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Periodical volume Nr. 47, 24.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Bezugspreis 
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Berlm-Friedeuau. Rheinstraße 1L. — Fernsprecher: Alpt Pfalzburg 2128. 
Berttu-Fnedevlm, Dienstag, den 24 Februar 1920 
Jahr». 27 
waren, daß, die Leute abends gegen die Bäume liefe;n 
oder bei Negenivcrler in die Pfützen der Baumkränze; 
treten (Zurufe: Mehr Licht). In der Kaiferallee mußten 
viele kranke Bäume fallen; das Bild wäre nun kein 
gutes gewesen, wenn einige Bäume stehen geblieben wären; 
und weil nun dort auch die Nasenstreifen wieder neu an» 
gelegt werden sollten, habe man .reinen Tisch gemacht 
und alle Bäume, gefällt, um allgemein Platanen, zu 
vflanzen. Tie tlebcrgangszeit müsse man überwinden. 
Nach l 2 Jahren werde er wieder einmal an die heutige 
Aussprache erinnern. Das Auslichten der Bäume sei auch 
notwendig, um den Vorgärten Licht und Luft zu geben, 
Tas Pflanzen von Obstbäumen sei praktisch niwt durch 
führbar, weil diese kaum zu beschaffen und zu teuer wären. 
Aber diese Bäume würden auch durch das Abernten arg 
zugerichtet werde», das sähe man schon an den Kastanien. 
Heute scheue sich ja niemand mehr, über neugeschaffene! 
Anlagen zu gehen. Tie Eltern sollten hier .einmal auf 
die Kinder bessernd einlvirken, desgl. die Schule. Von an 
derer Seite wurde angeregt, diejenigen Kinder, die die 
Anlagen beschädigen, polizeilich feststellen zu lassen. Ter 
Vorsitzende erklärte, daß er mit den Ausführungen nicht 
ganz einverstanden sei. Mit Nußbüumcn sollte mau 
mal eine Vcrsuchsftraßc anlegen. Im allgemeinen aber 
dürfe hier kein gesunder Baum gefällt werden. Und so 
schlage er vor, zu beschließen, daß der Verein gegen die 
Abbolzungen protestiere. Mit üverwiegender Mchrlicit 
wurde dieser Beschluß gefaßt. Etwa ein Drittel der An 
wesenden waren dagegen. — Ueber bett sonstigen Verlauf 
der Versammlung ist zu berichten, daß der Vorsitzende 
nach der Begrüßung Mitteilung machte über die Be 
stellung der Saatkartoffcln. Jeder solle 20 Pfd. Früh- und 
10 Psd. Spätlartosseln erhalten. Vielleicht können noch 
mehr Frühkartoffeln verteilt loerden. Spälkartosseln seien 
weniger zu hcibbn. Der Preis für je 10 Psd. beträgt 5Ml 
Es loerden Bezugsscheine auf die Bestellungen ausgegeben. 
Herr Gartcninspcitor Stabe hielt dann einen Vortrag 
über „Frühjahrsarbeiten im Kleingarten". Er sprach be- 
sotrders über die Pflege des Beercnobstcs, die Herrichtung 
der Erdbecrbeete. das Auslichten der.Himbeer-, Stachel 
beer- und Johannisbeersträucher und gab dann an Hand 
kleiner Bäume praktische Anleitung über das Beschneiden 
der Obstbäume. Ferner machte er beachtenswerte An 
gaben über das Pflanzen der Obst-bäume, über Wurzel 
behandlung, Kalken. Wundbehandlung, Düngung und Be 
wässerung der Bäume. Aus verschiedene Anfragen erteilte 
er noch Auskunft, insbesondere über das Düngen des 
Gartens ntit künstlichem Dünger. Der Vorsitzende dankte 
dem Vortragenden namens der Versammelten sür die lehr 
reichen Ausführungen. Er berichtete noch über die Samen- 
verteilung und Anzucht der Pflanzen. Die letztere habe 
Herr Gärtner Werner, Laubael-er Straße 9, übernommen. 
