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Periodical volume Nr. 10, 12.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Nr. 10 
Berlin-Frredeuau, Montag, den 12. Favuar 1820 
Fahrg. 27 
3ur Wah! üLr AttecndeirSLe an Botts- 
schuien. 
Die ersten Elternversammlungen zur Wahl der El- 
ternversammlungen zur Wahl der Elrernbeirüte Haben 
stattgefunden. Cie waren nur »ehr schwach besucht. Hinder 
lich hat dazu die ungünstige Lage des Termins, kurze 
Zeit vor dem Feste beigetragen, aber auch wohl in dem 
selben Maße die mangelhafte Aufklärung der Eltern über 
diese neue Einrichtung. Es sei darum an dieser Stelle 
auf die wichtigsten Bestimmungen hingewiesen. 
Jede einzelne Schule erhält ihren Elternbeirat. Er gehl 
aus der Elternschaft der betr. Schule durch geheime Ver 
hältnis-Listenwahl hervor. Wähler und wählbar sind die 
Bäter und Mütter sämtlicher die betreffende Schule be 
suchenden Kinder, auch der Gastschul- und fremden Schul 
kinder. Ten Adoptiveltern steht dasselbe Recht zu wie 
den Eltern, nicht aber den Pflege- und Großeltern. Di« 
Mitgliederzahl des Elternbeirates richtet sich nach der 
Schülerzahl seiner Schule. Auf je 50 Binder entfällt 
ein Beiratsmitglied. Da z. B- die Schülerzahl der 1. 
Gemeindeschnle gegenwärtig LI2 beträgt, muß ihr Eltern 
beirat 19 Mitglieder start fein. Die Wahl erfolgt aus 
2 Jahre. Ein Mitglied scheidet aus und wird durch den 
nächsten Kandidaten seiner Liste ersetzt, wenn sein Kind 
die Schule verläßt. 
Für die Wahlhandlung ist in einer zweiten 
Elternversammlung, die spätestens zwti Wochen vor 
der Wabl einberufen wird, durch Zuruf oder Abstim 
mung ein aus mindestens 3 Personen bestehender Wahl- 
vorstand zu wählen. Da. die Wahl auf den 22. Fe 
bruar verschoben ist, wird die zweite Elternversammlung 
erst später abgehalten werden, als ursprünglich bestimmt 
war. Ihr Termin wird in den Ortszeitungen und durch 
die Schulkinder rechtzeitig bekanntgegeben. Dem Wahlvor 
stand sind bis spätestens 10 Tage vor der Wahl, also 
bis 11. Februar, die Kandidatenlisten einzureichen. Die 
Listen müssen mindestens so viel Namen von Kandidaten 
enthalten, als Mitglieder des Elternbeirates zu wählen 
sind. Für die 1. Gemeirrdeschule dürfen also nicht weniger 
als 19 Namen auf den Listen stehen, andernfalls ist der 
Wahlvorstand verpflichtet, die Listen zurückzuweisen. Auch 
müssen die Kandidatenlisten mindestens 20 Unterschriften 
von Wahlberechtigten tragen. Die Listen sind spätestens 
8 Tage vor der Wahl zu veröffentlichen. Eine Verbin 
dung von Listen ist nach der Wahlordnung unzulässig. 
