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Periodical volume Nr. 43, 19.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 43 
Berlin FriedesM, Zomerstag dev 19. Fedrvsr 1920 
Fahrst. 27 
NochNaZs W zwlmgselvyuaris<MNst. 
Duck 8mti>ntxiM ntldxt sie für zuläsjttz. - 
Mir berichleien flrftrnt, bnfj in der Angelegen bei! der 
Frau Fischer gegen das Urteil des Amtsgericht.^ Char- 
lvtlcnburg Berufung beim Landgericht 3 eingelegt worden 
ist. Inzwischen hat eine andere Zivilkammer des Land- 
krichtS 3 in einer anderen Sache der Stadtgemteinkdc 
harlvttenburg die ZwangseinguartierungSverordnung für 
wirksam erklärt und gleichzeilig ausgesprochen, daß der 
Rechtsweg gegen die Inanspruchnahme einer Wohnung 
seitens des Wohnungsamtes Charloticnburg unzulässig sei. 
Sachlich ist hier das Landgericht dem Standpunkte des 
Landgerichts Hannover beigetrcten. In dem vorliegenden 
Falle handelt es sich um den Antrag einer einstweiligen 
Verfügung gegen die Beschlagnahme einer Wohnung am 
Kursürstendannn. Ter Erlast der einstweiligen Verfügung 
aber wurde abgelehnt. In der Begründung heißt cs: 
„Tie Bekanntinachung über Maßnahmen gegen Woh 
nungsmangel (R. G. Bl. S. 1143) ist formell gültig er 
lassen und ebenso wie die auf ihr berul>ende Verordnung 
der Stadtgemeinde Charlottcnburg rcchtswirksazn. An der 
Zustimmung des Reichskanzlers zu der letzteren besteht 
kein Zweifel: sein Einverständnis folgt aus der von ihm 
gebilligten Zustimmung deS Reichsarbeitsministers. In 
materieller Beziehung aber unterliegt die Bekanntmachung 
vom 23. September 1918 nicht der Nachprüfung des Rich 
ters, insbesondere nicht hinsichtlich der Frage, ob sie gegen 
Artikel 115 (Unverleylichkeit der Wohnung) und gegen 
Artikel 153 der Reichsversassung (Gewährleistung des 
Eigentums) verstößt. Tenn, wie das Reichsgericht zu 
treffend ausgesprochen hat, gilt der Grundsatz, daß diese 
keine Privatrechtsansprüche begründenden Grundrechte nur 
als Norm für die gesetzgebende Gewalt gelten, daß aber, 
wenn die gesetzgebende Gewalt eine Anordnung getroffen 
hat, deren Nachprüfung auf ihre materiellbercchtigtc Zu 
lässigkeit dem Richter entzogen ist. Somit ist für den 
Richter jene Bekanntmachung vom 23. September 1918 
und die auf Grund derselben erlassene Verordnung der 
Stadtgemeinde Charlottenburg bindend. Daraus ergibt 
sich, da die Wohnungsbeschlagnahme einen Akt der Staats 
hoheit darstellt, die Unzulässigkeit des Rechtswegs für 
dieses dem öffentlichen Rechte angehörende Rechts 
verhältnis." 
Tas letzte Wort wird nun das Kammcrgcricht zu 
sprechen haben. 