Ueber die ^amcnvertcilung lverde noch näheres mitge 
teilt werden. Ter Vorsitzende wies noch auf die Vortrags 
reihe des Herrn Rcchnungsrat Richter über Kleingarien- 
bau mit praktischer Vorführung in der Friedenauer Hoch 
schule hin und erklärte, daß au einet» Sonntage mal 
eine praktische Vorführung der Baumpflanzung durch 
Herrn Garteninspcktor Stabe stattjiiiden solle. Der Tag 
werde im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" bekannt gegeben 
werden. 
o Der Groß-Derlitrer Ausschuß der Provinz. In den 
vom Beaiidenburgstchcn Provinziallanbtag eingesetzten 15- 
gliedrigen Ausschuß zur Prüfung des Verhältnisses der 
Provinz zu Groß-Berlin sind gewählt worden: die Ober 
bürgermeister Dr. Scholz-Charlottenburg, Dominicusf- 
Schöncbcrg, Dr. Glücksmann-Guben, Bürgermeister Scholz- 
Neukölln, Abg. von Oppen, Wrede -(Teltow), Stadtv. 
v. Rackwitz-Eharlottenburg, Laudrat Scheck-Fricdcberg, Tr. 
Neumann, Frohnau, Landwirt Krügcr-Höppciirade, Buch- 
druckereibesitzer Sidow-Arandciiburg, 'Lehrer Zander-Müh 
lendorf. Laudrat Kachnc-Spremberg, Stadiv. Tr. Holz- 
Wilmersdorf und Abg. Ncuinann-Nowawes. 
o Bei den Elternratrtrahlcn in unseren Nachbarorten 
war die Wahlbeteiligung der bürgerlichen Kreise genau 
so lau wie in Friedenau. In Wilmersdorf wählten 
etwa 40 Prozent. Gewählt wurden: l. Gemeindeschulc 
8 christl., 7 Soz., 5 Unabh.; 2. Gemeindeschulc nur die 
sozialdem. Liste, die christl. war ungültig; 0. Gemeinde- 
schule 9 christl., l l Soz.; 4. Gemeindeschulc (Knabcnabtlg.) 
8 christl., 5 Soz., (Mädchenabt.) K christl., 4 Unabh.,12 
Soz.; 5. Gemeindeschulc (kath.) die unpol. Liste; ti. Ge- 
meiudcschulc 9 christl., 8 Soz., 3 Unabh.; 7. Gemeinde 
schule 11 christl., 5 Soz., 3 Unabh. — In Steglitz 
wählten etwa 30—3.5 v. H. Dort haben in einzelnen 
Schulen die Sozialdemokraten und UnabhängiFen gegen 
über den christlichen die Mehrheit. Das Gesamtergebnis 
steht noch nicht fest. Gewählt sind bisher etwa 19 Tlnabh., 
20 Soz. und 30 Christliche. In L i ch t e r f e l d e über 
wiegen überall die unpolitisch-christlichen Stimmen. Ge 
wählt wurden dort insgesamt 53 Unpol.-christl., 11 So- 
zialdemvkrkitcn und 10 Unabhängige. 
o bin: anrtlizlst Auekunstsstelle in Steuerfrageu ist 
vom Finanzamt in Steglitz, Rothenburgstr. 16, Zim 
mer 23, eingerichtet worden. Siehe Amtliches. 
o Tie Ka s «würzte. gegen die Krankenkassen. Der Zen- 
tralverband der Kassenärzte von Groß-Berlin hat sich 
in seiner außerordentlichen Hauptversammlung mit der. 
neuen kassenärztlichen Geschästsanweisung beschäftigt und 
hierzu einen Beschluß gefaßt, worin er gegen den Geist, 
von dem die neue Anweisung diktiert ist, den schärfsten 
Widerspruch erhebt. Die Hauptversammlung erklärte die 
Geschästsanweisung a!S ungültig für die dein Zentralver- 
band angeschlossenen kassenärztlichen Organisationen, als 
nicht bindend sür die dem Zentralverband abgehörigcn. 
Kassenärzte und als ungeeignet sür die Neuschaffung einer 
kassenärztlichen Geschästsanweisung als Grundlage zu 
dienen. 
o Für di? deutsch? GrcN'sPcnde erhielten wir ferner 
von Frl. W. 5 M., O. W., Siegliudestr. 3, 20 M. Ins 
gesamt bisher 119 M. 
