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Periodical volume Nr. 7, 08.01.1920

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 27.1920

Nr. 7 BerliN'Friedenau, Donnerstag, den 8. Favuar 1828 Zahrg. -27 
Orrsnscbrickr-K 
«Nachbr, unsrer i»-Orffl{noIairtI«I nur mit Quellenangabe gesta« >.f 
oW Der 17. Ausschuß dcr Landesversammlung z«-r 
Vorberatung des Grotz?Berttner Eingemeindungsentwurjes 
wird zwar. wie vorgesehen, am IS. d. MtS. zusammen- 
treten, wird aber in eine sachliche Beratung der Materie 
nicht eintreten, weil die Landesversammlung nicht über 
geheizte Räume verfügt. Wie wir aus Kreisen des Aus 
schusses hören, werden die Verhandlungen des Ausschusses 
mindestens sechs Wochen in Anspruch nehmen, auch 
die Demokraten haben jetzt beschlossen, den Entwurf einer 
eingehenden Beratung zu unterziehen. An ein Jnkrast- 
treten des Gesetzes zum I. April ist auf keinen 
Fall zu denken, weil das Plenum im März kaum noch 
zur Vorlage Stellung nehmen wird und vor allem für 
Berlin und seine Vororte die Vorbereitungen für die 
Umwandlung sich in so kurzer Zeit nicht bewerkstelligen 
lassen. 
o Umsatzsteuer. Ueber die Bestimmungen des am 
1. Januar 1920 in Kraft getretenen Unisatzsteuergesetzes 
herrschen infolge seiner erst jetzt Erfolgten Veröffentlichung 
vielfach Zweifel. Die Handelskammer zu Berlin hat eine 
kurz gefaßte Uebersicht der wesentlichsten Neuerungen in 
dem jetzt geltenden Umsatzsteuergesetz mit einem genauen 
Verzeichnis der Gegenstände, die der auf 15 Proz. er 
höhten Steuer (Luxussteuer) unterliegen, zusammenge 
stellt. Diese Uebersicht ist zum Selbstkostenpreise (10 Psg. 
für das Stück) im Dienstgebäude der Handelskammer zu 
Berlin, Dorotheenstr. 8, erhältlich. Auf Wunsch wird sie 
von der Handelskammer zu Berlin nach vorheriger Ein 
sendung des Portos und des Bezugspreises durch die 
Post zugestellt. 
o Eine wichtige Entscheidung für den Grundstücksmarkt 
hat das Oberverwaltungsgericht in einer Revisionsklage 
gegen den Schöneberger Magi st rat gefüllt. Eine 
G.m. b.H. bot als Eigentümerin des Grundstücks Viktoria- 
Luiseplatz 9 in Schöneberg dieses Grundstück einer Grund 
erwerbsgefellschaft m. b. H. zum Preiie von 1 Million M. 
zum Kauf an und erklärte sich durch notariellen Akt 
bis zum 1. April 1924 für hieran gebunden. Auf 
Grund dieser Erklärung zog der Schöneberaer Magistrat 
sowohl die Eigentümerin als auch die Grunderwcrbs- 
gesellschast zur Umsatzsteuer von 10 00O M. heran. Die 
Klage beider Gesellschasten auf Freistellung von der 
Steuer wurde vom Bezirksausschuß Potsdam zurückge 
wiesen. Auf die Revisionsklage hat das Oberverwul- 
lungsgericht diese Entscheidung ausgehoben und die Ge 
sellschaften von der Umsatzsteuer freigestellt. Der notarielle 
Vorgang zwischen den beiden Gesellschaften enthalte kein 
Rechtsgeschäft, weil das Kaufangebot von der Grunder 
werbsgesellschaft nicht angenommen worden sei. Ein 
solches Kaufangebot stelle aber kein zur Uebertragung 
des Eigentums verpflichtetes Veräußerungsgeschäft dar. 
