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Periodical volume Nr. 35, 10.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

(Friedenaurr 
WvttlWe Seitoag s8rDls.-Fr!eren!M anö 
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Derltu-Triede«««. «heisstratz, ,r. - Kernsprecher: Amt Pselzbnr, UW. 
Nr. 35 
Berlik-Fnedeuou, Diemtag, dev 10. Februar 1828 
Fahrg. 27 
Was Deutschland bereits geleistet hat. 
In einer Besprechung die ein Vertreter d.r „Chicago 
Tribüne" mit dem Reichsminister Hermann Müller hatte, 
machte dieser auch Mitteilungen, welche ungeheuren Ver 
pflichtungen ans dem Waffenstillstand und Friedensver 
trage Deutschland bereits erfüllt hat. 
Nach Schätzungen, die von den zuständigen deutschen 
Zentralstellen ausgestellt worden sind, und bei .denen, 
so gut dies möglich war, der Wert im Zeitpunkt der 
Lieferung oder Leistung auf Goldmark geschätzt worden ist, 
sind bisher folgende Leistungen bewirkt worden: 
1. Saargrubcn 1000 Mill. Goldmark 
2. Liquidationen deutscher Unter» 
, nehmen im Ausland .... 12000 
3. Reichs- und Staatseigentum in 
den abgetretenen Gebieten . . 
4. Handelsflotte 
5. Naturalleistungen 
st) Kohlen . ...... 
b) Maschinen 
c) Cisenbahumaterial . . . 
d) Kabel 
6. Zurückgelassenes Staats- und 
Heereseigentum, soweit es nicht 
unmittelbaren Kampfcharakter 
trägt 
7. Bish. Kosten f. d. Besatzungsheer 
Die Sa. dieser Leistungen beträgt 3« 722 Mill. Goldmark 
Hierzu kommen die bereits begonnenen, aber noch 
nicht abgeschlossenen Lieferungen von Vieh im Werte von 
"390 Millionen Goldmark und von Farbstoffen im Werte 
von 200 Millionen Goldmark, sowie die Forderungen gegen 
Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei im Be 
trage von 7000 Millionen Goldmark. Ausdrücklich her 
vorgehoben sei, dast bei diesen Ziffern die zurückgeliefcr- 
ten Werte, Bargeld, namentlich die belgischen Depots, 
Effekten usw. im Betrage von 4800 Millionen Goldmark 
nicht mitgerechnet worden sind. 
Ortsnachricbten 
(Nachdr. unsrer oOriginalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Groß^Berltn. Wie wir von zuständiger Regierungs 
stelle hören, herrscht sowohl bei der Staatsrcgierung als 
auch im Groß-Berliner Ausschuß nach wie vor das Be 
streben, den Gesetzentwurf so schnell >vie möglich zu verab 
schieden. Die Beratungen des Ausschusses sind bereits bei 
§ 42 angelangt, der die Beamtenverhältnisse im neuen 
Groß-Berlin behandelt. Die Bestimmungen des Gesetzt- 
entwurfs über die Behördenorganisation und das Verhält 
nis zu den benachbarten Kommunalverbändcn und den 
Einrichtungen der Provinz wurden unverändert angenom 
men. Man hofft, im Laufe dieser Woche die erste Lesung 
im Ausschuß zu beenden. 
o Die Wahl der Elternbeiräte. Wie wir von zuständi 
ger Seite erfahren, hat der Unterrichtsminister durch Er 
laß vom 2. Februar die Provinzialschulkollegien ermäch 
tigt, in E i n z e l f ä l l e n auf Antrag der Schulleitungen 
den Wahltag für die Elternbeiräte auf die Zeit nach Ostern 
zu verschieben. Mit diesem Erlaß entfallen die seit einigen 
Tagen auch in Groß-Berlin verbreiteten Gerüchte über 
eine allgemeine Verschiebung der Elternbeiratswahlen. Die 
Wahlen linden für die Gemeindeschulen am 22. Febe..uv, 
für die höheren am 7. März statt. 
Lwei Ccsiasnenu. 
Roman von F. Stolze. 
