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Periodical volume Nr. 31, 05.02.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Dezugr-reks sFriedenrruev 
>n*TteSSS3 8 «jS^»«*: ?«mT»£ Unparteiische Ketten- für Vla.-Fr!e-enav and 
ini Haus ..bracht 4 50 Mark. HrschtKL tSgiich gdkNdS. 
Aerusprecher: Amt Pfaljbarg LUS. — Druck und Verlag von Leo Schultz, 
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Berliu-Friedeuau, Rheinstraße 12. — Fernsprecher: Amt Pfalz bürg 21SS. 
Nr. 31 
Berlm-Frledeuau, Doouerrtag, dev 5. Februar 1828 
Sohra. 27. 
OHsnachrithteis 
Akächbr. unsrer o-Originalarrikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Milch zu erschwinglichem Preise. Die deutsche de 
mokratische fyraf; ton hat folgenden Dringlichkeitsantrag 
für die heutige Sitzung der (Gemeindevertretung gestellt: 
Die Gemeindevertretung beauftragt den Wohlfahrts- und 
Finanzausschuß, ihr baldmöglichst Vorschläge zu machen, 
die. den Zweck haben, dem bedürftigen Teil der Bevölke 
rung den Bezug der Milch zu erschwinglichem Preise zu 
sichern. — Durch die Erhöhung des Milchpreises auf 21. 
haben sehr viele hiesige Familien auf die ihnen für ihre 
Kinder zustehende Milch verzichtet. Jei einzelnen Milch 
händlern soll dieser Verzicht bis zu 50 v. H. betragen. 
Das hat die Demokratische Fraktion veranlgßt, eine An 
regung, die vor längerer Zeit schon einmal von der 
Fraktion der Vereinigt. Volksparteicn gegeben wurde, 
wieder aufzunehmen. 
o Das Auslichten der Baumreihen in verschiedenen 
Straßen unseres Ortes wird jetzt weiter durchgeführt. Zur 
Zeit werden in der Handjerystraße die Kastanien aus 
gelichtet, indem ein Bäum um den andern abgeschlagen 
wird. Die Bäume, die stehen bleiben, erhalten somit mehr 
Luft und können sich besser entwickeln. Heute Abend wird 
sich unsere Gemeindevertretung ferner mit dem Antrage 
beschäftigen, die Rüstern in der Wiesbadener Straße sämt 
lich niederzulegen und an deren Stelle junge Platanen zu 
pflanzen. 
o HSchftmirtnr und Reparaturzuschläge. Der Woh 
nungsverband Groß-Berlin wird sich am Sonnabend nach 
dem von uns mitgeteilten Einspruch des Oberpräsidenten 
erneut mit der Höchstmietenverordnung beschäftigen und 
dabei insbesondere die Frage zu prüfen haben, inwieweit 
Reparatur,zuschlage von vornherein festgelegt werden 
können. Gerade diese Bestimmung ist von den Mieter 
vereinigungen scharf angegriffen worden. Demgegenüber 
weist der Wohnungsverband Groß-Berlin zur Aufklärung 
darauf hin, daß die von ihm vorgesehene Regelung im 
wohlverstandenen Besten der Mieter liege. Es werde näm 
lich in den von Seiten der Mieter ausaehenden Angriffen 
eine Bestimmung des Beschlusses des Wohnungsverbandes 
überhaupt nicht erwähnt, die dahin geht, daß der Repara- 
turzufchlag vom Mieter ganz oder zum Teil zurückgefordert 
werden kann, falls der Vermieter seinen Pflichten inbezug 
auf die Instandsetzung nicht in angemessener Weise nach 
kommt. Von diesem Rückforderungsrecht kann der Mieter 
in sehr einfacher und durchschlagender Weise Gebrauch 
machen. Schließlich weist der Wohnungsverband darauf 
hin, daß fein Beschluß sich nur als eine vorläufige Re 
gelung darstellt und er es in der Hand habe, jederzeit 
durch e ine Aenderung den Reparaturzuschlag zu ermäßigen 
oder nötigenfalls ganz zu streichen, falls er sich nicht 
als praktisch erweisen sollte. 
o Eine Erhöhung der Gebühren für die amtliche und 
zwangsweise Entladung und Zuführung von Wagen» 
ladungSgütern ist nach einer der Handelskan»...r vorliegen 
den Mitteilung der Eisenbahnverwaltung Berlin am 1. 
