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Periodical volume Nr. 24, 28.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

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Berliu-Friedrvou, Mittwoch, den 11. Februar 1920 
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Ortsnacbricbten 
(Nachdr. unsrer o^Oxiginalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Groß-Berlin. Dfr Groß-Berliner Ausschuß der 
Preußischen Laiidesversammlung hat.die erste Lesung des 
Gesetzentwurfes7 beendet -mit Ausnahme der Bestimmungen 
über'die Beamtenverhältnisse, die noch iin^Unterausschuß 
vorberaten werden. 
o 58/t Millionen Voranschlag der Provinz Branden 
burg. Dem Brandenburgischen Provinziallandtag sind zu 
seiner 48. Tagung, die am Sonntag, den 22. Februar, 
beginnt, die Haushaltspläne und eine Reihe, kleinerer 
Vorlagen zugegangen. Die starke Steigerung aller Aus 
gaben hat es notwendig gemacht, die Provinzialsteüer 
für das laufende Steuerjahr 1919 nachträglich um 8 Proz. 
zu erhöhen und einen Nachtragsetat einzubringen,',; der 
mit 9 338 000 M. abschließt. Der neue Hauptvoranschlag 
für 1920, der auf den Gesetzentwurf .Groß-Berlin noch 
keine Rücksicht nimmt und infolgedessen auch wieder die 
4 Millionen-Beihilse für die leistungsschwachen Berliner 
Vororte vorsieht, schließt in Einnahmen und Ausgaben 
mit 58,412 000 M. ab, was gegen den vorigen Haus 
haltsplan ein Mehr von nicht weniger als 23,5 Millionen 
bedeutet. Der Mehrbedarf für 1920 beträgt 18,397 352 
Mark und erfordert einen Provinzialsteuerzuschlag von 
32 Proz. gegen 20 Proz. im lausenden Jahre. Das! 
zuschlagfähige Staatssteuersoll nach dem Stande vom 1. 
Januar 1920 ist nach den vorläufigen Angaben der 
Kreise auf 130,2 Millionen M. angenommen und hat 
gegen das Vorjahr eine Steigerung um 16 Millionen 
— 14 Proz. erfahren, die in den Vorortkreisen 14 Proz., 
in den Stadtkreisen 23 Proz. und in den Landkreisen 
8,5 Proz. betrug. 
o Mehlversorgung. Nach dem MehlverteilungSplan 
des Kreisausschufscs erhält Friedenau für die Zeit vom 
16. Februar bis 16. März 4710 Zentner Mehl. 
o Es bleibt bei 2« Proz. Grundzuschlag nnd 15 Proz. 
Neparaturzuschlag. Der Berbandsausschuß des Wohnungs- 
Verbandes hat den Einspruch des Oberpräsidenten gegen die 
Höchstmietesestsetzung abgelehnt. Die durch den gestrigen 
Beschlußfassung bestätigte Verbandsverordnung sieht außer 
einem Grundzuschlag von 20 v. H. zur Miete des Jahres 
1914 (für Fabrikräume, Geschäftshäuser u. dergl. von 
40 v. H.) die Erhebung eines ReParaturzuschlageS von 
15 v. H. der Miete von 1914, für Zentralheizungshäuser 
von 20 v. H. vor, und zwar ausdrücklich als Beteili 
gung des Mieters an den Reparaturkosten. Eine Erhebung 
des 'Reparaturzuschlages ohne entsprechende Gegenleistung 
und somit eine Bereicherung des Vermieters ist nach dem 
Wortlaut der Verordnung unzulässig. 
o Der.Ausschuß für eine unpolitisch-christliche Este 
am Reform-Real-Gyurnastnm lädt die Elternschaft des 
Reform-Real-Gymnasiums zu einer sehr wichtigen Eltern 
versammlung am Donnerstag, den 12. Febr., abends 
8 Uhr, ein. Es handelt sich um eine notwendige Vor 
bereitung wegen der Klassenwahlen am Freitag. Die 
Elternversammlung muß in der Aula des Gymnasiums 
stattfinden, da alle anderen Säle bereits vergeben sind. — 
Die Mitglieder des Wahlvorstandes am Rudel'scheu 
Lyzeum sind: Rechnungsrat Schmedes, Frau Siebert, 
Herr Bense, Herr Hauptmann Gube, Herr Dr. Fudickar. 
o Der Vorsitzende des BürgerrntS von Groß-Berlhr 
Über die deutsche Finanzpolitik. Am 26. Januar war 
auf der Amsterdamer Börse kein Kä ner mehr 'ör die 
deutsche Mark zu .finden. Das liegt au eine: ',.nai.z 
und Wirtschaf die kurzsichtig das Ltapital für 
Lwei certsmeyke. 
