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Periodical volume Nr. 38, 13.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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4.— Mark, velegnumm« U> Psg. 
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Nr. 88 
BerUn-FBedermv, Frettag, den 13. Februar 1928 
Fahrg. 27 
SANI!» W1. UI OS.! 
Ter 17. Nusschnß der Preußischen LanbeSk-ersmnM- 
lung Hut in seiner legten Sitzung in der 1. Lesung be» 
schlossen, den Zeitpunkt für da- Inkrafttreten deS Gesetz 
entwurfes Grotz,Berltn auf den 1. Juli d. Js. sestz»«- 
fetzen, da der von der Negierung in Aufsicht genommene 
Tcrinin, der 1. April d. IS., nach Lage der Tinge unter 
keinen Umständen eingehalten werden kann. — In seiner 
heutigen Sitzung wird der Ausschuß die Beamtenfragen 
erledigen. 
Unerledigt ist noch die Neuregelung des Schulwesens, 
worilber ein besonderes Gesetz in Verbindung mit dein 
Gesetzentwurf Groß-Berlin vorgelegt werden soU. 
Sie Berliner Handelrlammer über die 
Wrtschastrlrge im abgelaufene» Fahre. 
Nach fünffähriger Unterbrechung infolge des Krieges 
lmt die Handelskammer zu Berlin wieder einen Jahres 
bericht über den Wirtschaftsverlauf in ihrem Bezirke er 
scheinen lassen. Gegenstand der Darstellung ist das für 
unser politisches und wirtschaftliches Leben so bedeut- 
same und betrübende Jahr 1919, dessen Ereignisse in ihrer 
Fülle und Mannigfaltigkeit als Auswirkung und Folge 
der vorausgegangenen fünfjährigen Zeitspanne gewertet 
werden. 
Inmitten einer, den geschichtlichen Verlauf völlig um 
bringenden Weltkatastrophe setzt das abgelaufene ^Wirt- 
schaftsjahr ein. Nach mehr als vierjährigem Ringen ist 
das mächtige deutsche Reich Anfang November 1918 vor 
dem Feinde und im Innern zusammengebrochen, und er 
schöpft und ausgehöhlt wie alle Kräfte der Nation sind 
auch die wirtschaftlichen. Ein Krieg von ungeahnter 
Dauer, Erbitterung und Ausdehnung hatte die gesamte 
Gewerbstätigkeit fast ausschließlich in seinen Dienst ge 
stellt und ihre Kraft aufgezehrt. Die dergestalt nach jeder 
Richtung hin geschwächte Volkswirtschaft wurde nunmehr 
durch die Revolution und ihre Folgen, sowie durch 
den am 11. November 1918 abgeschlossenen Waffenstill 
stand weiteren, schwersten Belastungsproben ausgesetzt. Auch 
ohne den Eintritt der inneren und äußeren Katastrophe 
hätte es der Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte 
bedurft, um in normale Wirtschaftsbahnen zu gelangen. 
Denn es galt, eine einseitig auf die Befriedigung des 
Kriegsbedarfes eingestellte und hierfür erweiterte Pro 
duktion zur Friedensarbeit zurückzuführen, und lnmderte 
stillgelegter, ihrer wichtigsten Betriebsmittel beraubten Ar 
beitsstätten wieder in Gang zu bringen; es galt ferner: 
den Heißhunger nach Waren aller Art im Jnlande zu 
stillen, die während des Krieges zerrissenen Fäden des 
Auslandsverkehrs wieder anzuknüpfen und den Millionen 
aus dem Felde heimkehrenden Arbeitern Beschäftigung und 
Unterhalt zu schaffen. Hierzu fehlt es an den wesentlichen 
Vorbedingungen. Es fehlen vor allem die ersten Voraus- 
setzungen einer gedeihlichen wirtschaftlichen Betätigung, 
als welche Ruhe, Ordnung, Arbeitswillen und Achtung 
vor dem Gesetz zu gelten haben. Selbst da, wo eine Ar- 
beitsmöglichkcit noch vorlag, nnckte vielfach bei der Un- 
sicherheir -'vb der Gefährdung atcer bestehenden V-rhält- 
ntsse die Urnehmungslust der Arb e i l g r b t r erlah 
men, die Mal, Arbeitnehmer aber sind von 
Las L§ irr der sLchßeu Woche 
Brot: 1900 Gramm, 2,56 M., 50 Gramm Kleingebäck, 
0,68 M., Kranlenbrot 1600 Gramm, 2,25 M. 
