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Volume Nr. 78, 04.04.1918

Full text : Friedenauer Lokal-Anzeiger (Public Domain) Ausgabe 25.1918 (Public Domain)

.  Lezvzsp?e!s
fcrt  Sdhrlmtg  ou5  der  Geschäftsstelle.
Rheinstr.  15,  .  .  M.  vierteljährlich;  durq
Boten  tnS  HauS  gebracht.  .  Ft.,  durch  die
Post  brzozen  '  M.,  ohne  Bestellgeld

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Ar  78.

Zerrung)
ferpts  für  dm  Kriedmauer  Orislell  von  ZchSneberg  nnd
Lesirtsvtrein  Züd-Wcst-Anreizen


EeMstrstelle;  Mrwstr.  IS
Raum  80  Ps.  Die  Reklamezeile  kostet
75  Pf.  Belagnummer  10  Pf-A^?ck>

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Aerlln  Iriedenau,  Donnerstag»  den  4  Aprit  1918.

^«ratertA«?*  Hm*  D f »0*«r*  tltt.

Englische  Niederlage

6  o  n  st  a  li  t  i  n  o  p  c  l.  Palästinafront:  Der  Borstos;  der
Engländer  auf  das  östliche  Jordanufer  ist  gescheitert  und
wächst  sich  zu  einer  ernsten  Niederlage  für  den  Gegner  aus.
Unsere  Truppen  sind  in  siegreichem  Vordringen  und  fügen
dem  auf  schlechten  Wegen  rückwärts  drängenden  Feinde  weitere ­
  Verluste-zu.  Hartnäckiger  Widerstand  des  Gegners  ist
überall  gebrochen.  Unter  Führung  des  Oberst  Essad  Bei
wurde  von  Norden  her  der  Uebcrgang  über  den  Wadi  Abiad

scrcr  Artillerie  wirksam  gefasst  und  von  unserer  schneidig

rungsverhältnisse  die  feindlichen  Lager  am  Jordan  und  bei
Jericho  mit  guter  Wirkung  an.  Westlich  deS  Jordan  an
einzelnen  Stellen  lebhafte  Artillerie-  und  Patrouillcntätigkeit.
  Unsere  dicht  am  Fluß  stehenden  Truppen  griffen
erfolgreich  nach  Süden  an.  Sonst  nichts  von  Bedeutung.
Paris.  Amtlich:  Die  Beschießung  der  Gegend  von
Paris  wurde  am  Mittwoch  fortgesetzt.  Es  gab  keinen  Verwundeten. ­

Bern.  Matin  meldet  aus  Calais:  Seit  Mitte  letzter
Woche  wird  Calais  täglich  von  deutschen  Fliegern  überflogen. ­
  Auf  die  Stadt  und  das  Weichbild  tvurden  sehr  viele
»Bomben  abgeworfen.  Dank  betritt  der  letzten  Zeit  zahlreich ­
  errichteten  Unterständen  sind  Verluste  au  Menschenleben ­
  nicht  zu  beklagen.  Die  deutschen  Flugzeuge  haben
trotz  schärfster  'Abwehr  die  Stadt  in  den  meisten  Fällen
erreicht.

