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Volume Nr. 78, 04.04.1918

Full text : Friedenauer Lokal-Anzeiger (Public Domain) Ausgabe 25.1918 (Public Domain)

gäbe  vor,  bic  er  namens  ber  50  Pächter  des  Spielplatzgrundstücks
  am  Mahbachplätz  an  den  Gemeindevorstand
gerichtet  hatte.  Ter  Gemeindevorstand  habe  bic  Benutzung
des  Platzes  zu  Kleingärten  in  diesem  Jahre  verweigert
und  will  aus  Betreiben  der  Schuldezeruenten  v.  Wrochcm
und  Ott  ihn  wieder  als  Spielplatz  Herrichten.  Tiefe  (Lin.
richtung  verursacht  der  Gemeinde  aber,  da  der  Platz  mit
Kartoffelmieten  durchfurcht  ist,  sehr  hohe  Kosten.  Außerdem ­
  aber  hätten  die  Pächter  des  Vorjahres  nach  einer
BuudeSratsverorduuug  Anspruch  darauf,  daß  man  ihnen
den  Platz,  der  im  vorigen  Jahre  mit  erheblichen  Aufwendungen ­
  des  Einzelnen  zur  Bestellung  mit  Feldfrüchten
hergerichtet  wurde,  wieder  zur  Verfügung  stelle.  (Lr  bat
nun,  daß  der  Verein  die  Pächter  in  ihren  .Bemühungen
unterstütze  und  gleichfalls  sich  in  einer  Eingabe  an  den
Gemeindevorstand  wende.  Der  Vorsitzende  sagte  dies
zu  und  Herr  Rechnungsrat  Richter  bemerkte  noch,  daß
die  Gemeinde  verpflichtet  sei,  den  Platz  wieder  zu  Familiengärten ­
  zur  Verfügung  zu  stellen,  nachdem  sie  dies
im  Vorjahre  getan  habe.  Mau  möge  da  gar  nicht  so  zughaft'vorgehen. ­
  Die  Gemeindeverwaltung  habe  von  jeher
für  diese  Bestrebungen  wenig  Verständnis  gezeigt  und
selbst  zu  einer  Zeit,  wo  ihr  noch  freie  Grundstücke  für
Laubengärten  zur  Verfügung  standen,  sich  ablehnend  verhalten. ­
  Es  wurde  dann  beschlossen,  lvegen  der  Wiederverpachtung ­
  des  Spielplatzes  am  Mahbachplatz  zu  Fainiliengärteii
  eine  Eingabe  an  den  Gemeindevorstand  zn
richten.  Ter  Vorsitzende  schloß  darauf  die  Versammlung
gegeii  V«1  l  Nhr.  —  Die  Verteilung  der  F  r  ü  h  k  g,r  l  o  f  -
selb  findet,  wie  uns  heute  vom  Vorstände  mitgeteilt  wird,
am  Sonnabend,  den  «..'April,  abends  zwischen  >i  iiitb
8  Uhr  im  Gartenhause  i  Erdgeschoß)  Roldvrnstr.  «!,  statt.
Da  nur  geringe,  Menge»  Frühkartoffel»  geliefert  wurden,
müssen  sich  die  Mitglieder  mit  einer  geringeren  als  der
bestellte»  Menge  begnüge».  Wer  am  Sonnabend  in  der
Zeit  von  0—8  Uhr  Frühkartoffeln  nicht  abholt,  kann  später
solche  stächt  mehr  erhalten.
o  Be  re  i  n  e  he  m  a  l  ig  er  A  b  i  1u  ticUten  v  om
Fr  ied'en  au  e  r  G  hm  n'asi  u  m.  Nächste  Zusammenkuitft
  Montag,  den  8.  April,,  abends  8s  Uhr  im  Ratskeller.
o  33  er  einig  un  ß  e  hem.  Schülerinnen  der  Königin-- ­