Februar d. Js. eingeführt worden. Die neuen Gebühren- 
sätze sind um durchschnittlich 70 Prozent erhöht; näheres 
über die Tarifsätze ist im Verkehrsbüro der Handelskammer, 
Klosterstr. 41, zu erfahren. 
o Tie Schmachliste der Auslieferungen ist nun zum 
großen Teile in Deutschlai,d bekannt geworden. Was 
man kaum für möglich gehalten hatte, ist eingetroffen. 
Alle unsere bewährten Heerführer, unsere Diplomaten 
u. a. sollen - ir der Rachelust der Feinde preisgeben. 
Man sieht dn^ sh'-malische Vorgehen in dem Verlangen, 
das darauf hinausziclt, uns alle die Männer zu nehmen, 
die irgendwie im Stande wären, unserem Volke in seiner 
Not und zu seinem Wiederemporkomnien Lehrer und Er 
zieher zu sein. Wie sich die Frage weiter entwickeln wird, 
ist noch nicht vorauszusehen. Wir möchten aber unsere 
Bürgerschaft vor unbesonnenen Schritten warnen und sie 
bitten, ihre wahlberechtigte Erregung zu meistern. 
o Kartoffeln für Brennereien. Es besteht die Gefahr, 
daß froftbeschädigte Kartoffeln völlig verderben oder un- 
t wirtschaftlich ausgenutzt werden können, wenn sie nicht den 
Brennereien zur Verarbeitung zugeführt werden. Einer 
Verarbeitung frostbeschädigter Kartoffeln zu Spiritus steht 
aber die Verordnung über Kartoffeln vom 4. September 
1919 entgegen. Der Reichswirtfchaftsminister hat daher 
die Kartosfelstclle ersucht, zu veranlassen, daß Unterneh 
mern landwirtschaftlicher Betriebe zur Verarbeitung in der 
eigenen Brennerei die Verwendung frostbeschädigter Kar 
toffeln über den in der genannten Verordnung vorgesehenen 
Umfang hinaus gestattet ist. Für die Ausnahmcbewilli- 
gung sind bestimmte Richtlinien aufgestellt worden. 
o Vereinfachmug der Viehzählungen. Durch die Ver 
ordnung über die Vereinfachung der vierteljährlichen Vieh 
zählungen vom 14. Januar 1920 ist angeordnet worden, 
daß Pferde, Federvieh und Kaninchen in Zukunft für 
Reichszwecke nur noch im Dezember zu zählen sind. 
o 201 Austritte aus der Evangelischen Kirchcn-Ge- 
mernde haben hier im vergangenen Jahre stattgefunden. 
Wieder eingetreten sind 3 und in eine andere Kirchen 
gemeinde übergetreten sind 10 Personen. Insgesamt zählte 
unsere evangelische Kirchengemeinde im vorigen Jahre 
rund 38 000 Seelen. 
o Wärmehallrn. In den Volksküchen-Baracken in der 
Semperstraße am Wannseebahnhof Friedenau und aus 
dem Marktplatz in der Ebersstraße sind Wärmehallen ein- 
gericbtet, die von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abend-s geöff 
net find. Einige Tageszeitungen liegen aus. 
o Der Parochäalverein hielt am Freitag, den 30. 
Januar seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vor 
sitzende, Herr Prof. Dr. K l e i n e ck e, berichtete über die 
Tätigkeit des Vereins, die in vaterländischer, kirchlicher 
und in sozialer Richtung sich bewegte. Die neben den 
Unterhaltungsabenden jetzt eingeführten kirchlichen Ge 
meindeabende, auf denen alle für den Aufbau der neuen 
Volkskirche wichtigen Fragen erörtert werden, haben sich 
bewährt und sollen weiter ausgebaut werden. Alle ebunge- 
liscben Kreise Friedenaus, gleichgiltig ob positiver oder 
liberaler Richtung, soweit sie von dem Wunsch beseelt sind, 
die evangelische Kirche unterm Volke zu erhalten, sollten 
im Parochialverein ihren Mittel- und Sammelpunkt finden. 