Roman von F. Stolze. 
55 ^Nachdruck t*rJ>n+«t > 
„(Ts sei, wie du sagst!" flüsterte sie. „Dein Wille ist 
mein Wille!" 
Sie blickten sich ernst und innig an, während sie 
die Hände bekräftigend zusammenlegten. 
„Nun aber," rief Suleika tief ausatmend, „laß uns 
alles zum Aufbruch rüsten. Mein Milchbruder Djaffer 
wird bald mit den Tieren erscheinen. Er hat die Besich 
tigung der Herde heut schon früher vorgenommen und 
die Wachen so aufgestellt, daß wir leicht unbemerkt an ihnen 
vorbeikommen können. Auch dein Gepäck und deine Waffen 
sind hier, und alles übrige ist bereit." 
Es war Mitternacht, als sie aufbrachen. Eine Stunde 
später hatten sie sich auf schmalen Saumpfaden in ein 
Gewirr im Norden gelegener Täler vertieft, das ganz 
abseits von den gewöhnlichen Pfaden der Nomaden lag. 
28. Kapitel. 
Die Ströme Persiens sind mit ganz vereinzelten Aus 
nahmen Gewässer, die das Meer nicht erreichen, sondern 
innerhalb der Hochtäler des Landes ihr Ende in einem 
mit Salz gesättigten See finden, der ringsum von mehr 
oder weniger breiten Salzablagerungen umgeben ist. 
Einer der ausgedehntesten dieser Seen ist der etwa 
120 Kilometer lange Niriz- oder Bakhtägan-See, der die 
Gewässer des Kur und seiner Nebenflüsse in sich sammelt. 
Sein nordwestlicher Teil erstreckt sich dem reißenden 
Strom entgegen, der aber nicht unmittelbar in den schmalen 
Seearm eintritt, sondern erst an seinem südwestlichen 
User wohl 30 Kilometer entlang läuft, bis er sich mit ihm 
vereinigt. Auf dieser Strecke wird der Strom von einer 
Reihe von uralten Flußsperren durchschnitten, die den 
Namen Bänd - Amir (Talsperre des Amirs) tragen und 
eine segenspendende Uederrieselung des breiten Tales er 
möglichen. 
gefährliche oder gar schon mißlungene Versuche ausbeuten 
will, und im Rcichsnotopfer den Vermögensbestand an 
greift, anstatt sich nur an den Vermögensertrag zu halten. 
Die überaus schwierige Wirtschaftslage in Deutschland 
zwang die Regierung zu. sehr energischen Maßnahmen; 
aber es hätte sich doch wohl ein Weg finden -lassen, 
auf dem dasselbe Ziel-zu erreichen gewesen - wäre, ohne 
■ ein.Gesetz, das so ausgesprochen den Charakter des Klassen 
kampfes trägt. Im „Tag" macht Marx, der Vorsitzende 
des iGroß-Berliner Bürgerrates sehr energische Vorschläge, 
um dem Elend der deutschen Finanz, und Wirtschastsp 
-Verhältnisse zu entrinnen. Er fordert die Aufhebung des 
.Reichsnotopfers, die Grenzschließung gegen in- und aus 
ländische Schieber, überhaupt eine strenge Grenzkontrolle, 
die alle Luxuswaren fernhält. Nur, wenn die Export 
preise rücksichtslos dem Valutastande angepaßt werden 
und die Beteiligung des Reiches am Exporterlös durch- 
geftihrt wird, kann es dem Reich gelingen, sich dafür ge 
nügend .Devisen für seine Auslandskäufe zu beschaffen. 