Fleisch: steht noch nicht fest. 
Butter: 20 Gramm, Margarine 70 Gr., sowie auf 
die 2 Abschnitte O30 der Einfuhrzusatzkarte 60 Gr. 
Schmalz. 
Kartoffeln: 2 Pfund auf 8a—b und als Ersatz 2 Psd. 
Kohlrüben auf c und 200 Gr. Hülsenfrüchte und 
200 Gramm Teigwaren auf die Abschnitte d—g. 
Tie Kohlrüben werden in den betr. Kartoffclge- 
schäften, die Nährmittel nach Nummern der 
Ausweiskarlen in verschiedenen KolonialwarengeschäEen 
und zwar Nr. 1 bis 1000 bei Karl Richard Schmidt, 
1001—2000 bei Tengelmann, 2001—3000 bei Böhm. 
360l—4000 bei Hüttmann, 4001—5600 bei Wiedehö>'t. 
5001—6000 bei Heckmann, 6001—7000 bei Feldbindvr, 
7601—8000 bei Zinn, 8001—9000 bei Sy, 9001 bis 
16 000 bei Schäfer, 10 001—11000 bei Nold, 11001 
bis 12 000 bei H. Schulz, 12 001—13 000 bei Willnow. 
13001—14 000 bei Richter, 14 001 bis Schluß bei 
Schuster ausgegeben. 
Zucker: Vom 16. bis 29. Februar 8 4 Pfd. Ferner 
für Kinder im l. Lebensjahre 1*/, Pfund, Im 2. Levens- 
jähre 1 Pfund uud tm 3. bis 7. Lebensjahre V» Pfund 
im Monat. 
Anzumelden vom 14. bis 17. Februar: 
Aut Grvß-Berliner Lebensmittelkarte: 
Graupen: 100 Gramm auf 3, Pfund 71 Psg. 
Maisfabrikate: 125 Gramm auf 4, Pfund 2,90 M. 
Teigwaren: 250 Gramm auf 5, Pfund 1,18 M. 
Marmelade oder Sirup: 250 Gramm auf 7, Pfund 
Marmelade 3,70 M., Pfund Sirup 1,15 M. 
Auf Friedenauer Nährmittelkarte: 
Puffb vhnen: 125 Gr. auf 1; Pfd. 3,60 M. 
Getr. Weißkohl: 125 Gr. auf 2; Pfd. 2,20 M. 
Getr. Zwiebeln: 125 Gr. auf 3; Pfd. 3,20. 
Bienenhonig: 250 Gramm für Kinder im 8. Lebens 
jahr. Pfd. 7 M., in den beiden Verkaufsstellen der 
Gemeinde. 
Rote Rüben und Kohlrüben freihändig in den 
Gemeindeverkaufsflellen Niedstraß« 8 und Rheingau- 
stratze, auch für Händler. 
Süßstoff: in den Drogengeschäften vom 9.—21. Febr. 
Auf den Haushalt bis 4 Personen 1 Päckchen, darüber 
hinaus 2 Päckchen. 
politisck>er Leidenschaft durchwühlt und ihrer Energie und 
Arbeitswilltgkeit durch eine vorangegangene vierjährige 
Leidenszeit geschwächt. 
Es folgt nunmehr in dem Bericht eine Darstellung 
aller aus der Gesamtlage entstehenden Vorkommnisse, die 
sich hemmend und lähmend der Neuerzeugung und dein 
Neuaufbau unserer Wirtschaft in den Weg stellen: daS 
Streikfieber, insbesondere auch soweit das Berliner 
Gebiet von ihm ersaßt wird. Die Roh st off not, die 
VerkehrSnot und die Kohlennot, die Schwierig 
keiten des Auslandsverkehrs, die Ueberflutung des deutschen 
Marktes mit unnötigen LnxuSwaren durch das „Loch im 
Westen", der Ausverkauf notwendigster Artikel zu Schleu 
derpreisen und nicht zuletzt da? Elend unserer Valuta: 
sie alle können als Ueberschriften für die einzelnen Teile 
deS trüben Kapitels unserer Wirtschaftsgeschichte gelten, 
welches die Handelskammer in ihrem Berichte entrollt. 