51 (Nachdruck vrrSoreu; 
Mit gedämpfter Stimme hob Suleika an: 
„Höre mich, Sahib. Soeben ist mein Vater mit allen 
streitbaren Männern und Sahib Jenninos zum Kawam 
nach Lar geritteit, um ihm die Steuern zu zahlen. Cr 
kann nicht vor zehn bis zwölf Tagen von dort zurück fein. 
Die Aufsicht über dich und das ganze Lager hat er mir 
übergeben. Sieh hier den Schlüssel zu deinem Gefängnis. 
Ich werde dich in der kommenden Nacht freilassen und mit 
dir entfliehen . . 
„Aber Suleika . . ." 
„Schweig still," entgegnete sie. „Deine frühere Frau 
ist tot und steht mir nicht mehr im Wege. Du bist es mir 
schuldig, denn jetzt würde, auch wenn du wieder ohne micy 
entflöhest, doch zweifellos fein, daß ich dir fortgeholfen 
hätte und ich müßte des furchtbarsten Todes sterben. Willst 
du mir so lohnen?" 
Werner schwieg und blickte bewegt vor sich nieder. 
Suleika fuhr fort: 
„Merke also: Ich lasse nachher mein und der Amme 
Zelt hier vor dein Gefängnis bringen. Wenn die Stunde 
herbeikommt, wo du all die Tage herumgehen durstest, 
werde ich vorher das ganze Lager leise zusammenrufen 
und den Leuten sagen, sie niöchten sich überall verbergen 
und achtgeben, daß du nicht etwa entflöhest. Sobald du 
dann die Glieder etwas gestreckt hast und auf- und abge 
gangen bist, stelle dick,, als wolltest du entfliehen. Stoß 
mich beiseite, daß ich taumele. Dann werde ich laut um 
Hilfe rufen, und alle werden herbeikommen und dich fassen. 
Wehre dich etwas, aber nicht zu sehr, damit sie dir keinen 
Schaden tun. Ich aber werde schimpfen und dich aus 
schelten und dich sofort wieder in den Käfig schließen und 
sagen, daß ich dich, bis mein Vater zurückkäme, nur im 
Beisein von mehreren Wächtern herauslassen würde. Und 
du mußt dich sehr traurig und verzweijelt stellen. Dan» 
4 , v 
v Berufsberatung. Am Mittwoch, den l l. d. Mts., 
abends 8 Uhr, findet im Gesangssaal des Gymnasiums 
(Maybachplatz) der 9. Berufsberatungsabend statt. Prof. 
Dr. Dunk m a n n, Direktor der Deutschen Zentralstelle 
für Berufsberatung der Akademiker, spricht über das 
Problem der Berufsberatung und die alten akademischen 
Berufe. 
o Das saubere Schönebcrg. In unserer Nachbarge 
meinde Schöneberg werden jetzt die Straßenschilder ge 
säubert und geputzt. In Friedenau wäre eine derartige 
Säuberung auch mal nötig. 
o Tie unpolitischechristlichen Kandidatenlisten für die 
Elternbeiratswahl an den einzelnen Schulen in Friedenau 
wurden, wie bereits gemeldet, von Ausschüssen vorbereitet. 
Diese Ausschüsse bestehen aus folgenden Herren und Da 
men: 1. Gemeindeschulc: Linoleumleger Gries, Frau 
Gutsche, Pfarrer Kleine, Lehrer Köpp, Photograph Sa- 
watsch, Kuratics Menzel, Monteur Richter. 2. Gemeinde- 
schule: Rechnungsrat Evllmann, Drescher, Frau Gabriel, 
Pfarrer Marquardt, Versicherungsbeamter Kunze, Se 
kretär Troß. 3. Gemeindeschule: Postsckretär Martini, 
Kallfm. Rohrbeck, Ingenieur Wich. 4. Ghmnasium: Rech- 
nungsrat Göhr, Oberlehrer Dr. Hirsch, Generalsekretär 
Mehlow, Major Schlieper, Oberlehrer Dr. Wölffel. 5. Re- 
form-Real-Gymnasium: Oberlehrer Dr. Falcke, Pfarrer 
Förtsch, Vorschullehrer Lange, Bäckermeister Müller, Kauf 
mann Stachow, Garteninspektoc Stabe, Sekretär Zerenka. 