o Die Mehllieferungen an Friedenau. Von der Wei 
zenmühle Karl Salomon u. E., erhalten wir folgendes 
Schreiben: „Sie bringen in Ihrer Nr. 1. vom 1. Ja 
nuar 1920 einen Artikel mit der Ueberschrift „Brotman 
gel". Dieser Artikel enthält mehrfache Unrichtigkeiten, 
um deren Berichtigung wir gemäß 8 11 des Preßge- 
setzes ersuchen. 1. Es ist unrichtig, daß die Gemeinde 
Friedenau von uns schlecht beliefert worden ist.'Die Ge 
meinde hatte von der ihr seitens des Landratsamtes für 
die Zeit vom 16 1 2. 19 bis 15. 1. 20 zugewiesenen Mehl 
menge vor Beginn der Versorgungsperiode 28 Proz. er 
halten nnv war bis r. •'* December mit 70 Proz. be 
liefert. 2. Es ist unrichtig, . g «>'' Mühle oft zu Ala- 
1——lilll >'■———s—1W7FI Mi MT- 1—— 
Zwei Testamente. 
Roman von F. Stolze. 
25 
(Nachdruck verboten) 
14. Kapitel. 
Der Dampfer „Sachsen" des Bremer Lloyd, auf den die 
Familie Werner in Port Said von ihrem P. and O. Steamer 
übergesiedelt war, hatte sein Endziel, Bremerhaven, er- 
reicht. Werners hatten sich ausgeschifft und, bevor sie die 
Fahrt nach Koblenz antraten, kurze Zeit im Hotel aus- 
zuruhen beschlossen. 
Die Stimmung der Farmsie war sehr gedruckt. Seck 
sie die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß Iennings dem 
Bater auf der Spur war, waren sie von tödlicher Angst 
erfaßt worden. Besonders Frau Helen hatte schwer darunter 
zu leiden gehabt. Sie war gleich nach der Abfahrt von 
Bombay infolge des Schreckens von einem nervösen Fieber 
befallen worden, das ihr Leben ernstlich bedroht hatte. Nur 
der aufopfernden Pflege der Tochter war es gelungen, die 
Krisis zu überwinden. Aber die andauernde Ungewißheit, 
die Unmöglichkeit, selbst irgend etwas zu tun, hatten so 
auf die vor kurzem »och so lebensvolle und schöne tttau ge- 
wirkt, daß sie nur noch ein trauriges Schattenbild ihrer 
früheren Erscheinung war. Sie bedurfte, bevor die Reise 
zu Lande fortgesetzt werden konnte, durchaus einiger Tage 
der Erholung und womöglich der Zerstreuung. Auch hofften 
sie, jetzt wenigstens bestiminte Nachricht aus Schloß Elch. 
ram Sei* berXable d'hote hatte Frau Helen am dritten Tage 
ihren Platz neben einer offenbar den besten Kreisen an- 
aeböriaen Engländerin von unbestiinmtem Aller gefunden, 
die der deutschen Sprache nur sehr unvollkommen mächtig 
war Da Frau Helen, dem langen Zusammenleben mit 
ihrem Manne zum Trotz, doch immer noch ihre Mutter« 
lvrache bevorzugte und sich des Deutschen nur bediente, wo 
es sich nicht umgehen ließ. entspann sich zwischen den beiden 
Landsmänninnen bald eine lebhafte Unterhaltung. Die 
gen Anlaß gegeben hat Nus sind schon seit Monaten 
keinerlei Klagen zugegangen. 9. Es ist unrichtig, daß wir 
mit R ücksicht auf die am 1. Januar d. Js. eintretende 
Erhöhung des Mehlpreises Lieferungen zurückgehalten 
haben. Die Preisberechnung des Mehles erfolgt durch 
die Teltower Kriegswirtschaftsgesellschaft im Auftrage und 
für Rechnung des LandratSamkes Teltow. Unsere Mühle 
hat also mit der Preisfestsetzung überhaupt nichts zu 
tun, sodaß also eine Zurückhaltung aus dem von Ihnen 
vermuteten Grunde nicht in Frage kommen kann. Ach 
tungsvoll gez. Weizenmühle Karl Salomon & Go." 
oW Eine neue Berkehrssperre in Sicht! Wie mir 
hören, trägt sich das Reichsverkehrsministerium mit dem 
Gedanken, in den nächsten Tagen eine erneute Verkehrs 
sperre anzuordnen, da infolge des Frostes die gesamte 
Kohlenversorgung ins Stocken getommen ist und der ge 
samte Lokomotiopark in den Dienst der Kohlenversorgung 
gestellt werden soll. 
o 1. Gemeinde-Schule Friedenau, Elternversammluug. 