Vor allem aber tritt Marx für ein scharfes Arbeitszwangs 
gesetz ein. Bei der Entlvertung unserer Valuta müssen wir 
danach trachten, Teile unseres Warenbedarfes vom Aus 
land gegen Waren einzutauschen, die wir ausführen. Wir 
können sie aber nur durch eine bis zum Aeußersten ge 
steigerte Produktion in genügender Weise bereit stellen. 
o Die Verzeichnisse der Postscheckkunden bei den Post 
scheckämtern im Reichs-Postgebiet werden in nächster Zeit 
nach dem Stande vom 1. Januar 1920 erscheinen. Be 
stellungen nehmen alle Postanstalten entgegen, die. auch 
über die Preise Auskunft erteilen. Postscheckkunden erhalten 
die Druckwerke auf Wunsch von ihrem Postscheckamt unter 
Abbuchung des Preises, auch können sie sich den regel 
mäßigen Bezug durch einmalige Bestellung .bei ihrem 
Postscheckamt sichern. 
o „Englische" frische Heringe! So steht an einer 
Fischhalle in Lichterfclde zu lesen. Und jeder, der das 
liest, weiß nun, daß er eine „teure" Ware vor sich hat, 
mit der uns unsere feindlichen Vettern jenseits des Kanals 
beglückt haben. Aus irgend einem „Ausland" müssen ja 
schon die Waren stammen, wenn sie hier verkauft werden; 
denn nur so lassen sich hohe Preise begründen. Da steht 
ja jedem gleich die „Valuta" vor Augen und er rechnet: 
15 Pfg. die Papiermark, 10 Papiermark für eine Silber- 
mark...., kurz und gut, du mußt zahlen, was der Händler 
für die Auslandsware verlangt. Das alles „richtig" ist 
beweist ja das. was wir jetzt über die Deutsche Fisch 
gesellschaft in Berlin lesen und hören!! 
o 12. Ännstgemetndeabcud. Wieder sind es zwei 
Künstler von allergrößtem Ruf. die am nächsten Kunstge- 
meindc-?lbcnd im Steglitzer Lyzeum (Freitag, 13. Fe 
bruar) ihre Mitwirkung zusagten, Hertha Stolzenberg, 
die Diva des Charlottenbg. Opernhauses (Sopran) und 
der Kammersänger von der Staatsoper Alexander Kirch 
ner lTenor). Die Begleitung liegt wieder in Meister 
Schmalstichs bewächten Händen. Wir sind durch die 
Leistungen der Kuiistgemeinde, die uns immer allerbeste 
Kunst bietet, verwöhnt, trotzdem können tvir erwarten, 
daß dies Konzert etwas ganz besondere-? bieten wird. 
o Eine hochgefeierte Künstlerin ist Gertrud Asstu 
tz eim er, die unser Publikum am Sonnabend, den 14. 
Februar im Künstler-Konzert der ..Kunststütte f. V." be 
wundern kann. So schreibt die „Wcser-Ztg." in Bremen 
unterm 22. Okt. 1919 wörtlich: „Eine Stimme mit ver 
hallender Süße, der köstlickren Wärme des fein geschulten 
Mezzo-SopranS, dem entzückenden Portamento, der wir 
kungsstarken Charakterisierung und der überzeugenden Ver 
innerlichung. . ." Das „Bremer Tagebl." nennt sie „eine 
An dieser Stelle hatte die Mosel-Expedition Halt 
gemacht, um zunächst festzustellen, in welcher Richtung 
man das Lager der Baharlus und den Gefangenen zu 
suchen habe. Denn die eingezogenen Erkundigungen hatten 
bald gezeigt, daß sie von Persepolis aus beim Äänd- 
Amir den Kur gekreuzt und sich dann geteilt hatten. Die 
eine Schar war den See entlang und über die südöstlich 
davon gelegenen Gebirge nach Darab weitergezogen, die 
andere hatte den Weg über das mitten im Waldgürtel 
gelegene und hiernach Miandjängäl benannte Oertchen 
nach Faßa eingeschlagen. Bei welcher von beiden sich aber 
Werner befunden hatte, war einstweilen nicht festzustellen 
gewesen, da die Baharlus die Ortschaften entweder bei 
Nacht oder im weiten Bogen passiert hatten. Im Kriegs 
rat war daher beschlossen worden, zwei Aufklärungs- 
Patrouillen auszusenden, eine jede aus zwei Europäern 
und zwei persischen Reitern bestehend. Der einen sollten 
Achim und der persische Oberst angehören, der etwas 
Französisch sprach, so daß er sich verständlich machen 
konnte, der anderen Ewald, der ja selbst des Persischen 
genügend mächtig war. Beide Streiskorps sollten zurück- 
kehren, sobald sie sichere Nachricht bringen konnten, jeden- 
falls aber in vier Tagen. Ewald hatte den Weg nach Faßa, 
Achim den nach Darab eingeschlagen. Zwei Tage der 
Frist waren bereits verlaufen. 
