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Periodical volume Nr. 44, 20.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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75 Pfg. Die Seuiuaejtif* Kstst 
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Am» i«ss. 
Ar. 44 
Bekliv-FrledküttL. Freitag, de« 38, Aebrnvk !W 
Fuhrg. 37 
Sörgerföols zrr Festrichkeiren unmöglich! — Ein 
Auüschutz für die Einwohnerwehr. — In Friedenau 
ist Holzauttion. - Die „Grakaitrtchter" lm Asphalt. 
Sitzung üer Gemeincteverrrerung 
vom Donnerstag, den 19. Februar 1990. 
Der wichtigste Beschluß, den unsere Gemeindever-- 
tretuug in ihrer gestrigen Sitzung faßte, ivac der der Er 
richtung eines R e a l p r o g y m » a s i u in s s in Verbin 
dung mit dein Gymnasium und im Gebäude dieser Anstalt. 
Zwei Vorschläge standen sich zunächst gegenüber, derjenige 
des G.-V. Dr. Anders (Dnat.) auf Errichtung des R e a l- 
progymncrsium s und derjenige des G.-V. L e o n - 
har dt (Dem.) auf Errichtung einer Realschule. Der 
erstere betonte, daß sich die Schulart des Realprogym- 
nasiums ani besten in das Gymnasium einfügen lasse, sie 
gewähre auch solchen Kindern, die im humanistischen Gym- 
nasium schwer fortkommen, die Möglichkeit des Ueber- 
tritts; ferner bekämen wir dadurch hier die 4. Schulart, 
deren Fehlen sich vielfach bemerkbar machte, indem von 
auswärts Zuziehende ihre Kinder, die dort ein Real 
gymnasium besucht hatten, hier nicht unterbringen 
tonnten. G.-V. Leonhardt hielt es für richtiger, eine 
neue Schule auszubauen und ztvar eine Realschule, die 
von der Bevölkerung am meisten begehrt werde. Die 
Mehrheit stimmte aber doch, nachdem ein BertaguttgS- 
antrag der Sozialdemokraten wieder zurückgezogen war, 
für das R c a l p r o g y m n a s i u m. — Der Vorstoß der 
Unabhängigen, der in dem Antrage auf Aufhebung 
des Belagerungszustandes lag. verpuffte, weil 
die übrigen Fraktionen dein zu erwartenden politischen 
Redekampfe auswichen und Ueberqang zur Tagesordnung 
beantragten. So blieb die „Jungfernrede" des G.-V. 
Döring ohne Wirkung; der Vorstoß der Unabhängigen 
fand keinen Widerstand und blieb somit ein Stoß ins 
Leere. Längere Zeit unterhielt mau sich über die 
Vergabe des Bürgersestsaales, wobei sich 
schließlich herausstellte, daß die Vergabe des Saales zu 
Festlichkeiten wegen mancherlei Schwierigkeiten, die nament 
lich in 'der Bewirtschaftung liegen, u n m ö g l i ch ist. Ein 
Antrag Leonhardt aber, der angenommen wurde, wünscht, 
daß die Angelegenheit vom Bauausschuß weiter im Auge 
behalten tverde. — Auf Antrag der Sozialdemokraten 
wurde die Einsetzung eines Ausschusses für die Ein 
wohnerwehr beschlossen, die weitergehenden Anträge 
dieser Fraktion, aimh die Aufgaben des Ausschusses fest 
zusetzen, fanden keine Mehrheit. Nach Schluß der Tages 
ordnung gab cs noch eine längere Aussprache über d-e 
Abholzungen in unseren Straßen, wobei G.--V. 
Paul Richter (Unabh.) den Appell au die Gartenver 
waltung richtete, mit warmem Herzen hierbei vorzu 
gehen. G.-V. Lüdecke (Dem.) wies noch aus die schlechte 
Aeschafscnbeit des Asphalts, namentlich in der Kaiserallee, 
hin; er wünschte, daß die Firma, der die Unterhaltung 
des Pflaster W'i-zt. angehalten werde, die „Granat» 
trichter" im As "> beseitigen. 
r D. 'sicrMjrf. 
