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Periodical volume Nr. 46, 23.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 48 
Verljv-FnedkkMk, Mvntag dev 23. Februar 1920 
Fabnr. 2? 
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Ne Sltersbüratswahlen an den ' 
TeWewdelchu!eu. 
3v Nnpslitisch-christltche, 6 Mehrheitssozialdemokraren, 
IS Unabhängige gewählt. 
Die Beteiligung an den gestrigen Elternratswahlcn 
in unseren drei Gemeindeschulcn war eine recht mäßige, 
sie betrug an der 1. Gemeindeschule und an d»c 
b erg er Schulen sind folgende: 2. Gemeindeschule: 
christl. 244 (8 Sitze). U. S. P. 124 (4 Sitze), S. P. D. 
77 (2 Sitze). — 4. Gcmeindeschule: christl. 346 (11 Sitze), 
U. S. P. 164 (5 Sitze), S. P. D. 75 (2 Sitze). — 
5. Gcmeindeschule: christl. 376 (11 Sitze), U. S. P. 137 
(4 Sitze), S. P. D. 72 (2 Sitze). — 6. Gemeindeschule: 
christl. 211 (15 Sitze), S. P. D. 79 (5 Sitze), U. S. P. 65 
(4 Sitze). — 10. Gemeindeschule: christl. 223 (10 Sitze), 
U. S. P. 218 (7 Sitze), S. P. D. 107 (4 Sitze). —11. Ge- 
an Der x. Gememdescyule und an , ... —. — v . v . —... 
2. Gemeindeschule etwa 47 Prozent und an der 3. Ge- ■ meindeschule: christl. 215 (8 Sitze), S. P. D. 78 (3 Sitze), 
meindeschule etwa 53 Prozent. Auffällig ist die im Der- - U. S. P. 122 (5 Sitze). — 14. Gemeindeschule: katholische 
Li rL * _ « » nist. 4 xo /io ii. m, /a ^ er» 
hältnis zur abgegebenen Stimmenzahl starke Zahl der 
sozialistischen, namentlich der unabhängigen Stimmen, wo 
durch eine nur geringe Mehrheit der bürgerlichen Elteru- 
beiräte erreicht wurde. Die bekannte Lässigkeit des Bürger 
tum hat auch hier zu einer Stärkung der Radikalen 
geführt. Im einzelnen sind die Ergebnisse folgende: 
1. Gemeindeschule: Stimmen: 347 unpol.-christl., 106 
mehrheitssozial., 209 unabh.-soz., 2 ungültige, insgesamt 
664 Stimmen. Gewählt sind 10 Unpol.-christliche, 3 Mehr- 
heitssozialdcmokratcn. 6 Unabhängige; und zwar: von der 
unpol.-christl. Liste: Monteur Richter, Lehrer Köpp, In 
stallateur Kaumann. Dachdecker Müller, Kaufmann Lange, 
Dachdecker Dreßler, Registrator Stolle, Linoleuml^ger 
Gries, Frau Gutsche und Kaufmann Merke; von der mehr 
heitssozialistischen Liste: Zimmerer Zimmer, Frau Bock, 
Rohrleger Ludolf; von der unabh.-soz. Liste: Schlosser 
Schmidt, Frau Hirsch, Arbeiter Schacht, Dreher Brock 
mann, Frau Westphal, Gärtner Bullerjahn. 
2. Gcmeindeschule: Stimmen: 328 unpol.-christliche, 
101 .inehrheits-soz., 219 unabh.-soz., 7 ungültige, insge 
samt 655 Stimmen. Gewählt sind: 10 Unpol.-christl., 
3 Mchrheitssozialdemokraten, 6 Unabhängige, und zwar: 
von der unpol.-christl. Liste: Schneidermeister Suhl, 
Weichensteller BauSdors, Rechnungsrat Eollmann, Frau 
Gabriel, VersicherungSdeainter Skilandat» Straßenbahn- 
schaffner Füllgraf, Frau Winter, Unterassistent Gallina, 
Arbeiter Jorschick und Frau Mewes; von der mrhrheits- 
sozialistischen Liste: Kassenbeamter Heider, Frau Buth und 
Angestellter Mahrenholz; von der unabh.-soz. Liste: Stuk 
kateur Tettmer, Mechaniker Merseburger, Kraftfahrer 
Göhring, Glasschleifer Mehlis, Schneidermeister Kusch 
feld und Gärtner Bullerjahn. 