Es war die Zeit der Mittagsruhe. Die Damen be 
fanden sich noch in ihrem dicht am Wasser unter einem 
schattigen Baum aufgeschlagenen, halb geöffneten Zelt, der 
Oberst hatte sein Zelt gar nicht betreten, sondern ruhte 
im Baumschatten, so daß er seine Pflegebefohlenen bequem 
beobachten konnte. Nicht als ob ihm dies notwendig er- 
schienen wäre. Aber die Mädchen wünschten es selbst, daß 
er sich möglichst in ihrer Nähe halte. Denn seit Achim und 
Ewald abwesend waren, spielte Onkel Kurt noch viel mehr 
den Liebenswürdioen. und das paßte ihnen nicht. 
Die Sonne ruckte weiter und weiter am .Himmel. Die 
Diener kamen und breiteten unter den Schattenbäumen am 
Wass"r die Tepviche aus, richteten dieSamoware her und 
trugen das Gebäck herbei. Dann ertönten die weithin 
Sängerin. mit einer, schönen, ausgezeichnet durchgebildeten 
Stimme und geschmackvollem Vortrag. Alles, Tonbildung, 
Atmung, Tonansatz, Aussprache zeugt von vorzüglicher 
Schulung und bewußter Arbeit." —.Wegen Bezugs von 
Eintrittskarten verweisen'wir auf. das Inserat in heutiger 
Ausgabe unseres 'Blattes. 
o Verband mittlerer Reichs-, Post- und Telegraphen» 
beamten, Ortsverein Berlin-Friedenau. Die geschäftliche 
Sitzung in der „Kaiserburg" am 6. d. Mts. war gut 
besucht. Der Vorsitzende, Obersekretär Schönfeld, berichtete 
über die Personal- und Besoldungsreform. Ein durch den 
Bezirks-Vorfitzenden, Ober-Postsekretär Oetting eingeführ 
ter Vertreter der Beamtcn-Pensionszuschußvcrsichcrung. ein 
ehemaliger bayrischer Eisenbahner, hielt einen mit heiterem 
Beifall aufgenommenen Vortrag, der auch sachlichen Er 
folg hatte. Für die notleidenden Wiener Kollegen wurde 
ein namhafter Betrag bewilligt. Folgende drei Anträge: 
1. Erhebung fester Nachschußbciträge statt freiwilliger 
Sammlungen, 2. Gleichstellung der Kollegen aus dem 
Militär-Anwärterstande bei Erreichung des Höchstgehalts 
mit den Zivilanwärtern, und 3. Untersuchung des Ver 
haltens der Vertreter des Deutschen Bcamtenbundes bei 
Regelung der Teuerungszulagen, wurden einstimmig an 
genommen. Zu Bezirkstagsvertretern wurden gewählt, die 
Kollegen: O.P.S. Schönfeld, T.S. Stephan, O.T.Ass. Was- 
gien, O.P.Ass. Poske. Vertreter: T.S. Helm. O.PAss 
Noack. Als neue Mitglieder sind aufgenommen worden: 
T-Ass. Hans Bruno, Deidesheimerstr. 5, Tel.M. Georg 
Zander. Varzinerstr. 20, O.T.Ass. Karl Schwarz. Deides 
heimerstr. 29, T.M. Bruno Franz, T.G. Ernst Francke, 
Rotdornstr. 6, T.S. Karl Schiebet, Handjcrystr. 66. O-P- 
Ass. Franz Kayser, Hähnelstr. 4, T-G. Walter Mühlbach, 
Bachestr. 9. ' 
o Der Hermannsbund veranstaltete am letzten Sonn 
tag eine Theateraufführung im Festsaalc des Reform 
realgymnasiums. Der Saal war' nahezu bis auf den 
letzten Platz besetzt. Sehr störend empfunden wurde aber 
das unpünktliche Erscheinen der Besucher und ferner das 
fortgesetzte Handeln mit Postkarten und anderen Druck 
sachen in den knappen Pausen, die man zur eigenen Samm-- 
lung brauchte. Ein Vorstandsmitglied des Hermannsbun 
des eröffnete den Abend mit einer kurzen Ansprache, in 
der er den Gefühlen der Versammelten gegen die Aus 
lieferungsforderung der Feinde Ausdruck gab. Um sich in 
diesem Protest zu vereinen, folgte die Versammlung seiner 
Aufforderung und sang gemeinsam das Deutschlandlied. 