Wie sich aber die aufgeführten, durcheinander be 
dingt und ineinander verketteten Tatsachen aus dem Jahres- 
lauf zu einem düstern Bilde fügen, ist nach Auffassung 
der Handelskammer auch der Ausblick in die Zu 
kunft gleich trübe. Zu der Verkleinerung unseres 
Wirtschaftsgebietes und dem dadurch herbeigeführten Ver 
lust wertvoller Hilfsmittel unserer industriellen und ge 
werblichen Tätigkeit, zu den unsere Produktionskraft auf 
zehrenden Steuerlasten kommt hinzu, daß sich Aus 
maß und Wirkung der bevorstehenden neuen Opfer an 
die Sieger und der zwangsmäßigen wirtschaftlichen Um 
gestaltung bisher jeder Beurteilung entzieht. Der Stand 
unserer Valuta verdammt uns zur wirtschaftlichen Ohn 
macht und nimmt dem Verkehrsleben jede sichere Grund 
lage der Kalkulation, sodaß der Umsatz von Geld und 
Ware sich in ein reines Spekulationsgeschäft ver 
wandelt. Die Vorbedingungen für die Gesundung unseres 
Wirtschaftskörpers lägen demnach sowohl in dem Willen 
der Sieger als auch in einer ruhigen, den Tatsachen des 
Weltverkehrs und der Weltwirtschaft Rechnung tragenden 
Jnlandspolitik. Gibt kühle Berechnung allein den Aus 
schlag, so müßten die Sieger zu der Ueberzeugung ge-" 
langen, wie sehr sie ihrem eigenen Vorteil dienen, wenn! 
sie nicht hindern, daß die technisch hochstehende und 
leistungsfähige deutsche Gewerbstätigkeit wieder in die 
Weltwirtschaft eingereiht wird und sich wieder als Liefe 
rant und Käufer auf den Weltmärkten betätigt- Letzte 
res kann nur eintreten, wenn man nicht gewaltsam 
in die freie Entwicklung eingreift, um zur Verwirklichung 
unerprobtcr Theorien Gütererzeugung und Verkehr in 
Formen zu zwängen, die von den in den koulurrierenden 
Ländern herrschenden völlig abweichen und sich ihnen nicht 
anpassen können. Nur unter diesen Voraussetzungen hofft 
die Handelskammer, daß Wissenschaft, Technik, Fleiß und 
Wagemut, welche die deutsche Volkswirtschaft innerhalb 
40 Jahren bis 1914 zu einem Aufstieg sondergleichen 
geführt haben, auch künftig ihre erfolgreiche Wirksamkeit 
ausüben werden. 
Der hier kurz gekennzeichneten Darstellung der all 
gemeinen Wirtschaftslage iin Jahre 1919 fügen sich Be 
riete über die wichtigsten Geschäftszweige an, in denen 
fast durchgehend ebenfalls auf die durch den Krieg bedingte 
Gestaltung bis zum Jahre 1919 zurückgegriffen wird- 
Jm dritten Teil des Berichtswerkes gibt die Han 
delskammer eine kurze Darstellung ihrer Verwaltungs- 
tätigkcit auf den einzelnen Gebieten der inneren und 
äußeren Wirtschaftspolitik sowie der Rechtspflege. 
