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Periodical volume Nr. 170, 29.07.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Krrnsprechir: A»t PfalzLurg 212». — Snuf und Verlag von Leo Schultz, 
ZeitUNg) . vnreigen 
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OCfl Friedenaver LttZteil von CKßrreZerg. ?.«is der ^gespaltenen Zeile oder deren 
Seschlftsftelle: Rh-I»«-. 15. Ix S.S“Ä*fef 
Berlin-Friedenau. Rheiustraße 15. — Kernsprecher: Amt Pfalzburg 212». 
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Bcrllll'Frielirimll. Mittwoch. Des 25. Februar 192t) 
Safir». 27 
Unsere Frauenschnle. 
Durch Beschlus; der Gemeindevertretung ist die An 
gliederung einer einjährigen Frauenschule an die Kö- 
nigin-Luise-Schulo zum 1. April 1920 beschlossen worden. 
Ter Herr Minister sür Wissenschaft, Kunst und Volks 
bildung hat durch Erlaß vom 81. 12. 1910 die Geneh 
migung dazu erteilt. 
An Räumen werden für die Frauenschule zur Ver 
fügung stehen: eine große Küche, ein Eßzimmer, ein Unter 
richtsraum, ein Nadclarbeiisraum, eine Waschküche, eine 
Plättstube, Vorratsräume und ein Lchrerinnenzimmer. 
Ein von der Gemeinde eingerichteter Kindergarten -- 
zwei große Klassenzimmer — wird unmittelbar ange 
gliedert. Im Dachgarten wird Gartenarbeit (Gemüse- und 
Obstbau) getrieben. Die Anlegung eines größeren Schul 
gartens ist geplant. 
Gemäß dem Ministerialerlaß vom 31. 12. 1917 er 
strebt die Frauenschule drei Lehrziele: 
a) Einsicht in die Bedürfnisse und Anforderungen des 
Haushalts sowie Kenntnis der zu ihrer Befriedigung 
dienenden Mittel. Tie Fähigkeit, die zur Verfügung stehen 
den Stoffe vollständig und mit dem größten Vorteil 
für die Wirtschaft auszunützen, d. h. kurz gesagt: Prak 
tische Anleitung zur Führung eines Haushaltes. 
b) Einsichl in die Aufgaben, die die Sorge für das 
körperlich und geistige Wohl des Kindes an die Mutter 
und Erziehung, die Sorge sür alle Familienangehörigen 
an die Hausfrau stellt, d. h. kurz gesagt: Einführung 
in den Pflichtenkreis der Mutter. 
r> Eine allgemeine Vertiefung und Erweiterung der 
im Lyzeum erworbenen Bildung: Erstarkung der sittlichen 
Persönlichkeit und Verständnis für die Steilung des ein 
zelnen zur Gesamtheit und seine Eingliederung in das 
Gemeinschaftsleben des Volkes. 
Tiefe drei hohen Ziele können nur durch ernsthafte 
Arbeit der Schülerinnen erreicht werden. Daneben aber 
soll hurch ein regeS Gemeinschaftsleben gesunder Froh 
sinn und edle Geselligkeit gepflegt werden. Das Frauen 
schuljahr ist ein vollwertiger Ersatz für das früher übliche 
Penjionsjahr und wird richtunggebend für die Berufs 
wahl sein. ’ ; 
Als Pflichtfächer gelten: RahrungSmittellchre, 
Kochen und Hausarbeit etwa 4 u. 2 - 6 Std.. Kindcr- 
garten-Arbcit und -Unterweisung und Säuglingspflege 
3 u. 1 - 4 Std., Gartenbau (nur im Sommerhälbiahr) 
v 2 Std., Turneu (nur im Winterhalbjahr) 2 Std., Nadel- 
- arbeit 3 Std., Teutsch 2 Std., Erziehungslehrc 2 Std., 
Gesundheitslehre 1 Std., Geschichte 1 Std., Volkswirt 
schaftslehre und Bürgerkunde 2 Std., HauS- und volkch- 
tvirtschsaftlicheS Rechnen 11 Std. Im Koch- und Nadel- 
arbeitSunterricht, in der Kindergartenarbeit, Säuglings 
pflege und Gartenarbeit erfolgt Gruppenbildung. 