* 
Ter Rechtsbeistand des Herrn Adolf Sauer, Herr 
Tr. P a g'e,n k em p e r, ersucht uns mit Bezug auf un- 
sere gestrigen Ausführungen folgende Berichtigung zu ver 
öffentlichen: 
„Es handelt sich nicht um die Siebenzimmerwohnung 
der Pensionsinhaberin, sondern um eine 3 Zimmcrwoh- 
nung, die Frau Hauptmann Fischer außerdem noch in 
demselben Hause, Rankestr. 22, inne hatte. Diese Woh 
nung war vom Wohnungsamt beschlagnahmt und Herrn 
Sauer als Wohnungssuchenden zugewiesen worden- Die 
zwangsweise Räumung der Wohnung ist vom Magistrat 
Wilmersdorf als der zuständigen Verwaltungsbehörde er 
folgt, sie wäre auch vorgenommen, wenn die Wohnung 
irgend einem anderen Wohnungssuchenden zugewiesen wor 
den sein würde. Es ist unrichtig, daß Herr Sauer in 
derselben Straße „sein Büro" hat, er ist überhaupt kein 
selbständige" Kaufmann: es ist auch unrichtig, daß er 
gerade diese Wohnung haben wollte. Jedermann dürste 
wissen, daß für k. .--nn-^'uebende zur Zeit keine Möglich 
keit einer Auswah. . . R nst dm bestehenden behörd- 
■fli ■!«■«■!■ Mi——Mifc iw iii .""OMMMKMH 
lichen Verordnungen ist der von Herrn Sauer beschrittene 
Weg der einzig mögliche, um auf gesetzmäßigem Wege 
zu ru'.-T Wohngelcgenheit zu kommen. Daß die Woh- 
nungsm rngelVerordnung rechtsungültig ist, wird man wohl 
aus der vereinzelten Entscheidung eines Amtsgerichts noch 
nicht folgern dürfen, zumal dieselbe tzlbteilnng des Amts 
gerichts Charloctenburg genau eine Woche vorher auf 
Grund des vom Mietseinigungsamt zwischen Herrn Sauer 
und Frau Fischer festgesetzten Mietsvertrages die Räu 
mung der Wohnung durch Frau Fischer im Wege der 
einstweiligen Verfügung angeordnet hatte, eine Anord 
nung. die durch das von Ihnen kritisierte Urteil vom 
10. Februar wieder aufgehoben wurde. Hochachtungsvoll 
Tr. Pagenkemper, Rechtsanwalt beim Kammergericht." 
Ortsnad>rid)t*tt 
Ruchbr. unsrer o-Orßstnalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ehrcnfricdhof Friedenau. Gestern Abend fand die 
von der Gemeindevertretung beschlossene Besprechung des 
Friedhofsausschusses mit den Angehörigen der auf dem 
Ehrensciedhof Bestatteten statt. Zu -st der 'Angehörigen 
waren Damen. Herr Bürgermeister Walger eröffnete 
die Versammlung mit einer Ansprache, in der er für die 
Ausführung des 1. Entwurfes eintrat und darauf hin 
wies, daß nran doch dem Preisgericht, dem erste Künstler 
angehörten, folgen müßte. In der daraus folgenden Aus 
sprache, trat Herr Wirkt. Geh. Oberbaurat Tr. Sarrazin 
dafür ein, daß die Gräber in etwa 40 Zentimeter Höhe 
erhalten bleiben und eine möglichst gleichmäßige Aus 
schmückung erhalten. Er war im allgemeinen auch für 
die Ausführung des 1. Entwurfes, hatte aber auch Wünsche 
bezgl. der .Hecken und der Pappeln. Für die Erhaltung 
der Gräber traten auch die übrigen Redner, die Herren 
Kalteweil, Landwirtschaftsminister Braun, Tr. Jßberner 
u. a. ein. Herr Kalteweil sprach besonders der Gemeinde 
verwaltung den Dank dafür aus, daß sie den Ruhe- 
ftätren der Gefallenen ihre Aufmerksamkeit in hohem Maße 
zuwende. Nur eine Dame war mit keinem der einge 
gangenen Entwürfe zufrieden. Sie meinte, daß die Ge 
meindeverwaltung einen anderen Weg hätte einschlagen 
müssen. Für eine abgeschlossene Anlage, die durch Hecken 
zu bilden ist, sowie für Beibehaltung der Gräber uno 
ihre einheitlich« Ausschmückung zeigte sich ziemliche Ein- 
mütigkeil. Schließlich wurde zum Obmann der Angehöri 
gen Herr Wirkl. Geh. Oberbaurat Sarrazin gewählt, der 
die Verbindung der Angehörigen mit dem Friedhofsaus 
schuß und der Gemeindeverwaltung aufrecht erhalten wird. 
o Die Erhöhung deS SchulgeliXs iür die höheren 
Schulen ist in Berlin und anderen Vororten beschlossen 
worden. Auch hier wird man nicht umhin können, diesem 
Vorgehen zu folgen. Wie wir hören, hat man bereits er 
wogen, das Schulgeld hier auf 240 M. zu erhöhen. 