  Lu  i  j  c  °  S  ch  u  l  e.  Die  nächste  Eporstimde  ist  nickst  morgeil
  abend,  sondern  mir  -Freitag,  den  >2.  Avril.
o  D  a  b  2.  W'i  n  t  e  r  konzert,  das  die  verriiiigien
Männerchöre  Fricdenauer  Männer-Gesang-Vereiii  1875  und
Mäimer-Gesang-Verein  Groß-Lichterfelde-West,  unter  Leitung ­
  ihres  bewährten  Ehorrneisl?rs.  Herrn  Wil  hellst
Schmidt,  am  l.  Osterfeiertag  in  der  Loge  in  Steglitz
veranstalteten,  hatte  sich  eines  außerordentlich  starken  Besuches ­
  zu  erfreuen.  Nicht  allein  der  große  Konzertsaal,
auu)  die  anliegenden  Nevensäle,  waren  dicht  gefüllt  und
viele,  die  sich  einen  Kunstgenuß  verschaffen  wollten,  mußten ­
  ans  einen  Sitzplatz  verzichten.  Gesang  erfreut  der
Menschen  .Herz.  In  Freude  und  Leid,  bei  geistliche»  und
weltlichen  Veranstaltungen,  immer  ist  es  das  Lied,  das
die  Herzen  erhebt,  sie  fröhlich  stimmt  oder  den  Schmerz
mindert.  Die  beiden  Männerchöre,  die  von  jeher  schon
getrennt  das  deutsche  Lied  mit  voller  Hingabe  pflegten,
haben  durch  ihre  Vereinigung  in  der  Kriegs,zeit  den  alten
guten  Chor  erhalten  und  in  Herrn  Wilhelm  Schmidt  einen
Leiter  gefunden,  der  ihnen  in  ihrem  eigenen  Streben  zur
Vollendung  verhilft.  ES  wäre»  wieder  tünstlerifch  hoch  zu
wertende,  achtbare  Leistungen,  die  der  Chor  in  seinem  2.
Wipterkonzert  uns  bot.  Die  Schulung  und  damit  die  Vortragsart ­
  ist  vortrefflich;  besonders  anzuerkennen  ist  die
Tongebung,  klar  und  rein,  und  die  musterhafte  Aussprache,
durch  die  jedes  Wort  zu  verstehen  ist.  Auch  die  Vortragsfolge ­
  selbst  war  gut  gewühlt  und  ließ  künstlerische  Auffassung ­
  erkennen.  Dem'  Tage  entsprechend  begann  der  Chor
mit  geistlichen  Liedern:  „Vespergesang"  von  Kämpf  und
„Ave  Maria"  von  Franz  Abt:  seierlicb  rauschten  die  Klänge
dieser  herrlichen  Weisen  burrt>  den  Raum;  schön  klang  vor
allem  das  Tenorsolo  ln  dem  „Ave  Maria".  Nun  folgten
.Heimatlieder:  „Vom  Ammersee"  von  Otto  Löffler  und
„Die  Heimat  am  Rhein",  von  Earl  Attenhofer.  „Morgen,
im  Walde"  von  Hegar  und  „Elsula"  von  Hans  Wagner
begrüßten  den  neu  erwachenden  Frühling.  Dann  kamen
Volkslieder  im  heiteren,  lieblichen  Ton,  so  recht  natürlich
und  vom  Herzen  gesungen:  „Aeniicheu  von  Tharau".  die
melodiöse  rheinische  Volksweise:  „Mädchen  mit  den  blauen
Augen",  das  nette  „Ja,  schön  is!  mein  Schatz  nicht"  und
am  Schluß  das  lustige  Taiizliedche».  Rauschender  Beifall
dankte  den  braven  Sängern  und  ihrem  wackeren  Chormcistcr