■ I Wahlfächer sind: Religion 1 Std., Kunstgeschichte 
2 Std., Englisch 2 Std., Französisch 2 Std., Kurzschrift 
1 Std., Maschineschreiben 1 Std. 
Mindestteitnehmerzahl sür die Wahlfächer 12 Schüle 
rinnen. Die Schülerinnen sollen möglichst nicht mehr 
als 4 Wochenstunden wahlfreien Unterricht belegen. 
Jm Sommer und Winter wird möglichst in. 'jeher 
Woche ein Nachmittag sür Wandern, Spielen und Sport 
eingerichtet, im Winter ein Lesenachmittag und ein ge 
selliger Abend. Tie verhältnismäßig geringe Belastung 
mit Pftzchtstimden soll den Frauenschüserinnen die Mög 
lichkeit geben, sich körperlich zu kräftigen und sich am 
Gemeinschaftsleben die Schule lebhaft zu beteiligen. Außer- 
dcm muß Zeit übrig bleiben für Besichtigungen, beson 
ders von WohlfahrtSeinrichtungcn und industriellen An 
lagen 
In die Frauenschnle werden aufgenommen: 
a) alS B o l ls chü l er in ne n: junge Mädchen, die 
l. Das Schlußzeugnis eines Lyzeums erworben oder die 
entsprechende Reife, in einer Prüfung nach dem Erlaß voin 
7. Juni 1912 nachgewiesen haben: oder 2. die erste 
Klasse eines Lyzeums durchgemacht, aber das Schluß- 
zeugnis, sei es wegen der Befreiung von einer Fremd 
sprache oder wegen nicht ausreichender Leistungen in ' 
Mathematik oder den Fremdsprachen nicht erhalten haben, 
falls die Zeugnisse in den übrigen Fächern eine genügende 
allgemeine geistige Reife gewährleisten; oder 3. eine im 
Sinne des Erlasses vom 8. August 1911 anerkannte 
10-klassigc höhere Mädchenschule mit Erfolg durchgemacht 
und ein gutes oder mindestens durchweg genügendes Ab 
gangszeugnis erhalten haben. 
Dem Leiter der Frauenschnle steht es in den unter 2 
und 3 dezeickneten Fällen frei, in gewissen Fächern eine 
Aufnahmeprüfung vorzunehmen. 
b) als G a st s chü l e rin n e n: junge Mädchen, die 
daS 16. Jahr vollendet haben und 1. eine int Sinuc 
des obenerwähnten Erlasses anerkannte, 9-klassige höhere 
Mädchenschule nach den Lehrplänen vom 81. Mai 1894 
oder 2. eine anerkannte Mittelschule mit Erfolg besucht 
haben. 
Ein Altersnachlaß findet nicht statt. 
c) als G a ft f ch ü l e r i n n e n mit dem Recht, nach 
Wunsch auch nur an einem der Fächer teilzunehmen, 
junge Mädchen, die eine über das Lyzeum hinausgehende 
Bildung besitzen, insbesondere Studentinnen und Lehre 
rinnen, die sich neben ihreit sonstigen Arbeiten praktisch 
ausbilden wollen. 
Das Schulzeugnis einer Frauenschnle berech 
tigt zum Eintritt in die Lehrgänge zur Ausbildung von 
technischen Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Hortne 
rinnen. Die sonst geforderte technische Vorprüfung fällt 
für diese Anwärterinnen fort. Das SchlußzeugniS ge 
währt außerdem Zulassung zu der Mittelstufe eines staat 
lich anerkannten selbständigen Kindergärtnerinnen- und 
Hortnerinnenseminars mit 1 >4 jährigem'Lehrgang und zur 
Ausbildung als Jugendleilcrin. 
Zu jeder Auskunft ist der Direktor gern bereit. 
Sprechstunde täglich zwischen 10 und 11 Uhr. Fern 
sprecher: Psalzburg 810 (Nebenanschluß Königin-Luis^ 
Schule). 
Ortsnacbiidmrä 
Rochdr. unsrer o-Ortglnalarttkel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ueber Wknterbeihilfen für notleidende Krlegöhinter- 
bkietvne finden die Beteiligten Näheres unter „Amtliches". 
o Die Händler mit Mehl und Brot werden daran 
erinnert, ihre Mehl- und Brotbüchc in Ordnung zu 
halten, widrigenfalls ihnen von der Verwaltung der Ver 
kauf entzogen wird. 
o Der Brnjrrdenbnrgisch,« Provinziallirndtag begann 
gestern (Dienstag) Nachmittag seine sachlichen Beratungen. 
