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Periodical volume Nr. 41, 17.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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BerUli-Friedensu Dienstag den 17. Febrvor 1920 
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Roman von F. D r o , i - 
KS (ptachdruck verboten.) 
Auf der Insel folgte nun ebenfalls eine eingehende Be 
ratung. Arnold warf die Frage auf. od man nicht am 
besten täte, den Abend abzuwarten, dann unter dem 
Schutze der Dunkelheit zu dem Baumgarten zurückzukehren 
und der Spur der Reiter zu folgen, von der man dann 
mit Hilfe eines anderen Baches an paffender Stelle ab' 
weichen und auf die große direkt nach Perfepolis führende 
Straße 'gelangen könne, auf der niemand imstande sein 
werde, ihren Spuren zu folgen. 
Suleika dagegen machte geltend, daß man auf diese 
Weise vielleicht gerade den Baharlus in die Hände laufen 
könne. Es liege nahe, daß sie ein solches Verfahren der 
Flüchtigen mit in Betracht gezogen hätten. Sie seien 
vielleicht nur bis zum nächsten Dorfe mit Bach und Baum- 
garten geritten und warteten ihrer dort; ja. sie hätten 
vielleicht sogar ein Abkommen mit den Leuten in Ssabsabad 
getroffen, ihnen aufzupassen und sie festzunehmen. Es fei 
viel sicherer, über den ganzen See nach der Südseite hin 
überzufahren, wo niemand etwas von ihnen wisse, vielleicht 
nach Bänd-Amir, wo sie dann leicht in einer der Felsen- 
schluchten verschwinden könnten, bis die Verfolger zurück 
gekehrt seien. Sie kenne dort jeden Schlupfwinkel. 
Arnold machte die Schwierigkeit geltend, die Pferde 
, und Maultiere über den ganzen See hinwegzubringen. 
Suleika, ihr Milchbruder und die Amme meinten aber, 
dafür würden sich schon mit Hilfe der Inseln und Land- 
zunzen Mittel finden lassen. Im Notfälle aber sei es 
sogar besser, die Tiere irgendwo am Ufer auszusetzen und 
im Süden des Sees neue zu kaufen, die nicht die Brand 
marke der Baharlus trügen. ^ rt . 
So gab denn Arnold den Beweggründen der Landes- 
eingeborenen nach, die jedenfalls Land und Leute besser 
kannten und mindestens ebenso an ihrem Entkommen 
interessiert waren wie er. 
tNachdr. unsrer o-Orgstualartiret nur mit Quellenangab e gestattet.) i 
v Elternbcirat d.r Königiir-Luise-Schule. Die zweite i 
Elternversammlung ist am Sonnabend, den 31. b. Mts. s 
abends 8 Uhr in der Aula der Schule. . 
obh Gegen die Verwahrlosung der Jugend. Der An- ' 
terrichtsminister hat an die Schulaufsichtsbehörden einen i 
Runderlaf; gerichtet, worin er sie zu tatkrästigcn Schritten 
gegen die sittliche Gefährdung der Jugend auffordert. 
„Immer deutlicher zeigen sich die nachteiligen Wirkungen, i 
die der Krieg mit seinen Folgeerscheinungen auf das j 
sittliche Leben unserer Jugend ausgeübt hat. Besonders 
in den Großstädten machen sich Schäden bemerkbar, die 
die ernsteste Aufmerksamkeit aller am Werke der Erziehung 
Beteiligten verlangen. Namentlich sind der überhand neh 
mende Nikotingenuß, die Beteiligung der Schuljugend am 
Schleichhandel und an S ch i e b e r g e s ch ä f t e n, sowie 
der Besuch für die Jugend nicht geeigneter Filmvorfüh 
rungen zu bekämpfen. Ich erwarte, daß die Provinzial 
schulkollegien und Negierungen diese Erscheinungen mit 
^ allem Ernste verfolgen und in geeigneter Weise die Lehrer 
kollegien veranlassen, vereint mit den Elternbeiräten 
den Schäden entgegenzutreten. Die Abhaltung von.El 
ternabenden dürste ein sehr geeignetes Mittel zur > Be 
kämpfung sein." 