Nachbr. unsrer n-Originalnrtikel nur intt Quellenangabe gestattet.) 
o Für die Wahlen zu den Elternbcirüten an den drei 
Gemcindcschulen sind bei den Wahlvorständen ie 3 Listen 
eingereicht worden und zwar eine unpolitisch-christliche 
Liste, eine Liste der MehrheitSsozialdemokratcn und eine 
Liste der Unabhängigen Sozialdemokraten. 
o Friedenau—Grünau. Von heute fahren auf der 
Ringbahn zwischen G r ü n a u und WilmerSdorf- 
Friedenau an Werktagen zwei neue Züge: ab Grünau 
4,33 Uhr nackm., an Wilmersdorf 5,12 Uhr; in der Gegen- 
richtung ab Wilmersdorf 5,14 Uhr nachm., an Grünau 
5,56 Uhr. 
o Das Verdienstkreuz für KriegShilfc wurde ver 
liehen: dem Oberzollkontrollör Herrn T h i e l m a n n, hier, 
Kaiserallee 132. 
o Tic Grippe tritt wieder einmal in Friedenau sehr 
heftig auf. Lungenentzündungen sind die häufige Folge 
der Krankheit. Personen in den besten Lebensjahren erliegen 
hier täglich der Seuche. Die Zahl der Sterbefällc soll 
Zwei CesfartKim. 
Roman von F. Stolze. 
56 (Nachdruck verböte») 
Sie konnte mit ihrem Erfolge zufrieden sein. Eln 
allgemeines leises Ah und die bewundernden Blicke aller, 
selbst der drei jungen Mädchen, bewiesen, wie zauberhaft 
diese unerwartete Erscheinung auf die Uebcrrascht-n wirkte. 
Nur einer beteiligte sich nicht an dem staunenden Entzücken. 
Kurt von Born stand leichenblaß und zitternd da, die 
Augen starr auf die königliche Gestalt gerichtet. 
Aber auch diese schien ihn jetzt zu bemerken. Mit 
silberhellem Lachen ries sie: 
„Aber Herr Hauptmann von Born. was ist Ihnen 
denn? Sie sehen ja aus, als hätten Sie ein Mcdnsen- 
haupt erblickt. Allerdings hätte ich Sie hier am aller 
wenigsten vermutet und Sie wohl auch ebensowenig mich. 
Wollen Sie mir nicht die Freundlichkeit erweisen, mich 
diesen Herrschaften hier vorzustellen?" 
Sie machte eine kleine Pause, während aller Augen ver 
wundert auf dem Hauptmann hafteten, der vergebens 
einige Worte zu formen versuchte. Dann fuhr sie fort: 
„Ich werde Ihrer Vergeßlichkeit zu Hilfe kommen, 
lieber Freund. Also, meine verehrten Herrschaften, ich 
heiße Ellen Hamilton und bin die Schwester des Earl of 
Hamilton auf Ringwood." 
Oberst von Leppel begrüßte die junge Dame aufs ehr. 
furchtsvollste und beeilte sich, sie mit allen Anwesenden 
bekannt zu machen. Dabei gingen ihm und allen andern 
die Gedanken im Kopfe herum, weshalb wohl die Er 
scheinung dieses schönen Wesens einen so niederschmetternden 
Eindruck auf den Hauptmann gemacht haben mochte. S» 
viel war klar, er fürchtete sie, während sie ihn offenbar in 
der Gewalt hatte. Indessen war es auch ihm gelungen, 
sich wenigstens so weit zu faste», daß er gleiciffalls Eilen 
zu begrüßen und sich vor ihr und der ganzen Gesellschaft, 
wenn auch in jehr lahmer Weise, zu ernjchulüigcn ver 
mochte, indem er vorschützte, daß er seinen Sinnen nkcht 
getraut habe, daß es ihm vorgekoinmen sei, als befinde 
er sich in Fieberphantasien, und daß er erst jetzt die nervöse 
Erregung überwunden habe. Natürlich kenne er die Dame 
sehr wohl aus der Zeit seines Pariser Aufenthaltes, wo sie 
in den vornehmsten Kreisen verkehrt have. 