tfrtenacin’icbttfto
(Nachdruck  in.frei  o-Originalartikel  nur  mitQuelleiiaiigcibe  gestattet)
v  F  r  i  e  d  e  ii  a  u  e  r  E  l>  r  e  n  t  a  s  e  l.  Den  Heldentod  sürs
Vaterland  starb  am  14.  März  an  den  Folgen  seiner  am  13.
März  erlittenen  schweren  Verwundung  der  Sanitäts-Unwrossizier
jlurt  A  l)  r  e  n  st  e  d  t,  Inhaber  des  Eisernen  Kreuzes,  Sohn  der
Frau  Elisabeth  9!  Inen  steht,  Masiiiian»stras;e  11.  —  Infolge  eines
Uiiglücksfalles  starb  am  L3.  März  d.  I.  den  Heldentod  fürs
Vaterland  der  Ersatzreservist  Heinrich  S  ch  u  in  a  n  n  im  26.  Lebensjahre. ­
  Der  Verstorbene  hat  s.  Zt.  in  unserer  Buchdruckerec
Schriftsetzer  gelernt.
o  Das  Eiserne  Kreuz  2.  Klasse  hat  der  Gefreite
Ulrich  Schulz,  ehemaliger  Abiturient  des  hiesigen  Gymnasiums,
siir  bewiesene  Tapserleit  erhalten.
o  U  n  s  e  r  in  G  c  in  e  i  n  d  e  ä  l  t  e  st  e  n  H  e  r  r  n  K  g  l.
Komm.-Rat  Heinrich  Sachs  sind  aus  Anlaß  seines
60.  Geburtstages  Glückwunschschreiben  und  -Drahtungen

in  großer  Zahl  zugegangen.  Auch  Blumenspendcn  gingest
ihm  sehr  reichlich  zu.  Sein  Arbeitszimmer  im  Reservelazarett
  in  der  Offenbacher  Straße  war  mit  Blumen  prächtig ­
  geschmückt.  Ec  wie  seine  Gattin  unterbrachen  auch  aus
Anlaß  dieses  Ehrentages  ihre  ehrenamtliche  Tätigkeit  im
Lazarett  nicht.  Wir  wollen  hoffen,  daß  alle  die  'vielen
Wünsche,  die  unserm  verehrten  Ehrenbürger  an  diesem
Tage  zuteil  wurde»,  in  Erfüllung  gehen  mögen.
v  M  e  l  d  c  p  f  l  i  ch  t  für  leerstehende  W  o  h  n  n  n  -
ge  ii.  Der  Regierungspräsident  hat  für  mehrere  Gemeindest
Groß-Berlins,  wie  Friedenau,  Lichterfelde,  Spandau,
Zehlendorf,  Friedrichshagen  usw.  die  Meldepflicht  aller
leerstehenden  oder  leerwerdenden  Wohnungen  und  Läden
angeordnet.
o  I  in  F  a  h  r  st  u  h  l  c  r  ft  i  cf  t.  Im,  Hause  Kufstciner
Straße  4  i»  Schöneberg  blieb  eine  Dame  im  Fahrstuhl
stecken,  der  durch  Kurzschluß  derart  verqualmte,  daß  die
Feuerwehr  nach  ZF  stüudiger  Arbeit  nur  noch  die  Leiche
der  Verunglückten  bergen  tonnte.
o  2  5  jähriges  Bestehe  n  des  H  e  i  l  st  ä  t  t  e  n  v  c  reins
  Len  zhei  in.  In  einer  mit  reichem  Bilderschmuck
versehenen  Jubiläumsfestschrift  hat  Pastor  Lenz  als  dankbaren ­
  Rückblick  auf  25  Jahre  LenzhcimliebcSarbeit  noch
einmal  das  Wirken  des  Vereins  und  seiner  Mitarbeiten
zusammengefaßt:  er  gedenkt  dabei  auch  dankbar  der  Verstorbenen. ­
  Zinn  Schlüsse  wendet  er  sich  mit  warmen  Worten
an  die  Lenzheinifreunde  und  Kindertanten,  indem  er  von  d^r
rechten  Liebesarbeit  an  den  Kindern  sagt2  „ES  ist  Ewigsteitsarbeit,
  Arbeit  im  Geiste  und  Sinne  des  großen  heiligen
Kindersreundes,  alle  die  blassen,  hohläugigen,  bleichen,  sehnsüchtigen, ­
  jämmerlich  frierenden  oder  hungernden  Kindermit
  pflegender  Liebe  zu  uinfasscn.  So  habe  ich's  gemeint',  i
als  ich  berufen  ward,  Pionierdienstc  zu  tun  für  die  Kinder-  j
heilpflege.  So  soll's  bleiben,  so  laßt  uns  handeln  und
wandeln  im  Lenzheim  mit  der  Liebe,  die  nicht  das  Ihre
sucht,  von  der  er  gelten  soll  bis  übers  Grab  hinaus:  Die  i
Liebe  höret  nimmer  auf."
o  I»  der  hiesigen  Ortsgruppe  deS  Zweigvereins
Groß-Berliu  des  Allgemeinen  Deutschen  Svrach-Vereins
  hielt  der  Vorsitzende,  Herr  Ruprecht,  am  27.  März
einen  in  der  munteren  Form  einer  Plauderei  gehaltenen  fesselnden ­
  Vortrag  über  „Verdeutschungen  im  Baugewerbe".  Da  diese
Aussühruiigen  wegen  ihrer  beherziaenswerten  Vorschläge,  recht
viele  klang-  und  sinnvolle  deutsche  Worte  für  die  meist  unnötigen
fremden  Bezeichnungen  in  der  Bausvrach-  einzuführen,  auch  in
weiteren  Kreisen  volle  Beachtung  und  Würdigung  verdienen,  so  :
set  hier  einiges  aus  dem  Vortrage  mitgeteilt.  Der  Redner  erwies
sich  als  Svrach-  und  als  Baumeister.  In  einer  Stunde  lies;  er
mit  sprachlicher  und  fachmännischer  Gewandtheit  nicht  ein  Villa,
sondern  ein  Landhaus,  nicht  mit  einer  Dependance,  sondern  mit
einem  Nebenhaus  oder  Nebengebäude  vor  den  Zuhörern  entstehen.
Da  war  an  alles  gedacht;  hätte.früher  ein  Architekt  für  den
Bauherrn  gesorgt,  so  tat  dies  jetzt  ein  Baukünstler  oder  ein
Baumeister:  man  hatte  sich  anstatt  einer  Villenkolonie  eine  Landhaussiedclnng
  ausgesucht.  Die  frühere  Nivellierung  war  zur
Höhenmessung  geworden,  und  natürlich  sprach  man  nicht  mehr
vom  Souterrain,  Parterre  und  von  der  Etage,  sondern  vom
Kellergeschoß,  vom  Erdgeschoß  und  von  den  Stockwerken.  Die
Fassade,  nämlich  die  Außenseite  des  Hauses,  wurde  mit  Verzierungen ­