Bürgermeister Würger ... | u die Sitzung 
7 «)■; V' -. 
Er entschuldigt die fehlenden Schöffen FricSel. G-V. 
Thomsbcrger und Endemann. Es fehlt ferner G -V. Kch- 
nieczka. 
■hub i iiPBTifi ii w in ii ii rwfgnffrr— limiriiw wihi tibi t~ 
Wvs kL jti der no^flkp Ws.che stjhr. 
Brot: 11,00 Gramm und 300 Gr. Kleingebäck oder 
1900 Gramm Großbrot. 
Fleisch: 900 Gr. frisches Rind- oder Hammelfleisch ; 
mit Knochen oder 150 Gr. schieres Fleisch und 50 ! 
Gramm Kuochenbcilage und 50 Gramm frische Fleisch- - 
oder Lcberwnrst oder 200 Gramm amerik. Büchsenfleisch i 
(Eorned-Beef). 
Butter: 20 Gramm, Margarine 70 Gr., sowie auf 
die 2 Abschnitte P31 der Einfuhrzusatzkarte 100 Gr. 
Margarine. 
K tvffeln: 2 Pfund auf 9 a—b und als Ersatz 2Psd. 
Kohlrüben ans e und 200 Gr. Hülsenfruchtmehl und 
200 Gramm Teigwaren auf die Abschnitte d—g. 
Die Kohlrüben werden in den betr. Kartosfelge- 
schäften, die Nährmittel nach Nummern der 
Ausweiskarten i» verschiedenen Kolonialwarcngeschä'^n , 
und zwar Nr. 1 bis 1000 bei Karl Richard Schmmr, l 
1001—2000 bei Tengelmann, 2001—3000 bei Böhm, ; 
3001—4000 bei Hüttmann, 4001—5000 bei WiedehöU, ; 
5001—0(00 bei Heckmann, 0001 — 7000 bei Feldbiiw.c, 
700l— 8000 bei Zion, 8001 9000 bei T», 00 >1 bis ! 
10000 bei Schäfer, 10001-11 000 bei Nold, 11001 
bis 12 000 bei H Schulz, 12 001—13 000 bei Willnvw, : 
130(N—14 000 bei Richter, 14 001 bi- Schluß bei i 
Schuster ausgegeben. 1 Pfd. Hülsenfruchtmehl 2 M., 1 ^ 
Pfd. Teigwaren 1,18 M. 
Zucker: Voni 16. bis 29. Februar sz Pfd. Ferner I 
fiu ftiiiüfi ui; I r!> benswhce l*/, >pi!l'u- >:« 2 Leidens j 
jähre I Pfund und 'M 3 bis 7 Lel'fn-'stai."'» ' , P'UN j 
'm Monat f 
Abzuholen vom 24. bis 27. Februar: 
Au> Gcoß-Bei!>m > LeoensmineUoi ie 
Graupen: 100 Gramm auf 3, Pfund 71 Pfg. 
M a rs s a b r i k a t e: 125 Gramm aus 4, Pfund 2.90 M. 
Teigwaren: 250 Gramm auf 5, Pfund 1,18 M 
Marmelade oder Sirup: 250 Gramm aus 7. Pnuii 
Marmelade 3.70 M.. Pfund Sirup 1,15 M. 
Aus Friedenauer Nährmittelkurte: 
Puffbvhnen: 125- Gr. auf 1; Pfd. 3,60 M. 
Getr. Weißkohl: 125 Gr. aus 2; Pfd. 2,20 M 
<33 e t r. Zwiebeln: 125 Gr. aus 3; Pfd. 3,20. 
Rote Rüben und Kohlrübe» freihändig in den 
Geineindeoerlaussstelleii Niedstraßc 8 und Rlieinga- 
straße, auch für Händler. 
Mitteilungen. 
Den B r o t k v ni m is s a r e n wurde nach Beschluß^ in 
der letzten Sitzung eine Vergütung von 200 M. gewährt. 
