die Abschnitte 
10 c—f 500 Gr. Brot. 
Zücke r: Vom 1. bis 15. l März 3 / t Pfund. Ferner 
ür Kinder im 1. Lebensjahre l 1 /« Pfund, im 2. Lebens- 
ahre 1 Pfund uaö im 3. bis 7. Lebensjahre */, Pfund 
m Monat. 
Anzumelden vom 28.. Februar bis 2. März: 
Aui Groß-Berliner Lebensmittelkarte: 
Haferflocke ii und Nudeln: je 125 Gramm auf Ab 
schnitt 8; Pfund Haferflocken 92 Pfg., Nudeln 1,18 M. 
Marmelade: 250 Gr. auf 12; Pfund 3,70 M. 
Auf Einfuhrzusatzkarte: 
Cerealmchl: je 250 Gramm auf J27 und K28, Pfd. 
70 Pfg. 
Auf Friedenauer Nährmittelkarte: 
Gctr. Mohrrüben: 125 Gr. auf Abschnitt 4; Pfund 
2,40 Mark. 
Februar d. Js. ab folgende Höchstpreise für gemahlene 
Kaffee-Ersatzmittel beim Verkauf an den Verbraucher fest 
gesetzt: für vom Hersteller verpackte Ware 4,30 M., für 
lose, ausgewogene Ware 3,80 M. je Pfund. 
o Ein Gesetz, über Lehrmittelfreiheit kündigte Mi 
nister Koch in der gestrigen öffentlichen Neichsratssitzung 
an. — Nack den schlechten Erfahrungen, die man mit der 
Lehrmiitelsreiheit in Friedenau gemacht hat, dürfte ein 
solches Gesetz kaum zu empfehlen sein. 
o Eierrmfuhr. Die Einfuhr von Eiern aus dcem Aus 
lande ruhte im Januar d. Js. vollständig. Nur 
geringe Mengen dänischer und amerikanischer Kalkeier 
wurden angeboten, deren Ankauf sich über schon mit Rück 
sicht auf den schlechten Stand der Valuta nicht empfahl. 
Lediglich 180 000 Stück amerikanischer Kalkeier gelangten 
zlim Zwecke der Krankencrnähruilg zur Verteilung. Da 
gegen konnten den Bedarjs>änderN 47 Tonnen Tro ck e tz- 
ganz e i und 47 Tonnen Eigelb'für DerteilufftzenVzör' 
Verfügung gestellt iverden. Von dem Ausfall dieses ersten 
größeren Versuches, Trockencikonserven den Verbrauchern 
der Bedarfsländer zu überweisen, wird es abhängen, in 
welchem Uiiisange in Zukunft der Einkauf von Eiprodukten 
vorgenommen werden soll. Da mit einer wesentlichen 
Einfuhr von Auslandsciern nach den jetzigen Aussichten 
nicht gerechnet werden kann, wird der inländische Ver 
braucher sich daran gewöhnen müssen, die E i k o n? e r v e 
stärker als bisher zum Verbrauch heranzuziehen. Um die 
Einkäufe auf möglichst günstige Weise tätigen zu können, 
ist beabsichtigt, auch den Eiproduttenhandel am Einkauf 
und Betrieb der Eiprodukte zu beteiligen. 
v Die Kupfev-Pfcärnige haben ebenso wie das Silber 
geld heute einen viel höheren, als den ausgeprägten, 
Wert. 500 Pfennige, also 5 Mark in Pfennigen, wiegen 
1 Kilogramm, dieses Kilogramm aber hat einen Wert 
von mindestens 30 Mark, da Kupfer zn etwa 32 Mark an 
der Berliner Metallbörse gehandelt wird. 
o Mejs wgsckiildii: »nd Türtiinken werden von den 
Spitzbuben in letzter Zeit stark begehrt. Es dürfte sich 
für die Besitzer empfehlen, die Messingschrlder usw. zu 
wundert, ein bißchen spöttisch. „Ich habe mir eingeredet, 
daß i ch das eigentlich hätte fragen sollen. Immerhin, ich 
will Ihnen antworte». Also ich heiße Hollfelden, und ich 
komme hierher in der Absicht, in mein Schlafzimmer zu 
gehen und mich zu Bett zu legen. Darf ich nun meiner 
seits fragen," fügte er, immer noch lächelnd, hinzu, „was 
mir das Vergnügen dieses Besuches verschätzt hat?" 