o Der 13. Kunstgcmcönde-Srbend. Mit einer glänzen 
den Vortragsfolge, wie sie die zweite Reihe ihrer Veran 
staltungen schloß, beginnt die Steglitzer Kunstgemeinde ihre 
dritte Reihe aw nächsten Freitag inr Steglitzer Lyzeum, 
Rothcnbiugstraßc 18. Im Mittelpunkte dcS Interesses 
dürfte der jugendliche Geigenkünstlcr Andreas Weiß 
gerber (er ist 20 Jahrs alt!) stehen, der bereits eine 
erfolgreiche Laufbahn hinter sich hat und 'erst in letzter 
Zeit in ganz Deutschland solchen Beifall seitens der ernsten 
Kritik fand, daß man ihn schon heute zu den ersten Meistern 
Europas zählen muß. Margarete W a ch s m u t h (Sopran), 
soeben erst von einer erfolggekrönten Konzertreise durch 
Mittel- und Süddeutschlaud, auf der sie u. a. auch, einer 
besonderen Einladung entsprechend, vor dem König von 
Bulgarien sang, zurückgekehrt, und der gefeierte Bariton 
Rr. 47 
Ortsnacbricbten 
OKoftbtj totster o-Ortgtnalarrikel trat mit Quellenangabe gestattet.) 
Die Gartenfreunde 
gegen! dio Atz holz trugen m unseren Straßen. 
Gegen Schluß der M o na ts v e rsam m lu n g des 
„B e x e i n s d er G a r t cn s r e u n d c in Be r l t n - F r i e- 
beitslu", die gestern Abend im Vereinszimmer.des Rats 
kellers stattfand, kam der Vorsitzende Herr Slüatsbankbuch- 
Halter K r ü g er auf die Abholzungcn in unseren Straßen 
und die Aussprache hierüber in der Gemeindevertrüler- 
sitzung zu sprecl^en. Er wandte sich gegen die Nieder- 
lcgung der großen Bäume in der Kaiseralled, auch in 
der 'Handjerl,strafte habe man große Schnitzer gemacht, 
die Saarstraße sei ohne Bäume und nun will man auch 
in der Stubenrauckstr. die Kastanien und in der Wiesbade 
ner Straße die Nüstern fällen. Hiergegen möchte er 
einen bestimmten Protest erheben .(Zustimmung). Frie 
denau fei immer eine Gartenstadt gewesen. Wer trage 
die Verantwortung sür diese Abholzungen? In der Saar- 
straße sollte man wieder Bäume pflanzen und ztvar Rot- 
oder Weißdorn. Ein Arzt habe ihm auch gesagt, daß man 
Nußbäume anpflanzen sollte. (Widerspruch und Heiterkeit). 
So wie die Kinder jetzt die Kastanien abschlagen, könnten 
sie dann lieber die Nüsse abschlagen und essen, die für 
die Gehirntätigkeit förderlich seien. Nachdem auch ein 
anderer Herr gegen die Abholzungen gesprochen und na 
mentlich daraus hingewiesen hatte, daß in der Haudjery- 
straße jetzt an einzelnen Stellen Lücken bis zil 30 Meiern 
zwischen den Bäumen wären, nahm Herr Garteiiinspektor 
S-t ab e das Wort zur Beantwortung. In der Saarstraße 
mußten diö Bäume fallen wegen der Verbreiterung des 
Fahrdammes aus Verkchrsrücksichten. An der Ecke, vor 
Kaffee Laurisch, sollten kleine Bäume stehen bleiben, aber 
das ließ sich nicht machen, weil hier die Postkabcl liegen, 
sodaß selbst kleine Bäume keinen Halt hätten. Eine Ver 
legung der Kabel würde jetzt ungeheure Kosten verursachen. 
Was die übrige» Arbeiten an den Straßenbäumen angehe, 
so haben hierüber jahrelang Erwägungen stattgefunden. 
Man möge sich nur einmal das Aktenstück darüber ansehen. 
Darin kehren die Klagen immer wieder, daß die Bäume 
den Bewohnern in den unteren Wohnungen Licht und Lust 
nehmen. Man habe ihn selbst in die Wohnungen geholt, 
um ihm das zu zeigen. Und da konkme es ihm läcioerlich 
vor, wenn Bewohner im 3. Stockwerk sagen, jeder Baum 
müsse stehen bleiben, damit sie weiter den Ueberblick 
über die Baumreihcn haben. Es sei ihm sehr schwer, auch 
nur einen Baum zu fällen, jeder Fachmann werde nicht 
ohne Not die Hand an einen Baum legem Aber sticht 
er, sondern der Gartcnbauatlsschuß und letzten Enhes 
die Gemeindevertretung habe die Beschlüsse gefaßt. Jetzt 
sehen ja dke Straßen sehr licht aus, aber im sSommer, 
wenn die Bäume belaubt sind, müsse man die Straßen 
betrachten, wie sehr da die Wohnungen beschattet »oerdcn. 