ES haben nun aber einige Brotkommissare mehrere Kvin- 
missionen, und so ist die Frage aufgetaucht, ob sie K.nr 
einmal die 200 M. oder aber so oft diese Vergütung er 
halten sollen a s sie Kommis tone u haben. Richtiger >ei e 
wohl ie Kommission die Vergütung von 290 Mar: 
zu gewähren, weil ja doch die Abnutzung der Wohnung 
usw. entschädigt werden soll. Die Gemeindevertrstun. ist 
damit einverstanden. 
Für die Ausstattung des Jugendheims sind 
35 000 M. bewilligt worden. Es ha: sich nun schon jetzt 
herausgestellt, daß mit diesem Betrage nicht auszukommen 
ist. weil die betr. Lieferungen schon wieder teurer ge 
worden sind und Ueberschreitungen des Betrages borge 
Kommen werden müssen. Es empfiehlt sich, sich hier aus 
eine bestimmte Summe überhaupt nicht festzulegen, sondern 
dem Jugendpflegeausschuß gewisse Vollmacht zu geben 
(Zurufe: Schnell kaufen!) Nach oberflächlicher Schätzung 
des Herrn Baurats kommt schon jetzt eine Summe von 
70 000 M. in Betracht, sie könne aber noch höher wer 
den. Die Gemeindevertretung genehmigt di- Ueberschrci- 
tungen im voraus. 
'Als Eilsachen kommen noch auf die Tagesordnung: 
1. Errichtung eines R c a lpr o g y m n a s i u m s, 
2. Antrag der S.P.D.-Fraktion betr. Einsetzung eines 
Ausschusses für die E i n w o h n e r Iv c h r. 
3. Antrag der S.P.D.-Fraktion: betr. Vorschlagszah- 
lung auf eine B e s ch a f f u n g s b c i h i l f e an die Ge 
nie i n d e a r b e i t e r. 
Zu Unterzeichnern der Verhandlungsschrift werden die 
G.-V. Lauge und Frau Korsch bestellt. 
Antrag der N.S.P.D->Fraktion: Bei der Reichsregio- 
rung für die sofortige • 
Aushebung des Belagerungszustandes 
und der über die Zeitungen ausgesprochenen Presseverbotc 
hinzuwirken. 
G.-V. Göhring (Unabh.) begründet den Antrag 
in längeren Ausführungen. In einer Zeit, wo die Nor 
der ärmeren Bevölkerung aufs Höchste gestiegen sei. habe 
man diese Bevölkerung mundtot gemacht,' indem man ihre 
Presse verbot. Ein Tei'l ihrer Presse sei zwar jetzt wieder 
freigegeben, aber ein großer Teil noch nicht. Und gc^ 
rade diese Presse vertrete die Arbeiterintercssen (Oho!) 
Man habe auch die Führer der Arbeiter verhaftet. Er 
erinnere da an ein Dicrterwort, das lautet: „Rebell wird 
der arme Mann geheißen, der in seiner Not zur Wehr 
grei t" Es war eine Not, gegen die mit geistigen Waffen 
gekämpft wurde. Er erinnert au den 13. Januar, wo 
die Arbeiterschaft unbewaffnet war und nur demonstrierte; 
ihr bleibe nur das - Mittel der Demonstration, während 
die Bürgerlichen alle anderen Mittel zur Verfügung haben. 
Er gebraucht die Bezeichnung der „Welt am Moiitag", 
die von „Bauer in Bismarckstiefeln" schrieb. Was man 
früher Hetzer nannte, nennt man heute Verbrecher, gegen 
die man vorgehe, damit die Bevölkerung ruhig bleibe und 
diejenigen, die am Krieg gewonnen haben, ihre Beute 
in Ruhe verzehren können. Er wendet sich gegen die Ka- 
pitalisteu und spi 
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für die Diktatur 
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dadurch zu des 
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G.-V. Dr. Anderst uv 
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noch die Zeit, 
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5 ! 