  wie  Laub-  uud  Rankcnwerk  versehen,  nicht  aber  mit
Arabesken  oder  mit  Ornamenten.  Auch  die  innere  Ausschmükkung
  lag  in  Händen  deutscher  Meister,  die  nur  deutsch  sprachen;
so  gab  es  kein  Paneel  oder  Fournier,  sondern  Holztäfelung  und
Hvlzbelag:  wo  Draperieen  nötig  waren,  nahm  man  lieber  Tuchbehänge;
  und  ebenso  deutsch  verfuhr  man  bei  der  .Herrichtung
des  Gartens.  Es  gab  dort  keine  Volieren,  Rosarien,  Bosketts,
Rabatten  und  Rondells,  sondern  Vogelhäuser  (Äeslügelhäuser),
Rvsenpslanzuiigeu,  Gcbüschgrnppen,  Gartenbeete  und  Rnndbeetc.
Ein  Pavillon  wurde  zum  Gartenzelt,  und  anstatt  einen  Obelisken
zu  errichten,  zog  man  eine  Spitzsäule  vor.  —  Sv  wurde  ein
heiterer  Feldzug  gegen  die  Fremdwörter  im  Baugewerbe  zunächst
bei  einem  Landhansban  unternommen,  und  man  kann  hoffen,
nächstens  noch  weitere  Verdentschiingen  im  Baugewerbe  von  Herrn
Ruprecht  zu  erfahren,  sodaß  der  folgende  Abend  wiederum  so
reichen  Zuspruch  wie  der  vergangene  findet.
o  91  ad)  beut  Kriegc.  Staatsministcr  a.  D.  Graf
von  Posadowsky-Wehner,  M.  d.  R.,  wird  in  der  am
10.  April  d.  Js.  im  großen  Sitzungssaal  des  Rathauses
der  Stadt  Berlin  stattfindenden  4.  Generalversammlung
des  Groß-Bcrliiicr  Vereins  für  Kleinwohnungswesen  über
das  ganz  besonders  fesselnde  Thema:  „Nach  dem  Kriegest
sprechen,  während  Staatssekretär  a.  D.  Dr.  Dernburg,
M.  d.  R.,  „Die  Wohnungspolitik  des  Reiches  und  Preußens" ­
  und  Architekt  Dipl.-Jng.  Erich  Leyfer  „Die  Wohnnngsverhältnisfe
  Groß-Berlins  in  der  Kriegs-  und
UebergangSwirtschaft"  behandeln  Ivird.
o  Der  Verein  der  Gartenfreunde  in  Bln.-Friedenan
  hielt  seine  Monatsvcrsammtung  bei  gutem  Besuch
  am  Donnerstag  im  Ratskeller  ab.  Der  Vorsitzende,
Herr  Krüger,  eröffnete  die  Versammlung  gegen  Uhr
mit  einer  kurzen  Begrüßung  und  widmete  daun  dem  verstorbenen ­
  Ehrenmitgliede,  König!.  Hofgärtner  Dictzc,  der
wiederholt  im  Verein  belehrende  Vorträge  gehalten  hat,
einen  warmherzigen  Nachruf.  Um  das  Andenken  deöBpr»
storbcncn  zu  ehren,  erhoben  sich  die  Versammlungsteilnehmer ­
  von  den  Plätzen.  ES  folgte  dann  die  Verteilung
der  Sämereien.  Im  allgemeinen  konnten  alle  Wünsche
erfüllt  werden.  Die  Samen  sind  von  besonderer  Güte
und  die  Preise,  obwohl  recht  hoch,  stellen  sich  doch  noch
niedriger,  als  wenn  man  den  Samen  in  Berliner  Handlungeii
  hätte  kaufen  müssen.  Der  Mitgliedsbeitrag  sei
durch  den  Saincnbczug  durch  den  Verein  reichlich  gedeckt.
Es  sei  möglich,  daß  der  Vorstand  noch  Petersilien-  und
Gurkensamen  besorgen  könne;  auch  Steckzwiebeln  werden
noch  erwartet.  Nachbestellungen  können  an  Herrn  Sengfelder, ­
  Bornstraße  15,  gerichtet  werden.  Kohlsamcii  konnte
nicht  verteilt  werden,  da  dieser  nur  in  geringen  Mengen!
zu  haben  war  und  die  Firma  selbst  geraten  habe,  ihn
zur  Pflanzenzucht  für  die  Mitglieder  auszusäen.  Das
sei  bereits  geschehen  und  es  können  den  Mitgliedern  Kohlrabi- ­
  uud  Kohlvflanzcn  in  ausreichender  Zahl  gegeben  norden. ­
  Ebenso  ist  es  mit  Tomaten.  Es  können  »etwa  1200
Pflanzen  verteilt  werden.  Die  ersten  Frühkartoffeln  werden ­
  in  der  2.  Aprilwoche  ausgegeben  werden;  später  -  erfolgt ­
  daun  noch  eine  Verteilung  von  späteren  Frühkartoffeln ­
  und  von  Spätkartoffclu.  Ueber  die  Verteilung,
der  Frühkartoffeln  geht  den  Mitgliedern  noch  besonders
Nachricht  zu.  Herr  Dr.  Scharfer  trug  dann  eine-Ein-F)arme