3. Gemeindefchukc: Stimmen: 395 unpol.-christliche, 
-302 unabh.-soz., 4 ungültige, zusammen 701 Stimmen. 
Die mehrheitssozialistische Liste war hier ungültig, daher 
stimmten die Mchrheitssozialdemokraten für die unabh. 
Liste. Gewählt wurden 10 Unpol.-christl., 7 Unabhängige, 
und zwar: von der unpol.-christl. Liste: Postsekretär 
Martini, Bauingenieur Wich, Kaufmann Rohrbeck, Landes 
sekretär Kasper, Arbeiter Zieht, Lehrer Weihmann, Frau 
Kohlmann, Lehrer Warmbold, Schriftleiter Martinius 
und Installateur Schnur; von der unabh.-soz. Liste: 
Hadrossek, Kley, Förster, Alex, Block, Götschel und Göhring. 
In Schöneberg war ebenfaUs «ine 
hlbet 
_ _ sehr geringe 
Wahlbeteiligung. Für uns ist besonders beachtenswert 
das Ergebnis in der 8> G em eind e schule im Frie- 
denauer Ortsteil (Rubensstraße). Tie christl. Liste er 
hielt hier 354 Stimmen (11 Sitze), die sozialdemokratische 
166 Stimmen (5 Sitze), die unabhängige 117 Stimmen 
(4 Sitze). Tie Ergebnisse an den übrigen Schöne- 
Liste 443 (13 Sitze). U. S. P. 23 (0 Sitze), S. P. D. 
19 (0 Sitze). — 15. Gcmeindeschule: U. S. P. 165 (5 Sitze), 
S. P. D. 80 (2 Sitze), christl. 335 (11 Sitze). — 3. Ge 
meindeschule: christl. 180 (10 Sitze), U. S. P. 199 (6 Sitze), 
S. P. D. 82 C5 Sitze). — 12. Gemeindeschule: christl. 8 
Sitze, S. P. D. 4 Sitze. 
Das Ergebiris der Elternbeiratswahlen in Tempel- 
hof ist folgendes: 1. Gemeindeschule: christl. 420 (11), 
Unabh. 182 (4), Mehrheitssoz. 75 (1); 2. Gemeindeschule: 
christl. 321 (8), Unabh. 141 (3), Soz. 84 (2), 4. Gemeinde 
schule: christl. 512 (15), Unabh. 240 (7), Soz. 126 (3); 
an der 3. katholischen Schule wurde nur die katholische 
Liste gewählt. 
In Lichtenberg erhielten die Unpol.-christl. von 
247 Sitzen 174, die Mehrheitssozialdemokraten 46. 
In Zehlendorf wurden an der 1. Gemeindeschule 
12 Unpol.-christl., 4 Unabh. und 3 Sozialdemokraten, an 
der 2. Gsmeindeschulc 3 Unpol.-christl. und 4 Sozial 
demokraten gewählt. 
Onsmachrtämii 
Vfnt&bt anlm nur mit Quellenangabe gettan«« > 
o Das Sperrgesetz Groß-Berlin ist am Sonnabend 
von der Preußischen Landesversammlung in drei Lesungen 
angenommen. Zweck des Gesetzes ist, daß bis zum In 
krafttreten des Gesetzes über die Bildung von Groß-Berlin 
planmäßige Stellen für Beamte in den Gemeinden nicht 
mehr geschaffen werden dürfen. Auch frei werdende Stellen 
dürfen nicht -mehr besetzt werden. 
o Die Regelung des Schulwesens tn Groß-Berlin. Der 
Groß-Berliner Ausschuß der Landesversammlung 
hat in seiner Freitag-Sitzung den § 39 des Gesetzentwurfs 
über die Regelung des Schulwesens entsprechend den Vor 
schlägen des Unterausschusses angenommen und damit die 
erste Lesung des Gesetzentwurfs beendet. Tie zweite Lesung 
dürfte frühestens Ende nächster Woche oder erst Anfang 
März zu erwarten sein. Die Aussichten des Gesetzentwurfs 
hängen jetzt noch mehr als je von der Haltung der De 
mokraten ab, die die in der ersten Lesung teils für die 
Einheitsgcmeinde, tei,ls in Vertretung des Gedankens der 
Gesamtgemcinde dagegen gestimmt haben. Wie verlautet, 
hat in den letzten Tagen der Widerstand der Gegner 
der Eingemeindung innerhalb der Demokratischen Partei, 
an deren Spitze Oberbürgermeister Dominicus stand, gegen 
die Einheitsgemeinde nachgelassen, und man darf daraus 
gespannt sein, ob sie auch in der zweiten Lesung für den 
Gesetzentwurf und die Eingemeindung stimmen werden. 