o Vergüting cn Schulwarte und Heizer. Den Schul 
warten und Heizern, sollen künftig für die Benutzung von 
Schulräumen folgende Vergütungen gezahlt werden: Für 
die Benutzung einer Aula an den Schulwart und Heizer 
je l0 M- für den Abend, für die einmalige Benutzung 
einer Turnlzalle an den Schulwart je Stunde l M. Für 
die regelmäßige Benutzung der Turnhalle einmal in der 
Woche 15 M., zweimal 30 M., dreimal 45 und vier 
mal 60 M. im Vierteljahr. Außerdem dem Heizer für 
das Winterhallgahr 50 M. Für die Benuhuug^des Klassen 
raumes an den Schulwart i M- für die Stunde. Für 
die Benutzung des Lichthtlderapparetes 2 M- je Stunde. 
Diese Vergütungssätze bedeuten eine neue große Belastung 
der Veranstalter und Vereine, namentlich aber derjeni 
gen Vereine, die Leibesübungen pflegen, wie die Turn 
vereine. Dem Männer-Turnverein würde hierdurch 
z. B allein eine jährliche Mehrbelastung von rund 800 
Mark erwachsen. 
o Bürger, schützt Eure Anlagen! Ter Amtsvorsteher 
macht unter „Amtliches" bekannt, daß es in letzter Zeit 
ltziufig vorgekommen ist, daß Kinder sich in den'Anlagen 
herumtummeln und daß sogar erwachsene Personen sie 
betreten. Tie Bürgerschaft, auf deren Kosten doch die 
Unterhaltung und Instandsetzung der Anlagen geschieht, 
wird darauf hingewiesen, daß das Betreten' der 'Anlagen 
verboten ist und Uebertretungen mit Geldstrafe bis 
zu 9 M. oder Hast bestraft werden können. Wir möchten 
aber auch ohne Hinweis ctuf die Bestrafung unserer Mit 
bürger bitten, die Mahnung zu beachten, die wir an die 
Spitze dieser Mitteilung gesetzt haben: Schützt Eure An 
lagen! 
o Zur Wahl der Elternbehäte. Tie Wahlen an allen 
drei hiesigen Gemeindeschnlen findet am kommenden Sonn 
tag, den 22. d. Mts. statt. Ter Schlußsatz auf ödem 
Flugblatt der unpolitisch-christlichen Liste ist vielfach miß 
verstanden worden. Er bezieht sich nur auf die Wahlen 
in den höheren Schulen, die erst am 7. März statt- 
finden. Tie Wahlen an den Gemeindeschnlen sind diesen 
Sonntag. Hierfür sind für die 1. und 2. Gemeindeschnle 
je 3 Listen (eine unpolitisch-christliche, eine mehrheitS-- 
sozialistische und eine unabhängig-sozialistisches für die 
3. Gemeindeschnle zwei Listen (eine unpolitisch-christliche 
und eine unabhängig-sozialistische) eingereicht worden. — 
In einem Aufruf, den der Hauptausschuß für die Wahlen 
der Elternbeiräle lFoertsch. Mühlpfordt, Sarrazin, Schlie- 
Per, Soltau) erläßt, heißt es: „Die Schule ist in Ge 
fahr! Ihr Eltern der Gemeindeschüler wählt daher am 
kommenden Sonntag Frau für Frau und Mann für Mann 
die unpolitisch-christlichen Listen. Durch Ans-- 
übung des Wahlrechts bewahrt Ihr Eure Kinder vor 
Schaden und dient dem Vaterlande!" 
o Tie Wuchergerichte sind vielfach auf ihre Rechts« 
gültigleit beanstandet worden. Das Landgericht 3 hat 
hierzu gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors W ex 
Stellung genommen und die Rechtsgültigkeit der Wucher- 
gerichte bejaht. Wenn inan einen anderen Standpunkt 
einnehmen wollte, würde das zu einem Stillstand der 
Rechtspflege führen, was den Wucherern und Schleichhänd- 
lern zugute käme. 
o Das Verdi nstkreuz sür Kriegshilfe hat Frau 
Schwartz, die Gattin unseres Ratskellerwiries, erhalten. 