Da die Wahl zum Elternbeirat auf den 22. Februar 
verschoben ist, findet die zweite Etternversammlung nicht 
an diesem Sonntag, 11. Januar, statt, sondern an einem 
späteren Termin. Derselbe wird durch den „Friedenaner 
Lok.-Anz." und die Schulkinder rechtzeitig bekannt gegeben 
o Die Fürsorgcstelle für Tuberkulöse und Alkohol- 
kranke ist, wie vielen Mitbürgern bekannt sein dürste, 
durch Herrn Dr .med. H e i u e ck e r begründet worden, 
der dann auch von der Gemeindevertretung als Für- 
sorgearzt angestellt wurde. Durch seine Internierung in 
Brasilien war Herr Dr. Heinecker nicht in der Lage, 
seine Tätigkeit hier auszuüben und in seiner Vertretung 
übte Herr Sanitätsrat Dr. Thurmann die Leitung der 
Fürsorgestelle aus. Im Februar d. Js. kündigte nun die 
Gemeindeverwaltung Herrn Dr. Heinecker die Stelle, „weil 
nicht zu übersehen sei, wann und ob er wieder hierher« 
zurückkehren würde!" Herr Dr. H., der am 23. De 
zember v. Js. wieder in Friedenau eintraf und der durch 
seine Internierung in Brasilien hier seine Praxis, kurz 
alles, verloren hatte, glaubte, daß er wenigstens in die 
Stelle des Fürsorgearztes zurückkehren könnte. Nun emp 
fing er zu seiner großen Ueberraschung die Kündigung. 
Eigenartig ist jedenfalls die Begründung der Kündigung 
im Februar 1919, nachdem der Waffenstillstand eilige, 
treten und der Friedensschluß bevorstand. Wäre diese rBe 
gründung vor 2 bis 3 Jahren gegeben worden, iuii e 
man sie verstehen können. 
o Rorvialifserung dcr Papierformate. Die NornuAi 
sierungs- und Typisierungsbestrebungen, die bekanntlich 
eine Vereinfachung und Verbilligung der heimischen Pro 
duktion erstreben, wurden neuerdings auch auf die Pa 
pierindustrie ausgedehnt. Es fanden unter Beteiligung 
des Reichswirtschaftsministeriums kürzlich in Leipzig Be 
sprechungen statt, welche die Normalisierung der Papier 
formate' zunächst für den behördlichen und geschäftlichen 
Verkehr betrafen. 
o Zur Kapitalflucht. Der Vorsitzende der Veranla 
gungskommission in Steglitz teilt uns mit, daß als 
Dienststellen im Sinne des § 3 der Verordnung über Maß 
nahmen gegen die Kapitalflucht vom 24. Oktober 1919 
bis zur Bildung dcr Finanzämter die Staatssteuerämter 
(Einkommensteuer-Veranlagungskommissionen) gelten. 
o Den achtzigsten Geburtstag feiert am 9. Januar 
1920 in seltener Frische und Rüstigkeit in Friedenau, 
Bachestr. 2, die geschätzte Landschaftsmalerin Marie 
Maul. Gebürtig aus Ostpreußen, fand trotz längerer, 
Reisen in Italien und der Schweiz fast ausschließlich die 
norddeutsche Flachlandschaft mit ihrem intimen Stim- 
sremde Dame entpuppte sich als eine Schottin aus altem 
gälischen Geschlecht, und so brachte denn die engere Lands- 
inannschaft beide Damen einander noch näher. Sie tauschten 
Jugenderinnerungen aus: die neue Freundin berichtete 
von ihrer Heimat in den Hochlanden, die sie nur immer 
auf kurze Zeit verlassen hätte, da sie ihrem verwitweten 
Vater die Stelle ihrer von ihm abgöttisch geliebten Mutter 
hätte ersetzen müssen. Jetzt, wo er hochbetagt gleichfalls) 
dahingeschieden sei, und sie ganz allein dastehe, wolle sie' 
nach Lberbayern, wo ihre einzige Schwester mit einem 
deutschen Arzt verheiratet sei, der sie auf einer Erholungs 
reise in den schottischen Hochlanden kennen gelernt have. 