Ein großer Teil der Einkünfte des Vereins kommt der 
sozialen Fürsorge zu gut. Die Einnahmen während rc< 
Dereinsjabres vom 1. Oktober 1918 bis zum 30. Sep 
tember 1919 betrugen 3875 Mark, dem standen Ausgaben 
in Höhe von 2825 Mark gegenüber, so daß ein Bestand' 
von 1050 Mark verblieb. Die im Kriege etwas herunter 
gegangene Mitgliederzahl stieg während des Vereinsjahres 
von 652 auf 674. Aus dem Vorstand scheiden aus wegen 
Fortzuges von Friedenau die Herren Pollack und Georg 
Engel, aus anderen Gründen' die Herren Willig und 
Volkmann. Neu zugewählt werden die Frauen Reckm.- 
Rat Fiebing, Geh. Ob.-Reg.-Rat Do ereil und Ba 
ronin v. Behr, sowie die Herren Geh. Sekr. Wilcke, 
Bäckermeister Bertold Müller und Kaufmann Lange. 
Als Vorsitzender wird Herr Prof. Klei necke wiederge 
wählt, ebenso Herr Rechn.-Rat Keil als Stellvertreter, 
Herr Baron v. St engl in für den künstlerischen Teil 
und Herr Pfarrer Kleine für die kirchlichen Gemeinde- 
abende. Das Amt des Schatzmeisters wird Herrn Geh. 
Sekr. Wilcke, das des Schriftführers Frau Rechn.-Rat 
Fiebing übertragen. Zu Kassenprüfern für das fol 
gende Jahr werden die Herren Waegr und Rechn.-Rat 
Fiebing wiedergewählt. — An diesen etwa 20 Mi 
nuten währenden geschäftlichen Teil schloß sich ein Unter 
h a l t u n g s a b e n d, auf dem Herr Dipl. Ing. Franz 
Lieck in einem wundervollen Lichtbildervortrag die Zu 
schauer von der Insel Rügen ausgehend nach der däni 
schen Insel Bornholm führte. Die Gegenüberstellung der 
Kreidefelsen von Rügen mit den granitenen Klippen und 
Rissen ans Vornholm war außerordentlich wirksam und 
anschaulich. Auch die lebendige.und oft von launigen Be 
merkungen durchsetzte Vortragsweise fesselte die zahlreichen 
Zuhörer bis zum Schluß. Es war ein wohlgelungener 
Abend. 
o Ein Kirchenkonzert veranstaltete der Organist Willy 
I a e g e r am letzten Sonnabend in unserer Kirche zum 
guten Hirten und bereitete damit den zahlreichen Besuchern 
eine genußreiche Stunde. Der Künstler eröffnete das 
Konzert mit der Orgelphantasie über den 8. Psalmton 
mit Benutzung des Radccke'schen Liedes „Gebet" von Carl 
Thiel. In eindrucksvoller Form kam das schöne Tonwerk, 
gut empfunden und prächtig registriert zu Gehör. Auch 
in den Choralvorspielen: ,Jp, Welt, ich muß dich lassen" 
und „Jesus meine Zuversicht" vvn Reger, sowie in der 
Orgelfuge über B—A—C—H von Rob.' Schumann offen 
barte der junge Künstler ein Können, das ihm zu der 
Hoffnung auf weitere schöne Erfolge berechtigt. Noch mehr 
aber gefiel Herr Willy Jaeger als Begleiter. Hier ver 
riet er ein Kunstverständnis und eine Feinfühligkeit, na 
mentlich in der prächtigen Registrierung, durch die ec 
den Vorträgen der Solisten einen stimmungsvollen Hinter 
grund gab. In zarten, lieblichen Tönen schmiegte sich 
die Orgelbegleitung den Solisten an, ihre Darbietungen 
hebend und belebend. Das galt besonders für die Vor 
träge des Cellovirtuosen Armin Lieb ermann, wo 
Orgelton und Cclloton oft in wunderbarer Weise über 
einstimmten. Mit Meisterschaft, glänzender Technik und 
Wärme spielte der Cellist Larghetto von Cam. Schu 
mann, Abendlied von Rob. Schumann und das Andante 
a. d. F-Dur-Sonate von Richard Strauß. Die Konzert- 
»iid Oratoriensängerin Luise Hahn, deren klangvolle, 
schöngefärbte, glockenreine Sopranstimme wiederholt in 
diesem Blatte gelobt wurde, sang in ausgezeichnetem Vor 
trag „Im Abendrot" von Schubert, „Mariä Wiegenlied 
von Reger und „Zum neuen Jahre" von Hugo Wolf. 
