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Periodical volume Nr. 40, 16.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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fanfatttifiKz H» t MM. 
Nr. 40 
BerUrr-Friedermu, Montag, dev 16. Februar 1920 
Fahrg. 27 
OmiiacfeiicbteiB 
iNachdr. unsrer v-Onginalartikel nur mit Quellenan^ >ke gestattet.) 
o Tie RechtckstültigKit der Höchstmietcmcmorö iruuq. Die 
preußische Landesoersammlung lvird sich bei ihrem Zu 
sammentritt am Mittwoch auf Grund der Anfrage der 
Demokratischen Fraktion mit der Rechtsgültigkeit der be 
kannten Höchstmietenanorduung des Ministers für Volks- 
Wohlfahrt vom 9. Dezember 1919 beschäftigen. Bei dieser 
Gelegenheit wird auch die Angelegenheit der Groß-Berliner 
Höchstmietenverordnung deS Wohnungsvcrbandes zur 
Sprache kommen, gegen die der Oberpräsident auf Grund 
jener ministeriellen Anordnung, insbesoirdcre ihres § 10 
bezüglich der Reparaturzuschläge Einspruch erhoben hat. 
Wie wir hören, wird der Wohlfahrtsminister Stegerwald 
vor der Besprechung in der Landesversammlung eine Ent 
scheidung über die Groß-Berliner Höchstmietenanordnung 
nicht treffen. Es dürfte von dem Ausgang der Verhäng 
lungen am Mittwoch abhängen, in welcher Weise die 
Frage der Höchstmieten und Reparaturzuschläge gelöst 
werden wird. 
o Tie Frist für di« Einreichung der Steuererklärung 
zu den Krtegsadgaben ist vom Reichsftnanzministerium bis 
zum 29. Februar 1920 verlängert, weil die Banken nicht 
imstande waren, die Berechnungen des Kapitalvermögens 
ihrer Kunden nach dem Stande vom 30. Juni 1919 fest 
zustellen. 
o Neuregelung der Abnahme von Kriegsanleihe h& 
Verkäufen von Heeresgut. Zur Behebung der Schwierig 
keiten, die bei der Bezahlung von Heeresgut mit Kriegs 
anleihe entstehen und insbesondere mit Rücksicht auf Ver 
zögerungen, die sich bei dieser Zahlungsart in der Ab 
wicklung des Berkaufsgeschäftes einstellen, hat das Reichs 
finanzministerium verfügt, daß vom 20. Februar .1920 
ab beim Verkaufe von Heeresgut zunächst Barzahlung zu 
leisten ist mit der Maßgabe, daß dem Käufer die selbst 
gezeichnete Kriegsanleihe nachträglich abgenommen wird, 
wenn er bei der Barzahlung den vorgeschriebenen Antrag 
hierzu stellt und ferne Berechtigung zur Wgabe von 
Kriegsanleihe gemäß den Bestimmungen anerkannt wird. 
Ueber die Einzelheiten des Verfahrens geben das ReiclM- 
verwertungsamt bezw. die Stellen Auskunft, die von diesem 
mit dem Verkaufe von HeereSgut betraut sind. 
o SiechlnmgSral August Schlteper, der verdient« 1. 
Vorsitzende des Kreiskriegerverbandes Teltow ist ge 
storben. An der Trauerseier, die am DienStag, dem 
17. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, im Trauerhause Sig- 
maringer Str. 9 stattfindet, nehmen alle Kriegervereiue 
des Kreises mit ihren Fahnen teil. Der Friedenauer 
Krieger- und Landwehrverein versammelt sich um 31/4 Uhr 
in der „Wilhelmsaue" in Wilmersdorf. 
0 Der Zoologische Garten befindet sich in einer äußerst 
ungünstigen finanziellen Lage. Zwischen Vertretern von 
Staats- und Gemeindebehörden Groß-Berlins und Mita 
gliedern des Aktien-Vereins des Zoologischen Gartens 
haben darüber Besprechungen stattgefunden, in denen man 
dahin übereinkam, daß die Gemeinden, wie im Vorjahre 
eine Beihilfe bewilligen sollten. Der Fehlbetrag wird vor 
aussichtlich 630 000 M. betragen. Unsere Gemeinde hak 
im Vorjahre 2000 M. bewilligt. Des? Gemeindevorstand 
empfiehlt der Gemeindevertretung, auch in diesem Jahr« 
den gleichen Betrag zu bewilligen. 