o Zur Förderung des Kleingartenwesens sollen, in 
weiterer Ausführung der Kleingarten- und Kleinpachb- 
ordnung vom 31. Juli 1919 auf Anregung des Mi 
nisters für Volkswohlfahrt in jedem Land- und Stadt 
kreis Kleingartenämter eingerichtet werden. In Ort 
schaften mit mehr als 10 000 Einwohnern sollen außerdem 
Nebenstellen geschaffen werden, die sich der Förderung 
des Kleingartenwesens anzunehmen haben. Ferner ist die 
Bildung eines Sachvcrstündigenbcirats bei jedem Klein 
gartenamt vorgeschlagen, der in allen Pachtpreisfragen 
und sonstigen Angelegenheiten gutachtlich zu hören. Ueber 
die zur Anlage von Kleingärten geeigneten Ländereien am 
Orte selbst und in seindr nächsten Umgebung sowie 
über sämtliche vorhandenen und neu einzurichtenden Klein 
pachtgärten soll ein genaues Verzeichnis geführt werden. 
Die eingegangenen Anträge sind im Hinblick auf ihre 
Dringlichkeit zu befriedigen und zunächst dabei Kriegsbe 
schädigte, Witwen Gefallener und kinderreiche Familien 
zu berücksichtigen. Dabei ist darauf zu achten, daß dies 
Gewähr für zweckmäßige Bearbeitung und guie Erträge 
gegeben ist. Als Nachweis der Sachkunde kann gelten, wenn 
der Bewerber.bereits 1 bis 2 Jahre einen Nutzgarten 
erfolgreich bewirtschaftet hat. 
o Weitere Erhöhung des Straßenbahntarifs in Sieht. 
Kaum hat sich die Erhöhung des StraßenbahnfahrPreifeS 
auf 30 Pfg. seit dem 1. Jarular in der Groß-Berliner Be,- 
völkerung eingelebt, als auch schon die Notwendigleit einer 
weiteren Hinausschreibung des Tarifs immer schärfer her 
vortritt. Die letzte Fahrpreiserhöhung sollte der Abbür 
dung des Fehlbetrages im Betriebe der Großen Berliner 
Straßenbahn aus dem Jahre 1919 in Höhe von rund 
16 Millionen dienen. Trotzdem hat sich bis jetzt dieser 
Fehlbetrag auf 20 Millionen M. erhöht. Die Unkosten für 
Bau- und Betriebsstoffe zeigen eine derartig gewaltige 
Steigerung, daß der Voranschlag für das erste Vierteljahr 
1920 bei weitem nicht ausreicht. Dazu treten noch die 
bevorstehenden »Lohnerhöhungen, über die die Verhand 
lungen demnächst zum Abschluß gelangen werden, sodaß 
eine, wenn bescheidene Wirtschaftlichkeit des Straßcn- 
bahnunternehun ’ r T‘ ‘ i einem Fahrpreis von 30 Pfg. 
nicht zu erzielen i... "iE"" Tariferhöhung wird 
daher als unumgänglich bezeichnet; sie dürfte zum 1. April 
in Vorschlag gebracht werden. Ob es möglich sein wird, 
die Erhöhung auf 40 Pfg. zu beschränken, hängt von 
der Prüfung durch die zuständigen Stellen ab. Zugunsten 
der ohnehin schwer belasteten Fahrgäste ist allerdings 
dringend zu wünschen, daß eine weitere Fahrpreiserhöhung 
auf das geringst zulässige Maß beschränkt bleiben möge. 
o Abermalige Erhöhung der Koksvreise. Infolge der 
am l. Februar vom Reichswirtschaftsministcr genehmigten 
Erhöhungen der Erzeugerpreise für Koks aller Art und in 
Berücksichtigung der wesentlichen Lohnerhöhungen beim 
.Kohlenhandel hat der Kohlenverband Groß-Berlin für das 
Gebiet des Kohlenverbandes — rückwirkend ab 1. Februar 
— neue Preise für Koks festgesetzt. Es dürfen für Koks, 
Gaskoks gebrochen folgende Preise nicht überschritten wer 
den: bei Selbstabholung ab Lager M. 16,50 je Ztr., 
bei Lieferung frei Erdgeschoß oder Keller M. 17,10 je 
Ztr., bei Kokslicferungen an das Kleingewerbe, sowie für 
Zentralheizungs- und Warmwasserbeireiiungsanlagen in 
Fuhren nicht unter 30 Zentner dürfen folgende Preise 
nicht überschritten werden: Gaskoks grob M. 16,15 je 
Ztr., Gaskoks gebrochen M. 16,45 je Ztr., westfäl. oder 
Lichtcnberger Schmelzkoks M. 17,05 je Ztr., Oberschlesi 
scher Schmelzkoks M. 17,40 je Ztr., niederschlesifcher 
Scknuelzkoks M. 22,05 je Ztr. 