o Auch Nooke verbietet die Sch ießung der Gastwirt- 
schaften! Das Oberkommando NoSke erläßt folgende Ver 
ordnung: Auf Grund der Verordnung des Herrn Reichs 
präsidenten vom 13. Januar betreffend die zur Wieder 
herstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung 
nötigen Maßnahmen ordne ich sür Berlin und die Mark 
Brandenburg folgendes an: Alle Anlagen und Einrickz- 
hingen zur Erzeugung, Bearbeitung und Ver 
teilung von Lebensmitteln sind als lebenswichtige 
Betriebe anzusehen. Jede Betätigung durch Wort, Schrift, 
oder andere Maßnahmen, die darauf gerichtet ist, diese 
Betriebe zur Stillegung zu bringen, wird gemäß 8 1 der 
Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom l3. Ja 
nuar 1920 mit Gefängnis, Haft- oder (Geldstrafe bis zu 
15 000 Mark bestraft, sofern nicht die bestehenden Gesetze 
eine höhere Strafe bestimmen. — Diese Verordnung richtet 
sich wohl in erster Linie gegen die Streikandrohungen 
der Gastwirte und Großbäckereien. 
o Schuhwerk für die minderdemittelte Bevölkerung. 
Tie andauernd steigenden Häute- und Lederpreise haben 
Beunruhigung in den weitesten Krei'en der Bevölkerung 
hervorgerufen, da die Versorgung mit Schuhwerk zu er- 
Lwei reztamenie. 
Roman von F. Stolze. 
gl (Nachdruck verboten.) 
Unter den Zurückgebliebenen herrschte eine schwüle 
Stimmung. Der Oberst hotte nach Westen und Osten hin 
Posten ausgestellt und ging ungeduldig hin und her. Alle 
harten das Geiühl, daß mau dicht vor einem großen Er- 
ei nis stand. Auch Ali.e und Erna konnten sich nichl ent- 
schließen. auf ihren Feldstuhlen sitzen zu bleiben, und 
wanderten am Seeufer auf und ab. Ellen, die ihre Un- 
ruhe teilte, hatte sich ihnen angeschlossen. Alle drei hatten 
anfangs der an der langen Seezunge dahingaloppierenden 
Schar "nachgeschaut, bis sie in der Ferne entichwand. Dann 
wendeten sie ihre Blicke auf das jenseits nach Nord-Nordost 
verstreichende westliche Seeufer, aber alles blieb still. Nur 
ab und zu fielen einige einsilbige Worte zwischen den 
dreien, aber sie machten die erwartungsvolle Stille nur 
um so peinlicher. Zufällig wendete Ellen ihren Blick »ach 
Nordosten, der großen Insel zu. Da rief sie plötzlich, 
indem sie mit dem rechten Arm hinüberzeigte: 
„Ha. was ist das? Seht, seht!" 
Schnell wendeten sich die beiden anderen. Da drüben 
auf dem See, wohl einen Kilometer entfernt, schwamm ein 
Fahrzeug, dessen Segel vom Winde gebläht wurde! Wie 
es schien, kam es geraoe auf sie zu. 
„Aber," rief plötzlich Alice, „was ist das hinter dem 
Boot? Ich kann es nickn erkennen." ^ .. . 
„Ich auch nicht," ertönte Ernas Stimme, und nut dem 
Ruf „Papa, Papa" stürzte sie fort. 
Als sie nach etwa einer Viertelstunde mit dem Oberst 
zurückkehrte, war das Fahrzeug schon etwas näher ge- 
kommen, wenn auch Einzelheiten mit bloßen Augen immer 
noch nicht zu erkennen waren. Herr von Leppel griff 
ilüher zu feinem Triederbinocle. Kaum hatte er es aber 
an die Augen geletzt, als er erstaunt ausriek: 
„Das ist f reihet) kein Wunder, tu. na mir aus dem 
Ding nicht klug w.rbsn konnten! An n o ist es ein ganz 
gern, a^li yes per ,ches Boot ml; ct-get. dahinter aber 
schwimmen — vsfenvar augestilt — ie»..--: Pferde, oder laßt 
einmal genauer Oben — vier Pferde un- zwei Maultiere I 
Die Re.segesellscha t ist noch nicht g.wni za erkennen. Ich 
sehe einen Mann vorn im Bug, lue anberu sind größten 
teils hinter dem Segel verborgen. Seht selbstl" 
Und er liest das Inst ument herumgeben. Während 
es nun aber die einzelnen für ihre Augen einstellten, hacke 
mau offenbar auch auf dem Boot die Leine am Strande 
bemerkt. Denn cs wurde plötzlich beigedreht und gleich 
darauf sank auch das Segel herab. Da rief Alice, die eben 
durchs Fernrohr Glucke: 
„Jetzt kann ich alles genau erkennen! Da find noch 
zwei Per,erinnen, eine junge und eine aite, und ein zweiter 
Alaun. Aver das ist kein Perser! O Gotc, Onkel Leppel, 
sieh selbst, ist das nicht Papa, unser teurer Papa?" 