  bei  jeder  Darbietung  und  stürmisch  wurde  am
Schluß  die  Wiederholung  des  Tanzliedes  verlangt.  Auch
für  gute  Abwechselung  in  dcr  Vortragsreihe  war  gesorgt.
Nach  langer  Zeit  wurde  uns  ipieder  der  Genuß  bereitet,
die  liebenswürdige  Sopranistin,  Fräulein  Elly  Recke  zu
hören  und  ihrer  entzückenden,  reinen,  klangschönen  Stimme
zu  lauschen.  Vor  allem  ihre  Schulung  ist  glänzend  und
damit  ihr  Vortrag  hervorragend.  Das  bewies  sie  i»  den
Tchubertschen  Liedern:  „Der  Jüngling  an  der  Ouelle",
„Die  Forelle",  „Ter  Vogel  im  Walde",  wie  mit  den
„Vögele  im  Tannewald"  von  Hauser,  in  Mar  Brnch's
heiterer  „Carmofenella"  und  in  dem  niedlichen  Kinderliebe
„Hemdenmatz".  Ohne  eine  Zugabe  ließ  die  beiialtzssrendige
  Zuhörerschaft  sie  nicht  abtreten.  Fräulein  Ellh  Recke,
die  viele  Jahre  lang  als  Gesanglehrerin  unsere  Mitbürgerin
war,  mußte  vor  kurzem  ihre  Wohnung  nach  Berlin.  Kleiststraße
  28,  verlegen,  wo  sie  auch  fernerhin  Gesangsschüleriiinen
  und  -Schüler  ausbilden  wird.  Herr  Edmund  G  o  l  d  -
fisch  erfreute  als  Pianist  mit  dem  technisch  schönen  und
innigen  Vortrag  der  XII.  ungarischen  Rhapsodie  von  Franz
Liszt,  der  Etüde  Ges-dur  und  dem  Noetiirne  Fis-dur  von
Ebopin.  Auch  seine  nach  lautem  Beifall  gespendete  Zugabe
war  eine  Ehopiiische  Vertonung.  So  wurde  allen  Besucher» ­
  ein  schöner  Osterabend  bereitet.
o  A  u  s  w  e  i  f  c  bei  R  eise»  an  bic  We  st  g  r  e  n  z  e.
Durch  Verordnung  der  zuständigen  ftellv.  Generalkommandos ­
  ist  bereits  seit  etwa  dreiviertel  Jahren  die  Zureise
in  de»  an  die  deutsch-holländische  und  deutsch-belgische
Grenze  stoßenden,  auf  deutschem  Gebiete  liegenden  Grenzstreifen ­
  abhängig  gemacht  von  der  Erlaubnis  des  betr.
Greiizlaudrais,  der  einen  besonderen  Ausweis  hierzu  erteilt. ­
  Ferner  ist  das  Betreten  und  Verlasse»  einer  grö-Cs
  Ut  vMMWeWMiilgMWt  z.zMne».
Mimnd  öatl  sich  Ihr  entzieh«»!!
tzereii  Anzahl  von  Bahnhöfe»  in  dein  an  diese»  mit  Ausweiszwang
  belegten  Grenzstreifen  landeinwärts  angrenzenden ­
  Gebiete  nur  Personen  gestatte«,  die  eine»  von  der
deutschen  Behörde  ausgestellten  Personalausweis  besitzen.
Dieser  Ausweis  muß  mi«  einem  Lichtbilde  des  Inhabers,
dessen  eigenhändiger  Unterschrist,  sowie  mit  einer  aint-Itd’i'iT
  Bescheinigung  dariiiuer  versehen  sein,  daß  der  Inhaber ­
  tatsächlich  die  durch  das  Lichtbild  dargestellte  Person
ist  und  die  Unterschrift  eigenhändig  vollzogen  Hai.  Trotzdem ­
  kommen  immer  wieder  Reisende  in  dies  Sperrgebiet
ohne  die  erforderlichen  Ausweise  und  müssen  unverrichteier
  Sache  die  Rückreise  antreten,  abgesehen  von  der  etwa
verwirkten  Strafe.  Es  ist  daher  raisam,  vor  Antrilt  einer
Reise  in  das  Gebiet  in  der  Nähe  der  holländischen  oder'
belgischen  Grenze  sich  mit  den  einschlägigen  Bestimmungen
vertraut  zu  machen.
o  L  i  e  s  e  r  ii  ii  g  s  v  e  r  träge  f  ü  r  F  r  ü  h  -  und
H  e  r  b  st  g  e  m  ü  s  e.  Nach  fl  5  der  Verordnung  über  Gemüse, ­
  Obst  und  Südfrüchte  vom  5.  April  1017  RGBl.
S.  507)  ist  die  Reichsstelle  für  Gemüse  und.Obst  verpslichtei,
  die  Preise  und  Bedingungen  ihrer  Normalverträge
in  rrtsüblicher  Weise  bekannt  zu  machen.  Dieser  Verpslichtnng
  ist  die  Reichsstelle  durch  Veröffentlichung  ihrer  Liefern ­
  ngsverträge  des  Jahres  1018  für  Früh-  und  Herbstgemüse ­
  und  über  gelbe  Kohlrüben  im  Neichsanzeiger  Nr.  78
nachgekommen.
o  Z  u  m  A  b  s  a  tz  v  o  n  O  l>  st  w  e  i  n.  Anläßlich  der  Freigabe ­
  des  Absatzes  von  Heidelbeerweiii  unter  Festsetzung
tu  ii  Höchstpreisen  sind  von  der  Geschäftsabteiluiig  der
R  i  hsstelle  für  Gemüse  und  Obst  die  Absatzbedingungen  im
R  ichSanzeiger  Nr.  71  für  alle  übrigen  Obstweine  bekannt
gegeben.  Die  bisher  gültige  Pekaiiiitmachnng  vom  10.
D.zember  1017,  die  zu  Zweifeln  Veranlassung  gegebeit
ha',  kommt  hierdurch  in  Wegfall.
c>  Zur  N  ä  h  s  a  d  e  n  -  V  e  r  t  e  i  l  u  n  g.  Es  ist  der  Rcichsbeckeibuiigsstelle
  nickn  möglich,  die  überaus  zahlreichen  Anfragen
ü!er  die  Nälifaden-Vcrteiliiiig  zu  beanlwvrtcn.  Privatversonc»,
Firiicn  und  den  .Kvnimuiialvcrbäiidcn  unterstellten  Stadien  und
ch.i::rinden  wird  deshalb  anbciingegeben,  sich  mit  Anfragen  au
ih-f  Kammuiialverbände  zu  wenden.  Eine  Beantwortung  durch  die
R.  icisbelleidniigsstelle  lann  und  wird  nicht  mehr  erfolgen.
o  A  b  g  a  b  e  l>  e  s  ch  e  i  n  i  g  ii  ii  gen  unbeschränkt  g  ü  !
i  i  g.  Zur  Förderung  dcr  Abgabe  getragener  Kleidungsstücke  und
Bische  wird  erneut  daraus  hingewiesen,  daß  die  Abgabebcscheini