o Gastwirtschaften dürfen nicht schließen! General 
leutnant v. Stolzmann, der für die Tauer der Verhän 
gung des Ausnahmezustandes die vollziehende Gewalt 
im Bereich des Rcichswehrbrigadekommandos 11 über 
nommen hat, hat auf Grund der Verfügung des Reichs 
präsidenten vom 13. Januar 1920 und im Einverständnis 
mit dem Regiernngskommissar Tr. Schwander folgendes 
verfügt: Gastwirtschaften und Gasthäuser fallen unter Er- 
Weiterung des § 6 der Verordnung des Reichspräsidenten 
vom 13. Januar 1920 unter den Begriff „lebenswich 
tige Betriebe". Die vom 15. bis zum 28. im Bezirk Frank 
furt a. M. beabsichtigte Schließung der Gastwirtschaften 
und Gasthäuser wird verboten. Zuwiderhandlungen wer 
den. sofern nickt die bestehenden Gesetze eine höhere Strafe 
bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit 
Geldstrafe bis zu 15 000 M. bestraft. Liegen in einzelnen 
Fällen besondere Verhältnisse vor, so kann die Aushebung 
des Verbots bei den Ortspolizeiüehörden beantragt und 
von diesen genehmigt werden." 
o Tovessä'll. Im Alter von 84 Jahren verstarb hier 
der Landesgeologe a. T., Geheimer Brrgrilt Dr. Gottlieb 
Deren dt, Professor an der Berliner Universität. Der 
Gelehrte, der 1836 in Berlin geboren war, hat sich be 
sonders um die Geologie seiner märkischen Heimat und 
der norddeutschen Tiefebene verdient gemacht und gehörte 
zu den ersten Vorkämpfern der jetzt allgemein durchgeht 
drungeuen Glazialtheorie. 1869 hatte er sich in Königs 
berg habilitiert, tvnrde aber 1874 als Landesgeologe 
nach Berlin zurückberufen und 1875 zugleich zum außer 
ordentlichen Professor an der Universität ernannt. Bald 
nach seiner Berufung schuf er die bekannte geologische Karte 
der Umgegend von Berlin. Als Ergänzung gab er eine 
geognvstische Beschreibung Berlins heraus, arbeitete einen 
geologischen Stadtplan der Reichshauptstadt aus und schrieb 
über den tieferen Untergrund Berlins. 
o Empfänger! von Militör-Bersorgmrgsgebührniflsen 
(Pensionen, Renten und Hinterbliebenenbezügen) werden an 
die pünktliche Abholung ihrer Gebührnisse am kommenden 
Hauptzahltage — 26. Februar — erinnert. Für die glatte 
Abwicklung des Rentcnzahlgeschäfts bei den Postanstalten 
ist die pünktliche Abhebung der Beträge unbedingt not 
wendig. Empfänger, die zur Abholung am Hauptzahl- 
M » 
Es fragte sich jetzt nur noch, wann und in welcher 
Richtung nian aufbrechen solle. Die nördlichen Teilendes 
Sees sind von den südlichen hauptsächlich durch eine haken 
förmige, etwa zwanzig Kilometer von Norden nach Süden 
und dann ebenso weit von Osten nach Westen sich er- 
streckende Insel getrennt, deren Breite im Nordteil rund 
zehn Kilometer, im Westteil fünf Kilometer beträgt. Der 
östliche, sie vom Festland trennende Kanal ist verhältnis 
mäßig eng und lang, während der westliche kurz und 
breit ist. Der östliche bot daher bei weitem die beste 
Deckung, und man entschied sich schnell für ihn. 