0 Zur Frage der Fahrpreisermäßigung für Kriegs- 
iuvalidcn. Die Charlottenburger Stadtverordnetenver- 
lung betus-* kürzlich, den Magistrat zu ersuchen, daß 
... i ■— 
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Zwei CeiMtaeim. 
Roman von F. Stolze 
,Nachdruck verboten.) 
Die Sonne stieg über den Bergen empor und warf 
ihre Strahlen auf einen kleinen Baumgarien, der, von 
einem der erwähnten Büche durchrieselt, neben dem Dorfe 
Ssabsabad (Grünhenn) nicht weit vom Ufer des Sees lag. 
Ein Gewieher aus dem Schatten der Pappeln begrüßte 
das Tagesgestirn, und bald ertönten Menschenstimmen und 
geschäftiges Geräusch aus dem dichten Gebüsch. 
Vor dem zwischen den schlanken Stämmen ausge 
spannten, ringsum bis auf den Boden herabhängenden 
Zelttuch waren ein altes Weib und ein junger Mann 
eifr g mit den Vorbereitungen zu einem Morgenimbiß 
beschäftigt. Als alles fertig auf der Lederdecke ausgebreitet 
und der Samowar im Gange war, näherte sich die Alte 
dem Zelteingang, lüftete ihn und meldete, daß das Früh- 
stück bereit sei. Wenige Minuten später traten Arnold 
Werner und Suleika daraus hervor und ließen sich auf 
dem vor der Lederdecke ausgebreiteten Teppich nieder. Ein 
stilles Glück leuchtete aus ihren Augen, und man sah ihnen 
an. daß sie sich dem Ziele ihres Strebens näher und näher 
fühlten. . . m 
Während sie miteinander plaudernd den Weg be» 
sprachen, den sie nach Takhti Djämshid einschlagen sollten, 
hatte Djaffer sich nach der Mündung des Baches begeben, 
um einiges Geschirr zu reinigen. Er stieg zu diesem Zweck« 
in ein dort angeseiltes Boot, von dem aus er bequeme, 
das tiefe Wasser erreichen konnte. 
Cr hatte seine Arbeit eben vollendet und richtete sich 
wieder auf, als cs ihm bei der jetzt eingetretenen Still« 
plötzlich vorkam, als ob ein leises dumpfes Geräusch übe, 
den Seebasen zu ihm herüberkäme, an dem Ssabsabat 
liegt. Mit geficinn-er Aufmerksamkeit blickte er nach Osten 
Zunächst blendete ihn die ««n»e. «» er aber die Auoen 
mit der Hand b«schirmte, sah ee am fernen Rand« o«S 
Wassers auf dem hohen Ufer einen Zug Reiter emher- 
er beim Zweckverband Fahrpreisermäßigung einer Frei 
fahrt ans der Straßenbahn für schwerbeschädigte KriegS- 
invaliden beantrage. Diesem Beschluß ist der Magistrat 
jetzt i> ei getreten und hat in diesem Sinne - die nötigen 
Schritte beim Zweckverband getan. Gleichzeittg ist an die 
übrigen Groß-Berliner Stadtverwaltungen die Bitte er 
gangen, sich dem Antrag Charlottenburgs anschließen zu 
wollen. 
0 Brotpreis. Wie uns amtlich mitgeteilt wird, kostet 
daS Brot zu 1600 Gramm 2,16 M. 
0 Postsendungen nach dem von den Italienern be 
setzten Gebiet Tirols unterliegen nicht mehr den im Ver- 
t kehr mit Oesterreich geltenden ermäßigten Sätzen, sondern 
den Gebühren für Sendungen nach Italien. 
v „Zu bat früher gehabten Bedingungen", lautet oft 
die Klausel, mit der wiederholte Bestellungen gemacht 
werden. In einem Rechtsstreit hat sich die Leipziger 
Handelskammer auf gerichtsseitiges Ersuchen über vor 
stehende Klausel gutachtlich dahin geäußert, daß die Be 
dingung „wie zuletzt gehabt" oder „zu den früher ge 
habten Bedingungen" in den Fachkreisen nicht einheitlich 
beurteilt wird. Auf der einen Seite vertrete man dia 
Ansicht, daß unter den heutigen Verhältnissen der ge 
dachte Vorbelialt sich nicht auf den Preis bezieht. Die 
andere Ansicht geht dahin, daß die fiagliche Klausel für 
alle Bedingungen, einschließlich des Preises, Geltung habe. 