Dies überraschende Zusammentreffen der Schicksale 
öffnete auch Frau Helens Seele ganz und beseitigte den 
letzten Rest von Zurückhaltung. Es war ihr eine Herzens 
erleichterung und eine wahre Erquickung, auch über ihr 
Schicksal berichten zu können. Sie erzählte, wie sie gleich 
falls einen Deutschen, der als Ingenieur in London ge 
lebt und einen Ausflug nach Schottland gemacht, dort 
kennen und lieben gelernt habe, wie ihr Vater, ein Geist 
licher, ihre Liebe gebilligt und ihren Bund vor jetzt mehr 
als zwanzig Jahren in seiner Dorfkirche eingesegnet habe. 
Auch darin seien ihre Schicksale gleich, daß beide Eltern 
ihr gestorben seien. Da sie aber das einzige Kind ge 
wesen, würde sie ohne ihren Mann und ihre beiden Kinder 
einsam in der Well dastehen. Sie benutzte dann die Ge 
legenheit, ihre neue Freundin näher init Ewald und Alice 
bekannt zu machen, die der Plauderei bis dahin still zu 
gehört hatten, sich von jetzt ab aber lebhaft daran be 
teiligten. 
Auf die Frage der fremden Dame. weshalb der Gatte 
und Vater denn in Bombay zurückgeblieben fei, erklärte 
Frau Werner, daß dies keineswegs der Fall fei, daß er 
sich aber von ihnen getrennt und den kürzeren, aber be 
schwerlicheren Ueberlandweg eingeschlagen habe. Und als 
die fremde Dame hierüber ihr Befremden äußerte, be« 
gründete Frau Werner die Trennung dadurch, daß ihr 
Mann den Landweg für gewisse Dokumente, die er mit 
sich führe,.als sicherer erachtet hätte. 
mungsreiz lebendigste Wiedergabe in den Bildern von 
Marie Maul. In einer Zeit. als cs für eine Frau noch 
ungewöhnlich war, sich der Kunst als Beruf zu widmen, 
studierte die Künstlerin in Königsberg, Elbing, München 
und Berlin. Seit vierzig Jahren lebt sie hier. Auf der 
Großen Berliner Kunstausstellung, wo sie auch ein Bild 
von der Schichaner Werft zeigte, das Kaiser Wilhelm II. 
ausfiel, der es erwarb, war die Künstlerin in früheren 
Jahren häufig mit Arbeiten vertreten. Auch die Stadt 
Elbing erwarb mehrere ihrer größeren Werke, und zu 
Ehren der Jubilarin veranstaltet der Verein der Künst 
lerinnen zu Berlin, dem sie fast seit Bestehen angehört, 
eine Sonderausstellung. 
o Der silberne Falkenknopf. In Ergänzung unserer 
Nachricht vom 25. Dez. v. Js., wonach 9 Mitglieder dcr 
F. E. W. den siibernen Falken erhalten haben, teilen wir 
noch mit, daß außerdem auch dem steift». Führer der 
E. W., Herrn Wolfs, der silberne Falkenknopf als An- 
erkennung für verdienstvolle Tätigkeit in der Wehr seitens 
der Zentralstelle für Einwohner-Wehren überreicht wov- 
den ist. Wir bemerken hierzu noch, daß der silberne 
Falkenknopf keine Auszeichnung der Einwohner- 
wehrmikglieder darstellt, sondern nur eine Anerkennung 
für verdienstvolle Tätigkeit. 
o Ernennung. Der Rechnungsrat in dcr Admiralität 
Hanke ist zum Marine-Jndentanturrat mit der Amtss- 
bezeichnung Admiralitätsrat ernannt worden. 
o Verwendung von Steinsalz zu Pökelzwecken. Bei 
den jetzt zahlreich stattfindenden Hausschlachtunaen wer 
den die knappen Vorräte an Siedesalz, die auf dei> 
Kohlenmangel der Salinen zurückzuführen sind, häufig 
äußerst störend empfunden. Es erscheint daher angebracht, 
auf die Verwendbarkeit des Steinsalzes zum Pökeln hin 
zuweisen. Nach gutachtlichen Aeußerungen von Gewerbe 
treibenden bestehen grundsätzlich gegen die Verwendung des 
Steinsalzes zu Pökelwecken keine Bedenken. Eine der 
größten Konservenfabriken verwendet es bereits seit 
Jahren. Nun kann die „Schärfe" des Steinsalzes leicht 
zum Versalzen des Fleisches führen, wogegen eine Be 
schränkung der Steinsalzmenge auf zwei Drittel der Sicde- 
salzmenge beim Pökeln des Fleisches oder längeres Wässern 
des mit Steinsalz gepökelten Fleisches vor dem küchen 
mäßigen Gebrauch schützen soll. Empfohlen wird auch, 
Steinsalz nur in mittlerer Körnung zü verwenden, da 
die leichtere Mahlung vielfach hart zusaminenballt. 