  vom  Deich.
Roman  auS  dem  Seeleben  von  Heinz  E.  MontS.
21)  (Nachdruck  verboten.)
Aus  den  Dirken  bei  Moor'cth  jedoch  fchwanv  das
letzte  Braun,  und  sie  lcideteii  sich  in  e:u  zitterndes  G-ün.
In  diesen  Tagen  voll  Wonne  und  Glanz  bestand
Hinnerk  mit  Auszeichnung  sein  E  amen  ab  Steuermann.
Hanne  war  die  erste,  welcher  er  die  frohe  Kunde  brachte.
Tränenumflorten  Auges  drückte  das  Mädchen  ihm  stumm
die  Hand.  Zu  sprechen  vermochte  sie  nicht.  Eine  culsetzliche
  Angst  vor  der  nahen  Trennung  würgte  sie  am
Halse,  es  war  überhaupt  üb.r  sie  gekommen,  daß  sie  selost
nicht  ein  noch  aus  wußte.  ,
Es  folgten  wieder  böse,  häßliche  Tage,  in  denen  der
Regen  nieder,  rasselte  in  dicken,  gerade»  Strichen,  die
schimmernden  Weiten  erstarben  in  eintönigem  Grau,  und
der  Nebel  iroch  träge  durch  die  Büsche  und  Felder  mjj*
saiben  und  häßlich  wie  die  Segel  eines  Kohlensahrers.
Schließlich  kam  die  Stunde,  in.  der  Hinnerk  der  Ge
liebten  mitteilte,  was  er  feit  Wochen  schon  wugte  und
was  er  ihr  aus  Schonung  immer  noch  verschwiegen  hatte,
daß  die  „Möwe"  in  fünf  Tagen  absege  n  würde.
Entsetzt  starrte  Hanne  den  Geliebten  an.
Rur  fünf  Tage  noch!  >
Fünfmal  vierundzwanzig  Stunden  noch,  und  die  See.
die  unerbittliche  Gläubigerin,  würde  den  Wechsel  präsentieren, ­
  den  Hinnerk  zahlen  mußte  mit  erneutem  Einsetzen
seines  Lebens.  Was  waren  fünf  Tage  für  eine  so  große
Liebe  wie  die  ihre?
Ein  wahrer  Sommer  waliete  am  Abend  ihres  letzten
'Zusammenseins,  ei.i  wahres  Jubelfest  der  Natur.
Hinnerk  hatte  am  frühen  Morgen  angemustert  und
war  nach  Erledigung  einiger  dienstlichen  Ovlieaenbetten