Ueber die Provinzialmittel zu Nolstandsarbeiten, die der 
Provinzialauöschuß in Höhe von 9,2 Millionen bereits 
bewilligt hat, berichtete Landesrat' Graf Rothkirch. Aus 
die Anfrage des Aba. Radtke-Neukölln (Unabh.), was 
in Zukunft für Notstandsarbeiren vorgesehen sei, führte 
oer ^erla.ter>,alter ans. daß an den Notstandsarbeiten noch 
gearbeitet werde und daß sich die tünftigcn Arbeiten im 
Zwei Lerlamente. 
Roman von F. Stolze. 
gg «Nachdruck verboten.) 
eine allgemeine Aufregung ergriff die Versammlung 
bei Suleikas leidenschaftlichen Worten, obwohl die wenigsten 
sie verstanden. Laute Dravoruse erfüllten- die Lust, als 
Werner Suteikas Worte übertrug, und es bedurfte für die 
Abgesandten kaum noch der Zurückweisung des unerhörte-'». 
Anspruches durch Werner, der ihnen sagte, eher habe er 
selbst eine solche Entschädigung von dem Häuptling sür 
die ihm zuteil gewordene Behandlung zu verlangen. 
Abermals berieten die Daharlus. Dann begann ihr 
Obmann. fein, daß Suleika dem Sahib aus freien 
Stücken gefolgt ist. Das würde euch aber noch immer nicht 
berechtigen, sie dem Vater vorzuenthalten, der sie jetzt durch 
uns von euch zurückfordert!" - , 
Ein lautes Getümmel folgte der Uebersetzung dieser 
Worte durch Werner, der sich jetzt wiederum den Ab- 
gesandten zuwendete: ‘ 
„Genug dieser unsinnigen Bemühungen. Wenn euer 
Häuptling uns nichts anderes zu sagen hat, so ist es besser, 
die Verhandlungen abzubrechen." 
Da erwiderte der Sprecher der Baharlus mit schroffem 
Ton und blitzenden Augen: . < 
„So leicht, ihr Hunde, denkt ihr mit uns fertig zu 
werden? Ihr vergeßt, daß Nur Ali Khan ein Pfand m 
Händen hat, durch das er alles von euch erzwingen 
kann I" _ . . 
„Was für ein Pfand?" fragte Werner verwundert. 
„Die Braut deines Sohnes, o Sahib. Eher wird Nur 
Ali Khan sie dem geringsten Manne als Weib uber- 
liesern, als daß er von einer feiner Forderungen ab 
geht !" ^ _ 
Eine kurze Stille folgte diesen Worten. Dann be. 
gönn man zu verstehen. Ellen hatte sich, um sich dem 
Häuptling gegenüber als wichtige Person aufzuspielen, als 
»Ewalds Braut ausgegeben. E2 erhob sich ein Hohnge 
lachter. Aber halt! Hatte sie sich blos; dafür ausgegeben, 
hakte sie es nicht auch werden woll. i? Es dämmerte 
mehr und niehr bei allen. Halte sie nicht von Anfang an 
alle Künste der Verführung gegen Ewald spielen lassen? 
Und mehr als das. wurde jetzt ni^ t plötzlich klar, wes 
halb sie außer Sulcika auch Erna u..j Alice in die Hand 
Rur Ali Khans yatie geben wollen? M in blickte in einen 
Abgrund. Alles hatte das Weib ,'rupellos seiner Selbst 
sucht opfern wollen, und es war kaum zu bezweifeln, daß 
zuleht auch Arnold und Ewald an die Reihe gekommen 
fei» würden, wen» ihre Pläne geglückt wären. 
Werner rassle sich zuerst wieder auf. Tiefernst wandte 
«r sich zu den drei Abgesandten, die den» Vorgang er 
staunt und verständnislos gegenüberstanden: 
„Kehrt zu eurem Häuptling zurück und sagt ihm, daß 
wir nichts niehr mit ihm zu schagcn haben. Wir kehren 
in die Heimat zurück. Er aber soll die schöne Teufeliu be 
halten, die wir mit Verachtung von uns stoßen." 