Die Wähler seien noch besonders daraus aufmerksam gc- 
inacht, daß Stimmzettel, die nicht auf eine der öffentlich 
bekannt gemachten Kandidatenlisten lauten, ungültig sind, 
ebenso auch abgeänderte Stimmzettel. Alle Wahlberech 
tigten sollten sich nun überzeugt haben, ob ihr Name 
in den Wahllisten, die in Zimmer 8 unseres Rathauses 
ausgelegen haben, enthalten ist. Gegen das Fehlen eiires 
Wahlberechtigten in der Liste kann derselbe bis svätestenS 
8 Tage vor der Wahl, also bis 13. Februar, Einspruch 
bei dem Schulleiter der betreffenden Schule erheben, da 
mit der Name noch nachträglich ausgenommen werden 
kann. * 
Nach den Bestimmungen der Wahlordnung hat es 
den Anschein, als ob das Ausstellen der Listen nach poli 
tischen Parteien vor sich stehen mll. Ich persönlich be- 
daure das, als Sümlmann und aucy als wahlberechtigter 
Vater, außerordentlich sehr. Die Schule, d. h. unsere 
Kinder, seilte uns doch zu schade da:u- sein,, irgend einer 
Partei als ■. < lest- zum» Zwecke zu dienen. D.e Schulec 
soll m. E. ni au :• Dien iS der Parteft stehen, auch nicht 
zum Tummelplatz der verschiedenen politischen Richtun- 
gen norden, vielmehr steht sie im Dienst der Ertüchtigung 
unsere-- gesamten Volkes, speziell Unserer Jugend. Und 
wenn auch überall Trennung besteht, so muß doch die 
einzelne Schule ein Gebiet sein, ans dem jeder politische 
Kamps zu ruhen hat. Und es geht. Die Lehrenden an 
einer Schule gehören auch verschiedenen Parteien an, 
wissen aber sehr wohl, daß sie, im Interesse der ihnen 
anvertrauten Jugend, ihre Tätigkeit als Jugendbildner 
nicht mit der Tätigkeit vermengen dürfen, die sie etwa 
außerdienstlich als Staatsbürger politisch ausüben. Also 
noch einmal, hier geht e-s um etwas anderes, als um 
Parteigrundsätze. Denkt daran, ihr wahlberechtigten El- 
tertt! Es gilt doch im Grunde, unsere Kinder an un- 
fc-nt Schulen zu tüchtigen, an Leib und Geist gesunden 
und selbständig denkenden Menschen zu erziehen, die ein 
mal fähig sind, die guten Wünsche und Hoffnungen zu 
erfüllen, die doch alle Eltern, gleichgültig welcher Partei, 
für ihre Kinder in Liebe hegen. Darum wünsche ich, 
daß in unserem Orte mit seinem Friede verheißenden 
Namen wenigstens diese Wahltätigkeit ohne jede Gehässig 
keit verlaufen mögt. Die gewählten Mitglieder der künf 
tigen Beftäte aber, sofern sie verschiedenen politischen 
Richtungen angehören sollten, mögen sich i» ihrer ge- 
samten Tätigkeit immer darauf besinnen, was ihnen allen 
als Eltern ihrer Kinder gemeinsam ist: nämlich die Liebe, 
die nicht müde wird, für die Wohlfahrt ihrer Kinder zu 
sorgen. Möchten also in solchem aufbauenden und ver 
söhnlichen Sinne alle unsere Eltern zur Wahl schreiten 
und in demselben Sinne die nachhtr gewählten Eltertt- 
beträte ihre Tätigkeit ausüben. Dann allein kann di« 
neue, viel umstritten» Einrichtung Gutes bringen. 
A. Mailahn, Lehrer. 
Ortsrracbricktev 
^Nachdr, unsrer o-Origtnalartttel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
oA Steglitz gegen den Gesetzentwurf Groß-Berlin. 
Nach eingehenden Beratungen hat der Gemeindevorstand 
in Uebereinstimmung mit dem Ausschuß der Gemeindever 
tretung vorgeschlagen, den Gesetzentwurf über die Bil 
dung eines Stadtkreises Groß-Berlin in der Fassung, wie 
er der Preußischen LandeSversammlung vorgelegt worden 
ist, für unannehmbar zu erklären. Bemängelt wird, 
daß dieser für das ganze Groß-Berliner Gebiet außer,- 
ordentliche schwerwiegende Gesetzentwurf der Landesiver- 
sammlung zugegangen ist, ohne daß den Gemeinden Ge 
legenheft gegeben wurde, zu ihm in gehöriger Weise Stel 
lung zu nehmen. Die Frage, in welcher RechtSform ttinf- 
tig Groß-Berlin verwaltet werden soll, sei aber von so 
großer Bedeutung, daß sie sogar von dem Ergebnis einer 
Volksabstimmung in dem beteiligten Gebiete abhängig 
gemacht werden mühte. Auf der einen Seile schafft die 
Reichsfinanzrefonu, insbesondere die "geplante Reichsein- 
kommensteuer ganz neue und unübersehbare Verhältnisse. 