In diesem Fälle würden die Aussichten des Gesetzent 
wurfs auf endgültige Annahme tn der Landesversamm 
lung erheblich steigen, auf der anderen Seite sollen die 
Unabhängigen die Absicht haben, wegen der Regelung 
des Schulwesens, die ihren Wünschen zuwiderläuft, we 
nigstens in der zweiten Lesung gegen das Gesetz zu 
stimmen. 
o Tie Höchstmcnge für daS Krankenbrot ist auf 1200 
bezw. 600 Gramm herabgesetzt worden. Dafür wird aber 
nur reines Krankenmehl für die Herstellung des Brotes 
verwendet, sodaß sich die Herabsetzung der "Menge durch 
die bessere Ware ausgleicht. 
o Die 48. Tagung des Brandendnrgischen Provinzial» 
landtagS wurde gestern (Sonntag) Mittag im Landes- 
hause eröffnet. Auf der Linken sitzen die 15 Unabhängigen 
und 47 Mehrheitssozialdemokraien, in der Mitte die 17 
Demokraten und rechts die 67 Bürgerlichen. Aber trotz 
der politischen Gleichberechtigung der Geschlechter ist keine 
Frau in den Provinziallandtag eingezogen. Zum ersten 
Mal vertritt ein Demokrat die Staatsregierung: der 
frühere Bürgermeister Charlottenburgs, Oberpräsident Dr. 
Maier, eröffnet die 48. Tagung mit einer längeren 
Ansprache, in der er zunächst mit Worten tiefsten Ernstes 
auf die schweren drückenden Folgen des Zusammenbruchs 
und des Friedens von Versailles und auf die unerbitt 
liche Notwendigkeit hinwies, sie durch anha/tende Arbeit 
auszugleichen. Er betonte den erschreckenden Rückgang un 
serer Kohlen, und landwirtschaftlichen Gütererzeugung. 
Nur eins könne uns retten: Arbeit! Zu dem Notopfer 
des Geldes müsse jetzt auch das Notopser der Arbeit freien! 
Tie Vorstand: Wahlen hatten folgendes Ergebnis: 1. Vor 
sitzender Abg. Tr. Borchardt-Charlotteuburg (Soz.) 1. 
stellvertretender Vorsitzender Oberbürgermeister Domini- 
cus-Schöneberg (Dem.), 2. stellv. Vorsitzender Oberbürger 
meister Dreifert-Cottbus (Bürg.). Die Wahlen wurden 
durch Zuruf einstimmig vollzogen. Zu Schriftführern wur 
den die Abgg. Bürgermeister Dr. Woelck (Weißensee) und 
Kiefcr-Charlottenburg gewählt. Zur Prüfung des Verhält^ 
nisscs der Provinz zu Groß-Berlin wurde eine 15- 
glicdrige Kommission gewählt. 
o Zur Scuchmibckämpfung haben der Minister für 
Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und der Minister für 
Volkswohlfahrt an die oberen Verwaltungsbehörden einen 
Erlaß, betreffend Wiederzulassung diphteriegenesener Kin 
der und ihrer Geschwister zum Schulbesuche gerichtet. 
Solche Kinder sind zum Schulbesuch erst dann wieder zu 
zulassen, wenn laut ärztlicher Bescheinigung bei zwei durch 
eine 48 ständige Pause getrennten bakteriologischen Un 
tersuchungen keine Diphterieba'icken oefunden worden sind. 
Tie notwendigen bakteriolo i chen Untersuchungen werden 
durch das zuständige Medizinaluntersuchungsamt, soweit 
die Kreise dort angeschlossen sind, kostenlos, sonst gegen 
eine mäßige Gebühr ausgeführt. Tie Entnahme des Un 
tersuchungsmaterials hat durch den behandelnden Arzt, 
durch den Schularzt oder eine Diphtheriefürsorgeschwester 
zu erfolgen. Im letztgenannten Falle geschieht dies gleich 
falls kostenlos. 
o Tie Schulferien 1920—21. Für die Groß-Berliner 
Schulen hat das Provinzialschulkollegium folgende Ferien 
ordnung erlassen: Osterferien Mittwoch, 31. März bis Don 
nerstag, 15 April; Psingstferien Freitag, 21. Mai bis 
Freitag, 28. Mai; Sommerferien Freitag, 21. Mai bis 
Dienstag, 10. August; Herbstferien Dienstag, 1. Oktober, 
bis Dienstag, 12. Oktober; Weihnachtsferien Mittwoch, 
22. Dezember, bis Dienstag, 4. Januar 1921; Osterferien 
Zwei §>«lamenle. 