Mit der Arie „Es ist genug"-aus dem Elias von Händel 
und dem „Vater Unser" von Krebs erfreute der Oro- 
toriensänger Traugott Schweizer, ein gutgeschulter,voll 
klingender Bariton. In dem geistlichen Duett für So 
pran und Bariton, Ps. 57 „Sei mir gnädig", eine an 
sprechende Tonschöpfung des konzertgebenden Organisten, 
vereinten sich die Künstler zu einem herzerfreuenden Aus 
klang des Konzertes. —s- 
o Zu riitcm Gesellschafts abend mit Tanz und künst 
lerischer Unterhaltung hatte der Frauenbund der hiesigen 
Ortsgruppe der Deutschen demokratischen Par 
tei eingeladen. In Ermangelung geeigneter Säle in 
Friedenau — der Bürger saal ist ja nur zum „An 
schauen" da — mußten die Friedenauer Demokraten die 
Gastfreundschaft der Nachbargemeinde Steglitz in Anspruch 
nehmenlrund im Saal der „Loge" ihr Festchen feiern. 
Bereits viele Tage zuvor, waren die Eintrittskarten aus 
verkauft; aber dennoch verließen sich viele auf die Abend 
kasse, an der sie nicht gut zurückgewiesen werden konnten. 
Die Folge war eine „Fülle", wie sie dieser Saal wohl 
selten zu verzeichnen hat. Zn den Friedenauer Demo 
kraten gesellten sich auch die Vertreter der Ortsgruppen in 
den Nachbargemeinden, namentlich von Steglitz. Die tanz- 
srohe Jugend kam zuerst zu ihrem Rechte. Tann, nach 
dem man" zwei Stunden das Tanzbein geschwungen hatte 
Lwei Lerlsmenie. 
Roman von F. Stolze. 
5 1 (Nachdruck bwh'tfw 
Als man oort anlangte, verhinderte Oberst von Leppel 
zunächst das Betreten des Inneren. Da es bereits zu 
vunkeln begann, wurde eine der mitgebrachten Magnesium- 
fackeln entzündet und bei ihrem Scheine die Höhle vorsich 
tig und unter Schonung des Erdbodens abgesucht. Man 
fand die Stelle, wo das Schriftstück vergraben gewesen 
war, und forschte nach, ob sich hier oder an einer anderen 
Stelle noch irgend etwas verborgen fand. Alle Mühe war 
indessen vergebens, und so kehrte man denn, da es in- 
zwischen völlig dunkel geworden war. zu dem Lager zurück, 
wo die Diener bereits in dem großen von drei Petroleum- 
lampen erleuchteten Zelt die Hauptmahlzeit vorberettet 
hatten. v 
Man unterhielt sich, während man durch Speise und 
Trank die Lebenskräfte wieder auffrischte, lebhaft über das 
Gesehene. Der Oberst und Ewald waren ziemlich einsilbig, 
auch Achim hielt mit seiner Ansicht zurück. Hauptmann 
von Born aber ließ seiner Phantasie freien Spielraum. In 
beredten Worten schilderte er die Notwendigkeit schnellen 
und energischen Vorgehens. Jeder verlorene Tag fei eine 
schwere Gefahr für den Gefangenen. Man könne' nicht 
wissen, welche Mittel Ieiinings, den er in den schwärzesten 
Farben malte, anwenden könne, um Arnold Werner ein 
Geständnis abzuprefsen. Nicht dieBaharlus seien zu fürchten, 
sondern dieser Mensch. Denn die Nomaden könne man 
leicht mit Geld abfinden, während Jennings offenbar 
ganz besondere finstere Zwecke verfolge. Er» Born, würd» 
sich gar nicht wundern, wenn dieser die Dokumente bereits 
aufgefunden habe, nach denen man hier vergebens forsche» 
und nun dem Gefangenen irgendeine Zusicherung abzu» 
nötigen suche, die ihn in den Besitz des grüßten Teile» 
der Erbjchajt jege. Und als ginge iüm plötzlich. em.Llcht 
au', heftete erden angstvollen Vl!ck«nuf Alice und rlef mit 
zitternder Stimine: 
„Mein Gott, warum habe ich daran nicht eher ge 
dacht! Ja, wenn er das Testament bereits in Händen 
hat, was wird er anders von dem unglücklichen Vater ver 
langen, als die Hand seiner Tochter? Aller ich. ich werde 
es nicht dulden l Wenn Sie alle hier tatenlos zögern, 
ich werde mit den beiden Herren, die sich mir perfönlich 
angeschlossen haben, morgen früh aufbrechen und, so schnell 
unser» Pierde laufen können, den verräterischen Schurken 
aufsuchen und ihm eine Kugel durch den Kopf jagen." 