Diese Ansicht dürfte sich mit dem geltenden Rechte decken. 
0 Umtausch gekaufter Warm. Die Klausel: „Um 
tausch gestattet", wird mitunter falsch ausgelegt. Sie gibt 
dem Käufer durchaus nicht das Recht, nun beliebig lange 
mit dem Umtausch warten zu können. Der Umtausch hat 
vielmehr in angemessener Zeit, der Natur der Ware ent 
sprechend, zu erfolgen. Ebenso ist dafür ein anderer 
Gegenstand zu entnehmen und zwar auch in dem gleichen 
oder ungefähren Preise. Mit dem Wählm eines be 
deutend billigeren Stückes und dem Auszahlen des über- 
schüssigm Betrages braucht sich der Verkäufer nicht ein 
verstanden zu erklären. Man ersieht hieraus, daß bei dem 
Umtausch der Käufer durchaus nicht nach Belieben fiei 
verfügen kann. 
w Das Bekenntnis der Grenzdeutschen. In 22 Sälen 
Groß-Berlins fanden gestern stark besuchte Versammlungen 
der in den Wstimmungsgebteten beheimateten Männer 
und Frauen statt, in denen folgend« Entschließung an 
genommen wurde: ,Mir heute. in 22 Sälen Groß-Ber- 
linS versammelten Männer und-Frauen gedenken in tiefem 
Schmerz der deutschen Brüder und Schwestern, die durch 
den sogenannten Friedensvertrag unter Fremdherrschast 
gekommen sind. Wir entbieten der lieben alten Heimat 
und ihren alten deutschen Bewohnern treudeutschen Gruß 
Angesichts der schicksalsschweren Entscheidung, ob Teile 
des meerumschlungenen Schleswig-Holstein, ob Oberschle 
sien, ob Teile von Ost- und Westpreußen unter Fremd 
herrschaft kommen sollen, geloben wir mit allen Kräften 
dahin zu streben, daß deutsches Land auch deutsch bleibt. 
Wir rufen alle in den Abstimmungsgebieten geborenen 
Frauen und Männer im ganzen Reiche auf, sich bereit 
zu machen, an den bevorstehenden Abstimmungen teilzu 
nehmen. Rettet die Heimat! Rettet die deutschen Grenz, 
laude!" 
0 In der Teutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft 
hielt im Auftrag des plötzlich nach Hamburg zurückbc- 
rusenen Herrn Geh. Oberregierungsrat a. D. Dr. W. 
Cuno, Vorsitzenden des Direktoriums der Hamburg- 
Amerika-Linie, Herr Syndikus Dr. H a s s e l m a n n, an. 
galoppieren, genau aus dem Wege, den sie selbst gestern 
abend gekoinmen waren. Zwar tonnte er die Gestalten 
nur undeutlich erkennen, aber er zweifelte keinen Augen 
blick, daß es ihre Verfolger waren, sprang mit einem Satze 
aus dem Boot und eilte wie ein gehetztes Wild am Bache 
entlang dem Zelte zu. „Die Vaharlus!" rief er mit heiserer 
Stimme, „fort, fort!" Mit wenigen Worten erzählte er, 
was er gesehen hatte. In längstens einer halben Stunde 
mußten die Feinde eintreffen, nun galt es einen eiligen 
Entschluß zu fassen. 
Man war schnell einig. Am kahlen Seeufer, wo sie 
den Blicken ihrer Verfolger ausgesetzt waren, mußte es eine 
furchtbare Hetzjagd geben. Also in das Boot hinein, düs 
sich ihnen so glücklich darbot. Die Pferde mußten daran 
angebunden, das Segel aufgezogen werden, so würde man 
leicht zu der nahegelegenen Inselgruppe durch den Süd- 
ostwind hinübergetragen werden, der des Bormittags stets 
dort weht. Eiligst führte man die Pferde mit allem Gepäck 
im Bache zum See hinunter, hißte das Segel und stieß 
das Boot mit den langen Ruderstangen vom Ufer ab. 