Auf der anderen Seite ist «ine Neugestaltung der Städte 
ordnung ««gekündigt. Deshalb wird grundsätzlich gefor 
dert, daß die Landesversammlung eine endgülttge De- 
schlußfassung über den Gesetzentwurf Groß-Berlin so lange 
hinausschiebt, bis Klarheit über die schwebenden Kragen 
geschaffen ist, zumal ein Inkrafttreten des Gesetz«» zum 
1. April 1920 so wie so ausgeschlossen erscheint. Falls 
aber demnach jetzt die Verabschiedung des Gesetzentwurfs 
beabsichtigt werden sollte, müssen die begründeten Ab 
änderungsvorschläge Beachtung finden. — In den ein- 
zelnen Wahlkreisen müsse für die Wahlen daS Ergebnis 
der Volkszählung vom 8. Oktober 1919 zugrunde gelegt 
werden. Die Zusammensetzung deS Bezirks 12 müsse da 
hin geändert werden, daß Berlin^teglitz nicht mit 
Berlin-Friedenau zusammengeschlagen wird, was 
die Friedenauer Gemeindevertretung übrigens auch abge 
lehnt habe, sondern daß der Bezirk 12 gebildet werde 
aus: Berlin-Steglitz (71 670 Einwohner), Ortsteil Mcv- 
riendorf-Südende (3529 Einw.), Bln.-Lankwitz (10 417), 
Berlin-Lichterfelde (39 188), Berlin-Dahlem (5103), Zeh 
lendorf (17 345), Nikolassee (1762) und Wannsee (29 78L 
Berlin-Friedenau könne ruhig zu Wilmers 
dorf oder Schüneberg geschlagen werden. Be 
sonderer Wert wird schließlich darauf gelegt, daß dem 
zeitigen Berliner Magistrat auf keinen Fall für die Zeit 
der Uebergangswirtschast Befugnisse des erst zu wählenden 
Groß-Berliner Magistrats übertragen werden dürfen. 
,o Ausgabe der MilchLarten. Wir machen auf die 
Bekanntmachung unter „Amtliches" über die^ Ausgabe der 
Kinder- und Krankenmilchkarten besonders aufmerksam. 
o Verbilligte Lebensmittel. Im Etat für 1919 sind 
zur Fortsetzung der Verbilligungsaktion vom 7. Oktober 
1919 ab wertere 3 Vs Milliarden Mark zur Verfügung 
gestellt. Die Verbilligung wird, im Gegensatz zu der 
am 6. Oktober abgelaufenen, allein vom Reich getragen. 
o Milchverforgung. In der letzten Zeit hat die Milch- 
v»rsorgung Groß-Berlins durch die Zufuhr dänischer Voll 
milch in Höhe von rund 20 000 Liter täglich eine wesent 
liche Besserung erfahren. Der gesetzliche Milchbedarf kann 
infolgedessen etwa zu 100 Prozent gedeckt werden. 
o Die Wahl der Elternbeiräte. Ueber den Zeitpunkt 
für die Wahl der Elternbeiräte herrscht sowohl in den 
Eltern- wie Lehrerkreisen größte Unklarheit. Die vom 
Provinzialschulkollegium für die höheren Lehranstalten und 
von der Regierung für die Volksschulen festgesetzten Ter 
mine des 18. ünd 22. Februar sind durch einen Erlaß 
des Unterrichtsministers an die Schulaufsichtsbehörden 
überholt, wonach die Wahlen allgemein indenMärz 
verlegt werden sollen. Die von anderer Seite ver 
breitete Angabe, daß die Wahlen erst nach den Oster 
ferien im April stattfinden sollen, trifft nicht zu. Vom 
Provinzialschulkollegium und der Regierung in Potsdan, 
werden also die Wahltage neu festgesetzt werden. Eine 
Bestimmung hierüber ist jedoch noch nicht getroffen. Die 
beteiligten Kreise werden aber damit rechnen müssen, . >.ß 
die Wahltage spätestens in die Mitte des März gelegt 
werden. Dem Unterrichtsministerium gehen übrigens forr 
gesetzt Einsprüche der Lehrerkollegien zu, die sich in 
der Hauptsache gegen die Bestimmung in der Satzung 
der Elternbeiräte vom 6. November richten, daß die Bei 
räte ohne Zuziehung der Vertreter der Lehrerschaft tagen 
können. Die Lehrer und Oberlehrer erblicken hierbei eine 
schwere Beeinträchtigung des gedeihlichen Zusammenarbei- 
tens zwischen der Elternschaft und dem Lehrerkollegium, 
da nur durch ständige Zuziehung der Lehrer Mißverständ 
nisse und Irrtümer aufgeklärt werden können. Aus vielen 
Elternkreisen sind ferner entschiedene Einsprüche gegen die. 