Der Oberst griff hastig nach dem Instrument, stellte es 
kin und ju. elte: 
„Wahrhaftia. Alice, du haft recht! So sah er auf 
seiner letzten Photographie aus! Wir haben ihn! Aber 
er kennt uns nicht.' Wir müssen uns ihm auf irgendeine 
Weise erlenuoar machen!" 
Er zog fa/ncil seinen Revolver hervor und feuerte 
hintereinander die sechs Schüsse über die Wasterstäche hin ab. 
Eine kleine Pause verging. Dann blitzten von dem 
Boote her fünf Schüsse einer Repetierpistole auf, schnell ge 
folgt von dem leisen, aber scharfen Knall. Und wäre noch 
irgendein Zweifel gewesen, daß man sie als Freunde er 
kannt batte, so hätte er schwinden müssen, als sie sahen, 
wie das Segel wieder am Maste emporstieg und das Boot 
sich auf sie zu in Bewegung setzte. 
Mit vor Glück strahlenden Augen umarmten sich Leppel, 
Erna und Alice. Selbst Ellen wurde von dem Taumel mit 
fortgerissen und weinte und lachte mit den beiden Mädchen 
um die Wette. Hoffte sie doch bei der rosigen Stimmung 
aller um so leichter Ewald sür sich gewinnen zu können. 
Inzwischen waren durch die Neoolverschüsse auch die 
übrigen Angehörigen des Lagers bis zu den Außenposten 
hin darauf aufmerksam geworden, daß etwas Außergewöhn 
liches vor sich gehe, und die ölenschenansammlung am Ufer 
wurde großer und größer. Aber es mußte noch im'mer 
eine oetrachtliche Zeit vergehen, ehe das Boot io weck lierai» 
kam, daß alle sich gegenseitig zu erkennen vermochien. 
Während sie so des kommenden Ereignisses gefpannl 
harrten, tonte vom östlichen Posten her Lärm herüber. 
Pferdegetraopel wurde hörbar, und bald darauf erschien 
die nach Mian Djängäl «Mitten im Walde- unter Ewald- 
Führung entsendete Erkundigungstrustpe. So sehr der 
junge Mann auch durch die vtachricht vom p. glichen Er 
scheinen seines Vaters erfreut und überrascht war, se 
stattete er doch zunächst dem Oberst Bericht über das Er 
gebnis seines Srreifzuges ab. Auch er war einem Trupp 
Baharlus begegnet und hacke sie scharf beobachtet. Sie 
waren unter Führung ihres Häuptlings ziemlich abgema tel 
in Mian Djängäl angekommen und halten dort, weil sie 
Tug und Nacht geritten waren, notgedrungen übernachten 
müssen. Von den Ortscina ohnern hatte man in Er ahrung 
gebracht, daß der Häuptling iich auf der Verfolgung seiner 
Tochter befinde, die mit einem fremden Sahib entflohen 
sei. Er schäume vor Wut und welle die beiden unter den 
schrecklichsten Qualen zu Tode martern. Er welle südlich 
am Bakhtegati-See e tlang ziehen, während eine andere 
Truppe, die vorausgeri len fei, den nördlichen Weg ein 
geschlagen habe. Ewald teilte dem Oberst z»m Schlüsse 
mit, daß die Baharlus vorausfiebtlich etwa fünf oder auch 
sechs Stunden nach ihnen eintr 7. n würden. Er und 
die Seinen, sowie ihre Pferde feten allerdings sehr ab- 
gemacket. da sie ohne Unterbrechung zurückgeritten seien, 
so schnell die Tiere hätten laufen können. 
(Fvrlsetzitng folgt )
        
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