gung  in  ihrer  Nnlligleilsdauer  unbeichränki  ist,  während  der
Bezugsschein,  der  gegen  Abgabe  der  Abgabedescheinigiing  ausgestellt ­
  wird,  nur  eine  Gülligkeitsdauer  von  zwei  Äonaien  besitzt.
Wer  sich  aus  den  durch  die  Abgabcbescheinigung  erlangten  Bezngsjchcin
  hin  neue  Gegenstände  erst  zu  einem  späteren  Zcilpuntle  anschassen
  will,  wird  daher  mir  Beantragung  des  Bezugsscheines,
um  dessen  Verfall  zu  vermeide»,  zweckmäßig  solange  warte»,
bis  die  Zeit  der  Aiischaffniig  auch  wirklich  gekommen  ist.
o  Fund  bericht  Als  gefunden  ist  unserem  Fundbüro
lRalbaus)  gcmeldcl:  eine  Einkaufstasche  «aus  Stoff  gearbeitet  .

Sc^öneberg
—o  D  a  s  V  erd«  e  II  st  t  r  e  II  z  i  ü  r  K  r  i  e  g  s  hilf  c
erhielt  die  Vorsitzende  des  Schöneberger  Hmlssranenvereins
  und  Vorstandsdame  des  Berliner  Krippenvereins,  Frau
Sanitätsrat  Dr.  Ried  e  l.
—o  D  i  e  Spar  lasse  der  Stadl  Berlin-Schön
  e  b  e  r  g  zeichnete  aus  ihrer  Sicherheitsrücklage  einen
weiteren  Betrag  von  240  000  Mark  auf  die  achte  K  r  i  e  g  san
  lei  1)0.  Die  Zeichiiungssnmme  hat  sich  damit  auf
,4  240000  Mark  erhöht.

Berlin  uncl  Vorort
tsv  V  v  >i  d  e  r  N  e  u  g  u  s  st  e  l  l  u  n  g  ei  n  e  r  ltz  e  -
ni  e  i  n  d  e  w  ä  h  l  e  r  l  i  st  e  wird  in  C  h  a  r  l  o  t  t  e  u  b  u  r  g  ,
wie  in  den  letztvergangenen.Kriegsjahren,  jo  auch  n:  diesem
Jahre,  Abstand  genommen.  Für  die  im  Jahre  I0l8  vrrzunehineuden
  Ergänzuugswapleu  zur  Stadtverordnetenversammlung ­
  wird  die  Wählerliste  von  1014  zugrunde  gelegt ­
  werden.
Ko  Die  E  ii  a  r  l  o  I  l  c  n  l>  »  r  g  e  r  li  ö  !'  ?  r  e  2n  aldschule
  wird  a.icki  in  diesem  Sommer  geschlossen  bleiben-Ko
  F  o  r  t  b  i  l  d  u  ii  g  s  t  n  r  f  n  s  f  ü  r  e  r  w  a  ei>  s  e  n  e
Arbeiter  in  E  h  a  r  l  o  i  t  e  n  v  n  r  g.  Die  von  der
Stadl  Eharlprtenbnrg  unenlaeltlich  veranstahstten  freien
Kurse  und  Vorlesungen  zur  Fortlnldiiug  erwachsener  Arbeilrr
  und  Arbeii-erinnen  beginnen  am  Montag,  den8.
April,  abends  8—10  Nhr,  in  der  Wallst  ra  ste  >0,  Hof,
Zimmer  I.