6. Königin-Luise-Schule: Oberlehrer Dr. Anders, Leon 
hardt, Geheimrat Ruthe, Regierungsrat Sarrazin, Pfar 
rer Vetter. Die ans Elternversammlungen herausgewachse 
nen Ausschüsse der Privatschulen bestehen ans den Herren 
und Damen: 7. Fliedner'sche Schule: Oberinaenieur Arens, 
Kaufmann Gravcnstein, Sekretär Kühn, Schornsteinfeger- 
meister Stolzenburg, 8. Lorenz-Lyzeum: Frau Dunks, 
Frau Engel, Syndikus Dr. Mirus, Stadtrat Müller- 
Schönelcrg, Rechtsanwalt Schlüter, Redakteur Walbaum, 
9. Rudel'sche Schule: Vorsitzender Rechnungsrat Schmedes 
und mehrere Beisitzer. Der Hauptausschuß setzt sich zus. 
aus den Herren Pfarrer Förtsch. Dr. Mühlpfordt, Regie- 
nnngsrat Sarrazin, Major Schlieper und Obcrpostinspek- 
tor Solkau. 
o Für die Teutsche Grenzspende sind ferner bei uns 
eingezahlt worden: A 5 M., Pfarrer Pilchowski 10 M., 
Frau Richter 10 M. Weitere Spenden nimmt die GeschästS- 
stclle unseres Blattes, Rheinstr. 1 5. entgegen. 
v Der Krüger- nud Laudwehr-Bcrcin feierte am Sonn 
tag, den 1. d. Mts., sein 42. Stiftungsfest in dem Logen- 
Rcstaurant in Steglitz. Der Einladung war eine so große 
Zahl von Mitgliedern und Gästen gefolgt, daß die Fest- 
räume des Lokales die Erschienenen nicht zu fassen ver 
mochte. Trotz dieser fast übergroßen Fälle nahm dnS 
um 3 Uhr Nachm, beginnende Fest einen schönen nach 
jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf. Nach einigen Vor 
trägen der Musikkapelle ergriff der 1. Vorsitzende des Ver 
eins, Geh. Rechn.-Rat Evers, das Wort zu einer Be 
grüßungsansprache. Er wies darauf hin, daß die ver 
flossenen schweren Schicksalsjahre des deutschen Volkes die 
Feier eines Familienfestes in dieser Zeit unmöglich ge 
macht hätten. Nach einem Rückblick über die Kriegsjahrt 
und die dem Waffenstillstand folgende Iei:. betonte er, daß 
das deutsche Volk eine Zeit schwerster Arbeit vor sieb habe, 
wenn es wieder emporsteigen wolle, daß es aber mit 
Hoffen und festem Vertrauen in die Zukunft blicken müsse. 
Ein arbeitsreiches Leben erfordere Pausen der Erholung 
und harmlosen Fröhlichkeir. In solchem Sinne möge auch 
die heutige Feier den Angehörigen des Vereins nr.b 
lieben Gästen einige Stunden der Erholung und der 
wird jeder Verdacht gegen mich schwinden. Ja, cs 
sogar besser, wenn ich meine Zelte erst nacy dein vermeinr- 
lichen Fluchtversuch hierherschaffen lasse. Denn dann wird 
man es ganz natürlich finden und mich dafür loben. Das 
alles wird zur Zeit des Nahar geschehen, wo du ja immer 
herauskommen durftest. Hast du dir auch gut gemerkt, 
was ich dir sagte, und wirst du auch ganz danach handeln?" 
Werner bejahte, und sie schloß: 
„I»tzt laß ich dich allein, damit niemand uns hier mit 
einander sprechen sieht. Denn in einer halben Stunde geht 
die Sonne auf und das Lager wird lebendig." 
Sie ging fort von ihm und zog sich mit der Amme in 
ihr Zelt zurück. Als das Lager erwacht war, die Mädchen 
wie gewöhnlich zur Quelle gegangen und dann die Hirten 
nach dem Nebental aufgebrochen waren, um die nächt 
lichen Wächter dort abzulösen, begann Suleika ihre Vor 
bereitungen, indem sie alle im Tale Zurückgebliebenen 
zusammenrief und ihnen ihre Anweisungen gab. Besonders 
die Mädchen nahmen sie mit spöttischem Lächeln auf. Da 
der Gefangene bisher seine Erholungsstunde niemals zu 
"einem Fluchtversuch benutzt hatte, glaubte niemand an 
einen solchen und hielt den Befehl nur für eine Wichtig 
tuerei. 