Sie gab ihm nicht sofort Antwort, und wie er ihr 
Aeußeres jetzt einer genauen Besichtigung unterzog, wuchs 
fein Erstaunen. Wie die Lage immer sein mochte, in der 
er sie gefunden halte, er war doch sicher, keine gewöhnliche 
Diebin in seinem Zimmer überrascht zu haben. Freilich, 
das eine war klar, sie hatte seinen Schreiblisch geötznet und 
seine Papiere durchsucht, die in wirrer Unordnung auf der 
Tischplatte und auf dem Boden lagen. Ebenso sicher 
aber war, daß sie außerordentlich schön war. Und mehl 
noch. Sie war einfach gekleidet, aber mit jener eleganten, 
vornehmen, raffinierten Einfachheit, die den erstklassigen 
Schneider verriet. Ein Pelzumhang» dessen Kostbarkeit 
außer allem Zweifel war, lag halb auf einem Sessel und 
halb auf dem Zimmcrboden, wie wenn sie ihn achtlos ab 
gestreift hatte. Sie schien ihm eine Dame der- großen 
Welt, Gesellschaftskreisen angebörig, denen er selbst sich 
nicht einmal zuzählen durfte. Wie kam sie in fein Zimmer- 
Welches Interesse hatte sie an seiner Person und an seinen 
geringfügigen Habseligkeiten? 
„Hollfelden!" wiederholte sie nachdenklich, ihn fort 
während ansehend. „Wenn Sie Hollfelden heißen, muß 
ich noch einmal fragen, was Sie in diesem Zimmer wollen ?' 
„In diesem Zimmer?" Er sah sich um, um sich zr 
vergewissern, daß er auch wirklich in seinem Arbeitszimmei 
und nirgend anders war. „Aber mein Himinel, das iß 
doch mein Zimmer!" 
.»Ihr Zimmer!" Sie wühlte hastig unter den Papieren 
seinen Papieren, und brachte einen Schlüssel zum Vorschein 
„Das Haus ist doch Rankeslraße 79, nicht wahr?" 
„Ohne Frage! bestätigte er höflich. 
„Dann ist dies mcht Ihr Zimmer und nicht Ihr, 
Wohnung." 
„Das erlaube ich mir zu bestreiten," erwiderte er 
entfernen und sie durch Holz-, Papier- oder Emailleschilder 
und die Klinken durch Eisenklinkcn zu ersetzen. 
o SckMibmaschinew-Nussuhr. Die Verbände der 
Schrcibmaschinenhersteller und.-Händler haben die Errichk- 
tung einer besonderen Kontrollstelle beschlossen, um die 
Ausfuhrbewilligung von gestohlenen Schreibmaschinen zu 
verhindern. 
o Erhöhung der Alters- und Invalidenrenten. Zu 
dem Verwaltungsbericht der ' Landesversicherungsanstalt 
Brandenburg waren dem Provinzial-Landtage zwei An 
träge der Unabhängigen Fraktion eingegangen, wonach 
alle Renten um mindestens 100 Prozent'erhöht und 
die Regierung ersucht werden soll, den Anstalten genügend 
Kohlen und Lebensmittel zuzuweisen. Im Na 
men des Ausschusses für die Angelegenheiten der Landes- 
, Versicherungsanstalt berichtete Abg. Jatz ow (Schöneberg). 
Der Ausschuß stellte seinerseits den Antrag, die Reichs- 
rcgierung um schleunige Vorlegung eines Gesetzentwurfs 
zu ersuchen, worin eine beträchtliche Erhöhung der Renten- 
lcistungen und entsprechende Erweiterung der Versiche 
rungsbeiträge vorgesehen wird, und beantragt ferner, die 
Reichsregiernng zn ersuchen,- die erforderlichen Maßnah 
men wegen Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung 
der Heilstätten mit Lebens- und Heilmitteln ungesäumt 
zu treffen. Nach weiterer Aussprache wurde der ge-; 
änderte Zusatzautrag der Unabhängigen auf Verdoppelung 
der Renten gegen die sozialdemokratischen und unabhängi 
gen Stimmen abgelehnt und den Anträgen des Ausschusses 
zugestimmt. 
o Krankenbrot. Die gestern von uns veröffentlichte 
Zuschrift der Frau Mörktel trifft insofern nicht mehr zu, 
als für die Herstellung von Krankenbrot jetzt nur gutes 
Krankenmehl verwendet wird. 