Man habe früher beim Pflanzen der Bäume große Fehler 
gemacht, indem nicht auf die Zukunft Rücksicht genommen 
wurdei« Dadurch »»erden die Abstände durch Herausnahme 
der Bäume jetzt größer, sie seien aber kaum weiter li»s- 
rjnandcr als 15 Meter, Entfernungen von 30 Meter 
sitzen iym nicht bekannt. (Zuruf: An den Ecken), Ja, 
an den Ecken seien verschiedentlich Bäume, dis 'im Zuge 
der Straße li-egen, entfernt worden, weil da Beschwerden 
Zwei Cestamente. 
Roman von F. Stolze. 
^65 (Nachdruck verboten.) 
Auch für Werner war hier mancherlei neu. Man stieg 
in die Wasserleitung hinab und entnahm das zweite 
Testament seinem Versteck. Es war mehr eine Handlung 
der Pietät. Denn man hatte ja das in Schloß Eichkamp 
entwendete Hauptexemplar des Testamentes in der Brief 
asche Kurt von Borns vorgefunden. Wie Verbrecher so 
oft, ha.te auch er sich nicht entschließen können, sich von 
dem Corpus delicti zu trennen. 
Nur e i n Rätsel war bisher ungelöst geblieben. Man 
war sich nicht klar darüber, was Ellen Hamilton eigentlich 
damit bezweckt hatte, daß sie Nur Mi Khan entgegen» 
ernten war. sie .onnre oocy kaum angenommen haben, 
aß es der kleinen Schar gelingen würde, die Expedition 
so zu überrumpeln, daß ihnen Werner und Suleika in 
die Hände gefallen wären. Der Diener, der nach allen 
Richtungen hin befragt worden war, hatte hartnäckig be 
hauptet, nichts von den Plänen Ellens zu wissen, und als 
rnan ihm vorhielt, daß er doch offenbar der sprachliche Der- 
tyittler zwischen dem Häuptling und Ellen gewesen sei, hatte 
er behauptet, daß bei Nur Ali Khan ein Mann gewesen 
sei, der sich mit der fremden Dame habe verständigen 
< können. So sehr Suleika und Arnold dies auch bezweifelten, 
ließ sich das Gegenteil doch nicht beweisen. Suleika hatte 
zwar gemeint, inan werde aus dem Burschen leicht ein 
Geständnis herausbekommen, wenn man ihm nicht nur 
Straflosigkeit, sondern obenein eine hübsche Belohnung zu- 
sichere, aber Arnold machte dagegen geltend, daß der Kerl, 
wenn er sähe, daß er Geld damit verdienen könne, das 
Blaue vom Himmel herablügen und eine Erfindung nach 
der andern zum Kauf anbieten würde. Im übrigen 
machte sich bei den meisten die Ansicht geltend, daß eine 
Person, wie diese Ellen Hamilton, nicht wert sei, daß man 
sich überhaupt mit ihr befasse. 
So stand die Sache, als einer der ausgestellten Posten 
die Nachricht brachte, daß drxi Baharlus eingetroffen seien, 
die «ine Botschaft von Nur Ali Khan brächten und freies 
Geleit dafür verlangten. Kaum hört« Ellens Diener hier 
von, als er sich plötzlich bereit erklärte, alles mitzuteilen 
was er wisse, falls man ihm Straflosigkeit und so viel 
Geld zusichere, daß er schleunigst nach Issahan entfliehen 
könne, uin der Rache seiner bisherigen Herrin zu entgehen. 
Unter diesen Umständen schien cs dringend wünschens- ' 
wert, vor der Botschaft des Häuptlings die Geständnisse 
des Dieners zu hören. 
Auf die Frage, weshalb er nicht längst die Wahrheit 
gesagt und statt dessen gelogen habe, entgegnete er, daß 
das doch ganz in der Ordnung sei. Er habe unmöglich 
wissen können, was vorteilhafter für ihn sei, die Wahrheit 
oder die Unwahrheit. In solchem Falle sage doch jeder 
vernünftige Mensch die Unwahrheit. Wenn sich dann 
herausstelle, daß die Wahrheit vorteilhafter sei, könne man 
sie immer sagen. Das Umgekehrte aber gehe nicht. Und 
so sage er denn jetzt die Wahrheit. 
Hierauf erhob sich ein Feilschen über den Preis, den 
er forderte. Er war unverschämt genug, zehntausend Korans 
zu verlangen, worauf ihm Werner glattweg tausend Kärans 
bot. Er verschwor sich heilig, daß er sür eine so geringe 
Summe sein Geheimnis nicht verraten könne, worauf ihm 
Werner kurz die Wahl stellte, ob er tausend Kärans 
nehmen und gestehen, oder aus dem Lager hinausgepeitfcht 
fein wolle. 