Alle blickten den so plötzlich in eine Art von Raserei 
Ausbrechenden betreten an. Oberst von Leppel, Achim und 
Ewald Werner wechselten Blicke miteinander. Ganz beson 
ders aber wirkten die Worte des Hauptmanns auf Alice. 
Sie wurde leichenblaß und vermochte sich kaum aufrecht zu 
halten. Dann aber strömte ihr das Blut ins Gesicht und 
sie rief: 
„Ich habe zwar mein Wort gegeben, es zu ver- 
schweigen, aber ich kann es nicht länger, es wäre ein 
schweres Unrecht. Ja, der Herr Hauptmann von Born hat 
rewt. Denn dieser Jennings hat an dem Tage, bevor 
er feinen Abschied in Bombay einreichte, mir seine Liebe 
„Und das hast du uns vorenthalten?" rief Ewald ent- 
^^^Jch wies ihn verächtlich zurück und erklärte ihm, daß 
ich es meinen Eltern sofort mitteilen würde. Da bat 
er mich flehentlich, das nicht zu tun, und ich versprach es 
ihm unter der Bedingung, daß er sofort seinen Abschied 
einreiche und sich nicht wieder bei uns blicken ließe." 
„Und da» schien dir ausreichend gegenüber dieser 
hod«nlos«!^r»^chheit?ttE _ ^ abgefertigt, dag er genug 
hch'ke. Meinen Eltern ersparte ich dadurch nicht nur großen 
La, x tx, sondern ich entfernte dadurch auch den Spion aus 
unserer Rahe." 
„Du siehst, was es uns genutzt hat. Die Brand 
stiftung war seine Rache dafür." 
„Die wäre wohl nur unterblieben, wenn ich ihn 
nicht abgewiesen hätte. Dann freilich wäre er aus unserem 
Feinde unser Freund geworden. Ich denke noch heut, 
daß ich recht gehandelt habe." 
„Und ich," rief der Oberst, „denke es gleichfalls. Du bist 
ein kluges Mädchen, Alice!" 
Der Hauptmann hatte sich inzwischen beruhigt. Welch 
ein Narr er gewesen war, eine für ihn so kitzliche Sache 
überhaupt anzuregen I Und dann, hatte er denn ganz 
vergehen, daß er den Jennings nach Brindisi bestellt 
hatte? Freilich wußte er nicht, ob er^ ..gefahren war. 
Wenn er das Testament gefunden hatte, gewiß nicht. Er 
mußte vor allen Dingen wissen, wo der Mensch steckte. Vor- 
her war an einen Ausbruch gar nicht zu denken. Wie 
aber sollte er das in Erfahrung bringen? Er überlegte. 
Wie mit Blindheit geschlagen er doch war! Er brauchte 
ja nur nach Siwänd zu reiten und dort telegraphisch, 
anzufragen, ob Herr Jennings in letzter Zeit aus Shiraz 
Telegramme abgeholt habe. Noch heut abend würde 
cr's dem Oberst sagen, daß er eine Depesche nach Mosel- 
Horst zu senden habe, und vor Sonnenaufgang würde er 
abreiten. 
Er trat auf ihn zu und teilte ihm seine Absicht mit. 
Der lächelte leicht und sagte, die Expedition werde am 
Morgen des zweitnächsten Tages aufbrechen. Wenn er bis 
dahin zurückkehre, würde er noch alle vorfinden. Für den 
Fall, daß er später käme, würde er ihmeinen der persischen 
aoalleristen als Führer zurücklassen, so daß er sie späte- 
; cus im Anfang der nächsten Nacht einzuholen vermöge. 
Die Unterhaltung hatte inzwischen abgeflaut, und alle 
?:,< II sich in ihre Einzelzelte zukück, wo sie beim Scheine 
iWindlichten noch ihr« Tagebücher fortführten oder 
inander plauderten.
        
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