o Das Verdicnstkreuz für -Kriegshilfe haben erhalten: 
Postsekretär Ebel, Postselrctür Schläfkc, Postsekretär 
T ent er, Oberpostschaffner Beyer, Oberpostschafsner 
Beitz, und die Aushelferin im Beamtendienst Frau 
Krätke. Ferner erhielt Frau Clara Sievers, Le- 
fevrestraße 26, l Tr., Vorstandsdame im Vaterl. Frauen 
verein, für langjährige aufopfernde Dienste daS Verdienst 
kreuz für Kriegshilfe. 
o Pfarrer Werner Görnanidt. Am Sonntag, dein 
29. Februar 1920, nachm. 6 Uhr, findet in der Matthäi- 
Kirche in Berlin (an der Potsdamer-Brücke))'' die , feier 
liche Ordination des Vikars Wern er G oirm a n d t-, Sohn 
unseres verstorbenen langjährigen ersten Pfärrcrs)^lM', 
Pfarrer statt. Tein Vernehmen nach hak Herr Werner- 
iGl'irnandt in einem Berliner Vorort seine erste feste 
Anstellung als Pfarrer erhalten. 
o Zn de« Elternbeirat-wahlen an den höheren Schorlen 
sind nur. beim Ncformrcqlgymnasium zwei Listen ein- 
aereicht worden, eine unpolitische und eine sozialdemokra 
tische. Es wird also am 7. März nur an dieser Schule 
zu einem Wahlkampf kommen. An den übrigen Schulen 
braucht eine Wahl nicht stattzufinden, weil dort nujr 
eine Liste — je eine unpolitisch-christliche — eingereichr 
worden ist, die durch die Unterschriften bereits als ge 
wählt gilt. 
o Kundgebung zur Erneuerung der öffentlichen Ver 
waltung. Neue Strömungen sind am Werk, die in letzten 
Jahren mehr und mehr erzielte Uebernahme bewährter 
Praktiker jeder geeigneten Vorbildung in die höhere Ver 
waltung des Reiches, der Länder und der Sclbstver- 
waltungskörper hintanzuhalten. Der Deutsche Verband 
Technisch-Wissenschaftlicher Vereine, der Deutsche Volkef- 
„Wenigstens bilde ich mir ein, hier schon seit zwei Jahren 
zu wohnen." 
„Ja, aber ich habe die Wohnuugstür doch mit diesem 
Schlüssel ötznen tönnen." 
Er sah auf den Schlüssel in ihrer Hand und auf den 
seinen und fand, daß sie sehr ähnlich waren. 
„Zu wen, wollten Sie denn eigentlich?" 
„Zu Herrn Martens." 
Jetzt endlich begann er die Situation zu verstehen. 
„Sehr wohl, aber Herr Martens wohnt eine Etage 
höher." ' • , 
Sie gab sich noch immer nicht besiegt. 
„Ich höbe aber die Wohnungstür hier mit diesem 
Schlnsset öffnen können." 
Belustigt wies er ihr den Schlüssel in seiner Ha>. 
„Sie sehen, die beiden Schlüssel sind sehr ähnlich," 
sagte er. „Der Schlosser, der sie angeferngt hat. hat 
otzenvar nicht mit solchen Verwechslungen gerechnet." 
Sie strich sich mit der Hand über die Sürn, mit einer 
nervösen, hastigen Bewegung. 
„Wie ärgerlich!" sagte sie und zwang sich zu einem 
Lächeln. „So habe ich mich wirklich geirrt. Ich bitte 
tausendmal um Verzeihung." J 
Gr stand vor der geschlossenen Tür und rübrte sich 
nicht von der Stelle. Die haloe Aufklärung, die er da für 
den eigenartigen nächtlichen Besuch erhalten, halte ganz 
neue Ideen und Vermutungen über die Person der Fremden 
in ihm geweckt. Er kannte den Mieter der anderen 
Etage, kannte wenigstens einige seiner Lebe - gcwohnheiten 
und den Ruf, den er im Hause genoß. Mariens pflegte 
stets erst in den Morgenstunden yach Hause zu kommen 
und er sollte seine Zeit angeblich in mehr als zweifelhafter 
Gesellschaft verbringen. Wenn ihn Hollfelden. der selbst 
nicht selten über die „Polizeistunde" ausblieb, mal des 
Nachts auf der Treppe getroffen batte, war Martens meist 
angeheitert gewesen, und recht oft auch — in Gesellschaft. 
Wenn die schöne Unbekannte ihm ihren nächtlichen Besuch 
zugedacht hatte, gehörte sie wahrscheinlich' der eleganten 
Halbwelt an. 
(Fortsetzung folaf.)
        
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