Da entschloß er sich denn kurz und gestand, wie Ellen 
dem Häuptling außer Sulecka auch noch Miee und Erna 
angeboten und deren Schönheit besonders gerühmt habe. 
Er beschrieb, in welcher Weise der Verrat geplant gewesen 
sei, und gab überhaupt in allem der Wahrheit die Ehre. 
Dies Bekenntnis wirkte auf die Zuhörer im ersten 
Augenblick geradezu niederschmetternd. Dann aber schien 
«s so unwahrscheinlich, daß an die Stelle der Bestürzung 
Heiterkeit trat. Es machte den Eindruck, als hätte der 
Manu wirklich das Blaue von» Himmel h.rabgclogen, uud 
all seinen Beteuerungen zum Trotz glaubte niau ihm nicht. 
Man gab ihm aber das versprochene Geld und stellte ihm 
frei, bis nach dem Abzug der Baharlus im Lager zu bleiben. 
Die Abgesandten wurden nun vorgela.fcn. Sie traten 
mit der deut Orientalen eigenen Würde vor die ver 
sammelten Europäer, in deren Mitte Oberst von Lcppcl und 
Arnold Werner als S.nioren fußen, u.'d vor denen sich 
die drei Männer, nachdem ihr '-i li i sunt U über alle An 
wesenden gezogen war, tief verbeugten. Werner ergriff 
das Wort und fragte nach dem üblichen Willtommen: 
„Was hat der große Häuptling der Baharlus, Nur 
Khan, uns zu sagen?" 
»Er läßt euch Gruß entbieten und fragen, ob zwischen 
ihm und euch Krieg oder Frieden herrschest soll?" 
Werner übersetzte die Worte und erwiderte: 
„Auch wir senden Nur Ali Khan unsern Gruß und 
lassen ihm sagen, daß wir keinerlei Streit mit ihm zu 
haben wünschen." 
„Dann läßt er euch sagen, daß Blut zwischen uns und 
euch ist. Ihr habt am Westufer des Bakhtegan-Sees einen 
unserer Häuptlinge erschossen und müßt, wenn Ihr Frieden 
haben wollt, das Blutgeld bezahlen." 
„Nur Ali Khan irrt. Dieser Mann war kein Baharlu, 
sondern ein verräterischer Färängi, der uns das größte Un- 
heil zugefügt und zehnmal den Tod verdient hatte." 
„Er war aber jetzt einer unserer Häuptlinge." 
„Hütet euch! Denn dann seid Ihr sür alle B -brechxn 
verantwortlich, die er begangen hat, auch dafür, 'daß er 
noch vor seinem Tode einen der Unseren erschossen hat." 
Die drei Leute traten zurück und berieten sich leise 
miteinander. Werner wendete sich halblaut zu den übrigen: 
„Das sieht den Kerlen ähnlich. Wollten uns fürIennings' 
Tod auch noch Llutgeld erpressen 1 Ich denke, ich habe es 
ihnen verleidet. Ich bin aber neugierig, was sie nun vor 
bringen werden." 
Die drei Männer traten wieder vor, und der Wort« 
sührer sagte: 
„Wenn unser Häuptling wirklich vor seinem Tode einen 
von den Gütigen erschossen hat, gleicht sich das aus, und 
wir können kein Btutgetd verlange». Nun aber fordert 
Nur Ali Khan etwas anderes. Du, o Sahib, hast ihm seine 
Tochter geraubt. Dort sitzt sie, er --»artet, daß du ihm 
das Kausgctd sür sie bezahlst. Er rw.rangt hunderttausend 
Kärans für sie." 
Noch ehe Werner seiner Ucberraschung Herr werden 
konnte, sprang Suleika auf und rief: 
„Sogt Nur Ai: Khan, daß er lügt, wenn er sagt, daß 
Sahib Werner niich geraubt habe! Ich habe ihn aus 
schändlicher Eefangeuschait befreit, ich bin aus freien Stücken 
mit ihm geflohen, denn ich liebe ihn. und nur der Tod soll 
mich von ihm scheiden. Sogt Nur Ali Khan. daß ich 
keinen Dater mehr habe, seit er den Sahib Werner in den 
eisernen Käsig gesteckt l^ti" " (Schluß solgr.)
        
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