Nomau oou F. 
t o . c. 
04 (Nachdruck verboten.) 
Einen Augenblick hatte sie Luft davonzureiten. Der 
Diener wußte ja, was er zu sagen hatte. Aber sie sah 
ein, daß diese Flucht das höchste Mißtrauen erwecken mußte. 
Der Häuptling würde glauben, daß man ihn, eine Falle 
legen wolle. Er würde sie versorgen und würde sie ein 
holen, denn sie zweifelte nicht, daß der prachtvolle weiße 
Golf Arab, auf dem sie ihn einhersprengen sah, ihrem Tiere 
weit überlegen war. So entschloß sie sich denn kurz zu 
bleiben und zu versuchen. Nur Ali Khan schnell für ihren 
Plan zu gewinnen. Hoffentlich war es noch Zeit dafür, 
und man hatte ihre Abwesenheit im Lager nicht bemerkt 
oder doch kein Gewicht darauf gelegt. 
Die Spitze der Truppe hatte die Schlucht passiert. Da 
ertönte aus dieser mit silberhellem Klange der Name des 
Häuptlings, und Ellen Hamilton erschien in der Oeffnung. 
Nur Ali Khan riß sein Pferd herum und hielt im nächsten 
Augenblick vor der königlichen, nach Damenarr,m Sattel 
sitzenden Gestalt, die er mit glühenden Augen verschlang. 
Ellen hatte ihre ganze hoheitsoolle Haltung wieder- 
gewonnen. Sie lächelte den Häuptling siegesbewußt an 
und wies dann mit der Hand auf ihren Diener hm. 
„Sage ihm," wendete sie sich an diesen, „daß rch ge 
kommen bin, ihn zu retten. Sage ihm, daß bei Band- 
Aemir eine große Truppe von Färängis liegt, zu denen 
seine Tochter Suleika mit dem Sahib Werner bereits ge 
stoßen ist. und sage ihm, daß die Fremden ihm eine halbe 
Stunde von hier einen Hinterhalt zu beiden Seiten der 
Straße gelegt haben, in den er rettungslos gefallen wäre, 
wenn ich nicht zu seiner Warnung hierher gekommen 
wäre." 
Nur Ali Khan folgte den Worten des Dieners mit ge- 
spannter Aufmerksamkeit. Als er erfuhr, daß die Flücht 
linge ihm entkommen waren und er selbst Gefahr lief, in 
die Hände seiner Gegner zu fallen, schwoll ihm me Zorn 
ader. Aber er beherrschte sich und fragte mit gedämpfter 
Und weshalb sagst du mir das alles, schönes Mädchen? 
Ist es wahr, so bist du eine Verräterin an den Deinen. Hst 
es nicht wahr, so willst du mich täuschen, um die Fliehenden 
vor mir zu retten. Ich traue dir nicht." 
Ellen warf, als der Diener ihr den Einwand des 
Häuptlings übersetzte, den Kopf stolz zurück und rief: 
„Törichter Mann, wer sagt dir, daß diese Leute da 
drüben meine Freunde sind? Laß dir gesagt sein, daß ich 
zwar deinem früheren Gefangenen Werner wohlgesinnt 
bin, daß mir aber deine Tochter im Wege ist und daß 
ich bereit bin, sie dir auszuliefern. Ja, mehr als das, ich 
will noch zwei andere junge Mädchen, die sehr schön sind, 
? ugleich mit Suleika in deine Hände geben, wenn du mir 
olgst. Entschließe dich! Ich werde am See entlang nach 
dem Lager der Färängis zurückreiten und dann zu Fuß 
mit den drei Jungfrauen am Ufer lustwandeln. Dort 
wirst du uns aus einer Deckung, die ich dir zeigen werde, 
überfallen. Traust du mir nicht, so reite ich allein zurück, 
und du magst sehen, was du ohne mich ausrichten kannst." 
Ein rätselhaftes Lächeln glitt über des Häuptlings Gesicht. 