Als nun aber die Vorgänge in der von Suleika ange 
ordneten Weife verliefen, schlug die allgemeine Stimmung 
völlig um. Man bejubelte die Vorsicht der Häuptlings 
tochter, die dem fremden Sahib so mutig entgegengetreten 
war. Und als sie nun gar ihr Zelt neben den Käfig zu 
stellen befahl, um den Gefangenen bei Tag und bei Nacht 
bewachen zu können, verschwand jede Spur eines Ver 
dachts, und alle waren voll ihres Lobes. 
Der Tag ging vorüber. Als die Nacht ihre dunklen 
Schleier über das Tal gebreitet hatte und das Gewahrsam 
Werners ganz im Schatten der Platanen verschwunden 
war, öffnete Suleika ihm die Tür und geleitete ihn in ihr 
Zelt, während die Amme vorsichtig die Decken im Käsig 
so ordnete, daß sie den Anschein erweckten, als läge der 
Gefangene, in Schlaf versunken, unter ihnen. Dann schloß 
sie drs Gewahrsam wieder u.nd legte sich als Schildwache 
Freude gewähre». Einem ivahren Bekenntnis der Liebe 
zum Vaterlande schlossen sich die von der ganzen Fest- 
versammlung stehend gesungenen Verse des deutschen Na- 
tionalliedes „Deutschland über Alles" an. Zwei flott 
von Angehörigen des Vereins. gespielte Einakter „Heim 
lich verlobt" und „Der Gedankenleser" fanden wohl ver 
dienten reichen Beifall. Die Leitung des Spiels und 
der Hauptrollen lag in der Hand des Kam. van Sal 
iers, der seine Aufgabe mit großem Geschick löste und 
besonders auch die glänzende Durchführung seiner Rollen 
den Erfolg herbeiführte. Reichen Beifall fanden auch die 
übrigen von Mitgliedern des Vereins gebotenen Vorträge. 
ES ivar 6 Uhr geworden, als sich die Paare zur Fest 
polonaise ordneten, die unter Führung des Vorsitzenden 
mit seiner Gattin bei der überaus großen Zahl der 
Teilnehmer fast eine Stunde in Anspruch nahm, eine 
schwere Aufgabe für die Musik, die sonst in leder Be 
ziehung volle Anerkennung verdient. Der sich anschließende 
Tanz mußte zu großem Bedauern alter Teilnehmer um 
11 Uhr durch die Polizeistunde seinen zu frühen Ab 
schluß finden. Mit dem allgemeinen Wunsche auf baldiges 
Wiedersehen an einem Festabend des Krieger- und Land- 
wehr-Vereins, dann aber in ' bedeutend größeren Feste 
räuinen, trennten sich die Teilnehmer. Erwähnt sei noch, 
daß eine aus der Festversammlung angeregte Tellersamm- 
lung für den Kriegshilfsfonds des Vereins den stattlichen 
Ertrag hon 200 M. brachte. 
o Ortsgruppe SteglüF-riedchrarr des RerchrbnndeS 
Deutscher Technik. Am Sonnabend, den 7. Februar 1920 
fand ein Vortragsabend in der Aula der Realschule Flora 
straße in Steglitz stall. Der bekannte Lustfahrer Haupt- 
mann a. D. Hildebrandt sprach über „Die Luft 
fahrt der Zukunft, mit besonderer Berücksichtigung der' 
Aufgaben des Luftamtes im Reichsverkehrsministerium". 
Der Vortragende, ein alter Mitkämpfer des Grafen Zeppe 
lin, ist einer von denen, die beanspruchen dürfen gehört 
zu werden. Er war es. der in den Jahren 190b—07 die 
Aufmerksamkeit des Kriegsministerinins auf die wachsende 
Bedeutung der „schwerer—als—Luft"—Maschinen lenkte, 
bei: die Gebr. Wright nach Berlin brachte, lind der nun 
auch heute wieder als Vorkämpfer für den weiteren Aus 
bau des Luftfahrwesens zu friedliche» Zwecken eintritt. 