« * 
* 
Ueber ein halbes Jahr war vergangen. Die Mosel- 
expedition war in die Heimat zurückgekehrt und hatte sich 
aufgelöst. Arnold Werner hatte die Wintermonate in 
-England zugebracht, um all seine Beziehungen zu den 
British Steel Manufakturing Works zu regeln und end 
gültig abzubrechen. Seine Kinder und Suleika befanden 
sich in Mrfelhorft, im engsten Verkehr mit Leppels. 
Die schöne Perserin hatte sich mehr und mehr den 
europäischen Sitten angepaßt. Sie sprach bereits ziemlich 
-fließend Deutsch und hatte von dem nächsten Geistlichen 
regelmäßigen Religionsunterricht erhalten, fo daß ihrer 
Taufe nichts mehr im Wege stand. Dies Fest mar zugleich 
mit der dreifachen Hochzeit auf den Himmelfahrtstag au- 
gesetzt, zu dem Werner aus England zurückerwartet wurde. 
"Man war auf Mojclhorst und in Eichiamp in fieber 
hafter Erregung. Je näher das große Familienfest heran- 
rückte, um so wunderbarer erschienen allen die Schicksale, 
die sie durchlebt hatten. Und als nun endlich am Montage 
vor dem Lage, der den endgültigen Abschluß ihrer 
märchenhaften Vergangenheit bilden sollte, Werner auf 
dem Schlosse eingetroffen war, und der folgende 2tzbend 
Nahmen der bewilligten Mittel halten müßten. Ueber 
die Mitwirkung des Provinzialvcrbandes bei der sozialen 
Fürsorge sür die Kriegsbeschädigten berichtete Landesdirek 
tor Dr. v. Wintorfeldt. Es ist ein Brandenburgischcr 
Hauptausschuß sür Kriegsbeschädigten- und Kriegshinter- 
bliebenensürsorge unter Leitung des Landcsdirektors ein 
gerichtet und ihm ein Beirat beigcben worden. Der Land 
tag stimmte dem hierfür aufgestellten „Reglement" zu. 
o Das Schulvorstands-Gesetz rechtsungültig. Der Ge 
setzentwurf über die Abänderung der Zusammensetzung der 
Schuldeputationen, Schulvorstände und Schulkommissiönen, 
der bereits in der preußischen Landesversammlung aus 
den heftigen Widerstand des Zentrums gestoßen war, hat 
int UnterrichtSausichuß dahin geführt, daß die ReichS- 
minister der Justiz und des Innern um ein Gutachten 
ersucht wurden. Dieses Gutachten erklärt nun die preußisch« 
Vorlage mit der Reichsverfassung für nicht vereinbar, 
da die Bestimmung, nach der Geistliche, die früher kraft 
ihres Amtes Mitglieder der Schuldeputationen usw. waren, 
jetzt nicht mehr solche sein sollen. Dadurch werde der 
reichSgesetzlicheu Regelung der Materie vorgegriffen. 
o Neue Kohlcuadschnitte freigegeben! Von heute ab 
werden folgende weitere Abschnitte freigegeben: Abschn. 3 
der neuen.1 L-Zentner-Kochkarie, Abschn. 18 der 16-Zentner- 
Kochkarte, 23 der 24-Zentii.-Kochkarte 33 der 32-Zentner- 
Kochkarte, Libschu. 3 der neuen 3-Zentncr-Ofenkarte, 13 
der 10-Zcntner-Ofenkarle, 23 der 20-Zeniner-Ofenkarlr, 
33 der 30-Zenrncr-Osei,karte, 43 bezw. 53 und 63 der 
40-Zentner-Ofenkarte. Auf die Abschnitte der alten Koch-, 
Ofen-, Koks- und Sonderkarte dürfen vom 1. März ab 
Kohlen nickt mehr abgegeben werden. 
ö Verteuerung der Eisenbahn- und Straßenbahch- 
sahrtan. Wie bestimmt verlautet, sollen die Bororttarife 
vom 1. Mai al, einen Zuschlag von 25 v. H. erhalten.' 