Diese Beziehung auf Paris erweckte in Herrn von Leppel 
einen leisen Verdacht, den die junge Dame indessen sofort 
zu beseitigen bestrebt war. Sie erzählte ihrein Plane ge 
mäß, wie die musikalischen Studien, denen sie auf dem 
Pariser Konservatorium obgelegen habe, sie veranlaßt 
hätten, sich besonders mit orientalischer Musik zu be 
schäftigen. Um diese an Ort und Stelle kennen zu lernen, 
habe sie beschlossen, auf dem Landwege nach Indien zu 
reisen. In Teheran angelangt, habe sie erfahren, daß vor 
kurzem eine große deutsche Forschungserpedition von dort 
noch Persepolis ausgebrochen sei, mit der ausgesprochenen 
Absicht, von der berühmten Nuinenstätte aus nach den 
wenig bekannten östlichen Gebieten vorzudringen. Diese 
Gelegenheit, abseits von der großen, Persien durchkreuzenden 
Heerstraße ihren Sonderarbeiten obzuliegen, habe sie sich 
nicht entgehen lassen wollen. Sie habe daher ihr Gepäck 
auf ein Minimum eingeschränkt, sei unter der Verkleidung 
als Manu mit Postpferden der Karawane, so schnell ihre 
Kräfte es ihr gestatteten, gefolgt, habe sich in Siwänd 
eigene Tiere und Diener gemietet und sei nun hier an 
gelangt. Da sie jetzt nicht mehr auf sich allein angewiesen 
sei, habe sie kurz vor dem Lager ihre Verkleidung abge- 
legt, zumal sie gehört habe, daß auch noch andere Damen 
der Expedition angehörten, denen sich anzuschließen man 
ihr hoffentlich gestatten würde. 
Zugleich ließ sie die Augen forschend über die Gesell- 
schüft gleiten, als suche sie nach ihren Geschlechtsgenossinnen. 
Die jungen Mädchen gerieten in die größte Verlegenheit 
und waren «ie von Purpur übergössen. Das hatte die 
Schlaue erwartet und gewünscht, da sie sich auf diese 
WÄss von vornherein cine Art Ueberge-- :cht sicherte. 
Der Oberst machte der entstandenen kurzen Verlegen 
heitspause ein Ende, indem er der neu Angekommenen 
erklär,e, daß die Damen der Expedition aus Vezueinlich- 
keitsrücksiihten muimiiche Tracht angelegt hätten, und dann, 
indem er sie im Namen aller willkommen hieß, eine all 
gemeine Vorstellung veranstaltete. 
Der Zwischenfall war vorüber. Alle hatten ihre Plätze 
wieder eingenommen, Ellen inmitten der jungen Mädchen. 
Es war selbstverständlich, daß inan sie, die ja ihre eigenen 
Absichten und Pläne so osten enthüllt hatte, nun auch mit 
dem eigentlichen Zwecke der Expedition bekannt machte. 
Sie hörte mit gespannter Aufmerksamkeit zu. Denn 
wiewohl sie die Vorgänge aufs allergenaucste kannte, hatte 
sie doch keine Ahnung davon, wie der Hauptmann es er 
möglicht hatte, einen Platz in dieser Gesellschaft ni finden, 
die bestrebt war. alle seine bisherigen Maßnahme nutzlos 
zu machen und die obenein von seinen Machenschaften 
zweifellos mehr, als ihm lieb sein konnte, unterrichtet war. 
Sie ließ während dieser für sie so interessanten Ent 
hüllungen ihr Auge verstohlen auf dem Gesichte Kurts 
ruhen, dessen nervöses Zucken ihr nur zu gut zeigte, wie 
qualvoll diese Auseinandersetzung ihm war. Der arme 
Kerl! Er tat ihr wirtlich leid. Denn so viel sah sie sofort 
ein, daß auch ihr eigenes Eingreifen, der Diebstahl der 
Heiratsurkunde aus dem Kirchenbuche, ganz nutzlos gewesen 
war. Sie konnte schon verstehen, daß Kurt als zum 
einzigen Rettungsanker nun zu der Verbindung mit Alice 
Werner gegriffen hatte. Innerlich untreu brauchte er ihr 
deshalb noch nicht geworden zu sein. 
Freilich, die Frage war immer, ob das zweite Testa 
ment überhaupt noch vorhanden war, abgesehen von dem 
in Kurts Besitz befindlichen, das er dummerweise immer 
noch nicht verbrannt' hatte. Darauf kam alles an. Das 
mußte man in Erfahrung bringen. Vielleicht wußte Kurt 
auch darüber etwas und hatte sich dadurch leiten lasten. 
Nun, sie würde ja sehen. Vor allen Dingen mußte sie 
mit ihm eine Unterredung haben. 
* * * 
(Fortsetzung folgt.)
        
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