o Mancher Ossiziercwitwc und Offiziersangehörigen, 
die von ihrer Hünoe Arbeit leben muß, ist mit dcr Nach 
richt gedient, daß die vom „Bund tzeiitscher Offizier 
frauen" gegründete Ofsizierhans-Verwertungsstelle, Ber 
lin SW. 11, ihre Handarbeitsabteilung auszudehnen beab 
sichtigt und künstlerisch ausgeführte Handarbeiten, Gemälde 
und Hausgegenstände zum Verkauf übernimmt. 
o 83 000 Mark Unterstützungen durch den Deutschen 
Kriegerbund. Vom 5. Oktober bis 15. November 1919 
wurden an Unterstützungen bewilligt: a) vom Deutschen 
Kriegerbund: an Kamevaden-Unterstützungen 19 971 Mark, 
an Notstands-Unterstützungen 2240 Mark an Stockmarr-- 
Gaben 1700 Mark, an Witwen-Unterstützungen 43 491 
Mark, aus der Sammlung für erblindete Teilnehmer am 
Kriege 1914-18 210 Mark, aus der Sammlung für Hiw- 
terbliebene 1914-18 gefallener Kameraden 10 000 Mark, 
ans der Pasch-Greve-Stiftung 1150 Mark, zusammen 
78 762 Mark, b) vom Preußischen Landes-Kriegerverband: 
ans dem Fürsorge-Fonds 4430 Mark, an Witwen-Unter 
stützungen 450 Mark, insgesamt: 83 642 Mark. 
o Humboldt-Hochschule. In der Friedenaner Zweigo 
stätte (Goßlerstr. 15) wird Privatdozent Dr. Daun am 
Ein blitzartiges Leuchten flog über das Gesicht der Dame, 
machte aber sofort wieder dein vorigen Ausdruck Platz. 
Nach einigen kurzen weiteren Beinerkungen empfahl sie 
sich, indem sie erklärrc, sie sei von der Ueberfahrt über den 
Kanal noch sehr mitgenommen und müsse Kraft für den 
folgenden Tag sammeln. 
Als sie den Speisesaal verlassen hatte, sagte Ewald 
leise: 
„Ich traue der Person nicht. Wir hätten vorsichtiger 
ihr gegenüber sein sollen." 
„Was hast du denn gegen sie?" fragte Helen er 
staunt. „Ich finde sie reizend." 
„Das tat ich auch, bis du erwähntest, daß der Baker 
die Dokumente mit sich führe. Da flog ein triumphierender 
Zug über ihr Gesicht. Hast du das nicht bemerkt?" 
„Keine Spur habe ich davon gesehen I" 
„O doch, Mama!" rief Alice. „Und dann kam mir 
das ganze Gesicht, aller Regelmäßigkeit zum Trotz, doch 
so sonderbar vor: bald war es alt, bald jung, bald sah 
es verfallen, bald wie von Gesundheit strotzend aus. Wie 
geschickt sie auch von dir alles über die Art deiner Be 
kanntschaft mit Papa herauszudringen wußte, und wo du 
mit Großvapa gelebt hast." 
„Kinder," rief die Mutter, „das ist nichts als Schwarz- 
seherei. Die Dame gefüllt mir, und damit gut!" 
Dann erhoben sich alle drei und suchten ihre Schlaf 
zimmer auf. 
Als die fremde Dame in ihr Zimmer trat, schloß sie 
vorsichtig die Tür hinter sich ab, setzte sich an ihren Schreib 
tisch, entzündete die eleitrische Lampe und warf flüchtig 
den folgenden Brief aufs Papier: 
Mein Herzene-Äurtl 
Triumph, ich me ß al!<A! Werner hat die Dokumente I 
Oie Trauung hat in Ävoeville ve, Edinburgh startae»
        
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