In bezug auf die Zeit des Aufbruchs war die Ent. 
jcheidung schwieriger. Suleika, die Amme und ihr Sohn 
waren der Ansicht, man solle bis» zur Nacht warten und 
jo ihre Feinde ganz im unklaren darüber lassen, wohip fit 
sich geflüchtet hätten, während Werner entschieden für den 
sofortigen Aufbruch war. Er wies darauf hin, daß die 
Baharlus ganz aus dem Gesichtskreis verschwunden seien, 
and daß man sich vor dem Ausblick der Dörfler sehr wohl 
durch die Insel decken könne. So lange die Sonne noch 
nicht nach Westen hinübergezogen sei, würde sich selbst ihr 
graues Segel schwer von der Seefläche abheben, so daß sie, 
sobald sie etwa drei bis vier Kilometer von Ssabsabad 
entfernt wären, überhaupt von dort aus nicht mehr zu 
erkennen sein würden. Endlich aber erinnerte er daran, 
daß die Dörfler den Verlust ihre» Bootes bitter empfinden 
und daher versuchen würden, sich wieder in seinen Besitz 
zu setzen, und daß sie deshalb die Bewohner eines be 
nachbarten Dorfes bewegen würden, ihnen ihr Boot zur 
Verfügung zu stellen und sich ihnen selbst bei der Suche 
anzuschließen. Man müsse sich daher so schnell als möglich 
aus dieser gefährlichen Gegend entfernen. 
Der letzte Grund leuchtete den drei anderen ein. Man 
machte daher alles zur Abfahrt fertig, seilte die Tiere 
wieder am Boote an und stach in den See hinaus. 
Der Wind trieb sie leicht und stetig über die sanft 
gekräuselte Fläche hin. Sie hielten sorgsam Ausschau und 
sahen sich vor, dag sie Ssabsab.ad nicht z>>.Gesichj. bekamen. 
tage nicht in der Lage sind, werden dringend ersuchst, 
unter allen Umständen die Beträge spätestens noch im 
Fälligkeitsmonat — Monat März — abzuheben. 
o „Blüten!" In letzter Zeit sind wiederholt Nach 
ahmungen von Reichsbanknoten mit geringfügigen Aende 
rungen (sogen. Blüten) zu Reklainezweckcn verbreitet wor 
den. Trotz der vorhandenen Abweichungen gewinnen diese 
Blüten durch Faltung, Zusammenkleben, andere Farbeir- 
, gebuug so erhebliche Aehulichkeit mit den echten Noten, 
daß es in einer ganzen Reihe von Fällen bereits iBe-s 
, trügern gelungen ist, sie zu Zahlungen zu verwenden. Es 
> erscheint angebracht, das Publikum, insbesondere die ge- 
i werblichen Kreise, darauf hinzuweisen, daß nach § SSO 
j Nr. 6 StrGV. die Anfertigung und Verbreitung von 
‘ Waren-Empfehlungskarten, Ankündigungen oder anderen 
i Drucksachen oder Abbildungen, welche in Form oder Ver- 
f zierung dem Papiergelde ähnlich sind, strafbar ist. Vor 
s Anfertigung, Verbreitung und gleichzeitig auch vor An 
nahme obengenannter Blüten wird daher gewarnt. 
o In der Volkshochschule Friedenau hat mit dieser 
Woche die 2. Gruppe der Vortragsreihen im Rahmen des 
3. Lehrganges begonnen. Am Mittwoch, den 18. fängt 
Herr Oberlehrer Dr. M a u e r m a n n, der schon während 
des Krieges durch volkstümliche Vorträge viele Freundes 
gewonnen hat, seine Vortragsreihe, „Tie deutschen Mund 
arten" an. Am Donnerstag, den 19. 2. sf. liest Herr 
Professor Dr. M e n d e l s o h n über „Die organische Chemie 
in Haus und Hof." An den Sonnabenden, beginnend am 
21. 2. wird Herr Professor Dr. Dütschke an der Hand 
trefflicher, ganz neuer Lichtbilder eine „Einführung in 
die antike Kunst" bieten. Bei dein großen Anklang, den 
des Redners Vorlesungen über „Faust" gefunden haben, 
ist mit einem starken Andrang zu rechnen. Es dürfte rat 
sam sein, sich durch Erwerbung einer Eintrittskarte im 
Vorverkauf eineu Platz zu sichern. Eintrittskarten zum 
Preis von 4 M. für die Vortragsreihe sind bei Ebers. 