6eri6)tli6)es
:,  V  o  ii  de  r  dl  »klage  de  s  K  r  i  e  g  s  w  n  ch  e  r  s
freigesprochen.  Das  Schöffengericht  Berlin-Schöneborg
  hatte  den  hier  wohnenden  Faprilanten  Georg  G  r  a  u  d
wegen  Kriegswuchers  zu  5  Monaten  Gefängnis  und  10000
(Keldsirafe  verurteilt.  Der  Angeklagte  hatte  einen  Brotaufstrich ­
  unter  der  Bezeichnung  „Pflanzenmus  mit  Fruchtgeschmack"
  fabriziert  und  den  Handel  gebracht.  Das  Rezept
hierzu  hatte  er  erworben  und  dafür  eine  Li.zengebühr  grzahll.
  Die  Antlage  wegen  Nahrungsmittelsälschiing  halte
schon  das  Schöffengericht  fallen  lassen.  (Kegen  die  Vernrlriliing
  lvegen  Kriegswuchers  aber  legte  der  Angeklagte  Berufung ­
  ein,  über  die  gestern  die  l.  Strajkammer  des  Landgerichts ­
  II  zu  verhandeln  hatte.  Diesmal  lagen  Gutachten
eines  Vlichersachverstäildigei,  und  bestimmte  Zeugenaussagen
vor.  Wie  bewiesen  wurde,  erzielte  er  nur  einen  Gewim
von  5,25  v.  H.  Mithin  wurde  Grand  freigesprochen.

Wargaukatalomben.
Aus  dein  Felde  wird  uns  geschrieben:
Felsen  ist  hart  und  sträubt  sich  den  Menschen.  Den
Graben  muß  man  meißeln  und  sprengen,  und  Jhe  Brisanzgeschosse
  des  Gegners  zerspripen  in  lausend  Splitter,  die
keine  Erde  erstickt.  Auffliegendes  Gestein  verdoppelt  die
Splittergefahr.
Liber  der  Fels  ist  auch  hart  und  schützt  die  Menschen.
Man  muß  es  sich  nur  Mühe  kosten  lassen.  Dann  entstehen
die  kühlen  Felsenkammern,  die  Gänge,  die  Treppen  und
Schachte,  die  dunkeln  Kammern  im  Urgebirge.  an  deren
Wänden  und  Decken  das  Licht  entlang  huscht.  Wir  kämpfen
hier  aus  deutscher  Erde  und  bohren,  wie  vor  Jal'rhundrrier
schon  die  Ritter  des  Wasgeuwaldes  taten,  unsere  Fesliinarn
in  den  Felsen  unserer  Heimat,  des  deutschen  Elsaß.  Keine
Granate  kann  den  Mann,  der  im  Herzen  des  -Gesteins
rastet,  stören.
Auch  der  Schrecken  des  Feindes  haust  da,  das  Maschiiiengewhr.
  In  einer  niedrigen  Kammer  hockt  es,  schwarz
und  kalt  wie  eine  Hundeuase.  Es  sieht  seltsam  lebendig

da  siand  drüben,  wo  die  violette»  Linien  der  gegenstvcrl
  eienden  holsteinischen  Küste  mit  dem  Himmel  sich  zu  ver
niägleii  schi.ne»,  unvewegl  ch  ein  schmaler,  duniler  Streisen.
Dcr  verhieß  anderes  Wetter.
Apjs  neue  fuhr  Hanne  zusammen.  War  das  schon
jenes  fürch'teili  e  Etwas,  das  Hinnerk,  das  ihre  Liebe  verschl
  >  gen  würde?
eine  u,i  äg  ichs  Angst  pa  'te  sie,  eine  entsetzliche  Angst,
cs  rönne  ihr  eine  Maiute  verloren  gehe»  von  dem  ihr
vergönnten  Glück.  Und  krampfhaft  ilamiiierte  sie  sich  an
hinnerk  fest.