Die frische Brise und die kräftige Nachhilfe der beiden 
Männer brachten das Boot bald in schnelle Fahrt, während 
die Tiere in dem schweren Salzwasser leicht hinterher 
schwammen. 
Endlich waren sie außer Schußweite für persische Ge 
wehre und näherten sich bereits der einen Insel. Sie 
rasteten einen Augenblick von der schweren Arbeit und 
blickten nach Ssabsabad hinüber. Nichts regte sich in dem 
Baumgarten, obwohl seit der Entdeckung der Verfolger 
schon über eine halbe Stunde vergangen war. So legten 
sie sich wieder kräftig in die Ruder und hatten die Freude, 
eine Viertelstunde später die Insel zwischen sich und dem 
Baumgarten zu sehen. 
Es war für sie, um sich verborgen zu halten, nicht nötig, 
das Segel niederzuholen, denn das hohe, die Insel be 
deckende Gestrüpp von Salsulapflanzen deckte sie völlig und 
machte M ihnen sogar möglich, ihre Reit- «nd Lasttiere 
a« Ufer hinaufzuziehen und dort'anzuseilen. Besonder» 
die Maultiere sielen gierig iwr? da» fich ihnen bietende 
Futter her. 
Freitag in der Aula der Berliner Handelshochschule einen 
Vortrag über „Deutschlands überseeische Beziehungen und 
Seeschiffahrt." Nachdem im Aufträge des Vorstandes der 
i Leiter des Wends, Herr Geh. Rcg.-Rat Univ.-Professor 
s Dr. Schuhmacher, namens der Deutschen Weltwirt- 
< schaftlichen Gesellschaft die zahlreich erschienenen Anwe- 
! senden begrüßt und einige einleiteirde Worte gesprochen 
- hatte, entwarf der Vortragende zunächst mit knappen 
Strichen einige Bilder des Hamburger Hafen- und Börsen-- 
I lebens, um so die nötige Atmosphäre für das Verständnis 
der Schiffahrtspolitik zu schaffen, kennzeichnete die Volks- 
wirtschaftliche Bedeutung der früheren Tätigkeit unserer 
Handelsflotte und wies ist diesem Zusammenhange darauf 
hin, daß unser Außenhandel jetzt mehr denn je darauf 
angewiesen sei, sich wieder Verladcinöglichkeiten, bei denen 
die Versügungsberechtigslng in deutscher Hand liegt, zu 
schaffen, da sonst die Selbständigkeit im Uebersceverkehr 
völlig verloren ginge. Er ging sodann auf die Entstehungs 
geschichte der Friedensbcdingungen ein und ließ die Be 
dingungen in ihrer ganzen niederschmetternden Schwere 
vor den Zuhörern erstehen. Als das einzig Erfreulich« 
in diesen trüben Zeiten bezeichnete er den einhelligen! 
Willen in allen an der Schiffahrt beteiligten Kreisen, 
unter allen Umständen an dem Wiederaufbau der Han- 
delsflotte festzuhalten und forderte die regste Anteilnahme 
an dieser Aufgabe auch in allen binnendeutschcn Kreisen, 
da es sich hier nicht um ein privates Interesse einer ein 
zelnen Berufskategoric handle, sondern da hier das Le- 
bensinteresse des ganzen deutschen Volkes nachdrücklichst 
auf Erfiillung dränge. Ausgehend von den Erfordernissen 
seiner täglichen Berufsarbeit und von den Erfahrungen 
bei den Verhandlungen mit den Regierungsstellen trat er 
auf das Wärmste für die Einräumung freier Entwick- 
lungs- und Betätigungssnöglichkeiten der deutschen Sev- 
schisfahrt ein, da die mannigfachen, oft verschlungenen 
Wege zum Wiederaufbau der Flotte niemand finden könne, 
als der auf eigene Verantwortung gestellte, mit den Ver 
hältnissen des Weltmarktes durchaus vertraute Rheder. 
0 Ter Derbarid der weiblichen Handels»- und Büros» 
angestellten, Bezirk westliche Vororte, hatte am Diens 
tag, d. 10 d. Mts. einen bunten Abend im Bezirks 
heim „Rheineck", Friedenau, Rheinstr. 39, veranstaltet. 