Wahlordnung und das Wahlverfahren nach dem System 
der Verhältniswahl eingelaufen. Gerade hierdurch werde 
daS erreicht, was vermieden werden solle; die Hinein- 
tragung der Parteipoliftk in die Schule. 
o Aus ein 25 jähriges Bestehen seines Geschäftes 
blickt Herr Otto Sy, Wilhelmshöher Str. 9 morgen 
zurück. Im Jahre 1895 begründete er es in Berlin,- 
Weißenburger Straße 14. Vor mehreren Jahren ver 
legte er es nach Friedenau. Wir wünschen ihm auch 
in Zukunft gute geschäftliche Erfolge. 
o Drucksachen nach der Pfalz. Zur Verhütung von 
Zweifeln wird daraus hingewiesen, daß nach der Rhein 
pfalz Drucksachen allgemein in jeder Bersendungsform 
zugelassen sind, - ausgenommen solche . Druckerzeugnisjc, 
27 
Zwü Lerlanirrile. 
Romach von F. Stolze. 
(Ntchbruck verboten.) 
Es war Zeit.. Denn schon ertönten im Korridor, eilige 
Schritte und Reverend Parker, sein.Diener und eine de. 
häbige Frau eilten mit Wasserbecken, Kompressen, Flaschen 
und Fläschchen zu Hilfe herbei. . TO 
Es gelang ihnen denn auch bald, die Fremde ins Be. 
wußtsein zurückzurufen, sie aufs Sofa zu geleiten und mit 
Kräftigungsmitteln so weit zu erquicken, daß sie sich wieder 
frei bewegen konnte. ,, ,. . 
Als sie anscheinend die Erinnerung an das Geschehene 
voll wiedergewonnen hatte, füllten sich ihre Augen mit 
Tränen. Aber sie flössen mild und schienen ihr das Her/ 
zu erleichtern. Mit dankbarem Blick wendete sie sich gegen 
Parker, faßte seine Hand und sagte: •». r-1 
„Dank, aufrichtigen Dank für Ihre Freundlichkeit l Sie 
waren so mitfühlend, und ich hoffte schon, mit Ihrer 
Hilfe ans Ziel gelangt zu sein. Es war ein kurzer Iwujn 
und ein schweres Erwachen. Aber ich bin Ihnen deshalb 
nicht weniger verpflichtet." ^ _.. , « , 
Und ehe er es hindern konnte, drückte sie einen Kuß 
auf seine Hand. Dann aber sprang sie energisch aus 
UnÖ Jftu'n aber fort, schnell fort von hier, wo mich alles 
an meine Täuschung, Ihr zartes Entgegenkommen und das 
t usammenbrechen meiner voreiligen Hoffnungen ennnert. 
chmuß suchen, ohne Rast und Ruh', bis ich das Dunkel 
aufgeklärt und die Schmach von nur abgewalzt habe. 
Aber rnein teures Fräulein," rief Parker, „Sie können 
doch unmöglich jetzt von hier fort I Es ist ja völlige 
Dunkelheit hereingebrochen. Ueberdi« habe ich Ihnen 
meinen Beistand in Ihrer Sache zugesagt und sie zur 
meinen gemacht. Lassen Sie uns rühm und ohne Ueber. 
überlegen, was tun oft aber deut 
keine Zeit mehr. Frau Gibson, machen Sie schnell das 
Fremdenzimmer mit dem Alkoven zurecht: im Zimmer 
.schläft das Fräulein, im Alkoven Sie. Und sorgen Sie 
für ein gutes Diner."' ’ ' j 
' „Unmöglich, Ehrwürden," fiel ihm die junge Dame ins 
Wort, „ich habe in meinem Hotel.hinterlassen, daß ich' 
vor der Nacht zurückkomme, und mein Wagen wartet 
’ draußen auf mich." 