hinausgefahren'mich  der  Bicka  des  Onkels,  uili  sich  zu  verabschiede». ­
  »
Tie  Alster  lag  glanzend  da,  funkelnd  wie  geschlissener
Bergkristall.  die  Schwäne,  die  zu  Hunderten  das'seeähnliche
Venen  des  Flüßchens  jenseits  der  Lombardsbriicke  beoöl  ern,
blähten  im  Sounenglanz  ihr  silbriges  Gefieder,  allenthalben ­
  halte  der  Frühling  Spuren  tünstigen  Glücks  zurückgelassen. ­

Hinnerk  achtete  nicht  der  Feerie.  Er  brannte,  möglichst
bald  sich  wieder  freizumcchen  uiio  Brust  an  Brust  mit
Hanne  die  letzten  Stunden  zu  verträumen.
.  Es  e  ledigte  sich  alles  über  Erwarie»  gut.  Das  Mahl
zog  sich  nicht  zu  sehr  in  die  Länge,  und  das.  mevor  ihm
gewissermaßen  gebangt  hatte,  der  persönliche  Abs.hied  von
Lu  ie,  blieb  ihm  ers.  art;  die  Cousine  lag  zu  Bett  und  ließ
sich  entschuldigen.
Ihr  letzter  Gang  auf  lange  Zeit  hinaus  führte  die
Liebenden  im  großen  Bogen  um  den  Reihe.stieg  herum.
Die  Härte  war  aus  der  Lust  verschwunden,  lie  Linien
der  fernen  Buchten  erschi.neii  unendlich  weich  und  ihre
Farben  gedämpft.  Der  Lerchen  Gesang  zerrann  im  Blau,
das  Summen  der  Bienen  klang  darinnen,  die  neugeborenen
Zicklein  spränge-,  um  ihre  Mütter.  Es  lag  in  Lcr  Natur
wie  ein  fröhliches  Lied.
Am  Ufer  der  Elbe  ließen  die  beiden  sah  nieder  und
saßen  lauge  am  Abhang  des  Deiches  im  jungen  Grase,
wie  auf  schivellendem  grünen  Teppich,  und  schauten  hinaus
aiif  das^  Wasser,  das  so  ruhig  dalag,  als  gäbe  es
»initiier  Sturm  „rch  Wetter.  Selbst  die  Tioe,  die  gewaltige
Lunge  des  Meeres,  sie  stand  und  sammelte  neue  Kraft  um
»ach  dem  begierigen  Schlürfen  der  Flut  dem  Ozean  die
Wasser  mit.  gewaltiger  Kraft  wieder  entgegenzuspeien.
S.undeiilang  halte  Hiniieik  so  sitzen  uud  in  Hannes  seit
Tagen  schon  so  ticfrrnuri.  en  Augensterne  blicken  können,  in
denen  eine  ihm  so  fremde  Weit  lag,  ein  köstliches  Neuland. ­
  Er  ging  in  dieser  Stunde  ganz  auf  in  der  Cel-ebteu,
  er  sah  zu  ihr  empor  wie  zu  e  uer  Gottheit.