Aus dem kurzen geschichtlichen Rückblick, den der Vor 
tragende gab, möge als bemerkenswert festgehalten werden, 
daß schon im Jahre 1794 eine französische Luftfahrer- 
trnppe am Kriege gegen Oesterreich teilnahm und bei Mau- 
bcuge von einem österreichischen Abwehrgeschütz beschossen 
wurde. Ein zufälliges Ereignis bewirkte, daß der aber 
gläubisch Napoleon I die Luftfahrcrtruppe völlig unter» 
drückte. (Ein 1799 zu Ehren Napoleons in Paris aufge 
lassener, 'reichgeschmückter Ballon war nämlich einige Zeit 
später in Italien auf dem Grabe Nero's niedergegangen.) 
Ferner sei a!S bemerkenswert erwähnt, daß schon im Jahre 
1843 ein Engländer die fertigen Pläne für einen Ein 
decker besaß, welcher völlig unseren neuesten Flugzeug- 
typen gleicht. 1905 legten die Gebr. Wright bereits 39 
Km. in 38 Minuten im Flugzeug zurück. Zeppelins Ver 
dienst um das lenkbare Luftschiff sind in frischer Erinne 
rung; von seinen Kämpfen gegen die „maßgebenden Stel 
len" wußte der Redner manches Interessante zu sagen. 
Noch 1909 sprach man im Kriegsiniiiisterinm van dem 
„alten Narren". 1917 trugen seine Luftschiffe Nutzlasten 
bis 20 000 Kg. (bei 90 Km. Stnndengeschwiiidi ckeit und 
5000 Km. Aktionradius) ins Innere Afrikas und über 
den Ozean. Auch das Flugzeug hat heute d"n Ozean, 
bezwungen. Mit Atmungsapparaten sind Höhen von 9000 
Meter erreichbar geworden. Wie engherzig mutet das 
auf den Teppich vor das Zelt, in welchem unterdeffen 
Suleika und Arnold ihre Verhandlung über das, was 
werden sollte, begonnen hatten. 
Daß jetzt eine gemeinsame Flucht nicht vermieden 
werden konnte, sah Werner ein. Er hätte sonst in den 
Käsig zurückkehren, und Suleika hätte ihn wieder ein- 
schließen müssen. Daß sie letzteres unter keiner Bedingung 
tun würde, war ihm klar. Jede Weigerung, mit ihr zu 
fliehen, wäre daher nicht nur für ihn, sondern auch für 
sie verderblich gewesen. Daß andererscils das auf der 
Flucht notwendige enge Zusammensein mit dem schönen 
uiige» Mädchen, 0as cyn liebte und oem er jo tief zu 
Danke verpflichtet war, ihm nicht nur bei den 3. ffchauungen 
les Orients, sondern auch bei denen des Alle dkandes i» 
Zukunst wohl die Pflicht auferlegen würde, sie zu seinem 
Weibe zu machen, konnte er sich gleichfalls nicht verhehlen, 
llber iin Augenblick mußte das alles beiseite geschoben 
werden. Jetzt handelte es sich um die Flucht und das 
Kommende mußte der Vorsehung vorbehalten bleiben. 
Als sie daher im Zelte nebeneinanber Piatz ge 
nommen hatten, faßte er ihre Hand, preytc sie an die 
Lippen und begann: 
„Suleika, Licht meiner Seele, laß mich dir danken für 
deine aufopferungsvolle Hingebung ! Du willst Vater und 
Volk um meinetwillen verlassen; mein Volk soll dein 
Volk, mein Gott dein Gott sein! Der Gott, der cs ge 
wollt hat, daß das Weib, dem ich mich vor seinem 
Thron zu eigen gegeben hatte, aus dieser irdischen Welt 
in seinen Himmel entrückt wurde. Jetzt blickt sie von oben 
aus uns herab und segnet dich für die Güte, die du mir 
erwiesen hast und noch erweisen wirst. 'Aber noch andere 
norden dir danken, die noch auf dieser Erde weilen, meine 
Kinder, die in dir eine zweite Mutter, meine Freunde, 
die in du meine Retterin sehen werden. Ihnen dich zu- > 
zu ühren soll meine ' heilige Pflicht sein. Eine große, in 
treuer liebe verbundene Fanzilie wollen wir sein! 
Stimmst du dem bei. Suleika?" 
(Kvrtse-ung folgt.) 
6600 
8250 
240 
150 
750 
66 
7000 
666
        
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