izustimmen. — W 
äh 
rend der 
Rede 
konllnt es zu verschiedenen gegenseitigen Bemerkuugon 
zwischen Mehrheitssozialdemokraten und Unabhängigen, — 
G.-V- Leon h ardt (Dem.) erklärt, daß die soeben ge» 
hört.'« Ails'ührungcn zu Widerlegimgen herausfordern; 
aber wohin sollte es kommen, wenn die GeulriiidevcrtrcO 
t'iüg mit solch'» Dingen die Zeit verwende. Er ver 
zichte daher ans solche Widerlegung (Zurnse rechts und 
■ d. D mokr.: Sehr rich-tig) und bitte den von den Herren 
Sr. Anders, Sarrazin und ihm gestellten Antrage auf 
U e b e r g a ii g z u r T a g e s o r g n >, n g zuzustimmen. (Zu. 
nfe !>. d Unabh.: Das ist demokratisch!> — G.-V. Man I - 
■‘ilct f b. k. Fr.) spricht als Journalist gegen die Vresse« 
. rbvt? und zieht hierzu auch die gleichartigen Beschlüsse 
...r Presse- und Verleger-Verbände heran. Er wendet «ich 
auch gegen Aeußerungen des Generals Märker, die dieser 
über die Presse gemacht hat. — Daraus wird ein "Schluß-- 
antrag angenommen und weiter gegen die Stimmen der 
Sozialdemokraten und Unabhängigen der Antrag aus 
Ueber gang zur Tagesordnung angenommen. 
Die Gemeindevertretung bewilligt ohne Erörterung 
12 500 M. zur 
Beschaffung von Einrichtungsstücken 
iir die Physikklasse, das Konferenzzimmer, das Zimmer 
8we! Teriamenlk. 
Roman von F. S t o l z e. 
^8? fllachbruck verboten.) 
hochwichtige Mitteilung klärte nicht nur auf, 
weshalb Werner nick den drei Gefährten in so sonderbarer 
Weise über den See herüberkam, sondern machte es auch 
dem Oberst möglich, sofort Vorbereitungen für den Emp 
fang des Feindes zu beginnen. Er verstärkte schon jetzt 
die Ostseite i» angemessener Weise und vecabredele mit 
Ewald, daß die Gegner durch in Deckung liegende, zu 
beiden Seiten des Haupiweges aufgestellte Mannschaften so 
in die Aiitte genommen werden feiten, daß Man voraus 
sichtlich alle ohne Blutvergießen ge-angeuzunehmen veo- 
mochte. 
Inzwischen war dos Boot näher und näher gekommen. 
Die am U.er Harrenden waren schon imstande, die Ge 
sichter der Insassen, besonders Arnolds edle, durchgeistigte 
Züge und Suleikas formenschönes, anmutiges Gesicht zu 
erkennen. Bon beiden Seiten winkte man sich Grüße zu 
unh wehte mit Tüchern, lind jetzt reichten schon die 
Stimmen von einer Seile zur andern, und Barer und 
Kinder konnten unter Fvudcntränen die süßen Worte 
zärilicher Liebe miteinander austauschen, ein Freund dem 
andern den Dank der Treue zurufen. Eudlick schob sich der 
Bug des Schi es le.je auf den Strand, und im nächsten 
Augenblick lagen sich die so lange Getrennten U den Armen. 
Suleila stand daneben und bliate mit gemischten Ge 
fühlen dem Schau'piel zu. Sie war stolz darauf, daß 
dein Manne ihrer Wahl von allen Seiten soviel treue Liebe 
und Zärtlichkeit entgLgengebraa;t wurde, und suhlte sich 
dem allem, gegenüber doch so einsam und frcnid. Aber es 
sollte nicht lange fo.bleiben. 
Als ver erste Sturm des Wieoer>eyens ooruvcr war, 
wendete jich Arnold zu ihr, faßte sie bei der szaiid und 
sagte zu Kindern und Freunden: 
„Jetzt, ihr Lieben, laßt mich euch vor allem mit dieser 
edlen Jungfrau bekannt machen. Es ist Suleika, die Tochter 
des obersten Häuptlings der Baharlus, Nur Ali Khans. 