Durch das freundliche Mitwirken.der.Rezitatorin Fräulein 
V 0 l a n g e, die ernste und heitere Gedichte unter leb 
haftem Beifall aller Anwesenden vortrug, wurde der Abend 
besonders genußreich gestaltet. Sehr ergreifend war die 
Ballade „Kaiser Konstantin" von Bloehm. Einige Solo- 
tanzvorführungen mußten leider infolge Krankheit der 
Mitwirkenden wegfallen, dafür entschädigte ein Tänzchen 
und einige Ueberraschungen die zahlreich erschienenen Mit 
glieder. 
0 Krieger- und Landwehr-Verein. Der Verein hielt 
die Monatsversammlung, den 14. d. Mts., im Gesellschafts 
zimmer des Ratskellers ab. Ter Besuch war nicht so stark, 
wie in den letzten Versammlungen, da ein Teil der Mit 
glieder der Einladung deS Nachbarvereins in Dahlem 
zur Feier de? Stiftungsfestes mit Fahnenweihe gefolgt 
war. Der Vorsitzende, Herr Geheimer Rechnungsrat 
E v e r s, gab in der Begrüßungsansprache dem Gefühl 
der tiefsten Empörung Ausdruck, die das ganze deutsche 
Volk erfülle, jeden, der ein deutschfühlendes Herz in der 
Brust trage, jeden, den noch ein Funken von Vaterlands 
liebe und Ehrgefühl beseele, gegenüber dein schimpflichen 
Verlangen unserer Feinde nach Auslieferung der Führer 
des deutschen Volkes während des Krieges und vieler 
21- beiden Männer bahnten sich nun, vorsichtig jede 
Bewegung des Dickichts vermeidend, einen Weg durch das- 
seioe.' bis sie aus guter Deckung einen Blick auf das jen 
seitige Seeufer hatten. Jetzt allerdings bot sich ihnen ein 
veränderter Anblick dar, der ihnen zugleich erklärte, weshalb 
sie so lange unbehelligt geblieben waren. 
Sie sahen nämlich, wie ihre Verfolger hufeisenförmig 
um den Baumgarten bis zum Seeufer eine Kette gebildet 
hatten, in die auch Bewohner des Dorfes mit eingereiht 
waren. Offenbar hatte man ihre Spur verfolgt, die in 
den Garten hinein- und nicht wieder herausführte. Man 
glaubte sie jetzt sicher eingekreist zu haben und war eben 
dabei, von Norden her in ihr Lager einzudringen. 
Wenige Minuten später ertönte über den See herüber 
ein lautes Geschrei, die Enden des Hufeisens klapnten zu 
sammen, und alles verschwand unter den Bäumen, schnell 
verwandelte sich aber das Kampfgeschrei in ein Wutgeheul, 
die Masse strömte aus dem Baumschatten hervor am Bache 
entlang dem Seeufer zu. wo das Verschwinden des Bootes 
abermals mit lautem Geschrei begrüßt wurde. 
Offenbar waren die Verfolger völlig ratlos, was sie 
beginnen sollten. Daß ihre Beute ihnen im Boote ent 
kommen war, unterlass leinem Zweifel. Wann und wohin 
sie aber entflohen war. ließ sich auf keine Weise bestimmen. 
Sie konnten, um ihre Spur zu verbergen, schon am Abend 
oder in der Nacht aufgebrochen sein, sie konnten über den 
See in irgendeiner Richtung oder am Ufer entlang geflohen 
sein. An der stürmischen Bewegung der Verfolger und an 
dem Hin- und Herzeigen ließ sich erkennen, daß alle diese 
Möglichkeiten eiwogen wurden. Endlich schien man es für 
das Sicherste zu halten, am Seeufer weiterzureiten. Man 
hatte sich offenbar gesagt, daß die Flüchtlinge jedenfalls 
wieder an der Westseite des Sees -Laden müßten, um nach 
Takht i Djämshid zu gelangen. Und so setzte sich die 
Reiterschar nach Westen zu in Bewegung, während die 
Dörfler ihren Hütten zueilten. Daß sie hierbei von den 
Flüchtlingen beobachtet wurden, ahnten weder die einen 
nach die andren. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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