„Er kann ja zurückfahren und Sie, falls Sie es 
wünschen, morgen oder übermorgen abholen l"T 
„Nein, nein," rief sie, die Hände krampfhaft zusammen 
pressend, „es darf nicht sein I Denken Sie doch, eine junge 
Dame, ohne Begleitung hierhergekommen und über Nacht 
hiergeblieben! Was wurde die böse Welt dazu sagen! Es 
ist nicht um meinet-, sondern um Ihretwegen, um des Geist 
lichen' willen! Das darf ich Ihnen nicht antun, Ihnen, 
dem großmütigen Manne, den ich verehre . . . Aber ich 
komme wieder, morgen, nein, nicht am Tage des Herrn, 
aber übermorgen!" 
Blitzschnell sprang sie auf und war wie ein Wirbel- 
wind zum Zimmer hinaus. Die Zurückgebliebenen sahen 
sich betreten an. Da ertönte auch schon das Rollen des 
sich entfernenden Wagens. 
Parker blieb allein in seiner Studierstube. Er hatte 
alle Lust zum Essen verloren und grübelte über die wunder 
bare Erscheinung nach. Bald schwebte ihm ihr Bild wie 
von einem Glorienschein umgeben vor den Augen, bald 
kamen ihm Zweifel aller Art. Weshalb war sie so spät 
am Abend zu ihm gekommen, weshalb verschwunden, ohne 
zu sagen, wo sie sich aufhielt? Wagen und Pferde waren 
ersten Ranges, aber ohne irgendein Abzeichen gewesen. 
Ihr Verhaften war ansang» so jungfräulich schüchtern, dann 
aber ganz ander», fast theatralisch gewesen. 
Diese Phantasien oerfolgten ihn in den nächtlichen 
Träumen. Am Sonntag ging er in den Pausen seiner 
Amtstätigkeit versonnen im Garten auf und ab, am Man- 
tag erreichte seine Erregung tzen Gipfel. Jeden Augenblick 
vermeuue )>r das Rollen dir Räder zu hören, aber immer 
war es eine Täuschung. Als endlich die Nacht hereinbrach, 
trat an die Stelle oc> Erwartung tiefe Niedergeschlagenheit. 
Was hatte dies Weib ini Verlaufe von kaum einer Stunde 
aus ihm gemacht! Er sehnte sich nach ihr wie der Hirsch 
nach Wasser. Spät eingeschlafen, erwachte er am Morgen 
nach unerquicklicher Nacht. Als er sich matt und müde an 
seinen Arbeitstisch setzte, wollten ihm die Gedanken nicht 
kommen wie sonst, und er warf die Feder verzweifelt zur 
Seite. 
Da, horch, war das nicht Rädergeraffel? Wie elek 
trisiert sprang er auf. Alle Mattigkeit war verschwunden. 
Wirklich, der Wagen hielt. Gespannt blickte er auf die 
Tür, dem Diener entgegen, der ihm die Karte überbrachte. 
„Ewald Werner" stand da.lluf. Ein Zug bitterer Ent 
täuschung flog über sein Gesicht. Aber halt! War nicht 
der Name des Mannes, den die Tochter seines Vorgängers, 
Miß Taylor, geheiratet hatte, Werner gewesen? Das war 
doch sonderbar! Aber er würde ja sehen. 
„Ich lasse bitten i" 
Ewald trat ein. Sein offenes Wesen machte auf Parker 
sofort den besten Eindruck. Er begann ohne jede Ein 
leitung : 
„Darf ich Euer Hochwürden wohl bitten, mir aus dem 
Kirchenbuch vom Jahre 1888 einen beglaubigten Auszug 
betreffend die von Ihrem Borgänger, dem Reverend Elias 
Taylor am 18. Mai eingesegnete Ehe seiner Tochter Helen 
Taylor mit meinem Vater Arnold Werner auszupellen?" 
Obwohl Parker schon durch die Karte auf etwas Be 
sonderes vorbereitet war. rieselle es ihm doch kalt durch 
die Glieder. Er faßte sich aber und entgegnete: 
„Mit Vergnügen. Bitte, nehmen Sie Platz." 
Er schloß den Eichenschrank auf, nahm den Band 
heraus, schlug ihn auf und fuhr plötzlich, wie von einer 
Schlange gebissen, zurück. Es war so auffällig, daß Ewald 
es sofort bemerkte und besorgt fragte: 
„Was ist Ihnen. Ehrwürden?" 
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