Er heftete seinen Blick fest auf das schöne Weib und sagte: 
„Wohl, ich werde dir folgen. Du sollst nicht sagen 
können, daß Nur Ali Khan sich vor dir gefürchtet hat. 
Warte wenige Minuten, bis ich meinen Leuten die nötige 
Anweisung gegeben habe." 
Er ritt zu dem ältesten seiner Begleiter hinüber und 
sagte zu ihm: 
„Achte wohl, Hassan, was ich dir sage. Ich werde 
mit dem schönen Mädchen schräg zum Seeufer hinüber 
reiten. Laß die Leutemir langsam folgen, so daß zwei von 
ihnen in Rufweite von mir sind, denen dann ein Mann 
nach dem andern in halber Sehweite folgt. Sobald ich 
rufe, stürmen die beiden vorwärts, und all die anderen 
ihnen nach. Sprenge ich zurück, so schließen alle sich mir 
an. Winke ich mit dem Arm, so bleibt ein jeder am 
Platze, auch wenn ich mit dem Mädchen vorwärts reite." 
Er kam wieder zu Ellen und forderte sie durch einen 
Wink auf. ihm zu folgen. Stillschweigend setzten sich die 
drei in Bewvguug. Das Herz kwpfce Ellen zum Springen, 
^etzt mu; ic es sich entscheiden, ob ihr Plan glückte, oder 
ob alles verloren war. Die Zeit kam ihr unendlich lang 
vor, und die Uhr schien ihr zu schleichen. Erst eine gute 
halbe Stund« sollte verflossen sein, seit sie die Schlucht 
verlassen halle» l W»llte denn das Sveufer sich noch, 
immer nicht zeigen? ’ 
Doch halt, was waren das für Töne rechts un^ , inks? 
Es klang wie Pjerdegetrappell Nur Ali Khan brachte 
sein Roß zum Stillstehen und packte Ellens am Zügel. 
Und da brachen auch schon an , beiden Seiten Reiter- 
trupps im gestreckten Galopp hervor, Europäer gerade auf 
sie zu. Die beiden Pferde herumwerfen und davonstürmen 
war für den Häuptling die Sache eines Augenblicks. Aber 
Ellens Tier war nicht imstande, mit dem edlen Renner 
Schritt zu halten. Da beugte sich der Häuptling hinüber, 
umschlang das schöne Mädchen mit starkem Arm, hob sie 
aus dem Sattel und nahm sie vor sich auf seinen Nenner. 
Mit einem wilden Triumphschrei hob er sich in den Bügeln» 
schwang seine Flinte über dem Klopfe und flog mit seiner 
Beute pfeilschnell davon. 
Die Verfolger sahen bald ein, daß es hoffnungslos 
war, die beiden einzuholen. Nur der an allen Gliedern 
zitternde Diener Ellens fiel in ihre Hände. Mit ihm schlugen 
jie den Weg zum Lager ein, das sie erreichten, kurz nach 
dem Achim mit Dr. Reichard dort eingetroffen war und 
die Nachricht von dein tragischen Verlaus des S. -ifzuges 
gebracht hatte. 
33. Kapitel. 
Zwei Tage nach diesen Vorfällen hatte dke Mosekerpe« 
diton ihr Lager abermals bei Persepolis aufgeschlagen. 
Hier, wo Arnold Werner in die Gefangenschaft der Ba- 
harlus gefallen war, beschloß man, einige Tage zu rasten 
und all die Stätten zu besichtigen, wo er geweilt und 
gelitten hatte. Unter seiner Leitung besuchten die so eng 
durch Bande des Blutes, der Liebe und der Freundschaft 
miteinander Verbundenen die Höhle, in welcher die Kata 
strophe stattgefunden hatte, und das Königsgrab, wo er 
das Testament verborgen hatte. Man lauschte seiner be 
redten Schilderung der Vorgänge, und alle unterlagen 
dem eigentümlichen Zauber, den überwundene Schwi>.ria. 
leiten und Leiden auf den MenschenMusüben. 
Am meisten war Suleika von ^Arnolds Worten er 
griffen. Er hatte in Rücksicht ans sie persisch gesprochen, 
während Ewald seine Erzählung ins Deutsche übertrug. 
Es wirkte tief auf das junge Mädchen, wenn sie sich so 
lebhaft vorstellte, wie ihr eigener Vater dem von ihr so 
innig geliebten Manne um schnöden Geldes willen hier 
das edeltte menschliche Gut, die Freiheit^ geraubt hatte. 
Mrtsetzung folgt.).
        
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