Zweimal hat sie mich mit Gefahr ihres Lebens aus der 
Gefangenschaft befreit, das erste Mal, obwohl sie wußte, 
daß meine teure Gattin, eure liebe Mutter, am Leben 
war, und daß sie daher nicht mein Weib werden konnte, 
das zweite Mal, als der Tod mir und euch die Geliebte 
meiner Jugend, die Herrin des Hauses und die Mutter 
meiner Kinder entrissen hatte. Sie hat meinetwegen Vater, 
Vaterland und Glauben aufgegeben. Ich führe sie euch 
jetzt zu und hoffe, daß ihr sie, die Retterin eures Vaters, 
sreudig empfangen werdet. Ich habe sie schon früher, seit 
meiner ersten Flucht und noch mehr vom Beginn unserer 
zweiten immer höher schätzen gelernt. Wir sind ihr als 
Ersatz für den Verlust des Vaters die Aufnahme in unsere 
Familie schuldig. Noch versteht sie kein Wort von dem, 
was ich zu euch spreche. Ihr aber, Alice und Ewald, ver 
steht und sprecht ihre Sprache. Begrüßt sie wie eine zweite 
Mutter und zeigt ihr, daß ihr zu schätzen wißt, w.as sie 
für euren Vater getan hat." 
Suleika hatte während dieser Zeit ohne Verständnis 
der Worte in peinlicher Sorge,-bald rot, bald blaß werdend 
dagestanden. Als jetzt aber die Kinder, die durch Ewalds 
Erkundigungen ja auf das Kommende vorbereitet waren, sie 
in ihrer Muttersprache zärtlich mit dem Mutternamen be 
grüßten, löste sich der Bann und mit Freudentränen be 
grüßte sie die beiden. Auch der Oberst und Erna drückten 
ihr freundlich die Hand. Nur Ellen hielt sich förmlich 
zurück. Diese Verbindung mit orientalischem Blute, die sie 
kommen sah, behagte ihrem englischen Stolz um so weniger. 
als baburch 'elne weitere Jsisplittsrung ves großen Ber-» 
mögens herbeigeführt werden tonnte. Sie mußte wegen 
ih> er Absichten auf Ewald versuchen, hier einen Riegel vor 
zuschieben. Ihre gejchäftige % hantasie suchte bereits nach 
.niysmitieln. Wie. wenn es gelänge, die unbegueme Person 
dem Häuptling zu überliefern? Dann wäre mit einem 
Schlage die ganze E^.o.hr beseitigtI 
31. Kapitel. 
Die unter Achims Befebl gestellte Abteilung war die 
schmale Seezunge rechts vom Bünd-Ae ' ir entlang bis zu 
Ende geritten und hatte sich dann u.r,'»östlich in der 
Richtung aus Djämalabad gewendet. Das »k ige Terrain 
gestattete ihnen ab und zu den Llick auf die weue Fläche 
des Sees. 
Sie mochten etwa zwei Stunden vorwärts galoppiert 
sein, als sie bei einer Wegbiegung das Hier auf eine wate 
Strecke frei vor sich liegen sahen. Der See glitzerte im 
Sonnenlichte wie Gold, und von seiner Fläche hob",ich eine 
Anzahl dunkler Figuren ab, die sich scheinbar langsam, in 
Wirklichkeit gewiß sehr schnell von links nach rechts be 
wegten. Achim griff schnell zum Trieüerbiuocle und sah 
dieselben llteiter vor sich, die er zwei Tage vorher nord 
östlich von Niris beobachtet hatte. Doch halt, waren es 
auch wirklich diese den? Damals h n sie siebzehn Mann 
gezählt, jetzt waren es nur elf. Trotzdem tonnte kein 
Zweifel obwalten. Denn der Reiter an der Spitze mar 
offenbar derselbe Europäer, den er bereits bei den Baharlus 
gesehen hatte. Zum Uebersluh rief jetzt auch der 5)auvt- 
mann, der gleichfalls zum Fernglas gegriffen hatte, mit 
dumpfer Stimme: „Ieunings".
        
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