Es wurde nun zunächst das Drama eines jungen Frie 
denauers aufgeführt: „Dichtersterben". Worte und Musik 
von Heinz Parm er. In 7 scenischen Bildern schildert 
der Verfasser Lebenserinnerungen eines alten Dichters. 
Am Ende seines Lebens angelangt, überfliegt der Dichter 
nochnials den Weg der Freuden und Leiden, den er ge 
gangen, um zu erkennen, daß die Fcühlingshofsnung, 
mit der er einst ins Leben hinaustrat, durch alle Bitternis 
des Schicksals zu Schanden wurde. Das Werk selbst ist 
nicht inhaltlos, ist auch nicht ohne dramatische Eindrücke 
und Wirkungen; namentlich in der Kcrkerscene, wo der un 
schuldig in enge Mauern eingeschlossene Dichter verzwei 
felnd nach seiner Freiheit ruft. Aber ich bin doch der 
Meinung, daß das Stück für eine Bühnenanfführung wenig 
geeignet ist. Sein Sinn wird durch die kurzen Bilder 
und den häufigen Szenenwechsel sowie die wenig klare 
Dialogführung kaum verstanden. Man muß ihn erraten. 
Möglich, daß das Verständnis und die Wirkung sich heben 
würde, wenn ein Bild unmittelbar dem andern folgert 
könnte. Das aber wird auf der Bühne schwer zu erreichen 
sein. Anders im Film. Dafür ist es wie geschaffen und ich 
schallenden Töne eines Gongs, die in kurzer Zeit alle 
Europäer zum Nachmittagstee vereinigten. 
Bald schlürften alle das erquickende Naß, als plötzlich 
der Buttler (Hauptdiener) erschien, die Arme über der Brust 
kreuzte und, zum Oberst gewendet, in schlechtem Englisch 
begann: 
„Sahib, soeben kommen in einer Staubwolke; vier 
Reiter auf das Lager zu!" 
„Sehr gut." rief der Oberst und sprang auf. „Welche 
Truppe ist es?" 
„Es sind keine von den Unsrigen, o Herr. Ich zähle 
einen Sahib und drei Diener." 
Der Oberst ließ sich wieder nieder und sagte: 
„So bring' den Sahib hierher, sobald er anla qt." 
Alle blickten erwartungsvoll nach der Stelle h nüber, 
von woher man den Fremden erwartete. Ist schon unter 
gewöhnlichen Verhältnissen für den. Forschungsreisenden 
jeder ihm begegnende Europäer ein gern gesehener Gast, 
so war dies bei der gegenwärtigen schwierigen Sachlage 
in doppeltem Maße der Fall. 
Man hörte Schritte nahen. In feierlichem Schritt er 
schien zunächst der Buttler, trat dann ehrerbietig zur Seite 
und ließ die ihm folgende Figur an sich oorbeischreiten. 
Aber wer war das ? Zwar trug die Gestalt einen Sonnen 
hut mit Pagra und grünem Vlendschleier auf dem Haupte, 
darunter aber befand sich eine junge, hochgewachsene Dame 
im einfachen, aber kostbaren, über den Arm geworfenen! 
Reitkleid, die sich leicht vor der Gesellschaft verneigte. 
Ein Laut des Staunens flog durch die Menge der 
Anwesenden, alle erhoben sich und erwiderten den Gruß 
ehrfurchtsvoll. Die Dame trat einige Schritte näher, und 
als der Schatten der Bäume sie umgab, hob sie den Hut 
vom Kopfe und enthüllte das lockenumwallte, siegesbewußte 
Gesicht Ellen Hamiltons, das sich mit strahlendem Lächeln 
vor dem Kreise der Anwesenden nochmals verneigte. 
(Fortsetzung folgt.)'
        
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