LUtgst  war  die  Nicht  ge!om»>en;  eine  prächtige  Nacht
voll  tiesdiliikleii!  Blau  und  Silbr:glanz.
Und  noch  immer  taiierien  die  Liebenden  in  dem
Sch'alkeii  des  hohen  Deickics.  iahen  sick,  in  die  Augen  und
schienen  sich  nicht  voiiriiwiic  er  losreißen  zu  können.  Sie
hatten  sjcki  »vch  eine  Welt  von  Werten  zu  sagen  in  diese»
legten,"kostbaren  Aiinutel'-Ein
  Glockenschlag  hallte  von  irgendwoher  durch  die
Nacht.
Hinnerk  !ai:s.i:te  und  ziUüie  die  Schläge,  mit  am
gehglteiieiii  Atem  und  tiopfendem  Herze».
—  acht  —  neun  —  ,;ei  n!
Die  Treiuniiig  war  eii.  Um  zw  1s  ging  die  ^Möwe^
elbübrvärts,  um  bei  Hoch  wag  er  die  Barre  passieren  zu
können.
In  aller  Eile  strebten  die  ^icbenden  wieder  der  Stadt
rni;-  immer  dötn  Deiche  folgend,  den»  cs  war  die  höchste

Zliit.
Mehrere  Male,  wenn  der  Weg  gar  zu  schlecht  lonrbe,
nahm  Hinnerl  die  Geliebte  auf  seine  starken  Arme  und  trug
sie  leicht  dahin,  al?  sei  sie  noch  ein  kleines  erchirlinadcheii.
lind  Hanne  schlang  die  Ar.ue  um  des  Geliebten  Hals,
schloß  die'Augen  und  manschte,  die  Straße  nirge  nie  lind
ntlnnier  rndeii.
Das  (Alockeiispiel  an«  der  Katha>ii:eniirche  verkündete
mit  seiner  stltsauien  Und  feierlichen  Weise  die  letzte  Stunde
vor  Mitt  riiacht,  da  leg'0  der  Zu!  ensü  neroa-npjer,  den  man
v»i  Cra-öroor  i;.  iuiij.-j.ili  der  an,

Schneeig  fdiiniircite  deren  weißer  ’Rmipf  in  öct
t'mifcihcit  der  Raäit  der  Schlepper  Igg  schon  bereit,  und
seine  bunten  Sei  eiila  ci  neu  glühten  ins  Weile.
Noch  ein  letzter,  langer  Kuß  in  der  kleinen  Kajüte  des
1  liensülirers,  eine  letzte  Umarmung,  und  Hanne  war  in
den,  engen  Raum  allein.
„Nach  der  großen  Elobrücke  das  Mädchen,"  hatte  Hinnerk
dem  Steuermann  des  Joltenstihrers  noch  zugerufen.
Ratternd  schlug  die  Maschine  wieder  an.  und  pustend
so,nab  der  kleine  Kampfer  wieder  hinaus  aufs  Wasser.
Ist.  Kapitel.
Der  Hahn.  auf  Le  ichtkurmwärler  Brinkmanns  Hofe
Z'?.  Cuxhaven  stieß  iaimetleind^iiis  Horn  und  begrüßte  »as
2  äimnerstchl  des  nahenden  Tages.  Der  Blond  und  die
We  nde  sierue  waren  Uc»cito  zur  Ruhe  gegangen.  Das
Trehfeuer  des  rot-  und  weißgegüiiderteli  Leiichtlüinis  schien
i  i  Erloschen  begriffen  lind  täiiipstc  mühsam  an  gegen  den
I  ?i  irissleigendeii  Mergel,.
Hanne  Li  tk  stand  aus  dem  e'rirürdigeii  Bollwerk  der
£  lien  Liebe  und  spähte  hinaus  in  d  >s  dampiende  Grau.
Sie  war  nicht  nach  Hanke  aegauge»,  als  der  Jolleiisül
  rer  sie  a»  der  Elbvrüae  absetzte.  Eine  niibezwiiigbgre
e  'Nsucht,  dem  Schiff  des  Geliebten,  ipompglich  diesem
s  ilft,  den  Scheidegruß  ziizuwiitleii,  halte  sie'zuin  Bah:,,
i  elf  getrieben.'und  über  alles  sich  hinwegsetzend,  war  sie
i.  r-  uxhcwe»  geeilt.
Aklmählich  wurde  es  Heller;  aber  es  war  nicht  mehr
d  is  goldene  Rinnen  des  vorhergehenden  Tages.
Des  Ljilliwels  'Azur  war  verschlungen  von'mißfarbenem
"  lei.  die  matte  Sweive.  die  da  aus  den  gelben  Wassern
s  ez  mid  dann  am  hecknsarbenen  Firmament  hing,  das
i.iir  nicht  jene  Sonne,  di)  feit  bald  drei  Wochen  an  jedem
Margen  die  ichlajeiiden  Buaite»  wachgcküßt.
2  nein,  das  war  sie  nicht.
Der  iiidigviarbeiie  Streiten  am  jenseitigen  User  hing  ^
i  c  ')  immer  unbeweglich.  Rür  noch  dunkler  erschien  seine
Emaltierung,  lind  der  vergvloeie  Hahn  irgeiideincl  Kirche
hob  sich  von  ihm  ab,  wie  ein  Diamant  von  schwarzeni
Kissen.