Rheinstr. 15, Goßnermission, Handjerhstr. 19-20, Kofsaf- 
kowski, Schmargendorfcrstr. 35 und Denecke, Tinbenraiich- 
straße 35, im Vorverkauf und außerdem auch au der 
Abendkasse zu haben. Ani Saaleingang werden auch Ein- 
zelkarten für den Abend zum Preis von 1 M. ausge» 
geben. 
o Die Kunststätte für DobkätLi^dirrrg veranstaltete nach 
längerer Zeit wieder einmal am Sonnabend ein Künstler- 
Konzert im Fcstsaale des Nesormrealgyiunaistnus. Der 
Besuch hatte besser fein können, aber auch die Temperatur 
in dem ungeheizten Saal war ungemütlich. Das ist viel 
st icht einmal in einem besonderen Artikel zu besprechen. 
Jedenfalls ist es auffällig, daß an den Vortragsabenden 
für Kunst und Wissenschaft der Saal sehr warm, fast 
überheizt ist, während andere Veranstaltungen mit einem 
ungeheizten Saal vorlieb nehmen müssen. Wer eben Kohlen 
sch—affen kann, bekommt den Saal,geheizt! Die Ver 
anstaltung selbst bot reichlich viel Cellomusik. Ueber eine 
so gute Technik Herr Kammermusiker Eugen Sandow 
auch verfügt, etwas weniger von seinen Darbietungen 
wäre hier mehr gewesen. Nicht eudenwollcnden Beifall 
holte sich der Harfenist Herr Kammervirtuose Mar Saal, 
der nicht allein virtuos, sondern auch seelenvoll und 
mit Empfindung spielte, sodaß man trotz der Kälte im 
Saal bei seinem Spiel „warm" werden konnte. Fräu 
lein Gertrud Assen heim er konnte auch mit ihrem 
Publikum zufrieden sein, das ihr lebhaft applaudierte. 
Ihre Stimme hat zwar noch Schule nötig, auch im Vor 
trag fehlt noch manches, doch im allgemeines sang sie 
recht nett. Besonders gefiel ihr zweites Lied: „Meine 
Lust ist Leben", von Will). Kienzl. Die heiteren Sachen 
Aber es zeigte sich nichts, und als die Sonne im Mittag 
stand, hatten sie die Durchfahrt erreicht. Steil erhoben sich 
rechter Hand die Felsen, während linls das Ufer sich all 
mählich ansteigend aus dein blauen Wasser erhob. Da die 
Insel den vor jedein Ueberfall sichersten Pfad bot, hielten 
sie sich dicht an deni schroffen Absturz und blickten nach 
einer Stelle aus, wo sie anlegen und landen tonnten. 
Bald zeigte sich auch eine kiciue Bucht, in die sie einlenkten, 
und wenige Minuten später schurrte der Boden des Bootes 
auf dem salzbedeckten User. 
Sie hätten keinen besseren Platz für ihren Zweck finden 
können. Denn hinter dem schneeig glänzenden Streifen 
erhob sich dichter, schattenspendender Bauiiiwuchs, der zur 
Rast einlud, während dahinter eine Schlucht zum Rücken 
der Insel emporsührte. 
Vor allem brachte man die Tiere ans Land, die von 
der langen Fahrt sehr ermüdet waren und sich im Baum- 
schatten niederstreckten, indem sie nur ab und zu den Kopf 
nach einem grünen Busch ausstreckten. Auch die Menschen 
bedurften der Ruhe und machten sich an die am Morgen 
jo jäh unterbrochene Mahlzeit, indem sie zugleich in eifrige 
Beratung über die Art ihrer Weiterreise traten. 
Eine Zeitlang planten sie, das Boot an dieser Stelle 
endgültig zu verlassen, es ins Wasser hinauszustoßen und 
den Weiterweg mit ihren Tieren anzutreten. Bald aber 
machten sie sich klar, daß das Aufgeben des Bootes sie ganz 
oom Zufall abhängig machen würde, da sie nicht wissen 
konnten, ob sie eine andere Gelegenheit zum Uebcrsegen 
nach dem Südufer des Sees finden würden. Da anderer 
seits die Tiere nicht sofort wieder in da- gesättigte Sälz- 
wasser hineinkommen durfte», law, inan überein, daß 
Sulcikas Milchbruder Djaffrr das Bvot mit dem Haupt- 
gepäck bis zur westlichen Biegung der Infel bringen falle, 
wohin die drei anderen auf dem Landwege kommen wü, den. 
Dort werde sich ze gen, ob man noch iu der.Na.ht oder am 
nächsten Morgen die lieberfahrt antreten solle. 
sorat.l -
        
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