Und  als  5)nnne  ihn  fragte:  «Wirst  du  auch  iuimcr  nur
mir  ganz  allein  gehören,  Hinnerk?",  da  erwiderte  er  erstaunt: ­
  „Ja.  aber  sicher,  mein  Lieb.  Ganz  dein  bin  ich.
Für  immer  und  ewig."
Eng  schmiegte  Hanne  sich  an  den  Geliebten  an.  Ja,  er
gehörte  ihr.
Ein  gewisser  Stolz  mischte  sich  in  dieses  Bewußtsein.
Sie  ganz  allein,  die  arme  Hanne  Link,  hatte  den
Sieg  davongetragen  über  alle  die  Mädchen,  die  nach  dem
Geliebten  sich  die  Kopse  verdrehten.
Im  nächsten  Augenblick  aber  erschrak  sie  wieder.
Würde  er  auch  wirklich  Wert  halten?  Man  kennt  ja  die
Versuchungen,  denen  die  Seeleute  ausgesetzt  sind  in  fremden
Hafen.
Aber  nein!
Soviel  Zärtlichkeit  und  Liebe,  die  konnte  er  nicht
vergessen.
Zu  ihren  Füßen  gluckste  ösr  Strom,  wie  Wasser  beim
Auslaufen  aus  einer  Flasche.  Die  Staue  war  vorbei,  das
Abfluten  der  Ebbe  begann,  und  mit  geschwellten  Segeln
zog  eine  Anzahl  kleiner  Schisse  vorüber,  der  offenen  See
entgegen.
Ein  trüber  Schleier  legte  sich  wieder  über  Hannes  eben
nych  so  sonniges  Lächeln.  Es  war  ihr  plötzlich  klar  ge>
worden:  die  Nebenbuhlerin,  die  sie  fürchtete,  das  war  das
Meer.
Was  kümmerte  sich  das  Meer  um  der  Menschen  (8lu<I
oder  Leid  V  Es  kam  gezogen,  bald  wild  brausend,  vaiQ
in  majestätischem  Schweigen,  und  hatte  kein  Herz.
Und  gewiß  würde  es  auch  ihn  eines  Tages  zu  fföj
hinabziehen  in  sein  kristallenes  Reich,  wenn  seine  Zeit  um
war.  Und  sie  würde  fern  sein  von  ihm,  würde  ihm  nichj
helfen,  nicht  beistehen  können  in  seiner  Not.
In  der  Luft  rührte  sich  noch  immer  nichts.  Aber  als
die  goldene  Hand  der  sinkenden  Sonne  die  Landschaft
i»  ein  flammendes  Not  tauchte,  uud  die  Farbentöne,  schön
wie  selten,  die  ganze  Hkala  des  Regenbogens  durchliefen.
            
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