Der  Hasen,  der  sonst  in  die  Laudschait  hineinlachte,
wie  ein  großes,  glünzcndes  ^lng?,  glich  einem  Kessel
schmutzigen,  lchnvgen  asscrs.  Mitunter  sprang  eine  See.
eine  besonders  lecke,  mit  kühnem  Satze  miltcir  auf  das  i  cl!--merf,
  das  Mädchen  mit  einem  fausten  Sprühregen  überschüttend, ­

Klascn  Briiikiiiaii»  schüttelte  zum  so  und  so  vielten
Male  den  ergrauten  Kops.
„Nun  kick  mi  bloß  einer  bei  dwotiche  Dreru  an.  LopI
in,  all  ecn  paar  Stniliien  hier  herum  und  !äl  jick  nal
uunren  wie  ne  Kali.  Un  warum  ?  Um  bat  Sch  in  noch
mal  tau  sehen,  ov  deni  irgeiidren  hübschen  Bengel  no
See  tau  geil,  bei  ehr  den  Kr  pp  venreii  bat."
Es  waren  nach  einige  Frauen  nach  der  Mole  gekommen. ­
  Gattinnen,  Bräute  und  Schwestern  von  Ser»
lcilteii,  welche  die  gleickie  lllbackn  hernico  wie  Hanne.  Sie
salzen  alle  rührend  aus  in  ihrem  2ibichiedsschmcrz,  am
rühiendsten  aber  Hanne.
Wie  manches  Mal  hatte  sie  srüher  schon  das  gleiche
Schauspiel  mit  angesehen.  Nun  schlug  auch  ihr  Herz  hu
einen  Seemann  voll  Bangen  und  Ho  en.
Sie  schien  es  immer  noch  nicht  begreifen  zu  können,
daß  schon  in  der  nächsten  Suinoe  ihr  Glück  enteilen  würde
auf  langiC  Zeit,  und  sah  mit  angstvollen  Augen  aus  die
bewegte  See.
Wie  eine  gi-anenverbreitende  Bestie  crfdücn  ihr  die
honte,  die  griuiinig  die  Tatzen  ein  grub  in  das  feste  Geinöuer
  des  Bollwerks  und  ui  die  Flanke»  der  wenigen,
draußen  ankernden  -chiffc.
Hunne  schien  gefaßt,  aber  in  ihren  Zügen  war  ein
naiuenioseH  Kammer.  Es  war  alles  so  auf  sie  eiiigcstiu  i»!
in.  De»,  letzstiü  Taste»,  daß  ihr  Hirn  die  Eindrücke  garnicht
mehr  zu  bewältigen  rer:,,,'eine.  Das  Blut  in  ihr  raste  und
türmte  in  ihrem  Geist  eine  unüberwindliche  Schranke  ans;
die  konnte  von  außen  her  nichts  mehr  überfä-renen.
„Nun,  min  1.0  tt,  mm  kommt  hei."
Erschrocken  sah  Hanne  in  die  ivrtteihailei,  Züge  des
alten  Leiichtturniw.nicrs,  der  ruüeme.'!!  innrer  stc  (jetreten
  war.

AortschuuL  stlgt.)
            
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