Tie Straßenbahn will ab 1. April den Fahrpreis auf 
50 Psg. für eine Fahrt erhöhen. 
o Dahlem will selbständig bleiben oder Anschluß an 
Zehlrndor!-Mkolachfee-Wants:c. Der Orts-Ausschuß von 
Dahlem, der sich aus allen Parteien zusammensetzt, hat 
im Namen von 6000 Einwohnern Dahlems eine Erklä 
rung abgegeben, in der Einspruch gegen den Beschluß 
der Unterkommission des Ausschusses der Preußischen Lan- 
desversammlung zur Beratung des Gesetzentwurfes „Groß- 
Berlin" erhoben wird, wodurch der Gutsbezirk Berlin- 
Dahlem zcrscktagen und in seinen Teilen an den Der- 
waltungsbezirk Steglitz bezw. Wilmersdorf angeschlossen 
werden soll. Es wird die Gemeinde Berlin-Dahlem ge 
fordert und, falls der Entwurf Gesetzeskraft erhält, die 
Angliederung Dahlems an den Verwaltungsbezirk Zch- 
lendorf-Nikolassec-Waunsee. 
o Unsere Postfchzioeher seien an die Erneuerung der 
Bestellung erinnert, damit im Monat März keine'Ver- 
zögerung in der Zustellung des „Friedcnauer Lokal-Aus- 
zeigers" eintritt. 
o Die Tätigkeit des ^Wohnnngsvcrbandcs Groß-Dert» 
lm. In der gestrigen Sitzung des ArchitektenvcreinS zu 
Berlin, die von Vertretern der Behörden, der Architekten-» 
schuft des Baugewerbes Groß-Berlins zahlreich besucht war, 
erstatteten der Geschäftsführer des Wos,-"nw-'»'-"-bandeS, 
Stadtbaurat Deuster, und der bautcchnische Referent ich 
Wohnungsverband, Dr.-Jng. Heiligentyai, ^eri^r cwer me 
bisherige Siedlungsiätigkeit des Verbandes. Von dem Ilm 
sang dieser Arbeiten mag die Tatsache einen Begriff 
geben, daß der Wohnungsverband gegenwärtig 48 Beamte 
zählt, darunter 5 Referenten und daß für 1919 der Be- 
trag von .150 Millionen zum Ausbau von Notwohnungen 
das Doisest ihrer endgültigen Bereinigung bringen sollte, 
kam es ihnen vor. als gingen sie nich einer W.rlUchkeit, 
sondern einem schönen Traum entgegen. 
Der Dienstagabend mar angebrochen. Die beiden 
Familien saßen im großen Feslsaal von Moselhorst und 
empfingen die Glückwünsche der zahlreich herbeiströmenden 
Freunde und Verwandten. Soeben war eine kurze Pause 
in den Begrüßungen und Anreden eingelreten. als einer 
der Diener auf den Herrn des Hauses zuschritt und ihm 
einen Brief auf silbernem Teller überreichte. 
Ucberrascht rief Werner: 
„Ein Brief aus Sbiraz von Dr. .Wilson! Gestatten 
Sie, bitte, daß ich ihn öffne!" 
Alle drängten sich um ihn. Er überblickte <öe Zeilen. 
Ein Leuchten flog über sein Gesicht, dann beganmer: 
„Bitte, hören Sie alle, was er mir schreibt: 
Lieber Freund! 
Ich erfuhr, daß Sie zwei Tage vor Himmelfahrt die 
Vorfeier Ihrer und Ihrer Kinder Hochzeit begehen, und 
rufe Ihnen aus dem Lande, wo Sie das Schwerste zu 
erdulden hatten, herzliche Segenswünsche zu. Erfahren 
Sie am heutigen Tage auch, was inzwischen hier geschehen 
ist. Aus Laristan kommt die Nachricht, daß Rur Ali 
Khan, der erste Häuptling der Daharlus, eine wunder- 
schöne Engländerin, die er geraubt hat, zu seiner Haupt 
frau gemacht hat. Zugleich wird berichtet, daß diese Dame 
ihn ganz beherrscht, und daß faktisch nicht er, sondern sie den 
Stamm regiert. Ich wünsche IhneiEllen Glück dazu, daß 
Eie von dieser gefährlichen Feindin befreit sind! 
Ihr 
treu ergebener 
Tom Wilson, Dr. mack." 
Ein lautes Hurra tönte durch den Saal. Nur übet 
Suleilas Wangen rollten einige Tränen.
        
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